News-Archiv: 2008

Therapie des Typ-2-Diabetes

(2008) diabetes-news-insulintherapie-zu-spaet

Die Inselzellen leben lassen!

Meist werden deutsche Typ-2-Diabetiker erst mit Insulin behandelt, wenn der HbA1c 9% übersteigt. Eine zu späte Umstellung auf eine indizierte Insulintherapie kann den Krankheitsverlauf beschleunigen.Studien in fünf Ländern (Deutschland, Frankreich, Italien, Spanien, Vereinigtes Königreich) haben ergeben, dass Diabetiker in Europa im Durchschnitt erst bei einem HbA1c-Wert von 9,6 und einem Body Mass Index von 30 auf eine Insulintherapie umgestellt werden. In Deutschland geschieht dies etwa bei einem HbA1c von 9%1. Viel zu spät, sagen Experten. Bei einem HbA1c von 6,5% setzen sowohl die Europäische Diabetes Föderation (IDF) als auch die Praxisleitlinie der Deutschen Diabetesgesellschaft die Grenze, die einzuhalten ist, um Folgeschäden zu vermeiden.

Mit dem Blutzucker steigt das Risiko

„Jede Steigerung des HbA1c um nur 1%, verdoppelt etwa das Risiko von Komplikationen“, sagte der Diabetesexperte Dr. med. Andreas Liebl, Bad Heilbrunn, auf einem Diabeteskongress. Man dürfe nicht, wie oft praktiziert, einfach das Versagen der Tablettenbehandlung abwarten. Nach heutigem Wissen beschleunigt sich durch die Gabe von Sulfonylharnstoffen das fortschreitende Versagen der Betazellen, die in der Bauchspeicheldrüse für die Insulinproduktion zuständig sind. Viele diabetische Patienten – und auch ihre Ärzte – müssten die Vorstellung korrigieren, diese Art der Behandlung bedeute das „Endstadium“ der Zuckerkrankheit, ergänzte Prof. Eberhard Standl, München. Die Insulinbehandlung, zum rechten Zeitpunkt eingesetzt, helfe, die Krankheit in den Griff zu bekommen und die Lebensqualität zu steigern.

Patienten brauchen mehr Informationen

Gerade die schlecht kontrollierten Diabetiker sind über ihre Krankheit meist schlecht informiert, so das Ergebnis der Studie „Choose Control“. Für diese Untersuchung hatte man 787 Patienten befragt, deren HbA1c trotz antidiabetischer Behandlung oberhalb der länderspezifischen Empfehlungen lag. Man ermittelte neben dem verzuckerten Hämoglobin Daten zu Gewicht, Ernährung, Art der Behandlung und fragte die Patienten, wie sie ihre Krankheit einschätzen und bewältigen. Bis zu zwei Drittel der Befragten hielten ihre Zuckerkrankheit für „mild“ – obwohl sie außer Kontrolle war. In Deutschland lag die Rate krasser Fehleinschätzung noch relativ niedrig, bei 7%. Insgesamt fehlte viel Basiswissen: „Nur zwei Prozent der Patienten vermochten genau zu beurteilen, was der HbA1c-Wert bedeutet“, so Prof. Standl.

Betazellen: Niedergang unvermeidlich?

Betazellen heißen die Zellen, die im Inselapparat der Bauchspeicheldrüse blutzuckersenkendes Insulin produzieren und ins Blut abgeben. Seit der UKPDS-Studie (1980er Jahre) weiß man, dass ihre Funktion meist schon zum Zeitpunkt der Diagnose eines Typ-2-Diabetes vermindert ist.Die Betazell-Funktion nimmt im Verlauf der Krankheit unerbittlich weiter ab, unabhängig von der Art der Studienmedikation. Heute geht man davon aus, dass ein Defekt der Betazellen schon in Vorstadien des Diabetes eintritt. Vor diesem Hintergrund wird die verbreitete Erstlinien-Behandlung mit Sulfonylharnstoffen kritisch gesehen: Sie vermag zwar für eine gewisse Zeit den Stoffwechsel zu stabilisieren, indem sie die Insulinsekretion der Betazellen noch einmal steigert. Doch diese „Dauerbefeuerung“ hält den Niedergang der Betazellen nicht auf, sondern beschleunigt ihn sogar. Ein Ausweg aus diesem Teufelskreis kann womöglich die frühzeitigere Behandlung mit Inkretin-Verstärkern oder, zu gegebener Zeit, mit Insulin bieten. Zu den Inkretin-Verstärkern zählen Inkretinmimetikum (wie Exenatid) und DPP-4-Hemmstoffe (wie Sitagliptin und Vildagliptin).

1 INSTIGATE / Choose Control- Studie

Der Einfluss von Lebensgewohnheiten

(2008) diabetes-news-diabetes-mobil

Ohne Medikamente Diabetes Typ 2 erfolgreich behandeln

Mehr Lebensqualität durch P.A.T.E Methode

Tpy2-Diabetiker dürfen hoffen! Diabetes Typ 2 lässt sich durch die konsequente Umstellung einiger Lebensgewohnheiten auch ohne den Einsatz von Medikamenten erfolgreich behandeln. Regelmäßige Bewegung und gesunde Ernährung senken nicht nur den Bedarf an Medikamenten, sondern es steigt auch das individuelle Wohlbefinden.

Die Diabetes-MOBIL-Studie, die im Juli 2008 in der aktuellen Ausgabe der renommierten Fachzeitschrift „Diabetes, Stoffwechsel und Herz“ veröffentlicht wurde, bestätigt diese Erkenntnisse. Die Bilanz der sechsmonatigen Untersuchung ist durchweg positiv: Das Risiko für diabetesbedingte Folgekrankheiten wie zum Beipiel Herzinfarkt reduzierte sich signifikant. Patienten, die zu Beginn kaum einen 10-minütigen Spaziergang bewältigen konnten, nahmen zum Abschluss der Studie ohne Probleme eine Stunde am Walking teil. Sämtliche Blutwerte verbesserten sich deutlich und die Teilnehmer bestätigten ein größeres Wohlbefinden sowie eine gesteigerte Lebensqualität. Einige Patienten kamen nach der erfolgreichen Umstellung der Lebensgewohnheiten sogar komplett ohne Medikamente oder Insulinspritzen aus.

