Typ-2-Diabetes wird häufig vererbt
Diabetes mellitus 2 hat eine starke genetische Grundlage. Etwa 40% der Nachkommen von Eltern mit Typ-2-Diabetes entwickeln diesen ebenfalls im Laufe ihres Lebens. Betrifft dies gar beide Elternteile, dann beträgt das Erkrankungsrisiko der Nachkommen sogar 70 bis 80%. Wer also Verwandte ersten Grades mit einem Diabetes mellitus Typ 2 hat, hat ein sehr hohes Risiko, auch einen Diabetes zu bekommen, insbesondere, wenn der Lebensstil durch reichhaltige Ernährung und Bewegungsmangel gekennzeichnet ist und folglich zu Übergewicht führt. Wenn Sie eine familiäre Veranlagung haben, haben Sie selbst einen großen Einfluss darauf, wann der Diabetes bei Ihnen auftritt: bereits im jugendlichen Alter oder erst im hohen Alter (Altersdiabetes).Bereits ältere, populationsbezogene Studien belegten dies eindrucksvoll, wie die KORA Untersuchung (Kooperative Gesundheitsforschung in der Region Augsburg) aus dem Jahr 2000: Hier wurden 1.300 zufällig über die Einwohnermeldeämter der Region Augsburg ausgewählte Personen im Alter von 55 bis 74 Jahren und ohne bekannten Diabetes untersucht. 27% der Untersuchten wiesen eine gestörte Glukosetoleranz und 12% einen neu entdeckten, bereits ausgeprägten Typ-2-Diabetes auf [1].
Aufgrund der Gewichtszunahme in der Bevölkerung und des geringen Bewegungsverhaltens nimmt die Anzahl der Patienten mit Diabetes mellitus Typ 2 immer weiter zu. Aktuell betrifft dies in Deutschland mindestens 9,1 Millionen Menschen, die sich wegen des Typ-2-Diabetes in ärztlicher Behandlung befinden. Hinzu kommt noch eine Dunkelziffer von mindestens 2 Millionen Betroffenen [2].
Die Therapie des Typ-2-Diabetes im Überblick
Die Basis der Therapie des Diabetes mellitus Typ 2 ist die Ernährungsumstellung und die Aufnahme eines Bewegungsprogramms. Im Kapitel „Therapiepfeiler: Ernährung und Bewegung“ finden Sie Tipps und Empfehlungen, wie sich dies umsetzen lässt.Weiterhin gibt es eine große Auswahl an Medikamenten für die Behandlung des Typ-2-Diabetes, falls die Umstellung des Lebensstils keinen ausreichend gewünschten Erfolg bringt. Neben altbekannten oralen Antidiabetika, wie z.B. das Metformin gibt es eine Reihe erfolgreich einsetzbarer Medikamente, die erst seit wenigen Jahren verfügbar sind, wie SGLT-2-Hemmer oder GLP-1– bzw. duale GLP-1/GIP-Rezeptoragonisten (Inkretinmimetika).
Das ermöglicht den Ärzten einen zielgerichteten Einsatz entsprechend der Entwicklungsphase des Typ-2-Diabetes (siehe Kapitel „Was ist Diabetes“). Weil letztere auch die Gewichtsabnahme unterstützen, können sie das Fortschreiten der Diabeteserkrankung verringern.
Unabhängig davon existieren verschiedene Insuline, die eine individuell angepasste Insulintherapie ermöglichen.
Eine weit entwickelte Diabetestechnologie mit Insulinpens, Fertigpens, oder auch Smartpens lassen die Insulintherapie weniger belastend und auch nicht mehr stigmatisierend erscheinen.
Einen wesentlichen Aspekt bieten auch die Methoden der Selbstkontrolle des Glukosespiegels. Einerseits betrifft dies die Blutglukosemessung, wofür nur noch geringe Blutmengen und kurze Messzeiten notwendig sind. Insbesondere ist die Blutentnahme aufgrund der Verfügbarkeit scharf geschliffener Lanzetten und Stechhilfen mit einem schnellen, nahezu vibrationsfreien Einstich nur noch wenig oder gar nicht schmerhaft. Andererseits ist die kontinuierliche Glukosemessung (CGM) zumindest für intensiviert insulinbehandelte Menschen mit Typ-2-Diabetes erstattungsfähig und sorgt dafür, dass die Betroffenen jederzeit darüber informiert sind, wie sich Ernährung, Bewegung und diverse Verrichtungen im Alltag auf ihren Glukosespiegel auswirken.
Alle diese Entwicklungen verbessern die Lebensqualität von Menschen mit Typ-2-Diabetes und helfen diesen bei der Bewältigung des Alltags mit dieser Erkrankung.
Diabetesschulung
Therapiepfeiler: Ernährung und Bewegung
Gewichtsabnahme hilft bei Typ-2-Diabetes
Kontinuierliche Glukosemessung (CGM) bei Typ-2-Diabetes?
Therapieoptionen bei Typ-2-Diabetes
Behandlungsbeginn mit Metformin
Behandlung von Risikopatienten
Behandlung von Patienten ohne Risiko
Insulintherapie bei Typ-2-Diabetes
Wissen über Insuline
Insulinarten und Insulinwirkung
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Literatur:
[1] Rathmann W, Haastert B, Icks A, Löwel H, Meisinger C, Holle R, Giani G. High prevalence of undiagnosed diabetes mellitus in Southern Germany: target populations for efficient screening. The KORA survey 2000. Diabetologia 2003;46(2):182-189.
[2] Seidel-Jacobs E, Tönnies T, Rathmann W. Epidemiologie des Diabetes in Deutschland. Deutscher Gesundheitsbericht Diabetes 2025:8-11.