News-Archiv: 2008

ADVANCE-Studie

(2008)

Intensive Glucosekontrolle reduziert schwere Komplikationen

Klares Ergebnis der bisher größten Diabetes-Studie: Die intensive Glucosekontrolle reduziert schwere Komplikationen!

„ADVANCE-Ergebnisse gehen über bestehende Evidenz hinaus“

Die weltweit größte Studie über Diabetestherapien brachte neue Ergebnisse, die ganz deutlich zeigen, dass die intensive Blutzuckerkontrolle mit Gliclazid MR und anderen eventuell notwendigen Medikamenten die Patienten vor schweren Komplikationen des Diabetes mellitus schützt. Um 20 Prozent reduziert zum Beispiel die intensive Therapie das Risiko von Nierenerkrankungen. Die Ergebnisse von ADVANCE (Action in Diabetes and Vascular Disease) wurden am 06. Juni 2008 vor der American Diabetes Association und im New England Journal of Medicine veröffentlicht. Sie legen nahe, dass diese intensive Therapiestrategie für Millionen von Diabetes-Patienten weltweit von Nutzen sein kann. Diabetes mellitus stellt global eine der größten Bedrohungen für die Gesundheit der Bevölkerung dar. Die weltweite Anzahl der Menschen mit Diabetes beläuft sich aktuell etwa auf 250 Millionen. Schätzungen zufolge wird diese Zahl bis zum Jahr 2025 auf 380 Millionen ansteigen.

Der leitende Prüfarzt der Studie, Professor Stephen MacMahon, Principal Director des George Institute in Australien, kommentierte:“Wir stehen vor einer globalen Diabetes-Epidemie. Die Ergebnisse von ADVANCE gehen über die bestehende Evidenz hinaus, da wir gezeigt haben, dass sich durch Reduzierung des Hämoglobin-A1c-Spiegels (ein Marker der Blutglucosekontrolle) auf 6,5% schwere Komplikationen sicher und wirksam verringern lassen. Das gilt besonders für Nierenerkrankungen, die zu den schwerwiegendsten und funktionseinschränkendsten Folgen des Diabetes gehören und die bei einem von fünf Diabetes-Patienten zum Tode führen.“

„Hypoglykämien (Unterzucker) waren in der ADVANCE Studie selten, obwohl sie erwartungsgemäß bei den Teilnehmern, die intensiv behandelt wurden, häufiger auftraten“, betonte der Studiendirektor, Associate Professor Anushka Patel vom »The George Institute«. „Diese Resultate bestätigen, dass die Blutglucosesenkung bei Diabetes sicher ist und dass sie eine wichtige Rolle bei der Verhinderung schwerer Komplikationen spielt. Darüber hinaus gab es im Gegensatz zu der kürzlich gestoppten ACCORD Studie keinerlei Anhaltspunkte für ein erhöhtes Todesrisiko bei denjenigen, die im Rahmen der ADVANCE-Studie intensiv therapiert wurden.“

Ärzte des australischen George Institute for International Health hatten ADVANCE initiiert und geplant. Eine Gruppe weiterer unabhängiger Medizinforscher aus 20 Ländern der Welt waren an der Studie beteiligt. Teilgenommen haben 11.140 Patienten mit Typ 2-Diabetes, die fünf Jahre lang behandelt und nachkontrolliert wurden. Ziel der Studie war die Senkung des Hämoglobin-A1c-Spiegels auf 6,5% oder weniger. Die intensive Therapie für alle Patienten erfolgte mittels Sulfonylharnstoff, d.h. Gliclazid MR, sowie anderer Medikamente, die zur Erreichung des Hämoglobin-Zielwerts erforderlich waren.

Die ADVANCE-Studie zeigte in der Hauptsache:

  • Die intensive Therapie zur Blutzuckersenkung hält die Blutglucose sicher auf einem mittleren HbA1c-Spiegel von 6,5%.
  • Die intensive Therapie zur Blutzuckersenkung reduziert das Gesamtrisiko schwerer Diabetes-Komplikationen signifikant (um 10%), wobei die Reduzierung von Nierenerkrankungen ein Fünftel (21%) und die Entstehung einer Proteinurie (ein gut eingeführter Marker eines erhöhten kardiovaskulären Risikos) 30% ausmachen.
  • Die intensive Therapie zur Blutzuckersenkung erzielt einen positiven Trend in Richtung Reduzierung der Gefahr eines kardiovaskulären Todes (12%), wenngleich dieses Ergebnis statistisch nicht signifikant ist.

„Heute steht fest, dass für die Vorbeugung von schwerwiegenden vaskulären Komplikationen beim Diabetes ein Multifaktor-Ansatz erforderlich ist, der alle modifizierbaren Risikofaktoren berücksichtigt“, so Professor John Chalmers, Leiter der Managementgruppe der Studie, abschließend. „Dabei spielt die intensive Glucosekontrolle eine wichtige Rolle, besonders für den Schutz der Nieren.“

Zur Entscheidung des G-BA

(2008)

Insulinanaloga und ihre Verordnungsfähigkeit

Drei Blickwinkel zur Entscheidung des G-BA über die Verordnungsfähigkeit von kurzwirksamen Insulin-Analoga

  • Gemeinsamer Bundesausschuss
  • Novo Nordisk Pharma GmbH
  • Deutscher Diabetiker Bund

Optimale medizinische Versorgung von Typ-1-Diabetikern gesichert

G-BA schützt Solidargemeinschaft vor überteuerten Pharmapreisen

Kurzwirksame Insulinanaloga zur Behandlung von Typ-1-Diabetikern bleiben grundsätzlich nur dann zu Lasten der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) verordnungsfähig, wenn sie nicht teurer sind als Humaninsulin. Das hat der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) am Donnerstag in Köln beschlossen.

Ausnahmen möglich

In begründeten Ausnahmen können durch den Vertragsarzt kurzwirksame Insulinanaloga allerdings weiterhin zu Lasten der GKV verordnet werden, etwa wenn Patientinnen oder Patienten allergisch auf Humaninsulin reagieren oder eine stabile adäquate Stoffwechsellage mit Humaninsulin bereits in der Vergangenheit nicht erreicht werden konnte, dies mit kurzwirksamen Insulinanaloga aber nachweislich gelingt. Diese Ausnahmen gelten ohne Einschränkung für alle Patientinnen und Patienten, also auch für Kinder und Jugendliche sowie für Erwachsene aller Altersgruppen.

