Insulin richtig spritzen: Wie geht das?

Der Umgang mit Insulin

Die Therapie mit Insulin wird von den meisten Patienten mit Diabetes selbständig durchgeführt. Voraussetzung ist eine ausführliche Schulung. Hier wird darüber informiert, wie Insulin wirkt und wie man damit umgeht. Viele Hausärzte und Fachärzte führen solche Schulungen durch.

Insulin-Behandlung rechtzeitig beginnen

Die gebräuchlichen Insuline wirken nur, wenn sie gespritzt werden. Viele Patienten fürchten sich vor dem „Spritzen“. Deshalb wird oft eine notwendige Insulin-Behandlung hinausgezögert. Ein rechtzeitiger Beginn kann aber große Vorteile für die Behandlung haben. Spritzen von Insulin bedeutet oft einen Gewinn an Lebensqualität. Zudem ist häufig mit Tabletten, also ohne Insulin, eine gute Behandlung und Wohlbefinden nicht mehr erreichbar (sog. Sekundärversagen).

Die Angst vor dem Spritzen

Die Angst vor dem Spritzen hat sehr unbestimmte Ursachen. Nach einer Beratung wird den meisten Patienten mit Diabetes klar, dass die Ängste unbegründet sind und die Vorteile einer rechtzeitigen Insulin-Behandlung überwiegen. Das erste Spritzen ist immer eine Überwindung: Es ist ja doch eine bewusste „Verletzung“ der Haut. Die Angst vor Schmerzen ist aber unbegründet. Die Nadeln sind sehr dünn und so geschliffen, dass der Einstich kaum gespürt wird. Die meisten Patienten mit Diabetes führen nach kurzer Anleitung die Spritzenbehandlung ohne Ängste und Probleme selbständig durch.

Insulin richtig spritzen – eine Frage der Technik

Von Anfang an ist es sehr wichtig, dass man sich eine richtige Spritztechnik angewöhnt. Bei falscher Spritztechnik bilden sich Veränderungen im Unterhautfettgewebe, die die Aufnahme des Insulins in den Blutkreislauf beeinflussen. Es kann zu einer sofortigen Aufnahme oder zu einer verzögerten Aufnahme kommen. In Studien konnte gezeigt werden, dass bei 80 % der sogenannten nicht einstellbaren Patienten die Insulin spritzen, die Ursache eine falsche Spritztechnik ist. Im Folgenden finden Sie daher eine Schritt für Schritt Anleitung zum richtigen Insulin spritzen.

Der Insulinpen

Früher musste das Insulin in spezielle Spritzen aufgezogen werden. Heute stehen dafür Insulinpens zur Verfügung, die das Spritzen einfacher machen. Am häufigsten werden Einwegpens eingesetzt. Diese werden entsorgt, sobald das Insulin aufgebraucht ist. Viele Diabetiker benutzen jedoch auch aus Umweltgründen noch Pens mit Patronen. Diese Pens werden mit Insulinpatronen bestückt. Die Insulinpatronen haben ein Volumen von 3 ml, die Konzentration des Insulins beträgt 100 I. E./ml. Eine Patrone enthält somit 300 I.E.(internationale Einheiten) Insulin.

Insulin in den Pen einsetzen

Zunächst muss die Patrone in den Pen eingesetzt werden. Hierzu wird die Patrone mit dem Gewinde voraus in den unteren Teil des Pens eingeführt.

Danach wird der Pen zusammengeschraubt. Diese Schritte entfallen bei Einwegpens.

Auf das Schraubengewinde wird die Nadel aufgeschraubt. Die Nadeln gibt es in unterschiedlichen Längen.

Vor der Injektion muss die große Schutzkappe abgezogen werden.

Die Nadel selbst hat nochmals eine kleine Schutzkappe, die ebenfalls abgezogen werden muss.

Danach werden die Einheiten eingestellt, die gespritzt werden sollen. Der Einstellknopf wird gedreht, dass im Sichtfenster beispielsweise 2 Einheiten angezeigt werden.

Mit diesen 2 Einheiten Insulin (hier als Beispiel), wird die Nadel entlüftet. Der Tropfen an der Nadel zeigt, dass die Nadel entlüftet ist.

Insulin mit dem Pen spritzen

Mit zwei Fingern erzeugt man eine Hautfalte und sticht in diese die Nadel bis zum Anschlag, sodass die Spitze der Nadel sich im Unterhautfettgewebe befindet.

Der Auslöseknopf des Pens wird bis zum Anschlag durchgedrückt. Danach sollte 10 Sekunden gewartet werden, bis die Nadel aus dem Unterhautfettgewebe gezogen wird.

Es wird empfohlen jedes Mal eine neue Nadel zu verwenden. Bei Insulinen mit einer Fettkette (Levemir, Tresiba) muss auf jeden Fall eine neue Nadel für jede Injektion verwendet werden.

Injektionstellen – wohin wird das Insulin gespritzt?

Das Bolusinsulin vor dem Essen soll möglichst schnell aufgenommen werden und wird daher in das Unterhautfettgewebe des Bauches verabreicht. Basalinsulin soll möglichst langsam aufgenommen werden. Die geeignete Stelle hierzu ist der Oberschenkel. Das Spritzen in den Oberarm ist nicht empfohlen. Die Aufnahmegeschwindigkeit am Oberarm liegt zwischen der am Bauch und dem Oberschenkel. Da das Unterhautfettgewebe am Oberarm sehr dünn sein kann, kann es vorkommen, dass die Nadel in den Muskel eindringt und die Injektion dadurch schmerzhaft ist.

Spritzstellen regelmäßig wechseln

Nach einiger Zeit wird das Insulin ohne Nachdenken gespritzt. Man bildet sich ein, indem man zwischen rechts und links abwechselt, man hätte immer die Spritzstelle gewechselt. Durch die unbewusste Handlung wird jedoch dann häufig immer an dieselbe Stelle gespritzt. Dies hat Veränderungen im Unterhautfettgewebe zur Folge, sodass die Aufnahme des Insulins in die Blutbahn starken Schwankungen unterworfen sein kann. Es konnte in Studien gezeigt werden, dass die Ursache für schwer einstellbare Insulintherapien in 80 % eine falsche Spritztechnik ist. Die Deutsche Diabetes Gesellschaft empfiehlt daher einen sogenannten Spritzkalender:

Begonnen wird zum Beispiel montags morgens oberhalb des Nabels ganz rechts. Mittags wird in Höhe des Nabels gespritzt und abends in der Linie unterhalb des Nabels. Für die folgenden Wochentage bewegt man sich immer um 2 cm Richtung Nabel. Nach einer Woche beginnt man auf der anderen Seite nach demselben Schema. Dadurch kann sich das Unterhautfettgewebe auf der rechten Seite eine Woche lang erholen. Das konsequente durchführen dieses Spritzkalenders verhindert das auftreten von Veränderungen im Unterhautfettgewebe sogenannten Lipodystrophien.

Basalinsulin wird in den Oberschenkel verabreicht. Auch für das Basalinsulin sollte man einen Spritzkalender einhalten. Beginnen Sie am rechten Oberschenkel montags ganz oben und im Abstand von 2 cm spritzen sie den Rest der Woche bis zum Sonntag immer unterhalb der letzten Spritze. Anschließend eröffnen sie eine zweite Reihe. Dann lassen Sie die rechte Seite sich erholen und wiederholen dasselbe Schema auf der linken Seite.

Mehr zum Thema Insulin und ihre Wirkung finden Sie hier bei diabetes-news.

Eine aktuelle Liste der Insulinpräparate finden Sie hier.