Wird eine Zuckersteuer auf süße Getränke eingeführt?
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(26.04.2026) Mediziner, Verbraucherschützer und Fachgesellschaften haben sich erneut für die Einführung einer Zuckersteuer auf süße Getränke ausgesprochen. In einem offenen Brief an die Bundesregierung, den rund 4000 Ärztinnen und Ärzte unterschrieben haben, betonen der Präsident der Bundesärztekammer, Dr. Klaus Reinhardt, und die Vorsitzende des Marburger Bundes, Dr. Susanne Johna, die hohe Dringlichkeit. Demnach nehmen Übergewicht und Adipositas im Kindesalter zu. Immer häufiger erkranken bereits Kinder an Typ-2-Diabetes und Fettleber. Aus Expertensicht haben Softdrinks wie Limonade und Cola einen wesentlichen Anteil an dieser Entwicklung. Diese enthalten meist ein Vielfaches der von Ernährungsexperten empfohlenen Tagesmenge an Zucker, ohne dabei ein Sättigungsgefühl zu erzeugen.
Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation (WHO) haben weltweit bereits mehr als 100 Länder eine Zuckersteuer eingeführt. Als mögliches Vorbild wird in diesem Zusammenhang oftmals Großbritannien genannt. Dort wurde eine gestaffelte Steuer eingeführt: Softdrinks werden umso teurer, je mehr Zucker sie enthalten. In der Folge haben Hersteller solcher Getränke den Zuckergehalt ihrer Softdrinks gesenkt. In Deutschland hingegen stagniert die Entwicklung. Die Politik setzte bisher auf eine freiwillige Selbstverpflichtung der Hersteller. Der Zuckergehalt in Softdrinks ist in den vergangenen Jahren allerdings kaum gesunken.
Kennzeichnung von Lebensmitteln oft irreführend
Verbraucherschützer kritisieren zudem, dass die Kennzeichnung von Lebensmitteln in Deutschland häufig missverständlich ist und zu falschen Schlüssen führt. Eine Umfrage der Verbraucherzentrale aus dem vergangenen Jahr ergab, dass die Hälfte der Befragten den Hinweis „Ohne Süßungsmittel“ auf Getränken falsch versteht, da sie davon ausgehen, dass damit auch Zucker gemeint ist. Der Begriff bedeutet jedoch lediglich, dass ein Getränk keine Süßstoffe und Zuckeraustauschstoffe enthält.Ähnlich verwirrend ist die Kennzeichnung „Ohne Zuckerzusatz“. Sie kann den Eindruck erwecken, ein Produkt sei zuckerfrei. Derartige Produkte können aber durchaus große Mengen an natürlichem Zucker, zum Beispiel Fruchtzucker, enthalten. Fruchtsäfte ohne Zuckerzusatz enthalten beispielsweise ähnlich viele Kohlenhydrate wie Limonade oder Cola und sind deshalb bei hohem Konsum ebenfalls gesundheitlich bedenklich.
Steuerliche Mehreinnahmen von 450 Millionen Euro pro Jahr
Während sich Ärzte und medizinische Fachgesellschaften schon seit Jahren einig sind, dass eine Zuckersteuer ein wirksames Mittel der Prävention wäre, verweisen die Hersteller meist darauf, dass die positiven Effekte einer solchen Steuer wissenschaftlich nicht ausreichend belegt seien . Eine Zuckersteuer sei sozial ungerecht, da sie Menschen aus ärmeren Haushalten besonders stark treffe. Zudem beschneide sie die Entscheidungsfreiheit der Menschen in Ernährungsfragen, heißt es.Verbraucherschützer sind jedoch der Ansicht, dass eine Zuckersteuer vor allem dem Schutz von Kindern dient. Diese würden auch durch die Werbung und die Produktgestaltung der Lebensmittelhersteller oft schon in jungen Jahren an einen zu hohen Zuckerkonsum herangeführt und gewöhnt. Die Regierungskommission geht in ihren Reformvorschlägen für die gesetzlichen Krankenversicherungen davon aus, dass eine Zuckersteuer dem deutschen Haushalt Mehreinnahmen von 450 Millionen Euro jährlich einbringen könnte. Die Vorschläge sollen nun im Kabinett diskutiert werden.
Quellen:
Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG)
Apotheken Umschau
World Health Organization (WHO)
Diabetes-Anker
Lebensmittelklarheit
Verbraucherzentrale Bayern
Die Zuckerverbände
n-tv
eigene Recherche
Stichwörter: diabetes, gesundheitspolitik, prävention, zucker, zuckersteuer
Kategorisiert in: 2026, Diabetesprävention, Ernährung und Bewegung, Nachrichten
Dieser Artikel wurde verfasst von Thorsten Ferdinand








