News-Archiv: 2008

Besseres Leben mit Diabetes Typ 2

(2008)

Lebenserwartung bei Diabetes Typ 2 durch multifaktorielle Therapie erhöhen

Typ 2 Diabetiker haben meistens auch mit einem erhöhten Blutdruck und gestörten Blutfettwerten zu kämpfen. Schlechte Blutfettwerte und zu hoher Blutdruck steigern das Risiko für Organschäden und Herz-Kreislauferkrankungen beträchtlich. Studienergebnisse zeigen, dass eine Therapie, die weitere Risikofaktoren neben dem Blutzucker im Auge behält, das Risiko von Folgeerkrankungen deutlich senkt und die Lebenserwartung des Diabetes-Patienten erhöht.Wie Ärzte die Diabetes-Therapie ihrer Patienten optimieren können, ist eines der Themen auf der Pressekonferenz am 7. November 2008 in Berlin anlässlich der diesjährigen Herbsttagung der Deutschen Diabetes-Gesellschaft (DDG).

Im Gegensatz zu der konventionellen Behandlung berücksichtigt die intensive (multifaktorielle) Diabetes-Therapie mehrere Risikofaktoren. Denn bei Patienten mit Typ 2 Diabetes sind oft nicht nur die Blutzuckerwerte erhöht, sondern sie haben meist auch ungünstige Blutfettwerte und einen erhöhten Blutdruck. Darüber hinaus sind ihre Blutplättchen überaktiv, was die Blutgerinnung stört. „Eine zielwertorientierte, multifaktorielle Therapie des Typ 2 Diabetes berücksichtigt alle vorhandenen Risikofaktoren. Dadurch können wir langfristig diabetische Folgeerkrankungen reduzieren und sowohl individuelles Leid als auch Kosten vermindern“, betont Professor Dr. med. Stephan Matthaei, Tagungspräsident der Herbsttagung der DDG und Chefarzt am Diabetes-Zentrum Quakenbrück. Alle behandelnden Ärzte sollten die zielwertorientierte Therapie umsetzen.

Dass sich solche intensiven Bemühungen lohnen, zeigt die STENO-2-Studie, eine Langzeitstudie aus Dänemark. Insgesamt 160 Patienten mit Diabetes Typ 2 wurden in 2 Gruppen entweder konventionell vom Hausarzt oder intensiv multifaktoriell durch ein multidisziplinäres Team behandelt. Die Ärzte hatten strenge Zielvorgaben, insbesondere zu Blutdruck- und Blutfettwerten sowie zur Nahrung und körperlicher Aktivität. „Die aktuelle Analyse der Daten nach 13,3 Jahren Studiendauer belegt, dass die Sterblichkeit in der intensiviert behandelten Gruppe um absolut 20 Prozent abnahm“, erläutert Professor Matthaei. Auch eine frühere Auswertung der Steno-2-Studie nach 8 Jahren zeigte, dass Patienten von einer intensivierten Behandlung profitierten: Ihr Herzinfarkt- und Schlaganfallrisiko halbierte sich. Die Anzahl der Fälle von Nierenversagen oder diabetischen Augenkomplikationen war ebenfalls um 50% reduziert.

„Eine multifaktorielle Therapie ist der herkömmlichen weit überlegen“, folgert Professor Matthaei. Die Lebensqualität der Typ-2-Diabetiker könnte mit dieser umfassenderen Diabetes-Behandlung deutlich angehoben werden. Und auch das Gesundheitsbudget, das jährlich für Diabetes und dessen Folgen aufgewendet werden muss, würde langfristig durch Vermeidung von Folgeerkrankungen kleiner werden.

Zurzeit muss das Gesundheitssystem in Deutschland für den Typ-2-Diabetes etwa 25 Milliarden Euro pro Jahr ausgeben. „Die Kosten für das Gesundheitssystem werden noch weiter ansteigen, wenn wir unsere Patienten mit Typ 2 Diabetes nicht zielwertorientiert und multifaktoriell behandeln“, erklärt Matthaei. Und nach den Einschätzungen der WHO wird die Zahl der Typ-2-Diabetes-Patienten in den nächsten Jahren weiter zunehmen. Erwartet wird eine Steigerung von aktuell 240 Millionen auf 380 Millionen Typ-2-Diabetikern im Jahr 2025.

Die Fort- und Weiterbildung aller Berufsgruppen, die in der Diabetes-Therapie tätig sind, ist ein wichtiges Anliegen der DDG. Die Deutsche Diabetes-Gesellschaft stellt auf ihrer Herbsttagung praxisrelevante Themen und praxisbezogene Workshops in den Mittelpunkt. Das vollständige Tagungsprogramm ist im Internet unter www.herbsttagung-ddg.de abrufbar.

Award for Creative Invention

(2008)

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Prof. Dr. Adam Heller (Mitte) bekommt von Roslyn L. White und dem Präsidenten der ACS Bruce E. Bursten den Award for Creative Invention überreicht

Persönlichkeiten – Diabetes-Edison

Blutzuckermessgerät, Insulinpumpe und kontinuierlicher Glukosesensor – in all diesen technischen Diabetes-Hilfsmitteln arbeiten Erfindungen des US-Amerikanischen Chemikers Adam Heller. Eine kurze Biographie

Wenn die größte wissenschaftliche Fachgesellschaft der Welt jemanden mit ihrem Award for Creative Invention auszeichnet, muss es sich schon um eine Forscherpersönlichkeit handeln, die mit ihren Erfindungen einiges bewegt hat. Tatsächlich liest sich die wissenschaftliche Vita des Mannes, der auf der diesjährigen Frühjahrstagung der American Chemical Society den besagten Ehrenpreis verliehen bekommen hat, wie ein Relikt aus der Zeit der großen Erfinder, der Edisons oder da Vincis.

Der US-Amerikaner Prof. Dr. Adam Heller ist Chemiker und war beteiligt an Entwicklungen, die heute in modernsten Geräten verschiedener Bereiche im Einsatz sind. In der Welt der Diabetes-Technologie bekannt sind das Blutzuckermessgerät FreeStyle sowie das kontinuierliche Glukosemesssystem FreeStyle Navigator, die beide im messtechnischen Kern auf Hellers Erfindungen beruhen.

