CGM-System kann auch ohne ICT sinnvoll sein

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Menschen mit Typ-2-Diabetes, die intensiviert mit Insulin behandelt werden (ICT), erhalten häufig ein System zur kontinuierlichen Glukosekontrolle (CGM). Ist ein solches CGM-System auch bei Typ-2-Diabetes ohne diese intensivierte Insulintherapie sinnvoll? Dr. Andreas Thomas, Experte für Diabetestechnologie aus der diabetes-news-Redaktion, fasst die Ergebnisse einer Studie zusammen:

Verbessert sich die glykämische Kontrolle bei Menschen mit Typ-2-Diabetes ohne Insulintherapie, wenn sie ein CGM-System anwenden?

Zusammenfassung des Artikels nach:
Layne JE, Jepson LH, Carite AM, Parkin CG, Bergenstal RM. Long-Term Improvements in Glycemic Control with Dexcom CGM Use in Adults with Noninsulin-Treated Type 2 Diabetes. Diabetes Technol Ther. 2024 Dec;26(12):925-931. doi: 10.1089/dia.2024.0197.

CGM-System: Standard bei der Insulinbehandlung

Entsprechend der Festlegung des Gemeinsamen Bundesausschusses (GBA) vom 16. Juni 2016 über die vertragsärztliche Versorgung von Patientinnen und Patienten mit insulinpflichtigem Diabetes mellitus mit Real-Time-Messgeräten (CGM-Systemen) ist die CGM-Nutzung als Kassenleistung möglich, wenn eine intensivierte Insulintherapie angewendet wird [1]. Dies ist unabhängig vom Diabetestyp, betrifft also nicht nur Menschen mit Typ-1-, sondern auch mit Typ-2-Diabetes (T2D). Für diese Patientinnen und Patienten ist CGM mittlerweile zu einer Standardmethode geworden. Grundlage für die Entscheidung der Kostenübernahme durch den GBA war die durch zahlreiche randomisierte, kontrollierte Studien (RCT) und Real-World-Studien (RWS) gut belegte Evidenz [2].

Auch ohne intensivierte Insulinbehandlung gibt es positive CGM-Effekte

In den vergangenen Jahren gab es vermehrt Erkenntnisse, dass der Einsatz von CGM auch bei Menschen mit Typ-2-Diabetes ohne intensivierte Insulinbehandlung gute klinische Ergebnisse verspricht, so z.B. unter der BOT (basal unterstützte orale Therapie) [3,4].

Bei diesen Patientinnen und Patienten spielt auch die Verbesserung der Glukosewerte im Sinne einer Verringerung des Risikos von kardiovaskulären Ereignissen, kognitiven Einschränkungen (Demenz) u.a. eine Rolle. Geringere HbA1c-Werte, ein höherer Anteil von Werten im Zielbereich (TIR) von 70 – 180 mg/dl (3,9 – 10,0 mmol/l) und weniger Hypoglykämien sind dabei wichtige Faktoren [5-7].

Beispielsweise zeigte eine Studie, dass eine langfristige Hyperglykämie (hohe Blutzuckerwerte) einen unabhängigen Faktor darstellt, der mit einem raschen kognitiven Verfall bei Erwachsenen mittleren Alters mit Diabetes in Verbindung stand. Die Aufrechterhaltung normnaher Blutzuckerwerte, so mit CGM könnte einen späteren raschen kognitiven Verfall verhindern [8].

CGM-Systeme zur Erkennung von Diabetes einsetzen

Die Verringerung kostspieliger diabetesbedingter Komplikationen bei Menschen mit Typ-2-Diabetes ist folglich kosteneffektiv [7]. Auch erfolgt bei vielen Menschen mit Risikofaktoren für die Entwicklung eines Typ-2-Diabetes die Diagnose zu spät. So könnte ein intermittierender Einsatz von CGM-Systemen für die Charakterisierung des Stadiums des Typ-2-Diabetes wichtig sein [9] und das potenzielle Risiko für diabetische Folgeerkranungen frühzeitig zu senken. Alle genannten Punkte weisen auf die Notwendigkeit hin, die Indikationsstellung für den Einsatz von CGM bei Menschen mit Typ-2-Diabetes auch ohne intensivierte Insulinbehandlung über die Festlegungen des GBA-Beschlusses zu erweitern [10].

Die Layne-Studie zu CGM-Systemen

Eine Untersuchung von Real-World-Daten durch J.E. Layne aus 2024 belegt den positiven Aspekt des Einsatzes von CGM bei Patientinnen und Patienten mit Typ-2-Diabetes ohne intensivierte Insulinbehandlung unter Alltagsbedingungen. Über einen Zeitraum von 12 Monaten wurden die Veränderungen von Mustern beobachtet, die sich aus den Daten des kontinuierlichen Glukosemonitorings (CGM) ergeben.

