Ausblick Diabetestechnologie
© Frank Peters - fotolia.com

Diese Diabetes-Technologie kommt 2017

Neue Technik rückt die „Künstliche Bauchspeicheldrüse“ für Menschen mit Typ-1-Diabetes in greifbare Nähe. Im Frühjahr 2017 kommt in den USA mit Medtronic 670G das erste Hybrid-System zur Insulinversorgung auf den Markt. Auch eine Kombi-Pumpe mit den Hormonen Insulin und Glukagon gehört zu den Fortschritten in der Diabetes-Technologie.

Diabetes-Technologie kommt voran

Typ-1-Diabetes ist eine chronische Erkrankung, für die nach heutigem Stand keine Heilung möglich ist – auch wenn es dazu zahlreiche Forschungsansätze gibt, über die wir hier im Nachrichten-Blog regelmäßig berichten. Gleichzeitig entwickelt sich die Medizintechnik weiter und bringt neue Diabetes-Technolgien an den Start, um die Diabetestherapie zu verbessern. In greifbare Nähe rückt nun zum ersten Mal ein Hybrid-System (Hybrid Closed Loop), also eine künstliche Bauchspeicheldrüse, die den Blutzucker (fast) automatisch regelt. Im Wettstreit dazu tritt der „Bionic Pancreas“ in Form einer bihormonalen Pumpe an, die Insulin und Glukagon nach Bedarf ausschüttet. Über die Aussichten beider Technolgien berichtet Prof. Dr. Thomas Danne im aktuellen Diabetes Journal (Ausgabe 1/17).

Blutzucker (fast) automatisch regeln: Das System Medtronic 670G

Als „Hybrid-Closed-Loop“ oder „Semi-Closed-Loop“ wird das System Medtronic 670G bezeichnet. Es kommt der Vorstellung einer künstlichen Bauchspeicheldrüse näher als alle anderen Systeme vorher. Das System kombiniert die Funktionen einer Insulinpumpe und eines Systems zur kontinuierlichen Glukosemessung (CGM) in einem Gerät. Alle fünf Minuten misst es die Glukose und passt die Insulinzufuhr automatisch an den Bedarf an bzw. unterbricht sie, wenn sich die Werte dem Bereich einer Unterzuckerung nähern. Damit geht das System eine Schritt weiter als das Medtronic 640G, das derzeit auf dem Markt ist. Die Menge an Kohlenhydraten muss der Mensch, der das System trägt, allerdings nach wie vor selbst eingeben. Zudem regelmäßig den CGM-Sensor und das Infusionsset wechseln sowie zweimal täglich mittels herkömmlicher Blutzuckermessung kalibieren. Die Zulassungsstudie für Medtronic 670G in den USA zeigt, dass das System gut funktioniert: In 12389 Patiententagen (alle Tage zusammen gerechnet, an denen das System getragen wurde) trat keine einzige schwere Unterzuckerung oder Ketoazidose auf. Das Medtronic 670G System wird in den USA ab Frühjahr 2017 verkauft. In Deutschland soll es Anfang 2018 auf den Markt kommen, hofft Prof. Dr. Thomas Danne.

Insulinpumpe und CGM Medtronic670G

© Medtronic

Zwei Hormone steuern den Blutzucker: Bionic Pancreas

Im Wettstreit um die künstliche Bauchspeicheldrüse liegt das Medtronic 670G System im Moment vorn, doch es steht noch eine weitere, viel versprechende Diabetes-Technologie in den Startlöchern. Sie wird als „Bionic Pancreas“ (Bionische Bauchspeicheldrüse) bezeichnet und besteht aus einer Pumpe mit zwei Kammern. Eine Kammer enthält Insulin, die andere das Gegenspieler-Hormon Glukagon. Je nach Höhe des Glukosespiegels gibt die Pumpe entweder Insulin zur Senkung oder Glukagon zur Erhöhung ab. Die Glukose wird über ein System zur kontinuierlichen Glukosemessung (CGM) gemessen, das zusätzlich getragen werden muss. Die Steuerung erfolgt über ein Smartphone: Es empfängt die Werte vom CGM-System und steuert die Insulin/Glukagon-Abgabe der Pumpe. Die Menge des Kohlenhydrate muss der Anwender auch hier selbst eingeben. Das System funktioniert, wie eine jüngst veröffentliche Studie* gezeigt hat. Bis es auf den Markt kommt wird es noch etwas dauern, sagt Prof. Dr. Thomas Danne im Diabetes Journal. Denn Glukagon ist bislang noch nicht für die Pumpentherapie zugelassen.

* Firas H El-Khatib et al. Home use of a bihormonal bionic pancreas versus insulin pump therapy in adults with type 1 diabetes: a multicentre randomised crossover trial. The Lancet. DOI: http://dx.doi.org/10.1016/S0140-6736(16)32567-3