News-Archiv: 2005

Effektives Risikomanagement

(2005)

Fluvastatin senkt kardiale Mortalität um 47%

Effektives Risikomanagement bei KHK-Patienten und Typ-2-Diabetikern
Hochrisikopatienten mit koronarer Herzkrankheit profitieren in hohem Maße von einer Fluvastatin-Therapie. Von zentraler Bedeutung ist hierbei die durch Studienergebnisse belegte signifikante Senkung der kardialen Mortalität. Zu den

therapiebedürftigen KHK-Hochrisikopatienten zählen laut der NCEP-Guidelines ATP III (2001) [1] Patienten mit Myokardinfarkt in der Anamnese, instabiler Angina pectoris, stabiler Angina pectoris und/oder nach Koronararterien-Eingriffen.
Eine weitere Hochrisikogruppe bilden Patienten mit Typ-2-Diabetes. Sie sind dafür prädestiniert, ausgeprägte atherosklerotische Gefäßveränderungen zu entwickeln und haben ein 4-fach höheres Risiko für eine KHK.
Fluvastatin (Cranoc(R)) schützt KHK-Patienten und andere Hochrisikopatienten effektiv vor kardialen Ereignissen. Die Ergebnisse einer Meta-Analyse von Ballantyne et al. (2004) aus den vier großen Fluvastatin-Studien LIPS, FLARE; LiSA, LCAS unter Einschluss von 3.525 Patienten ergaben folgende Risikoreduktionsraten [2]:

  • 47% Risikoreduktion für kardialen Tod
  • 34% Risikoreduktion für kardialen Tod/nicht-tödlichen Myokardinfarkt
  • 35% Senkung der Gesamtmortalität

Die signifikante Senkung der kardialen Mortalität zeigte sich bereits nach nur sechsmonatiger Fluvastatin-Therapie. Besonders bemerkenswert war die Senkung der Gesamtmortalität von 35% – dieser Nutzen konnte bisher durch keine andere Statin-Therapie erreicht werden.

Diabetiker profitieren besonders
In die LIPS-Endpunktstudie (Lescol Intervention Prevention Study) wurden nur Patienten eingeschlossen, die in der Anamnese eine PTCA aufwiesen. Der in der LIPS-Studie für koronar bedingte Morbidität und Mortalität festgelegte primäre Endpunkt MACE (major adverse cardiac events, definiert als kardialer Tod, nicht-tödlicher Myokardinfarkt oder Reintervention) bringt einen überzeugenden wissenschaftlichen Nachweis für die klinische Wirksamkeit von Fluvastatin.
Im Vergleich zu Placebo reduzierte die täglich Gabe von 80 mg Fluvastatin bei diesen KHK-Patienten das Risiko für größere kardiale Ereignisse signifikant um 22%. In der Subgruppe der Patienten mit Typ-2-Diabetes konnte sogar eine Risikoreduktion von 47% verzeichnet werden [3].
Zusätzlich zeigte LIPS, dass eine Therapie mit Fluvastatin schon in einer frühen Phase der KHK zu einer signifikanten Risikoreduktion führt. Die überzeugenden Ergebnisse der LIPS-Studie führten dazu, dass Fluvastatin im Jahr 2003 als bisher einziges Statin die Zulassung zur Sekundärprävention schwerwiegender kardialer Ereignisse nach Herzkatheter-Therapie erhielt. Heute gilt die Gabe eines CSE-Hemmers nach Koronarintervention als State of the Art in der KHK-Risikoreduktion.

KHK-Risikoreduktion mit ausgezeichneter Verträglichkeit

Fluvastatin wird als einziges Statin vor allem über CYP2C9 abgebaut und kann deshalb mit zahlreichen anderen Arzneistoffen verabreicht werden. Daten des Adverse Event Reporting System der FDA in den USA zeigen, dass bei der Gabe von Fluvastatin bisher kein einziger Fall einer tödlichen Rhabdomyolyse aufgetreten ist [3]. Es ist daher ideal bei Patienten mit multipler Medikation und in der Kombinationstherapie einsetzbar.
Die Empfehlung zur Behandlung mit Fluvastatin bei KHK-Patienten, anderen Risikopatienten und Typ-2-Diabetikern entspricht den Ergebnissen der aktuellen Studienlage zum hohen Risikoreduktionspotenzial und zur besonderen Wirksamkeit dieser Substanz.

(1) Grundy SM et al. JAMA 2001; 285 (19) : 248-2497
(2) Ballantyne CM et al. Cardivascular Drugs and Therapy 2004; (18) : 67-75
(3) Serruys et al. JAMA 2002; (287) : 3215-3222
(4) Staffa et al. N Engl J Med 2002; 346 (7) : 539-540

Weltdiabetestag 2005 – Im Blickpunkt: die Füße

(2005)

Weltdiabetestag 2005 – Im Blickpunkt: die Füße
„Füße zuerst – Amputationen verhindern!“ heißt es zum Weltdiabetestag 2005.
Jährlich am 14. November und um diesen Tag herum erinnern viele Veranstaltungen, Vortragsreihen und Aktionen an den Geburtstag von Frederick Banting, einen der Entdecker des Insulins, und an seine Bedeutung für die Behandlung des Diabetes mellitus. An dieser chronischen Stoffwechselstörung sind in Deutschland etwa 6,3 Millionen Menschen erkrankt.
Die Internationale Diabetesföderation (IDF) stellt an jedem Weltdiabetestag ein Problem in den Vordergrund, das mit dieser Erkrankung unmittelbar verbunden ist; 2005 sind es die Füße.
Der Grund: Die Füße von Diabetikern sind besonders gefährdet. Nervenstörungen können dazu beitragen, dass kleine, eigentlich unbedeutende Verletzungen zu schwerwiegenden Komplikationen und in vielen Fällen sogar zu Amputationen führen: In Deutschland geschieht dies etwa 30000 Mal pro Jahr und wäre meistens zu verhindern.

