Erste Zöliakie-Medikamente könnten bald erhältlich sein

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Menschen mit Typ-1-Diabetes haben ein erhöhtes Risiko, auch an Zöliakie zu erkranken. Bisher ist in diesem Fall eine glutenfreie Ernährung die einzig wirksame Therapie. Die Forschung arbeitet jedoch an Medikamenten, die zumindest eine Linderung der Beschwerden versprechen.

(21.04.2026) Wer an Typ-1-Diabetes erkrankt ist, entwickelt oftmals weitere Autoimmunerkrankungen. Dazu zählt auch Zöliakie, eine Glutenunverträglichkeit, die eine Entzündung des Dünndarms auslöst, weil das Immunsystem überempfindlich auf ein in vielen Getreidesorten enthaltenes Eiweiß reagiert. Häufige Folgen sind Magen-Darm-Beschwerden, Appetitlosigkeit und Abgeschlagenheit.

Um die Symptome zu lindern, müssen Betroffene auf glutenhaltige Lebensmittel verzichten. Das ist im Alltag allerdings oft schwierig, da bereits geringe Mengen Gluten Beschwerden auslösen können. Es kommt leider immer wieder vor, dass versehentlich verstecktes Gluten aufgenommen wird, zum Beispiel bei Restaurantbesuchen.

Enzym im Darm wird durch Medikament gehemmt

Linderung verspricht ein neues Medikament, das Ende der 2020er-Jahre auf den Markt kommen soll. Der enthaltene Wirkstoff ZED1227 hemmt das Enzym Transglutaminase, das im Darm eine Immunreaktion auslöst, welche wiederum Entzündungsreaktionen verursacht. Das Medikament wurde von einem Forscherteam der Universitätsmedizin Mainz entwickelt und hat sich in den bisherigen Studien bewährt. Sollten auch die Ergebnisse der Phase-3-Studien überzeugen, ist eine baldige Markteinführung zu erwarten.

Das Medikament wird zwar keine Heilung bringen. Eine glutenfreie Ernährung bleibt bei Zöliakie weiterhin erforderlich. Das Forscherteam geht jedoch davon aus, dass es die Reaktion des Immunsystems auf geringe Mengen Gluten eindämmen kann. Betroffene müssen dazu vor einer Mahlzeit, die möglicherweise Spuren von Gluten enthält, eine Tablette einnehmen, deren Wirkung mehrere Stunden anhält. Menschen, die bereits auf geringe Mengen Gluten mit starken Beschwerden reagieren, können im Falle einer Zulassung auf mehr Sicherheit bei der Ernährung und einen Gewinn an Lebensqualität hoffen, heißt es.

Screenings bei Typ-1-Diabetes empfohlen

In Deutschland leidet etwa ein Prozent der Bevölkerung an Zöliakie. Die Wahrscheinlichkeit, zusätzlich zu Typ-1-Diabetes an Zöliakie zu erkranken, ist allerdings höher. Etwa drei bis sechs Prozent der Typ-1-Diabetiker sind betroffen. Wird die Zöliakie nicht erkannt, kann das Auswirkungen auf die Stoffwechsellage haben. Mangelerscheinungen und Unterzuckerungen treten dann häufiger auf.

Eine unbehandelte Zöliakie erhöht langfristig das Risiko für chronische Darmschädigungen und Nährstoffmangel, der wiederum weitere Organschäden auslösen kann. Experten gehen von einer hohen Dunkelziffer aus. Insbesondere bei Typ-1-Diabetes treten oftmals nur milde Zöliakie-Symptome auf, weshalb die Erkrankung mitunter nicht sofort festgestellt wird. Ein regelmäßiges Screening wird deshalb empfohlen. Auch Eltern von Kindern mit Typ-1-Diabetes sollten diese auf Zöliakie untersuchen lassen. Menschen mit Typ-2-Diabetes haben hingegen kein erhöhtes Zöliakie-Risiko.

Quellen:
Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG)
Deutsche Gesellschaft für Immunologie e.V. (DGfI)
ZDF heute
MeinAllergiePortal
Kompetenznetz Darmerkrankungen e.V.
Allergia.at
Deutsche Zöliakie-Gesellschaft e.V. (DZG)
diabetesDE – Deutsche Diabetes-Hilfe e.V.
info Medizin
Deutsche Rentenversicherung Rheinland
eigene Recherche

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Dieser Artikel wurde verfasst von Thorsten Ferdinand