News-Archiv: 2008

Nährwerte

(2008)

Nährwerte – Gesund durch Ampel?

Welche Informationen bekommt der Verbraucher über seine Lebensmittel? Auf Bundes- und EU-Ebene sind Initiativen im Gange, um durch Kennzeichnung eine gesündere Nahrungsauswahl zu erreichen. Was kann man erwarten? Wäre ein Fortschritt in Sachen Klarheit der Lebensmittel-Kennzeichnung: Die 1 plus 4-Lösung vorne auf jedem Etikett

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Eine wichtige Voraussetzung für gesunde Ernährung ist das Wissen darüber, was zu einer solchen Ernährung dazu gehört und wie der Beitrag der verschiedenen Lebensmittel ist. Aus diesem Grund werden in letzter Zeit die Nährwertinformationen der Lebensmittelpackungen diskutiert, das Ziel ist klar: Leicht verständlich sollen die Angaben helfen, ein Produkt als „gesund“ oder „ungesund“ einordnen zu können und es besser mit anderen Produkten der gleichen Art vergleichen zu können.

Letzteres ist bei weitem der wichtigere Teil, denn einfach nur gut oder böse sind Lebensmittel genauso selten wie Menschen. Einen Liter Cola einfach nur „ungesund“ zu nennen ist eigentlich gar keine Information, sondern etwas, das die meisten ahnen. Die Angabe „deckt 20 Prozent Ihres täglichen Energiebedarfs ab“ ist da schon viel klarer, und der Vergleich zum deutlich geringeren Wert bei der Light-Variante von unter 0,2 Prozent des Tagesbedarf sagt ein Übriges. „Gesund“ würde ein solches Produkt trotzdem wohl kaum einer nennen.

Ausweiten und vereinheitlichen

Momentan sind Nährwertangaben für Lebensmittel freiwillig, nur wenn ein Hersteller eine gesundheitsbezogene Angabe wie eben „light“ macht, muss er eine gesetzlich geregelte Tabelle mit Nährwerten auf sein Etikett bringen – nicht zwangsläufig nach vorne. Manche Produzenten und Handelsketten erkennen anlässlich der Übergewichts-Diskussion den Marketingwert einer mehr oder weniger umfassenden Aufklärung über die Lebensmittel, immer mehr Nährwerte erscheinen derzeit auf den Packungen.

Erweiterte Nährwertinformationen über Lebensmittel sind auch ein Schwerpunkt der Eckpunkte des Nationalen Aktionsplanes zur Prävention von Fehlernährung, Bewegungsmangel, Übergewicht und damit zusammenhängenden Krankheiten, die das Bundeskabinett im Mai letzten Jahres beschlossen hat. Bis zum Frühjahr will das Verbraucherschutzministerium einen Leitfaden hierzu entwickeln, Eckpunkte des Leitfadens stellte der zuständige Minister Horst Seehofer in einer Pressekonferenz im Beisein des Vorsitzenden des Lebensmittelhersteller-Verbands BLL und des Präsidenten des Hauptverbandes des Deutschen Einzelhandels vor.

Im Prinzip bleibt die Kennzeichnung gleich, das Ministerium setzt weiter auf Zahlen und nicht wie Großbritannien auf Ampelfarben. Der Leitfaden soll hauptsächlich vereinheitlichen, was und wie die Unternehmen freiwillig angeben, Seehofer appellierte an Industrie und Handel, in verstärktem Maße freiwillig zusätzliche Nährwertinformationen auf verpackten Lebensmitteln anzubringen. Genannt sind die Angabe der zentralen Elemente Brennwert und Gehalt an Fett, Zucker, gesättigte Fettsäuren und Salz unter dem Schlagwort „1 plus 4“. Die Angaben sollen auf die Portion bezogen werden und in einheitlichen und wiedererkennbaren Symbolen auf den Verpackungen und Etiketten angegeben werden, und zwar unter Bezug auf die Richtwerte für die empfohlene Tageszufuhr. An prominenter Stelle, in der Regel auf der Schauseite des Etiketts, soll mindestens die Angabe des Brennwertes stehen, bezogen auf die Portion, unter Bezug auf einen durchschnittlichen Referenzwert für die tägliche Energieaufnahme von 2.000 Kilokalorien. Auch die Angabe der Portionsgröße, zum Beispiel als Piktogramm, fordert der Leitfaden, dazu sei mittelfristig eine Vereinheitlichung der Portionsgrößen für Lebensmittel der selben Kategorie durch die jeweiligen Branchen der Wirtschaft erforderlich.

Grafik oder Zahl?

In verschiedenen Ländern der EU, aber auch in außereuropäischen Staaten, wurden in den vergangenen Jahren Systeme entwickelt, um Nährwertinformationen über Lebensmittel durch besonders ins Auge fallende Symbole oder Grafiken den Verbrauchern auf freiwilliger Basis zur Verfügung zu stellen. Solche Systeme werden unter dem Begriff „Signposting“ zusammengefasst, das bekannteste ist die britische „Ampel“, die die Gehalte an den verschiedenen Nährstoffklassen in grün, gelb und rot klassifiziert. Schweden belohnt ausgewählte Lebensmittel mit einem Schlüsselloch-Symbol, wenn sie genau spezifizierte Nährwert-Anforderungen erfüllen. In Frankreich gibt es verschiedene Systeme, die die normale Nährwertkennzeichnung erweitern, beispielsweise einen „Curseur nutritionnel“, der Lebensmittel der gleichen Art auf einer kontinuierlichen Skala von Ernährungsgenuss, normalem Genuss und Schlemmergenuss einordnet, dabei jedoch grün und rot, böse und gut vermeidet.

EU will durchgreifen

Wer von freiwilligen Industrievereinbarungen nicht viel hält und sich wie die Verbraucherschutzorganisation Foodwatch daran stört, dass Minister Seehofer seinen Kennzeichnungs-Leitfaden zusammen mit Industrie und Handel ausarbeitet, dem könnte vielleicht die Europäische Kommission Hoffnung machen. Ende Januar kündigte sie ihrerseits eine Überarbeitung der Nährwertkennzeichnung an, und zwar im Rahmen der EU-weit gültigen Kennzeichnungsvorschriften für Lebensmittel.

Gesundheits-Kommissar Markos Kyprianou schlägt in dem Verordnungsentwurf eine für alle Lebensmittel verpflichtende Angabe der Nährwerte auf dem vorderen Etikett vor. Zur Freude aller europäischen Diabetes-Fachgesellschaften mit dabei: Die verpflichtende Angabe der Gramm Kohlenhydrate und damit der alles entscheidenden Kenngröße für die Therapieanpassung. „Lebensmitteletiketten können einen enormen Einfluss auf die Kaufentscheidungen der Verbraucher haben. Verwirrende, überladene oder irreführende Etiketten können eher ein Hindernis als eine Hilfe für den Verbraucher sein. Dieser Vorschlag will sicherstellen, dass Lebensmitteletiketten die essentiellen Informationen in einer klaren und lesbaren Art enthalten, so dass EU-Bürger in der Lage sind, Entscheidungen für eine ausgewogene Ernährung zu treffen“, erklärte Kyprianou. Kommt der Zypriot mit seinem Entwurf durch, so scheint der Weg der Nährwertkennzeichnung klar: Schritt für Schritt werden die vereinheitlichten, freiwilligen Angaben a la Seehofer in die Supermärkte Einzug halten, nach Ablauf der laut EU-Kommission vermutlich dreijährigen Übergangszeit wird dann die Angabe auf der Vorderseite Pflicht. Bleibt zu hoffen, dass Wissen wirklich Macht ist und die dann offen erkennbaren Ernährungssünder aus den Einkaufswagen verschwinden.

