Blutzuckermessung – Labor zuhause

Blutzuckermessung – das Labor zuhause

Die Selbstkontrolle ist ein wichtiger Teil der Diabetestherapie, wenn die dadurch erhaltenen Erkenntnisse umgesetzt werden. Ein neues Messgerät von Abbott wendet sich besonders an Menschen, die eine einfache Handhabung brauchen.

Das neue Messgerät FreeStyle Freedom Lite von Abbott ist für das ruhige, einfache Leben konzipiert.

Diabetes ist eine ziemlich moderne Erkrankung. Diese Aussage bezieht sich nicht nur auf den Umstand, dass es sich um eine der gern zitierten Zivilisationskrankheiten handelt, mit rasant steigenden Betroffenenzahlen.

Modern ist auch der Therapieansatz, denn bei Diabetes gilt „Letztendlich ist der Patient sein eigener Arzt“, so charakterisierte es Prof. Dr. med. Thomas Haak auf einer Veranstaltung der Firma Abbott Diabetes Care im Rahmen der Herbsttagung für praktische Diabetologie der Deutschen Diabetes Gesellschaft in Berlin.

Der so genannte westliche Lebensstil aus wenig Bewegung und viel Ernährung führe zum metabolischen Syndrom, „diese Katastrophe ist gut bekannt, wir suchen immer noch nach Wegen sie zu vermeiden“, beschrieb der amtierende DDG-Präsident die Lage. Das Ziel ist klar, gute Daten zeigen laut Haak, dass wenn ein Mensch mit Diabetes alle Therapieziele erreicht, nicht nur Komplikationen vermieden, sondern die Lebensqualität auf das Niveau von Nicht-Diabetikern gebracht werden kann. Als Säulen der Therapie bezeichnete er Lebensstil, Therapieführung und Blutzuckerkontrolle. Und genau hier kommt die Selbstverantwortung der Patienten ins Spiel. „Ihr seid Eure Ärzte, macht auch Diagnostik!“ forderte Haak. Man kann die Analogie noch weiterführen, denn genau wie der niedergelassene Arzt eine Diagnostik nicht aus Lust am Laborwert veranlasst, sondern mit einer konkreten medizinischen Fragestellung im Kopf, so sollte vernünftigerweise auch der Patient agieren.

Mehr Mut schulen

Die Frage müsse nach Haak sein, wann man eine Chance hat, aus der Messung einen therapeutischen Nutzen zu ziehen. Denn jede einzelne Messung sei mit einem Aufwand für den Patienten und Kosten für das Gesundheitssystem verbunden. Er kenne viele Fälle, in denen ansonsten selbstständige, entscheidungsstarke Menschen mit eigenem Betrieb nicht selbst die abendliche Insulindosis erhöhen, wenn sie morgens konstant zu hohe Werte messen. Genauso wie Patienten, die ständig den Nüchtern-, aber nie den postprandialen Blutzucker messen, handele es sich hier um Themen, die noch mehr geschult werden müssen, „das ist noch ein Defizit und könnte besser sein!“ fand Haak.

Auch die Motivation kann ein Nutzen der Selbstmessung sein, die sich verbessernden Messergebnisse können als eine Belohnung fungieren für die Einschränkungen und Anstrengungen, die der Patient im Rahmen der Diabetestherapie auf sich unternommen hat. Ein einheitliches Schema, wann gemessen werden sollte, gibt es nicht, je nachdem, ob der Diabetes in einer stabilen Phase ist oder Therapie oder Alltag sich ändern, können mehr oder weniger Messungen zu verschiedenen Zeiten nötig sein. Und grundsätzlich entscheiden der Typ des Diabetes sowie die Therapieform darüber, wann eine Messung sinnvoll ist.

Groß und benutzerfreundlich

Die Berliner Diabetesberaterin Anja Müller stellte auf der Veranstaltung das im November auf den Markt gekommene neue Blutzucker-Messgerät FreeStyle Freedom Lite von Abbott vor. Es handelt sich um eine direkte Weiterentwicklung des FreeStyle Freedom und verwendet die Lite Teststreifen des US-amerikanischen Herstellers mit deutschem Sitz in Wiesbaden. Die einfachere Bedienung sei die wichtigste Änderung, das Gerät fordert „nicht viel technisches Engagement“, so Müller und sei damit für ältere Patienten mit einem beständigen, ruhigen Leben oder auch durch Erkrankungen eingeschränkte Diabetiker geeignet.

