News-Archiv: 2008

Neues Verfahren

(2008)

Insulin inhalieren statt spritzen – Australische Wissenschaftler entwickeln neues Verfahren

Ein verbessertes Verfahren für die Herstellung von inhalativem Insulin könnte tägliches Spritzen für Diabetiker bald überflüssig machen. Die Idee, Insulin über die Lunge zu verabreichen, ist nicht neu. Schwierig erwies sich bislang allerdings die Umsetzung. Insbesondere mangelte es an optimalen technischen Voraussetzungen zur Pulverisierung des Insulins.

Wissenschaftler der University of New South Wales (UNSW) konnten durch eine innovative, einzigartige Technologie ein Insulinpulver herstellen, das das einzige bisher auf dem Markt erhältliche Insulinpulver in seiner Wirkung übertrifft. Das nach seiner Herstellungsmethode ARISE (Atomised Rapid Injection for Solvent Extraction) benannte Präparat weist eine sehr geringe Dichte auf und bietet durch die daraus resultierende größere Angriffsfläche einen höheren Widerstand innerhalb eines Luftzugs. Es kann somit tief in die Lunge gelangen und eine schnelle Wirkung erzielen.

Das von Professor Neil Foster und seinem Doktoranden Roderick Sih entwickelte ARISE Insulin verspricht neben einer leichteren Anwendung auch mehr Flexibilität in der Lebensführung. Diabetiker müssten nur noch 10 Minuten vor jeder Mahlzeit inhalieren und nicht wie bisher 30 Minuten vorher das Insulin spritzen. Die schnelle Wirkung des pulverförmigen Insulins ermöglicht außerdem eine präzisere Kontrolle des Blutzuckerspiegels. Kurz nach der Inhalation kann der Glucosegehalt im Blut überprüft werden und, falls erforderlich, eine zusätzliche Verabreichung erfolgen. Somit können Patienten eine Insulinüberdosierung leichter verhindern.

Vielversprechend scheint die neue Technologie auch für die Behandlung von Asthma und anderen chronischen Bronchialerkrankungen zu sein.

Gefahr für Diabeteskranke durch Gesundheitsfonds

(2008)

Die Krankenkassenbeiträge steigen, die Versorgungsqualität im Rheinland könnte dennoch abnehmen

Der Krankenkassenbeitrag steigt durch den neuen Gesundheitsfonds ab Januar 2009 für alle gesetzlich Versicherten auf einheitliche 15,5 Prozent steigen. Dies bedeutet für die meisten Rheinländer eine Kostenzunahme, da der aktuelle Beitragssatz bundesweit bei durchschnittlich 14,9 Prozent liegt. Dennoch könnte der finanzielle Spielraum der Krankenkassen schrumpfen, statt größer zu werden.

diabetes-news-gefahr-durch-gesundheitsfonds Denn das Geld wird zukünftig so an die Krankenkassen verteilt, dass beispielsweise im Rheinland weniger Geld ankommt als in Bayern. Dort scheint aufgrund der zusätzlichen Mittel die Diabetesversorgung gewährleistet. Die Diabetologen in Nordrhein befürchten derweil, dass hier Schaden an der Versorgung Diabeteskranker entstehen kann.

Durch die Initiative der diabetologisch tätigen Ärzte, der Kassenärztlichen Vereinigung Nordrhein und der nordrheinischen Krankenkassen gibt es im Rheinland seit 10 Jahren Verträge, die die Versorgung von Menschen mit Diabetes regeln (Disease Management Programme – DMP). Dank dieser Verträge konnten die Beteiligten eine gute Versorgungsstruktur für die Bevölkerung mit Diabetes aufbauen. Insbesondere die Zusammenarbeit zwischen Hausärzten, Diabetologen und Kliniken hat sich zum Wohle der Patienten deutlich verbessert. So konnte beispielsweise die hausärztliche Betreuung durch vierteljährliche Untersuchungen der Stoffwechsellage, des Blutdruckes und der Füße deutlich intensiviert werden.

Bei Stoffwechselentgleisungen ist die Behandlung in den meisten Fällen nicht mehr im Krankenhaus nötig. Eine Neueinstellung im häuslichen Umfeld ist sogar sehr sinnvoll, weil sie sich besser in den Alltag der Patienten integrieren lässt. Ambulant durchgeführte Insulineinstellungen ersparen den Betroffenen den Krankenhausaufenthalt und den Krankenkassen hohe Kosten. Insbesondere in den diabetologischen Schwerpunktpraxen hat sich eine hohe Kompetenz für die Durchführung von Schulungen für Menschen mit Diabetes entwickelt. Kaum eine Patientengruppe erfordert eine vergleichbar hohe Gesprächsintensität im Laufe einer Behandlung. Diabetologische Schwerpunktpraxen haben Fußbehandlungsnetze mit Chirurgen und Krankenhäusern gegründet und konnten die Amputationsrate und Krankenhausaufenthalte nachweislich senken. Alle Hausärzte und Diabetologen nehmen an Qualitätszirkeln teil, bilden sich regelmäßig fort und gewährleisten so den aktuellen wissenschaftlichen Stand.

