Diabetes und Partnerschaft
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Diabetes kann die Partnerschaft belasten

Die Diabeteserkrankung eines Partners kann Sprengstoff für die Beziehung sein. Vor allem Unterzuckerungen sind ein häufiger Streitpunkt. Was hilft, ist die richtige Kommunikation. Tipps aus der Praxis hat Diplom-Psychologin Dr. Ulrike Löw.

Partnerschaft zwischen Bevormundung und Abschottung

Der Klassiker: Er hat Diabetes, sie sorgt sich um die Blutzuckerwerte. Sind sie zu hoch, wirft sie ihm vor, genascht zu haben. Sind sie eher niedrig, steht sie mit dem Traubenzucker schon parat. Während sie sich ständig Sorgen macht, reagiert er zunehmend genervt und schottet sich ab. Dabei meint sie es ja nur gut, während er sich bevormundet fühlt. Streit ist hier vorprogrammiert. Wie kommt man heraus aus dem Teufelskreis?

Kommunikation muss geübt werden

„Partnerschaft und Kommunikation sind auch ohne Diabetes schon schwer genug, sagt Dr. Ulrike Löw, Diplom-Psychologin und Mitglied der Arbeitsgemeinschaft Diabetes und Psychologie in der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG). Wenn eine chronische Erkrankung dazu kommt, hilft nur eine offene Kommunikation. Und die will geübt werden.

Sich in den anderen hineinversetzen

„Liebling, wir müssen reden“ beschreibt Dr. Ulrike Löw die Lösung dieses Partnerschaftsproblems in der aktuellen Ausgabe der Diabetes-Zeitung (7/16), die von der Deutschen Diabetes Gesellschaft herausgegeben wird. Sie rät Paaren zu Gesprächen, in denen sie genau beschreiben, was sie sich vom anderen in bestimmten Situationen wünschen. „Dabei gelten die allgemeinen Regeln gelungener Kommunikation, sprich: Ich-Botschaften formulieren sowie konkrete Anlässe und konkretes Verhalten ansprechen anstatt zu verallgemeinern“, sagt die Diplom-Psychologin. Der richtige Weg: Auf Schuldzuweisungen verzichten und sich in die Situation es anderen hineinversetzen.

Unterzuckerungen belasten die Partnerschaft

Ein häufiges Streitthema ist nach Erfahrung der Therapeutin der Umgang mit Unterzuckerungen (Hypoglykämien). Menschen mit Diabetes reagieren in dieser Situation auf Hilfsangebote nicht selten schroff oder aggressiv. Dies kann den Partner verletzen. Hier kann es sinnvoll sein, im Gespräch bestimmte Abläufe festzulegen. „Am Ende kann dann die Vereinbarung stehen, dass der Partner im Falle einer Hypo wortlos und ohne Kommentare oder Vorwürfe ein Glas Saft reicht, dass der Diabetiker dann ohne Diskussionen austrinkt,“ beschreibt Dr. Ulrike Löw die Lösung.

Die aktuelle Ausgabe der Diabetes-Zeitung lesen Sie hier.

Diabetes belastet auch das Sexleben

Viele Männer, aber auch Frauen, leiden unter einer sexuellen Funktionsstörung, die durch den Diabetes bedingt ist. Wen „er“ nicht mehr kann oder „sie“ keine Lust bzw. Schmerzen beim Sex hat, kann dies die Partnerschaft enorm belasten. Paaren fällt es oft schwer, darüber offen zu sprechen.

Mehr zu den Ursachen, Untersuchungen und Behandlungsmöglichkeiten einer sexuellen Funktionsstörung wie der erektilen Dysfunktion lesen Sie in unserem großen Wissensteil zu „Diabetes und Sexualität“.