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DDG widerspricht Aussagen von IQWiG-Chef Prof. Dr. med. Peter Sawicki

Menschen mit Diabetes Typ 2 müssen entgegen der Meinung von IQWiG-Chef Prof. Sawicki nach wie vor ihren Blutzuckerspiegel senken, um Folgeerkrankungen des Diabetes zu vermeiden! Die Deutsche Diabetes-Gesellschaft (DDG) widerspricht damit den öffentlichen Äußerungen von Professor Dr. med. Peter Sawicki, Leiter des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG). Prof. Sawicki stellte eine medikamentöse Behandlung insbesondere älterer Patienten als unnötig und sogar schädlich dar.

„Ziel jeder Diabetes-Therapie ist weiterhin ein Langzeitblutzuckerwert von unter sieben Prozent. Nur so lassen sich Folgeerkrankungen vermeiden“, erläutert Professor Dr. med. Thomas Haak, Präsident der DDG. Durch jahrelange schlechte Blutzuckereinstellung entsteht ein hohes Risiko der Erblindung, des Nierenversagens oder von Erkrankungen des Herz-Kreislaufsystems. Diese durch einen niedrigen HbA1c-Wert vermeidbaren Krankheiten zerstören nicht nur die Lebensqualität, sondern senken auch die Lebenserwartung von Typ-2-Diabetikern erheblich.

Seit einiger Zeit wird über Studienergebnisse diskutiert, die es nicht für alle Patienten sinnvoll erscheinen lassen, den Blutzuckerwert zu stark zu senken: Die Ergebnisse der Action to Control Cardiovascular Risk in Diabetes (ACCORD-Studie) sorgten auf der Jahrestagung der American Diabetes Association im Juni 2008 zum Teil für Erstaunen. Diese Studie hatte das Ziel, den HbA1c-Wert der Teilnehmer auf einen Normwert von unter 6,5 Prozent zu senken. Die ACCORD-Studie wurde dann aber im Frühjahr 2008 vorzeitig abgebrochen, weil sich die Anzahl der Todesfälle um 22% erhöht hatte. Nach Meinung der DDG könnten Ursachen für die erhöhte Sterblichkeit noch nicht erforschte Wechselwirkungen von Mehrfachmedikationen sowie Gewichtszunahme sein. Denn: Etwa die Hälfte der Teilnehmer der ACCORD-Studie erhielt 3 orale Antidiabetika und Insulin. Ein Viertel nahm während der Studiendauer mehr als 10 kg Gewicht zu.

In einer Stellungnahme im Juli 2008 wies die Deutsche Diabetes-Gesellschaft deshalb darauf hin, dass ein HbA1c-Wert von unter 6,5 Prozent nicht für alle Patienten sinnvoll und eine individuelle Therapieentscheidung notwendig sei: Vorrang in der Diabetes-Therapie hat die Vermeidung von Risiken und Nebenwirkungen der blutzuckersenkenden Medikamente. Deshalb sollten Ärzte nicht mehr als zwei Wirkstoffe gleichzeitig verordnen, wenn die Sicherheit der jeweiligen Mehrfachkombinationen nicht ausreichend belegt ist. Dies gilt vor allem, wenn Patienten zusätzlich Insulin spritzen.

Aus den Ergebnissen der ACCORD-Studie zu schließen, dass ein Absenken des Blutzuckerspiegels grundsätzlich nicht nötig sei, ist jedoch verantwortungslos. Ein kontrollierter Blutzucker ist der Indikator, um Folgeerkrankungen zu vermeiden. Auch ältere Patienten leben deutlich besser, wenn sie weiterhin sehen und wenn sie ihre Füße behalten können und ihre Nieren funktionieren.

Weitere Informationen

Die Ergebnisse der Action to Control Cardiovascular Risk in Diabetes oder ACCORD-Studie wurden auf der Jahrestagung der American Diabetes Association (6.-10. Juni 2008) vorgestellt und im New England Journal of Medicine publiziert.
The Action to Control Cardiovascular Risk in Diabetes Study Group: Effect of Intensive Glucose Lowering in Type 2 Diabetes. N Eng J Med (2008) 358:2545-2559