Durch Datenerhebungen konnte gezeigt werden, dass die Bemühungen Früchte tragen. Insbesondere die zuvor „schlecht eingestellten“ Patienten weisen deutliche Verbesserungen ihrer Stoffwechsellage auf. Sollten diese Entwicklungen nicht ausreichend fortgeführt werden, so würde ein großer Schaden in der Versorgung von Patienten mit Diabetes entstehen und die Glaubwürdigkeit für zukünftige Entwicklungen schwer leiden.

Reader’s Digest gibt Tipps

(2008) diabetes-news-obst-jughurt-essen

Bei Stress etwas Obst oder Joghurt essen

Reader’s Digest gibt Tipps, wie man Übergewicht trotz Belastung vermeiden kann.

Wer dauerhaft unter Stress steht, neigt dazu, dick zu werden. Der Grund: Unter Anspannung produziert der Körper verstärkt die Stoffe Kortisol und Insulin. In der Folge wächst der Appetit und damit die Wahrscheinlichkeit, dass man zu kalorien- und fettreichen Snacks greift. Das Magazin Reader’s Digest gibt in seiner Februar-Ausgabe Tipps, was man in Stresszeiten gegen das drohende Übergewicht tun kann.

Dabei gilt vor allem eine Grundregel: Man sollte essen, was dem Körper nutzt. Denn es geht darum, nicht nur den Hunger zu stillen, sondern auch Dinge zu essen, die wichtige Stoffe im Gehirn freisetzen. Dazu gehören zum Beispiel Putenfleisch, das die Stimmung anregt und damit depressiven Verstimmungen vorbeugt, aber auch Fisch und Walnüsse, die reich an Omega-3-Fettsäuren sind und damit die Gehirntätigkeit anregen sowie zugleich den Cholesterinspiegel senken.

Wichtig auch: Nach einer Studie helfen täglich drei Tassen grüner Tee, das Körperfett zu reduzieren und die Produktion einer Substanz zu verhindern, die Hungergefühle auslöst. Denn wer Stress durch Essen kompensiert, aktiviert das so genannte Belohnungszentrum im Gehirn. Sobald das erste Wohlgefühl verflogen ist, steigt aber das Verlangen nach dem Stoff, der das gute Gefühl ausgelöst hat. Die Folge: Man isst weiter, um sich gut zu fühlen. Experten raten deshalb dazu, gerade in Stressphasen sich besonders gesund zu ernähren – zum Beispiel durch Obst- und Rohkoststückchen, Joghurt, Nüsse und Vitaminsäfte.

Was nur wenige wissen: Man kann sich schlank schlafen. Denn wer unter permanentem Schlafmangel leidet, bringt seine Körperfunktionen durcheinander. Der Körper sucht sich dann andere Wege, um die Wohlfühlhormone Serotonin und Dopamin zu bekommen – er verlangt nämlich zuckerhaltige Nahrung. Experten raten deshalb dazu, dem Körper täglich mindestens sieben bis neun Stunden Schlaf zu gönnen. Wichtig auch: Trotz aller Belastung sollte man versuchen, mindestens 30 Minuten am Tag zu gehen. Dies kann am Stück oder in Etappen von je zehn Minuten geschehen.

Im Übrigen helfen auch Gefühle, um Gewicht zu vermeiden. Die Erklärung: Je mehr Oxytocin – das so genannte soziale Bindungshormon – ausgeschüttet wird, desto mehr sinkt der Blutdruck. Studien haben ergeben, dass sich der Oxytocinspiegel durch soziale Kontakte heben lässt – z.B. durch eine Umarmung oder ein nettes Gespräch. Auch Massagen können helfen.

Wichtig ist aber auch: Wer in großen Stressphasen plötzlich Heißhunger auf eine Currywurst oder einen besonders süßen Nachtisch hat, darf sich das durchaus mal erlauben. Denn die Fachleute sind sich darin einig, dass mit diesem Genusserlebnis nicht nur Stress abgebaut wird, sondern dass die kleine Sünde hilft, sich gut zu fühlen, ohne wahllos nach Essbarem zu stöbern.

Die Februar-Ausgabe von Reader’s Digest ist ab sofort an zentralen Kiosken erhältlich.

Diabetes und Parodontitis

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Zusammenhang zweier Volkskrankheiten

Wie Diabetes mellitus und Parodontitis sich gegenseitig beeinflussen – Satelliten-Symposium „Mundgesundheit bei Diabetes“ auf der Diabetes 2008 in Münster

Der Diabetes mellitus zieht häufig schwerwiegende Folgekrankheiten vor allem am Blutgefäßsystem nach sich – mit Augen-, Nieren- und Nervenschäden oder diabetischem Fußsyndrom. Klinische Studien belegen, dass auch Parodontitis zu diesen Folgekrankheiten gehört. Gleichzeitig hat auch eine schwere, unbehandelte Parodontitis ungünstige Auswirkungen auf den Diabetes. Häufig sind Diabetes-Patienten über diese Faktoren und Wechelwirkungen nicht ausreichend informiert.