Bereits in der Vergangenheit kamen große Präventions-Studien aus Finnland und den USA zu den Ergebnissen, dass die Entstehung eines Typ 2 Diabetes verhindert werden kann. Die langfristig begleitenden Lebensstil-Änderungen waren bei diesen Untersuchungen doppelt so erfolgreich wie der Einsatz von Medikamenten. „Mit der Diabetes-MOBIL-Studie konnten wir nun zeigen, dass auch Patienten, die schon 10 Jahre an Diabetes erkrankt sind, von solchen Lebensstil-Änderungen erheblich profitieren“, verdeutlicht Diabetes-MOBIL-Geschäftsführerin Gabriele Faber-Heinemann die große Bedeutung der Studie. „Krankheiten, die durch falsche Lebensgewohnheiten entstanden sind, lassen sich mit regelmäßiger Bewegung und Ernährungsumstellungen erfolgreich eindämmen oder gar besiegen.“ Auch der Blutdruck und der Fettstoffwechsel, beides die größten Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Krankheiten, lassen sich demnach mit Änderungen der Lebensgewohnheiten verbessern.

Besonders wichtig bei Lebensstil-Interventionen ist es, dass die Patienten Spaß dabei haben und sie frühzeitig Erfolge erleben. Hier hat sich die bei der Diabetes-MOBIL-Studie angewandte P.A.T.E Methode (Planen – Aktivieren – Trainieren – Erhalten) bewährt. Dabei werden die Patienten während der vier Phasen auf dem Weg zur Umstellung der Lebensgewohnheiten von einem Coach mit Erfahrung in der Patientenberatung begleitet.

Der Coach ermittelt dabei die Motive des Einzelnen und vereinbart mit ihm gemeinsam individuelle Ziele. In einer Gruppe Gleichgesinnter werden die Teilnehmer Schritt für Schritt zu einer gesünderen Ernährung und mehr Bewegung geführt. Die Gruppendynamik trägt erheblich dazu bei, dass sie gerne und regelmäßig zu den Treffen kommen und ihnen dadurch eine dauerhafte Umstellung ihrer Ernährungs- und Bewegungsgewohnheiten gelingt.

Hintergrund Diabetes-MOBIL:

Das Unternehmen Diabetes-MOBIL wurde im Jahr 2005 von Gabriele Faber-Heinemann und Prof. Dr. Lutz Heinemann als gemeinnützige GmbH mit Sitz in Düsseldorf gegründet. Erklärtes Ziel ist die MOtivation und Begleitung bei der Implementation von Lebensstil-Änderungen bei Diabetes-Patienten, woraus sich der Firmenname ableitet. Zu diesem Zweck entwickelten die Düsseldorfer die P.A.T.E Methode (Planen – Aktivieren – Trainieren – Erhalten). Für deren praktische Umsetzung begleitet ein ausgebildeter „Diabetes-Pate“ die Diabetiker bei der Umstellung ihrer Lebensgewohnheiten. Er hilft nicht nur dabei, die Ernährungs- und Bewegungsgewohnheiten zu verbessern und in den Alltag einzugliedern, sondern vermittelt auch Hintergrundwissen und beantwortet die vielfältigen Fragen der Patienten.

Tod durch Infarkt ist das Problem

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Kampagne „Diabetes ist Herzenssache“ klärt auf

Über 75% aller Diabetiker versterben an Gefäßkomplikationen und davon mehr als die Hälfte an akutem Herzinfarkt. „Ein bisschen auf den Zucker achten, ein wenig Diät halten – das reicht schon aus“, so denken viele der fast 8 Millionen Menschen mit Diabetes in Deutschland. Beunruhigend ist: Genauso hoch ist auch die Anzahl derer, die noch gar nicht wissen, dass sie bereits Vorstufen der heimtückischen Erkrankung in sich tragen. Die Folgen sind fatal, denn die tödliche Gefahr fürs Herz lauert still, oft fehlt die eindeutige Symptomatik. „Erst mit der Herzerkrankung habe ich gemerkt, was der Diabetes eigentlich anrichtet“, sagt Patient Günther K. aus Ostwestfalen. Vor diesem Hintergrund hat die Stiftung „Der herzkranke Diabetiker“ (DHD) gemeinsam mit den Bundesverbänden niedergelassener Diabetologen und Kardiologen (BVND/BNK) die Kampagne „Diabetes ist Herzenssache“ ins Leben gerufen. Bundesweit informieren alle diabetologischen und kardiologischen Praxen mit Plakaten, Broschüren und Postkarten, bieten den Risikocheck an und im nächsten Schritt sollen Hausärzte und Apotheken folgen.

Ärzte und Patienten müssen verstehen, dass die rechtzeitige Behandlung von Risikofaktoren wie Blutdruck, Blutfette und Blutzucker die Prognose entscheidend beeinflusst“, sagt Professor Diethelm Tschöpe, Vorsitzender der Stiftung DHD. Die Kooperation zwischen Diabetologen, Kardiologen und Hausärzten sei dringend erforderlich, denn die Erkrankung müsse systematisch und interdisziplinär behandelt werden.

Die Versorgungsrealität gestaltet sich aber schwierig. Neben fehlenden gesundheitspolitischen Rahmenbedingungen mangelt es auch am Problembewusstsein in der Bevölkerung, vor allem bei Menschen, die ein hohes Risiko in sich tragen. So wissen herzkranke Patienten meist nicht, dass ein gestörter Glukosestoffwechsel gepaart mit Bluthochdruck die eigentliche Ursache ihrer Erkrankung ist. Und viele Diabetiker kennen zwar die Folgekomplikationen für Augen, Nieren und Beine, unterschätzen aber das Risiko für kardiale Ereignisse.