Erst relativ spät in seiner Laufbahn beschäftigte sich der Forscher mit der elektrischen Kopplung der Redoxzentren von Enzymen an Elektroden, 1988 erschien im Journal of the American Chemical Society seine Arbeit „Direct electrical communication between chemically modified enzymes and metal electrodes – Methods for bonding electron-transfer relays to glucose oxidase and D-amino-acid oxidase“, zusammen mit Dr. Yinon Degani veröffentlicht. Diese „verdrahteten“ Enzyme, in eine dreidimensionale Matrix gebracht mit Elektronen leitenden Hydrogelen, sind die Basis der Blutzuckermessung in den kontinuierlichen Sensoren, die Heller in der zusammen mit seinem Sohn Ephraim 1994 gegründeten Firma Therasense entwickelte.

Vom Start-Up zum Übernahmekandidaten

Schon 1995 testete das Start-Up an menschlichen Freiwilligen, namentlich dem Gründer-Duo, den Prototypen eines kontinuierlichen, unter die Haut implantierten Glukosemonitors, der dann aber erst später Marktreife erlangen sollte. Bereits im Jahr 2000 bekam das Freestyle Blutzuckermessgerät dagegen eine FDA-Zulassung und wurde in den USA und ein Jahr später weltweit vermarktet.

1996 hatte Therasense das Gerät entwickelt, getestet und eine Pilotproduktion von über 10.000 Stück am Tag gestartet. Es nutzt den Umstand, dass um so kleiner das Blutvolumen, also je dünner die Flüssigkeitsschicht des Mikrocoulometer ist, um so schneller die enthaltene Glukose oxidiert wird. Das Team um Heller entwarf ein Mikrocoulometer mit einer 50 µm dünnen Schicht, in der Glukose selektiv in fünf bis zwölf Sekunden oxidiert wurde. Es handelte sich um das erste massenproduzierte Gerät mit Mikroliter-Fluidtechnik, von dem Milliarden hergestellt werden. Die benötigte Blutmenge von nur 300 nL ist so gering, dass sie quasi schmerzfrei gewonnen werden kann. Die erste Version des Geräts hatte eine „verdrahtete“ PQQ-Glukose-Dehydrogenase Anode; doch dieser „Draht“ war noch langsam und eine Analyse brauchte rund 30 Sekunden. Erst elektrochemische Weiterentwicklungen durch Ben Feldman reduzierten die Analysenzeit auf die jetzt üblichen wenigen Sekunden.

2002 starteten dann auch die klinischen Studien des kontinuierlichen Glukosemonitors auf Grundlage der verdrahteten Glukosoxidase, 2003 wurde die Zulassung beantragt. Am Ende des selben Jahres lag der Marktanteil des Unternehmens am US-Markt für Blutzuckermessgeräte bei sieben Prozent, 2004 wurde das Unternehmen dann für 1,2 Milliarden Dollar von Abbott übernommen. In Folge verlagerte Abbott Diabetes Care seinen Sitz und seine Forschungsabteilung an den Standort von Therasense im kalifornischen Alameda. Im selben Jahr verließ Heller das Unternehmen, um sich wie zuvor schon sein Sohn neuen Projekten zu widmen. Auch diese haben wieder eine potentielle Anwendung im Diabetes-Bereich, aufbauend auf seinen Erfahrungen mit Enzymen, entwickelt Heller jetzt eine Biobrennstoffzelle, die Glukose und Sauerstoff zur Stromerzeugung nutzt und zum Beispiel zur Energieversorgung eines implantierten Glukosesensors geeignet ist. Da Glukose und Sauerstoff in allen Geweben des Körpers präsent sind, sind aber auch andere Einsatzorte und -zwecke denkbar.

Die Mini-Brennstoffzelle könnte drei bis zehn Mikro-Watt produzieren, genug um nicht nur den Sensor, sondern auch einen periodisch die Messdaten übermittelnden Transmitter zu speisen. Die Zelle würde nach Implantation einige Tage autark arbeiten, einfach und kostengünstig sein, Heller schätzt unter einem Dollar. Eine solche Zelle besteht nur aus einer verdrahteten GOx Anode, auf der die Glukose oxidiert wird, und einer Kupfer-Enzym Kathode, auf der zum Beispiel Bilirubin Oxidase Sauerstoff zu Wasser reduziert. Der Charme dieses Konstrukts ist die Miniaturisierung, schon hergestellt wurden Zellen mit einem Volumen von 0,005 Kubikmillimeter und damit einem Tausendstel des Volumens der kleinsten bisher hergestellten Batterie und einem Zehntausendstel der kleinsten Brennstoffzelle, die bisher bekannt ist.

Insulinpumpe und Handy

Die wissenschaftliche Karriere des Chemikers Heller begann an der Hebräischen Universität in Jerusalem, an der er 1961 den Doktortitel erwarb. Wichtige Stationen außerhalb der medizinischen Diagnostik waren die Universität Texas, dort baute Heller 1966 den ersten flüssigen anorganischen Laser und entwickelte 1973 die erste Lithium-Thionyl-Chlorid-Batterie. Auch 30 Jahre später sind solche Batterien weltweit im Einsatz, zum Beispiel in Neurostimulatoren zur Behandlung von chronischen Schmerzen oder Epilepsie sowie bei implantierten Medikamenten-Infusoren zur Behandlung von Krebs oder – Stichwort Insulinpumpe – Diabetes.

An den ATT Bell Laboratories leitete er von 1977 bis 1988 die Forschungsabteilung elektronische Materialien, wo unter ihm Grundlagen der heutigen hochdichten Verbindungen von elektronischen Chips für Handys, PDAs und ähnliche Geräte entwickelt wurden. 100 US-Patente wurden Heller in seinem Erfinderleben verliehen, 40 davon werden aktuell verwendet. Vor der Auszeichnung durch die amerikanischen Chemiker 2008 hat Heller 2005 bereits den Fresenius-Preis der Gesellschaft Deutscher Chemiker in Anerkennung seiner bahnbrechenden Arbeiten auf dem Gebiet der analytischen Chemie erhalten. Heller forscht heute als Professor Emeritus am Department of Chemical Engineering der Universität Texas in Austin.

Redaktion: Marcus Sefrin

Forschung

(2008)

Begünstigen Schlafstörungen Diabetes?