Lediglich vom Preis abhängige Einschränkung

„Die Behandlung von Patientinnen und Patienten mit Diabetes-Typ-1 ist mit Humaninsulin grundsätzlich ebenso zweckmäßig und erfolgreich wie mit einem kurzwirksamen Insulinanalogon. Die nach Berücksichtigung der schriftlichen und mündlichen Anhörungen in den Beschluss aufgenommenen Ausnahmen gewährleisten zudem, dass alle Betroffenen, die an Diabetes 1 leiden – insbesondere auch Kinder und Jugendliche – weiterhin optimal behandelt werden können. Der G-BA sichert mit dieser lediglich vom Preis abhängigen Einschränkung die bestmögliche Versorgung von Diabetes-Typ-1-Patientinnen und -Patienten. Zugleich wird er seiner nicht minder wichtigen Verantwortung gerecht, die er für die dauerhafte Finanzierbarkeit medizinisch notwendiger Leistungen der GKV trägt“, sagte Dr. Rainer Hess, unparteiischer Vorsitzender des G-BA, am Freitag in Berlin.

Kein belegbarer Zusatznutzen

Bei der Entscheidungsfindung des G-BA stellte sich die Frage, ob es bei der Behandlung mit einem kurzwirksamen Insulinanalogon einen durch wissenschaftliche Studien belegten Zusatznutzen gibt, der den derzeit deutlich höheren Preis der Präparate rechtfertigt. „Entsprechende Belege hierfür hat die pharmazeutische Industrie bisher nicht vorlegen können, obwohl die Insulinanaloga bereits seit rund einem Jahrzehnt in Deutschland auf dem Markt sind. Deshalb musste der G-BA im Interesse von vielen Millionen gesetzlich krankenversicherten Menschen und Beitragszahlern eine Entscheidung treffen, die ungerechtfertigte Mehrkosten vermeidet und zugleich für die Patientinnen und Patienten die optimale Versorgung gewährleistet“, sagte Hess.

Preispolitik

Sollten die Pharmaunternehmen in Folge des G-BA-Beschlusses künftig die Preise für die Insulinanaloga auf das Niveau von Humaninsulin absenken, wären sie umgehend ohne weiteren Beschluss des G-BA voll zu Lasten der GKV verordnungsfähig.

IQWiG Nutzenbewertung gültig

Mit dieser Entscheidung setzt der G-BA eine entsprechende Nutzenbewertung des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) zu kurzwirksamen Insulinanaloga bei Diabetes-Typ-1 um. In der Arzneimittel-Richtlinie des G-BA werden die Einzelheiten einer medizinisch notwendigen und wirtschaftlichen ärztlichen Behandlungs- und Verordnungsweise verbindlich geregelt. Im Juli 2006 hatte der G-BA bereits ebenfalls auf der Grundlage einer Nutzenbewertung durch das IQWiG den Beschluss gefasst, dass kurzwirksame Insulinanaloga zur Behandlung des Diabetes mellitus Typ 2 grundsätzlich nur dann zu Lasten der GKV verordnungsfähig sind, wenn diese nicht teurer sind als Humaninsulin.

Insulinanaloga um ein Vielfaches teurer

Als Humaninsulin wird die synthetische Nachbildung des körpereigenen, natürlichen Hormons Insulin bezeichnet. Insulinanaloga sind Abwandlungen des Hormons Insulin, die wie Humaninsulin den Blutzucker-Spiegel senken. Sie sind in Deutschland seit etwa zehn Jahren auf dem Markt. Insulinanaloga sind in der Struktur dem Insulin ähnlich aufgebaute Hormone und können um ein Vielfaches teurer sein als Humaninsulin. In Deutschland gibt es circa 200 000 Diabetes-Typ-1-Patientinnen und -Patienten, davon etwa 25 000 Kinder und Jugendliche unter 20 Jahren.

Schwangerschaftsdiabetes

(2008)

BARMER: Neuer Test auf Schwangerschaftsdiabetes

Werdende Mütter, die bei der Barmer Ersatzkasse versichert sind, können bundesweit als erste ein Schwangerschaftsdiabetes-Screening in Anspruch nehmen.

Grundlage für diese Leistung der Krankenkasse ist der erste Vertrag, der auf der Grundlage des § 73 c des Sozialgesetzbuches V zwischen einer Krankenkasse und einer Facharztgruppe, den Gynäkologen, geschlossen wurde. Derartige Verträge sollen besondere Formen der ambulanten ärztlichen Versorgung fördern.

Der orale Glucosetoleranztest wird zwischen der Schwangerschaftswoche 24 und 28 in der Frauenarztpraxis durchgeführt. Die Schwangere muss dafür nüchtern sein, darf also nichts gegessen oder getrunken haben. Die übliche Tageszeit für die Durchführung des Schwangerschaftsdiabetes-Screenings ist der Morgen. Zunächst wird bei der Schwangeren der Nüchtern-Blutzucker gemessen. Danach trinkt die Frau eine Glucoselösung, eine Stunde später folgt eine zweite Blutzuckermessung. Zeigen die Messungen zu hohe Werte, wird die werdende Mutter zu einer diabetologischen Schwerpunktpraxis überwiesen. Durch eine rechtzeitige Behandlung eines Schwangerschaftsdiabetes (Gestationsdiabetes) wird nicht nur die gesunde Entwicklung des Neugeborenen geschützt. Sondern die werdende Mutter wird auch nach der Schwangerschaft in den meisten Fällen keine Diabetikerin mehr sein.

Das Schwangerschaftsdiabetes-Screening ist für die Schwangere kostenlos und bietet ihr und ihrem Kind wichtige gesundheitliche Vorteile. Denn durch einen unbehandelten Schwangerschaftsdiabetes kann es zu Frühgeburten kommen. Ohne die Behandlung eines Gestationsdiabetes besteht auch die Möglichkeit, dass bei einer termingerechten Geburt das Kind ungewöhnlich groß und schwer ist. Dies geht mit entsprechenden Risiken während der Geburt einher. Bundesweit erkranken zwischen zwei und acht Prozent der werdenden Mütter an Schwangerschaftsdiabetes oder weisen eine gestörte Glucosetoleranz auf.

Therapie des Diabetes mellitus Typ 2 im Wandel

(2008)

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Therapie des Diabetes mellitus Typ 2 im Wandel

68th Annual Scientific Session der American Diabetes Associaton, San Francisco, 6.-10.6.2008

Auf der diesjahrigen Jahrestagung der ADA in San Francisco wurden zwei Studien vorgestellt, die mit enormem Aufwand und Patientenzahlen von über 10.000 die Frage klären sollten, ob ein niedriger HbA1c das kardiovaskuläre Mortalitätsrisiko tatsächlich reduziert.