Schädliches „Für Diabetiker geeignet“

Eine andere Vorschrift des Lebensmittelrechts ist explizit Diabetes-bezogen und seit Jahren Gegenstand der Diskussion: In Deutschland gibt es immer noch Lebensmittel mit der Aufschrift „für Diabetiker geeignet“. Dieser Passus überlebt hartnäckig in der „Verordnung über diätetische Lebensmittel“, kurz Diätverordnung genannt.Diese Diätverordnung ist ein deutsches Unikum und bei Fachleuten berüchtigt als hochkompliziertes und kaum überschaubares Sammelsurium von Vorschriften, Mindestnährwertgehalten und Zusatzstoffregelungen. Auf EU-Ebene wurde schon 1999 überlegt, „Diabetiker-Lebensmittel“ aus der der Diätverordnung zugrunde liegenden Verordnung 89/398/EWG zu streichen, in der Begründung der Richtlinie 99/41/EG heißt es in Absatz 5: „Es besteht keine Klarheit darüber, ob es eine ausreichende Grundlage für die Annahme besonderer Vorschriften für die unter Nummer 9 des Anhangs I der Richtlinie 89/398/EWG genannte Gruppe gibt, d.h. die Gruppe der Lebensmittel für Personen, die unter einer Störung des Glucosestoffwechsels leiden (Diabetiker). Die Richtlinie forderte weitere Berichte zu der Frage, seither geistert das Thema durch die Gremien der EU, in einer Stellungnahme des Wissenschaftlichen Lebensmittelausschusses zum Beispiel hieß es 2002 in bestem EU-Deutsch: „Es gibt keine wissenschaftlichen Gründe für spezielle Kriterien der Zusammensetzung von Lebensmitteln für besondere Ernährungszwecke bei Menschen mit Diabetes.“

Doch die bürokratischen Mühlen in Brüssel und auch in Bonn beim Verbraucherschutzministerium mahlen langsam, gerade in Deutschland wehrt sich die kleiner werdende Lobby der Diätlebensmittel-Hersteller immer noch erfolgreich gegen eine Anpassung der Vorschriften an den aktuellen Stand der Erkenntnis. Und so steht in § 12 der Diätverordnung nach wie vor in Absatz 1 „Diätetische Lebensmittel für Diabetiker müssen folgenden Anforderungen entsprechen

  1. Der Gehalt an Fett oder Alkohol darf gegenüber vergleichbaren Lebensmitteln des allgemeinen Verzehrs nicht erhöht sein,
  2. d-Glukose, Invertzucker, Disaccharide, Maltodextrine und Glukosesirup dürfen nicht zugesetzt sein; an Stelle dieser Stoffe dürfen nur Fructose sowie Süßungsmittel nach Maßgabe der Anlage 2 der Zusatzstoff-Zulassungsverordnung zugesetzt sein.“

Ein medizinischer Unsinn, der an Verbrauchertäuschung grenzt.

DDG fordert Abschaffung

Die Deutsche Diabetes Gesellschaft forderte jetzt anlässlich neuer Beratungen in Brüsseler Gremien erneut die Abschaffung der „Diabetiker-Lebensmittel“. Diese seien nach wissenschaftlichen Erkenntnissen keineswegs für eine diabetesgerechte Ernährung zu empfehlen und schadeten Diabetikern häufig. „Alle europäischen Länder sind sich einig: Wir brauchen diese Produkte nicht!“ betont Dr. Monika Töller, die für die DDG in zahlreichen Beratungsrunden zu diesem Thema saß.

Ärzte, Ernährungsexperten und Wissenschaftler wissen längst, dass Menschen mit Diabetes beiden Typs übliche Lebensmittel essen können. Die frühere Ansicht, es gehe vor allem darum, den Haushaltszucker aus der Nahrung zu entfernen, sei wissenschaftlich überholt. Und genau auf dieser Ansicht basieren noch die heute in Deutschland zugelassenen „Diabetiker-Lebensmittel“. Die Experten der DDG und auch der Internationalen Diabetes Föderation IDF halten deshalb Lebensmittel mit der Aufschrift „für Diabetiker geeignet“ nicht nur für überflüssig, sondern auch für schädlich. Die Bezeichnung könne dazu führen, dass Diabetiker glauben, sie könnten unbegrenzt davon essen. Außerdem sind „Diabetiker-Produkte“ in der Regel teurer als übliche Lebensmittel. Weit hilfreicher für alle Menschen, auch solche mit Diabetes, seien die neuen Kennzeichnungsregelungen.

Am mangelnden Fleiß des Gesetzgebers liegt der Anachronismus in Sachen „Diabetiker-Lebensmittel“ auf jeden Fall nicht, es gibt mittlerweile schon die 15. Änderungsverordnung zur Diätverordnung, erlassen am 20. Dezember 2007.

Insulinstoffwechsels

(2008)

Insulin steuert Essverhalten im Gehirn

IDE-Förderpreis für Erforschung des Insulinstoffwechsels im Gehirn bei Übergewichtigen

Das Institut Danone Ernährung für Gesundheit e.V. (IDE) verleiht in diesem Jahr seinen Förderpreis an Dr. Manfred Hallschmid, Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Endokrinologie der Universität Lübeck. Der Titel seiner Forschungsarbeit lautet: „Zentralnervöse Insulinresistenz als Schlüsselphänomen bei Adipositas“.

(„Obese men respond to cognitive but not to catabolic brain insulin signaling“, veröffentlicht im International Journal of Obesity, 2007.)

Der Präsident des IDE, Professor Günther Wolfram, überreichte den mit 5.000 Euro dotierten Preis in Hamburg im Rahmen der 7. Drei-Länder-Tagung „Ernährung 2008“. Das Institut verlieh damit zum 4. Mal den IDE-Förderpreis an Nachwuchswissenschaftler für herausragende Leistungen auf den Gebieten der Ernährungswissenschaft und Ernährungsmedizin.

Im Rahmen des Forschungsprojektes wurde normalgewichtigen und übergewichtigen männlichen Probanden über acht Wochen hinweg Insulin als Nasenspray gegeben. Als Nasenspray verabreicht gelangt der Botenstoff Insulin direkt ins Gehirn. Das heißt, der Blutkreislauf wird bei der Anwendung des Insulins umgangen. Die normalgewichtigen Männer verloren dabei signifikant an Körpergewicht und Körperfett, die Übergewichtigen hingegen nicht. „Dafür musste es einen Grund geben“, bringt Hallschmid die Ergebnisse seiner Arbeit auf den Punkt, „und den haben wir gefunden: Übergewichtige haben eine Insulinresistenz im Gehirn. Das sorgt dafür, dass Übergewichtige ihr Gewicht halten und nicht abnehmen“.

Insulin: wichtiger Botenstoff im Gehirn

Im Bezug auf den Stoffwechsel ist Insulin ein wichtiger Botenstoff in unserem Körper. Wo das Hormon seine Aufgaben nicht erfüllt, entsteht Diabetes. Als Botenstoff im Gehirn ist es jedoch bisher weitgehend unbekannt gewesen. Doch Insulin zirkuliert nicht nur im menschlichen Blutkreislauf, sondern es passiert auch die Grenze zum Gehirn und steuert unterschiedliche Prozesse.

