Hühnerei-Allergie

Hippokrates, der Urvater der Medizin, hat es schon vor 2400 Jahren gewusst: Nahrungsmittel können uns krank machen. Der Wiener Arzt Clemens Freiherr von Pirquet prägte 1906 den heute gültigen Begriff für diese besondere Krankheitserscheinung, er nannte sie Nahrungsmittelallergie. Damals konnte er freiwillig nicht voraussehen, dass keine 100 Jahre später jeder zehnte Bundesbürger an dieser Erkrankung leiden würde.

Nahrungsmittelallergien sind Überreaktionen unseres Immunsystems, die durch tierisches oder pflanzliches Eiweiß ausgelöst werden. Eiweiß, das wir mit der Nahrung zu uns nehmen, wird normalerweise durch Verdauungsenzyme in seine Bausteine, die Aminosäuren, zerlegt und somit „unschädlich“ gemacht. Diese Bausteine werden ins Blut aufgenommen und dann im Körper wieder zu neuen Eiweißstrukturen zusammengefügt. Gelegentlich verirrt sich aber ein intakter körperfremder Eiweißstoff in unsere Blutbahn – und ruft dann als sogenanntes „Antigen“ oder „Allergen“ die Abwehrzellen unseres Immunsystems auf den Plan. Diese produzieren Antikörper, die in der Lage sind, das eingedrungene Eiweiß zu binden und es dem „Aufräumkommando“ des Körpers, den sogenannten phagozytotischen Zellen, zum Fraß vorzuwerfen – die körperfremde Substanz wird vernichtet.

Dieser Prozess ist an sich zunächst ungefährlich – wir nehmen diese erste Reaktion auf den Eiweißstoff gar nicht wahr. Die Information über diese Antigen-Antikörper-Reaktion wird aber vom Immunsystem gespeichert. Kritisch wird es beim zweiten Kontakt: bei genetisch veranlagten Personen, den Allergikern, wird dann nämlich aus noch ungeklärten Ursachen eine überschießende Immunreaktion hervorgerufen. Sprich, es kommt zu einer stark überhöhten Bildung von Antikörper- oder Immunglobulinen, wie sie auch genannt werden. Hierbei wird besonders viel Immunglobulin E (IgE) gebildet, eine Substanz, die die eigentliche allergische Reaktion einleitet. Sie verursacht nämlich die verstärkte Freisetzung von Histamin, einer hormonähnlichen Substanz. Diese ruft die typischen allergischen Reaktionen hervorruft, die Betroffene so gut kennen:

  • Atemnot oder sogar Asthma
  • Hautekzeme oder stark juckende Hautquaddeln
  • Anschwellen des Mund-Rachen-Bereichs
  • Schnupfen und Nasenjuckreiz
  • dazu Übelkeit, Erbrechen und Durchfall

Diese Symptome können in Verbindung mit stark fallendem Blutdruck und Kreislaufversagen unter Umständen sogar zum sogenannten anaphylaktischen Schock führen, d.h. zu Bewusstlosigkeit und Herzversagen. Somit dürfen Allergien auf gar keinen Fall auf die leichte Schulter genommen werden! Beim Auftreten oben genannter Erkrankungserscheinungen sollte deshalb unbedingt ein Arzt konsultiert werden. Er kann anhand eines Blutbildes sowie durch spezielle Allergie-Testverfahren feststellen, ob eine Allergie vorliegt – und vor allem welche. Übrigens können diese Symptome auch durch histaminreiche Lebensmittel wie Fisch, Sauerkraut und Wein oder auch durch bestimmte Zusatzstoffe hervorgerufen werden. Diese als Pseudoallergien bezeichneten Reaktionen finden ohne Beteiligung von Immunglobulin E statt. Der Betroffene selbst kann allerdings hinsichtlich seiner Beschwerden keinen Unterschied zur „echten“ Allergie feststellen.