In den nächsten Tagen und Wochen werden sicher viele auch subjektiv gefärbte Informationen darüber kursieren. Deshalb soll hier ein kurzer objektiver Überblick gegeben werden: Im Februar 2008 hatte das US-National Heart, Lung and Blood Institute (NHLBI) die „Action to Control Cardiovascular Risk in Diabetes“ oder ACCORD-Studie vorzeitig abgebrochen. Die Studie, an der sich an 77 Zentren in den USA und Kanada insgesamt 10.251 Patienten mit Typ 2 Diabetes mellitus beteiligten, sollte zeigen, dass eine aggressive Senkung der HBA1c-Werte den kardiovaskulären Folgeerkrankungen vorbeugt, die bei Diabetikern die Haupttodesursache sind. Doch eine Zwischenauswertung nach 3,5 von geplanten 5,6 Jahren ergab, dass die Mortalität der Patienten nicht sinkt, sondern im Gegenteil steigt. In den letzten Monaten haben die Diabetologen in aller Welt viel über die Gründe gerätselt, ohne die Ergebnisse der Studie zu kennen, denn das NHLBI hatte sich im Februar mit einer Pressemitteilung begnügt. Rechtzeitig zur Jahrestagung der American Diabetes Association wurden die Ergebnisse der ACCORD-Studie jetzt im New England Journal of Medicine (2008; 358: 2545-2559) publiziert. Sie zeigen zum einen: Eine aggressive HbA1c-Reduktion ist auch bei Patienten mit langjährigem Typ 2 Diabetes mellitus durchaus möglich. Die Diagnose Typ 2 Diabetes mellitus bestand bei den im Durchschnitt 62 Jahre alten Patienten im Mittel bereits seit 10 Jahren und ihr HbA1c -Wert war vor Therapiebeginn mit 8,1 Prozent deutlich erhöht.

Sie wurden damals auf zwei Gruppen randomisiert. In einer wurde eine Standardtherapie mit einem nicht allzu anspruchsvollen HbA1c-Ziel von 7,0 bis 7,9 Prozent angestrebt. Dies wurde auch erreicht. Am Ende lag der durchschnittliche HbA1c-Wert bei 7,5 Prozent. In der zweiten Gruppe wurde versucht, den HbA1c-Wert auf sechs Prozent zu drücken, den Normalwert von Gesunden. Das gelang zwar nicht. Mit einem HbA1c-Wert von durchschnittlich 6,4 Prozent wurde aber eine langfristige Blutzuckerkontrolle erreicht, die den Erfordernissen der Diabetologie mehr als genügt.

In der Praxis gilt eine Therapie als erfolgreich, wenn der HbA1c-Wert auf unter sieben Prozent sinkt. Alle Diabetologen hatten erwartet, dass die aggressive HbA1c-Senkung in der ACCORD-Studie die Prognose der Patienten verbessert, weil sie die kardiovaskulären Spätkomplikationen vermeidet. Im primaren Endpunkt der Studie, dem Composite aus Herzinfarkt, Schlaganfall oder Herzkreislauftod, wurde dies auch erreicht. Er wurde unter der intensiven Strategie von 352 Teilnehmern, unter der aggressiven Strategie dagegen von 371 Teilnehmern erreicht.

Diese Betrachtung wird von den Ergebnissen der ADVANCE-Studie (publiziert N Engl J Med 2008; 358; 2560-2572) gestützt. Hier ergab sich für Patienten mit Typ 2 Diabetes mit einem hohen kardiovaskulären Risiko, die intensiv auf einen HbA1c um 6,5% eingestellt worden waren, eine signifikante Reduktion für mikrovaskuläre Folgeschäden (insbesondere eine Risikoreduktion fur Nephropathien um 21%) sowie eine Tendenz zu weniger makrovaskulären Komplikationen gegenüber einer „Standardbehandlung“ mit einem HbA1c um 7,5%. Eine Übersterblichkeit in der intensiver behandelten Gruppe war nicht zu beobachten.
Ein augenscheinlicher Unterschied in den beiden Studien waren die im jeweiligen intensiv behandelten Arm angewendeten Therapieregime. Die Patienten in der ACCORD-Studie erhielten gemäß nordamerikanischen Gepflogenheiten überwiegend eine Mehrfachkombination aus Sulfonylharnstoffen, Metformin, Glitazonen und Insulin. Die Patienten in der in Europa, Asien, Australien und Canada durchgeführten ADVANCE Studie waren dagegen vorwiegend mit Sulfonylharnstoffen und Metformin sowie vergleichsweise seltener mit Insulin und Glitazonen therapiert.

ACCORD: Action to Control Cardiovascular Risk in Diabetes

Kurzbeschreibung (Blutzuckerarm):
10200 Patienten randomisiert in 2 Gruppen mit HbA1c < 6,0% und 7,0-7,9%. Alter der Patienten zu Studienbeginn 62,2 ± 6,8 Jahre, Studiendauer geplant 5,6 Jahre

Ergebnisse zu Studienende:
HbA1c 6,4% versus 7,5%, Primärer Endpunkt in Interventionsgruppe seltener, Gesamtmortalität erhöht!
www.accordtrial.org

ADVANCE: Action in Diabetes and Vascular Disease – Preterax® and Diamicron® MR Controlled Evaluation

Kurzbeschreibung (Blutzuckerarm): 
11140 Patienten randomisiert in 2 Gruppen mit intensiver (HbA1c < 6,5%) und Standard-Glucosekontrolle. Alter der Patienten zu Studienbeginn 66 ± 6 Jahre, Studiendauer im Median 5 Jahre

Ergebnisse zu Studienende:
HbA1c 6,5% versus 7,3%, Primarer Endpunkt mikrovaskuläre Komplikationen in Interventionsgruppe signifikant seltener, Gesamtmortalität in beiden Gruppen gleich!
www.advance-trial.com

VADT: Glycemic Control and Cardiovascular Outcome – The Veterans Affair Diabetes Trial

Kurzbeschreibung:
1731 Patienten randomisiert in 2 Gruppen mit HbA1c < 6,0% und < 9,0%. Alter der Patienten zu Studienbeginn 64 ± 9,5 Jahre, Studiendauer 6 Jahre

Ergebnisse zu Studienende:
HbA1c 6,9% versus 8,4%, kein signifikanter Unterschied hinsichtlich kardiovaskulärer Mortalität.

Die ausführlichen Studienergebnisse stellen wir Ihnen auf Anfrage gerne zu Verfügung!

Dr. Martin Schönauer praxis@schoenauer-leipzig.de
Dr. Karsten Milek office@doc-milek.de
Dr. Jorg Steindorf jsteindorf@praxis-steindorf.de
Dr. Birgit Höne Birgit_hoene@web.de
Dr. Tina Mühlberg muehlberg.t@gmx.de

ELSID-Studie

(2008)

Diabetiker im DMP leben länger

ELSID-Studie: Erste Endergebnisse der Studie zeigen Unterschiede bei der Sterblichkeit von Teilnehmern und Nicht-Teilnehmern strukturierter Behandlungsprogramme

Bei Typ 2 Diabetikern, die an einem strukturierten Behandlungsprogramm (Disease-Management-Programm, kurz DMP) teilnehmen, gibt es deutlich weniger Todesfälle als bei solchen, die lediglich unter der medizinischen Regelversorgung stehen. Das zeigen die Ergebnisse der bundesweit ersten kontrollierten Studie zum Vergleich zwischen DMP-Teilnehmern und Patienten in der Regelversorgung, die von der Abteilung Allgemeinmedizin und Versorgungsforschung am Universitätsklinikum Heidelberg in Kooperation mit dem AOK-Bundesverband erfolgt ist. Die Daten der Patienten wurden über einen Zeitraum von zweieinhalb Jahren beobachtet.

