News-Archiv: 2005

Diabetes und Bluthochdruck

(2005)

Diabetes und Bluthochdruck

Durch Behandlung von Bluthochdruck sinkt Herzinfarkt-Risiko beim Diabetiker

Bei Bluthochdruck lässt sich meist keine konkrete Ursache finden, doch Bluthochdruck tritt häufig im Rahmen des metabolischen Syndroms, auch „Wohlstandssyndrom“ genannt, auf. Das berichtet in der aktuellen Ausgabe des DRUCKPUNKT, das Gesundheits-Magazin der Deutschen Hochdruckliga, Professor Dr. med. Hendrik Lehnert von der Universitäts-Klinik Magdeburg.

Unter dem Begriff „Wohlstandssyndrom“ wird das gemeinsame Auftreten von Bluthochdruck, Typ-2-Diabetes, Übergewicht, erhöhten Blutfetten und einem zu hohen Harnsäurespiegel verstanden. Die fatale Konsequenz dieses Syndroms sind Folge-Erkrankungen wie Herzinfarkt, Schlaganfall, Nieren- oder Augenschäden. Mit dem wachsenden Anteil von übergewichtigen Menschen nimmt auch die Häufigkeit des „Wohlstandssyndroms“ rapide zu. Insbesondere Bluthochdruck und Diabetes verstärken sich in ihrer schädigenden Wirkung gegenseitig. Treffen beide Erkrankungen zusammen, ist das Risiko für einen Herzinfarkt beträchtlich erhöht. Bluthochdruck sollte deshalb bei Diabetikern sehr ernst genommen werden.

Bei Zuckerkranken senkt die konsequente Blutdruckbehandlung mit den Zielwerten 130 / 80 mm Hg das Infarktrisiko noch stärker als bei Bluthochdruck-Erkrankten ohne Diabetes. Hierfür sind häufig Kombinationen verschiedener Medikamente erforderlich. Grundsätzlich können alle von der Deutschen Hochdruckliga empfohlenen Wirkstoffe verwendet werden.

Das Gesundheitsmagazin DRUCKPUNKT kann bei der Deutschen Hochdruckliga angefordert oder abonniert werden, Mitglieder erhalten es kostenfrei.
Patientenservice der Hochdruckliga:
Experten beantworten Ihre Fragen am Herz-Kreislauf-Telefon

Montag bis Freitag, 9.00 – 17.00 Uhr
Tel. 06221 47480-0

 


,

Haltet euch fit, Männer!

(2005) Diabetes News Haltet euch fit, Männer !

Ein kleines Buch über große Probleme

Ein Ratgeber zur Prophylaxe von Potenzstörungen. Der Autor des Buches Dr. med. Habil. N. Bogomolny, ehemaliger Chefarzt der Urologie der Uniklinik in Kischinew, hat sich mehr als 30 Jahren mit dieser Problematik beschäftigt und hat eine Anleitung zur Prophylaxe und Behandlung von Potenzstörungen verschiedener Patientengruppen entwickelt.

Sie wissen sicher aus eigener Erfahrung, dass es leicht ist, über Erektionsstörungen Witze zu machen. Haben Sie Schwierigkeiten, eine für einen befriedigenden Geschlechtsverkehr ausreichende Erektion zu bekommen? Ist man selber betroffen, so ist dies nicht so lustig. Dann ist es schwer, jemanden zu finden, mit dem man offen darüber sprechen kann. Oft gelingt dies nicht mit der eigenen Partnerin.
Der betroffene Mann muss wissen, dass er mit seinen Problemen nicht alleine ist. Etwa 10% der Männer zwischen 40 und 70 Jahren in Deutschland leiden unter einer schweren erektilen Dysfunktion, mehr als 25% sind von einer mittelschweren Form betroffen. Insgesamt haben etwa 6 Millionen deutsche Männer diese Potenzprobleme. Die Tatsache, dass – rechnet man diese Zahl hoch – im Jahr 2025 ca. 322 Millionen weltweit betroffen sein werden, deutet darauf hin, dass eine Erkrankung vorliegt.

Wissenswert ist, dass das sexuelle Interesse und die sexuelle Aktivität beider Geschlechter erst in einem Alter von 75 Jahren deutlich nachlassen. Untersuchungen zufolge treten Libidostörungen bei 2% aller Männer auf.

