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Metformin auch bei leichter Nierenschwäche

Grünes Licht durch die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG): Auch Typ-2-Diabetiker mit einer leichten Nierenschwäche können jetzt mit dem Wirkstoff Metformin behandelt werden.

Typ-2-Diabetiker profitieren von Metformin

Metformin ist ein langjährig bewährter und bevorzugter Wirkstoff zur Behandlung des Typ-2-Diabetes. Er hemmt die Produktion von Glukose (Zucker) in der Leber und trägt damit dazu bei, den Blutzucker zu senken. Bisher konnten Typ-2-Diabetiker mit einer Einschränkung der Nierenfunktion nicht von Metformin profitieren. Dieses Verbot wurde nun auf der Basis aktueller Studien gelockert. Die Deutsche Diabetes Gesellschaft hat Ende März 2015 mitgeteilt, dass Metformin nun auch für Diabetiker mit eingeschränkter Nierenfunktion erlaubt ist.

Mögliche Nebenwirkung

Bedenken hatte Ärzte beim Einsatz von Metformin bei Patienten mit Nierenschwäche bisher wegen einer möglichen Laktatazidose, also einer Übersäuerung des Blutes. Der Hintergrund: Glukose wird in der Leber vor allem aus Laktat (Milchsäure) gebildet. „Ein Übermaß an Metformin kann dazu führen, dass das Laktat in der Leber keine Verwendung mehr findet und folglich in der Konzentration ansteigt“, erläutert Privatdozent Dr. med. Erhard Siegel, Präsident der Deutschen Diabetes Gesellschaft. Damit steigt das Risiko für eine Übersäuerung des Blutes (Laktatazidose). Weil Metformin über die Niere ausgeschieden wird, ist eine Nierenfunktionsstörung ein wichtiger Risikofaktor für die Laktatazidose.

Metformin auch bei Nierenschwäche

Daher war der Einsatz von Metformin bisher bei Patienten mit einem mäßigen Rückgang der Nierenleistung untersagt – eine reine Vorsichtsmaßnahme, wie die Deutsche Diabetes Gesellschaft betont. Aktuelle Studien haben nun gezeigt, dass diese Einschätzung nicht zu halten ist. So hat die Analyse einer Datenbank britischer Hausarztpatienten* ergeben, dass es bei Patienten mit eingeschränkter Nierenfunktion nicht zu vermehrten Komplikationen durch eine Laktatazidose gekommen war.

Metformin-Dosierung niedrig halten

Für viele Menschen mit Typ-2- Diabetes, die aufgrund ihres Alters eine leichte Nierenfunktionsstörung haben, sei dies eine deutliche Erleichterung, sagt DDG-Präsident Siegel. Allerdings rät die Fachgesellschaft zur Vorsicht und empfiehlt Ärzten, bei Patienten mit eingeschränkter Nierenfunktion die Metformin-Dosierung zu reduzieren. Die maximale Tagesdosis solle 1000 mg nicht überschreiten, betont Professor Siegel. Zudem müsse die Nierenfunktion alle drei bis sechs Monate getestet werden.

 

* Richy FF, Sabidó-Espin M, Guedes S, Corvino FA, Gottwald-Hostalek U. Incidence of lactic acidosis in patients with type 2 diabetes with and without renal impairment treated with metformin: a retrospective cohort study. Diabetes Care 2014; 37:2291-5.