Diese Tatsache nahmen die Bundeszahnärztekammer und das Unternehmen Colgate-Palmolive zum Anlass, sich gemeinsam im Rahmen der „Diabetes 2008“ in Münster vom 08. bis 10.02.2008 auf einem Satelliten-Symposium zum Thema „Mundgesundheit bei Diabetes“ sowie an einem Messestand in der großen Halle Stand B9 zu präsentieren. „Die ständig steigenden Zahlen von Diabeteskranken – auch bei vielen Kindern und Jugendlichen – zeigen die Notwendigkeit einer gemeinsamen Aufklärung zu einer gesunden Lebensführung und Ernährung von allen Partnern im Gesundheitswesen“, so der Vizepräsident der Bundeszahnärztekammer, Dr. Dietmar Oesterreich. Die Allgemeinmedizin und die Zahnmedizin müssen bei der Bekämpfung des Diabetes mellitus zusammenrücken. Nach neueren Erkenntnissen tragen Diabetiker im Vergleich zu Nicht-Diabetikern ein dreifach höheres Risiko an Parodontitis zu erkranken.

Ebenso kann sich die Parodontitis negativ auf den Diabetes auswirken. Medizinische Untersuchungen haben ergeben, dass die Entzündungsherde im Mund zu starken Schwankungen und zur Verschlechterung der Blutzuckerwerte führen können. Umso wichtiger ist es, dass Diabetiker besonders auf ihre Mundgesundheit achten. Auf diese Weise kann die Gefahr einer Parodontitis erheblich eingedämmt werden. „Eine gründliche tägliche Mundpflege in Verbindung mit zahnärztlichen Kontroll- und Prophylaxe-Maßnahmen ist dafür die beste Voraussetzung“, so Michael Warncke, Leiter der Medizinisch-Wissenschaftlichen Abteilung der Colgate-Palmolive GmbH. Besonders die professionelle Zahnreinigung beim Zahnarzt (abgekürzt: PZR) ist ein wichtiger Bestandteil der Vorsorge und der lebenslang notwendigen Therapie. Durch sie kann der Parodontitis vorgebeugt und eine möglicherweise schon vorhandene Zahnbettentzündung eingedämmt werden. Durch Studien wurde dies bereits in den Achtziger Jahren bewiesen.

Die Häufigkeit der Durchführung einer professionellen Zahnreinigung beim Zahnarzt richtet sich nach dem individuellen Erkrankungsrisiko. Im Gegensatz zur chirurgischen Parodontitistherapie ist die PZR als Vor- und Nachbehandlung bei einer Parodontitis nicht Bestandteil des Leistungskatalogs der gesetzlichen Krankenkassen. „Insbesondere für Diabetiker ist die regelmäßige professionelle Zahnreinigung nicht nur eine lohnende Investition, um Mundkrankheiten vorzubeugen und Verschlechterungen zu vermeiden, sondern auch um die Grunderkrankung und dadurch bedingte Komplikationen des Allgemeinbefindens dauerhaft zu verbessern“, betont Dr. Dietmar Oesterreich von der Bundeszahnärztekammer.

Wichtig ist auch die Mithilfe des Diabetikers, der Diabetikerin. Der behandelnde Zahnarzt muss frühzeitig über die Krankheit, den Verlauf und die Blutzuckerwerte informiert werden, damit er die Behandlung darauf abstimmen kann. Diese Behandlung sollte in der häuslichen Vorbeugung eine sinnvolle Ergänzung finden, denn damit kann der Patient selbst einen wichtigen Beitrag zur Verbesserung seiner Mundgesundheit und somit zur Risikoverringerung von Folgeerkrankungen leisten.

Eine weitere Gemeinsamkeit von Parodontitis und Diabetes

Beide Krankheiten werden in hohem Maße durch entsprechende Lebensgewohnheiten und Verhaltensweisen beeinflusst. Während beim Typ-II-Diabetes zu den auslösenden Faktoren vor allem eine unausgewogene Ernährung und unzureichende Bewegung gehören, sind es bei der Parodontitis eine unzureichende Mundhygiene, unausgewogene Ernährung und das Rauchen.

Mehr Informationen über die Wechselwirkungen zwischen Diabetes und Parodontitis sowie mögliche Prophylaxe-Maßnahmen gibt es im Prophylaxe-Ratgeber „Alles in Balance? Diabetes und Mundgesundheit“, von Colgate und Bundeszahnärztekammer. Er ist in vielen Zahnarztpraxen und im Internet unter www.monat-der-mundgesundheit.de oder www.bzaek.de/list/presse/mdm06/brosch_diabetes.pdf als kostenloser Download erhältlich.

Schulnoten für Pflegeheime

(2008)

Internet-Bewertungsportal zieht erste, erfolgreiche Bilanz

„Schulnoten für Pflegeheime“, so lautete vor kurzem die Forderung des SPD-Gesundheitsexperten Karl Lauterbach. Diese Idee hatten bereits Mitte des Jahres 2007 der Sozialpädagoge Wolfgang Häberle und der Heimleiter Bernhard Stärck. Sie gingen mit einer Internetseite www.wohin-im-alter.de an die Öffentlichkeit und machten die Vergabe von Schulnoten für Pflegeheime über das Internet möglich.

