Experten tagen in Berlin zu aktuellen Themen in Orthopädie und Unfallchirurgie

Wie lässt sich die Sicherheit von Implantaten erhöhen? Werden Patienten auch in Zukunft eine Reha bekommen? Können Knorpelverletzungen künftig mit Knorpelzellen repariert werden? Wie lässt sich die Patientenversorgung in Deutschland verbessern und welche neuen Erkenntnisse gibt es zur Schwerverletztenversorgung und zu schwierigen Becken-, Wirbelsäulen- und Gelenkverletzungen? Diesen und anderen aktuellen Fragen aus dem Bereich der Orthopädie und Unfallchirurgie widmen sich Experten vom 25. bis 28. Oktober auf dem Deutschen Kongresses für Orthopädie und Unfallchirurgie (DKOU) im ICC Berlin.

Zu Europas größter Wissenschaftstagung auf diesem Gebiet erwarten die Veranstalter rund 12.000 Fachbesucher. Von der experimentellen Forschung bis hin zur klinischen Praxis bietet das Tagungs-Programm des DKOU 2011 Orthopäden und Unfallchirurgen sowie Vertretern angrenzender Berufsgruppen ein breites Themenspektrum. Einen großen Schwerpunkt bildet das Thema „Patientensicherheit und Qualität“. Im Hinblick auf das neue Medizinprodukterecht beispielsweise beschäftigt sich eine Expertenrunde mit der Zulassung von Implantaten und Prothesen. „Die Hersteller müssen die Wirksamkeit und Sicherheit ihrer Produkte jetzt wissenschaftlich nachweisen, was häufig sehr schwierig ist“, erklärt Professor Dr. med. Tim Pohlemann, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie (DGU). Jedoch sei es wichtig, klare Qualitätskriterien zu entwickeln. „Jeder ist an zuverlässigen, sicheren Behandlungsmethoden interessiert“, so Pohlemann. „Doch nur mit klaren Kriterien können wir begründen, warum auch zunächst teure Innovationen langfristig für Patienten und Gesundheitssystem gewinnbringend sind.“

Im Sinne der Patientensicherheit und Qualität diskutieren die Experten auch über den derzeitigen Stand bei der Etablierung eines Deutschen Endoprothesenregisters. Ziel des Registers ist es, fundierte Erkenntnisse über die Qualität der rund 400.000 jährlich in Deutschland eingesetzten Prothesen zu erlangen. „Mit dem hervorragenden System, das uns nun zur Verfügung steht, werden wir in wenigen Jahren die beste Datensammlung weltweit haben“, kommentiert Professor Dr. med. Dieter Kohn, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie (DGOOC) diese Entwicklung.

Die Zukunft der Rehabilitationsmedizin – auch im europäischen und internationalen Vergleich – steht ebenfalls auf dem Programm des DKOU. Ziel der Rehabilitation ist es, dass der Patient entsprechend seinem Bedarf und seiner Bedürfnisse lernt,  an den  Aktivitäten des täglichen Lebens wieder teilzunehmen. „Autofahrer müssen nach Erhalt eines neuen Hüftgelenks lernen, wie sie kontrolliert ins Auto einsteigen und die Bremse bedienen , und Sportler sollen sich auch nach der Implantation wieder schmerzfrei ihrer Leidenschaft widmen können“, erklärt Professor Dr. med. Karsten Dreinhöfer, Vizepräsident des Berufsverbandes der Fachärzte für Orthopädie und Unfallchirurgie (BVOU), der gemeinsam mit Professor Pohlemann und Professor Kohn den DKOU ausrichtet. „Hierzu ist Muskelaufbau und Koordinationstraining notwendig, sonst bringt das beste Implantat  nur wenig.“ Als kritisch betrachtet der Orthopäde die Entwicklung  in den letzten Jahren, dass Patienten immer früher aus der Akutklinik in die Rehabilitation entlassen werden. „Eine Studie zeigt, dass viele Patienten noch sehr pflegebedürftig sind,  fast 40 Prozent der Patienten können in der ersten Reha-Woche nicht an der Krankengymnastik teilnehmen, weil sie noch nicht mobil genug sind“, erklärt Dreinhöfer. Damit sei das Behandlungsergebnis bei von Kostenträger pauschalierten Behandlungsdauern erheblich gefährdet.

Auch über neueste Erkenntnisse aus der Grundlangenforschung, wie etwa neue Techniken bei der Reparatur von Knorpel, können sich die Tagungsteilnehmer informieren. „Vor zehn Jahren dachten wir, dass wir in Kürze durch gentechnische Veränderungen Knorpelzellen gewinnen und sämtliche Knorpelschäden regenerieren können“, erzählt Kohn. Zahlreiche Studien haben inzwischen gezeigt, dass die Erwartungen zu hoch gegriffen waren. Innovative Fortschritte im Bereich der Knorpelreparatur sind aber heute keine Utopie mehr: „Bis 2015 werden wir Techniken haben, mit denen sich kleinere, lochartige Schäden im Knorpel reparieren lassen können“ ist sich Kohn sicher.

Auftakt der Veranstaltung bildet die Eröffnungsfestrede „Künstliche Intelligenz – besser als unser Gehirn?“ des renommierten Informatikers Professor Dr. Dr. h.c. Wolfgang Wahlster. „Das Thema künstliche Intelligenz spielt in der Unfallverhütung eine immer größere Rolle“, kommentiert Pohlemann. „Wenn wir mit Hilfe der Elektronik verhindern können, dass zwei Autos zum gleichen Zeitpunkt am gleichen Ort aufeinandertreffen, wird vielen Menschen großes Leid erspart.“

Der DKOU findet vom 25. bis 28. Oktober 2011 in Berlin als gemeinsamer Kongress der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie (DGOOC), der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie (DGU) und des Berufsverbandes der Fachärzte für Orthopädie und Unfallchirurgie e. V. (BVOU) statt. Er ist der größte europäische Kongress in diesem Bereich, zu dem etwa 12.000 Fachbesucher erwartet werden. Experten diskutieren hier die neuesten Entwicklungen in der  Orthopädie und Unfallchirurgie. Die Themen reichen von der Schwerverletztenversorgung, den Strukturen der Notaufnahmen und der Katastrophenmedizin über Implantatversorgung und Rehabilitation bis hin zu rheumatischen und degenerativen Erkrankungen sowie Osteoporose.

Terminhinweise

Deutscher Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie (DKOU)
Zeit: 25. bis 28. Oktober 2011
Ort: ICC Berlin, Messedamm 22, 14055 Berlin

Eröffnungsveranstaltung

Zeit: 25.10 um 16.30 Uhr
Ort: Saal 1, ICC Berlin, Messedamm 22, 14055 Berlin