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Aus: FACTS

Frische Brise aus Südwest


Obere Reihe von links: Dr. Lippmann-Grob (1.Vorsitzender), Dr. Dapp (Pressereferent), Prof. Beischer (Schatzmeister), Dr. Hecker Untere Reihe: Prof. Siegel (2.Vorsitzender), Fr. Buchholz, Fr. Dr. Born (Schrift), Dr. Reinauer
Seit 1996 gibt es die Arbeitsgemeinschaft Diabetologie Baden-Württemberg (ADBW). Sie ist mittlerweile zur größten Regionalgesellschaft der Deutschen Diabetesgesellschaft (DDG) gewachsen. Ehrgeizig, wie es für Schwaben und Badener typisch ist, hat sie es sich zum Ziel gemacht, die besten Betreuungskonzepte in der Bundesrepublik zu erarbeiten, exakt orientiert an den Bedürfnissen der Betroffenen. Daher sind in ihr neben niedergelassenen und klinisch tätigen Diabetologen auch wichtige nichtärztliche Berufsgruppen vertreten, wie Psychologen, DiabetesberaterInnen, DiabetesassistentInnen, speziell ausgebildete Fußpfleger und Orthopädieschuhmacher.

Flächendeckend in Baden-Württemberg möchte die ADBW eine gute Versorgung der Diabetiker erreichen. Galt noch in den 80er Jahren, sieht man von wenigen Zentren wie Bad Mergentheim und Ulm ab, Baden-Württemberg als "diabetologische Provinz", so hat sich dies nun dank einer zähen Basisarbeit grundlegend geändert.

Denn wie überall in der Bundesrepublik hat sich auch in Baden-Württemberg der eigentliche diabetologische Fortschritt "der Fläche" ereignet. Eine kleine Schar von Aktivisten und Idealisten in Allgemeinkrankenhäusern und Schwerpunktpraxen begann damals landesweit, Schulung und diabetologische Grundversorgung praktisch durchzusetzen, zum Teil auch gegen den Widerstand von Verwaltungen und Kostenträgern, und unabhängig von irgendwelchen wissenschaftlichen Ambitionen. Zwischenzeitlich wuchsen daraus nun außerordentlich breitenwirksame Diabetologenzentren überall in Baden-Württemberg mit großer Qualität und Akzeptanz bei den Betroffenen und den Hausärzten.

Bei dieser "Aufholjagd" spielt nun die ADBW (Arbeitsgemeinschaft Diabetologie Baden-Württemberg) eine gute Rolle. Ein neuer Vorstand hat sich nach seiner Wahl Ende 1998 erst einmal zusammengesetzt, um die beste Strategie zu einer schlagkräftigen Diabetespolitik zu erarbeiten. Ein Strategieworkshop im beschaulichen Bad Boll lieferte dazu die besten Ideen. Um sich jedoch angesichts der vielen Bedürfnisse und Notwendigkeiten nicht zu verzetteln, hat die ADBW verschiedene Projekte formuliert, die nun von den dafür verantwortlichen Vorstandsmitgliedern abgearbeitet werden. So sollen zum Beispiel in Zukunft zertifizierte und qualitätsgesicherte Fortbildungskonzepte den Mitgliedern zugänglich werden. Ein "Qualitätssicherungsprojekt Diabetes Baden-Württemberg" wird gerade gemeinsam mit der Landesärztekammer gestartet. Es soll rasch, voraussichtlich schon ab Anfang 2000, sichere Zahlen über die diabetesbedingten Komplikationen "terminale Niereninsuffizienz" und "Major-Amputationen" liefern.

Im Rahmen einer "Diabeteserhebung Baden-Württemberg" sollen alle besonderen Angebote erfasst und Interessierten zugänglich gemacht werden. Vernetzungen zugunsten von Diabetikern werden unterstützt, Verbindungen zur Wissenschaft und zur Industrie gehalten und im beiderseitigen Interesse genutzt und das brachliegende Gebiet Diabetes und Sport systematisch aufgearbeitet. Ein besonderes "Highlight" ist die aktive Gruppe der Kinderdiabetologen in der ADBW. Dank bester Zusammenarbeit sind ihre Anliegen mittlerweile an allerhöchster Stelle auch in der Politik bekannt.