Bei normalgewichtigen Menschen steigt der Insulinspiegel im Gehirn proportional zum Insulingehalt des Blutes an und signalisiert, dass genug Nahrung aufgenommen wurde. So wird das Essverhalten über Hunger- und Sättigungsgefühl gesteuert und der Mensch ist vor Übergewicht geschützt. Bei übergewichtigen Männern ist dieses Gleichgewicht gestört. Im Gehirn besteht eine Resistenz gegenüber dem Insulin. Die Signale „Ich bin satt“ und „Ich habe Hunger“ sind nicht mehr an den Blutzuckergehalt gekoppelt – der Mensch isst zu viel. Auf diese Weise wird das Gewichtsmanagement durch Insulin beeinflusst und das Hormon gilt deswegen neben anderen Stoffen als „Adipositas-Signal“. „Damit haben wir einen entscheidenden Wirkmechanismus krankhaften Übergewichts entdeckt“, erklärt Hallschmid die Bedeutung seiner Forschungsergebnisse.

Insulinresistenz ist nicht genetisch bedingt, sondern erworben

Nehmen Übergewichtige ab und halten ihr Gewicht, bildet sich ihre Insulinresistenz wieder zurück. „Denkbar wäre, dass diese so genannte „zentralnervöse“ Insulingabe in der Adipositas-Therapie Übergewichtigen nach einer Gewichtsreduktion helfen kann, ihr neues Gewicht zu halten“ antwortet Hallschmid auf die Frage nach möglichen Therapieanwendungen. „Die intranasale Verabreichung von Substanzen ist ein relativ neuer Weg. Der Vorteil liegt darin, dass man direkt Einfluss auf Stoffwechselprozesse im Gehirn nehmen und den Blutkreislauf umgehen kann.“

Nur Männer reagieren auf Insulin-Nasenspray

Die Studie baut auf Forschungsarbeiten mit Normalgewichtigen auf, die erstmals die Rolle von Insulin in der Steuerung des Essverhaltens gezeigt hat. Ursprünglich hoffte man, mit der intranasalen Insulingabe Übergewichtigen das Abnehmen zu erleichtern und konzipierte die Forschungsarbeit entsprechend. Dabei konzentrierte sich Hallschmid auf männliche Probanden. Denn bereits in früheren Forschungsarbeiten hatte sich gezeigt, dass Frauen aufgrund des höheren Östrogenspiegels auf die zentralnervöse Insulineinnahme nicht reagieren.

Insulin verbessert kognitive Leistungsfähigkeit

Eines hatten normalgewichtige und übergewichtige Probanden gemeinsam: Bei ihnen verbesserte das Insulin die kognitiven Funktionen, also die Gedächtnisleistung. Insulin fördert im Gehirn neuronale Verknüpfungen in der dafür zuständigen Hirnregion. Studien zeigen, dass Übergewichtige häufiger an Demenzerkrankungen und Alzheimer leiden als Normalgewichtige.

Preiswürdig: besondere Relevanz für Adipositasforschung

„Die Forschungsarbeit zeichnet sich durch eine besondere Relevanz für die gegenwärtigen Diskussionen der Ursachen und Therapie von Adipositas aus“, erklärt Professor Günther Wolfram, Präsident des IDE, warum die Wahl der Preisjury auf Hallschmids Arbeit gefallen ist.

Welt-Nierentag am 13. März

(2008)

Nierenfunktion testen – aber richtig!

Ein sinnvoller Gesundheitstest für Diabetiker ist die Messung des Mikroalbumins im Urin – sofern der Teststreifen dafür geeignet ist.

Diabetiker haben ein hohes Risiko für Erkrankungen der Nieren: Es übersteigt das von Nichtdiabetikern um das 4,6-fache. Das Risiko für eine Niereninsuffizienz (Nierenversagen) ist sogar um das 12-fache höher. Etwa ein Drittel aller Diabetiker entwickelt im Lauf der Erkrankung eine diabetische Nephropathie (Nierenkrankheit): Die Nieren verlieren dabei langsam ihre Filterfunktion. Die Nephropathie entsteht meist aufgrund jahrelang schlecht eingestellter Blutzuckerspiegel. Das Risiko für diese Folgeerkrankung lässt sich drastisch senken, wenn der Stoffwechsel optimal eingestellt ist. Auch wenn die Nephropathie schon besteht, sind eine normnahe Blutzuckereinstellung und eine konsequente Blutdruckeinstellung auf niedrige Werte wichtig.

Eiweiß im Urin kündigt Folgeschäden an

Das erste Zeichen der Nephropathie ist eine messbare Eiweißausscheidung im Urin. Von einer Mikroalbuminurie spricht der Arzt, wenn 20 bis 200 mg Albumin (Bluteiweiß) pro Liter oder 30 bis 300 mg Albumin in 24 Stunden ausgeschieden werden. Eine Mikroalbuminurie ist bei 30 bis 40 Prozent der Patienten mit Typ-1-Diabetes nachweisbar und tritt häufiger bei Männern als bei Frauen auf. Ohne spezifische Behandlung entwickeln bis zu 80 Prozent der Typ-1-Diabetiker mit Mikroalbuminurie innerhalb von zehn bis 15 Jahren eine so genannte Makroalbuminurie. Das ausgeschiedene Eiweiß wird dabei nicht „größer“ („makro“, griechisch groß oder weit), sondern mehr: Mehr als 300 mg Eiweiß passieren in 24 Stunden die Nieren. Aus der Makroalbuminurie entsteht bei jedem zweiten Typ 1 Diabetiker innerhalb von zehn Jahren eine Niereninsuffizienz.

Bei Typ-2-Diabetikern ist es so, dass die meisten eine Mikroalbuminurie schon bei Diagnosestellung aufweisen. Mit abnehmender Nierenfunktion entwickeln oder verstärken sich Bluthochdruck, Fettstoffwechselstörungen (Dyslipoproteinämie) und weitere diabetestypische Komplikationen. Bei hochgradigem Nierenversagen wird eine Nierentransplantation beziehungsweise eine künstliche Blutwäsche notwendig (Dialyse).

Welche Teststreifen für die Nierenfunktion?

Geringe Eiweißverluste unterhalb des Schwellenwertes der Mikroalbuminurie gelten als normal. Ein Verdacht auf eine diabetische Nephropathie liegt vor, wenn bei einem Diabetiker in zwei von drei Morgen-Urinproben (im Abstand von etwa zwei bis vier Wochen) mehr als 20 mg Albumin nachgewiesen werden.

Das Problem bei der Selbstmessung: Viele normale Mehrfach-Teststreifen, die gleichzeitig z.B. Eiweiß, Blut, Zucker, Leukozyten messen sollen, weisen eine leichte Mikroalbuminurie gar nicht nach. Die maßgebliche Schwelle – eine Albuminausscheidung von 20 bis 200 mg/l oder 30 bis 300 mg/24 Stunden – identifizieren sicher nur spezielle Mikroalbuminurie-Teststreifen (wie z.B. Micral-test®, Microalbustix®). Um beginnende Nierenerkrankungen bei Menschen mit Diabetes oder hohem Blutdruck frühzeitig zu erkennen, empfiehlt die Deutschen Diabetes-Gesellschaft, diesen Test jährlich durchzuführen.

