Hersteller nehmen weitere Humaninsuline vom Markt

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Die großen Pharmakonzerne Sanofi-Aventis und Novo Nordisk haben ihre Humaninsuline bereits vor einiger Zeit vom Markt genommen bzw. die Einstellung der Produktion angekündigt. Damit ist das Unternehmen Eli Lilly der letzte Hersteller dieser älteren Präparate. Allerdings reduziert auch dieser Konzern sein Angebot.

(12.05.2026) Die Auswahl an Humaninsulinen wird immer kleiner. Nachdem der Hersteller Sanofi-Aventis seine Humaninsuline bereits vom Markt genommen hat, stellt auch der Hersteller Novo Nordisk die Produktion seiner älteren Präparate, wie Protaphane und Actrapid, schrittweise ein. Eli Lilly ist das letzte verbliebene Pharmaunternehmen, das noch Humaninsuline für den deutschen Markt herstellt. Der Konzern hat sein Angebot jedoch kürzlich ebenfalls reduziert. So wurde die Produktion der Insuline Liprolog (Insulin Lispro) und Berlinsulin (Insulin Human) Ende des vergangenen Jahres eingestellt. Bei weiteren Humaninsulinen von Eli Lilly sind zudem nicht mehr alle Packungsgrößen verfügbar.

Mit der Verkleinerung der Auswahl an Humaninsulinen von Eli Lilly setzt sich die langfristige Marktentwicklung fort. Zwar verweist der Hersteller auf Alternativen mit gleicher Zusammensetzung. Statt des Insulins Liprilog kann demnach Humalog verwendet werden. Für Nutzer von Berlinsulin steht alternativ Huminsulin zur Verfügung. Gleichwohl muss die Umstellung unter ärztlicher Aufsicht erfolgen, da eine instabile Stoffwechsellage bei einer Änderung der Therapie nicht auszuschließen ist.

Neuere Insuline bieten mehrere Vorteile

Wie lange Eli Lilly noch Humaninsuline produzieren und vertreiben wird, ist weiterhin unklar. Nahezu alle Insulin-Hersteller empfehlen bereits seit einiger Zeit einen Wechsel zu modernen Insulin-Analoga, die im Vergleich zu Humaninsulinen mehrere Vorteile bieten. So entfällt bei schnell wirksamen Bolus-Insulinen, die zum Essen verabreicht werden, der Spritz-Ess-Abstand und die Wirkdauer verringert sich, wodurch die Gefahr von Unterzuckerungen (Hypoglykämien) reduziert wird. Auch bei den langwirksamen Insulinen bieten moderne Präparate einen Mehrwert: Sie haben in der Regel eine längere und stabilere Wirkdauer als ältere Humaninsuline und müssen deshalb seltener verabreicht werden.

Trotzdem bezifferte die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) den Marktanteil der Humaninsuline im Jahr 2024 noch auf etwa 10 Prozent, was rund 240.000 Patientinnen und Patienten entspricht. Dabei handelt es sich überwiegend um ältere Menschen mit Typ-2-Diabetes. In der Therapie von Typ-1-Diabetes spielen Humaninsuline inzwischen hingegen keine bedeutende Rolle mehr.

An Einstellung der Produktion gibt es auch Kritik

Es sprechen also viele Gründe für den Wechsel zu moderneren Insulinen. Es gibt allerdings weiterhin Patienten, bei denen das Wirkprofil der Humaninsuline besser zu ihrem Lebensalltag passt, weil sie zum Beispiel an Spritz-Ess-Abstände oder die längere Wirkdauer der älteren Bolus-Insuline gewöhnt sind. In Einzelfällen kann auch eine Unverträglichkeit gegen eine Umstellung sprechen. Aus diesem Grund gibt es immer wieder Kritik an der Entscheidung der Pharmaunternehmen, die Produktion von Humaninsulinen einzustellen oder zu reduzieren.

Weil Eli Lilly zudem den Vertrieb der 5er-Packungsgrößen der Insuline Abasaglar, Huminsulin, Humalog und Lyumjev KwikPens eingestellt hat, müssen Betroffene nun größere Mengen Insulin zu Hause lagern. Bei Patienten mit geringem Insulinbedarf erhöht sich dadurch das Risiko, dass das Insulin verfällt, weil das Haltbarkeitsdatum überschritten wird. Da der Marktanteil von Humaninsulinen weiter sinken wird, könnte die Produktion dieser Präparate irgendwann unrentabel werden. Insbesondere bei jüngeren Patienten, die noch Humaninsuline verwenden, ist eine Umstellung auf moderne Präparate auch aus diesem Grund angeraten. Eine Liste der in Deutschland verfügbaren Insuline finden Sie hier.

Quellen:
Ärztezeitung
ABDA – Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände e. V.
PTA IN LOVE
Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG)
Hessisches Ärzteblatt
Apotheken-Umschau
eigene Recherche

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Dieser Artikel wurde verfasst von Thorsten Ferdinand