Nach den ersten Endergebnissen der so genannten ELSID-Studie lag die Sterblichkeitsrate bei den älteren Diabetikern im DMP mit 10,9 Prozent deutlich niedriger als bei den Patienten in der Regelversorgung mit 18,8 Prozent. Bei weiteren Überprüfungen der Daten bestätigte sich dieser Unterschied. So verglichen die Heidelberger Wissenschaftler eine Teilgruppe von DMP-Patienten und Patienten in der Regelversorgung mit gleichem Alter und gleichem Geschlecht, die ähnlich schwer erkrankt waren und unter den gleichen Begleiterkrankungen litten. Auch hier zeigte sich bei der Sterblichkeitsrate ein deutlicher Unterschied: Während unter den DMP-Teilnehmern 9,5 Prozent der Patienten verstarben, waren es in der Kontrollgruppe der Nicht-Teilnehmer 12,3 Prozent. „Wir führen dies auf die Kombination der verschiedenen Maßnahmen zurück, die im DMP für Typ-2-Diabetiker vorgesehen sind“, sagte Prof. Joachim Szecsenyi vom Universitätsklinikum Heidelberg bei der Vorstellung der Ergebnisse am Dienstag in Berlin. „Die regelmäßigen Untersuchungstermine und tragen möglicherweise besonders dazu bei, dass gesundheitliche Komplikationen und Probleme bei den Patienten vermieden oder schneller erkannt werden.“

Ausgewertet wurden die Daten von 2.300 älteren DMP-Teilnehmern, die in 85 Hausarztpraxen in Sachsen-Anhalt und Rheinland-Pfalz behandelt wurden. Die Kontrollgruppe der Nicht-Teilnehmer umfasste 8.779 Diabetiker aus 337 Praxen. Alle Patienten wurden mit antidiabetischen Medikamenten behandelt. In die ELSID-Studie, die Ende 2005 gestartet wurde, fließen sowohl medizinische Daten als auch gesundheitsökonomische Parameter wie Verordnungen oder Klinikeinweisungen ein. Weitere Auswertungsergebnisse, unter anderem zu den Kosten der Behandlung, sollen in den nächsten Monaten veröffentlicht werden.

Schon bei einer Patientenbefragung im Rahmen der ELSID-Studie hatten sich positive Resultate zugunsten der DMP-Teilnehmer gezeigt. Danach waren die DMP-Patienten mit dem Ablauf und der Organisation ihrer Behandlung deutlich zufriedener als Patienten in der Regelversorgung. Zudem wurden sie von ihrem Arzt häufiger nach ihren Vorstellungen bei der Gestaltung des Behandlungsplans gefragt und wurden besser darin unterstützt, sich konkrete Ziele in Bezug auf ihr Essverhalten und ihre körperlichen Aktivitäten zu setzen. Die DMP-Patienten erhielten auch eher im Vorfeld Informationen, wie sie in schwierigen Phasen mit ihrer Erkrankung umgehen können.

Die Disease-Management-Programme sind in Deutschland 2003 eingeführt worden, um die Versorgung von chronisch kranken Patienten zu verbessern. Insgesamt nehmen derzeit knapp 2,3 Millionen Versicherte an den Behandlungsprogrammen der AOK teil. Schon seit mehreren Jahren bietet die AOK bundesweit Programme für Patientinnen und Patienten mit Diabetes mellitus Typ 2, Koronarer Herzkrankheit, chronisch-obstruktiven Lungenerkrankungen (COPD) und Brustkrebs an.

In den meisten Ländern können sich die Versicherten darüber hinaus in Programme zur Behandlung von Asthma und Diabetes mellitus Typ 1 einschreiben. Mit fast 1,4 Millionen bilden die Zuckerkranken die größte Gruppe unter den Teilnehmern der AOK, gefolgt von Herzpatienten (580.000) und Patienten mit COPD (150.000).

Weitere Infos und Statements zum Pressegespräch unter www.aok-presse.de

DDB bietet IQWiG weiter Paroli

(2008)

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Heinz Windisch

Heinz Windisch: „Unser Kampf in der gesundheitspolitischen Arena ist nicht von Personen, sondern von der Sache abhängig, in der sich der DDB einig ist. Der Deutsche Diabetiker Bund (DDB) sah sich am 29.12.2007 veranlasst, inmitten der laufenden Legislaturperiode einen neuen Bundesvorstand zu wählen

(Siehe auch DDB-Pressemitteilung vom 07.01.2008)

Diese notwendige verbandsinterne Maßnahme muss den Direktor des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), Prof. Dr. Peter Sawicki, nicht mit Genugtuung erfüllen. Der von Kritiken an seinen Arbeitsmethoden angeschlagene IQWiG-Chef räumte mittlerweile Fehler bei seiner Auftragsvergabe ein und wird wohl auch den von ihm angestrengten und verlorenen Prozess gegen den DDB nicht weiter verfolgen. Falls er nun jedoch darauf setzt, dass sein größter Widersacher – eben der DDB – künftig weniger hartnäckig ist, wird er sich getäuscht sehen, denn diese Hoffnung kann die Patientenorganisation nicht nähren.

Bei aller Bereitschaft zu konstruktiver Zusammenarbeit mit dem IQWiG wehrt sich der DDB unbeirrt weiter gegen alle Maßnahmen und Entscheidungen, die den Interessen der Menschen mit Diabetes widersprechen.

Zu aktuellen Problemen wie dem Einsatz von Analog-Insulinen bei Betroffenen, deren Lebensqualität damit gewährleistet ist, sowie der Notwendigkeit der therapieabhängigen Blutzucker-Selbstkontrolle für alle Betroffenen ist der DDB gewappnet und sieht für anstehende Auseinandersetzungen starke Partner, auch in der Ärzteschaft, an seiner Seite. Bundesvorsitzender Heinz Windisch erklärt dazu: „Unser Kampf in der gesundheitspolitischen Arena ist nicht von Personen, sondern von der Sache abhängig, in der sich der DDB einig ist. Sicher erleichtert die aus der notwendigen Maßnahme resultierende Situation unsere Arbeit nicht gerade, zumal wir als neuer Bundesvorstand mit schweren verbandsinternen Altlasten fertig werden müssen. Wir alle zusammen, der Bundesvorstand und die Landesvorstände behalten dabei unsere eigentliche Aufgabe fest im Griff. Und die besteht darin, allen Menschen mit Diabetes ein selbstbestimmtes Leben mit dieser chronischen Erkrankung zu ermöglichen.“

Nährwerte

(2008)

Nährwerte – Gesund durch Ampel?