Neue Kosten-Nutzen-Bewertung von Arzneimitteln

(2008)

IQWiG-Konzept für neue Methode der Kosten-Nutzen-Bewertung von Arzneimitteln. Gesundheitsökonomen und IQWiG favorisieren „Analyse der Effizienzgrenze“. Der Entwurf soll in den kommenden Monaten breit diskutiert werden.

Mit der letzten Gesundheitsreform (GKV-WSG) hat der Gesetzgeber die Aufgaben des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) erweitert: Bislang konnte es Arzneimittel nur in Hinblick auf ihren medizinischen Nutzen bewerten. In Zukunft soll das Institut jedoch ebenso die Kosten der Arzneimittel in Betracht ziehen und in ein Verhältnis zu dem zuvor ermittelten medizinischen Nutzen setzen. Am 24. Januar 2008 schlug das IQWiG eine Methode vor, die in den kommenden Monaten in der (Fach-)Öffentlichkeit breit diskutiert werden soll.

Entscheidungshilfe für die Selbstverwaltung

Laut Gesetz sollen die Ergebnisse des IQWiG einerseits dem Spitzenverband Bund der Krankenkassen (SpiBu) als Grundlage dazu dienen, Höchstbeträge für bestimmte Medikamente festzulegen, die nicht in eine Festbetragsgruppe einbezogen werden können. Andererseits können die Ergebnisse des IQWiG dem Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) helfen, die Wirtschaftlichkeit von Therapien zu beurteilen. Denn bislang gibt es in Deutschland kein transparentes und formal akzeptiertes Verfahren, mit dem der medizinische Nutzen einer Behandlung gegen die dabei anfallenden Kosten abgewogen werden kann. Dies ist aber Voraussetzung für die Entscheidung, welche Kosten bei welchem Nutzen der Versichertengemeinschaft in angemessener Weise zugemutet werden können.

Prinzipiell für alle medizinischen Technologien geeignet

Das mit Unterstützung einer Gruppe internationaler Gesundheitsökonomen und unter Beratung des wissenschaftlichen Beirates des IQWiG entwickelte Konzept favorisiert die „Analyse der Effizienzgrenze“. Sie lässt sich sehr flexibel zum Vergleich der Kosten-Nutzen-Relation einer beliebigen Zahl von Therapiealternativen nutzen. Dieses Konzept schließt als zweites Element der Bewertung eine „Budget-Impact-Analyse“ oder „Budget-Einfluss-Analyse“ ein. Mit ihr lässt sich abschätzen, wie sich eine Entscheidung auf die Ausgaben im Gesundheitswesen insgesamt auswirken kann. Entwickelt wurde das Konzept als Antwort auf die Gesetzesreform, die in § 35b Sozialgesetzbuch V eine Bewertung des Kosten-Nutzen-Verhältnisses für Arzneimittel vorsieht. Mit der vorgeschlagenen Methode können aber prinzipiell alle medizinischen Technologien bewertet werden.

Effizienzgrenze bildet bisher bestehende Kosten-Nutzen-Relationen ab

Gesundheitsökonomen bezeichnen eine medizinische Intervention im Vergleich zu einer anderen als „effizient“, wenn sie bei gleichen Kosten einen höheren Nutzen aufweist oder bei gleichem Nutzen kostengünstiger ist. Die „Effizienzgrenze“ wird bildlich dargestellt als eine Kurve, die die effizientesten Maßnahmen verbindet. Die Koordinaten dieser Punkte werden zum einen bestimmt durch Nutzen-Einheiten. Diese bilden entweder direkt Aspekte patientenrelevanten Nutzens ab, wie etwa eine Verbesserung des Gesundheitszustandes oder der Lebensqualität, eine Verkürzung der Krankheitsdauer, eine Verlängerung der Lebensdauer oder eine Verringerung von Nebenwirkungen. Je nach Fragestellung kann es aber auch notwendig sein, aus diesen direkten Nutzenaspekten zunächst wertende Gewichtungen abzuleiten, um sie dann auf der Nutzen-Achse aufzutragen. Zum anderen sind es die Kosten, die die Lage der Punkte bestimmen: Auf der Kosten-Achse werden die Kosten abgebildet, die entstehen, um den zuvor bestimmten speziellen Nutzen zu erreichen. So macht die grafische Darstellung auf einen Blick deutlich, welche bestehenden Therapien effizient sind und welche nicht.

Mit Hilfe der Grafik lässt sich auch ein angemessener Preis für ein neues Medikament („Höchstbetrag“) beschreiben: Bei Medikamenten, die nützlicher aber teurer als die bisher verwendeten sind, kann ermittelt werden, wo ihr Preis liegen müsste, damit das Kosten-Nutzen-Verhältnis im akzeptierten Effizienzbereich liegt.

Medizinischer Nutzen geht vor Kosten

Die Bewertung des medizinischen Nutzens ist durchweg mit einer höheren Priorität belegt als die Kosten-Nutzen-Bewertung. So bleibt der Nutzen Fundament der ökonomischen Entscheidung. Das bringt die Garantie, dass die für den Patienten tatsächlich wichtigen Nutzenaspekte in die Bewertung eingehen, wie etwa eine geringere Krankheitsdauer oder weniger Nebenwirkungen.

Der SpiBu kann auf Basis einer IQWiG-Kosten-Nutzen-Bewertung einen Höchstbetrag für Arzneimittel festlegen, bis zu dem die Krankenkassen zur Übernahme der Kosten verpflichtet sind. Die Hersteller können daraufhin den Preis senken oder auch nicht. Wenn sie dies nicht tun, werden die Patienten mit der Differenz zwischen Herstellerpreis und Höchstbetrag belastet. Das Prinzip der vorgeschalteten Nutzenbewertung stellt aber sicher, dass nur solche Arzneimittel einer Kosten-Nutzen-Bewertung unterzogen und danach möglicherweise nicht mehr voll erstattet werden, für die es eine zweckmäßige Alternative gibt.

