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Die Bedeutung der Blutglukosebestimmung

Die Einschätzung der "Güte" des Stoffwechsels ist beim Diabetes mellitus, wie kaum bei einer anderen Erkrankung, im Wesentlichen an die wiederholte Kontrolle von laborchemischen Untersuchungen gebunden. Die Bestimmung der Blutglukose ist die wichtigste von allen.

Sofern sie nicht kontinuierlich durchgeführt wird (wie beim Biostator), ist ihre Aussage durch die einzelnen Messungen nur von begrenztem Wert. Hinweise auf die Höhe der Blutglukose vor oder nach der Bestimmung bestehen nicht. Zwar gibt das HbA1c Auskunft über die durchschnittliche Höhe der Blutglukose, jedoch werden ihre Schwankungen dadurch nicht erfasst. Dies bedeutet in der praktischen Routine, dass über den Tag verteilt mehrere Messungen erforderlich sind, um die aktuelle Qualität des Stoffwechsels einschätzen zu können.

Tägliche Blutzucker-Tagesprofile

Die Blutglukose in sogenannten Tagesprofilen zu erheben, stellt das häufigste praktizierte Prozedere bei der Behandlung des diätetisch bzw. zusätzlich mit oralen Antidiabetika oder konventionell insulinbehandelten Patienten dar. Bei intensivierten und Insulinpumpentherapieverfahren (CSII) reicht dieses Vorgehen jedoch nicht aus, da hier anhand der erhobenen Blutglukose eine Eigenapplikation des Insulins erfolgt. Auch die Nahrungsmenge soll durch den Patienten bestimmt werden, damit er dauerhaft unter Alltagsbedingungen seine Blutglukose im normoglykämisch-normnahen Bereich hält. Tägliche Blutglukoseselbstkontrollen mit Eigenanpassung der Insulindosen sind daher unabdingbare Voraussetzungen für intensivierte Insulintherapieverfahren. Bei der Insulinpumpenbehandlung kommt die mögliche Gefahr eines Insulinpumpenausfalls dazu. Blutglukoseselbstkontrollen sind deshalb unabdingbare Voraussetzungen für die Durchführung eines derartigen Verfahrens.

Patientenschulung notwendig

Die korrekte Schulung des Patienten im Umgang mit den Teststreifen und Reflektometern zeigt, dass gute Korrelationen zu den Laborbestimmungen erzielt werden können.

Blutzuckerkontrollen können mittels Teststreifenbestimmung einerseits visuell abgelesen oder mittels zusätzlichen Reflektometer bestimmt werden. Moderne Reflektometer bieten Datenspeicherung und Schnittstellen für Computer, so dass sich die inkonsequente Dokumentationsführung bei Nutzung der Datenspeichermöglichkeiten in Zukunft reduzieren sollte - sowohl in der Auswertung der täglichen Erkenntnissammlung für den Einzelnen, als auch für langfristige Beobachtungen und wissenschaftliche Untersuchungen.

Bewußt falsch eingetragende Blutzuckermeßwerte

Ein besonderes Problem stellen falsch eingetragene Blutzuckerselbstkontrollen dar, umgangssprachlich von den Patienten als "getürkte Doku-Hefte" bezeichnet. Das Phänomen ist nicht einer bestimmten Patientengruppe zuzuordnen, sondern zieht sich, wie anonyme Erhebungen zeigen, quer durch jede Altersklasse und Bildungsschicht. Indizien für den behandelnden Arzt sind die erheblichen Diskrepanzen zwischen dem HbA 1 /HbA 1c-Wert und den dokumentierten Blutzuckerselbstkontrollen. Reflektometer mit ausreichend hohem Datenspeicher können helfen, dieses Phänomen der möglichen Verleugnung oder des Feilschens früher zu erkennen bzw. diese Patienten schneller und effizienter einer psychologischen Verhaltenstherapie zuzuführen.

Der Gluco Touch von LifeScan ist ein gutes Beispiel für ein modernes Reflektometer mit übersichtlichem Display und Hinweisfunktion mit Symbolen, so dass auch technische Laien nach Aufklärung keine Probleme bei der Durchführung der Selbstkontrolle haben.

Stichwortverzeichnis:

HbA1/HbA1c:

Das menschliche Hämoglobin besteht aus mehreren Komponenten. Die HbA 1-Komponente beträgt normalerweise ca. 6 % des gesamten Hämoglobins.