Welche Informationen bekommt der Verbraucher über seine Lebensmittel? Auf Bundes- und EU-Ebene sind Initiativen im Gange, um durch Kennzeichnung eine gesündere Nahrungsauswahl zu erreichen. Was kann man erwarten? Wäre ein Fortschritt in Sachen Klarheit der Lebensmittel-Kennzeichnung: Die 1 plus 4-Lösung vorne auf jedem Etikett

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Eine wichtige Voraussetzung für gesunde Ernährung ist das Wissen darüber, was zu einer solchen Ernährung dazu gehört und wie der Beitrag der verschiedenen Lebensmittel ist. Aus diesem Grund werden in letzter Zeit die Nährwertinformationen der Lebensmittelpackungen diskutiert, das Ziel ist klar: Leicht verständlich sollen die Angaben helfen, ein Produkt als „gesund“ oder „ungesund“ einordnen zu können und es besser mit anderen Produkten der gleichen Art vergleichen zu können.

Letzteres ist bei weitem der wichtigere Teil, denn einfach nur gut oder böse sind Lebensmittel genauso selten wie Menschen. Einen Liter Cola einfach nur „ungesund“ zu nennen ist eigentlich gar keine Information, sondern etwas, das die meisten ahnen. Die Angabe „deckt 20 Prozent Ihres täglichen Energiebedarfs ab“ ist da schon viel klarer, und der Vergleich zum deutlich geringeren Wert bei der Light-Variante von unter 0,2 Prozent des Tagesbedarf sagt ein Übriges. „Gesund“ würde ein solches Produkt trotzdem wohl kaum einer nennen.

Ausweiten und vereinheitlichen

Momentan sind Nährwertangaben für Lebensmittel freiwillig, nur wenn ein Hersteller eine gesundheitsbezogene Angabe wie eben „light“ macht, muss er eine gesetzlich geregelte Tabelle mit Nährwerten auf sein Etikett bringen – nicht zwangsläufig nach vorne. Manche Produzenten und Handelsketten erkennen anlässlich der Übergewichts-Diskussion den Marketingwert einer mehr oder weniger umfassenden Aufklärung über die Lebensmittel, immer mehr Nährwerte erscheinen derzeit auf den Packungen.

Erweiterte Nährwertinformationen über Lebensmittel sind auch ein Schwerpunkt der Eckpunkte des Nationalen Aktionsplanes zur Prävention von Fehlernährung, Bewegungsmangel, Übergewicht und damit zusammenhängenden Krankheiten, die das Bundeskabinett im Mai letzten Jahres beschlossen hat. Bis zum Frühjahr will das Verbraucherschutzministerium einen Leitfaden hierzu entwickeln, Eckpunkte des Leitfadens stellte der zuständige Minister Horst Seehofer in einer Pressekonferenz im Beisein des Vorsitzenden des Lebensmittelhersteller-Verbands BLL und des Präsidenten des Hauptverbandes des Deutschen Einzelhandels vor.

Im Prinzip bleibt die Kennzeichnung gleich, das Ministerium setzt weiter auf Zahlen und nicht wie Großbritannien auf Ampelfarben. Der Leitfaden soll hauptsächlich vereinheitlichen, was und wie die Unternehmen freiwillig angeben, Seehofer appellierte an Industrie und Handel, in verstärktem Maße freiwillig zusätzliche Nährwertinformationen auf verpackten Lebensmitteln anzubringen. Genannt sind die Angabe der zentralen Elemente Brennwert und Gehalt an Fett, Zucker, gesättigte Fettsäuren und Salz unter dem Schlagwort „1 plus 4“. Die Angaben sollen auf die Portion bezogen werden und in einheitlichen und wiedererkennbaren Symbolen auf den Verpackungen und Etiketten angegeben werden, und zwar unter Bezug auf die Richtwerte für die empfohlene Tageszufuhr. An prominenter Stelle, in der Regel auf der Schauseite des Etiketts, soll mindestens die Angabe des Brennwertes stehen, bezogen auf die Portion, unter Bezug auf einen durchschnittlichen Referenzwert für die tägliche Energieaufnahme von 2.000 Kilokalorien. Auch die Angabe der Portionsgröße, zum Beispiel als Piktogramm, fordert der Leitfaden, dazu sei mittelfristig eine Vereinheitlichung der Portionsgrößen für Lebensmittel der selben Kategorie durch die jeweiligen Branchen der Wirtschaft erforderlich.

Grafik oder Zahl?

In verschiedenen Ländern der EU, aber auch in außereuropäischen Staaten, wurden in den vergangenen Jahren Systeme entwickelt, um Nährwertinformationen über Lebensmittel durch besonders ins Auge fallende Symbole oder Grafiken den Verbrauchern auf freiwilliger Basis zur Verfügung zu stellen. Solche Systeme werden unter dem Begriff „Signposting“ zusammengefasst, das bekannteste ist die britische „Ampel“, die die Gehalte an den verschiedenen Nährstoffklassen in grün, gelb und rot klassifiziert. Schweden belohnt ausgewählte Lebensmittel mit einem Schlüsselloch-Symbol, wenn sie genau spezifizierte Nährwert-Anforderungen erfüllen. In Frankreich gibt es verschiedene Systeme, die die normale Nährwertkennzeichnung erweitern, beispielsweise einen „Curseur nutritionnel“, der Lebensmittel der gleichen Art auf einer kontinuierlichen Skala von Ernährungsgenuss, normalem Genuss und Schlemmergenuss einordnet, dabei jedoch grün und rot, böse und gut vermeidet.

EU will durchgreifen

Wer von freiwilligen Industrievereinbarungen nicht viel hält und sich wie die Verbraucherschutzorganisation Foodwatch daran stört, dass Minister Seehofer seinen Kennzeichnungs-Leitfaden zusammen mit Industrie und Handel ausarbeitet, dem könnte vielleicht die Europäische Kommission Hoffnung machen. Ende Januar kündigte sie ihrerseits eine Überarbeitung der Nährwertkennzeichnung an, und zwar im Rahmen der EU-weit gültigen Kennzeichnungsvorschriften für Lebensmittel.