  • Können die Heimbewohner ihren Tagesablauf selbst bestimmen?
  • Ist das Pflegepersonal freundlich und schmeckt das Essen?
  • Wie sind die Angebote zur Freizeitgestaltung?
  • Wie ist es um Sauberkeit und Hygiene bestellt?
  • Gibt es attraktive Freizeitangebote?

Diese und ähnliche Fragen können online mit Noten von 1 bis 6 versehen werden. Angehörige von Pflegeheimbewohnern, Besucher oder die Betroffenen selbst sind aufgefordert, sich als Jury an der Notenvergabe zu beteiligen. Unterstützt werden sie hierbei durch fachliche Tipps, die unter der Rubrik „Was ist ein gutes Haus“ erklären, worauf man bei der Bewertung eines Altenheimes besonders achten muss.

Turbulente Diskussionen durch Schulnoten für Pflegeheime

In Fachzeitschriften wie „Altenpflege“, „Altenheim“ oder „Dr. Mabuse“ wurden kontroverse Diskussionen geführt. Das österreichische Fachmagazin „Lazarus“ begrüßte das Projekt aus Deutschland als „interessanten Ansatz …“, der die Pflegekunden „… als mündige Konsumenten …“ wahrnimmt. Einige Heimbetreiber kritisierten, das System sei nicht objektiv genug, andere, wie der paritätische Wohlfahrtsverband Berlin, verschickten an ihre Pflegeeinrichtungen einen Aushang, in dem die Angehörigen der Bewohner zur Nutzung des Portals aufgerufen wurden.

Über 100 Heime wurden in den ersten Monaten „benotet“, berichtet der 46-jährige Häberle. „Zwar sind die Ergebnisse noch nicht repräsentativ, aber es zeichnen sich erste Tendenzen ab: 90 Prozent der bisherigen Bewertungen sind positiv. Häufig bedanken sich dort Angehörige von Heimbewohnern, für die gute Versorgung ihrer Verwandten. Die restlichen 10 Prozent sind bedenklich bis skandalös“, so Häberle weiter. „Sollte unser Angebot weiterhin gut ankommen, haben wir noch einige Ideen für die Zukunft: Erweiterung auf andere Wohnformen und ambulante Pflegedienste sowie die Einbeziehung des deutschsprachigen Auslandes sind durchaus denkbar“, ergänzt Stärck.

Nebenwirkungen vermeiden

(2008)

Nebenwirkungen unbedingt vermeiden

DDG zu den Ergebnissen der ACCORD- und ADVANCE-Studien: Blutzucker bei Typ-2-Diabetes mellitus umsichtig senken – Vermeidung von Nebenwirkungen hat Vorrang

Die langfristige Blutzuckersenkung bleibt ein zentrales Ziel der Therapie des Typ-2-Diabetes mellitus. Nur eine Annäherung des Blutzuckerspiegels an den eines Gesunden kann Spätfolgen des Diabetes effektiv verhindern. Oberste Priorität in der Therapie hat jedoch die Vermeidung von Risiken und Nebenwirkungen der Blutzucker senkenden Medikamente. Dies teilt die Deutsche Diabetes-Gesellschaft (DDG) nach Auswertung der Ergebnisse zweier Studien mit, die ihrer seit Veröffentlichung viele Patienten und Ärzte verunsichert haben.

Ein Maßstab für die langfristige Senkung des Blutzuckers ist der HbA1c-Wert. Das ist der Anteil des roten Blut-Farbstoffs, der Zucker gebunden hat. Der HbA1c-Wert liegt beim Gesunden bei unter 6%. Bei Menschen mit Typ-2-Diabetes mellitus war ein HbA1c-Wert von 7% bisher das Ziel. In der ADVANCE-Studie und der ACCORD-Studie gelang es, den HbA1c-Wert der Teilnehmer auf einen Normwert von unter 6,5% zu senken. Diabetologen in aller Welt erhofften sich davon, noch besser diabetische Folgekrankheiten vermeiden zu können – vor allem die der großen Gefäße: Herzinfarkt und Schlaganfall. Sie sind die häufigsten Todesursachen von an Diabetes erkrankten Menschen.

Vorzeitiger Abbruch der ACCORD-Studie

Im Frühjahr 2008 wurde die ACCORD-Studie vorzeitig abgebrochen, weil die Anzahl der Todesfälle um 22% angewachsen war. In der ADVANCE-Studie waren die Ergebnisse positiver: Hier konnte die Anzahl der Patienten mit Nierenschäden durch Nephropathien um 21% gesenkt werden. Die Nephropathie ist eine mögliche Folge der diabetesbedingten Schädigungen der kleinen Blutgefäße.