Kein indikationsübergreifender Vergleich

Jede Erkrankung wird für sich bewertet, das heißt, es werden keine indikationsübergreifenden Vergleiche angestellt. Denn bislang lässt sich die Frage, ob Krebs „schlimmer“ ist und damit möglicherweise höhere Ausgaben rechtfertigt als beispielsweise ein Schlaganfall, wissenschaftlich nicht beantworten. Die Antwort wäre immer durch subjektive Werturteile geprägt und könnte einzelne Patientengruppen benachteiligen.

Alle relevanten Therapiealternativen und Kosten einbeziehen

Um bei der Anwendung dieser Methode einen fairen Vergleich zu gewährleisten, müssen mehrere Bedingungen erfüllt sein: Zunächst müssen die relevanten Therapiealternativen für eine bestimmte Erkrankung darin abgebildet sein. Andernfalls könnte sich der Verlauf der Kurve ändern, was unmittelbare Auswirkungen auf die Höhe des angemessenen Preises hätte. Zudem müssen die wesentlichen Kosten berücksichtigt werden: Neben den Ausgaben der Krankenkassen können dazu auch Zuzahlungen der Patienten zählen.

Modellierung dient Abschätzung langfristiger Kosten

Beim Abwägen von Kosten und Nutzen sollte der zu betrachtende Zeitraum den Verlauf der Erkrankung sinnvoll abbilden. Klinische Studien sind aber in der Regel wesentlich kürzer angelegt, weshalb für die Kostenseite Modellrechnungen nötig sein werden. Wie jede Vorhersage sind solche Modellrechnungen allerdings mit Unsicherheiten behaftet. Das IQWiG wird überprüfen, wie sich diese Unsicherheiten auf die Ergebnisse auswirken können.

Kein internationaler „Goldstandard“ verfügbar

Gemäß der gesetzlichen Vorgabe, nicht nur den Nutzen, sondern auch dessen Verhältnis zu den Kosten nach international anerkannten wissenschaftlichen Standards zu ermitteln, hat das IQWiG eine Gruppe von hochrangigen Gesundheitsökonomen aus acht Ländern beauftragt. Sie sollten prüfen, welche Ansätze und Werkzeuge sich für die speziellen deutschen Gegebenheiten eignen. Wie die Experten feststellten, gibt es keinen „Goldstandard“ für gesundheitsökonomische Bewertungen, der international anerkannt ist. Zudem sind Verfahren aus anderen Ländern in der Regel nicht auf Deutschland übertragbar, weil sich die jeweiligen Gesundheitssysteme stark unterscheiden. Nach Auffassung des internationalen Gremiums wird die „Analyse der Effizienzgrenze“ den Bedingungen in Deutschland am besten gerecht.

IQWiG wünscht sich gesellschaftlichen Konsens

Der jetzt präsentierte Vorschlag beschreibt den Rahmen der Methodik; Detailfragen sollen erst vorgestellt und diskutiert werden, wenn man sich über das Prinzip verständigt hat. „Weil es bei der Kosten-Nutzen-Bewertung nicht nur um rein wissenschaftliche, sondern auch um normative Fragen geht, brauchen wir einen gesellschaftlichen Konsens. Andernfalls würden Entscheidungen, die später aufgrund von konkreten Kosten-Nutzen-Bewertungen gefällt werden, nicht die nötige Akzeptanz finden“, sagt Institutsleiter Peter Sawicki. Die Methode trenne Spreu vom Weizen und motiviere die Hersteller, möglichst nützliche Produkte zu entwickeln. „Denn nur für diese Produkte wird sich ein höherer Preis erzielen lassen. So wird die Qualität in der Medizin steigen“, erwartet Sawicki.

Bis zum 31. März 2008 nimmt das IQWiG schriftliche Stellungnahmen entgegen und wird mit Gremien und Fachleuten aus Gesundheitswesen, Wissenschaft und Politik diskutieren. Eine erste große öffentliche Veranstaltung, die sich vor allem an wissenschaftlich Interessierte richtet, wird am 26. Februar 2008 in Berlin stattfinden. Nach Abschluss dieser Konsultationsphase wird das Institut die gültige Methodenversion publizieren.

Grippe-Impfung

(2008)

Grippe-Impfung ist wichtig für chronisch Kranke

Impfung senkt die Zahl der Grippe-Toten bei Diabetikern auf die Hälfte!

Kein Diabetiker sollte die jährliche Grippe-Impfung versäumen. Diese Forderung ergab sich aus den Erkenntinissen der Autoren einer holländischen Studie, in der der Nutzen der Impfung für Menschen mit Diabetes genauer nachgeprüft worden ist: Die Grippe-Impfung verhinderte während einer Grippeepidemie bei Patienten mit Diabetes mehr als die Hälfte aller Krankheitskomplikationen, Krankenhauseinweisungen und Todesfälle.

Diabetiker zählen neben den an chronischen Herz-Kreislauf- und Atemwegserkrankungen leidenden Menschen und den über 60-Jährigen zu den Risikogruppen für schwere Lungenentzündungen durch Grippe-Viren und Pneumokokken-Bakterien. Trotz der offiziellen Empfehlungen für diese Personengruppen nehmen viele den Impfschutz gegen Pneumokokken-Erkrankungen und Grippe nicht für sich in Aspruch. „Wir hoffen, dass die Veröffentlichung dieser Studienergebnisse mehr Menschen mit Diabetes ermutigt, das Angebot zur Vorbeugung zu nutzen“, so Dr. Eva-Maria Fach, erste Vorsitzende des Bundesverbandes niedergelassener Diabetologen e. V. (BVND).