Gesundheits-Kommissar Markos Kyprianou schlägt in dem Verordnungsentwurf eine für alle Lebensmittel verpflichtende Angabe der Nährwerte auf dem vorderen Etikett vor. Zur Freude aller europäischen Diabetes-Fachgesellschaften mit dabei: Die verpflichtende Angabe der Gramm Kohlenhydrate und damit der alles entscheidenden Kenngröße für die Therapieanpassung. „Lebensmitteletiketten können einen enormen Einfluss auf die Kaufentscheidungen der Verbraucher haben. Verwirrende, überladene oder irreführende Etiketten können eher ein Hindernis als eine Hilfe für den Verbraucher sein. Dieser Vorschlag will sicherstellen, dass Lebensmitteletiketten die essentiellen Informationen in einer klaren und lesbaren Art enthalten, so dass EU-Bürger in der Lage sind, Entscheidungen für eine ausgewogene Ernährung zu treffen“, erklärte Kyprianou. Kommt der Zypriot mit seinem Entwurf durch, so scheint der Weg der Nährwertkennzeichnung klar: Schritt für Schritt werden die vereinheitlichten, freiwilligen Angaben a la Seehofer in die Supermärkte Einzug halten, nach Ablauf der laut EU-Kommission vermutlich dreijährigen Übergangszeit wird dann die Angabe auf der Vorderseite Pflicht. Bleibt zu hoffen, dass Wissen wirklich Macht ist und die dann offen erkennbaren Ernährungssünder aus den Einkaufswagen verschwinden.

Schädliches „Für Diabetiker geeignet“

Eine andere Vorschrift des Lebensmittelrechts ist explizit Diabetes-bezogen und seit Jahren Gegenstand der Diskussion: In Deutschland gibt es immer noch Lebensmittel mit der Aufschrift „für Diabetiker geeignet“. Dieser Passus überlebt hartnäckig in der „Verordnung über diätetische Lebensmittel“, kurz Diätverordnung genannt.Diese Diätverordnung ist ein deutsches Unikum und bei Fachleuten berüchtigt als hochkompliziertes und kaum überschaubares Sammelsurium von Vorschriften, Mindestnährwertgehalten und Zusatzstoffregelungen. Auf EU-Ebene wurde schon 1999 überlegt, „Diabetiker-Lebensmittel“ aus der der Diätverordnung zugrunde liegenden Verordnung 89/398/EWG zu streichen, in der Begründung der Richtlinie 99/41/EG heißt es in Absatz 5: „Es besteht keine Klarheit darüber, ob es eine ausreichende Grundlage für die Annahme besonderer Vorschriften für die unter Nummer 9 des Anhangs I der Richtlinie 89/398/EWG genannte Gruppe gibt, d.h. die Gruppe der Lebensmittel für Personen, die unter einer Störung des Glucosestoffwechsels leiden (Diabetiker). Die Richtlinie forderte weitere Berichte zu der Frage, seither geistert das Thema durch die Gremien der EU, in einer Stellungnahme des Wissenschaftlichen Lebensmittelausschusses zum Beispiel hieß es 2002 in bestem EU-Deutsch: „Es gibt keine wissenschaftlichen Gründe für spezielle Kriterien der Zusammensetzung von Lebensmitteln für besondere Ernährungszwecke bei Menschen mit Diabetes.“

Doch die bürokratischen Mühlen in Brüssel und auch in Bonn beim Verbraucherschutzministerium mahlen langsam, gerade in Deutschland wehrt sich die kleiner werdende Lobby der Diätlebensmittel-Hersteller immer noch erfolgreich gegen eine Anpassung der Vorschriften an den aktuellen Stand der Erkenntnis. Und so steht in § 12 der Diätverordnung nach wie vor in Absatz 1 „Diätetische Lebensmittel für Diabetiker müssen folgenden Anforderungen entsprechen

  1. Der Gehalt an Fett oder Alkohol darf gegenüber vergleichbaren Lebensmitteln des allgemeinen Verzehrs nicht erhöht sein,
  2. d-Glukose, Invertzucker, Disaccharide, Maltodextrine und Glukosesirup dürfen nicht zugesetzt sein; an Stelle dieser Stoffe dürfen nur Fructose sowie Süßungsmittel nach Maßgabe der Anlage 2 der Zusatzstoff-Zulassungsverordnung zugesetzt sein.“

Ein medizinischer Unsinn, der an Verbrauchertäuschung grenzt.

DDG fordert Abschaffung

Die Deutsche Diabetes Gesellschaft forderte jetzt anlässlich neuer Beratungen in Brüsseler Gremien erneut die Abschaffung der „Diabetiker-Lebensmittel“. Diese seien nach wissenschaftlichen Erkenntnissen keineswegs für eine diabetesgerechte Ernährung zu empfehlen und schadeten Diabetikern häufig. „Alle europäischen Länder sind sich einig: Wir brauchen diese Produkte nicht!“ betont Dr. Monika Töller, die für die DDG in zahlreichen Beratungsrunden zu diesem Thema saß.

Ärzte, Ernährungsexperten und Wissenschaftler wissen längst, dass Menschen mit Diabetes beiden Typs übliche Lebensmittel essen können. Die frühere Ansicht, es gehe vor allem darum, den Haushaltszucker aus der Nahrung zu entfernen, sei wissenschaftlich überholt. Und genau auf dieser Ansicht basieren noch die heute in Deutschland zugelassenen „Diabetiker-Lebensmittel“. Die Experten der DDG und auch der Internationalen Diabetes Föderation IDF halten deshalb Lebensmittel mit der Aufschrift „für Diabetiker geeignet“ nicht nur für überflüssig, sondern auch für schädlich. Die Bezeichnung könne dazu führen, dass Diabetiker glauben, sie könnten unbegrenzt davon essen. Außerdem sind „Diabetiker-Produkte“ in der Regel teurer als übliche Lebensmittel. Weit hilfreicher für alle Menschen, auch solche mit Diabetes, seien die neuen Kennzeichnungsregelungen.

Am mangelnden Fleiß des Gesetzgebers liegt der Anachronismus in Sachen „Diabetiker-Lebensmittel“ auf jeden Fall nicht, es gibt mittlerweile schon die 15. Änderungsverordnung zur Diätverordnung, erlassen am 20. Dezember 2007.

Insulinstoffwechsels

(2008)

Insulin steuert Essverhalten im Gehirn

IDE-Förderpreis für Erforschung des Insulinstoffwechsels im Gehirn bei Übergewichtigen

Das Institut Danone Ernährung für Gesundheit e.V. (IDE) verleiht in diesem Jahr seinen Förderpreis an Dr. Manfred Hallschmid, Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Endokrinologie der Universität Lübeck. Der Titel seiner Forschungsarbeit lautet: „Zentralnervöse Insulinresistenz als Schlüsselphänomen bei Adipositas“.

(„Obese men respond to cognitive but not to catabolic brain insulin signaling“, veröffentlicht im International Journal of Obesity, 2007.)

Der Präsident des IDE, Professor Günther Wolfram, überreichte den mit 5.000 Euro dotierten Preis in Hamburg im Rahmen der 7. Drei-Länder-Tagung „Ernährung 2008“. Das Institut verlieh damit zum 4. Mal den IDE-Förderpreis an Nachwuchswissenschaftler für herausragende Leistungen auf den Gebieten der Ernährungswissenschaft und Ernährungsmedizin.