Eine wichtige Untergruppe von HbA 1 ist HbA 1c , an das sich Glukose anlagert. Sowohl HbA 1 als auch HbA 1c können bestimmt werden, wobei das HbA 1 höhere Normwerte aufweist als das HbA 1c.

CSII:

aus dem englischen übersetzt: "kontinuierliche subkutane Insulin Infusion", was gleichbedeutend mit der Anwendung der Insulinpumpe ist.

Gastroenteroparesen:

Magen- Darm- Funktionsstörungen

C-Peptid-Negativität:

Im Körper ist keine eigene Insulinausschüttung mehr möglich.

Longterm-Diabetes:

Langzeit-Diabetes


Dr. Elke Austenat:
in "Zucker", 1/00, Kundenmagazin von LifeScan

Auswertung am PC Moderne Reflektometer haben die Möglichkeit von statistischer Auswertung der Blutzuckerselbstkontrolle, wie hier am Beispiel der Firma LifeScan und dem One Touch Profile mit InTouch Datenmanagement Software dargestellt wird.
Selbstkontrollen nur mit Reflektometer

Blutglukoseselbstkontrollen in der Insulinpumpentherapie sollten generell durch Reflektometer erhoben werden. Häufig zeigt sich bei visueller Bestimmung, dass trotzt guter Schulung die Blutglukosehöhen in Abhängigkeit von der Stimmung des Patienten abgelesen werden. "Wenn ich Hunger habe, neige ich eher dazu, den Blutzucker niedriger abzulesen, als er ist", "die Lichtverhältnisse ließen keine exaktere Ablesung zu". Dies sind weit verbreitete Argumentationen für Fehlablesungen im Alltag. Solche stimmungsabhängigen Falschablesungen kommen durch Reflektometerbestimmung nicht in dieser Häufigkeit vor.

Fehlerquellen der Blutzuckerselbstkontrolle

Dennoch muss für beide Bestimmungen festgehalten werden, dass sie exakt und präzise durchgeführt werden müssen, da sonst Fehleinschätzungen resultieren.

Potentielle Fehlerquellen der Blutzuckerselbstkontrolle mittels Reflektometer sind:
  • fehlerhafte Lagerung der Teststreifen (Feuchtigkeit zerstört die Reagenzfläche des Streifens)
  • mangelnde Reinigung der optischen Bauteile des Messgerätes (ungenügende Reinigung führt zu falsch hohen Bestimmungen)
  • unzureichende Blutmenge auf dem Teststreifen
  • Nichteinhalten des zeitlichen Ablaufes bei den einzelnen Reaktionsschritten
Wieviele Messugen täglich?

Unter der ambulanten Dauertherapie werden durchschnittlich vier Blutzuckerselbstkontrollen pro Tag für erforderlich gehalten. Dazu zählen die Bestimmung der Nüchternglukose, sowie jeweils Bestimmungen präprandial vor dem Mittagessen und Abendbrot und die Bedtime-Erhebung. Patienten mit regelmäßig vier Bestimmungen am Tag zeigen signifikant bessere HbA 1 /HbA 1c-Werte als Patienten mit Blutzuckerselbstkontrollen von weniger als vier Kontrollen. Diese Erkenntnisse beziehen sich aber ausschließlich auf Pumpenträger, die einen flexiblen Lebensrhythmus haben. Je uniformer und exakter ein Patient mit der Pumpe lebt und je weniger der Blutzucker durch zusätzliche Tagesbesonderheiten beeinflusst wird (z.B. eine akute Erkrankung), desto seltener können die Blutzuckerselbstkontrollen angesetzt werden. Als Mindestmaß gelten zwei Bestimmungen pro Tag.

Bei Patienten mit vorwiegend beruflich bedingt flexiblem Lebensrhythmus oder aber auch in Sondersituationen (Schwangerschaft, Pubertät, Gastroenteroparesen, C-Peptid-Negativität bei Longterm-Diabetes), kann eine Frequenz der Blutglukosekontrollen bis zu 7 - 8 Werten pro Tag durchaus als normal angesehen werden.

Quelle: Dr. Elke Austenat
"Das Insulinpumpen-Buch, Physiologische Insulinzufuhr",
erschienen im Blackwell Wissenschafts-Verlag 1999,
ISBN 3-89412-340-0

Aus: "Zucker", Ausgabe 1/00, Kundenmagazin von LifeScan

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