Typ 1 bei Kindern: Diabetes-Früherkennung in Europa ausgeweitet

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Typ-1-Diabetes beginnt oft mit einem medizinischen Notfall. Die Betroffenen werden dann mit einer gefährlichen Stoffwechselentgleisung ins Krankenhaus gebracht. Seit einigen Jahren gibt es allerdings die Möglichkeit, die Erkrankung bereits in einem früheren Stadium zu erkennen. Die entsprechenden Tests werden derzeit in Europa erfolgreich ausgeweitet.

(07.04.2026) Seit 2023 sind in Europa mehr als 100.000 Kinder und Jugendliche auf frühe Stadien von Typ-1-Diabetes getestet worden. Dies vermeldet das Helmholtz-Forschungszentrum München, das gemeinsam mit der Katholischen Universität Leuven in Belgien das sogenannte EDENT1FI-Projekt leitet. EDENT1FI steht für „European action for the Diagnosis of Early Non-clinical Type 1 diabetes For disease Interception“, also eine europäische Initiative zur Diagnose von frühem, noch nicht klinisch manifestem Typ-1-Diabetes zur Prävention der Erkrankung.

Hintergrund: Seit dem Jahr 2015 testet das Helmholtz-Institut unter der Leitung von Prof. Anette-Gabriele Ziegler Kinder auf frühe Anzeichen von Typ-1-Diabetes, zunächst in Bayern und inzwischen auch in anderen Bundesländern. Vor drei Jahren wurde das europäische Projekt gestartet, das inzwischen auf in Tschechien, Polen und Portugal ausgeweitet wurde, nachdem es zuvor bereits ähnliche Initiativen in Italien, Großbritannien, Dänemark und Schweden gab.

Nur wenige Tropfen Blut erforderlich

Wie das Helmholtz-Forschungszentrum erklärt, sind nur wenige Tropfen erforderlich, um festzustellen, ob ein Kind oder Jugendlicher an Typ-1-Diabetes erkranken wird. Wenn Diabetes im Frühstadium festgestellt wird, erhalten die betroffenen Familien umfassende Beratung und Unterstützung, heißt es in einer Pressemitteilung. Die Betroffenen werden regelmäßig nachuntersucht und über Möglichkeiten frühzeitiger Intervention informiert.

Die Autoimmunerkrankung Diabetes Typ 1 ist bislang nicht heilbar. Wenn sie jedoch in einem frühen Stadium erkannt wird, können medizinische Notfälle meist verhindert werden. Ohne dieses Wissen landen Betroffene oft in der Notaufnahme eines Krankenhauses, bevor die Diagnose gestellt wird. In den USA leiden 30 bis 40 Prozent der betroffenen Kinder bereits an einer Ketoazidose infolge einer Hyperglykämie, wenn sie in die Klinik kommen. Eine derartige Stoffwechselentgleisung infolge absoluten Insulinmangels kann lebensgefährlich sein.

Sanfterer Beginn der Therapie möglich

Die Früherkennung von Typ-1-Diabetes bietet darüber hinaus die Möglichkeit, den Beginn der Erkrankung zu verzögern. Wenn im Stadium 2 der Diabetes-Entstehung das Medikament Tzield mit dem Wirkstoff Teblizumab verabreicht wird, lassen sich die ersten Symptome um zwei bis drei Jahre verzögern. Die Betroffenen und ihre Familienmitglieder haben dann die Möglichkeit, sich frühzeitig über die Behandlung von Typ-1-Diabetes zu informieren und sanfter in die Therapie zu starten. Da das Wissen um ein erhöhtes Erkrankungsrisiko jedoch auch Ängste auslösen kann, wird nach einem positiven Testergebnis eine intensive Beratung empfohlen.

Teblizumab ist seit Anfang des Jahres in der EU zugelassen. Ob eine Behandlung mit Tzield von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen wird, ist derzeit noch unklar. Mit einer Nutzenbewertung der Therapie wird im Spätsommer gerechnet. Da die Behandlung laut Hersteller mehr als 170.000 Euro kostet, sehen Experten den Nutzen einer Behandlung bislang eher skeptisch. Forschende wie Prof. Ziegler setzen jedoch darauf, dass die Wirkdauer des Präparats in Zukunft noch verbessert werden kann und eine Zulassung für die Behandlung von Kleinkindern erfolgt. Bisher kann Tzield erst ab dem achten Lebensjahr verabreicht werden. Ein Bezug des teuren Medikaments ist gegebenenfalls auch über eine Härtefallregelung möglich.

Quellen:
Helmholtz Zentrum München
Diabetologie-Online
U.S. Centers For Disease Control And Prevention
Deutsches Zentrum für Diabetesforschung
National Library Of Medicine
Gemeinsamer Bundesausschuss
Sanofi
Ärztezeitung
Diabetes-Anker
eigene Recherche

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Dieser Artikel wurde verfasst von Thorsten Ferdinand