Die Studie, in der rund 9.000 Diabetiker während der Grippeepidemie 1999/2000 berücksichtigt wurden, brachte das Ergebnis, dass die Impfung 54% der Patienten eine Krankenhauseinweisung ersparte. Zudem traten bei geimpften Diabetikern nur halb so oft Komplikationen auf wie in der Kontrollgruppe der nicht geimpften Diabetiker. Bei älteren Diabetes-Patienten bewirkte die Impfung vor allem eine niedrigere Sterberate: Sie verhinderte jeden zweiten Todesfall. Dass die Grippe-Impfung auch älteren Menschen ohne Diabetes viel Leid ersparen kann, zeigte eine Forschergruppe um Kristin Nichol kürzlich in einer groß angelegten Studie: Die Impfung verringerte die Zahl der Krankenhauseinweisungen aufgrund einer Lungenentzündung oder Grippe und die Sterberate deutlich.

Im Laufe einer durchschnittlichen Grippe-Saison schlagen in Deutschland jährlich bis zu fünf Millionen zusätzliche Arztbesuche zu Buche. Rund 10.000 Menschen sterben an den Folgen der Grippe. Zum Vergleich: Im Jahr 2006 kamen rund 5.000 Menschen im Straßenverkehr ums Leben. Chronisch Kranke und alte Menschen sind anfälliger für eine Grippeerkrankung und deshalb während einer Grippeepidemie besonders gefährdet. Die Grippe-Viren ebnen häufig anderen gefährlichen Erregern den Weg und bereiten so den Boden für Erkrankungen, die mit der Grippe-Impfung leicht zu vermeiden gewesen wären. Besonders Pneumokokken-Bakterien profitieren von der Schwächung des Immunsystems. Sie können in einer Grippe-Phase leichter in den Körper eindringen und rufen dann schwere Erkrankungen, wie z. B. Lungenentzündung, hervor.

Die Ständige Impfkommission (STIKO) am Robert Koch-Institut in Berlin empfiehlt deshalb chronisch Kranken und alten Menschen, sich gegen Grippe und Pneumokokken-Erkrankungen impfen zu lassen. Die Impfung ist eines der besten Mittel, schweren Grippe- oder Pneumokokken-Erkrankungen wirksam vorzubeugen.

Die Grippe-Impfung ist jährlich im Herbst fällig. Sie wird mit dem aktuellen Impfstoff vorgenommen, der auf die Viren abgestimmt ist, die sich zurzeit in Umlauf befinden. Dagegen kann die Impfung gegen Pneumokokken-Erkrankungen ganzjährig erfolgen. Beide Impfungen sind bewährt und gut verträglich. Die Kosten für die Impfungen werden für über 60-Jährige und chronisch Kranke von den Krankenkassen übernommen.

Weitere Informationen rund um das Thema Impfen bei

Impfen Aktuell
Ober-Ramstädter-Straße 96, 64367 Mühltal
Internet: www.impfenaktuell.de
Email: info@impfenaktuell.de
Ärztliche Telefonsprechstunde montags von 14 bis 17 Uhr unter der Telefonnummer 06151 1369925

Produkte und Serviceleistungen

(2008) diabetes-news-diaexpert-katalog

Diabetesbedarf auf einen Blick

Liederbach/Ts., 09.Juli 2008. Seit dem 1. April 2008 starten die Teams von DiaExpert und der ehemaligen Florian Müller GmbH zusammen durch – mit dem gemeinsamen Namen „DiaExpert“ und einem neuen Auftritt. Was es alles Neues gibt, zeigt der aktuelle Katalog.

Pumpenträger im Mittelpunkt

Im aktuellen Katalog werden alle Produkte und Serviceleistungen ausführlich vorgestellt. Er bietet einen umfassenden und einzigartigen Überblick über alle modernen Hilfsmittel für die Diabetestherapie. Durch den Zusammenschluss wird DiaExpert zum führenden Versandhändler bei der flächendeckenden Versorgung von Insulinpumpen-Trägern und ICT-Patienten. Ein eigenes Pumpenteam ist nun für die Beratung von Insulinpumpen-Trägern da. Sie können aus dem Katalog oder im Internet unter www.diaexpert.de das komplette Zubehör für Accu-Chek Spirit, Accu-Chek D-TRONplus, Paradigm, Animas und Deltec Cozmo – einschließlich Infusionssets bestellen.

DiaExpert kümmert sich auch um die Erst- und Folgeverordnung dieser Insulinpumpen. Dabei bringt das Team der ehemaligen Florian Müller GmbH viel Erfahrung und Kompetenz ein. Die meisten Berater aus dem Pumpenteam tragen selbst eine Insulinpumpe.

Kompletter Diabetesbedarf

Zubehör für die Blutzucker-Selbstkontrolle und die Insulininjektion gehören ebenso zum DiaExpert-Angebot wie viele weitere Produkte, die sich im Diabetesalltag bewährt haben. Mit kostenlosen Serviceleistungen unterstützt DiaExpert darüber hinaus die Kunden. Dazu gehören unter anderem das Diabetesmagazin feelfree, die Serie Diabetes-Wissen zum Sammeln und Abheften und die Internetseite www.pumpencafe.de für Insulinpumpen-Träger.

Weitere Informationen und Katalogbestellung unter der kostenlosen Servicenummer 0800 3423973 oder im Online-Shop www.diaexpert.de

Diabetes schadet der Blase

(2008)

Dauerhaft erhöhter Blutzucker schwächt die Blasenfunktion

Diabetes schadet der Blase

Die Hälfte aller Diabetiker bekommt langfristig Probleme mit der Blase. Ein vermeidbarer Fehler daran ist, dass viele Betroffene gar nicht wissen, dass ein hoher Blutzuckerspiegel der Blase schadet. Doch mit der Dauer einer Diabetes-Erkrankung steigt die Wahrscheinlichkeit einer Inkontinenz immer mehr an.