Die bundesweite Hauptveranstaltung zum Weltdiabetestag 2005 ist am 12. November in den beiden Rathäusern der bayerischen Landeshauptstadt München. Die Deutsche Diabetes-Union (DDU) lässt Experten zu Wort kommen, die das Thema von allen Seiten beleuchten und für alle verständlich darstellen.

Als Mitglied der DDU und größte Selbsthilfeorganisation für Diabetes thematisiert auch der Deutsche Diabetiker Bund (DDB) das Problem Füße in vielen Veranstaltungen. Einige Landesverbände arbeiten zum Weltdiabetestag mit Ärzten, Diabetesberatern, Podologen und Apothekern zusammen und bieten Informationen und Orientierung zur Vorsorge und Behandlung.
So hat zum Beispiel der DDB-Landesverband Rheinland-Pfalz vom 14. bis zum 18. November in zwölf medizinischen Zentren Aktionen und Angebote vorbereitet, in Schönebeck (Sachsen-Anhalt) steht ein Diabetikertag am 6. November unter dem Motto „Amputationen – nein, danke!“, und der Landesverband Berlin lädt für den 19. und 26. November zu Veranstaltungen ein. Auch sehr viele Apotheken in ganz Deutschland haben in der Woche vom 14. bis zum 19. November Angebote zum Thema „Füße zuerst – Amputationen verhindern!“

Kirsche: Die roten Fitmacher senken den Blutzucker!

(2005)

Diabetes News Kirsche: Die roten Fitmacher senken den Blutzucker! pm050530_0Ab Juni ist es wieder soweit: die Kirschsaison beginnt. Kirschen sind nicht nur ein idealer sommerleichter Snack, sondern enthalten auch viele wichtige Vitamine und Mineralstoffe. Darüber hinaus könnten Typ 2 Diabetiker von der blutzuckerregulierenden Wirkung der in Kirschen enthaltenen Polyphenole profitieren.

Dies berichtet die Diplom-Ingenieurin der Ernährungstechnik Elisabeth Warzecha von der Gesellschaft für Ernährungsmedizin und Diätetik e.V. in Aachen.
Wissenschaftler der Staatsuniversität von Michigan in East Lansing, USA, fanden in Laborversuchen heraus, dass Polyphenole (sekundäre Pflanzenstoffe) aus Kirschen die Insulinproduktion der Bauchspeicheldrüsenzellen anregen können (1).
Die Zellen, die die amerikanischen Forscher mit Polyphenolen behandelten, produzierten 50 Prozent mehr Insulin als die Zellen ohne Zusatz. Ob die Ergebnisse auch auf den Menschen anzuwenden sind, müssen weitere Untersuchungen zeigen. Weiterhin senken Kirschen den Plasma-Harnsäurespiegel, wie das renommierte Journal of Nutrition im Jahr 2003 berichtete (2).
So beugen Kirschen Gichtanfällen vor und sind idealer Bestandteil einer purinarmen Ernährungsweise. Bereits die alten Römer schätzten die zahlreichen gesundheitsfördernden Eigenschaften der Kirschen. Neben sekundären Pflanzenstoffen enthalten Kirschen Vitamin C und Folsäure, die Mineralstoffe Kalium, Kalzium, Magnesium, Eisen und Phosphor sowie Kieselsäure und Pektin. Die enthaltenen Mineralstoffe sind besonders für Kinder günstig, da sie den Knochen- und Zahnaufbau unterstützen.

Mit ihrem geringen Kaloriengehalt von 60 Kilokalorien pro 100 Gramm sind Kirschen zudem ein optimales Schlankobst. Die Hitzeeinwirkung bei der Verarbeitung von Kirschen zu Kuchen, Roter Grütze, Konfitüren oder Säften zerstört viele wertvolle Inhaltsstoffe der Kirsche. Elisabeth Warzecha empfiehlt daher, die Kirschen am besten frisch zu genießen. Wer einen empfindlichen Magen hat, sollte während und unmittelbar nach dem Kirschverzehr Vorsicht walten lassen bei der Flüssigkeitszufuhr, da das enthaltene Pektin Flüssigkeit bindet und im Magen quillt, was zu unangenehmen Bauchschmerzen und Blähungen führt, so Elisabeth Warzecha abschließend.
(1) Bolleddula Jayaprakasam et al: Insulin Secretion by Bioactive Anthocyanins and Anthocyanidins Present in Fruits, Journal of Agricultural and Food Chemistry 2005: 53 (1), 28-31
(2) Robert A. Jacob et al : Consumption of Cherries Lowers Plasma Urate in Healthy Women, Journal of Nutrition 2003: 133 (6), 1826-1829
Tipp zum Jahr des gesunden Abnehmens: Probieren Sie einmal folgenden Kirschkuchen:
300 g Mehl, 120 g Butter, 100 g Zucker, 2 Eigelb, 2 TL Backpulver, 2 EL fettarme Milch, 2 Gläser Sauerkirschen und 1 Päckchen Vanillepuddingpulver. Mehl und Backpulver sieben und vermischen. Zucker, Butter, Eigelb und Milch zugeben und einen Knetteig herstellen. Etwas vom Teig zur Seite legen. Restlichen Teig in eine gefettete Tortenform geben, dabei einen Rand hochziehen. Kirschen abtropfen lassen. 500 ml Kirschsaft mit dem Vanillepuddingpulver zu einer Masse aufkochen, zum Schluss die Kirschen zufügen und nochmals kurz erhitzen. Etwas abgekühlt auf den Teig geben. Den zurückgelegten Teig ausrollen und in Streifen schneiden. Die Torte damit gitterartig belegen und bei 200 ° C zirka 30 bis 40 Minuten backen.