Harnteststreifen für Diabeteskontrolle ungeeignet

Geeignete Harnteststreifen auf Eiweiß sind also in der Früherkennung von Folgeschäden sinnvoll. Diabetiker sollten mit Harnteststreifen aber nicht ihre Therapie kontrollieren, auch wenn diese Zucker nachweisen. „Für die Therapiekontrolle bei Menschen, die gegen einen Diabetes behandelt werden, sind sie nicht ausreichend exakt. Außerdem erfassen sie keine Unterzuckerungen“, erklärte Prof. Martin Schulz auf einer Fortbildung für Apotheker. Die erhaltenen Harnzuckerwerte lassen nur bedingt einen Rückschluss auf Überzuckerungen zu. Ist bei Diabetes zu viel Glukose im Blut gelöst, wird diese zwar über die Niere mit dem Harn ausgeschieden. Aber der Zucker im Urin schwankt in Abhängigkeit von Trinkmenge und der individuellen Nierenschwelle. Diese verändert sich z.B. im Alter oder bei einer Schwangerschaft. Zudem ist der Test auf Zucker im Harn anfällig für Störungen, etwa durch große Mengen Vitamin C. Der genaue Zuckergehalt im Blut lässt sich nur mit der direkten Blutzuckermessung bestimmen.

Leitlinien

(2008)

DDG: Neue Ernährungstherapie empfohlen

Ziel ist die erfolgreiche Verringerung des Übergewichts bei Diabetes Typ 2

Wenn Typ 2 Diabetiker zugleich übergewichtig sind, ist das Risiko für Folge- und Begleiterkrankungen wie Bluthochdruck oder Gefäßerkrankungen erhöht. Um das Gewicht zu verringern, reichen meistens Medikamente nicht aus. Die Deutsche Diabetes-Gesellschaft (DDG) hat deshalb in Zusammenarbeit mit drei anderen Fachgesellschaften die bestehende Leitlinie zur kombinierten Ernährungs-,Bewegungs-, Verhaltens- und medikamentösen Therapie ergänzt. Die Fachgesellschaften empfehlen eine Ernährungstherapie in vier Stufen.

Nahezu 85% der Menschen mit Diabetes Typ 2 sind übergewichtig oder sogar adipös

Die WHO empfiehlt bei Diabetes und Übergewichtigkeit, das Gewicht um 10 bis 20 Prozent zu verringern. „Ein Ziel, das allein mit Medikamenten schwer zu erreichen ist. Betroffene sollten ihren Lebensstil ändern, das heißt regelmäßiges Ausdauer- und Krafttraining und energiearme Kost“, betont Professor Dr. med. Alfred Wirth, Ärztlicher Direktor der Teutoburger-Wald-Klinik, Bad-Rothenfelde.

Die neue Ernährungstherapie sieht eine individuelle Reduktionsdiät vor. In der ersten von vier Stufen verringern Übergewichtige ihren Fettkonsum auf weniger als 60 Gramm pro Tag. Der Deutsche nimmt durchschnittlich etwa doppelt so viel Fett am Tag zu sich. Innerhalb von sechs Monaten sollte so eine Gewichtsabnahme von vier Kilogramm möglich sein. Stufe zwei sieht vor, weniger Nahrungsmittel mit hoher Energiedichte zu sich zu nehmen. Dies sind zum Beispiel Kartoffeln, Getreideprodukte, Fleisch oder Säfte. Eine Mischkost aus Kohlenhydraten, Eiweißen und Fetten führt bei extrem Adipösen jedoch oft noch nicht zum Erfolg. Deshalb sehen die Stufen drei und vier der von der DDG empfohlenen neuen Ernährungstherapie zusätzlich Formula-Produkte vor. Hierbei handelt es sich um einen Fertigdrink, eine Suppe oder einen Riegel, mit dem in Stufe drei 1 bis 2 Mahlzeiten pro Tag ersetzt werden sollen. Die Kalorienmenge der Formula-Produkte ist genau festgelegt. So fällt es den Betroffenen leichter, die exakte Energiemenge einzuhalten, die der Ernährungsplan vorgibt.

Professor Wirth betont, dass es zu diesen Formula-Produkten unterschiedliche Expertenmeinungen gibt. In Studien hätten sie jedoch gute Ergebnisse erzielt. Einige der Experten empfehlen soagr, in einer vierten Stufe sämtliche Mahlzeiten durch Formula-Produkte zu ersetzen. Dies sollte jedoch maximal für die Dauer von drei Monaten durchgeführt werden.

Dass eine Änderung des Lebensstils wirksam ist, bewiesen bereits die Einjahresdaten der „Look AHEAD Studie“: Adipöse Typ-2-Diabetes-Patienten, die ihren Lebensstil unter Anleitung änderten, reduzierten unter anderem stärker ihr Körpergewicht als Patienten, die eine Standardtherapie erhielten. Um die Lebensstiländerung dauerhaft durchzuhalten, empfiehlt Wirth, sich einer Therapiegruppe anzuschließen. Führen nach einem Jahr weder Medikamente noch die Ernährungs- und Bewegungstherapie zu der angestrebten Gewichtsabnahme, sollte ein operativer Eingriff vorgenommen werden.

Die aktualisierte Leitlinie steht im Internet unter www.adipositas-gesellschaft.de zur Verfügung.

Ernährungsexperten erinnern!

(2008)

Fastenzeit & Frühjahrskuren – Vitalstoffe sind entscheidend

Die Nährstoffzufuhr entscheidet über Fitness, Leistungsfähigkeit und über den Zustand von Haut und Haaren

Millionen Bundesbürger nutzen die Fastenzeit, um nach der Zeit des Feierns und der üppigen Speisen dem Körper wieder mehr Ruhe zu gönnen. Für die meisten zählt vor allem eins: der Abbau des Übergewichts. Deshalb haben Fastenkuren, Frühjahrskuren und Diäten Hochkonjunktur.

Mangel führt zu Müdigkeit und schlechter Haut

Ernährungsexperten halten von dem Wunsch zu fasten prinzipiell viel, wo doch laut Statistik mehr als 50 Prozent der Deutschen zu dick sind. Doch sie erinnern auch daran, besonders auf die Zusammensetzung der Nährstoffe zu achten. Denn wer weniger isst, nimmt so auch weniger Vitalstoffe (Vitamine, Mineralstoffe, sekundäre Pflanzenstoffe, Carnitin, Coenzym Q10) zu sich. Die häufigsten Folgen sind Müdigkeit, Schlappheit, Motivationslöcher und Konzentrationsschwäche. Der Vitalstoffexperte Christoph Henninger (Präventologe und Fachberater für orthomolekulare Medizin) erklärt: „Weil viele nicht wissen, worin die Ursachen liegen, werden diese typischen Anzeichen einfach hingenommen. Auch ein geschwächtes Immunsystem und häufige Erkältungen sind oft Zeichen eines Vitalstoffmangels, ebenso ein schlechter Zustand von Haut, Haaren und Nägeln.“

Jetzt reichlich Vitalstoffe

Mit diesem Problem ist Henninger, der seit 1992 einen Gesundheitsclub in Koblenz leitet, rund ums Jahr konfrontiert. Auffällig oft treten diese Symptome in der Fastenzeit bis weit ins Frühjahr auf. Deshalb rät er dazu, die Vitalstoffversorgung zu optimal zu gestalten. „Denn jetzt brauchen wir reichlich Vitalstoffe, um den Stoffwechsel anzukurbeln, die Entgiftung zu beschleunigen und den Säure-Basen-Haushalt zu verbessern“, so Henninger.

