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Heilungschancen bei Typ-1-Diabetes

Lässt sich Typ-1-Diabetes durch eine Kombination verschiedener Therapie heilen? Experten der Deutschen Diabetes Gesellschaft sehen darin einen vielversprechenden Ansatz. Eine Studie mit guten Ergebnissen wurde bereits veröffentlicht.

Kombinationstherapie rettet Betazellen bei Ratten

In den letzten Wochen häufen sich die Meldungen über neue Ansätze zur Heilung des Typ-1-Diabetes. Wir hatten mehrfach darüber berichtet. Auch wenn die Forschungsansätze der Wissenschaftler noch weit von der klinischen Anwendung am Menschen entfernt sind: Man sieht, dass sich etwas tut und hofft, dass irgendwann ein Durchbruch gelingen könnte. Eine neuer Forschungsansatz wurde in dieser Woche in einer Pressemitteilung der Deutschen Diabetes Gesellschaft zur Diskussion gestellt: Der Einsatz von Kombinationstherapien. Hier werden verschiedene Wirkstoffe kombiniert eingesetzt, um Typ-1-Diabetes nach dem Beginn der Erkrankung „zurückzudrängen“.

Ratten von Typ-1-Diabetes geheilt

Bei Typ-1-Diabetes greifen Antikörper im Blut die Insulin produzierenden Betazellen der Bauchspeicheldrüse an. Dies führt nach und nach zu deren Zerstörung und damit zu einem Versagen der körpereigenen Insulinproduktion. Dieser Prozess lässt sich bisher nicht aufhalten. Ein neuer Forschungsansatz Hannoveraner Wissenschaftler, der kürzlich in der Fachzeitschrift DIABETES publiziert wurde, setzt hier an. Die Forscher haben in Versuchen mit Ratten erfolgreich nachgewiesen, dass eine Behandlung mit einer Kombination aus den Antikörpern Anti-TNF-Alpha und Anti-TCR  die Diabetes-Typ-1-Erkrankung heilen kann. Eine Gruppe der Ratten, die einen Typ-1-Diabetes entwickelten, erhielten die Antikörper kurz nach Beginn der Erkrankung für die Dauer von fünf aufeinanderfolgenden Tagen. Bei allen behandelten Ratten, die zu Therapiebeginn einen Blutzuckerspiegel unter 270 mg/dL (15 mmol/L) hatten, kehrten die Werte wieder in den Normalbereich zurück. „Dieser Effekt hielt über die gesamte Beobachtungsdauer von sechzig Tagen stabil an“, erklärt Professor Dr. med. Sigurd Lenzen vom Institut für Klinische Biochemie der Medizinischen Hochschule Hannover. Darüber hinaus wurde die Zerstörung der insulinproduzierenden Betazellen nicht nur gestoppt, die Betazellen erholten sich auch wieder.

Was bedeutet dies für Menschen mit Typ-1-Diabetes?

Die Versuche haben auch gezeigt: Die Kombinationstherapie war nur dann erfolgreich, wenn früh mit der Therapie begonnen wurde. „Nur, wenn die verbliebene Betazellreserve in der Bauchspeicheldrüse noch mindestens 20 – 30 % beträgt, kann der Organismus wieder eine eigenständige Insulinversorgung herstellen“, so Professor Lenzen. Dieser Ansatz ist also nicht geeignet, um Typ-1-Diabetes möglicherweise bei Menschen zu heilen, die bereits länger erkrankt sind. Kinder und Erwachsene, die neu erkranken, könnten dagegen profitieren: „Die Ergebnisse sind vielversprechend“, meint Professor Dr. med. Baptist Gallwitz, Präsident der Deutschen Diabetes Gesellschaft. „Sie sollten jetzt in längerfristigen Tierversuchen überprüft werden.“ Bestätigt sich die Wirksamkeit der Kombinationstherapie, wäre es lohnenswert, diese in Hinblick auf eine Anwendung am Menschen zu testen.