Von allen bekannten Medikamenten und Möglichkeiten zur Wiederherstellung der Gesundheit und Lebensfreude lehnt man leider die zuverlässigsten, am leichtesten zugängliche und nicht vom jeweiligen Entwicklungsstand der Medizin abhängigen Mittel ab. Das ist der heutige medizinische Radikalismus: Man vertraut Tablette oder dem Skalpell weit mehr als der körperlichen Bewegung, einer ausgewogenen Ernährung und dem Herbeiführen sexueller Harmonie, die zur Prophylaxe der Potenzstörungen eine entscheidende Rolle spielen.

In diesem Buch finden Sie wichtige medizinische Ratschläge über die Auswahl der richtigen Ernährung, Krankengymnastik, Akupressur (Selbstmassage) und das Sexualleben.

Alles ist einfach und für jeden einsehbar. Und glauben Sie, der Effekt übersteigt die Erwartungen vieler, die diesen Empfehlungen gefolgt sind. Potenzstörungen sind kein Todesurteil, sondern eine strenge Warnung. Für Menschen, die diese Warnung nicht ernst nehmen, kann sie jedoch zum vernichtenden Urteil werden. Oft können Ihnen weder Tabletten, noch das Skalpell das Verlorene zurückgeben.

Die Kosten des Diabetes mellitus (KoDiM)

(2005)

Die Kosten des Diabetes mellitus (KoDiM)
Kostenexplosion durch Folgeerkrankungen

Die PMV-Forschungsgruppe der Universität zu Köln hat im Rahmen der KoDiM-Studie Daten einer Krankenkasse und einer Kassenärztlichen Vereinigung zur Kostenanalyse herangezogen.

Prof. Dr. med. Hans Hauner

In der Studie wurden für Deutschland die direkten und indirekten Kosten der Diabetiker und erstmalig auch des Diabetes mellitus selbst (Diabetes-Exzess-Kosten) analysiert. Die Datenbasis lieferte die Versichertenstichprobe AOK Hessen/KV Hessen, in die rund 350.000 durchgängig Versicherte eingeschlossen wurden. Das Besondere daran: „Die KoDiM-Daten geben erstmalig einen genaueren Aufschluss über die Kostenverteilung und erlauben damit eine Bewertung aktueller gesundheitspolitischer Ansätze sowie die Entwicklung nachhaltiger Strategien zur Verbesserung der Kostensituation im Gesundheitswesen“, erläuterte Ingrid Köster von der PMV-Forschungsgruppe bei der Präsentation der Untersuchungsergebnisse in Berlin.
Bestandsaufnahme und weitere Entwicklung
Diabetes mellitus trägt durch hohen Therapieaufwand, Arbeitsausfallzeiten und Frühberentungen maßgeblich zur Belastung des Gesundheitswesens sowie der Volkswirtschaft bei. Zurzeit geht man von rund sechs Millionen Bundesbürgern mit erkanntem Diabetes aus. Aufgrund der wachsenden Betroffenenzahl – die Deutsche Diabetes-Union geht von einer Steigerung von derzeit sechs auf zehn Millionen Patienten im Jahre 2010 aus – sowie der Abnahme des Manifestationsalters, ist mit einem weiteren Anstieg der Kosten zu rechnen. Laut KoDiM verursachten Diabetiker in Deutschland im Jahre 2001 insgesamt Kosten in Höhe von 59,8 Milliarden Euro. Davon entfielen 30,6 Milliarden Euro auf direkte Kosten im Bereich der Krankenversicherung (25,9 Milliarden Euro) und Pflegeversicherung (4,7 Milliarden Euro). Zudem wurde die Volkswirtschaft aufgrund von Krankschreibungen und Frühberentungen mit Kosten in Höhe von 29,2 Milliarden Euro belastet.
Die Diabetes-Exzess-Kosten – also die Kosten, die mit der Diabetes-Erkrankung selbst in Zusammenhang stehen – beliefen sich im Jahre 2001 auf insgesamt 22,3 Milliarden Euro. Davon entfielen 12,8 Milliarden Euro auf die Krankenversicherung, 1,8 Milliarden Euro auf die Pflegeversicherung und 7,7 Milliarden Euro auf indirekte Kosten durch Frühberentungen (6,6 Milliarden Euro) und Arbeitsausfallzeiten (1,1 Milliarden Euro). Bei einem erwarteten Anstieg auf zehn Millionen Diabetiker würden bereits im Jahre 2010 die jährlichen (direkten und indirekten) Diabetes-Exzess-Kosten auf über 37 Milliarden Euro ansteigen. „Dies kann nicht gänzlich ohne Auswirkungen auf die Krankenversicherungen und die Volkswirtschaft bleiben“, betonte der Direktor des Münchener Else Kröner-Fresenius-Zentrums, Prof. Dr. med. Hans Hauner. „Weiter steigende Lohnnebenkosten führen zudem zu negativen Folgen für den Arbeitsmarkt und die internationale Wettbewerbsfähigkeit von Deutschland.“