Obwohl diese Gruppe die Mehrheit der Patientinnen und Patienten mit Typ-2-Diabetes darstellt, lagen bis zu dem Zeitraum nur wenige Erkenntnisse dazu vor. Analysiert und bewertet wurden Daten von CGM-Anwendern, die das System Dexcom G6 oder Dexcom G7 verwendeten. Alle Studienteilnehmer hatten sich einen Account in der Dexcom-App eingerichtet und die Daten entsprechend der Vorgaben über 12 Monate hochgeladen. Eigeschlossen wurden CGM-Anwender, die nach eigenen Angaben einen Typ-2-Diabetes aufwiesen, kein Insulin für ihre Therapie verwendeten, mindestens 18 Jahre alt waren und bisher einen prozentualen Anteil der Zeit im Zielbereich von 70-180 mg/dl (TIR) von weniger als 70 % erreicht hatten.

Nach sechs und 12 Monaten wurden die CGM-Parameter ausgewertet. Dabei wurden zwei Kohorten definiert: jüngere (<65 Jahre) und ältere Nutzer (≥65 Jahre). Analysiert wurden weiterhin das Verhältnis zwischen der Nutzung von Alarmen bei hyperglykämischen Werten (eingestellt auf Glukosewerte > 250 mg/dl) und die sich dabei ergebenden Änderungen bei der TIR, sowie der „time in tight range“ (TITR; 70–140 mg/dl).

Ergebnisse der Layne-Studie zu CGM-Systemen

In die Auswertung gingen CGM-Daten von 3.840 Studienteilnehmern ein (Baselinedaten: Anteil Frauen: 47,9%; Alter: 52,5±11,2 Jahre; bekannte Diabetesdauer: 9,0±8,0 Jahre; TIR: 41,7±21,4%). 12,4% der Studienteilnehmer waren älter/gleich 65 Jahre (n=476; Baselinedaten: Anteil Frauen: 43,7%; Alter: 70,7±5,9 Jahre; bekannte Diabetesdauer: 14,1±10,5 Jahre; TIR: 42,7±21,9%). Bei den CGM-Anwendern unter 65 Jahren (n=3.364; Baselinedaten: Anteil Frauen: 48,5%; Alter: 50,0±9,2 Jahre; bekannte Diabetesdauer: 8,3±7,3 Jahre) ergab sich eine zur älteren Kohorte vergleichbare TIR von 41,5±21,3%.

Die Nutzung von CGM durch die Studienteilnehmer war über den gesamten Zeitraum von 12 Monaten mit 84,7 % der Tage hoch. Nach sechs Monaten CGM-Anwendung verbesserten sich signifikant die Baselinedaten der Anwenderpopulation. Die TIR erhöhte sich um 15,1% auf 56,8%, der Anteil der Werte im niedrigen Glukosebereich (54-<70 mg/dl) blieb nahezu gleich gering (Baseline 0,1%; 6 Monate 0,2%). Im hohen Glukosebereich (>180-250 mg/dl) verringerte sich der Anteil der darin verbrachten Zeit um 10,6% auf 30,4%, gleichfalls auch im sehr hohen Glukosebereich > 250 mg/dl um 4,6% auf 12,6%. Bis zum Zeitpunkt von 12 Monaten trat eine weitere, geringfügige, nicht signifikante Verbesserung auf. Der mittlere Glukosemanagementindikator (GMI) sank um 0,4% auf 7,7% nach 6 Monaten und um weitere 0,1% auf 7,6% nach 12 Monaten CGM-Anwendung. Ein Vergleich der beiden Altersgruppen ergab keinen Unterschied bzgl. des GMI bzw. der TIR nach 12 Monaten.

Sind CGM-Systeme bei Menschen mit Typ-2-Diabetes ohne Insulinbehandlung sinnvoll

Es zeigte sich, dass die Anwendung von CGM unter Alltagsbedingungen auch bei Erwachsenen mit suboptimal kontrolliertem, nicht mit Insulin behandeltemTyp-2-Diabetes, zu einer signifikanten Verbesserung der glykämischen Kontrolle führt. Die Verwendung von Alarmen zur Warnung bei hohen Glukosewerten trägt ebenfalls zu diesen positiven glykämischen Ergebnissen bei. Die hohe Nutzungsfrequenz des CGM über diesen längeren Zeitraum zeigt, dass die Studienteilnehmer die dessen Anwendung als vorteilhaft ansehen. Die Nutzung von CGM ist auch bei Menschen mit Typ-2-Diabetes ohne Insulinbehandlung sinnvoll und zu empfehlen, obwohl die Patienten trotz zeitnah angezeigter Glukosewerte keine medikamentöse Anpassung vornehmen können. Sie bekommen aber ein „Biofeedback“ und können die Wirkung von Mahlzeiten, körperlicher Aktivität, Stress usw. unmittelbar beobachten und daraus Schlussfolgerungen für eine eventuell notwendige Anpassung des Lebensstils ableiten. Grundsätzlich sollte die bessere Glykämie-/Blutzuckereinstellung helfen, das Risiko für die Entwicklung diabetische Folgeerkrankungen zu verringern.

