Demenzrisiko auch bei Diabetes Typ 1 deutlich erhöht

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Dass Menschen mit Typ-2-Diabetes ein erhöhtes Risiko haben, an einer Demenz zu erkranken, ist schon länger bekannt. Eine neue Studie aus Schweden zeigt nun allerdings, dass es diesen Zusammenhang auch bei Typ-1-Diabetes gibt. Aufgrund des früheren Erkrankungsbeginns sind davon häufiger auch jüngere Menschen betroffen.

(19.02.2026) Menschen mit Typ-1-Diabetes haben ein doppelt so hohes Risiko, an Demenz zu erkranken, wie der Durchschnitt der Bevölkerung. Zudem tritt die Erkrankung bei ihnen häufiger schon in jüngerem Lebensalter auf. Das belegen die Ergebnisse einer großen Kohortenstudie aus Schweden, die auch in Deutschland veröffentlicht wurden.

Die Forscher verglichen eine Gruppe von 43.440 Erwachsenen mit Typ-1-Diabetes mit einer Kontrollgruppe ohne Diabetes, die aus 217.109 Personen bestand. In einer Beobachtungszeit von durchschnittlich 14,3 Jahren erkrankten die Betroffenen mit Diabetes signifikant häufiger und früher an einer Demenz. Ihr Durchschnittsalter bei Erkrankungsbeginn betrug 71 Jahre, in der Kontrollgruppe lag es bei 76 Jahren. Besonders häufig war die vaskuläre Demenz, die durch Durchblutungsstörungen im Gehirn ausgelöst wird. Aber auch das Risiko, an einer Alzheimer-Demenz zu erkranken, ist bei Diabetes Typ 1 erhöht.

Zusammenhang bei Typ-2-Diabetes schon gut belegt

Bislang konzentrierte sich die Forschung vorwiegend auf Demenzerkrankungen bei Typ-2-Diabetes. Der Zusammenhang mit der umgangssprachlich früher als „Altersdiabetes“ bezeichneten Erkrankung ist bereits seit Jahren gut belegt. Als Hauptursachen gelten dauerhaft erhöhte Blutzuckerwerte sowie schwere Unterzuckerungen, die dem Gehirn schaden können. Entzündungen, Durchblutungsstörungen und Arterienverkalkung erhöhen demnach auch bei Typ-2-Diabetes vor allem die Wahrscheinlichkeit, eine vaskuläre Demenz zu entwickeln. Statistisch gesehen tritt die Erkrankung bei Typ-2-Diabetes rund zwei Jahre früher auf als in der Durchschnittsbevölkerung.

Dass inzwischen auch Demenz bei Typ-1-Diabetes stärker in den Blickpunkt rückt, hat mit der gestiegenen Lebenserwartung der Betroffenen zu tun. Während sie früher nur selten das Seniorenalter erreichten, nimmt der Anteil der über 70-Jährigen mit Typ-1-Diabetes inzwischen deutlich zu. Allein in Deutschland gibt es mittlerweile mehr als 100.000 Patienten dieser Altersgruppe. Diese grundsätzlich erfreuliche Entwicklung hat zur Folge, dass Menschen mit Typ-1-Diabetes inzwischen auch häufiger typische Alterserkrankungen entwickeln.

Risiko ist insbesondere bei jüngeren Patienten erhöht

Die gestiegene Lebenserwartung der Betroffenen ist allerdings nicht der einzige Grund für ein erhöhtes Demenzrisiko bei Typ-1-Diabetes. Die Kohortenstudie aus Schweden zeigt, dass auch bei jüngeren Patienten die Wahrscheinlichkeit, an Demenz zu erkranken, deutlich erhöht ist, wenn weitere Risikofaktoren hinzukommen. Dazu zählen laut Studie beispielsweise ein erhöhter Blutdruck, erhöhte HbA1c-Werte und kardiovaskuläre Vorerkrankungen. Das Risiko, vor dem 45. Lebensjahr an einer Demenz zu erkranken, ist bei Typ-1-Diabetes sogar dreimal so hoch wie in der Allgemeinbevölkerung.

Neben der konsequenten Behandlung der als Risikofaktoren geltenden Begleiterkrankungen empfehlen Experten zur Vorbeugung einen gesunden Lebenswandel mit ausreichend Bewegung und einer ausgewogenen Ernährung. Zudem ist es wichtig, schwere Hypoglykämien zu vermeiden, da auch diese dem Gehirn dauerhaften Schaden zufügen können. Insbesondere bei älteren Patienten hat die Vermeidung schwerer Unterzuckerungen absolute Priorität.

Quellen:
Gelbe Liste Online
Alzheimer Deutschland
diabinfo
Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG)
Deutsche Alzheimer Gesellschaft
Medscape
Deutsche Hirnstiftung
eigene Recherche

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Dieser Artikel wurde verfasst von Thorsten Ferdinand