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Festbeträge für Statine

(2005) diabetes-news-pm050126-g1

Festbeträge für Statine

Eine neue Wendemarke für die GKV?

Dr. med. Richard Daikeler vom BVND zeigt am Beispiel des Lipidsenkers Atorvastatin, warum das Sachleistungsprinzip der GKV für die Versicherten immer unattraktiver wird.
Die Debatte der umstrittenen Entscheidung zu Festbeträgen für Statine offenbart das Dilemma der Gesundheitspolitik. Intransparenz und Patientenferne der Entscheidungen nehmen weiter zu. Denn die Leistungsansprüche der Versicherten werden durch vermeintlich wissenschaftlich belegbare Ausschlüsse oder Erstattungsgrenzen abgesenkt, ohne dass Patienten durch Beitragssatzsenkungen entlastet werden. Besonders spürbar ist dies im Fall des Lipidsenkers Sortis® (Atorvastin), weil dadurch fast 1,5 Millionen GKV-Versicherte ab Januar 2005 unmittelbar betroffen sind.

Zum Hintergrund: Am 29. Oktober 2004 haben die Spitzenverbände der Krankenkassen für Statine einen Festbetrag beschlossen, der zum 1. Januar 2005 in Kraft getreten ist. Zuvor hat der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) eine Gruppe gebildet, die alle verfügbaren Statine in einer „Jumbogruppe“ zusammenfasst. Durch diese Entscheidung wird suggeriert, dass diese Präparate untereinander gleichwertig austauschbar wären. Dies, obwohl der G-BA selbst wichtige Unterschiede zwischen Statinen in der Wirkstärke, der Schnelligkeit klinische Ereignisse wie Herzinfarkte zu vermeiden, festgestellt hat und vor einer beliebigen Austauschbarkeit sogar warnt.

Von therapeutischen Fortschritten ausgeschlossen

Nun muss der Patient die Differenz zwischen Festbetrag und Preis selbst zahlen – und zwar ohne Ausnahmen. Der Festbetrag nimmt keine Rücksicht auf Patienten, für die es keine vergleichbare Alternative zu Atorvastatin gibt, zum Beispiel Patienten mit akutem Koronarsyndrom. Er gilt auch für besonders gefährdete Patienten mit erblichen Fettstoffwechselerkrankungen und für Diabetiker mit weiteren Risikofaktoren für ein Herz-Kreislauf-Ereignis.
Die Festbetragsentscheidung für Sortis® stellt eine neue Wendemarke in der GKV dar. Denn sie legt offen, dass bei Festbeträgen wichtige Therapiealternativen nicht berücksichtigt werden. Schon im Vorfeld der Entscheidung haben führende Vertreter der Kardiologie und Lipidologie den Beschluss heftig kritisiert. Nach Publikation der neuesten Statin-Studien ist er wissenschaftlich kaum aufrechtzuerhalten.

Die Entscheidung macht deutlich, dass die GKV sich auf einem Irrweg befindet. Patienten werden von therapeutischen Fortschritten ausgeschlossen und der behandelnde Arzt steht in einem dauerhaften Konflikt: Durch die anfallende Zuzahlung wird ihm häufig die Möglichkeit genommen, den Besonderheiten des einzelnen Behandlungsfalles Rechnung zu tragen, auch wenn er es für medizinisch geboten hält.
Der Arzt muss dem Patienten nun erklären, dass es qualitativ unterschiedliche Alternativen gibt, und er muss den Patienten vor die Entscheidung stellen, entweder die Zuzahlung zu leisten oder Qualitätseinbußen der Therapie zu akzeptieren. Davon werden nur die sozialen Härtefälle freigestellt – durch Pfizer: Es war das Unternehmen selbst, das erklärte, Patienten, die die Belastungsgrenze von zwei Prozent erreicht haben, Sozialhilfeempfängern und Minderjährigen die geleistete Zuzahlung zurückzuerstatten.

Paradigmenwandel für jedermann sichtbar

Dies macht den Paradigmenwandel für jedermann sichtbar: Die Fürsorge der Solidargemeinschaft für den kranken Versicherten tritt in den Hintergrund. Der Vertragsarzt wird immer mehr zum Erfüllungsgehilfen der Krankenkassen, indem er die – nunmehr reduzierten – Leistungsansprüche des Versicherten gegen seine Krankenkasse umsetzt. Dabei wäre das Wesen der Krankenversicherung, die individuelle Krankenbehandlung des Patienten zu ermöglichen. Der Trend geht aber genau in die Gegenrichtung, zur Schematisierung der Medizin auf möglichst niedrigem Niveau.
Das bringt Ärzte zunehmend in Konflikte, denn ihre Tätigkeit steht unter dem Gebot des „salus aegroti suprema lex“ und dient in erster Linie dem Patienten. Der Sorgfaltsmaßstab, den Ärzte gemäß ihres Berufsrechtes anzuwenden haben, wird zu Lasten von Patient und Arzt bürokratisch ausgehöhlt. Dies kann kein Weg für die Zukunft sein. Denn damit wird das Sachleistungsprinzip der GKV für die Versicherten immer unattraktiver. Sie fragen sich zunehmend kritisch, warum und wofür sie – trotz aller Reformen – hohe Beiträge bezahlen und was sie in Zukunft als Leistung erwarten können.