Strategien zur Kostenreduzierung
Für die Behandlung der Grunderkrankung Diabetes wird nur ein geringer Teil der Kosten aufgewandt, erläuterte Priv.-Doz. Dr. Liselotte von Ferber von der Universität Köln. „Etwa 80 Prozent der direkten Diabetes-Exzess-Kosten entstehen durch die mit Diabetes assoziierten Folgeerkrankungen. Dazu zählen einerseits die so genannten makrovaskulären Komplikationen wie zum Beispiel Herzinfarkt und Schlaganfall, sowie die mikrovaskulären Komplikationen wie Nieren- und Augenerkrankungen und das diabetische Fußsyndrom, die einen erheblich höheren Kosteneinfluss haben als bisher angenommen.“ Die Folgeerkrankungen des Diabetes tragen maßgeblich zur Belastung der Volkswirtschaft durch Krankschreibungen und Frühberentungen bei – was nicht sein müsste, denn, so Ferber: „Dieser Kostenblock könnte durch gute Behandlung der Grunderkrankung deutlich gesenkt werden.“
„Von der Logik her macht es keinen Sinn, die Daumenschrauben bei der Diabetesbehandlung anzusetzen, denn die direkten Kosten für die Krankenversorgung machen nur zwölf Prozent der Gesamtkosten aus“, meinte Hauner. Aber genau darüber werde immer diskutiert, anstatt das Problem im Kern anzugehen. Hauner sieht für Deutschland einen enormen gesundheitspolitischen Nachholbedarf und verwies auf die Präventionserfahrungen in einigen skandinavischen Ländern. Aufgrund des immer früheren Beginns der Erkrankung bedürfe es bereits im Schulalter einer intensiven Aufklärung über die Bedeutung einer ausgewogenen Ernährung und ausreichender Bewegung. Hauner erinnerte an das kürzlich gestartete Nationale Aktionsforum Diabetes mellitus.
Bei Patienten mit manifestem Diabetes mellitus gehe es primär darum, die Entstehung von teuren Folgeerkrankungen zu vermeiden. Diese entstehen durch eine schlechte Stoffwechseleinstellung. Eine stringente Therapie der Grunderkrankung kann die Blutzuckerwerte wieder in den Normalbereich zurückführen. Dies wird allerdings durch die zum Teil geringe Bereitschaft der Patienten zur aktiven Mitarbeit erschwert.
Daher gelte es, so Hauner, insbesondere die Compliance der Patienten, unter anderem durch edukative Maßnahmen, sowie die zielgerichtete Nutzung der verfügbaren medizinischen Interventionsmöglichkeiten zu verbessern.
,

Elmauer Gespräche 2005 – Modelle weiterentwickeln

(2005)

Elmauer Gespräche 2005 – Modelle weiterentwickeln

elmauer-gespraeche

Ärztliche Zusammenarbeit ist nichts Neues

Wie sie in Zukunft organisiert wird, ist jedoch entscheidend für weitere Fortschritte in der Diabetes-Versorgung.