Eine der häufigsten Allergien wird durch die tierischen Eiweißstoffe des Hühnereies hervorgerufen. Die Hühnerei-Allergie tritt meistens bereits im frühen Säuglingsalter auf. Zuweilen kann das betroffene Kind aus der Hühnerei-Allergie „herauswachsen“, d.h nach einigen Jahren treten keine allergischen Reaktionen mehr auf. In der Regel haben Betroffene aber ihr ganzes Leben mit dieser Nahrungsmittelallergie zu kämpfen. Oft wird nur Hühnereiklar schlecht vertragen. Das Eidotter kann jedoch leicht mit Eiklar „verunreinigt“ werden, dadurch kann es auch durch den Genuss von Dotter zu allergischen Reaktionen kommen.

In Ausnahmen können Allergiker Hühnerei in gekochter Form gut vertragen, dies sollte im Einzelfall überprüft werden. Im allgemeinen sind die Allergene des Hühnereies jedoch sehr hitzestabil. Somit ist die einzig Maßnahme, die das Auftreten von allergischen Reaktionen wirklich ver-hindert, der absolute Verzicht auf alle Lebensmittelprodukte, in denen Hühnerei enthalten ist.

Leichter gesagt als getan: Den Verzehr von sichtbarem Hühnerei können wir leicht vermeiden. Wer aber häufig auswärts speist, sollte daran denken, dass in der Gastronomie Suppen und Saucen werden oft mit Hühnerei abgebunden. Außerdem kann auch in panierten Speisen, Desserts und Speiseeis Hühnerei „versteckt“ sein. Problematisch wird es bei Lebensmittel, die Hühnerei enthalten, ohne dass wir es darin vermutet hätten. Hühnerei wird nämlich in der Lebensmittelindustrie zu den verschiedensten Zwecken eingesetzt, nämlich zum Legieren, Emulgieren, Klären, Binden oder Färben. Allergische Reaktionen können deshalb auch noch durch weitere Lebensmittel ausgelöst werden, z.B. durch

  • Backwaren (Brot, Brötchen, Torten, Kuchen, Kleingebäck oder Zwieback)
  • Wurst- und Fleischwaren
  • Nudelwaren
  • Margarine
  • Kartoffelfertiggerichten
  • Süßwaren wie Eis, Bonbons, Gummibären, Mohrenköpfe, Schokolade, Nougat
  • Cocktails oder Liköre

Deshalb sollten bei Hühnerei-Allergie sämtliche Fertiggerichte aus dem Ernährungsplan gestrichen und stattdessen alle Speisen in der eigenen Küche zubereitet werden. Auf handelsübliche Desserts und die oben genannten Süßigkeiten sollten Betroffene generell verzichten, so schwer das auch fällt. Viele dieser Gerichte können aber auch in der eigenen Küche mit Ei-Ersatz hergestellt werden (in Apotheken erhältlich). Auch gibt es diätetische Produkte mit Ei-Ersatz, wie z.B. Nudelwaren, Margarine, Gebäck und Brotwaren. Es ist deshalb nicht nötig, Hühnereiweiß durch Sojaprotein zu ersetzen, wie oft geraten wird. Soja-Eiweiß ist selbst ein starkes Allergen. Bei verstärkter Verwendung kann sich dadurch neben der Hühnerei-Allergie somit auch eine Allergie gegenüber Sojaeiweiß entwickeln.

Hilfreich bei allen Allergien ist der Verzehr von Brottrunk.Brottrunk ist eine Getränk, das durch fermentative Vergärung von Vollkornbrot gewonnen wird. Es enthält cirka 5 Millionen Milchsäurebakterien pro Milliliter und schafft daher ein saures Darmmillieu, das die Entstehung von Fäulnisbakterien hemmt und gleichzeitig das Wachstum guter Bifidusbakterien begünstigt. Das bedeutet, die Verdauung wird unterstützt und das Immunsystem wird gestärkt. Dadurch verbessert sich auch die Unverträglichkeit gegen Nahrungsmittel. Die Allergie geht zurück.

Unsere Rezeptempfehlung:

  • Röhrchen mit geschnetzeltem Lamm
  • Mozzarella-Tomaten-Gratin
  • Pikante Brotaufstriche
  • Frischkäse-Dessert