Auswirkungen des neuen EBM 2000 plus

(2005)
Auswirkungen des neuen EBM 2000 plus:

Aus für Diabetesversorgung in Nordbaden? Diabetologen in Nordbaden bekommen ihre Leistung seit der Einführung des neuen EBM 2000 plus am 1. April nicht mehr bezahlt.
Die neuen, durch die Kassenärztliche Vereinigung Baden-Württemberg festgelegten Fallpunktzahlen für Endokrinologen und Internisten ohne Schwerpunkt in Nordbaden sind so niedrig angesetzt, dass eine kostendeckende Versorgung von Diabetespatienten durch uns nicht mehr möglich ist“, kritisiert Prof. Dr. med. Dr. rer. nat. Klaus Kusterer vom Vorstand des Bundesverbandes niedergelassener Diabetologen (BVND) und selbst Endokrinologe in Mannheim.
Die KV Baden-Württemberg hat mit als erste KV Fallpunktzahlen eingeführt. Es ist zu befürchten, dass in anderen KVen ähnliche Begrenzungen die Versorgung von Patienten mit Diabetes mellitus erschweren. Der neue EBM hat gute Ansätze um die dauernde Ausweitung der Leistungsvolumina zu begrenzen. Voraussetzung sind ein stabiler Punktwert und ein vernünftiges Punktzahlgrenzvolumen. Soweit die Theorie. Die Praxis unter anderem der Grenzvolumenbestimmung wird durch die KVen gestaltet und diese sieht für die Diabetologen in Nordbaden verheerend aus. 422 Punkte (6.-59. Lebensjahr) als Endokrinologe beziehungsweise 1.107 Punkte als Internist ohne Schwerpunkt gibt es pro Patient und Quartal – „bei einem angenommenen Punktwert von vier Cent entspricht dies 16,88 beziehungsweise 44 Euro – kostendeckendes Arbeiten ist so nicht mehr möglich“, warnt Kusterer.
Rechnet ein Endokrinologe die Ordinationsziffer und den Endokrinologiekomplex nach dem neuen EBM ab, bekommt er dafür eigentlich circa 650 Punkte. Infolge des niedrigen Grenzvolumens kommt es aber zu einem Abzug von 150 Punkten. Beratungen und sonstige notwendige Diagnostik können zwar abgerechnet werden, werden durch die Begrenzung der Fallpunktzahl jedoch nicht bezahlt. Sondervereinbarungen außer dem DMP gibt es in Nordbaden nicht. Fachärztliche Internisten ohne Schwerpunkt bekommen für dieselbe Arbeit im selben Bezirk immerhin mehr als das Doppelte. Jedoch auch mit 1.107 Punkten wird er nicht kostendeckend eine Diabetesbehandlung wie Insulineinstellung und so weiter durchführen können. „Damit ist eine Behandlung von Patienten mit Diabetes mellitus in Nordbaden durch eine Schwerpunktpraxis nicht mehr möglich“, kritisiert der BVND-Vertreter.

Die Forderungen des BVND: Die maximale Fallpunktzahl in Nordbaden für Patienten mit Diabetes mellitus muss kurzfristig erhöht werden, zum Beispiel durch die Erhöhung der Fallpunktzahl. „Längerfristig muss es das eigentliche Ziel sein, die Diabetologie in den EBM aufzunehmen. Die Diabetologen in Nordbaden zu knebeln kann zu einer Versorgungskatastrophe für den Patienten führen“, analysiert Kusterer.
In Schleswig-Holstein sind die Richtgrößenwerte verhandelt worden. Wie Stephan A. Schreiber vom BVND Schleswig-Holstein in einer ersten Berechnung mitteilte, kommen zwar die Hausärzte gemittelt auf rund 4,1 Cent, aber: „Auch wenn“, so Schreiber, „dies für heutige Verhältnisse ordentlich und im Bundesdurchschnitt auch recht hoch ist – unterm Strich wird es jedoch weniger als mit dem neuen EBM.“ Die Fachärzte lägen mit dem Wert etwas höher, seien aber in ihrem Volumen beschnitten. Ausführliche Informationen dazu in der nächsten Ausgabe von DiabetesNews.

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Zusammenhang Fructose-Konsum und Gewichtszunahme

(2005)

Neuer Zusammenhang zwischen Fructose-Konsum und Gewichtszunahme entdeckt

Wissenschaftler vom Deutschen Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke haben in einer neuen Studie (Jürgens et al., Obesity Research, 13:1146-1156, 2005) herausgefunden, dass die Aufnahme von Fructose (Fruchtzucker) die Körperfett- und Gewichtszunahme bei Mäusen deutlich steigert. Damit liefern die Forscher neue Daten, die einen Zusammenhang zwischen dem weltweit angestiegenen Fructosekonsum und der stetig steigenden Zahl übergewichtiger Menschen möglich machen.

In der vorliegenden Studie boten die Forscher Mäusen entweder eine 15%ige Fructoselösung, ein Saccharose- (Rohrzucker-)haltiges Erfrischungsgetränk (10% Saccharose), ein Süßstoff-haltiges Diät-Getränk ohne Kalorien, oder Wasser an. Die Mäuse, die die Fructoselösung tranken, nahmen im Vergleich zu den anderen Mäusen stärker an Gewicht und Körperfett zu und zeigten zudem einen Anstieg der Leberfette. Das Saccharose-haltige Getränk hatte nach den vorliegenden Daten keinen Einfluss auf die Gewichtsentwicklung der Mäuse. Überaschenderweise aßen die Mäuse, die mit der angebotenen Flüssigkeit zusätzliche Kalorien aufnahmen, weniger feste Nahrung als die Tiere, die nur Wasser oder das Diät-Getränk erhielten, so dass die Gesamtenergieaufnahme bei allen Gruppen annähernd gleich war. „Da die Gewichts- und Fettzunahme der Tiere, die die Fructoselösung tranken, nicht auf eine gesteigerte Kalorienaufnahme zurückzuführen ist, ist anzunehmen, dass Fructose die Stoffwechseltätigkeit beeinflusst und auf diese Weise die Anreicherung von Körperfett begünstigt.“ so die Erstautorin der Studie, Hella Jürgens.