Kombinierte Therapie bei OSAS und Diabetes

Bisher war unter Wissenschaftlern die Annahme weit verbreitet, dass Adipositas die gemeinsame Ursache ist, wenn Menschen am obstruktiven Schlafapnoesyndrom (OSAS) und an Diabetes mellitus Typ 2 erkrankt sind. Aktuelle Studien sprechen gegen diese Vermutung. Untersuchungen sollen nun feststellen, ob sich OSAS und Diabetes Typ 2 tatsächlich gegenseitig begünstigen. Falls sich dies als richtig herausstellt – so die Deutsche Diabetes-Gesellschaft (DDG) – könnten zukünftig neue Therapiemöglichkeiten für Patienten mit beiden Erkrankungen möglich werden.

Liegt das obstruktive Schlafapnoesyndrom vor, kommt es während des Schlafes zu einer Behinderung der Atemwege. Betroffene haben immer wieder kurze Atemstillstände während des Schlafes und sind meistens Schnarcher. Am Tag sind sie dann müde und können unter Sekundenschlaf leiden. OSAS tritt häufig gemeinsam mit Diabetes Typ 2 auf. Außerdem haben sowohl OSAS- als auch Diabetes-Patienten eine erhöhte Insulinresistenz. Eine gegenseitige Beeinflussung beider Krankheiten nachzuweisen, ist trotz dieser Gemeinsamkeiten äußerst schwierig: Denn diese Patienten sind meistens auch adipös. Deshalb begründeten Wissenschaftler die erhöhte Insulinresistenz bei OSAS-Patienten bisher mit der vorhandenen Adipositas. „Diese Annahme lässt sich nach aktuellen Studien nicht mehr halten“, erklärt Dr. med. Igor Alexander Harsch, Leiter des Schwerpunktes Endokrinologie und Stoffwechsel am Universitätsklinikum Erlangen. Denn eine deutlich erhöhte Insulinresistenz fanden Forscher sowohl bei übergewichtigen als auch bei normalgewichtigen OSAS-Patienten.

Um die Rolle der Adipositas als Mitverursacher der beiden Krankheiten Diabetes 2 und obstruktives Schlafapnoesyndrom eindeutiger einschätzen zu können, werden derzeit europaweit Studien mit größeren Patientenzahlen getrieben. Sollte ein direkter Zusammenhang zwischen Diabetes 2 und dem obstruktiven Schlafapnoesyndrom bestätigt werden, ergäbe sich die Konsequenz, dass sich Diabetes- und OSAS-Therapien gegenseitig ergänzen müssten.

Die Deutsche Diabetes-Gesellschaft empfiehlt, in der Diabetes-Therapie schon heute auch Schnarchen und Tagesmüdigkeit der Patienten abzufragen. Bei übergewichtigen Patienten beider Krankheiten ist die Gewichtsabnahme das oberste Therapieziel: Eine deutliche Reduktion des Gewichtes heilt sowohl Diabetes Typ 2 als auch OSAS.

Literatur
Schober, A.-K., Hahn, E.G., Harsch, I.A., Diabetes mellitus Typ 2 und obstruktives Schlafapnoesyndrom, Diabetologie und Stoffwechsel 2008; 3: 241-249

Mit hyperbarem Sauerstoff gegen Amputation

(2008)

Grünes Licht für Zusatzbehandlung mit hyperbarem Sauerstoff

Das Gesundheitsministerium gibt grünes Licht für die Zusatzbehandlung mit hyperbarem Sauerstoff bei Diabetischem Fußsyndrom. Es gibt neue Heilungschancen für Patienten mit Diabetischem Fußsyndrom! Eine große Anzahl von Amputationen kann zukünftig vermieden werden.

Ungefähr 70% aller in Deutschland durchgeführten Amputationen beruhen auf der Ursache Diabetes. Das macht im Jahr rund 28.000 Operationen aus. Durch mangelnde oder schlechte Sauerstoffversorgung in den betroffenen Extremitäten lassen sich oft auch kleinste Wunden konservativ nicht mehr heilen. Im Oktober 2008 hat das Bundesgesundheitsministerium nach positiver Bewertung durch den gemeinsamen Bundesausschuss die stationäre Behandlung des fortgeschrittenen Diabetischen Fuß-Syndroms mit hyperbarem Sauerstoff (HBO) als zusätzliche Behandlungsmethode anerkannt. Somit können nun auch Kassenpatienten eine in den USA bereits lange etablierte Zusatztherapie in Anspruch nehmen, die chronischen und schlecht heilenden Wunden in schweren Fällen neue Heilungschancen eröffnet.

„Die Zahl der unausweichlichen Amputationen kann auf etwa 24% gesenkt werden“, zitiert Dr. Christian Heiden, Vorstand des Verbandes Deutscher Druckkammerzentren e. V. (VDD), die auch für den gemeinsamen Bundesausschuss entscheidende Literaturstelle. Der VDD fordert die Ausweitung des Beschlusses, der sich lediglich auf die stationäre Behandlung bezieht, auf die ambulante Behandlung für Versicherte der gesetzlichen Krankenkassen. Die Patienten atmen unter Überdruckbedingungen in der Therapiekammer 100% medizinisch reinen Sauerstoff. Sauerstoff wird dadurch zusätzlich zu dem eingeatmeten Sauerstoff im Blut gelöst und im Körper bis zum 20-Fachen des Normalwertes angereichert. Der hohe Sauerstoffpartialdruck trägt zur Regeneration von Gewebe und Kapillaren bei. „Diese begleitende, aufwendige Behandlung sollte immer in guter Kooperation mit dem behandelnden Diabetologen und/oder Chirurgen durchgeführt werden. Auch der Patient selbst muss zum Erfolg der Therapie beitragen“, so Dr. Ch. Heiden.