Im Rahmen des Forschungsprojektes wurde normalgewichtigen und übergewichtigen männlichen Probanden über acht Wochen hinweg Insulin als Nasenspray gegeben. Als Nasenspray verabreicht gelangt der Botenstoff Insulin direkt ins Gehirn. Das heißt, der Blutkreislauf wird bei der Anwendung des Insulins umgangen. Die normalgewichtigen Männer verloren dabei signifikant an Körpergewicht und Körperfett, die Übergewichtigen hingegen nicht. „Dafür musste es einen Grund geben“, bringt Hallschmid die Ergebnisse seiner Arbeit auf den Punkt, „und den haben wir gefunden: Übergewichtige haben eine Insulinresistenz im Gehirn. Das sorgt dafür, dass Übergewichtige ihr Gewicht halten und nicht abnehmen“.

Insulin: wichtiger Botenstoff im Gehirn

Im Bezug auf den Stoffwechsel ist Insulin ein wichtiger Botenstoff in unserem Körper. Wo das Hormon seine Aufgaben nicht erfüllt, entsteht Diabetes. Als Botenstoff im Gehirn ist es jedoch bisher weitgehend unbekannt gewesen. Doch Insulin zirkuliert nicht nur im menschlichen Blutkreislauf, sondern es passiert auch die Grenze zum Gehirn und steuert unterschiedliche Prozesse.

Bei normalgewichtigen Menschen steigt der Insulinspiegel im Gehirn proportional zum Insulingehalt des Blutes an und signalisiert, dass genug Nahrung aufgenommen wurde. So wird das Essverhalten über Hunger- und Sättigungsgefühl gesteuert und der Mensch ist vor Übergewicht geschützt. Bei übergewichtigen Männern ist dieses Gleichgewicht gestört. Im Gehirn besteht eine Resistenz gegenüber dem Insulin. Die Signale „Ich bin satt“ und „Ich habe Hunger“ sind nicht mehr an den Blutzuckergehalt gekoppelt – der Mensch isst zu viel. Auf diese Weise wird das Gewichtsmanagement durch Insulin beeinflusst und das Hormon gilt deswegen neben anderen Stoffen als „Adipositas-Signal“. „Damit haben wir einen entscheidenden Wirkmechanismus krankhaften Übergewichts entdeckt“, erklärt Hallschmid die Bedeutung seiner Forschungsergebnisse.

Insulinresistenz ist nicht genetisch bedingt, sondern erworben

Nehmen Übergewichtige ab und halten ihr Gewicht, bildet sich ihre Insulinresistenz wieder zurück. „Denkbar wäre, dass diese so genannte „zentralnervöse“ Insulingabe in der Adipositas-Therapie Übergewichtigen nach einer Gewichtsreduktion helfen kann, ihr neues Gewicht zu halten“ antwortet Hallschmid auf die Frage nach möglichen Therapieanwendungen. „Die intranasale Verabreichung von Substanzen ist ein relativ neuer Weg. Der Vorteil liegt darin, dass man direkt Einfluss auf Stoffwechselprozesse im Gehirn nehmen und den Blutkreislauf umgehen kann.“

Nur Männer reagieren auf Insulin-Nasenspray

Die Studie baut auf Forschungsarbeiten mit Normalgewichtigen auf, die erstmals die Rolle von Insulin in der Steuerung des Essverhaltens gezeigt hat. Ursprünglich hoffte man, mit der intranasalen Insulingabe Übergewichtigen das Abnehmen zu erleichtern und konzipierte die Forschungsarbeit entsprechend. Dabei konzentrierte sich Hallschmid auf männliche Probanden. Denn bereits in früheren Forschungsarbeiten hatte sich gezeigt, dass Frauen aufgrund des höheren Östrogenspiegels auf die zentralnervöse Insulineinnahme nicht reagieren.

Insulin verbessert kognitive Leistungsfähigkeit

Eines hatten normalgewichtige und übergewichtige Probanden gemeinsam: Bei ihnen verbesserte das Insulin die kognitiven Funktionen, also die Gedächtnisleistung. Insulin fördert im Gehirn neuronale Verknüpfungen in der dafür zuständigen Hirnregion. Studien zeigen, dass Übergewichtige häufiger an Demenzerkrankungen und Alzheimer leiden als Normalgewichtige.

Preiswürdig: besondere Relevanz für Adipositasforschung

„Die Forschungsarbeit zeichnet sich durch eine besondere Relevanz für die gegenwärtigen Diskussionen der Ursachen und Therapie von Adipositas aus“, erklärt Professor Günther Wolfram, Präsident des IDE, warum die Wahl der Preisjury auf Hallschmids Arbeit gefallen ist.

Welt-Nierentag am 13. März

(2008)

Nierenfunktion testen – aber richtig!

Ein sinnvoller Gesundheitstest für Diabetiker ist die Messung des Mikroalbumins im Urin – sofern der Teststreifen dafür geeignet ist.

Diabetiker haben ein hohes Risiko für Erkrankungen der Nieren: Es übersteigt das von Nichtdiabetikern um das 4,6-fache. Das Risiko für eine Niereninsuffizienz (Nierenversagen) ist sogar um das 12-fache höher. Etwa ein Drittel aller Diabetiker entwickelt im Lauf der Erkrankung eine diabetische Nephropathie (Nierenkrankheit): Die Nieren verlieren dabei langsam ihre Filterfunktion. Die Nephropathie entsteht meist aufgrund jahrelang schlecht eingestellter Blutzuckerspiegel. Das Risiko für diese Folgeerkrankung lässt sich drastisch senken, wenn der Stoffwechsel optimal eingestellt ist. Auch wenn die Nephropathie schon besteht, sind eine normnahe Blutzuckereinstellung und eine konsequente Blutdruckeinstellung auf niedrige Werte wichtig.

Eiweiß im Urin kündigt Folgeschäden an

Das erste Zeichen der Nephropathie ist eine messbare Eiweißausscheidung im Urin. Von einer Mikroalbuminurie spricht der Arzt, wenn 20 bis 200 mg Albumin (Bluteiweiß) pro Liter oder 30 bis 300 mg Albumin in 24 Stunden ausgeschieden werden. Eine Mikroalbuminurie ist bei 30 bis 40 Prozent der Patienten mit Typ-1-Diabetes nachweisbar und tritt häufiger bei Männern als bei Frauen auf. Ohne spezifische Behandlung entwickeln bis zu 80 Prozent der Typ-1-Diabetiker mit Mikroalbuminurie innerhalb von zehn bis 15 Jahren eine so genannte Makroalbuminurie. Das ausgeschiedene Eiweiß wird dabei nicht „größer“ („makro“, griechisch groß oder weit), sondern mehr: Mehr als 300 mg Eiweiß passieren in 24 Stunden die Nieren. Aus der Makroalbuminurie entsteht bei jedem zweiten Typ 1 Diabetiker innerhalb von zehn Jahren eine Niereninsuffizienz.