Zukunft, Perspektiven, Potenziale – das klingt nach einem bunten Markt neuer Möglichkeiten. Die drei Begriffe sind Schlagworte der Vortragstitel der Elmauer Gespräche 2005, die Ende Februar in der winterlichen Abgeschiedenheit Oberbayerns stattgefunden haben. Der Expertendialog, organisiert von Roche Diagnostics, widmet sich jedes Jahr Fragen der Diabetes-Versorgung; der optimistische Grundton der Überschriften der Diskussionsbeiträge ist also Ausdruck einer positiv nach vorne schauenden Pharmafirma oder ein Zeichen dafür, dass Diabetes eines der wenigen Gebiete der deutschen Gesundheitspolitik ist, auf dem zuversichtlich Neues gewagt wird. Tatsächlich betonte Prof. Dr. med. Bertram Häussler vom Berliner IGES-Institut auch die Stärken der aktuellen Versorgung: Rund 1.100 diabetologische Schwerpunktpraxen, über 5.000 diabetologisch geschulte Hausärzte nach ZI oder 3.500 Diabetesberaterinnen und -assistentinnen: „Das sind Erfolge, die man auch so nennen sollte.“

Dienstleister auf dem Vormarsch

In seinem Vortrag ging es Häussler aber um die Diabetesversorgung der Zukunft. Integriert, vernetzt und transparent ist das Idealbild, aber wie wird es erreicht?
Als wichtige Rahmenbedingungen für die Entwicklung nannte er neue Einrichtungen wie die Medizinischen Versorgungszentren (MVZ) und neue Finanzierungsmöglichkeiten wie die Integrierte Versorgung (IV). Diese mache zum Beispiel den technologischen Mehraufwand von Vernetzung durch Querfinanzierung tragbar. Mit diesen beiden Werkzeugen sei es gelungen, institutionelle Verkrustungen aufzuweichen.

Zum Rahmen gehören auch neue Technologien für Dokumentation und Entwicklung wie die Gesundheitskarte und der Morbi-RSA oder andere Maßnahmen gegen finanzielle Nachteile von Kassen mit qualifizierten Versorgungsangeboten.

Als wahrscheinliche Entwicklung nannte Häussler eine fortschreitende Spezialisierung; Teilprozesse auch aus dem hausärztlichen Bereich würden an Dienstleister übertragen werden. Als Beispiel nannte er die Patientenführung, das Case-Management durch Call Center oder komplexe verhaltensmedizinische Interventionen, aber auch Laborkontrollen bei unkomplizierten Verläufen. Weiter räumt er der IV vor allem bei Typ-1-Diabetikern sowie bei Hochkostenfällen bei Typ 1 oder 2 umfangreiche Möglichkeiten ein, die MVZ würden vor allem in Ballungszentren starke Bedeutung bekommen.

Und schließlich würden Qualitätssicherung und -management zunehmen, sei es in einem zentralen Modell als Weiterentwicklung der DMP durch elektronische Echtzeiterfassung in einer Zentrale oder Qualitätsrückmeldung mit Benchmarking, sei es in einem dezentralen Modell mit Zertifizierung des internen QM und der Nutzung von IT-basierten Systemen des Qualitätsmonitorings. „Das monolithische DMP ist kein Anreiz, etwas auszuprobieren“, bedauerte Häussler und forderte, weiter in Modellprojekten Neues zu versuchen. Denn man könne mit Stolz und Zufriedenheit an der Entwicklung der Diabetesversorgung sehen, dass sich das Gesundheitssystem sehr wohl verändern lasse, manchmal mehr als man meint.
Amberg auf dem Weg zur Capitation

Ein konkretes Beispiel neuer Versorgungsformen gab Dipl.-Ing. Hanswerner Voss, Geschäftsführer des „Unternehmens Gesundheit Oberpfalz-Mitte“. Die 68 niedergelassenen Allgemein- und Fachärzte, drei Kliniken und ein ambulantes Operationszentrum haben sich mit einer verbindlichen Gesellschafterstruktur als GmbH & Co.KG zusammengetan und das Unternehmen unter ein hehres Motto gestellt: „Wir wollen mit Gesundheit verdienen statt mit Krankheit.“ Das Netz ist über einen bis Dezember 2006 laufenden IV-Vertrag nach § 140 a SGB V mit der AOK in das „normale“ Gesundheitssystem eingebunden.