Obst, Gemüse und LaVita

Henningers Rezept dazu lautet: So viel Obst und Gemüse, wie einem schmeckt und zusätzlich eine natürliche Nahrungsergänzung. Mit natürlich meint er Produkte, die nicht im Labor, sondern direkt aus der Natur gewonnen werden. Das Beste vom Besten sind flüssige Saftkonzentrate wie LaVita, das u.a. aus 54 verschiedenen Obst-, Gemüse- und Kräutersorten hergestellt wird. Der Vorteil: Das Vitalstoffkonzentrat enthält nicht nur einzelne Stoffe, sondern alle wichtigen Vitamine, Mineralstoffe, sekundäre Pflanzenstoffe, Carnitin, Coenzym Q10 sowie Omega-3-Fettsäuren, Aminosäuren und Milchsäure in natürlicher Form und in optimaler Dosierung.

Diabetes-Journal

(2008)

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Etwa ein Drittel der Bundesbürger greift regelmäßig oder als Kuranwendung zu Nahrungsergänzungsmitteln

Ob Mineralstoffe, Vitamine, Spurenelemente oder sekundäre Pflanzenstoffe, ob zum Ausgleich eines bestimmten Mangels, zur Verbeugung oder im Rahmen von „Anti-Aging“-Maßnahmen, ob in Pillen-, Pulver- oder Tropfenform: Der Markt boomt, die Umsätze lagen 2006 im dreistelligen Millionenbereich. Doch die unkritische Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln kann manchmal sogar schaden statt helfen. Das aktuelle Titelthema der Monatszeitschrift „Diabetes-Journal“ beschäftigt sich ausführlich mit Nutzen und Risiken der Einnahme von Vitalstoffen in künstlicher Form.

Gerade Diabetiker sollten ihre Sehkraft im wahrsten Sinne des Wortes immer „im Auge behalten“.

Laut Expertenmeinung sind nach 15 bis 20 Jahren Erkrankungsdauer bis zu 95 Prozent der Typ-1-Diabetiker von der „Diabetischen Retinopathie„, also Netzhauterkrankung, betroffen. Mit diesem Begriff werden Sehprobleme bei Diabetikern bezeichnet, die schlimmstenfalls bis zur Erblindung reichen. Beim Typ-2-Diabetiker ist die Lage besonders fatal: Die Diagnose wird oft erst nach vielen Jahren unentdeckter schlechter Stoffwechselsituation gestellt – wenn schon irreparable Schäden vorhanden sind. Wie Professor Dr. Rüdiger Petzoldt vom Herz- und Diabeteszentrum Bad Oeynhausen im Artikel ausführt, ist eine Heilung leider nicht möglich, aber er gibt wertvolle Tipps, wie ihrer Entwicklung vorgebeugt werden kann.

Vitamine – sie sind die Powerstoffe in der Nahrung, ohne die auf Dauer weder Mensch noch Tier auskommen.

Eine ständige Unterversorgung kann zu Erkrankungen wie Nachtblindheit, Osteoporose oder geschwächter Immunabwehr führen. Man unterscheidet zwei Hauptgruppen: Die fettlöslichen Vitamine A, D, E und K, die nur in Verbindung mit Fett wirken und die wasserlöslichen, zu denen das bekannteste, das Vitamin C, aber auch die B-Gruppe sowie Niacin und Folsäure gehören. Eine täglich ausgewogene Ernährung aus fettarmem Fleisch, Fisch, Gemüse, Obst und Vollkornprodukten in Verbindung mit Bewegung an der frischen Luft deckt im Allgemeinen den Bedarf der meisten Menschen. Der „Vitamin-Status“-Test liefert dem interessierten Leser einen Überblick, wie es mit der eigenen Versorgung aussieht. Im Rezeptteil hat Diätassistentin Kirsten Metternich leckere Anregungen für einen farbenfrohen, abwechslungsreichen und gesunden Osterbrunch zusammengestellt.

Das Diabetes-Journal

Die Märzausgabe gibt es ab dem 29. Februar 2008 zum Preis von 3,70 Euro im Zeitschriftenhandel in Bahnhöfen und Flughäfen oder über den Verlag unter der Telefonnummer 06131 9607024 (Frau Schellerer). Das Diabetes-Journal ist eine Zeitschrift für alle Menschen mit Diabetes. Es berichtet über alle Neuerungen in Medizin und Gesundheitspolitik und berät die Leser bei Fragen rund um den Diabetes. Das Diabetes-Journal erscheint monatlich in einer Auflage von 80.000 Exemplaren im Kirchheim-Verlag (Mainz).

Blutzuckerkontrolle

(2008)

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Blutzuckerkontrolle: Neue Standards bei Diabetes

DDG empfiehlt neue Nachweismethode

Die langfristige Blutzuckerkontrolle ist ein wichtiger Bestandteil der Diabetestherapie. Jedoch sind mitunter die Messergebnisse je nach Methode und Labor unterschiedlich und nicht miteinander vergleichbar. Die Deutsche Diabetes-Gesellschaft (DDG) hat sich deshalb internationalen Empfehlungen zur Standardisierung des Verfahrens angeschlossen und empfiehlt eine neue verbesserte Nachweismethode. Der HbA1c-Wert wird alle 3 Monate im Labor bestimmt. HbA1c – auch Glykohämoglobin genannt – ist eine Form des roten Blutfarbstoffs Hämoglobin, an den der im Blut vorhandene Zucker gebunden ist. Als Messwert dient der prozentuale Anteil des HbA1c am gesamten Hämoglobin. Die Einhaltung bestimmter Prozentwerte sind angestrebte Ziele in der Therapie: Die Leitlinien der DDG empfehlen z.B. einen Langzeitwert von unter 6,5% HbA1c, um das Risiko von Spätschäden an den kleinen und großen Blutgefäßen zu verringern.

„Seit vielen Jahren ist allerdings bekannt, dass HbA1c-Ergebnisse, die durch unterschiedliche Methoden und Laboratorien erstellt werden, nicht vergleichbar sind“, meinen Professor Dr. med. Dirk Müller-Wieland, Asklepios Klinik St. Georg und Leiter des Instituts für Diabetes-Forschung in Hamburg, und Professor Dr. rer. nat. Erwin Schleicher, Medizinische Klinik und Institut für Klinische Chemie/ Zentrallabor der Universität Tübingen.

Deshalb ist zur Standardisierung ein einheitliches Referenz- beziehungsweise Bezugssystem wichtig: Die meisten Labors nutzen ein von der American Association of Clinical Chemistry (AACC) entwickeltes Verfahren. Es gibt den HbA1c-Wert als Prozentsatz des Gesamthämoglobins an. Ein neues Verfahren der International Federation of Clinical Chemistry (IFCC) gilt nun als internationaler Bezugspunkt und gibt das Ergebnis in der internationalen Maßeinheit Millimol pro mol – mmol/mol – an. Würde man das Ergebnis vom IFCC-Verfahren in Prozent ausgedrücken, wäre es ca. 2% niedriger als der herkömmliche HbA1c-Wert. Um Verwirrungen zu vermeiden, bleibt das HbA1c bei der Prozentangabe und die internationale Referenz bei mmol/mol. Die tägliche Praxis und die Bedeutung des HbA1c-Wertes bleiben dadurch unverändert.