Die Ursachen für den ungünstigen Ausgang der ACCORD-Studie sind nach Einschätzung der DDG derzeit noch unklar. Aus dem Vergleich mit den besseren Ergebnissen der ADVANCE-Studie lassen sich aus Sicht der DDG jedoch erste Schlüsse ziehen. In der ACCORD-Studie mussten die Patienten zum Erreichen des HbA1c-Zieles häufig mehrere Tabletten mit mehreren verschiedenen Wirkstoffen einnehmen. Außerdem spritzten viele Patienten Insulin.

Wechselwirkungen zwischen den Medikamenten könnten für den ungünstigen Ausgang der Studie möglicherweise mitverantwortlich gewesen sein, befürchtet die DDG. Sie rät den Ärzten deshalb dringend von der gleichzeitigen Verordnung von mehr als zwei Wirkstoffen ab, wenn die Sicherheit der jeweiligen Mehrfachkombinationen nicht ausreichend belegt ist. Dies gelte vor allem, wenn die Patienten zusätzlich Insulin spritzen.

Außerdem empfiehlt die DDG den Ärzten, das Gewicht der Patienten im Blick zu behalten. In der ACCORD-Studie hatten mehr als 25% der Patienten mehr als 10 Kilogramm zugenommen.

Die Empfehlungen, die die DDG aus diesen Erkenntnissen ableitet, sind eindeutig

Eine Senkung des HbA1c-Wertes auf unter 6,5% ist weiterhin ein erstrebenswertes Ziel der Diabetes-Behandlung. Sollte dieses Ziel aber nur mit einem erhöhten Risiko gefährlicher Nebenwirkungen der Medikamente erreicht werden können, sollten Ärzte und Diabetiker sich mit einem HbA1c-Wert von 7% zufriedengeben.

Die DDG plant, ihre Leitlinien zu überarbeiten. Bei der Neufassung sollen neben den Ergebnissen der ACCORD- und ADVANCE-Studien auch die Ergebnisse weiterer Studien berücksichtig werden, die Mitte September auf der Jahrestagung der European Association for the Study of Diabetes (EASD) in Rom vorgestellt werden sollen.

Weitere Informationen

Die Ergebnisse der Action to Control Cardiovascular Risk in Diabetes oder ACCORD-Studie und der Action in Diabetes and Vascular disease: Preterax and Diamicron-MR Controlled Evaluation oder ADVANCE-Studie wurden auf der Jahrestagung der American Diabetes Association (6.-10.Juni) vorgestellt und im im New England Journal of Medicine publiziert.

The Action to Control Cardiovascular Risk in Diabetes Study Group: Effect of Intensive Glucose Lowering in Type 2 Diabetes. N Eng J Med (2008) 358:2545-2559
The ADVANCE Collaborative Group: Intensive Blood Glucose Control and Vascular Outcomes in Patents with Type 2 Diabetes. N Eng J Med (2008) 358:2560-2572

Zur Entscheidung des G-BA

(2008)

Insulinanaloga und ihre Verordnungsfähigkeit

Drei Blickwinkel zur Entscheidung des G-BA über die Verordnungsfähigkeit von kurzwirksamen Insulin-Analoga

  • Gemeinsamer Bundesausschuss
  • Novo Nordisk Pharma GmbH
  • Deutscher Diabetiker Bund

Optimale medizinische Versorgung von Typ-1-Diabetikern gesichert

G-BA schützt Solidargemeinschaft vor überteuerten Pharmapreisen

Kurzwirksame Insulinanaloga zur Behandlung von Typ-1-Diabetikern bleiben grundsätzlich nur dann zu Lasten der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) verordnungsfähig, wenn sie nicht teurer sind als Humaninsulin. Das hat der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) am Donnerstag in Köln beschlossen.

Ausnahmen möglich

In begründeten Ausnahmen können durch den Vertragsarzt kurzwirksame Insulinanaloga allerdings weiterhin zu Lasten der GKV verordnet werden, etwa wenn Patientinnen oder Patienten allergisch auf Humaninsulin reagieren oder eine stabile adäquate Stoffwechsellage mit Humaninsulin bereits in der Vergangenheit nicht erreicht werden konnte, dies mit kurzwirksamen Insulinanaloga aber nachweislich gelingt. Diese Ausnahmen gelten ohne Einschränkung für alle Patientinnen und Patienten, also auch für Kinder und Jugendliche sowie für Erwachsene aller Altersgruppen.

Lediglich vom Preis abhängige Einschränkung

„Die Behandlung von Patientinnen und Patienten mit Diabetes-Typ-1 ist mit Humaninsulin grundsätzlich ebenso zweckmäßig und erfolgreich wie mit einem kurzwirksamen Insulinanalogon. Die nach Berücksichtigung der schriftlichen und mündlichen Anhörungen in den Beschluss aufgenommenen Ausnahmen gewährleisten zudem, dass alle Betroffenen, die an Diabetes 1 leiden – insbesondere auch Kinder und Jugendliche – weiterhin optimal behandelt werden können. Der G-BA sichert mit dieser lediglich vom Preis abhängigen Einschränkung die bestmögliche Versorgung von Diabetes-Typ-1-Patientinnen und -Patienten. Zugleich wird er seiner nicht minder wichtigen Verantwortung gerecht, die er für die dauerhafte Finanzierbarkeit medizinisch notwendiger Leistungen der GKV trägt“, sagte Dr. Rainer Hess, unparteiischer Vorsitzender des G-BA, am Freitag in Berlin.

