Softdrinks und Diabetes
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Steuer auf Softdrinks: England macht es vor

Die britische Regierung hat eine Steuer auf Softdrinks wie Cola und Limonade angekündigt, um Übergewicht und Diabetes zu bekämpfen. „Wann handelt endlich auch die Bundesregierung?“ fragt die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) in einer aktuellen Stellungnahme. Sie fordert eine solche Steuer schon länger.

Limo und Cola fördern Übergewicht und Diabetes

In Deutschland leben europaweit die meisten Menschen mit Übergewicht. Die meisten Menschen mit krankhaftem Übergewicht (Adipositas) leben in England. Entsprechend hoch ist die Rate an Typ-2-Diabetes in beiden Ländern. In Deutschland sind schätzungsweise 7,6 Millionen* von dieser Erkrankung betroffen, in England sind es geschätzte 4 Millionen**. Während die deutsche Regierung noch zögert, versucht man in Großbritannien mit neuen Gesetzen das wachsende Problem mit dem Übergewicht in den Griff zu bekommen: Eine drohende Steuer auf zuckerreiche Getränke soll Unternehmen dazu bringen, den Zuckergehalt in ihren Getränken zu reduzieren.

Steuer auf Zucker in Großbritannien geplant

Zwei Steuerstufen sind vorgesehen: Die erste greift für Getränke ab fünf Gramm Zucker pro 100 Milliliter, die zweite für Getränke mit mehr als acht Gramm. Zum Vergleich: 100 Milliliter Cola enthalten etwa 10,6 Gramm Zucker. Damit wäre dieses beliebte Getränk bei der Besteuerung voll dabei und könnte vom Preis in Zukunft deutlich teuer werden – bis zu 80 %, wie die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) in einer Stellungnahme vom 18. März 2016 berichtet. Reine Fruchtsäfte, Getränke auf Milchbasis und sehr kleine Unternehmen sind nach den Regierungsplänen von der Steuer ausgenommen. Etwa 660 Millionen Euro könnte die neue Steuer dem britischen Staat einbringen, die in die Förderung des Sports in Grundschulen fließen sollen. In Kraft treten soll sie 2018, so dass den Unternehmen nun zwei Jahre Zeit bleibt, den Zuckergehalt in ihren Getränken deutlich zu reduzieren.

In Deutschland bisher keine Strafsteuer auf Cola und Limo

Die Deutsche Diabetes Gesellschaft begrüßt in ihrer Stellungnahme diese Einführung der Steuer auf Softdrinks. „Diese Entscheidung ist nicht nur mutig, sie ist auch richtig und weitsichtig“, meint Dr. Dietrich Garlichs, Geschäftsführer der DDG. „Eine solche Entschlusskraft wünschen wir uns auch von der Bundesregierung.“ Die DDG selbst fordert die Einführung einer „Strafsteuer“ auf Produkte mit viel Zucker, Fett und Salz in Deutschland seit längerem – bisher ohne Erfolg. In Deutschland setzt die Regierung bisher auf Freiwilligkeit. Gemeinsam mit der Lebensmittelwirtschaft und dem Lebensmittelhandel hat sie eine nationale Strategie für die Reduktion von Zucker, Fetten und Salz in Fertigprodukten zu erarbeitet. „Doch dieses Vorhaben setzt auf freiwillige Maßnahmen der Industrie, die vermutlich kaum Effekte bringen werden“, kritisiert Professor Dr. med. Thomas Danne, Vorstandsvorsitzender von diabetesDE – Deutsche Diabetes-Hilfe. Zudem bemängeln wir eine zu lasche Zielsetzung beim Zuckergehalt, der in einem Zeitraum von fünf Jahren lediglich um zehn Prozent sinken soll“, ergänzt der Mediziner.

In skandinavischen Ländern gibt es seit vielen Jahren Zuckersteuern. Auch Frankreich, Belgien, Ungarn und Mexiko erheben Steuern auf Getränke mit zugesetztem Zucker und haben damit bereits Erfolge erzielt: Der Konsum zuckerreicher Getränke ist in diesen Ländern gesunken, die herstellende Industrie hat die Rezepturen ihrer Getränke inzwischen umgestellt.

* Deutscher Gesundheits Bericht Diabetes 2016, Seite 9

** http://www.diabetes.co.uk/diabetes-prevalence.html