In den letzten zwei bis drei Jahrzehnten hat der Konsum zuckerhaltiger Erfrischungsgetränke, die einen hohen Fructose-Anteil (7-15%) aufweisen, weltweit stark zugenommen. Allein in den USA stieg der Verzehr von Fructose-haltigem Mais-Sirup, der häufig zum Süßen von Erfrischungsgetränken eingesetzt wird, in einem Zeitraum von 20 Jahren um mehr als 1000%, wie vor kurzem eine amerikanische Studie berichtete. Parallel dazu nahm die Anzahl übergewichtiger Menschen dramatisch zu, so dass Wissenschaftler seit einiger Zeit einen Zusammenhang zwischen gestiegenem Fructose-Konsum und zunehmender Fettleibigkeit vermuten. Die vorliegende Studie liefert nun erste physiologische Daten, die einen Einfluss des Fructosekonsums auf die Zunahme des Körpergewichts und des Körperfetts zumindest am Mausmodell bestätigen. Weitere Untersuchungen sind notwendig, um die Daten am Menschen zu verifizieren, so die Experten.

Veröffentlicht von Dr. Gisela Olias am 29.07.2005  für das Deutsches Institut für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke.

Wenn ältere Diabetiker gleich mehrfach erkrankt sind

(2005)

DDG 2005: Wenn ältere Diabetiker gleich mehrfach erkrankt sind

Ältere Diabetiker leiden oft an mehreren Krankheiten gleichzeitig. Welche Antidiabetika können bei Herz- Leber- und Nierenschäden eingesetzt werden? Und umgekehrt: Welche Medikamente senken am besten den Blutdruck und die hohen Blutfette des Diabetikers? Antworten gab es auf einem Symposium der 40. Jahrestagung der Deutschen Diabetes-Gesellschaft.

Die Häufigkeit von Diabetes nimmt auch deshalb zu, weil Menschen immer älter werden und der Anteil von Senioren in unserer Bevölkerung zunimmt. Diese älteren Patienten leiden oft an mehreren Krankheiten gleichzeitig. Allein das metabolische Syndrom geht mit Bluthochdruck, Fettstoffwechselstörungen, Übergewicht und Insulinresistenz einher, bevor es in einen manifesten Diabetes übergeht. Dazu kommen bei den Älteren oftmals noch Erkrankungen des Herzens, der Leber, der Nieren und weiterer Organe. Daher sind bei der Behandlung des mehrfach erkrankten älteren Diabetikers einige Wechselwirkungen zu berücksichtigen.

Orale Antidiabetika bei mehrfach erkrankten Patienten

Wichtig sei die Früherkennung zu verbessern, forderte Prof. Petra-Maria Schumm-Draeger, München. Der Diabetes bleibt i.d.R. fünf bis zehn Jahre unerkannt. Bei Diagnosestellung haben viele Patienten schon Gefäß- und Herzleiden. Um einer weiteren Verschlimmerung der Gefäßschäden vorzubeugen, plädiert die Diabetologin gerade bei multimorbiden (mehrfach erkrankten) Patienten für eine „aggressivere“ Therapie. Alles müsse früher einsetzen: das Kombinieren verschiedener oraler Antidiabetika (OAD), ihr gemeinsamer Einsatz mit Insulin, schließlich ggf. das frühe Umstellen auf eine intensivierte Insulin-Monotherapie.

Die Behandlung an die Krankheit anpassen

Neue Substanzgruppen ermöglichen aus Sicht von Schumm-Draeger eine gezielte Therapie mehrfach erkrankter Diabetiker. Sulfonylharnstoffe sollten adipösen Typ-2-Diabetikern nicht mehr verschrieben werden, zugunsten von Metformin. Sehr effektiv sind die Insulin-lockenden Sulfonylharnstoffe aber bei normalgewichtigen Patienten; eine Kontraindikation erwächst ihnen bei zunehmender Niereninsuffizienz. Oberhalb eines Kreatininspiegels von 1,2 mg/dl darf auch Metformin nicht mehr eingesetzt werden. Eine Gegenanzeige für Metformin besteht auch bei Patienten mit akuter (dekompensierter) Herzinsuffizienz, akuten und chronischen Lungenerkrankungen, chronischen Leberschäden und nach Herzinfarkt. Ansonsten zeichnet sich Metformin in der Mono- wie in der Kombinationstherapie durch effektive Blutzuckersenkung aus.
Neben Metformin ist auch der Alpha-Glukosidasehemmer Acarbose geeignet, sowohl das Fortschreiten zum Diabetes zu bremsen als auch das kardiovaskuläre (Herz-Kreislauf-)Risiko zu vermindern. Dabei profitieren von Metformin besonders die Jüngeren und Übergewichtigen, von Acarbose wahrscheinlich Patienten aller Alters- und Gewichtsklassen. Blutzuckerspitzen nach den Mahlzeiten gelten als besonders gefäßschädlich. Sie zu vermeiden helfen – außer Acarbose – die Glinide. Die „prandialen Glukoseregulatoren“ erlauben eine Mahlzeiten-orientierte, flexible Therapie auch bei den Patienten mit eingeschränkter Nierenfunktion. Die Insulinresistenz selbst beeinflussen Glitazone; eine Gegenanzeige besteht hier ebenfalls in Herzinsuffizienz. Für die Insulinsensitizer zeichnet sich als Zusatznutzen ebenfalls der Gefäßschutz ab; mit großer Wahrscheinlichkeit senken sie das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Herzinfarkt unabhängig von ihrer blutzuckersenkenden Wirkung. Werden die Therapieziele (HbA1c < 6,5%, Nüchternblutzucker < 110 mg/dl) nicht erreicht, sollte nicht mit dem Entschluss zur Insulingabe – mit oder ohne OAD – gezögert werden, betonte Prof. Schumm-Draeger. Auch hier spielt die Nierenfunktion eine Rolle: Ist ihre Leistung bei chronischer Niereninsuffizienz dauerhaft erniedrigt, bleibt Insulin länger im Blut; der Insulinbedarf nimmt also ab.