Kein belegbarer Zusatznutzen

Bei der Entscheidungsfindung des G-BA stellte sich die Frage, ob es bei der Behandlung mit einem kurzwirksamen Insulinanalogon einen durch wissenschaftliche Studien belegten Zusatznutzen gibt, der den derzeit deutlich höheren Preis der Präparate rechtfertigt. „Entsprechende Belege hierfür hat die pharmazeutische Industrie bisher nicht vorlegen können, obwohl die Insulinanaloga bereits seit rund einem Jahrzehnt in Deutschland auf dem Markt sind. Deshalb musste der G-BA im Interesse von vielen Millionen gesetzlich krankenversicherten Menschen und Beitragszahlern eine Entscheidung treffen, die ungerechtfertigte Mehrkosten vermeidet und zugleich für die Patientinnen und Patienten die optimale Versorgung gewährleistet“, sagte Hess.

Preispolitik

Sollten die Pharmaunternehmen in Folge des G-BA-Beschlusses künftig die Preise für die Insulinanaloga auf das Niveau von Humaninsulin absenken, wären sie umgehend ohne weiteren Beschluss des G-BA voll zu Lasten der GKV verordnungsfähig.

IQWiG Nutzenbewertung gültig

Mit dieser Entscheidung setzt der G-BA eine entsprechende Nutzenbewertung des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) zu kurzwirksamen Insulinanaloga bei Diabetes-Typ-1 um. In der Arzneimittel-Richtlinie des G-BA werden die Einzelheiten einer medizinisch notwendigen und wirtschaftlichen ärztlichen Behandlungs- und Verordnungsweise verbindlich geregelt. Im Juli 2006 hatte der G-BA bereits ebenfalls auf der Grundlage einer Nutzenbewertung durch das IQWiG den Beschluss gefasst, dass kurzwirksame Insulinanaloga zur Behandlung des Diabetes mellitus Typ 2 grundsätzlich nur dann zu Lasten der GKV verordnungsfähig sind, wenn diese nicht teurer sind als Humaninsulin.

Insulinanaloga um ein Vielfaches teurer

Als Humaninsulin wird die synthetische Nachbildung des körpereigenen, natürlichen Hormons Insulin bezeichnet. Insulinanaloga sind Abwandlungen des Hormons Insulin, die wie Humaninsulin den Blutzucker-Spiegel senken. Sie sind in Deutschland seit etwa zehn Jahren auf dem Markt. Insulinanaloga sind in der Struktur dem Insulin ähnlich aufgebaute Hormone und können um ein Vielfaches teurer sein als Humaninsulin. In Deutschland gibt es circa 200 000 Diabetes-Typ-1-Patientinnen und -Patienten, davon etwa 25 000 Kinder und Jugendliche unter 20 Jahren.

Schwangerschaftsdiabetes

(2008)

BARMER: Neuer Test auf Schwangerschaftsdiabetes

Werdende Mütter, die bei der Barmer Ersatzkasse versichert sind, können bundesweit als erste ein Schwangerschaftsdiabetes-Screening in Anspruch nehmen.

Grundlage für diese Leistung der Krankenkasse ist der erste Vertrag, der auf der Grundlage des § 73 c des Sozialgesetzbuches V zwischen einer Krankenkasse und einer Facharztgruppe, den Gynäkologen, geschlossen wurde. Derartige Verträge sollen besondere Formen der ambulanten ärztlichen Versorgung fördern.

Der orale Glucosetoleranztest wird zwischen der Schwangerschaftswoche 24 und 28 in der Frauenarztpraxis durchgeführt. Die Schwangere muss dafür nüchtern sein, darf also nichts gegessen oder getrunken haben. Die übliche Tageszeit für die Durchführung des Schwangerschaftsdiabetes-Screenings ist der Morgen. Zunächst wird bei der Schwangeren der Nüchtern-Blutzucker gemessen. Danach trinkt die Frau eine Glucoselösung, eine Stunde später folgt eine zweite Blutzuckermessung. Zeigen die Messungen zu hohe Werte, wird die werdende Mutter zu einer diabetologischen Schwerpunktpraxis überwiesen. Durch eine rechtzeitige Behandlung eines Schwangerschaftsdiabetes (Gestationsdiabetes) wird nicht nur die gesunde Entwicklung des Neugeborenen geschützt. Sondern die werdende Mutter wird auch nach der Schwangerschaft in den meisten Fällen keine Diabetikerin mehr sein.

Das Schwangerschaftsdiabetes-Screening ist für die Schwangere kostenlos und bietet ihr und ihrem Kind wichtige gesundheitliche Vorteile. Denn durch einen unbehandelten Schwangerschaftsdiabetes kann es zu Frühgeburten kommen. Ohne die Behandlung eines Gestationsdiabetes besteht auch die Möglichkeit, dass bei einer termingerechten Geburt das Kind ungewöhnlich groß und schwer ist. Dies geht mit entsprechenden Risiken während der Geburt einher. Bundesweit erkranken zwischen zwei und acht Prozent der werdenden Mütter an Schwangerschaftsdiabetes oder weisen eine gestörte Glucosetoleranz auf.