Leider hat der Gemeinsame Bundesausschuss im März 2008 lediglich die Behandlung unter stationären Bedingungen bewilligt. Dieser Beschluss hat in den Augen des VDD aber eine Unterversorgung der Versicherten der gesetzlichen Krankenkassen zur Folge: „Es existieren zwar flächendeckend in Deutschland zahlreiche Druckkammern, die aber nicht an stationäre Einrichtungen angebunden sind.“ Weiterhin fehlen den Krankenhäusern zusätzliche Mittel für die in Anspruchnahme der hyperbaren Sauerstofftherapie. Diese Mittel werden von den Krankenkassen in der Regel nicht bewilligt. Bei einer möglichen ambulanten Versorgung bestünde jedoch für die Patienten das Risiko, dass ihre Therapie von der Krankenkasse nicht bezahlt wird. Der VDD fordert daher, dass nach offizieller Bestätigung der wissenschaftlichen Grundlagen, die nun rechtsgültige Anerkennung der HBO als erfolgsversprechende Zusatztherapie zur Vermeidung von Amputationen auch auf den ambulanten Bereich übertragen wird.

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Übersicht zur Studienlage

(2008)

Zimt führt zu Unsicherheiten in der Diabetes-Therapie

Hersteller von Zimtpräparaten werben unter anderem damit, dass Zimt den Blutzuckerspiegel senkt und dadurch als Nahrungsergänzungsmittel für Typ-2-Diabetiker sinnvoll sei. Die Deutsche Diabetes-Gesellschaft (DDG) rät jedoch von einer therapiebegleitenden Zimt-Einnahme ab. Eine aktuelle Übersicht zur Studienlage ergibt, dass die blutzuckersenkende Wirkung von Zimt bisher nicht eindeutig nachgewiesen werden konnte. Auch sind mögliche Nebenwirkungen einer längerfristigen Einnahme von Zimt nicht untersucht.

Zimt ist bereits als Arzneimittel für Verdauungsbeschwerden anerkannt. Mehrere pharmakologische und klinische Studien haben nun auch die Wirkung von Zimt in Hinblick auf diabetesrelevante Faktoren überprüft. Bei diesen Untersuchungen war das Augenmerk z.B. auf die Insulinresistenz, die Freisetzung von Insulin und die blutzuckersenkende Wirkung von Zimt gerichtet.

Kein eindeutiges Ergebnis

In einer dieser Studien führte Zimt in Kombination mit Diät und Antidiabetika zu einer Blutzuckersenkung. Allerdings wurden die Effekte nicht von der eingenommenen Zimtdosis beeinflusst. Eine weitere Studie vermutet, dass Zimt bei gleichzeitiger Therapie mit Antidiabetika deren blutzuckersenkende Wirkung noch verstärkt. Andere Parameter wie der HbA1c-Wert im Blut und Cholesterin blieben unverändert. Eine dritte Studie mit zwölf Patienten stellte hingegen keinen signifikanten Effekt von Zimt auf Blutzuckerspiegel, Insulin, HbA1c und Cholesterin fest.

Problematisch an den Ergebnissen ist, dass in den beiden Studien die Senkung des Blutzuckerspiegels sehr unterschiedlich ausfielen. Ohne einschätzbare Wirkung von Zimt riskieren Patienten eine zu starke Senkung und somit Unterzuckerung. „Patienten zu suggerieren, sie könnten damit ihre Stoffwechselsituation verbessern, wird den heutigen Standards in der Diabetestherapie nicht gerecht“, betont Professor Dr. Hermann P. T. Ammon, Tübingen, Autor der Übersichtsarbeit. Außerdem befürchtet der Experte, dass Patienten ihre Krankheit eher verharmlosen und die notwendige ärztliche Behandlung vernachlässigen.

Die Unbedenklichkeit von Zimt ist bisher auch nicht geprüft. Folgen einer längeren Anwendung von Zimt als Nahrungsergänzungsmittel könnten z.B. Leberschäden und Tumore sein. Sowohl die Deutsche Diabetes Gesellschaft als auch die Deutsche Pharmazeutische Gesellschaft raten daher von Zimtprodukten als diätetisches Lebensmittel oder zur Regulierung des Stoffwechsels ab. Sollte ein kontrollierbarer Effekt von Zimt zukünftig bestätigt werden, müssen Zimtpräparate als Arzneimittel eingestuft und deren Unbedenklichkeit geprüft werden.

Literatur
H. P. T. Ammon: Zimt bei Typ-2-Diabetes: Diätetisches Nahrungsmittel oder Arzneimittel, Diabetologie und Stoffwechsel 2008; 3 (5): S. 296-300 DOI 10.1055/s-2008-1076986

Milliarden-Euro-Gesundheit

(2008) diabetes-news-milliarden-euro-gesundheit

245 Milliarden Euro im Jahr 2006 für Gesundheit ausgegeben

Wie das Statistische Bundesamt (Destatis) mitteilt, beliefen sich die Ausgaben für Gesundheit im Jahr 2006 auf insgesamt 245,0 Milliarden Euro. Dies war ein Anstieg um 5,7 Milliarden Euro oder 2,4% gegenüber dem Vorjahr. Damit entsprachen die Ausgaben 10,6% des Bruttoinlandsproduktes oder gut 2 970 Euro je Einwohner (2005: 2 900 Euro)

Größter Ausgabenträger im Gesundheitswesen war die gesetzliche Krankenversicherung. Ihre Ausgaben erreichten im Jahr 2006 139,8 Milliarden Euro und lagen somit um 3,9 Milliarden Euro oder 2,9% über denen des Vorjahres. Damit ist 2006 der von der gesetzlichen Krankenversicherung getragene Ausgabenanteil (57,0%) wie schon 2005 (56,8%) wieder leicht gestiegen, nachdem er in den Jahren 1992 (62,7%) bis 2004 (56,3%) überwiegend rückläufig war. Die privaten Haushalte und privaten Organisationen ohne Erwerbszweck zahlten mit 33,3 Milliarden Euro rund 1,1 Milliarden Euro oder 3,4% mehr als im Jahr 2005. Ihr Ausgabenanteil (2006: 13,6%) blieb gegenüber den beiden Vorjahren nahezu unverändert. In den Jahren 1992 (10,3%) bis 2004 (13,6%) war er dagegen deutlich gestiegen. 22,5 Milliarden Euro oder 9,2% der Gesundheitsausgaben entfielen im Jahr 2006 auf die private Krankenversicherung. Auch ihr Anteil hat im Vergleich zum Jahr 1992 (7,4%) zugenommen.

