Neuigkeiten für Menschen mit Diabetes im Straßenverkehr

Diabetes und Straßenverkehr
Der Ausschuss “Soziales” der Deutschen Diabetes Gesellschaft hat die Leitlinie zu “Diabetes und Straßenverkehr” aktualisiert. Der Fokus liegt vor allem auf moderner Diabetestechnik und Medikamenten, die keine Unterzuckerungen verursachen. Sie eröffnen Menschen mit Diabetes neue Perspektiven, die auch im Verkehrs- und Berufsrecht berücksichtigt werden sollten.

(16.3.2026) Seit 2017 veröffentlicht der Ausschuss “Soziales” der Deutschen Diabetes Gesellschaft Leitlinien zu “Diabetes im Straßenverkehr”. Diese Empfehlungen für die Anpassung des Verkehrs- und Berufsrechts an den aktuellen Stand der Diabetologie werden regelmäßig aktualisiert – zuletzt Ende 2025. Denn die Behandlung des Diabetes entwickelt sich immer weiter, vor allem im Bereich Diabetestechnik. Dies trägt auch zur Sicherheit im Straßenverkehr bei.

Moderne Diabetestechnik minimiert das Risiko einer Unterzuckerung

Moderne Diabetestechnik kann dazu beitragen, Unterzuckerungen weitgehend zu vermeiden. Menschen mit Typ-1-Diabetes verwenden häufig Systeme zur automatischen Insulindosierung (AID). Sie kombinieren Insulinpumpen mit Sensoren zur kontinuierlichen Glukosemessung (CGM). Ein integrierter Algorithmus sorgt dafür, dass die aktuell benötigte Menge Insulin automatisch abgegeben wird.

Viele Menschen mit Typ‑2‑Diabetes erhalten heute Therapien ohne Unterzuckerungsrisiko. Im Rahmen einer Insulinbehandlung kommen kontinuierliche Glukosemesssysteme (CGM) zum Einsatz. Hier machen Warnfunktionen kritische Werte frühzeitig sichtbar und tragen dazu bei, schwere Unterzuckerungen zu vermeiden.

Das Unfallrisiko von Menschen mit Diabetes ist nur leicht erhöht

„Diese Fortschritte haben die Stoffwechselkontrolle grundlegend verändert“, erklärt Mitautor der Leitlinie, Dr. med. Friedrich W. Petry. Eine Unterzuckerung bleibe zwar das größte Risiko im Straßenverkehr. Doch die Zahl solcher Ereignisse sei durch moderne Technik und Schulungen deutlich gesunken. Der Diabetologe am Medicum Wetzlar betont, dass das Risiko von Autounfällen bei Menschen mit Diabetes nur leicht erhöht sei, vor allem im Vergleich zu anderen Erkrankungen, die das Unfallrisiko wesentlich stärker steigern – wie ADHS oder obstruktive Schlafapnoe (OSAS).

Konkrete Empfehlungen für Menschen mit Diabetes im Straßenverkehr

  • Vor Fahrtantritt sollen Betroffene ihren Glukosewert prüfen und nur starten, wenn er ausreichend hoch ist.
  • Menschen mit kontinuierlicher Glukosemessung sollen die Warnfunktionen aktiviert haben und auf Trendpfeile achten. Bei kritischen Werten sollen sie die Fahrt unterbrechen und ihren Glukosewert stabilisieren.

Menschen mit Diabetes im Beruf nicht benachteiligen

Ein Schwerpunkt der Leitlinie ist die berufliche Teilhabe, denn es gibt noch immer viele Beschränkungen für Menschen mit Diabetes – etwa bei Polizei, Feuerwehr oder im Flug- und Schifffahrtsverkehr. Sie beruhen laut den Experten der Deutschen Diabetes Gesellschaft teilweise auf überholten Einschätzungen. Die Autoren der Leitlinie fordern, berufsrechtliche Vorgaben zu überprüfen und individuelle Risiken, Therapieform, Nutzung von Warnsystemen und Schulung stärker zu berücksichtigen.

Dr. Friedrich W. Petry betont: „Erhöhte Glukosewerte allein führen nicht zu einer eingeschränkten Fahreignung. Entscheidend ist vielmehr die Frage, ob Konzentration, Aufmerksamkeit oder Sehen beeinträchtigt sind.“ Die moderne Diabetologie könne viele Risiken ausgleichen. Kompensation ist vielfach möglich. Deshalb dürften Menschen mit Diabetes nicht pauschal von besonderen Tätigkeiten ausgeschlossen werden, so der Mitautor der Leitlinie.

Quelle: Medieninformation der Deutschen Diabetes Gesellschaft aus Dezember 2025

Auf dieser Seite können Sie die Neuigkeiten der Leitlinie “Diabetes und Straßenverkehr” herunterladen.

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Dieser Artikel wurde verfasst von Heidi Buchmüller