ADVANCE-Studie

(2008)

Intensive Glucosekontrolle reduziert schwere Komplikationen

Klares Ergebnis der bisher größten Diabetes-Studie: Die intensive Glucosekontrolle reduziert schwere Komplikationen!

„ADVANCE-Ergebnisse gehen über bestehende Evidenz hinaus“

Die weltweit größte Studie über Diabetestherapien brachte neue Ergebnisse, die ganz deutlich zeigen, dass die intensive Blutzuckerkontrolle mit Gliclazid MR und anderen eventuell notwendigen Medikamenten die Patienten vor schweren Komplikationen des Diabetes mellitus schützt. Um 20 Prozent reduziert zum Beispiel die intensive Therapie das Risiko von Nierenerkrankungen. Die Ergebnisse von ADVANCE (Action in Diabetes and Vascular Disease) wurden am 06. Juni 2008 vor der American Diabetes Association und im New England Journal of Medicine veröffentlicht. Sie legen nahe, dass diese intensive Therapiestrategie für Millionen von Diabetes-Patienten weltweit von Nutzen sein kann. Diabetes mellitus stellt global eine der größten Bedrohungen für die Gesundheit der Bevölkerung dar. Die weltweite Anzahl der Menschen mit Diabetes beläuft sich aktuell etwa auf 250 Millionen. Schätzungen zufolge wird diese Zahl bis zum Jahr 2025 auf 380 Millionen ansteigen.

Der leitende Prüfarzt der Studie, Professor Stephen MacMahon, Principal Director des George Institute in Australien, kommentierte:“Wir stehen vor einer globalen Diabetes-Epidemie. Die Ergebnisse von ADVANCE gehen über die bestehende Evidenz hinaus, da wir gezeigt haben, dass sich durch Reduzierung des Hämoglobin-A1c-Spiegels (ein Marker der Blutglucosekontrolle) auf 6,5% schwere Komplikationen sicher und wirksam verringern lassen. Das gilt besonders für Nierenerkrankungen, die zu den schwerwiegendsten und funktionseinschränkendsten Folgen des Diabetes gehören und die bei einem von fünf Diabetes-Patienten zum Tode führen.“

„Hypoglykämien (Unterzucker) waren in der ADVANCE Studie selten, obwohl sie erwartungsgemäß bei den Teilnehmern, die intensiv behandelt wurden, häufiger auftraten“, betonte der Studiendirektor, Associate Professor Anushka Patel vom »The George Institute«. „Diese Resultate bestätigen, dass die Blutglucosesenkung bei Diabetes sicher ist und dass sie eine wichtige Rolle bei der Verhinderung schwerer Komplikationen spielt. Darüber hinaus gab es im Gegensatz zu der kürzlich gestoppten ACCORD Studie keinerlei Anhaltspunkte für ein erhöhtes Todesrisiko bei denjenigen, die im Rahmen der ADVANCE-Studie intensiv therapiert wurden.“

Ärzte des australischen George Institute for International Health hatten ADVANCE initiiert und geplant. Eine Gruppe weiterer unabhängiger Medizinforscher aus 20 Ländern der Welt waren an der Studie beteiligt. Teilgenommen haben 11.140 Patienten mit Typ 2-Diabetes, die fünf Jahre lang behandelt und nachkontrolliert wurden. Ziel der Studie war die Senkung des Hämoglobin-A1c-Spiegels auf 6,5% oder weniger. Die intensive Therapie für alle Patienten erfolgte mittels Sulfonylharnstoff, d.h. Gliclazid MR, sowie anderer Medikamente, die zur Erreichung des Hämoglobin-Zielwerts erforderlich waren.

Die ADVANCE-Studie zeigte in der Hauptsache:

  • Die intensive Therapie zur Blutzuckersenkung hält die Blutglucose sicher auf einem mittleren HbA1c-Spiegel von 6,5%.
  • Die intensive Therapie zur Blutzuckersenkung reduziert das Gesamtrisiko schwerer Diabetes-Komplikationen signifikant (um 10%), wobei die Reduzierung von Nierenerkrankungen ein Fünftel (21%) und die Entstehung einer Proteinurie (ein gut eingeführter Marker eines erhöhten kardiovaskulären Risikos) 30% ausmachen.
  • Die intensive Therapie zur Blutzuckersenkung erzielt einen positiven Trend in Richtung Reduzierung der Gefahr eines kardiovaskulären Todes (12%), wenngleich dieses Ergebnis statistisch nicht signifikant ist.