Ältere Diabetiker mit Fettstoffwechselstörungen

Gestörte Blutfette zu behandeln, ist auch beim mehrfach erkrankten älteren Diabetiker möglich – und geboten, betonte Prof. A. Steinmetz, Andernach. Hinsichtlich des Blutfettprofils ist das primäre Ziel beim Diabetiker, das LDL-Cholesterin möglichst niedrig zu halten – am besten unter 100 mg/dl. Das „gute“, gefäßschützende HDL-Cholesterin sollte über 40 mg/dl liegen, die Triglyzeride unter 150 mg/dl. „Statine senken auch beim älteren Patienten effektiv das LDL-Cholesterin und damit das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen“, so Steinmetz. Darüber hinaus scheinen Statine (Cholesterinsynthesehemmer) noch andere positive Wirkungen zu haben, z.B. bremsen sie das Eintreten von Nierenschäden. Fibrate bessern das Lipidprofil, indem sie HDL-Cholesterin anheben und Triglyzeride senken. Zu beachten ist, dass Statine und Fibrate untereinander und bei gleichzeitiger Gabe anderer Medikamente Wechselwirkungen mit schädlichen Folgen hervorrufen können. Das Risiko, dass Statine ein gefährliche Muskelerkrankung (Rhabdomyolyse) verursachen, ist gering, steigt aber, wenn gleichzeitig Fibrate (z.B. Gemfibrozil), bestimmte Antibiotika (deren Namen auf -oxacin oder auf -omycin enden) mit oder Azole (Pilzmittel, z.B. Ketoconazol) eingenommen werden.
Allgemein gilt: Jeder Patient sollte dem Arzt alle Medikamente nennen, die er einnimmt – auch nicht verschreibungspflichtige, selbst gekaufte -, damit dieser das Risiko von Wechselwirkungen einschätzen kann.

Ältere Diabetiker mit erhöhtem Blutdruck

Bei Bluthochdruck (Hypertonie) ist die Lücke zwischen medizinisch erreichbarem und tatsächlich erreichtem Erfolg besonders groß. Wird der Blutdruck beim Diabetiker nur um 10 mmHg gesenkt, sinken in der Folge die Raten an Herzinfarkt um 12% und an Schlaganfall um 19%, ergaben große Studien. Bei den über 60jährigen leiden 18% der Männer und 16% der Frauen an Diabetes zusammen mit Bluthochdruck. Zielwerte beim Diabetiker sind ein systolischer Blutdruck unter 130mmHg und ein diastolischer Blutdruck unter 80 mmHg. Blutdruckwerte bis zu 140/90 mmHg versucht man durch mehr Bewegung u.a. zu senken, bei Werten darüber liegt aus heutiger Sicht ein behandlungsbedürftiger Bluthochdruck vor, betonte Prof. Hendrik Lehnert, Magdeburg. Als Hinweis auf einen vorzeitigen Nierenschaden und auf ein erhöhtes Herzinfarktrisiko gilt heute die Mikroalbuminurie. Davon spricht man, wenn die Eiweiß-(Albumin)Ausscheidung im Urin erhöht ist (zwischen 20 bis 200 mg/l am Tag). Mikroalbuminurie lässt sich ganz einfach mit Urinteststäbchen nachweisen. Eine weiter verstärkte Eiweißausscheidung wird Makroalbuminurie genannt.

Typ-1-Diabetiker mit Hochdruck und Mikro- oder Makroalbuminurie profitieren besonders von sogenannten ACE-Hemmern als Blutdrucksenker; sie verzögern das Fortschreiten der Nierenerkrankung. Beim Typ-2-Diabetiker mit Hochdruck und Mikroalbuminurie verzögern ACE-Hemmer und Angiotensin-Rezeptorblocker (Sartane) das Fortschreiten zur Makroalbuminurie. Ein Sartan sollte auch im Stadium der Niereninsuffizienz erwogen werden.

Bundesweite Aufklärungsaktion

(2005)

Bundesweite Diabetes-Aufklärungsaktion

Mehr wissen heißt besser leben! Jeder Diabetiker sollte seinen HbA1c-Wert kennen – er sollte unter sieben Prozent liegen, daher auch der Name der bundesweiten Aufklärungsaktion "Gesünder unter 7".
Das Problem der Volkskrankheit Diabetes
Die Patienten werden immer jünger, viele Menschen wissen nicht, dass sie Diabetiker sind, und viele Diabetiker unterschätzen ihre Krankheit. Die Folge: Das Risiko für die gefürchteten Folgeerkrankungen wie Herzinfarkt, Erblindung oder Amputation steigt.
Mit der Initiative "Gesünder unter 7" will sanofi-aventis in Kooperation mit Fachgesellschaften, Patientenorganisationen und Medien mehr Aufklärung und Wissen über Diabetes erreichen und die Früherkennung sowie die Versorgung der Betroffenen verbessern.
"Als forschendes Pharmaunternehmen ist es unsere Verantwortung, durch Aufklärung und Sensibilisierung dazu beizutragen, dass die Versorgung von Diabetikern optimiert und das Risiko für Neuerkrankungen verringert wird. Diabetesaufklärung von Berlin bis München. Nur so können langfristig die dramatischen sozialen und wirtschaftlichen Schäden dieser Volkskrankheit eingedämmt werden", sagte Dirk Ullrich, Leiter der Geschäftseinheit Diabetologie bei sanofi-aventis bei der Kick-Off-Pressekonferenz am 11. März in Berlin.
Im Berliner Ring-Center eröffnete Renate Künast, Bundesministerin für Verbraucherschutz, Ernährung und Landwirtschaft anschließend die Aktionstage, die seither bundesweit an sieben Wochenenden in sieben großen Einkaufszentren in Deutschland gastieren.
In Frankfurt am Main, Dresden, Mülheim an der Ruhr, Hamburg und Stuttgart konnten sich Besucher vor Ort bereits über Ursachen, Risikofaktoren und Behandlung der Volkskrankheit Diabetes informieren und ihr persönliches Diabetes-Risiko testen lassen:
Es werden Blutzucker-, Blutdruck- und Taillenumfangmessungen angeboten. An den Informationsständen stehen Ärzte, Apotheker und Diabetesberaterinnen aus den Regionen für alle Fragen Rede und Antwort.