Auch wenn heute noch immer nicht eindeutig geklärt ist, auf welchem Wege der Diabetes mellitus den Harntrakt in seiner Funktion beeinträchtigt, so steht doch mindestens eines fest: Ein dauerhaft erhöhter Blutzucker schädigt die Blasennerven. Bei vielen Patienten äußert sich das in Form einer überaktiven Blase: Die Muskulatur der Blasenwand zieht sich spontan zusammen, um die Blase zu entleeren – obwohl sie noch gar nicht voll ist. Aufgrund des quälenden Harndrangs wird der Weg zur nächsten Toilette für viele zu lang, so dass die Urinabgabe, weil sie oft nicht mehr der eigenen willentlichen Kontrolle unterliegt, zu früh erfolgt.

Andere Diabetiker nehmen lange Zeit die Funktionseinschränkung ihrer Blase gar nicht wahr. Sie verlieren das Gefühl dafür, dass ihre Blase sich immer mehr füllt. Dadurch können sich große Harnmengen dort sammeln, ohne dass die Betroffenen Harndrang verspüren. Der ständig vorhandene Urin liefert den Nährboden für Harnwegsinfekte. Im äußersten Fall kommt es zu einer Überlaufinkontinenz: Die prallvolle Blase kann sich aktiv nicht mehr entleeren, sie läuft dann über und verliert permanent kleine Mengen Urin.

Risikofaktor Zeit

Die Krankheitsdauer spielt beim Einfluss des Diabetes auf die Blasenfunktion eine wesentliche Rolle. „Diabetiker, die länger als zehn Jahre an einem erhöhten Blutzuckerspiegel leiden, erkranken doppelt so häufig an einer Blasenschwäche wie stoffwechselgesunde Menschen. Dieser Zusammenhang ist nicht nur wenig bekannt, meist wird auch vielen Betroffenen erst zu spät bewusst, dass sie ein Problem mit ihrer Blase haben“, so Erhard Hackler, geschäftsführender Vorstand der Deutschen Seniorenliga. Unbehandelt können die Probleme mit der Blase zu schwerer Inkontinenz führen. Diabetiker sollten daher sowohl den Blutzucker regelmäßig kontrollieren, als auch ihre Blasenfunktion im Blick haben.

Gezielte Kontrolle hilft vorbeugen

Ein normaler Blutzuckerspiegel schützt am besten vor den zahlreichen Folgeerkrankungen, die durch Diabetes hervorgerufen werden können. Vermeintliche Alterserscheinungen wie die Blasenschwäche bessern sich oft sogar, wenn der Blutzucker gut eingestellt ist. Experten empfehlen zudem, dass sich Diabetiker beim Arzt gezielt untersuchen lassen, um mögliche Probleme mit der Blase rechtzeitig zu erkennen und ein Fortschreiten der Funktionsstörung zu verhindern.

Mit der Broschüre „Blasenschwäche ist kein Schicksal“ informiert die Deutsche Seniorenliga (DSL) über Ursachen, Symptome und Behandlungsformen der Inkontinenz. Sie gibt praktische Tipps für den Alltag und möchte Mut machen, aktiv gegen Blasenprobleme vorzugehen. Der kostenlose Ratgeber kann im Internet oder schriftlich bei der DSL bestellt werden.

Bestelladresse
Deutsche Seniorenliga e.V.
Heilsbachstraße 32
53123 Bonn
www.dsl-blasenschwaeche.de

Bewegung

(2008) diabetes-news-trimm-dich-fit

Das Stadium daheim

Mit Bewegung einfach mal anzufangen ist das Ziel der Aktion „Trimm Dich fit“, die im Juli gestartet wurde. Statt olympischer Hochleistungen geht es dabei um einfache Übungen, die in den Alltag integriert werden.Typ-2-Diabetiker probieren das von Daniel Schnelting (links im blauen T-Shirt) und Dr. med. Thomas Wessinghage (daneben in Weiß) entwickelte Trich-Dich-fit-Programm aus.

Über Bewegung nicht nur reden, das ist das Motto des alljährlichen Laufs im Rahmen der Jahrestagung der Deutschen Diabetes Gesellschaft. Ganz in diesem Sinne ist auch eine Aktion, die die Barmer Krankenkasse und Roche Diagnostics jetzt in Frankfurt am Main ins Leben gerufen haben, natürlich mit einem eigenen Wahlspruch: „Trimm Dich fit – Schritt für Schritt zu besseren Blutzuckerwerten“.

Auch wenn mit Ex-Europameister Dr. med. Thomas Wessinghage und dem aktuell schnellstem Deutschen, dem Typ-1-Diabetiker Daniel Schnelting, gleich zwei Top-Athleten den Aktionstag am Main leiteten, ist das Programm genau das Gegenteil von Hochleistungssport und Olympia-Vorbereitung, es geht um Bewegung für Anfänger. Wessinghage, heute ärztlicher Direktor der Medical Park-Kliniken Bad Wiessee und Bewegungsexperte, hat mit Schnelting zu „Trimm Dich fit“ einen gleichnamigen Pass entwickelt, der fünf einfache Übungen umfasst und Typ-2-Diabetiker einlädt, ihre im Laufe der Zeit entwickelten Vorurteile und Ängste vor Bewegung ganz praktisch abzubauen. Für einen solchen Einstieg in ein aktiveres Leben rät Wessinghage so zu beginnen, dass man sich nach der Bewegung besser fühlt als vorher – auch wenn das anfangs nur drei Minuten sind. „Man kommt nach Hause und sagt: Das war aber schön!“ gibt der 5.000-Meter-Europameister von 1982 als Marschroute aus, damit die Anfangsmotivation nicht gleich nach der ersten Einheit „Sport“ schon wieder dahin ist. Dementsprechend sind auch die Übungen im Pass, es beginnt mit dem Storchengang, aufrecht stehen und im ruhigen Wechsel die Knie bis auf Hüfthöhe anheben ist gefragt, am besten 20 mal pro Seite. „Im Eilschritt“ geht es dann weiter, dahinter verbergen sich zehn Schritte im zügigen Tempo, gefolgt von zwanzig Schritten etwas langsamer.

