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"Altersdiabetes" beginnt in der Jugend
Bei 95 Prozent der Diabetiker läuft der Stoffwechsel erst im Laufe der späteren Lebensjahre aus dem Ruder, weshalb sowohl Ärzte als auch Patienten diese Erkrankung häufig noch als "Altersdiabetes" titulieren. Das ist heute nicht mehr gerechtfertigt, denn immer mehr Menschen erkranken schon in jungen Jahren. Warum sich ein ganzes Krankheitsbild mit unseren fragwürdigen Lebens- und Ernährungsgewohnheiten ändert, und was zu tun ist:
95 Prozent der Patienten in Deutschland sind Typ 2-Diabetiker, deren Erkrankung sich über die Stadien einer steigenden Insulinresistenz und einer daraus folgenden
Hyperinsulinämie zu einem manifesten Diabetes mit Erschöpfung der Insulinproduktion entwickelt.
Die Insulinresistenz ist überwiegend vererbt, aber die Risikofaktoren wie Übergewicht und Bewegungsmangel führen dazu, dass die Diabetiker in den letzten Jahren immer "jünger" werden, d. h. das Alter, in dem die Erkrankung auftritt, verschiebt sich nach vorne.
Früher sprach man vom Altersdiabetes, weil er sich meist erst bei Personen ab dem sechzigsten Lebensjahr entwickelte. Heute bedeutet dies eine Verharmlosung, denn die Erkrankung verlangt eine frühe, konsequente Behandlung samt Umstellung der Lebensgewohnheiten - oder sie führt zum Tode. Diabetes mellitus und seine Vorstufen werden aber in der Mehrzahl der Fälle zu spät erkannt.
Die Tatsache, dass immer öfter schon Kindern, Jugendliche und junge Erwachsenen betroffen sind, hängt mit dem steigenden Vorkommen von Übergewicht zusammen, warnt jetzt das Deutsche Institut für Ernährungsmedizin und Diätetik (D.I.E.T.) in Bad Aachen. Übergewicht ist einer der bedeutendsten Risikofaktoren für die Entwicklung eines Typ 2-Diabetes. Heute ist bereits jedes dritte Mädchen und jeder vierte Junge schon bei der Einschulung übergewichtig. Was Erwachsene bei Kleinkindern als süßen "Babyspeck" verklären, kann der Auftakt zum Übergewicht und damit ein kardinales Risiko für Stoffwechselerkrankungen sein.
Weil die Weichen für Diabetes Typ-2 werden im Kindesalter gestellt werden, ist es wichtig, frühzeitig auf ausreichend Bewegung und eine ausgewogene Ernährung arm an tierischen Fetten zu achten, betonen de DIET-Experten. Dies steigert die Chance, dass sich als "unvermeidliche" Begleiterscheinung des Älterwerdens ein "Altersdiabetes" einstellt.
Angesichts der verbreiteten Fehlernährung ist aber derzeit damit zu rechnen, dass Diabetes mellitus in Deutschland in den nächsten Jahren deutlich zunehmen wird. Für das Jahr 2010 wird ist eine Zahl von über 9 Millionen Diabetikern hochgerechnet - 40 Prozent mehr als zur Zeit.
Die Diabetes-Experten des DIET fordern daher eine stärkere Berücksichtigung der Ernährungsberatung in der Prophylaxe und Behandlung des Diabetes mellitus. Die vorbeugende Beratung ist allemal sinnvoller und kostengünstiger als eine medikamentöse Behandlung der Symptome.
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Fragen zur gesunden Gewichtsreduktion beantworten ernährungswissenschaftliche Berater des DIET telefonisch werktags von 14:00 bis 17:30 Uhr unter der Telefonnummer 0241 - 4450600. Die Homepage des Instituts (www.ernaehrungsmed.de) bietet weitere interessante Informationen.
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[18.04.2002]
Redaktion: Ralf Schlenger
Quelle: DIET, Aachen
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