Modellcharakter hat vor allem aber die Organisation selbst: Eine einheitliche, strukturierte und evaluierbare Dokumentation über intelligente Formulare im Netz vermeidet doppelte Arbeit der Kollegen. Die Datenhaltung der elektronischen Patientenakte ist dezentral; „zentral ist nicht zielführend“, meint Voss: Hier müssten Arzt und Patient gemeinsam den Zugriff freigeben, was in der Praxis bei hauptsächlich abends oder am Wochenende erledigten Dokumentationsaufgaben nicht funktioniere. Ein gemeinsamer Server in Hochsicherheitsumgebung sammelt automatisch Daten für die Versorgungsforschung, Daten, die in Kooperation mit dem hessischen Pharmadienstleister NDC Health vermarktet werden. Und sie sind begehrt, ist es doch das erste Mal in Deutschland, dass sektorübergreifende Falldaten zur Verfügung stehen. Ein Controllingsystem sorgt durch seinen Benchmark dafür, dass die Teilnehmer einen medizinischen und betriebswirtschaftlichen Überblick über die Kosten einer Patientenkarriere erhalten.

Die daraus resultierende Fokussierung auf Gesundheit soll 2007 zu einem Capitation-Modell der Abrechnung führen. Eine Arzneimittelkommission wählt für das Netz aufgrund der Evidenz der OVID-Datenbank Medikamente aus; die daraus resultierenden Einsparungen können in Integrationsdienstleistungen investiert werden. Und 7.500 Euro pro Praxis und Jahr spart das Netz durch gemeinsamen Einkauf ein.

Patientenwünsche kennen und erfüllen

All diese Dinge kommen letzten Endes dem Patienten zu Gute. Doch die Organisatoren wollten mehr wissen und fragten nach. Die Patienten wollten Zeit sparen, am liebsten noch am selben Tag vom Allgemein- zum Facharzt überwiesen werden. Sie wollten Schulung und Compliance-Unterstützung und schließlich auch Motivation und Belohnung. Letzteres sei nach der einjährigen Evaluierung dieser Ergebnisse vor allem im Bereich Diabetes auch umgesetzt worden. Als Beispiel nannte Voss die Compliance-Unterstützung durch die Mellibase-Software aus dem Roche-Konzern. Die Unterstützung bestünde hier in der Aufbereitung der medizinischen Daten „in der Sprache der Patienten“. Zwar könne der in seiner elektronischen Akte auch andere Daten einsehen, aber nur die Mellibase-Daten hätten auch eine hohe Chance, vom Betroffenen verstanden zu werden, erläuterte der UGOM-Geschäftsführer.
Gut für die 7.000 eingetragenen Netzpatienten unter den 15.000 AOK-Versicherten in Amberg und Umgebung. Und die 60.000 potenziellen Patienten, wenn auch andere Kassen in die IV einsteigen.

So kriegt das böse Cholesterin sein Fett weg

(2005)

Studien haben allerdings gezeigt, dass die Therapie mit Statinen allein nicht immer zum gewünschten Erfolg führt: Das LDL-Cholesterin wird zwar gesenkt, viele der behandelten Patienten erreichen jedoch nicht immer zufriedenstellende Werte. Arzt und Patient müssen sich dann oft mit einem immer noch erhöhten und gefährlichen LDL-Cholesterinwert befassen.

Wissenschaftler haben nun einen weiteren Weg aus diesem Dilemma gefunden: Der neue Cholesterinhemmer mit den Wirkstoffen Ezetemib und Simvastatin arbeitet mit seinem neuartigen Wirkprinzip auf zwei Wegen gleichzeitig: Der Wirkstoff Ezetimib hemmt die Aufnahme von Cholesterin im Darmtrakt, das Statin Simvastatin bremst die Entstehung des Cholesterins in der Leber. Eine aktuelle Studie ergab: Durch diese so genannte „duale Hemmung“ der beiden Cholesterinquellen konnte Inegy die LDL-Cholesterinwerte bereits nach fünf Wochen bei bis zu 83 Prozent der Patienten im erstrebten Ausmaß senken.

Das duale Wirkprinzip wird von den bundesdeutschen Allgemeinmedizinern, Praktikern und Internisten als wichtige Innovation bewertet. Das hat eine Umfrage des renommierten Marktforschungsinstituts Mefos ergeben.

Das Medikament wird von den Kassen voll erstattet.