Einrichtungen der ambulanten Gesundheitsversorgung spielen in Deutschland traditionell eine bedeutende Rolle. Auf diese Einrichtungen entfiel im Jahre 2006 fast die Hälfte der gesamten Ausgaben (118,6 Milliarden Euro oder 48,4%). Sie stiegen im Vergleich zum Vorjahr um 2,8%. Vom Ausgabenvolumen her betrachtet waren Arztpraxen (36,4 Milliarden Euro), Apotheken (34,7 Milliarden Euro) und Zahnarztpraxen (15,8 Milliarden Euro) die bedeutsamsten ambulanten Einrichtungen. Im (teil-)stationären Sektor wurden mit 90,1 Milliarden Euro 2,9% mehr aufgewendet als im Jahr 2005. Diese Summe entsprach einem Anteil von 36,8% an den gesamten Ausgaben. Zu den (teil-)stationären Einrichtungen gehören Krankenhäuser (63,9 Milliarden Euro), die Einrichtungen der (teil-)stationären Pflege (18,8 Milliarden Euro) sowie die Vorsorge- und Rehabilitationseinrichtungen, auf die 7,4 Milliarden Euro entfielen.

Über die Hälfte der Ausgaben entfiel auf ärztliche Leistungen und Waren (das sind Arzneimittel inklusive Verbandmittel, Hilfsmittel, sonstiger medizinischer Bedarf sowie Material- und Laborkosten bei der Versorgung mit Zahnersatz). Für beide Leistungsarten wurden jeweils knapp 27% der Gesamtausgaben aufgewendet. Die Ausgaben für ärztliche Leistungen stiegen dabei um 3,2% im Vergleich zum Jahr 2005, die Ausgaben für Waren um 2,0%. Vom Ausgabenvolumen her betrachtet waren Arzneimittel (39,6 Milliarden Euro) und Hilfsmittel (10,9 Milliarden Euro) die bedeutsamsten Komponenten in diesem Leistungssegment. Überdurchschnittliche Ausgabenanstiege (+ 4,4%) gab es im Leistungsbereich Prävention und Gesundheitsschutz, für den im Jahr 2006 9,3 Milliarden Euro aufgewendet wurden. Ursächlich hierfür ist unter anderem die Zunahme der Ausgaben für Früherkennungsmaßnahmen (zum Beispiel von Krebserkrankungen) und Präventionsleistungen, die von der gesetzlichen Krankenversicherung getragen werden.

Die hier vorgestellten Ergebnisse folgen dem Konzept des „System of Health Accounts“, welches von der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD), der Weltgesundheitsorganisation (WHO) und dem Statistischen Amt der Europäischen Union (Eurostat) zum Zweck der internationalen Vergleichbarkeit von Gesundheitsausgaben empfohlen wird. Gemäß den dort enthaltenen Definitionen umfassen die Gesundheitsausgaben sämtliche Güter und Leistungen mit dem Ziel der Prävention, Behandlung, Rehabilitation und Pflege, die Kosten der Verwaltung sowie Investitionen der Einrichtungen des Gesundheitswesens. Aufwendungen für Forschung und Ausbildung im Gesundheits-wesen, sowie Ausgaben für krankheitsbedingte Folgen (zum Beispiel Leistungen zur Eingliederungshilfe) und Einkommensleistungen, wie die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall werden nachrichtlich nachgewiesen. Begründet durch diese Abgrenzung weichen die Gesundheitsausgaben in der Gesundheitsausgabenrechnung von den Ausgaben der einzelnen Sozialversicherungsträger, insbesondere der gesetzlichen Krankenversicherung, ab.

Verantwortlich bleiben!

(2008)

DDG widerspricht Aussagen von IQWiG-Chef Prof. Dr. med. Peter Sawicki

Menschen mit Diabetes Typ 2 müssen entgegen der Meinung von IQWiG-Chef Prof. Sawicki nach wie vor ihren Blutzuckerspiegel senken, um Folgeerkrankungen des Diabetes zu vermeiden! Die Deutsche Diabetes-Gesellschaft (DDG) widerspricht damit den öffentlichen Äußerungen von Professor Dr. med. Peter Sawicki, Leiter des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG). Prof. Sawicki stellte eine medikamentöse Behandlung insbesondere älterer Patienten als unnötig und sogar schädlich dar.

„Ziel jeder Diabetes-Therapie ist weiterhin ein Langzeitblutzuckerwert von unter sieben Prozent. Nur so lassen sich Folgeerkrankungen vermeiden“, erläutert Professor Dr. med. Thomas Haak, Präsident der DDG. Durch jahrelange schlechte Blutzuckereinstellung entsteht ein hohes Risiko der Erblindung, des Nierenversagens oder von Erkrankungen des Herz-Kreislaufsystems. Diese durch einen niedrigen HbA1c-Wert vermeidbaren Krankheiten zerstören nicht nur die Lebensqualität, sondern senken auch die Lebenserwartung von Typ-2-Diabetikern erheblich.

Seit einiger Zeit wird über Studienergebnisse diskutiert, die es nicht für alle Patienten sinnvoll erscheinen lassen, den Blutzuckerwert zu stark zu senken: Die Ergebnisse der Action to Control Cardiovascular Risk in Diabetes (ACCORD-Studie) sorgten auf der Jahrestagung der American Diabetes Association im Juni 2008 zum Teil für Erstaunen. Diese Studie hatte das Ziel, den HbA1c-Wert der Teilnehmer auf einen Normwert von unter 6,5 Prozent zu senken. Die ACCORD-Studie wurde dann aber im Frühjahr 2008 vorzeitig abgebrochen, weil sich die Anzahl der Todesfälle um 22% erhöht hatte. Nach Meinung der DDG könnten Ursachen für die erhöhte Sterblichkeit noch nicht erforschte Wechselwirkungen von Mehrfachmedikationen sowie Gewichtszunahme sein. Denn: Etwa die Hälfte der Teilnehmer der ACCORD-Studie erhielt 3 orale Antidiabetika und Insulin. Ein Viertel nahm während der Studiendauer mehr als 10 kg Gewicht zu.

In einer Stellungnahme im Juli 2008 wies die Deutsche Diabetes-Gesellschaft deshalb darauf hin, dass ein HbA1c-Wert von unter 6,5 Prozent nicht für alle Patienten sinnvoll und eine individuelle Therapieentscheidung notwendig sei: Vorrang in der Diabetes-Therapie hat die Vermeidung von Risiken und Nebenwirkungen der blutzuckersenkenden Medikamente. Deshalb sollten Ärzte nicht mehr als zwei Wirkstoffe gleichzeitig verordnen, wenn die Sicherheit der jeweiligen Mehrfachkombinationen nicht ausreichend belegt ist. Dies gilt vor allem, wenn Patienten zusätzlich Insulin spritzen.