„Heute steht fest, dass für die Vorbeugung von schwerwiegenden vaskulären Komplikationen beim Diabetes ein Multifaktor-Ansatz erforderlich ist, der alle modifizierbaren Risikofaktoren berücksichtigt“, so Professor John Chalmers, Leiter der Managementgruppe der Studie, abschließend. „Dabei spielt die intensive Glucosekontrolle eine wichtige Rolle, besonders für den Schutz der Nieren.“

ELSID-Studie

(2008)

Diabetiker im DMP leben länger

ELSID-Studie: Erste Endergebnisse der Studie zeigen Unterschiede bei der Sterblichkeit von Teilnehmern und Nicht-Teilnehmern strukturierter Behandlungsprogramme

Bei Typ 2 Diabetikern, die an einem strukturierten Behandlungsprogramm (Disease-Management-Programm, kurz DMP) teilnehmen, gibt es deutlich weniger Todesfälle als bei solchen, die lediglich unter der medizinischen Regelversorgung stehen. Das zeigen die Ergebnisse der bundesweit ersten kontrollierten Studie zum Vergleich zwischen DMP-Teilnehmern und Patienten in der Regelversorgung, die von der Abteilung Allgemeinmedizin und Versorgungsforschung am Universitätsklinikum Heidelberg in Kooperation mit dem AOK-Bundesverband erfolgt ist. Die Daten der Patienten wurden über einen Zeitraum von zweieinhalb Jahren beobachtet.

Nach den ersten Endergebnissen der so genannten ELSID-Studie lag die Sterblichkeitsrate bei den älteren Diabetikern im DMP mit 10,9 Prozent deutlich niedriger als bei den Patienten in der Regelversorgung mit 18,8 Prozent. Bei weiteren Überprüfungen der Daten bestätigte sich dieser Unterschied. So verglichen die Heidelberger Wissenschaftler eine Teilgruppe von DMP-Patienten und Patienten in der Regelversorgung mit gleichem Alter und gleichem Geschlecht, die ähnlich schwer erkrankt waren und unter den gleichen Begleiterkrankungen litten. Auch hier zeigte sich bei der Sterblichkeitsrate ein deutlicher Unterschied: Während unter den DMP-Teilnehmern 9,5 Prozent der Patienten verstarben, waren es in der Kontrollgruppe der Nicht-Teilnehmer 12,3 Prozent. „Wir führen dies auf die Kombination der verschiedenen Maßnahmen zurück, die im DMP für Typ-2-Diabetiker vorgesehen sind“, sagte Prof. Joachim Szecsenyi vom Universitätsklinikum Heidelberg bei der Vorstellung der Ergebnisse am Dienstag in Berlin. „Die regelmäßigen Untersuchungstermine und tragen möglicherweise besonders dazu bei, dass gesundheitliche Komplikationen und Probleme bei den Patienten vermieden oder schneller erkannt werden.“

Ausgewertet wurden die Daten von 2.300 älteren DMP-Teilnehmern, die in 85 Hausarztpraxen in Sachsen-Anhalt und Rheinland-Pfalz behandelt wurden. Die Kontrollgruppe der Nicht-Teilnehmer umfasste 8.779 Diabetiker aus 337 Praxen. Alle Patienten wurden mit antidiabetischen Medikamenten behandelt. In die ELSID-Studie, die Ende 2005 gestartet wurde, fließen sowohl medizinische Daten als auch gesundheitsökonomische Parameter wie Verordnungen oder Klinikeinweisungen ein. Weitere Auswertungsergebnisse, unter anderem zu den Kosten der Behandlung, sollen in den nächsten Monaten veröffentlicht werden.

Schon bei einer Patientenbefragung im Rahmen der ELSID-Studie hatten sich positive Resultate zugunsten der DMP-Teilnehmer gezeigt. Danach waren die DMP-Patienten mit dem Ablauf und der Organisation ihrer Behandlung deutlich zufriedener als Patienten in der Regelversorgung. Zudem wurden sie von ihrem Arzt häufiger nach ihren Vorstellungen bei der Gestaltung des Behandlungsplans gefragt und wurden besser darin unterstützt, sich konkrete Ziele in Bezug auf ihr Essverhalten und ihre körperlichen Aktivitäten zu setzen. Die DMP-Patienten erhielten auch eher im Vorfeld Informationen, wie sie in schwierigen Phasen mit ihrer Erkrankung umgehen können.

Die Disease-Management-Programme sind in Deutschland 2003 eingeführt worden, um die Versorgung von chronisch kranken Patienten zu verbessern. Insgesamt nehmen derzeit knapp 2,3 Millionen Versicherte an den Behandlungsprogrammen der AOK teil. Schon seit mehreren Jahren bietet die AOK bundesweit Programme für Patientinnen und Patienten mit Diabetes mellitus Typ 2, Koronarer Herzkrankheit, chronisch-obstruktiven Lungenerkrankungen (COPD) und Brustkrebs an.

In den meisten Ländern können sich die Versicherten darüber hinaus in Programme zur Behandlung von Asthma und Diabetes mellitus Typ 1 einschreiben. Mit fast 1,4 Millionen bilden die Zuckerkranken die größte Gruppe unter den Teilnehmern der AOK, gefolgt von Herzpatienten (580.000) und Patienten mit COPD (150.000).

Weitere Infos und Statements zum Pressegespräch unter www.aok-presse.de