Die Zersplitterung in vier KV-Bezirke, eine baden-württembergische Besonderheit, beeinträchtigte früher häufig die Effektivität der diabetologischen Politik. Daher konstituierte die ADBW bereits 1997 eine Koordinierungskommission (KoKo) zur Verhandlung mit den 4 KVen und den Krankenkassen. Sie ist paritätisch mit Vertretern der niedergelassenen und der klinisch tätigen Ärzte sowie einem Vertreter der Kinderdiabetologie besetzt. Diese KoKo bewährte sich sehr, nicht nur bei den Verhandlungen über den Modellvertrag in Südwürttemberg, wo sie trotz anfänglicher Widerstände bei den Vertragspartnern zuletzt wesentlichen Einfluss auf die Vertragsinhalte hatte. Denn nun hat wenigstens ein "Viertele" von Baden-Württemberg eine der modernsten Diabetesvereinbarungen der Bundesrepublik. Auch in den "Ettlinger Gesprächen", 1999 schon zum zweiten Mal mit Vertretern von ADBW, KoKo, Kostenträgern, Kammern, KVen, Politik und Universitäten durchgeführt, erreichten ADBW und KoKo beachtliche Fortschritte in der diabetologischen Landschaft im "Ländle", selbst jetzt in Zeiten zunehmend erstarrter Positionen.

Eine lebendige Regionalgesellschaft braucht auch ein lebendiges Organ. So wurde "ADBWpublik" aus der Taufe gehoben. Die Mitgliederzeitschrift hat die Aufgabe, die Arbeit des Vorstands zeitnah und griffig den Mitgliedern zu vermitteln, um die Beweglichkeit und Schlagkraft der Gesellschaft zu erhöhen. Nur so ist die Umsetzung der ehrgeizigen Ziele möglich.

Es brennt an allen Ecken und Enden in der Diabetologie, auch in Baden-Württemberg. Das wichtigste Projekt "Modellvertrag für ganz Baden-Württemberg" eigentlich schon längst fertig in der Schublade und kein Projekt mehr, könnte schon unterschrieben sein, würden die Kostenträger nicht derzeit jegliche weitere Vereinbarung in Baden-Württemberg ablehnen. Es gibt also noch viel zu tun für die dynamischen und zähen Tüftler im Musterländle.


ADBW prägnant
  • Ca. 400 Mitglieder

  • Vorstand:
    Dr. B. Lippmann-Grob, Offenburg (1.Vorsitzender),
    Prof. Dr. E. Siegel, Karlsruhe (2.Vorsitzender),
    Prof. Dr. W. Beischer, Stuttgart (Schatzmeister),
    Frau Dr. Born, Reutlingen (Schriftführerin),
    Frau G. Buchholz, Sinzheim (gleichzeitig 1.Vorsitzende des LV des DDB),
    Dr. W. Hecker, Stuttgart (Kinderdiabetologe),
    Dr. med. K.-M. Reinauer, Böblingen (Beauftragter für Qualitätssicherung),
    Zugewählte Mitglieder:
    Dr. A. Dapp, Spaichingen (Öffentlichkeitsarbeit), und
    Dr. rer. nat. H. Hillenbrand, Hirschberg (Diabetespolitik).

  • Koordinierungskommission:
    Prof. Dr. Siegel und Dr. Daikeler (Nordbaden),
    Dr. Lippmann-Grob und Dr. Klare (Südbaden),
    Prof. Dr. Beischer und Dr. Schwinn (Nord-Württemberg) und
    Frau Dr. Born und Dr. Versen (Südwürttemberg),
    Frau Dr. Schumacher (Kinderdiabetologie)
    Mitgliederzeitschrift ADBWpublik, Auflage 600 Exemplare,
    Redakteur: Dr. Dapp

  • Projekte:
    Rahmenkonzept
    Fortbildung
    "Qualitätssicherung Diabetes" zusammen mit Landesärztekammer
    Diabeteserhebung Baden-Württemberg
    Öffentlichkeitsarbeit
    Modellvertrag Baden-Württemberg
    Netzwerk Diabetischer Fuß
    Diabetologie in vernetzten Strukturen
    Kommission Wissenschaft
    Kooperation mit der Industrie
    Diabetes und Sport
    Kommission pödiatrische Diabetologie
    Kommission psychosoziale Aspekte

Mit freundlicher Genehmigung von Takeda


Anmerkung der Redaktion (Dr. Carlos Varma):
Innerhalb der Ärzteschaft gibt es große Bemühungen die Behandlung und Betreuung von Diabetikern zu verbessern. Eine flächendeckende Versorgung ist jedoch nur mit Hilfe eines speziellen, die Qualität der Versorgung verbesserden Vergütungsvereinbarung möglich. In nahezu allen Bundesländern gibt es solche Vereinbarungen, nur Baden-Würthemberg hat es lediglich zu einer auf den Bezirk Südwürtemberg begrenzten Vereinbarung geschafft. Wir Ärzte, die sich besonders im Bereich dieser Erkrankung engagieren, brauchen daher Ihre Unterstützung. Bitte fordern Sie Ihr Recht auf eine angemessene Behandluch auch bei den Kostenträgern und der Politik ein. Organisieren Sie sich in Selbsthilfegruppen und unterstützen Sie so unsere Bemühungen.

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