Bei Typ-2-Diabetikern ist es so, dass die meisten eine Mikroalbuminurie schon bei Diagnosestellung aufweisen. Mit abnehmender Nierenfunktion entwickeln oder verstärken sich Bluthochdruck, Fettstoffwechselstörungen (Dyslipoproteinämie) und weitere diabetestypische Komplikationen. Bei hochgradigem Nierenversagen wird eine Nierentransplantation beziehungsweise eine künstliche Blutwäsche notwendig (Dialyse).

Welche Teststreifen für die Nierenfunktion?

Geringe Eiweißverluste unterhalb des Schwellenwertes der Mikroalbuminurie gelten als normal. Ein Verdacht auf eine diabetische Nephropathie liegt vor, wenn bei einem Diabetiker in zwei von drei Morgen-Urinproben (im Abstand von etwa zwei bis vier Wochen) mehr als 20 mg Albumin nachgewiesen werden.

Das Problem bei der Selbstmessung: Viele normale Mehrfach-Teststreifen, die gleichzeitig z.B. Eiweiß, Blut, Zucker, Leukozyten messen sollen, weisen eine leichte Mikroalbuminurie gar nicht nach. Die maßgebliche Schwelle – eine Albuminausscheidung von 20 bis 200 mg/l oder 30 bis 300 mg/24 Stunden – identifizieren sicher nur spezielle Mikroalbuminurie-Teststreifen (wie z.B. Micral-test®, Microalbustix®). Um beginnende Nierenerkrankungen bei Menschen mit Diabetes oder hohem Blutdruck frühzeitig zu erkennen, empfiehlt die Deutschen Diabetes-Gesellschaft, diesen Test jährlich durchzuführen.

Harnteststreifen für Diabeteskontrolle ungeeignet

Geeignete Harnteststreifen auf Eiweiß sind also in der Früherkennung von Folgeschäden sinnvoll. Diabetiker sollten mit Harnteststreifen aber nicht ihre Therapie kontrollieren, auch wenn diese Zucker nachweisen. „Für die Therapiekontrolle bei Menschen, die gegen einen Diabetes behandelt werden, sind sie nicht ausreichend exakt. Außerdem erfassen sie keine Unterzuckerungen“, erklärte Prof. Martin Schulz auf einer Fortbildung für Apotheker. Die erhaltenen Harnzuckerwerte lassen nur bedingt einen Rückschluss auf Überzuckerungen zu. Ist bei Diabetes zu viel Glukose im Blut gelöst, wird diese zwar über die Niere mit dem Harn ausgeschieden. Aber der Zucker im Urin schwankt in Abhängigkeit von Trinkmenge und der individuellen Nierenschwelle. Diese verändert sich z.B. im Alter oder bei einer Schwangerschaft. Zudem ist der Test auf Zucker im Harn anfällig für Störungen, etwa durch große Mengen Vitamin C. Der genaue Zuckergehalt im Blut lässt sich nur mit der direkten Blutzuckermessung bestimmen.

Leitlinien

(2008)

DDG: Neue Ernährungstherapie empfohlen

Ziel ist die erfolgreiche Verringerung des Übergewichts bei Diabetes Typ 2

Wenn Typ 2 Diabetiker zugleich übergewichtig sind, ist das Risiko für Folge- und Begleiterkrankungen wie Bluthochdruck oder Gefäßerkrankungen erhöht. Um das Gewicht zu verringern, reichen meistens Medikamente nicht aus. Die Deutsche Diabetes-Gesellschaft (DDG) hat deshalb in Zusammenarbeit mit drei anderen Fachgesellschaften die bestehende Leitlinie zur kombinierten Ernährungs-,Bewegungs-, Verhaltens- und medikamentösen Therapie ergänzt. Die Fachgesellschaften empfehlen eine Ernährungstherapie in vier Stufen.

Nahezu 85% der Menschen mit Diabetes Typ 2 sind übergewichtig oder sogar adipös

Die WHO empfiehlt bei Diabetes und Übergewichtigkeit, das Gewicht um 10 bis 20 Prozent zu verringern. „Ein Ziel, das allein mit Medikamenten schwer zu erreichen ist. Betroffene sollten ihren Lebensstil ändern, das heißt regelmäßiges Ausdauer- und Krafttraining und energiearme Kost“, betont Professor Dr. med. Alfred Wirth, Ärztlicher Direktor der Teutoburger-Wald-Klinik, Bad-Rothenfelde.

Die neue Ernährungstherapie sieht eine individuelle Reduktionsdiät vor. In der ersten von vier Stufen verringern Übergewichtige ihren Fettkonsum auf weniger als 60 Gramm pro Tag. Der Deutsche nimmt durchschnittlich etwa doppelt so viel Fett am Tag zu sich. Innerhalb von sechs Monaten sollte so eine Gewichtsabnahme von vier Kilogramm möglich sein. Stufe zwei sieht vor, weniger Nahrungsmittel mit hoher Energiedichte zu sich zu nehmen. Dies sind zum Beispiel Kartoffeln, Getreideprodukte, Fleisch oder Säfte. Eine Mischkost aus Kohlenhydraten, Eiweißen und Fetten führt bei extrem Adipösen jedoch oft noch nicht zum Erfolg. Deshalb sehen die Stufen drei und vier der von der DDG empfohlenen neuen Ernährungstherapie zusätzlich Formula-Produkte vor. Hierbei handelt es sich um einen Fertigdrink, eine Suppe oder einen Riegel, mit dem in Stufe drei 1 bis 2 Mahlzeiten pro Tag ersetzt werden sollen. Die Kalorienmenge der Formula-Produkte ist genau festgelegt. So fällt es den Betroffenen leichter, die exakte Energiemenge einzuhalten, die der Ernährungsplan vorgibt.

Professor Wirth betont, dass es zu diesen Formula-Produkten unterschiedliche Expertenmeinungen gibt. In Studien hätten sie jedoch gute Ergebnisse erzielt. Einige der Experten empfehlen soagr, in einer vierten Stufe sämtliche Mahlzeiten durch Formula-Produkte zu ersetzen. Dies sollte jedoch maximal für die Dauer von drei Monaten durchgeführt werden.

Dass eine Änderung des Lebensstils wirksam ist, bewiesen bereits die Einjahresdaten der „Look AHEAD Studie“: Adipöse Typ-2-Diabetes-Patienten, die ihren Lebensstil unter Anleitung änderten, reduzierten unter anderem stärker ihr Körpergewicht als Patienten, die eine Standardtherapie erhielten. Um die Lebensstiländerung dauerhaft durchzuhalten, empfiehlt Wirth, sich einer Therapiegruppe anzuschließen. Führen nach einem Jahr weder Medikamente noch die Ernährungs- und Bewegungstherapie zu der angestrebten Gewichtsabnahme, sollte ein operativer Eingriff vorgenommen werden.

Die aktualisierte Leitlinie steht im Internet unter www.adipositas-gesellschaft.de zur Verfügung.