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EMA befürwortet SGLT-2-Hemmer ergänzend zu Insulin

Die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) befürwortet, dass der SGLT-2-Hemmer Dapagliflozin bei Menschen mit Typ-1-Diabetes ergänzend zu Insulin eingesetzt werden kann. Doch es gibt Risiken.

Dapagliflozin bei Typ-1-Diabetes plus Insulinresistenz?

Insulin plus Tablette – über diesen Ansatz hatten wir vor mehr als einem Jahr hier bei diabetes-news berichtet. Nun gibt es einen Fortschritt: Im Januar 2019 hat der SGLT-2-Hemmer Dapagliflozin die Empfehlung als „Add-on-Therapie“ bei Typ-1-Diabetes durch die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) erhalten. SGLT-2-Hemmer werden bisher nur bei Typ-2-Diabetes eingesetzt, wenn eine Insulinresistenz zu Grunde liegt. Überschüssige Glukose wird bei der Einnahme dieser Tabletten über den Harn ausgeschieden.

Postiver Effekt auf den Insulinbedarf und das Körpergewicht

Bei Typ-1-Diabetes wäre die alleinige Behandlung mit SGLT-2-Hemmern fatal. Betroffene müssen das fehlende Insulin durch Spritzen bzw. die Gabe über eine Insulinpumpe ersetzen. Wohl aber sind SGLT-2-Hemmer hier als Ergänzung zu Insulin denkbar. Ihre Vorteile könnten diese Medikamente  bei übergewichtigen Typ-1-Diabetikern mit einem „Doppeldiabetes“ ausspielen. Darüber hatten wir kürzlich berichtet. Durch die Gabe von Dapagliflozin könnte ihr Insulinbedarf gesenkt und eine verbesserte Stoffwechseleinstellung erzielt werden. Zudem hat sich in Studien* ein positiver Effekt auf das Körpergewicht gezeigt.

Ketoazidose ist ein Risiko

Allerdings war in den Zulassungsstudien* das Risiko für eine gefährliche Stoffwechselentgleisung bei hohen Blutzuckerwerten (diabetische Ketoazidose) erhöht. Die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) empfiehlt daher die zusätzliche Gabe von Dapagliflozin bei Typ-1-Diabetes nur für ausgewählte Patienten – solchen mit Übergewicht (ab einem BMI  von 27) und einem hohen Insulinbedarf. Die Patienten sollen speziell auf das Risiko einer Ketoazidose hingewiesen und entsprechend geschult werden. Über die endgültige Zulassung von Dapagliflozin als „Add-on“ bei Typ-1-Diabetes wird nun die Europäische Kommission entscheiden. In den USA steht eine entsprechende Entscheidung der Arzneimittelbehörde FDA im März 2019 an.

Quelle: www.aerzteblatt.de (Meldung vom 4.2.19); eigene Recherche

*Zulassungsstudien:

Dandona P et al. Efficacy and Safety of Dapagliflozin in Patients With Inadequately Controlled Type 1 Diabetes: The DEPICT-1 52-Week Study. DOI: 10.2337/dc18-1087

Mathieu C et al. Efficacy and Safety of Dapagliflozin in Patients With Inadequately Controlled Type 1 Diabetes (the DEPICT-2 Study): 24-Week Results From a Randomized Controlled Trial. DOI: 10.2337/dc18-0623