Aus den Ergebnissen der ACCORD-Studie zu schließen, dass ein Absenken des Blutzuckerspiegels grundsätzlich nicht nötig sei, ist jedoch verantwortungslos. Ein kontrollierter Blutzucker ist der Indikator, um Folgeerkrankungen zu vermeiden. Auch ältere Patienten leben deutlich besser, wenn sie weiterhin sehen und wenn sie ihre Füße behalten können und ihre Nieren funktionieren.

Weitere Informationen

Die Ergebnisse der Action to Control Cardiovascular Risk in Diabetes oder ACCORD-Studie wurden auf der Jahrestagung der American Diabetes Association (6.-10. Juni 2008) vorgestellt und im New England Journal of Medicine publiziert.
The Action to Control Cardiovascular Risk in Diabetes Study Group: Effect of Intensive Glucose Lowering in Type 2 Diabetes. N Eng J Med (2008) 358:2545-2559

Spritz-Ess-Abstand

(2008)

Kunstinsulin ermöglicht gegenüber Normalinsulin flexibleres Spritzen

Eine Studie untersuchte die Unterschiede zwischen Analog- und Normalinsulin unter Alltagsbedingungen

Haben kurzwirksame Insulinanaloga (synthetisch veränderte Insuline mit schnellerer und kürzerer Wirkung) die von den Herstellern versprochenen Vorteile gegenüber Normalinsulin? Die Diskussion dreht sich u.a. um den Spritz-Ess-Abstand. Fürsprecher der kurzwirksamen Kunstinsuline führen u.a. die Flexibilität bezüglich des Spritz-Ess-Abstands als Vorteil ins Feld. Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) vermisst für diesen Ratschlag eine „solide wissenschaftliche Begründung“ (www.iqwig.de/index.426.html). Man sieht keinen grundsätzlichen Unterschied zwischen Analog- und Normalinsulin.

Insuline im Alltag auf dem Prüfstand

Eine kleine Studie ging dieser Frage unter Alltagsbedingungen auf den Grund. 33 Typ-1- und 17 insulinbehandelte Typ-2- Diabetiker nahmen teil. Der Stoffwechsel der im Schnitt 52-jährigen Patienten war vergleichsweise gut eingestellt (Nüchternblutzucker: 106 mg/dl, HbA1c: 6,46 ± 0,74%). Die Patienten benutzten an jeweils drei aufeinander folgenden Tagen einmal ein kurzwirksames Analoginsulin, das andere Mal ein Normalinsulin. Sie variierten jeweils den Spritz-Ess-Abstand (Tag eins: 0 min, Tag zwei: 15 min, Tag drei: 30 min).

Die Mahlzeiten wurden in gewohnter Menge und zu den gewohnten festen Zeitpunkten beibehalten. Die Blutzuckerspiegel der Patienten verfolgte man mit Hilfe des kontinuierlichen Glukosemonitorings (CGM). Ausgewertet wurden Höhe und Zeitdauer der Blutzuckerveränderungen nach dem Essen (postprandiale Blutglukoseauslenkungen).

Mehr Spielraum unter dem Kunstinsulin

Unter dem Analoginsulin stiegen die Glukoseblutspiegel nach dem Essen im Schnitt deutlich weniger als unter Normalinsulin. Es machte praktisch keinen Unterschied, ob der Spritz-Ess-Abstand 0 oder 15 Minuten betrug, und welche Mahlzeit man in Betracht zog.

Bei Normalinsulin ergaben sich die geringsten postprandialen Auslenkungen eindeutig bei einem Spritz-Ess-Abstand von 15 Minuten, wie oft empfohlen. Sie variierten zu den unterschiedlichen Mahlzeiten aber deutlich.

Fazit

Insgesamt attestieren die Autoren dem Analoginsulin in ihrer Studie unter Alltagsbedingungen die deutlich bessere postprandiale Blutzuckerkontrolle. Ein Spritz-Ess-Abstand von 0 bis 15 min sei variabel zu allen Mahlzeiten möglich.

Weltweite Kampagne gegen Diabetes-Kindersterben

(2008)

Kein Kind der Welt sollte an Diabetes sterben müssen

International Diabetes Federation: Aufruf zu einer weltweiten Kampagne Kinder sollen nicht mehr an Diabetes sterben müssen!

Die International Diabetes Federation (IDF) trat am 13. Oktober 2008 mit der Nachricht an die Öffentlichkeit, dass sie wichtige Meinungsführer an einen Tisch zusammenbringen wird, um auf eine Lösung zu drängen. Tausenden Kindern in Entwicklungsländern, die an Diabetes erkrankt sind und keinen Zugang zur notwendigen medizinischen Behandlung haben, soll Hilfe garantiert werden können. Die Konferenz „Access to Essential Diabetes Medicines for Children in the Developing World“ wird am Samstag, dem 25. Oktober in London, Großbritannien, stattfinden. Dazu hat die International Diabetes Federation die Gesundheitsministerien verschiedener Entwicklungsländer, Führer aus der Arzneimittelindustrie und von wohltätigen Stiftungen als auch von führenden Unternehmen der Versorgungskette, Diabetesgesellschaften, sowie Vereinigungen von Experten im Bereich der Kinderheilkunde und für die Aufklärung über Diabetes eingeladen.

„Wir bringen die Personen und Organisationen zusammen, die nicht nur die vorläufige humanitäre Hilfe bereitstellen, um Leben retten zu können, sondern auch die Grundlage für zukunftsfähige Lösungen schaffen werden, von denen alle Kinder, die an Diabetes erkrankt sind, profitieren werden,“ sagt Dr. Martin Silink, Präsident der International Diabetes Federation.