Weitere Angebote der Aktion: Stündliche Expertenvorträge zu Themen wie Vorbeugung, Bluthochdruck und Diabetischer Fuß, Tipps zu sportlichen Aktivitäten, Ernährung und Fußpflege sowie umfangreiches Informationsmaterial. Ein besonderes Highlight ist das Infomobil Diabetes. Hier können Diabetiker ihren Langzeitblutzuckerwert (HbA1c) messen lassen. Und der Zustrom der Interessierten ist groß: Die Aktionsstände wurden in allen Städten gut besucht. Viele Passanten in den Einkaufszentren nahmen die Chance wahr, ihr Risiko prüfen zu lassen.
Eine starke Gemeinschaft – Die Partner
Viele Fachgesellschaften und Patientenvereinigungen unterstützten die Diabetes-Aktionstage. Die Kooperationspartner sind der Deutsche Diabetiker Bund (DDB), der Verband der Diabetes Beratungs- und Schulungsberufe in Deutschland (VDBD), der Bundesverband niedergelassener Diabetologen (BVND), die Arbeitsgemeinschaft niedergelassener diabetologisch tätiger Ärzte (AND), die Stiftung "Der herzkranke Diabetiker", diabetes-world.net sowie die Medien Ärzte Zeitung, Diabetes Journal, Apotheken-Depesche, Das Beste und Vitalis TV.
Auch prominente Diabetiker wie der Starfrisör Udo Walz aus Berlin und der Eishockeyspieler Michael Hackert, Stürmer bei der DEL-Mannschaft Frankfurt Lions, unterstützen die Aktion. Walz beobachtet oft, dass Patienten sich nicht trauen, in der Öffentlichkeit, zum Beispiel im Restaurant, zu spritzen. "Aufklärung ist besonders wichtig. Wer aufgeklärt ist, muss keine Angst vor der Krankheit haben, sondern kann gut und normal weiterleben", kommentierte Walz daher die Aufklärungskampagne. Weitere Informationen zur Aktion gibt es im Internet unter www.gesuender-unter-7.de.

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Ob mit oder ohne manifesten Diabetes

(2005)

Das metabolische Syndrom senkt die Lebenserwartung

Ob mit oder ohne manifesten Diabetes – „Tödliches Quartett“ wird das metabolische Syndrom oft genannt, und es macht seinem Namen Ehre

Es besteht aus mehreren Krankheiten, die dem Diabetes vorausgehen, und jede einzelne ist ein Sargnagel mehr. Wer die entsprechende Kombination aufweist, stirbt deutlich früher – ob mit oder ohne Diabetes. Dass Insulinresistenz, Übergewicht, Bluthochdruck und Fettstoffwechselstörungen dem Entgleisen des Blutzuckers lange vorausgehen, hat sich herumgesprochen. Weniger ist bekannt über die Auswirkungen dieses metabolischen Syndroms auf die Lebenserwartung, bevor sich der Diabetes als Höhepunkt der krankhaften Entwicklung einstellt. Finnische Forscher füllten diese Lücke. Sie fassten die verfügbaren Daten elf großer europäischer Sterblichkeitsstudien zusammen. 6156 Männer und 5356 Frauen zwischen 30 und 89 Jahren gingen in die Auswertung ein.

Als metabolisches Syndrom definierte man erhöhten Nüchtern-Insulinspiegel (Hyperinsulinämie) zusammen mit zwei der folgenden Faktoren:

  • Übergewicht
  • Bluthochdruck (Hypertonie)
  • Fettstoffwechselstörung (Dyslipidämie)
  • gestörte Blutzuckertoleranz

Unter diese Definition fielen 15,7% der europäischen Männer und 14,2% der Frauen, die sich damit auf dem besten Weg zum manifesten Diabetes befanden.
Das Sterblichkeitsrisiko dieser Menschen, so das Ergebnis, war gegenüber Vergleichspersonen ohne metabolisches Syndrom dramatisch erhöht, und zwar um 44% bei Männern und um 38% bei Frauen. Das Risiko, an Herzinfarkt zu sterben, lag bei vorliegendem Prädiabetes für Frauen sogar 2,78-fach höher, für Männer 2,26-fach.
Dieses Ergebnisse unterstreichen die Notwendigkeit einer individuellen, frühen Vorbeugung gegen Risikofaktoren wie Übergewicht, Bewegungsmangel, Hochdruck und erhöhte Blutfette.

