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Nasales Glukagon wird auch nach Europa kommen

Im Juli 2019 hatte die amerikanische Gesundheitsbehörde FDA die Zulassung für nasales Glukagon erteilt. Nun hat auch die Europäische Arzneimittelagentur (EMA) die Zulassung empfohlen. Der Hersteller rechnet mit der Markteinführung in Europa bis Mitte 2020.

In den USA ist das Glukagon-Nasenspray bereits zugelassen

Wir hatten an dieser Stelle bereits über die Alternative zur Glukagon-Injektion berichtet, die in den den USA entwickelt wurde. Dieses Glukagon-haltige Nasenspray (Handelsname: Baqsimi™) von Eli Lilly erhielt im Juli 2019 von der amerikanischen Gesundheitsbehörde FDA eine Zulassung. Nun steht auch in Europa der Markteinführung bald nichts mehr im Wege: Der Ausschuss für Humanarzneimittel der Europäischen Arzneimittelagentur (EMA) hat kürzlich die Zulassung dieses Notfallmedikaments zur Behandlung einer schweren Unterzuckerung empfohlen. Der Hersteller Eli Lilly rechnet damit, dass das Notfallmedikament im zweiten Quartal 2020 in Europa erhältlich sein wird.

Bild: Locemia/Eli Lilly

Glukagon bei schweren Unterzuckerungen

Das Hormon Glukagon ist ein Gegenspieler des Insulins. Es regt die Glukoseausschüttung in der Leber an und sorgt so für einen Anstieg des Blutzuckers. Bei einer schweren Unterzuckerung (Hypoglykämie) mit Bewusstlosigkeit ist Glukagon das Mittel der Wahl, um den gefährlich niedrigen Blutzucker anzuheben. Bisher muss das Hormon gespritzt werden, vorher ist das Anmischen des Glukagonpulvers mit einer entsprechenden Lösung und das Aufziehen in eine Spritze notwendig. Mit der Einführung des Glukagon-haltigen Nasensprays können Angehörige oder andere Personen einem Diabetiker mit einer schweren Unterzuckerung einfacher helfen. Das Spray muss nicht inhaliert oder eingeatmet werden, denn der Wirkstoff gelangt über die Nasenschleimhaut in den Blutkreislauf.

Nasales Glukagon kann ab 4 Jahren eingesetzt werden

Die FDA hat das neue Glukagon-Nasenspray als Einzeldosis ab einem Alter von vier Jahren zugelassen. So soll es auch in Europa kommen. In den Zulassungsstudien* mit Erwachsenen und Kindern ab 4 Jahren hatte sich gezeigt, dass Glukagon als Nasenspray den Blutzucker vergleichbar zur Glukagon-Injektion erhöht. Auch die Nebenwirkungen sind vergleichbar mit denen der Glukagon-Injektion. Hinzu können örtliche Reaktionen an der Nase (verstopfte Nase) und den Augen (tränende Augen) kommen.

*Erwachsene mit Diabetes Typ 1: https://onlinelibrary.wiley.com/doi/pdf/10.1111/dom.13134

*Kinder und Jugendliche mit Diabetes Typ 1: https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/29512902

Quelle: Pharmazeutische Zeitung online, 21. Oktober 2019