Diabetes ist eine der chronischen Krankheiten, die bei Kindern am häufigsten vorkommen. Täglich wird bei mehr als 200 Kindern der Typ-1-Diabetes festgestellt. Das bedeutet, dass diese Kinder täglich mehrere Insulinspritzen benötigen und ihren Blutzucker permanent kontrollieren müssen. Jährlich nimmt die Anzahl der Diabetes-1-Erkrankungen unter Kindern um 3 Prozent zu. Bei Kindern im Vorschulalter steigt dieser Anteil mit 5 Prozent jährlich sogar noch stärker an. Zurzeit leben über 500.000 Kinder unter 15 Jahren mit Diabetes.

Für Kinder, die in Entwicklungsländern leben und an Diabetes Typ-1 erkrankt sind, sieht die Zukunft absolut düster aus. Fast 75.000 Kinder in einkommensschwachen Ländern und Staaten mit niedrigem mittlerem Einkommen müssen mit ihrem Diabetes in hoffnungslosen Zuständen leben. Diese Kinder brauchen das lebensrettende Insulin, um zu überleben. Noch mehr Kinder benötigen dringend die Geräte zur Blutzucker-Kontrolle: die Teststreifen und die notwendige Aufklärung, um ihren Diabetes und die lebensbedrohlichen Komplikationen, die mit der Krankheit zusammenhängen, in den Griff zu bekommen. Der Zugriff auf die notwendigen Medikamente und die richtige Behandlung darf für ein Kind kein Privileg darstellen, sondern muss sein gutes Recht sein. „Es ist leider die krasse Realität, dass viele Kinder in den Entwicklungsländern schon bald nach der ersten Diagnose sterben“, sagt Dr. Jean-Claude Mbanya, der zukünftige Präsident der International Diabetes Federation. „Vor 87 Jahren wurde das Insulin entdeckt, und immer noch sterben viele der schutzlosesten Menschen in der Welt, darunter auch viele Kinder, sinnloserweise, einfach nur deshalb, weil sie keinen Zugang zu diesem lebenswichtigen Medikament haben. Dieses ist eine globale Schande. Wir sind es den nächsten Generationen schuldig, uns jetzt um dieses Problem zu kümmern.“

In vielen Entwicklungsländern, besonders in Schwarzafrika und einigen Gebieten in Asien, sind die lebensrettenden Medikamente für Diabetes und die Geräte zur Kontrolle oft nicht erhältlich oder ganz einfach unbezahlbar. Aus diesem Grund sterben viele Kinder, die an Diabetes erkrankt sind, schon kurz nach der Diagnose oder sie haben ein schlecht geregeltes Leben mit niedriger Lebensqualität, wodurch sich schon frühzeitig die verheerenden Komplikationen dieser Krankheit entwickeln.

2001 gründete die International Diabetes Federation ihr „Life for a Child“-Program, um wenigstens einigen dieser Kinder zu helfen. Das Programm, das in Zusammenarbeit mit Diabetes Australia-NSW und Hope worldwide durchgeführt wird, unterstützt insgesamt 1000 Kinder in Aserbeidschan, Bolivien, der Demokratischen Republik Kongo, Ecuador, Fidschi, Indien, Mali, Nepal, Nigeria, Papua-Neuguinea, den Philippinen, Ruanda, Sri Lanka, Sudan, Vereinigte Republik Tansania, Usbekistan und Simbabwe. „Die 1000 Kinder, die wir unterstützen, repräsentieren eine erbärmlich kleine Zahl von Bedürftigen“, sagt der Mitbegründer des Programms, Dr. Silink. „Es ist unglaublich, dass die Behandlung des Diabetes für viele immer noch nicht verfügbar ist. Es stehen mittlerweile Lösungen zur Verfügung, den Problemen der Erschwinglichkeit und Verfügbarkeit zu begegnen. Es gibt nun die Mittel, um das Gesundheitssystem zu stärken und die Aufklärung über Diabetes für das Gesundheitspersonal und die Familien, der von Diabetes Betroffenen, bereitzustellen und somit einen bedeuteten Schritt nach vorn zu machen.“

Das Timing der Londoner Konferenz ist kein Zufall: Es findet in diesem Jahr genau vor dem 14. November, dem Weltdiabetestag, statt. Das Thema des Weltgesundheitstags der Vereinten Nationen ist Diabetes bei Kindern und Jugendlichen. Die Kampagne, angeführt von der International Diabetes Federation und mit Unterstützung der Weltgesundheitsorganisation, hat sich vorgenommen, die Botschaft zu verkünden, dass kein Kind mehr an Diabetes sterben darf.

Blutzuckermessung – Labor zuhause

(2008)

Blutzuckermessung – das Labor zuhause

Die Selbstkontrolle ist ein wichtiger Teil der Diabetestherapie, wenn die dadurch erhaltenen Erkenntnisse umgesetzt werden. Ein neues Messgerät von Abbott wendet sich besonders an Menschen, die eine einfache Handhabung brauchen.

Das neue Messgerät FreeStyle Freedom Lite von Abbott ist für das ruhige, einfache Leben konzipiert.

Diabetes ist eine ziemlich moderne Erkrankung. Diese Aussage bezieht sich nicht nur auf den Umstand, dass es sich um eine der gern zitierten Zivilisationskrankheiten handelt, mit rasant steigenden Betroffenenzahlen.

Modern ist auch der Therapieansatz, denn bei Diabetes gilt „Letztendlich ist der Patient sein eigener Arzt“, so charakterisierte es Prof. Dr. med. Thomas Haak auf einer Veranstaltung der Firma Abbott Diabetes Care im Rahmen der Herbsttagung für praktische Diabetologie der Deutschen Diabetes Gesellschaft in Berlin.

Der so genannte westliche Lebensstil aus wenig Bewegung und viel Ernährung führe zum metabolischen Syndrom, „diese Katastrophe ist gut bekannt, wir suchen immer noch nach Wegen sie zu vermeiden“, beschrieb der amtierende DDG-Präsident die Lage. Das Ziel ist klar, gute Daten zeigen laut Haak, dass wenn ein Mensch mit Diabetes alle Therapieziele erreicht, nicht nur Komplikationen vermieden, sondern die Lebensqualität auf das Niveau von Nicht-Diabetikern gebracht werden kann. Als Säulen der Therapie bezeichnete er Lebensstil, Therapieführung und Blutzuckerkontrolle. Und genau hier kommt die Selbstverantwortung der Patienten ins Spiel. „Ihr seid Eure Ärzte, macht auch Diagnostik!“ forderte Haak. Man kann die Analogie noch weiterführen, denn genau wie der niedergelassene Arzt eine Diagnostik nicht aus Lust am Laborwert veranlasst, sondern mit einer konkreten medizinischen Fragestellung im Kopf, so sollte vernünftigerweise auch der Patient agieren.