Eine große Vereinfachung ist für sie die Tatsache, dass man nicht mehr Codieren muss, dieser Schritt sei schwer zu schulen gewesen. Der Produktionsprozess der Teststreifen liefert nunmehr über lange Zeit identische Qualität, die früher notwendige Chargenkorrektur durch das Codieren ist daher nicht mehr nötig. Ein großes Display mit fetten Ziffern sowie nur zwei Tasten machen das Gerät benutzerfreundlich – die technischen Daten entsprechen jedoch der Profi-Version: Eine Blutmenge von 0,3 µL wird pro Messung benötigt, die Messzeit beträgt rund fünf Sekunden.

Man habe das „mit Abstand neueste Portfolio am Markt“, freute sich Olaf Weishaupt, nationaler Marketing und Customer Service Manager bei Abbott Diabetes Care, angesichts der Neueinführung, erst im Juli 2007 kam mit dem FreeStyle Lite das nach Firmenangaben kleinste Blutzucker-Messgerät der Welt auf den Markt. Das Motto der Produktpalette sei „verschiedene Menschen, verschiedene Messgeräte“, die Entwickler wollen auf die verschiedenen Ansprüche an Funktion, Design und Technik eingehen, „wie bei Autos oder Fernsehern“, verglich Weishaupt augenzwinkernd. Nur einen Monat länger als der FreeStyle Freedom Lite ist eine neue Internet-Datenbank in Aktion, die das Unternehmen in Zusammenarbeit mit dem Verband der Diabetes Berater/-innen in Deutschland und anderen Organisationen über ein Jahr aufgebaut hat. Es handelt sich um einen Adressfinder für Spezialisten und Selbsthilfegruppen, der wahrscheinlich in jährlichen Abständen aktualisiert werden soll.

Den Adressfinder für Spezialisten, darunter auch Fußambulanzen, und Selbsthilfegruppen finden Sie im Internet unter www.abbott-diabetes-care.de
Informationslücke bei Teststreifen-Erstattung
Ein Viertel aller gesetzlich krankenversicherten Typ-2 Diabetiker muss seine Blutteststreifen selbst zahlen, obwohl die Kosten von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen werden müssten.
Dieses überraschende Ergebnis einer repräsentativen Umfrage von TNS Healthcare gab der Deutsche Diabetiker Bund (DBB) bekannt. „Ein Skandal“, kritisiert der ehem. Bundesvorsitzende der Patientenorganisation Manfred Wölfert, „den Patienten wird zu Unrecht in die Tasche gegriffen.“
Durch die Umfrage sollte eigentlich nur herausgefunden werden, wie die Patienten den Nutzen der Blutzuckerselbstmessung einschätzten. Wöhlert vermutet hinter dem hohen Anteil von Selbstzahlern eine missverstandene Regelung des Arzneimittelversorgungs-Wirtschaftlichkeitsgesetzes. Es sieht bei der Verordnung bestimmter Arzneimittel Bonus-Malus-Regelungen für Ärzte vor. „Teststreifen sind jedoch keine Arzneimittel. Die Regelung gilt also für sie nicht“, betonte er und kritisierte in diesem Zusammenhang die Informationspolitik sowohl der Krankenkassen sowie der Kassenärztlichen Vereinigungen, denen offensichtlich die zurückhaltende Verordnung von Blutzuckerteststreifen gelegen komme.
Das eigentliche Ergebnis der Befragung war, dass 54 Prozent der befragten Diabetiker in der Blutzuckerselbstmessung ausschließlich und 32 Prozent überwiegend Vorteile für die Kontrolle des Behandlungserfolgs sahen. „Vielleicht erklärt diese außerordentlich positive Bewertung auch, weshalb viele Patienten offenbar ohne zu murren in die eigene Tasche greifen, um sich die Teststreifen zu sichern“, kommentierte Wölfert.