Die Deutsche Diabetes-Gesellschaft hat sich diesem internationalen Konsens angeschlossen. Für die Patienten bringt der neue Standard eine gewisse Umstellung mit sich. Neben dem bisher üblichen Prozentwert kann die Angabe auch in Millimol pro mol erfolgen. Eine Umrechnung in die üblichen Prozentwerte ist jedoch mit einer einfachen Formel möglich. In der laufenden, bald abgeschlossenen „A1c Derived Average Glucose“ oder ADAG-Studie wird ermittelt, welche durchschnittlichen Blutzuckerwerte den HbA1c-Werten entsprechen. Dieser durchschnittliche Blutzucker wird in Milligramm pro Deziliter – mg/dl – angezeigt. Ein Messwert, den Patienten aus ihren täglichen Blutzuckerbestimmungen kennen. Patienten können dadurch zukünftig ihre HbA1c-Werte mit den Ergebnissen ihrer Selbstmessungen plausibel vergleichen.

Informationen im Internet:

The American Diabetes Association, European Association for the Study of Diabetes, International Federation of Clinical Chemistry and Laboratory Medicine, and the International Diabetes Federation: Consensus Statement on the Worldwide Standardization of the Hemoglobin A1C Measurement Diabetes Care. 2007 Sep; 30(9):2399-400.
PDF der Publikation: care.diabetesjournals.org/cgi/reprint/30/9/2399.pdf
PDF des gleichlautenden Textes auf den Seiten des IFCC www.ifcc.org/4dc9925consensus.pdf
International Federation of clinical chemistry www.ifcc.org

Kongress der Deutschen Diabetes Gesellschaft

(2008)

Diabetes weiter auf dem Vormarsch

Wenn Deutschland nicht mehr in der Prävention tut, wird in absehbarer Zeit jede/r zehnte Deutsche an Diabetes leiden.

Mit 8,6 Prozent der Gesamtbevölkerung hat der Anteil der Diabetiker im Jahr 2006 einen neuen Höchststand erreicht, sagte Prof. Hauner anlässlich der Eröffnung der 43. Jahrestagung der Deutschen Diabetes Gesellschaft in München. Rund 7 Millionen Menschen in Deutschland sind derzeit von Typ 1 oder Typ 2 Diabetes betroffen. Diese Zahlen wurden aktuell hochgerechnet aus den Daten von 300.000 Versicherten aller Altersgruppen der AOK Hessen. „Pro Jahr wächst die Zahl der Betroffenen um etwa 5% oder 300.000, ohne dass bislang eine Trendwende absehbar wäre“, sagte Hauner.

Der Anstieg der Krankenzahlen zieht sich durch alle Altersgruppen. Dahinter steht zum einen ein echter Anstieg neuer Diabetesfälle durch die Zunahme krankhaften Übergewichts (Adipositas), der Hauptursache für die Diabetesentwicklung. Zum anderen führt die längere Lebenserwartung und der steigende Anteil alter Menschen in der Bevölkerung zu einer Zunahme der absoluten Zahlen. Die meisten Neuerkrankungen – 16 pro 1000 Einwohner und Jahr – treten im Alter zwischen 50 und 70 Jahren auf, bei Männern im Durchschnitt etwas früher als bei Frauen. Unter alten Menschen ist heute fast jeder dritte Diabetiker.

Zeitbombe Zuckerkrankheit

„Etwa 30 Prozent der Menschen haben die erbliche Veranlagung zum Typ 2 Diabetes, und bekommen diese Erkrankung, wenn sie alt genug werden und ungesund leben“, erklärte Hauner. Besonders Besorgnis erregend ist die Tatsache, dass sich der Beginn des Typ 2 Diabetes (mit über 90% die dominante Form) in jüngerer Altersgruppen verlagert. Dies geht zurück auf die Zunahme des Übergewichts schon bei Kindern und Jugendlichen. Es bedeutet, dass diese Jugendlichen vergleichsweise früh an Diabetes erkranken können. Damit entwickelt sich die Volkskrankheit Diabetes gegenläufig zu den anderen wichtigen Krankheiten: Die Sterblichkeit durch Diabetes nimmt zu, während die Todeszahlen durch Krebs und Herz-Kreislauf-Krankheiten tendenziell abnehmen.

Diabetes mellitus Typ 2 und Adipositas sind auch die Erkrankungen, von denen Fachleute in den nächsten 10 Jahren den stärksten Anstieg erwarten: vor Krankheiten wie Demenz, Schlaganfall, Rheuma, Osteoporose, Herzkreislauf-Krankheitern, Allergien und Depressionen.

Diabetes ist die teuerste chronische Erkrankung

Nach einer auf der Eröffnungspressekonferenz vorgestellten aktuellen Auswertung verursacht der Diabetes im Durchschnitt jährliche Exzesskosten von knapp € 2.600,- pro Person. Das heißt, um diesen Betrag kostet die Behandlung eines Diabetikers mehr als die eines Nichtdiabetikers. Damit ist sie gut doppelt so teuer. Viel mehr als die Behandlungskosten pro Person sind jedoch die Gesamtkosten der Behandlung gestiegen: nämlich um 41 Prozent von 13 Mrd. Euro im Jahr 2000 auf 18,2 Mrd. Euro im Jahr 2006.

„Trotz aller Kostendämpfungsmaßnahmen sind die Ausgaben für diese Krankheit vor allem wegen der wachsenden Zahl der Betroffenen überproportional gestiegen, so dass der Diabetes mellitus heute die teuerste chronische Erkrankung überhaupt darstellt“, sagte Hauner. Die Kosten für die direkte Behandlung der Grundkrankheit, z.B durch Insulin und orale Antidiabetika, sind eigentlich moderat, sie betragen ein knappes Viertel der gesamten Mittel. Mehr als drei Viertel müssen aber für die Behandlung der im Grunde vermeidbaren Folgeerkrankungen aufgebracht werden.

Diabetes ist durch Prävention vermeidbar

Diabetes mellitus ist eine Erkrankung, die bei den meisten Menschen durch eine Ernährungsumstellung und ein Mehr an Bewegung vermeidbar wäre. Dass diese „Primärprävention“ die Entwicklung des Diabetes zu rund 60 Prozent reduzieren kann, haben mehrere große wissenschaftliche Studien nachgewiesen. Die Herausforderung, die sich daraus für das deutsche Gesundheitssystem ergibt, ist ebenso groß wie naheliegend:

  1. Die Diabetes-Epidemie kann nur durch ein flächendeckendes Angebot von Programmen zur primären Prävention (Vorbeugen, dass die Krankheit gar nicht erst entsteht) eingedämmt werden.
  2. Die Förderung der Prävention ist nicht nur die wirksamste, sondern die kostengünstigste Strategie. Sie wird aber bisher sträflich vernachlässigt.
  3. Bei manifestem Diabetes kann eine gute Behandlung Komplikationen verhindern. Auch das hier investierte Geld ist „kosteneffektiv“ angelegt.

Die Ziele, die sich mit Prävention erreichen lassen, sind für den Einzelnen: Chronische Krankheiten werden vermieden bzw. zumindest hinausgeschoben, bei Erhalt einer hohen Lebensqualität und Produktivität. Für die Gemeinschaft kann die unbedingt notwendige Senkung der Gesundheitskosten erreicht werden.

Kassenfunktionäre, Politiker, Betroffene: Sind wir alle zu bequem?