Mehr Mut schulen

Die Frage müsse nach Haak sein, wann man eine Chance hat, aus der Messung einen therapeutischen Nutzen zu ziehen. Denn jede einzelne Messung sei mit einem Aufwand für den Patienten und Kosten für das Gesundheitssystem verbunden. Er kenne viele Fälle, in denen ansonsten selbstständige, entscheidungsstarke Menschen mit eigenem Betrieb nicht selbst die abendliche Insulindosis erhöhen, wenn sie morgens konstant zu hohe Werte messen. Genauso wie Patienten, die ständig den Nüchtern-, aber nie den postprandialen Blutzucker messen, handele es sich hier um Themen, die noch mehr geschult werden müssen, „das ist noch ein Defizit und könnte besser sein!“ fand Haak.

Auch die Motivation kann ein Nutzen der Selbstmessung sein, die sich verbessernden Messergebnisse können als eine Belohnung fungieren für die Einschränkungen und Anstrengungen, die der Patient im Rahmen der Diabetestherapie auf sich unternommen hat. Ein einheitliches Schema, wann gemessen werden sollte, gibt es nicht, je nachdem, ob der Diabetes in einer stabilen Phase ist oder Therapie oder Alltag sich ändern, können mehr oder weniger Messungen zu verschiedenen Zeiten nötig sein. Und grundsätzlich entscheiden der Typ des Diabetes sowie die Therapieform darüber, wann eine Messung sinnvoll ist.

Groß und benutzerfreundlich

Die Berliner Diabetesberaterin Anja Müller stellte auf der Veranstaltung das im November auf den Markt gekommene neue Blutzucker-Messgerät FreeStyle Freedom Lite von Abbott vor. Es handelt sich um eine direkte Weiterentwicklung des FreeStyle Freedom und verwendet die Lite Teststreifen des US-amerikanischen Herstellers mit deutschem Sitz in Wiesbaden. Die einfachere Bedienung sei die wichtigste Änderung, das Gerät fordert „nicht viel technisches Engagement“, so Müller und sei damit für ältere Patienten mit einem beständigen, ruhigen Leben oder auch durch Erkrankungen eingeschränkte Diabetiker geeignet.

Eine große Vereinfachung ist für sie die Tatsache, dass man nicht mehr Codieren muss, dieser Schritt sei schwer zu schulen gewesen. Der Produktionsprozess der Teststreifen liefert nunmehr über lange Zeit identische Qualität, die früher notwendige Chargenkorrektur durch das Codieren ist daher nicht mehr nötig. Ein großes Display mit fetten Ziffern sowie nur zwei Tasten machen das Gerät benutzerfreundlich – die technischen Daten entsprechen jedoch der Profi-Version: Eine Blutmenge von 0,3 µL wird pro Messung benötigt, die Messzeit beträgt rund fünf Sekunden.

Man habe das „mit Abstand neueste Portfolio am Markt“, freute sich Olaf Weishaupt, nationaler Marketing und Customer Service Manager bei Abbott Diabetes Care, angesichts der Neueinführung, erst im Juli 2007 kam mit dem FreeStyle Lite das nach Firmenangaben kleinste Blutzucker-Messgerät der Welt auf den Markt. Das Motto der Produktpalette sei „verschiedene Menschen, verschiedene Messgeräte“, die Entwickler wollen auf die verschiedenen Ansprüche an Funktion, Design und Technik eingehen, „wie bei Autos oder Fernsehern“, verglich Weishaupt augenzwinkernd. Nur einen Monat länger als der FreeStyle Freedom Lite ist eine neue Internet-Datenbank in Aktion, die das Unternehmen in Zusammenarbeit mit dem Verband der Diabetes Berater/-innen in Deutschland und anderen Organisationen über ein Jahr aufgebaut hat. Es handelt sich um einen Adressfinder für Spezialisten und Selbsthilfegruppen, der wahrscheinlich in jährlichen Abständen aktualisiert werden soll.

Den Adressfinder für Spezialisten, darunter auch Fußambulanzen, und Selbsthilfegruppen finden Sie im Internet unter www.abbott-diabetes-care.de
Informationslücke bei Teststreifen-Erstattung
Ein Viertel aller gesetzlich krankenversicherten Typ-2 Diabetiker muss seine Blutteststreifen selbst zahlen, obwohl die Kosten von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen werden müssten.
Dieses überraschende Ergebnis einer repräsentativen Umfrage von TNS Healthcare gab der Deutsche Diabetiker Bund (DBB) bekannt. „Ein Skandal“, kritisiert der ehem. Bundesvorsitzende der Patientenorganisation Manfred Wölfert, „den Patienten wird zu Unrecht in die Tasche gegriffen.“
Durch die Umfrage sollte eigentlich nur herausgefunden werden, wie die Patienten den Nutzen der Blutzuckerselbstmessung einschätzten. Wöhlert vermutet hinter dem hohen Anteil von Selbstzahlern eine missverstandene Regelung des Arzneimittelversorgungs-Wirtschaftlichkeitsgesetzes. Es sieht bei der Verordnung bestimmter Arzneimittel Bonus-Malus-Regelungen für Ärzte vor. „Teststreifen sind jedoch keine Arzneimittel. Die Regelung gilt also für sie nicht“, betonte er und kritisierte in diesem Zusammenhang die Informationspolitik sowohl der Krankenkassen sowie der Kassenärztlichen Vereinigungen, denen offensichtlich die zurückhaltende Verordnung von Blutzuckerteststreifen gelegen komme.
Das eigentliche Ergebnis der Befragung war, dass 54 Prozent der befragten Diabetiker in der Blutzuckerselbstmessung ausschließlich und 32 Prozent überwiegend Vorteile für die Kontrolle des Behandlungserfolgs sahen. „Vielleicht erklärt diese außerordentlich positive Bewertung auch, weshalb viele Patienten offenbar ohne zu murren in die eigene Tasche greifen, um sich die Teststreifen zu sichern“, kommentierte Wölfert.