Von der Last mit der Lust

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Datum: 02.08.2000
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Wie sag' ich es meinem Arzt?

Sexualität ist ein Tabuthema - daran hat auch die sogenannte "sexuelle Revolution" nichts geändert. Zwar sind nackte Menschen in der Werbung heute normal. Ein Gespräch über das eigene sexuelle Erleben als normal zu empfinden - davon sind wir weit entfernt.


Im Fernsehen kann man(n) immer

Eine mögliche Ursache dafür ist das Bild der Sexualität, wie es heute in den Medien vermittelt wird. Attraktiv ist, wer erfolgreich ist, viel Geld verdient und einen perfekten Körper sein eigen nennt. Auch im sexuellen Bereich gilt es, Spitzenleistungen zu erbringen. Es wird nicht danach gefragt, wie oft ein Mann oder eine Frau das Bedürfnis haben, sich zu lieben. Entscheidend ist, wie oft man(n) kann und wie oft die anderen es miteinander treiben. Und darüber, wie oft es die anderen angeblich machen, wird immer wieder gerne berichtet. Die Realität hingegen sieht oft anders aus. Eine amerikanische Untersuchung brachte 1994 zutage, dass 80 % der Befragten im Jahr zuvor keinen oder nur einen Sexualpartner hatten. Das von den Medien dargestellte Bild der Sexualität hat mit der Wirk-lichkeit nur wenig zu tun. Dennoch geht von derartigen Berichten ein unglaublicher Leistungsdruck aus, und es ist die Angst zu versagen, die vor allem Männern Probleme bereitet. Offen über Schwierigkeiten des eigenen Liebeslebens zu sprechen, ist gerade Männern einfach zu peinlich.


Wie sag' ich es nur meinem Arzt?

Die Erfahrung zeigt aber sehr deutlich, welch wichtige Funktion Gespräche bei der Lösung sexueller Probleme haben. Was aber schon in der Partnerschaft unmöglich erscheint, wird ungleich schwieriger beim Arzt. In ihm sehen viele noch den Halbgott in Weiß, mit dem über alles gesprochen werden kann, was oberhalb von dessen Schreibtischplatte vor sich geht. Die Vorstellung, dem Arzt von der Last mit der Lust zu berichten, treibt den meisten Männern die Schamesröte ins Gesicht. Auch wenn das für sie nur ein schwacher Trost sein dürfte: Sie teilen Ihr Problem mit vielen anderen. In der Bundesrepublik leiden jüngsten Schätzungen zufolge fünf bis zehn Millionen Männer unter sexuellen Problemen; lediglich die Hälfte von ihnen sucht deshalb Rat beim Arzt. Obwohl in über 70% der Fälle organische Ursachen wie Bluthochdruck, Zuckerkrankheit oder Fettstoffwechselstörungen für die sexuellen Probleme verantwortlich sind, sprechen die Betroffenen nicht mit ihrem Arzt über diese Begleiterscheinungen ihrer Erkrankung.


Vielen kann geholfen werden

Dabei könnte alles ganz anders sein: Neun von zehn Männern kann geholfen werden! Manchmal ist die Therapie ganz einfach. Aber auch einfachen therapeutischen Maßnahmen sollte immer ein ausführliches Gespräch mit einem sexualmedizinisch erfahrenen Arzt vorangehen. Das bedeutet nicht unbedingt, dass Sie einen Spezialisten aufsuchen müssen. Oft ist der Hausarzt der richtige Ansprechpartner. Ihn sollten Sie zuerst zu Rate ziehen, wenn Sie darunter leiden, nicht zu wollen, zu können oder nicht so zu können, wie Sie wollen.

Im Zweifelsfall ist der Hausarzt derjenige, der Sie und Ihre Lebensgewohnheiten am besten kennt. Er kann abschätzen, ob Krankheiten oder Arzneimittel die Ursache Ihres Problems sind, und Ihnen z.B. andere Medikamente verschreiben. Moderne Präparate gegen Bluthochdruck wie beispielsweise die sog. Angiotensin-II-Antagonisten sollen das Sexualleben nicht beeinträchtigen, so das Ergebnis einer großen italienischen Studie. Auf keinen Fall jedoch sollten Sie eigenmächtig Medikamente einnehmen, absetzen oder deren Dosierung ändern.


Im Zweifel zum Spezialisten

Sollte es nötig sein, kann Ihr Hausarzt Sie zu einem Spezialisten überweisen. Kann Ihr Hausarzt Ihnen nicht weiterhelfen, sollten Sie sich nicht scheuen, selbst einen Experten zu Rate zu ziehen. Leider gibt es bisher nur wenige spezialisierte Ärzte und Fachkliniken. Die Andrologie - die Männerheilkunde also - spielte in der ärztlichen Ausbildung bislang keine wesentliche Rolle.

Adressen von sexualmedizinisch erfahrenen Ärzten in Ihrer Nähe erfahren Sie über die:

Deutsche Gesellschaft für Andrologie
Generalsekretär / Geschäftsstelle
Prof. Dr. W. Weidner
Urologische Klinik
Klinikstr. 29, 35385 Gießen
Tel: 0641/994-4500


Mit freundlicher Genehmigung von Takeda


Anmerkung der Redaktion (Dr. Carlos Varma):
Durch das erhöhte Risiko in Bezug auf Durchblutungsstörungen und Schädigung der Nervenfunktion (Neuropathie) sind Störungen der Sexualfunktion insbesondere bei männlichen Diabetikern sehr häufig. Ärztlicherseits sollte daher bei entsprechenden Symptomen eine körperliche Untersuchung u.a. mit Überprüfung der Durchblutung im Beckenbereich und der Nervenfunktion erfolgen. Durch Bestimmung der männlichen Hormone im Blut sollte ein entsprechender Mangel ausgeschlossen werden. Bei Auffälligkeiten sollte eine weitere Abklärung beim Endokrinologen oder Urologen erfolgen, ansonsten wäre eine symptomatische Therapie möglich. Neben der Selbstinjektion von Prostaglandinen stehen heute auch wirksame Medikamente in Tablettenform zur Verfügung.


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