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„Virtueller Arzt“: IBM und Novo kooperieren

Der Insulinhersteller Novo Nordisk will gemeinsam mit der Health-Care-Sparte des IBM Konzerns durch den Einsatz künstlicher Intelligenz die Betreuung von Menschen mit Diabetes verbessern. In Zukunft soll ein „virtueller Arzt“ die Patienten beraten.

Watson macht es möglich

Nach Google hat nun auch der amerikanische Computerkonzern IBM einen eigenen Bereich zur Entwicklung technischer Lösungen für die Gesundheit aufgebaut: IBM Watson Health will die Kommunikation in der Medizin revolutionieren. Watson ist ein kognitives System basierend auf künstlicher Intelligenz, das menschliche Sprache verstehen und analysieren soll, um aus den Daten selbstständig Schlüsse zu ziehen und präzise Antworten auf Fragen geben zu können. Denkbar ist in Zukunft, dass Watson Ärzte bei der Diagnose unterstützt oder selbst als „virtueller Arzt“ Patienten in Therapiefragen berät. Leitlinien, aktuelle Forschungsergebnisse, die medizinische Vorgeschichte des Patienten und eine Vielzahl weiterer Daten könnte das System dabei per Knopfdruck in seine Arbeit einbeziehen. Damit wäre es weitaus leistungsfähiger als das menschliche Gehirn.

Novo und IBM kooperieren in Sachen Diabetes

Der dänische Insulinhersteller Novo Nordisk will mit IBM auf der Basis von Watson einen „virtuellen Arzt“ entwickeln, der Diabetes-Patienten beraten soll. Dazu haben die beiden Unternehmen jetzt ein Kooperationsabkommen geschlossen, wie das Wall Street Journal am 11. Dezember 2015 berichtet. Bei der Beratung der Patienten soll Watson unter anderem auf Daten wie die gemessenen Blutzuckerwerte zugreifen, welche von Patienten in der Datencloud zur Verfügung gestellt werden.

Zukunft der Diabetestherapie?

Werden „virtuelle Ärzte“ in Zukunft die Behandlung der Patienten übernehmen? Im Moment ist dies kaum vorstellbar, doch das ehrgeizige Watson-Projekt gibt einen Ausblick darauf. Mit dem „Internet der Dinge“ (IOT) ist ein Teil der Voraussetzungen bereits geschaffen. Geräte wie Blutzuckermesssysteme und Blutdruckmessgeräte sind heute schon in der Lage, Werte sofort in die Datencloud zu übermitteln und für den Zugriff durch Dritte bereitzustellen. Ob Dr. Watson in Zukunft als virtueller Behandler tätig werden darf, wird allerdings auch davon abhängen, wie die Gesundheitsdaten der Patienten in der schönen neuen Welt der Telemedizin geschützt werden können.

IBM eröffnet weltweite Watson-Zentrale in München (15.12.15)

München wird Standort der weltweiten Zentrale für den Supercomputer Watson. Dies hat IBM am 15.12.15 mitgeteilt. Innerhalb des ersten Jahres sollen zunächst 700 Mitarbeiter dort beschäftigt werden, sagte Harriet Green, bei IBM für Bildung und das Internet der Dinge zuständig, der Deutschen Presse-Agentur. Insgesamt seien bis zu 1000 Stellen für Entwickler, Berater, Forscher und Designer geplant.