Depression bei Zuckerkranken und Infarktpatienten

Etwa 25 Prozent der Patienten mit Typ 2 Diabetes und 20 Prozent der Patienten an Kliniken mit koronarer Herzkrankheit leiden unter Depressionen. „Dadurch wird die Lebensqualität erheblich beeinträchtigt bis hin zu einer erhöhten Sterblichkeit dieser Patienten“, erklärte Prof. Dr. Stephan Herpertz vom Universitätsklinikum Bochum auf dem 34. Interdisziplinären Forum „Fortschritt und Fortbildung in der Medizin“ der Bundesärztekammer in Berlin.

Weitere Faktoren seien an den oben genannten Patienten oft zu beobachten

  • Betroffene führten in der Regel einen ungesunden Lebensstil
  • sie seien häufiger körperlich inaktiv
  • sie neigten zu Adipositas

Aber auch körperliche Veränderungen, z.B. des Reizleitungssystems des Herzens, der Blutgerinnung oder der Immunabwehr seien nicht selten zu beobachten. Therapieempfehlungen kämen nur schwer an. „Depressionen bei primär körperlich kranken Menschen werden unter Praxisbedingungen oft nicht erkannt und unzureichend behandelt“, meint Herpertz. Er rät deshalb zu einem regelmäßigen Depressionsscreening bei chronischen Krankheiten als integralen Bestandteil der Routineversorgung. „Dabei sind Depressionen von Patienten mit Diabetes oder Herzkrankheit mit Antidepressiva, Psychotherapie oder einer Kombination von beidem annährend so gut behandelbar wie depressive Patienten ohne körperliche Erkrankung“, betonte Herpertz. Allerdings gebe es noch keine überzeugende Behandlung, die auch auf die medizinischen Parameter des Diabetes oder der Koronaren Herzkrankheit zuverlässig eine günstige Wirkung entfaltet. So gebe es etwa keine ausreichende Behandlung, die bei Infarktpatienten mit Depression und geringer sozialer Unterstützung die Überlebenszeit verlängern hilft.

Priv.-Doz. Dr. Tom Bschor, Chefarzt in der Berliner Schlosspark-Klinik, ergänzte, dass bei einer antidepressiven Medikamentenbehandlung die Schwere der Depression beachtet werden müsse. Bei einer leichten Form seien Medikamente nicht grundsätzlich nötig. Bei einer mittelschweren Depression käme eine Arzneimitteltherapie genauso wie eine Psychotherapie in Frage.

„Nur bei einer schweren Erkrankung sollte dem Patienten grundsätzlich zu einer pharmakotherapeutischen Behandlung geraten werden“, unterstrich Bschor. Dabei sollte auf unbegründete Ängste etwa vor Abhängigkeit oder Persönlichkeitsveränderung eingegangen werden. Das würde die Zusammenarbeit mit dem Patienten bei der Einnahme der Medikamente erleichtern. „Die eigentliche Kunst in der Depressionsbehandlung ist die konsequente Ausschöpfung der verschiedenen zur Verfügung stehenden Behandlungsmöglichkeiten im Rahmen eines algorithmusgestützten Stufenplans, so dass die einzelnen Therapiestufen für eine adäquate Dauer durchgeführt, dann ihr Erfolg bewertet und in Abhängigkeit hiervon die Entscheidung über die Fortführung der Therapie getroffen wird“, erklärte Bschor.