Mit Stammzellen Diabetes mellitus heilen?

Mit Stammzellen Diabetes mellitus heilen?

Klinische Anwendung für Patienten noch ungewiss

Die Stammzellforschung könnte Diabetes mellitus heilbar machen: Zukünftig sollen künstlich veränderte Stammzellen bei Erkrankten die zerstörten Beta-Zellen in der Bauchspeicheldrüse ersetzen. Denn die Beta-Zellen produzieren normalerweise das lebensnotwendige Insulin. Die derzeitige öffentliche Diskussion zur Stammzell-Therapie weckt bei Patienten jedoch falsche Erwartungen, befürchtet die Deutsche Diabetes-Gesellschaft (DDG). Einzelne Erfolge ließen noch keine Vorhersage zu, wann die klinische Anwendung möglich sei. Experten der DDG informieren in einer aktuellen Stellungnahme über den derzeitigen Stand der Forschung.

Die Erforschung der Beta-Zelle und ihre Wiederherstellung bei Menschen mit Diabetes Typ 1 macht seit Jahren Fortschritte. Schon länger ist es klinischer Alltag, eine Bauchspeicheldrüse oder Teile daraus Patienten zu transplantieren, die mit Insulin nicht ausreichend eingestellt werden können. Nachteile dieser Therapie sind fehlende Spenderorgane. Darüber hinaus hat die Immunsupression, damit das neue Organ nicht abgestoßen wird, Nebenwirkungen.

Eine optimale Therapie für Diabetes-Patienten wäre deshalb, eigene Beta-Zellen mit Hilfe der Stammzell-Therapie herzustellen: Enthalten die neuen Zellen das Erbgut des eigenen Körpers, erfolgt keine Abstoßungsreaktion. Stammzellen können im Experiment auf verschiedenen Wegen gewonnen werden. Einer ist das so genannte therapeutische Klonen: Dabei wird kein Lebewesen kopiert, sondern ein Embryo mit dem Erbgut des Patienten erzeugt, aus dem embryonale Stammzellen gewonnen werden. Forschern in den USA gelang vor Kurzem ein erster Schritt: Sie klonten einen menschlichen Embryo aus der Hautzelle eines Erwachsenen mit Hilfe einer entkernten weiblichen Eizelle.

Trotz dieses Durchbruches und weiterer Erfolge befindet sich die Stammzellforschung für die Therapie des Diabetes mellitus immer noch in einem experimentellen Stadium. „Seriöse Prognosen über den Zeitraum bis zur klinischen Anwendung sind insbesondere wegen der Risiken nicht möglich“, betont Professor Dr. med. Markus Tiedge, Institut für Medizinische Biochemie und Molekularbiologie, Universität Rostock, Mit-Autor der Stellungnahme. Angesichts des komplexen Themas seien kontrollierte Studien notwendig, um Prozesse zu verstehen und Risiken zu erkennen.

Die Deutsche Diabetes-Gesellschaft (DDG) unterstützt die Erforschung der Beta-Zelle und die Stammzellforschung, indem sie Projekte bei forschenden Kliniken und Instituten fördert und Forschungsergebnisse regelmäßig auf ihren Tagungen vorstellt.