Auf die Bewegung kommt es an

Die rund 20 Diabetiker, die der Einladung zum Aktionstag gefolgt waren, machten ihre Übungen am Mainufer und bildeten mit ihren „Eilschritten“ einen bemerkenswerten Kontrast zu den vorbeisausenden Joggern und Radfahrern. Wer sich durch solche Klasseunterschiede stören lässt, ruft sich am besten die Worte Wessinghages ins Gedächtnis: Nachhaltigkeit von Aktivität kommt von Einfachheit und Integrierbarkeit in den Alltag, Regelmäßigkeit, nicht das Super-Training einmal alle 14 Tage zählen. Und so werden im „Trimm Dich fit-Pass“ auch zu jeder Übung „Alltag aktiv“-Tipps gegeben, der Storchengang muss zum Beispiel nicht im Park mit den Joggern gemacht werden, das geht auch beim Telefonieren oder Zähne Putzen. Die Eilschritte wiederum sind ideal, um noch bei Grün über die Ampel zu kommen, bevor die umspringt. Sport? Nein, auf die Bewegung kommt es an.

Biofeedback selbst gemacht

Im Pass gibt es nicht nur die Bewegungstipps, sondern auch Hinweise, wie man dem Körpergefühl auf die Sprünge helfen kann. Dessen Fehlen sei, so Wessinghage, das Problem des Typ-2-Diabetikers, er ist damit genau das Gegenteil des Leistungssportlers. So erzählte Top-Leichtathlet Schnelting in Frankfurt, dass er genau merkt, wenn seine Werte nicht stimmen – dann passt auch die Leistung nicht.

Der 200-Meter-Meister kennt auch präzise den Effekt von Sport auf seinen Stoffwechsel, allein die Umstellung von „normalem“ Training auf ein intensiveres Trainingslager dauere eine Woche und gehe einher mit einer auf rund die Hälfte reduzierten Insulinmenge. Damit auch die Bewegungsanfänger ein Gefühl für die Wirkung selbst kleiner Dosen Aktivität bekommen, gibt es im Pass Felder zum Eintragen des Blutzuckers vor und nach allen fünf Übungen sowie des Pulses vor und nach der Übung „Treppensteigen“. Auch die Anzahl der Schritt sollte mit einem Schrittzähler erfasst werden, die Dauer der Übung und das Befinden werden ebenfalls notiert – genug Möglichkeiten für die Ambitionierten, sich für das nächste Mal eine Steigerung vorzunehmen. „Die moderne Überschrift über das Ganze wäre Biofeedback“, sagt Wessinghage, auf den Körper zu hören ist auch Ziel der Übung.

Am längeren Hebel

Die Trimm-Dich-fit-Aktion selbst ist ein Schritt auf dem langen Weg zu nichts Geringerem als einem gesunden Lebensstil. „Wir sind nicht in der Lage, mit dem Wohlstand adäquat für unseren Organismus umzugehen“, formulierte Wessinghage in Frankfurt, mit anderen Worten: Unser Alltag macht uns krank.

Nach ein paar Jahrzehnten dieses Alltags lernt man dann Wörter wie „Risikofaktoren“, „Hypertonie“ oder „Cholesterinspiegel“ kennen und glaubt sich in den Fängen der Doktoren und der Pillen. „Die Lösung des Problems ist nicht allein über die Medizin zu erreichen“, betont er, vielmehr gebe es drei Säulen: Disziplinierte Ernährung, Bewegung und moderne medizinische Therapie. Er zitierte eine vor wenigen Jahren im New England Journal of Medicine publizierte Studie, die die Konversion von Risikopatienten zu Typ-2-Diabetikern mit einer Metformin-Therapie oder Bewegung über vier Jahre untersuchte; ein Drittel der Teilnehmer unter dem Pharmakon konnten vor der Krankheit bewahrt werden, sogar zwei Drittel aber durch eine Umstellung der Lebensweise. „Unser Hebel ist doppelt so groß wie der der Medizin“, schlussfolgerte Wessinghause für „seine“ Sache. Bei nur 500 Kilokalorien zusätzlichem Verbrauch beginnen schon die positiven Effekte auf die Risikofaktoren, betont der Bewegungsexperte, das entspricht zwei Mal zehn Minuten Gassi mit dem Hund. Das Optimum liegt bereits bei dreieinhalb Stunden zügigem Gehen pro Woche, dann könne man alle Herz-/Kreislaufwerte beeinflussen, wobei einzig der Kalorienverbrauch wichtig sei, nicht die Intensität der Bewegung. „Wenn ich mich schnell bewege, bin ich nur früher fertig“, fasste Wessinghage augenzwinkernd zusammen und gab auch gleich noch eine Eselbrücke mit, um sich den Richtwert von dreieinhalb Stunden pro Woche zu merken: Solange sieht der durchschnittliche Deutsche auch fern – am Tag.

Interessierte können den Trimm-Dich-fit-Pass telefonisch beim Accu-Chek-Kunden-Service-Center bestellen. Der Accu-Chek-Kunden-Service ist wochentags zwischen 8 und 18 Uhr erreichbar unter: 0180 2000165 (6 Cent pro Gespräch, mit dem Handy je nach Tarif mehr)

Redaktion: Marcus Sefrin

winDiab gegründet

(2008)

Patientenversorgung im Schwerpunkt der niedergelassenen Diabetologie

Die Leistungsfähigkeit der niedergelassenen Diabetologie ist in den letzten Jahren strukturell und qualitativ stark gewachsen. In den diabetologischen Schwerpunktpraxen wird eine zunehmende Anzahl von Patienten mit Diabetes behandelt, geschult und betreut. Gleichwohl ist die mittel- und langfristige Versorgung von Patienten in der niedergelassenen Diabetologie nicht gesichert: der Erforschung der Versorgungsqualität von Patienten in dieser Behandlungsebene wurde bislang zu wenig Aufmerksamkeit gewidmet und für praktisch-relevante Fragestellungen gab es keine wissenschaftliche Plattform. Auch werden – bedingt durch den Rückbau der klinischen Diabetologie – kaum noch junge Ärzte zu Diabetologen ausgebildet.

