Schwere Unterzuckerungen können auch dem Herzen schaden

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Die meisten Folgeerkrankungen von Diabetes entstehen durch erhöhte Blutzuckerwerte. Aber auch eine zu strenge Therapie kann negative Folgen haben, wenn sie zu Unterzuckerungen führt. Hypoglykämien sind nicht nur akut gefährlich, sondern können auch langfristige Schäden verursachen.

(19.07.2026) Schwere Unterzuckerungen sind nicht nur zum Zeitpunkt ihres Auftretens gefährlich. Sie können auch langfristig gesundheitliche Schäden verursachen. Wie in Studien nachgewiesen wurde, besteht ein Zusammenhang zwischen Hypoglykämien und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Demnach haben Menschen, die bereits eine schwere Unterzuckerung hatten, ein erhöhtes Risiko für Herzinfarkte und Schlaganfälle.

Bei einer Hypoglykämie sinkt der Blutzuckerspiegel auf Werte unter 70 mg/dl (3,9 mmol/l), weil sich zu viel Insulin im Körper befindet. Auslöser können eine Überdosierung von Insulin oder Medikamenten, körperliche Aktivität oder auch Alkoholkonsum sein. Zu den häufigsten Symptomen zählen Zittern, Schwitzen, Herzklopfen, Sprach- und Sehstörungen sowie Verwirrtheit und Orientierungslosigkeit. Bei schweren Hypoglykämien kann es zudem zu Bewusstlosigkeit und Krämpfen kommen. Die Betroffenen sind dann auf Fremdhilfe angewiesen.

Ältere Menschen mit Vorerkrankungen häufig betroffen

Die akuten Folgen einer Unterzuckerung klingen in der Regel schnell wieder ab, sobald der Blutzuckerspiegel wieder normalisiert ist. Insbesondere bei älteren Patienten besteht jedoch die Gefahr von Folgeschäden. Gut belegt ist das erhöhte Demenzrisiko nach einer Hypoglykämie. Auch die Leistungsfähigkeit des Gehirns kann bei Senioren durch wiederholte Unterzuckerungen beeinträchtigt werden.

Neuere Untersuchungen beleuchten nun die Folgen für das Herz-Kreislauf-System. So zeigte sich in einer internationalen Studie mit mehr als 14.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmern, dass das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen nach einer Unterzuckerung zwei- bis dreimal höher war als ohne Hypoglykämie. Besonders häufig betroffen waren ältere Patienten, die bereits seit Langem an Diabetes erkrankt sind und schon andere Begleiterkrankungen haben. Wie erwartet spielte zudem die Behandlung mit Insulin eine Rolle, da sie das Risiko für Unterzuckerungen erhöht. Darüber hinaus zeigte sich, dass bei Patienten mit einer Herzschwäche auch das Risiko für schwere Unterzuckerungen erhöht ist. Hypoglykämien und Herz-Kreislauf-Erkrankungen bedingen sich also gegenseitig.

Warnung vor zu ehrgeizigen Therapiezielen

Die Studienteilnehmer waren allesamt Patienten mit Diabetes Typ 2, für andere Diabetesformen wurden noch keine vergleichbaren Studien veröffentlicht. Dies ist der hohen Erkrankungshäufigkeit von Typ-2-Diabetes geschuldet, da mehr als 90 Prozent aller Diabeteserkrankungen auf diesen Typ entfallen. Bislang gibt es allerdings keinen Grund zur Annahme, dass die Wechselwirkungen zwischen Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Hypoglykämien nur für diesen Diabetes-Typ gelten. Ein erhöhtes Demenzrisiko etwa ist inzwischen auch für Menschen mit Typ-1-Diabetes belegt.

Wenn Betroffene Schwierigkeiten haben, die frühen Anzeichen einer Hypoglykämie zu spüren, sind Schulungen zur Verbesserung der Hypowahrnehmung empfohlen. Experten raten zudem von einer zu straffen Blutzuckereinstellung ab. Laut Ärztezeitung werden sowohl Patienten mit einem HbA1c-Wert über 8,5 Prozent als auch Patienten mit einem HbA1c-Wert unter 5,7 Prozent häufiger und länger im Krankenhaus behandelt. Zu ehrgeizige Therapieziele sind demnach eher hinderlich, um Folgeerkrankungen dauerhaft zu vermeiden, da sie oftmals mit schädlichen Hypoglykämien einhergehen.

Quellen:
diabInfo
Deutsches Ärzteblatt
Diabetes Care
Ärztezeitung
eigene Recherche

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Dieser Artikel wurde verfasst von Thorsten Ferdinand