Mehr Menschen mit Diabetes oder gestörtem Glukosestoffwechsel (Vorstufe des Diabetes) frühzeitig zu erkennen, wäre leicht möglich: durch häufigere Blutzuckermessungen, durch einfache Harntests, die eine Mikroalbuminurie feststellen, durch Diagnose des Augenhintergrundes. Den Ausbruch von Diabetes zu vermeiden, oder seine Folgen zu lindern, ist durch Änderungen im Lebensstil möglich.Doch Lebensstilmaßnahmen kommen z.B. in den flächendeckenden „Disease Management-Programmen“ der Krankenkassen nicht vor, kritisierte Hauner. Die Beträge, die Krankenkassen für die Prävention ausgeben, machen weniger als ein Prozent ihrer Gesamtausgaben aus. Ganze € 2,70 pro Person stehen im Präventionstopf jährlich zur Verfügung, inklusive Impfungen.Diese Untergewichtung erstaunt umso mehr, als die Krankenkassen ein ureigenes Interesse haben, die Kosten für die Versicherten zu begrenzen, und um die Kosteneffektivität der Prävention wissen. Wirksamkeit und Kostendämpfung durch präventive Maßnahmen hinsichtlich des Lebensstils sind wissenschaftlich belegt. Doch es fehlt an einer „Präventionskultur“ nicht nur in der Gesellschaft sondern auch bei den Vertretern der Politik und den Vertretern der Krankenkassen: Maßnahmen der Prävention, die heute Geld kosten, greifen erst in 10, 20 Jahren. Die Bilanzen und Wahlperioden der Verantwortlichen umfassen aber nur wenige Jahre. „Weder die Krankenkassen noch die Politik machen im Hinblick auf Prävention einen guten Job“, meinte Hauner.

Hintergrundwissen

(2008)

Ursachen-Wissen: Wie „süßes Blut“ entsteht

Heinrich-Wieland-Preisträger Professor Markus Stoffel trägt zur Entschlüsselung der Ursachen des Diabetes bei

Forscher beginnen, molekulare Ursachen für die Entstehung der Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus) zu entschlüsseln. Auf diesem Gebeit hat der Züricher Mediziner Prof. Markus Stoffel einen maßgeblichen Beitrag geleistet und erhielt dafür in diesem Jahr den renommierten Heinrich-Wieland-Preis. Er entdeckte zwei Kommunikationswege in menschlichen Körperzellen, die zum Typ 2 Diabetes führen können, wenn ihre Funktion gestört ist.

Bei der Erkrankung Diabetes ist der Typ 2 die häufigste Form. Am Diabetes 2 leiden mehr als 90% aller Diabetiker. Mit seiner Entdeckung hat der in Köln geborene Forscher der Eidgenössisch Technischen Hochschule (ETH) Zürich, Prof. Markus Stoffel, entscheidende Schritte zur Erklärung der Enstehung des Typ 2 Diabetes ermöglicht. Zugleich verdankt ihm die Wissenschaft neue Erkenntnisse zur Rolle der so genannten „Mikro-RNAs“ im menschlichen Körper. In den industriell wachsenden Nationen breitet sich Diabetes schnell aus. Über fünf Millionen Menschen werden müssen schon in Deutschland wegen dieser Krankheit behandelt werden, weltweit sind es schätzungsweise 180 Millionen Menschen mit Diabetes. Bis 2030 soll sich ihre Zahl verdoppeln. Herzinfarkt, Schlaganfall, Erblindung, Nierenschäden und Impotenz sind nur einige der möglichen Folgen.

Diabetes-Patienten leiden unter einem chronisch erhöhten Blutzuckerspiegel. Ihre Körper sind entweder nicht in der Lage, das blutzuckersenkende Hormon Insulin herzustellen (Typ 1 Diabetes), oder sie verlieren im Laufe des Lebens die Fähigkeit dazu (Typ 2 Diabetes). Über die von Prof. Stoffel entdeckten biochemischen Kommunikationswege funktioniert die Steuerung des Blutzuckerspiegels und des Fettstoffwechsels. Dieser Mechanismus funktioniert bei Typ 2 Diabetikern nicht richtig. Der eine Kommunikationspfad führt über eine vor 15 Jahren entdeckte Klasse von Molekülen, die „Mikro-Ribonukleinsäuren“ (Mikro-RNAs). Sie sind an der Insulinausschüttung der Bauchspeicheldrüse beteiligt und sorgen so für die Aufrechterhaltung eines konstanten Blutzuckerspiegels im Blut. Der zweite Kommunikationspfad betrifft das Eiweiß Foxa2, das in Leberzellen als Insulin-Sensor dient.

Mikro-RNAs wurden erstmals im Jahr 1993 in speziellen Würmern, den Fadenwürmern, entdeckt, kommen jedoch praktisch in allen Lebewesen vor. Erst 2001 erhielten sie ihren Namen, denn lange Zeit war nicht bekannt, welche Funktion Mikro-RNAs haben. Heute wissen wir, dass sie die Biosynthese von Proteinen steuern, die auf dem Auslesen des genetischen Codes basiert, die so genannte Translation. Mikro-RNAs spielen so bei der Produktion von Proteinen und somit für die meisten Körperfunktionen eine wichtige Rolle. Mehr als 300 verschiedene Mikro-RNAs wurden im menschlichen Körper identifiziert. Der Heinrich-Wieland-Preisträger Professor Markus Stoffel war der erste, der die Funktion einer dieser Mikro-RNAs im menschlichen Organismus entschlüsselte: „miR375“ hilft, die Insulinfreisetzung aus den Langerhans´schen Inselzellen der Bauchspeicheldrüse zu regulieren. Mikro-RNAs heften sich an Boten-RNA, eine einsträngige Kopie des genetischen Codes, mit dessen Hilfe die Zelle Eiweißmoleküle herstellt. Damit hemmen oder blockieren sie die Translation eines Gens in das entsprechende Protein: Das Doppel aus Mikro-RNA und Boten-RNA fällt für die Produktion von Proteinen aus und wird daher von der Zelle zerstört. „Die Entschlüsselung der genauen Funktionsweise der Mikro-RNA »miR375«“, so beschreibt Prof. Stoffel die Bedeutung seiner Entdeckung, „eröffnet neue Angriffspunkte für die Entwicklung innovativer Medikamente zur Behandlung von Diabetes.“

Der zweite Kommunikationspfad, der von Prof. Stoffel und seinem Team entdeckt wurde, läuft ebenfalls über die Aktivität von Genen, allerdings mit einem ganz anderen Mechanismus: Wenn Glukose nach einer Mahlzeit aus dem Darm ins Blut gelangt, schüttet die Bauchspeicheldrüse Insulin aus. Dieses Hormon sorgt dafür, dass der Körper Blutglukose als Energiereserve in Leber-, Fett- und Muskelgewebe zwischenspeichert. Wenn der Blutzuckerspiegel im Körper sinkt und zusätzliche Energie benötigt wird, mobilisiert die Leber Zucker und Fett aus den gespeicherten Vorräten, um den Körper mit der benötigten Energie zu versorgen. Bei dieser Aktivierung von Reserven spielt das Protein Foxa2 eine entscheidende Rolle, so die Entdeckung von Prof. Stoffel. Foxa2 regt Gene in den Leberzellen an, Enzyme zu produzieren, durch die Fette und fettähnliche Stoffe biochemisch verändert und dem Körper wieder als Energiequelle zur Verfügung gestellt werden. Das Protein Foxa2 wird dabei durch Insulin blockiert, wenn ein hoher Blutzuckerspiegel eine ausreichende Energieversorgung sicherstellt. Insulin bremst also über seinen Einfluss auf das Protein Foxa2 die Aktivierung von Fettreserven. Bereits in frühen Phasen des Typ 2 Diabetes ist Foxa2 dauerhaft inaktiv und Leberzellen werden nicht mehr aktiviert, Fett umzuwandeln. Fett reichert sich an und die Leber verfettet. Dadurch wird die Empfindlichkeit der Leberzellen gegenüber Insulin weiter verringert und der Diabetes mellitus kann sich entwickeln, obwohl der vorhandene Insulinspiegel des Körpers ausreichen würde, wenn die Leberfunktion nicht beeinträchtigt wäre.