Eine Gruppe niedergelassener Diabetologen hat deshalb ein wissenschaftliches Institut gegründet: Unter dem Namen „winDiab – wissenschaftliches Institut der niedergelassenen Diabetologen“ soll auch in Zukunft die patientengerechte Versorgung durch Leistungsnachweis sichergestellt werden.

Der Aufbau einer professionellen Organisationsstruktur ermöglicht die Erstellung eines gemeinsamen Jahres-Qualitätsberichtes; mit patientenzentrierter Versorgungsforschung, Patientenbefragungen und vergleichendem Benchmarking wird Transparenz geschaffen. Auf jegliches Pharma-Sponsoring wird bewusst verzichtet, um unabhängig und unbeeinflusst arbeiten zu können.

Ein erstes kleines Pilotprojekt, mit 30 diabetologischen Schwerpunktpraxen durchgeführt, hat bereits die enorme Leistungsfähigkeit der beteiligten Praxen belegt: mehr als 30.000 behandelte Patienten mit Typ 1 oder Typ 2 Diabetes in einem Quartal und über 100.000 Schulungsstunden für den Umgang mit Diabetes im Alltag.

Die Initiatoren und Gründer von winDiab sind

• Eva Hess, Gregor Hess, Worms
• Jörg v. Hübbenet, Hamburg
• Matthias Kaltheuner, Leverkusen
• Dietmar Krakow, Forcheim
• Martin Lederle, Stadtlohn
• Matthias Molinski, Paderborn
• Gerd Nitzsche, Offenbach
• Martin Reuter, Jena
• Nikolaus Scheper, Marl
• Michael Simonsohn, Frankfurt

Weitere Informationen können bei der Geschäftsführerin Gabriele Faber-Heinemann unter der Telefon-Nummer 0211 4791861 oder unter fragen@winDiab.de abgerufen werden.

Diabetes 1 Neuerkrankungsraten im Ländervergleich

(2008)

Deutliche Unterschiede zwischen den Ländern

Die Neuerkrankungsrate von Diabetes 1 steigt jährlich um 3-5% an. Jedoch gibt es deutliche (und noch nicht erklärbare) Unterschiede zwischen den Ländern, wenn man zum Beispiel die USA, Finnland, Schweden und Deutschland miteinander vergleicht. Bei Kindern bis vierzehn Jahren liegen folgende Neuerkrankungsraten vor:

Finnland ist mit der höchsten Rate an Diabetes1-Neuerkrankungen Spitzenreiter aller einbezogenen Länder: Dort entwickeln jährlich von 100.000 Menschen ca. 60 einen Typ 1 Diabetes. Danach folgt das zweite skandinavische Land: In Schweden erkanken jährlich pro 100.000 Menschen ca. 40 neu. In den USA ist die Rate etwas geringer. Von 100.000 Menschen gibt es dort ca. 25 neu entdeckte Typ 1 Diabetiker. Am wenigsten Neuerkrankungen gibt es in Deutschland. Hier entwickeln etwa 15 Personen pro 100.000 einen Diabetes 1.

Warum diese recht deutlichen Unterschiede von Land zu Land vorhanden sind, ist noch unklar. In Finnland oder Schweden treten Diabetes-Risikogene, die die Entstehung von Typ 1 Diabetes begünstigen, nicht häufiger auf als in Deutschland. Auf dieses Ergebnis stieß die internationale TEDDY (The Environmental Determinants of Diabetes in the Young) Studie, die daran arbeitet, die umweltbedingten Ursachen des Typ 1 Diabetes bei Kindern aufzudecken. Die Wissenschaftler der TEDDY Studie vermuten Umwelteinflüsse, die sich je nach Land unterscheiden und zu unterschiedlichen Neuerkrankungsraten führen.

Neugeborene für TEDDY Studie gesucht

Um die Ursachen von Diabetes 1 erforschen zu können, sucht TEDDY Neugeborene, die ein erhöhtes genetisches Risiko dafür aufweisen. Der große Vorteil für Eltern und ihr Neugeborenes: Als Eingangstest wird das individuelle Typ 1 Diabetesrisiko des Babys kostenlos festgestellt, indem es auf Diabetes-Risikogene untersucht wird. Der damit verbundene Vorteil der Eltern ist die Information, inwieweit Typ 1 Diabetes ihr Kind gefährden kann.

Für die meisten Kinder ist hier die TEDDY Studie schon beendet, da sie kein erhöhtes genetisches Risiko aufweisen. Doch gerade für Kinder von Typ 1 Diabetikern ist die Untersuchung sinnvoll, da sie von vornherein ein höheres Risiko haben als andere Kinder. Sind dazu noch Risikogene vorhanden, sollten die Eltern zumindest darüber Bescheid wissen, um einen möglichen Beginn der Krankheit zu erkennen.

Die Teilnahme an der TEDDY Studie ist ganz einfach und natürlich völlig freiwillig: Kurz nach der Entbindung nimmt der Geburtshelfer ca. 2 Milliliter Nabelschnurblut ab. Anschließend wird das Blut mit der Einverständniserklärung der Eltern an die Forschergruppe Diabetes geschickt. Nach etwa 6 bis 8 Wochen liegt das Ergebnis vor. Bis 3 Monate nach der Geburt kann die Untersuchung nachgeholt werden.

Interessierte Eltern melden sich bei der Forschergruppe Diabetes, Kölner Platz 1, 80804 München, Tel. 0800 33 83 339 oder per Mail: teddy.germany@lrz.uni-muenchen.de. Weitere Informationen im Internet auf www.teddystudy.org