Frühstück im Trend: Deutsche starten optimal in den Tag

(2005)

Frühstück voll im Trend: Deutsche starten optimal in den Tag

Mediaedge:cia analysiert Stellenwert von Ernährung, Kochen und Diät

Düsseldorf (ots) – Die Bundesbürger sind alles andere als Frühstücksmuffel: Ob werktags oder am Wochenende – morgens ist der Tisch reichlich gedeckt. Wie eine repräsentative Umfrage der Düsseldorfer Kommunikationsagentur Mediaedge:cia zeigt, starten in der Woche 80 Prozent der Befragten mit Käse, Quark oder Frischkäse in den Tag. Ebenso häufig werden Marmelade, Honig und Nuss-Nougat-Creme verwendet. Knapp drei Viertel mögen’s etwas deftiger – sie greifen zu Wurst und Schinken. Bevorzugte Grundlage sind vor allem werktags frisches Brot oder Baguette vom Bäcker (58 Prozent), gefolgt von Toastbrot (54 Prozent).

Knusprige Brötchen, frische Croissants oder Teilchen vom Bäcker gönnen sich während der Woche 42 Prozent. Am Wochenende sind es sogar drei Viertel. Aufback-Brötchen oder Baguette zum Fertigbacken essen werktags rund 15 Prozent, am Wochenende 40 Prozent. Und: Jeder Zweite tischt morgens generell Obst oder Gemüse auf. Bei 40 Prozent darf zudem der Joghurt nicht fehlen. Insgesamt mögen Männer es eher deftig und tendieren dabei zu Aufschnitt, während Frauen gern zu Knäckebrot, Joghurt, Müsli oder Cornflakes greifen.

Die Lust am Genießen wird auch bei den Kochgewohnheiten deutlich: 44 Prozent der Befragten macht Kochen richtig Spaß. Vor allem Frauen (61 Prozent) und die Best Ager ab 50 Jahre (50 Prozent) gehören zu den passionierten Hobbyköchen, was wohl nicht zuletzt mit der Erfahrung zusammenhängt. In der 50plus-Gruppe kocht jeder Zweite am liebsten alles selbst. Fertiggerichte kommen nur selten auf den Tisch. Gleiches gilt für die Frauen.
Dagegen zeigen sich unter 30-Jährige am Herd vergleichsweise zurückhaltend, experimentierfreudige und pragmatische Köche halten sich die Waage. So sagen einerseits 32 Prozent von ihnen, dass sie gern neue Rezepte und Gerichte ausprobieren. Andererseits kochen fast ebenso viele meistens nur Gerichte, die sie gut kennen (31 Prozent) oder sie verwenden beim Kochen häufig Fertiggerichte (29 Prozent) bzw. sie machen sich über Essen und Ernährung eher wenig Gedanken (29 Prozent).

Offen für Innovationen zeigen sich vor allem Frauen: So stehen bei ihnen Produkte mit Zusatznutzen überdurchschnittlich häufig auf dem Einkaufszettel. Besonders beliebt sind Low Fat-Produkte. Jeder vierte Befragte verwendet sie regelmäßig, bei Frauen führen fett- oder kalorienreduzierte Produkte sogar mit 31 Prozent die Hitliste an. Insgesamt auf Platz zwei folgen Bioprodukte und probiotische Joghurts (16 Prozent). „Bio“ ist insbesondere bei höher Gebildeten (28 Prozent) angesagt. Mit Power- und Energiedrinks bringen vor allem unter 30-Jährige (11 Prozent) und Männer (7 Prozent) ihre Kräfte in Schwung.

Gut und reichlich Frühstücken, gern und lecker Kochen – da gerät die Bikini-Figur schon mal aus den Fugen. Und trotzdem: Nur 16 Prozent der Bundesbürger ab 14 Jahre haben in den letzten zwölf Monaten eine Diät gemacht. Männer zeigen mit zehn Prozent die geringste Bereitschaft. Frauen und geschiedene Personen haben dagegen deutlich mehr Interesse an einem wohlgeformten Body: Je 22 Prozent von Ihnen machten innerhalb des vergangenen Jahres eine Diät. Die populärste Diätmethode heißt „FdH – Friss die Hälfte“. 80 Prozent der Befragten kennen sie zumindest vom Namen gefolgt von Weight Watchers (66 Prozent) und Trennkost (63 Prozent). Auch bei der Anwendung hat FdH die Nase vorn. 60 Prozent derjenigen, die in den letzten zwölf Monaten eine Diät gemacht haben, reduzierten entsprechend radikal ihre Tagesrationen. Fast jeder fünfte Diätanwender setzte im vergangenen Jahr auf Trennkost. Sieben Prozent der Frauen – aber kein einziger Mann – versuchten ihr Glück mit der Brigitte-Diät. Mit den kohlenhydrat-reduzierten Low Carb-Diäten hatte nur ein Prozent der Diätanwender Erfahrung.

Insgesamt hat FdH das beste Image von allen Methoden: 58 Prozent der Kenner dieser Diätform halten sie für wirkungsvoll, fast jeder Zweite findet sie zudem praktisch und 45 Prozent bezeichnen sie als empfehlenswert. Weight Watchers halten 35 Prozent derjenigen, die das Diätprogramm zumindest vom Namen kennen, für wirkungsvoll (Rang 2), gefolgt von Trennkost (34 Prozent). Beim Geschmack führt die Brigitte-Diät mit 20 Prozent. Allerdings wird sie nicht als besonders wirkungsvoll eingestuft. Und nur zwölf Prozent halten sie für nachhaltig – das bedeutet: vorletzter Platz vor Low Carb mit sieben Prozent.

Der Sensor ist eine monatliche Repräsentativbefragung zu aktuellen Themen der Markt- und Medienforschung. Sie wird im Auftrag von Mediaedge:cia vom TNS Emnid-Institut, Bielefeld, persönlich bei zirka 1.300 Personen im Alter ab 14 Jahren durchgeführt.

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