Telemedizin – aufwändig, aber lohnend

(2005)
Telemedizin – aufwändig, aber lohnend
Bei den Elmauer Gesprächen waren Projekte zur elektronischen Verbesserung der Betreuung von Diabetikern Thema. Wo fügt sich Telemedizin in die sich ändernde Versorgungslandschaft ein?
Unwillkürlich denkt man an einen Gegensatz, wenn in der rustikalen Bergwelt Oberbayerns über Telemedizin gesprochen wird. Diesen Gegensatz gibt es natürlich nicht, denn nicht nur in den Reden Edmund Stoibers passen Laptop und Lederhose zusammen: Telemedizin bietet die Optimierung des Einstellungsprozesses von Patienten, was insbesondere in betreuungsintensiven Therapieszenarien vorteilhaft ist – und umso mehr dort, wo Betreuung schon durch räumliche Entfernungen schwerer ist.
In seinem Vortrag bei den von Roche Diagnostics organisierten Elmauer Gesprächen in den Alpen bei Garmisch-Partenkirchen betonte Prof. Dr. med. Diethelm Tschöpe vom Diabeteszentrum Bad Oeynhausen jedoch einen anderen Aspekt, nämlich die Erweiterung der Versorgungsprozesse.
Das ist auch notwendig, meinte der Direktor am Herz- und Diabeteszentrum NRW der Ruhr-Universität Bochum, denn nur durch eine Überwindung der sektoralen Grenzen und der Integration ambulanter und stationärer Betreuung würde eine weitere Verbesserung der Versorgung bei besseren Kostenstrukturen möglich.
Die momentane hierarchische Gliederung hält er für falsch, die Frage sei, wie man davon weg zu einem ineinandergreifenden Miteinander komme. Ein ganz praktisches Instrument dazu könnte, so Tschöpe, die Telemedizin sein. „Telemedizin ist kein Trick, etwas von Kliniken wegzunehmen, sondern eine Erweiterung der therapeutischen Reichweite und ökonomischer Effizienz – auch wenn wir das noch nicht in Euro und Cent sagen können“, beruhigte er.
Projekt Kinder und Telemedizin
Doch während in der Kardiologie die Verringerung der Zeit bis ins Hospital bei einem Infarkt durch die Überwachung relativ einfach zu erreichen ist, sei das Ganze in der Diabetologie komplizierter, da nicht nur ein EKG, sondern beispielsweise konstant Blutzuckermessergebnisse zu übertragen sind.
Als Beispiel für sinnvolle Telemedizin nannte Tschöpe die Betreuung von Kindern und Jugendlichen mit Diabetes, sei doch klinisch empirisch bewiesen, dass die erreichbare Einstellungsqualität nahezu linear mit der Betreuungsdichte korreliert. Vor diesem Hintergrund hat das Diabeteszentrum Bad Oeynhausen ein Projekt mit zehn Kindern und Jugendlichen zwischen zehn und 17 Jahren durchgeführt, in dem über ein Jahr Daten des elektronischen Diabetestagebuches sowie der Insulin-Basal- und Abrufratenpläne an das Zentrum per E-Mail übermittelt wurden.
Zeitnah antworteten die Ärzte den Jugendlichen, die mit einer Diabetesdauer von zwei bis zwölf Jahren und einer Pumpentragezeit zwischen einem und vier Jahren „kleine Profis“ waren, wie Tschöpe meinte. Und doch handelte es sich bei den selektierten Teilnehmern um eine „hochkomplexe Problemgruppe“, weswegen er das Ergebnis einer HbA1c-Senkung über das Jahr von 8,6 auf 8,1 Prozent als positiv wertete: „Hübsch für eine kleine Machbarkeitsstudie.“
Techniker, Mediziner und Psychologe
Der verschlüsselte E-Mail-Verkehr musste den sehr strengen und rigiden Bestimmungen des Datenschutzes gehorchen, die für die Studie entwickelte Einzellösung „DiabData“ sendete individuell verschlüsselt Blutzuckerwerte, Insulinabgaben und Konfiguration der Pumpe, die zu sich genommenen Broteinheiten sowie Informationen über körperliche Bewegung, Krankheit und psychisches Befinden.
Über den gleichen Weg erhielten die Teilnehmer eine medizinische und eventuell psychologische Beurteilung der Daten sowie gegebenenfalls Änderungsvorschläge. Die Konfiguration der Pumpe direkt online über den Arzt war durch die Software noch nicht möglich, eine solche automatische Steuerung sei aber ein Ziel, so Tschöpe. Accu-Check® Compact zur Blutzuckermessung; Datenübertragung per Infrarotschnittstelle vom Messgerät auf einen Handcomputer oder von der Pumpe auf den PC mit Internetanschluss waren die technischen Voraussetzungen des Projekts.
Damit wurden innerhalb eines Jahres 590 E-Mails gewechselt, 201 davon empfangen und 389 gesendet; 181 hatten technische Inhalte, 257 medizinische und 152 psychologische – Tschöpe spricht hier von medizinischer Führung, einer regelrechten Online-Sprechstunde. Das bedeutet auf der anderen Seite für beide Parteien einen erheblichen Aufwand, tatsächlich brachen zwei Probanden das Projekt nach einem halben Jahr aufgrund von Motivationsproblemen ab, wenig häufigerer Mailkontakt war aber weiterhin erwünscht.
Und auch die Tücken des Computeralltags kamen im Projekt vor, von falsch installierter Software bis zu virenbefallenen PCs.
Online-Gesundheitspass Diabetes
Wo stehen wir also heute auf der Telemedizin-Roadmap? „Aufwändig, aber lohnend“, fasste Tschöpe seine Erfahrungen zusammen. Der Patient werde dadurch zum zentralen Dreh- und Angelpunkt, Telemedizin sei ein Bindungsinstrument, auch für die pädagogische Arztbindung. „Computer sollen nicht das marode Gesundheitssystem reparieren“, erinnerte der Kliniker, zumal zur wirklich breiten Anwendung noch ein „beträchtliches Stück Arbeit“ nötig sei.
Zentrale, transparente Dokumentation von Diabetesdaten
Wer möchte das nicht? Dr. med. Christian Simonin, ärztlicher Leiter der Berner Medvantis AG, stellte bei den Elmauer Gesprächen zu diesem Ziel den Online Gesundheitspass Diabetes (OGPD) vor, der in einer Pilotanwendung mit der Helsana Krankenversicherung und Hausärztevereinen von Luzern-Reuss und Aaraus sowie dem zu Roche gehörendem Baseler Institut IMIB durchgeführt wurde. Der Internist ordnete das Projekt ein in das Gesamtkonzept des Disease-Managment, für ihn die Transformation des koordinations-orientierten Controllingkonzeptes, das sich aus den Anfängen des Controlling in den 20ern in der Unternehmensführung immer weiter entwickelt hat, in die Medizin.
„Die Banken machen das schon“, erklärte Simonin, „und man sollte es auch für das Gut einsetzen, das dem Schweizer noch lieber als Geld ist: Gesundheit.“ Ganz praktisch hieß das, die Nachteile des papiergebundenen Diabetespasses zu überwinden: Nicht strukturiert abgelegte Daten, die nur eingeschränkt verfügbar sind, eine aufwändige Datenauswertung vor allem bei einer großen Zahl an Pässen und viele verlorene Informationen. Die Daten werden bei der Online-Version auf einem OGPD-Server gespeichert und stehen so für den Patienten, seinen Arzt und ein medizinisches Call Center bereit.