Prof. Markus Stoffel, geboren 1962, ist Professor für Molekulare Systembiologie an der Eidgenössisch Technischen Hochschule (ETH) Zürich. Er studierte in Cambridge und Bonn Medizin. Nach einer 2-jährigen Tätigkeit am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf hatte er für 3 Jahre verschiedene Positionen an der Universität Chicago (USA) inne. 1995 wurde er an der Rockefeller Universität in New York zum ordentlichen Professor ernannt. 2006 folgte er dem Ruf an die ETH Zürich. Dort baute er ein Forscherteam auf, das sich auf die Regulation des Glukose- und Lipidspiegels im Blut konzentriert. Prof. Stoffel erhielt 2006 den Wissenschaftspreis der Amerikanischen Diabetes-Gesellschaft und wurde zum Mitglied der Deutschen Akademie der Naturforscher „Leopoldina“ berufen.

Der Heinrich-Wieland-Preis ist einer der renommiertesten Auszeichnungen in der Stoffwechselforschung. Der Preis ist nach dem deutschen Chemiker, Lipidforscher und Medizinnobelpreisträger Heinrich Otto Wieland (1877-1957) benannt. Die Auszeichnung wird seit 1964 jährlich vergeben und ist mit 50.000 Euro dotiert. Er wird von dem forschenden Pharmaunternehmen Boehringer Ingelheim gestiftet, mit dem Heinrich Wieland eng verbunden war. Unter anderem hat Heinrich Wieland in dem heute weltweit agierenden Pharmaunternehmen zu Beginn des zwanzigsten Jahrhunderts die erste „Wissenschaftliche Abteilung“ etabliert und damit die Forschung von Boehringer Ingelheim begründet.

Weitere Informationen

www.boehringer-ingelheim.de

Diabetikerwarnhunde retten Leben

(2008) diabetes-news-diabetikerwarnhund

Ausbildung von Diabetikerwarnhunden jetzt endlich auch in Deutschland

Auch in Deutschland gibt es jetzt die Lösung für tausende insulinpflichtige Diabetiker, die unter Hypo-Wahrnehmungsstörungen leiden. Diabetikerwarnhunde retten Leben, geben Sicherheit, Freiheit, Unabhängigkeit und ermöglichen ihrem Besitzer ein fast normales Leben trotz Diabetes. In Deutschland gibt es jetzt die erste Hundeschule, die sich auf die Ausbildung von Diabetikerwarnhunden spezialisiert hat. Hundetrainerin dieser speziell ausgebildeten Hunde ist Typ1 Diabetikerin Simone Oberenzer, deren Leben durch einen Diabetikerwarnhund gerettet wurde.

Simone Oberenzer leidet seit ihrer Jugend unter Typ1 Diabetes. Sie erkennt ihre Unterzuckerungen seit einiger Zeit kaum noch oder gar nicht mehr. Wenn man Diabetes hat, kann dies nicht nur zu einer tödlichen Gefahr werden, sondern schränkt den Alltag immens ein. Während ihres Studiums wurde Oberenzer von einigen Professoren nahegelegt, das Studium zu unterbrechen, bis sie ihre Unterzuckerungen in den Griff bekommen habe. Dazu trat der Gedanke, dass sie sowieso keine Chance auf einen Arbeitsplatz hätte, wenn sie immer unkontrolliert unterzuckern würde. Als junge Frau möchte man ins Leben starten und freut sich auf die Herausforderungen der Zukunft und rechnet nicht damit, dass einem der Diabetes dabei einen Strich durch die Rechnung macht.

„Der tägliche Leidensdruck wurde immer höher für mich und mein Leben war dermaßen eingeschränkt, dass ich kaum mehr Spaß daran hatte, vor die Tür zu gehen, aus Angst, ich könnte jede Minute wieder unterzuckern und am Boden liegen, ohne es vorher zu bemerken,“ berichtet Oberenzer. Dann erzählte ihr Verlobter, der Amerikaner ist, dass es in den USA Hunde gibt, die speziell dafür ausgebildet werden, Diabetikern zu helfen, Unterzuckerungen zu erkennen und im Notfall Hilfe zu holen. „Voller Hoffnung rief ich alle Behindertenbegleithunde-Organisationen in Deutschland an, ob mir jemand helfen könnte, so einen Hund für mich auszubilden. Leider bekam ich immer wieder die selbe Antwort, dass sie es nicht könnten, weil diese Ausbildung zu schwierig sei, und sie auch nicht wirklich wüssten, wie man das macht.“ Aber so schnell wollte Simone Oberenzer die Hoffnung nicht aufgeben. Sie nahm Kontakt auf zu Ausbildern in den USA, die diese Hunde bereits seit Jahren ausbilden. Dort lernte sie die Techniken für die Ausbildung von Diabetikerwarnhunden und bildete schließlich einen Hund für sich selber aus. Seitdem sie diesen Diabetikerwarnhund hat, hat sich nach ihren Angaben ihr Leben vollkommen verändert. Der Hund hat ihr ein Vielfaches an Sicherheit, Unabhängigkeit und Selbstständigkeit zurückgegeben.

Der Diabetikerwarnhund von Frau Oberenzer weckt sie, wenn sie nachts unterzuckert, alarmiert sie beim Spaziergang, wenn ihr Blutzucker sinkt (und inzwischen auch, wenn er zu hoch ist), kann ihr im Notfall das Blutzuckermessgerät oder Saft bringen oder Hilfe holen. Durch ihn kann sie endlich wieder ein halbwegs „normales“ Leben führen. Denn ihre Hypo-Wahrnehmungsstörungen sind kein Problem mehr, weil ihr Diabetikerwarnhund sie meist schon informiert, bevor ihre Blutzucker-Werte richtig tief sinken. Hinzu kommt, dass sie sich sicher sein kann, dass ihr Hund Hilfe holen wird, falls sie doch einmal bewusstlos irgendwo liegen sollte. Für Frau Oberenzer war das wirklich die Lösung. Oberenzer: „Ich sage immer, er ist mein Engel auf 4 Pfoten und ist mehr wert als alles Gold der Welt. Und weil er mir wortwörtlich das Leben gerettet hat, habe ich beschlossen, auch andere Diabetikern in Deutschland von so einer Hilfe profitieren zu lassen.“

Simone Oberenzer absolvierte Fortbildungen für Hundetrainer und inzwischen ist sie Mitglied im Internationalen Verein für Behindertenbegleithunde (IAADP) sowie der größten internationalen Organisation für Hundetrainer (APDT). Im Rahmen eines regionalen Projekts bildet sie ehrenamtlich Diabetikerwarnhunde aus. Doch inzwischen sind die Anfragen zu zahlreich geworden, um diese Tätigkeit ehrenamtlich zu bewältigen. Deshalb hat sich Oberenzer entschieden, in der Hundeschule „Hunde für Diabetiker und andere Servicehunde“ Diabetikern zu helfen, den eigenen Diabetikerwarnhund auszubilden.

Um auch bundesweit Diabetikern die Möglichkeit zu geben, einen solchen gut ausgebildeten Anzeigehund zu bekommen, wird in Zusammenarbeit mit „Servicehund Deutschland“ eine Ausbildung zum Diabetikerwarnhund in Wochenendseminaren stattfinden. Für diese Ausbildung findet bereits am 21. Juni in Bremen ein Informationsseminar statt.