Bei Behandlung mit Abnehmspritze droht Muskelverlust

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Wenn Menschen schnell deutlich an Gewicht verlieren, steckt dahinter immer häufiger eine Behandlung mit der sogenannten Abnehmspritze. In manchen Erfolgsgeschichten fehlt jedoch ein kritischer Blick auf die Zeit nach dem Erreichen des Zielgewichts, mahnen Fachleute. Zudem wird eine unerwünschte Nebenwirkung des Gewichtsverlusts noch häufig übersehen.

(12.07.2026) Bei einer Behandlung mit den Wirkstoffen Tirzepatid und Semaglutid sinkt das Körpergewicht in der Regel deutlich. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährungsmedizin (DGEM) weist jedoch darauf hin, dass beim intensiven Abnehmen nicht nur das Körperfett, sondern auch die Muskelmasse reduziert wird. Um diesem Effekt vorzubeugen, empfiehlt die Fachgesellschaft ein regelmäßiges Muskel- und Ausdauertraining sowie eine ausreichende Eiweißzufuhr während der Therapie.

Die Medikamente mit den Handelsnamen Ozempic (Wirkstoff Semaglutid) und Mounjaro (Wirkstoff Tirzepatid) können bei Typ-2-Diabetes verordnet werden. Sie sind insbesondere für übergewichtige Patienten geeignet, da sie ein Sättigungsgefühl erzeugen und die Magenentleerung verlangsamen. Zudem regen sie die Insulinausschüttung der Bauchspeicheldrüse bei erhöhten Blutzuckerwerten an. Die Wirkstoffe werden unter anderen Handelsnamen auch zur Behandlung von Adipositas genutzt. Liegt jedoch kein Typ-2-Diabetes vor, übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen die Kosten bislang nicht.

Nicht allein auf Medikament verlassen

Zahlreiche Studien belegen die hohe Wirksamkeit der Medikamente. So reduzierte sich das Körpergewicht der Studienteilnehmer, die Ozempic regelmäßig anwandten, um durchschnittlich 17 Prozent. Eine andere Studie mit Mounjaro zeigte sogar einen durchschnittlichen Gewichtsverlust von 20,9 Prozent. Allerdings mussten beide Wirkstoffe dauerhaft verabreicht werden, um einen Jo-Jo-Effekt zu vermeiden. Die meisten Patienten nehmen nach dem Absetzen der Medikamente wieder zu.

Aus diesem Grund sollte die Behandlung mit einer Anpassung des Lebensstils kombiniert werden. Wer parallel zur Therapie mit Tirzepatid oder Semaglutid beginnt, sich gesünder zu ernähren und mehr zu bewegen, hat eine größere Chance, das Gewicht nach Absetzen des Medikaments zu halten. Auch hierfür gibt es inzwischen Belege aus Studien. Für viele Betroffene beginnt die entscheidende Phase der Behandlung erst nach Erreichen des Zielgewichts, so die Experten der DGEM.

Für langfristigen Erfolg braucht es eine Strategie

Der Verlust von Muskelmasse während einer Behandlung mit Tirzepatid oder Semaglutid ist insbesondere für ältere Menschen gefährlich, da er die Mobilität einschränken und die Sturzgefahr erhöhen kann. Ein Rückgang der Handkraft ist ein mögliches Anzeichen für die sogenannte Sarkopenie. Patienten sollten deshalb beim Abnehmen nicht ausschließlich auf die Waage schauen, erklärt die DGEM. Für einen nachhaltigen Erfolg sind laut der Fachgesellschaft unter anderem auch eine strukturierte Ernährungsberatung, eine begleitende Bewegungstherapie und bei Bedarf eine psychologische Begleitung entscheidend. Dabei gelte es, Muskelmasse zu erhalten, Nährstoffdefizite zu vermeiden und ein tragfähiges Essverhalten zu entwickeln.

Da sowohl Diabetes als auch Adipositas chronische Erkrankungen sind, ist insbesondere für die Zeit nach dem Gewichtsverlust eine alltagstaugliche und tragfähige Strategie erforderlich. Die Fachgesellschaft ruft deshalb dazu auf, diese Zeit stärker in den Fokus zu rücken. Der langfristige Therapieerfolg zeige sich nicht beim ersten verlorenen Kilogramm, sondern erst bei der Stabilisierung im Alltag.

Quellen:
Deutsche Gesellschaft für Ernährungsmedizin (DGEM)
NDR Ratgeber Gesundheit
Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG)
ABDA – Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände
Gelbe Liste Online
Ärzteblatt
eigene Recherche

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Dieser Artikel wurde verfasst von Thorsten Ferdinand