Diabetisches Fußsyndrom
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Nervenschäden bei Diabetes keine Seltenheit

Viele Diabetiker haben Nervenschäden, ohne davon zu wissen. Dies haben Wissenschaftler der Heinrich-Heine Universität bei der Auswertung von Daten der Initiative „Hören Sie auf Ihre Füße?“ festgestellt.

Hoher Blutzucker schädigt Gefäße und Nerven

Hohe Blutzuckerwerte bei Diabetes schädigen auf Dauer nicht nur die Blutgefäße, sondern auch die Nerven, wobei hier ein Zusammenhang besteht: Ablagerungen in den Blutgefäßen führen zu einer Mangelversorgung der Nerven mit Sauerstoff und Nährstoffen. Am häufigsten betroffen von dieser Folgeerkrankung des Diabetes („diabetische Neuropathie“), sind die Füße. Dorthin führen die längsten Nervenbahnen im Körper, und hier zeigen sich die Symptome einer diabetischen Neuropathie meist zuerst – durch Kribbeln, Brennen, Taubheit, Schmerzen oder eine nachlassende Sensibilität. Verletzungen an den Füßen können unbemerkt bleiben und sich rasch zu größeren Wunden entwickeln, die nur schwer heilen.

„Hören Sie auf Ihre Füße?“

Die Schädigung der Nerven ist ein schleichender Prozess, der am Anfang häufig unbemerkt bleibt. Um darauf aufmerksam zu machen, tourt die Initiative „Hören Sie auf Ihre Füße?“ seit mehr als zwei Jahren durch Deutschland. Im Rahmen der Veranstaltungen führen Podologen bei Menschen mit Diabetes und Interessierten professionelle Fuß-Checks durch, um Neuropathien frühzeitig zu erkennen. Diabetologen informieren über Ursachen, Warnsignale und Behandlungsmöglichkeiten der diabetischen Neuropathie. Zudem können sich Besucher den Langzeitblutzuckerwert (HbA1c) messen lassen.

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PROTECT-Studie* zeigt auffällige Nervenschädigungen

Wissenschaftler des Deutschen Diabetes Zentrums der Heinrich-Heine-Universität um Professor Dr. Dan Ziegler haben nun Daten aus diesen Messungen bei Veranstaltungsteilnehmern ausgewertet, die aufhorchen lassen: Von 544 Personen mit Typ-2-Diabetes wiesen mehr als die Hälfte Anzeichen einer diabetischen Neuropathie an den Füßen auf. 62 % dieser „Verdachtsfälle“ hatten vorher angegeben, dass bei ihnen keine entsprechende Diagnose gestellt wurde. Alarmierend waren auch die Daten der 80 untersuchten Typ-1-Diabetiker: Hier betrug der Anteil neu entdeckter Neuropathie-Verdachtsfälle 36 %.

Bei Diabetes: Regelmäßig die Füße untersuchen lassen

„Die diabetische Neuropathie ist ein erheblicher Risikofaktor für das Entstehen eines diabetischen Fußsyndroms. Jährlich sind darauf in Deutschland mehr als 40.000 Amputationen zurückzuführen. Die alarmierenden Ergebnisse der PROTECT-Studie verdeutlichen, wie wichtig die Aufklärung über die diabetische Neuropathie und die regelmäßige Untersuchung der Füße sind“, erklärt Dr. Dan Ziegler, stellvertretender Direktor am Institut für Klinische Diabetologie des Deutschen Diabetes Zentrums der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf. Bei Diabetikern ist diese Untersuchung mindestens einmal jährlich im Rahmen der Vorsorgeuntersuchungen vorgesehen. Darüber hinaus sollten Menschen mit Diabetes ihre Füße immer im Blick haben und regelmäßig auf Verletzungen, Risse und Druckstellen kontrollieren. Auffällige Stellen  gehören in die Hände eines Arztes.

Weitere Informationen und Termine finden Sie auf der Seite www.hoerensieaufihrefuesse.de

*Ziegler, D., Strom, A., Lobmann, R., Reiners, K., Rett, K. & Schnell, O., High prevalence of diagnosed and undiagnosed polyneuropathy in subjects with and without diabetes participating in a nationwide educational initiative, Journal of Diabetes and Its Complications (2015), Volume 29, Issue 8, S. 998-1002