Literatur
1. Gemeinsamer Bundesausschuss. Beschluss des Gemeinsamen Bundesausschusses vom 16. Juni 2016 über eine Änderung der Richtlinie Methoden vertragsärztliche Versorgung: Kontinuierliche interstitielle Glukosemessung mit Real-Time-Messgeräten (rtCGM) zur Therapiesteuerung bei Patientinnen und Patienten mit insulinpflichtigem Diabetes mellitus. https://www.g-ba.de/downloads/39-261-2623/2016-06-16_MVV-RL_rtCGM_BAnz.pdf , letzter Zugriff: 01.06.2026

2. Thomas A, Schlüter S, Naudorf M, Deiss D, Freckmann G, Danne T. Einsatz und Evidenz des Kontinuierlichen Glukosemonitorings (CGM) bei Menschen mit Diabetes, überwiegend behandelt mit ICT. Diabetes, Stoffwechsel und Herz 2022;31(2):92-109.

3. Martens T, Beck RW, Bailey R, Ruedy KJ, Calhoun P, Peters AL, Pop-Busui R, Philis-Tsimikas A, Bao S, Umpierrez G, Davis G, Kruger D, Bhargava A, Young L, McGill JB, Aleppo G, Nguyen QT, Orozco I, Biggs W, Lucas KJ, Polonsky WH, Buse JB, Price D, Bergenstal RM; MOBILE Study Group. Effect of Continuous Glucose Monitoring on Glycemic Control in Patients With Type 2 Diabetes Treated With Basal Insulin: A Randomized Clinical Trial. JAMA. 2021 Jun 8;325(22):2262-2272.

4. Aleppo G, Beck RW, Bailey R, Ruedy KJ, Calhoun P, Peters AL, Pop-Busui R, Philis-Tsimikas A, Bao S, Umpierrez G, Davis G, Kruger D, Bhargava A, Young L, Buse JB, McGill JB, Martens T, Nguyen QT, Orozco I, Biggs W, Lucas KJ, Polonsky WH, Price D, Bergenstal RM; MOBILE Study Group; Type 2 Diabetes Basal Insulin Users: The Mobile Study (MOBILE) Study Group:. The Effect of Discontinuing Continuous Glucose Monitoring in Adults With Type 2 Diabetes Treated With Basal Insulin. Diabetes Care. 2021 Dec;44(12):2729-2737.

5. Aronson R, Brown RE, Chu L, et al. Impact of flash glucose monitoring in people with type 2 Diabetes Inadequately controlled with non-insulin Antihyperglycaemic Therapy (immediate): A randomized controlled trial. Diabetes Obes Metab 2023;25(4):1024–1031; doi: 10.1111/dom.14949.

6. Wada E, Onoue T, Kobayashi T, et al. Flash glucose monitoring helps achieve better glycemic control than conventional self-monitoring of blood glucose in non-insulintreated type 2 diabetes: A randomized controlled trial. BMJ Open Diabetes Res Care 2020;8(1):e001115; doi: 10.1136/ bmjdrc-2019-001115.

7. Ajjan RA, Heller SR, Everett CC, Vargas-Palacios A, Higham R, Sharples L, Gorog DA, Rogers A, Reynolds C, Fernandez C, Rodrigues P, Sathyapalan T, Storey RF, Stocken DD. Multicenter Randomized Trial of Intermittently Scanned Continuous Glucose Monitoring Versus Self-Monitoring of Blood Glucose in Individuals With Type 2 Diabetes and Recent-Onset Acute Myocardial Infarction: Results of the LIBERATES Trial. Diabetes Care. 2023 Feb 1;46(2):441-449.

8. Yu JH, Kim REY, Park SY, Lee DY, Cho HJ, Kim NH, Yoo HJ, Seo JA, Kim SG, Choi KM, Baik SH, Shin C, Kim NH. Association of long-term hyperglycaemia and insulin resistance with brain atrophy and cognitive decline: A longitudinal cohort study. Diabetes Obes Metab. 2023 Apr;25(4):1091-1100.

9. Monnier L, Colette C, Dunseath GJ, Owens DR. The loss of postprandial glycemic control precedes stepwise deterioration of fasting with worsening diabetes. Diabetes Care. 2007; 30(2):263-269. DOI: 10.2337/dc06-1612.

10. Thomas A, Haak T, Tombek A, Kulzer B, Ehrmann D, Kordonouri O, Kröger J, Schubert-Olesen O, Kolassa R, Siegmund T, Haller N, Heinemann L. How to Use Continuous Glucose Monitoring Efficiently in Diabetes Management: Opinions and Recommendations by German Experts on the Status and Open Questions. J Diabetes Sci Technol. 2025 Nov;19(6):1671-1680.

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Dieser Artikel wurde verfasst von Dr. Andreas Thomas