„Der Datenschutz wurde als Hinderungskriterium bis zum Äußersten herangezogen“, beschreibt Simonin die zu erwartenden Probleme. Dabei handelt das Medvantis Call Center beim Datenschutz wie eine Arztpraxis, der Patient behält die Datenhoheit. Ein Vorteil für den interessierten Arzt sind die Auswertungen über verschiedene Kollektive mit der Möglichkeit eines Benchmarkings.
Doch auch der Patient profitiert, und sei es nur durch den Big-Brother-Effekt beim Einhalten der vereinbarten Werte. „Zentrales Element ist die Formulierung der Zielsetzung, ohne Zielsetzung nutzt keine Technologie etwas“, mahnte der Schweizer Experte. Tatsächlich waren nach sechs Monaten signifikant mehr Patienten in den Zielbereichen HbA1c, Gesamtcholesterin und Blutdruck – wenn auch bei einem hoch motivierten Kollektiv. Eine Motivation, die sehr stark vom behandelnden Arzt abhing, wie Simonin berichtete. „Häufig war der Patient motiviert und der Arzt hatte Angst vor Transparenz.“ Eine Skepsis, die mit der Projektdauer wich, zum Beispiel wegen der nützlichen Auswertungen im Qualitätszirkel.
Die neuen Plattformen Internet und Call Center wurden von den Patienten gut akzeptiert – besonders das Call Center von älteren Patienten, was Simonin auf die soziale Interaktion zurückführte. Die strukturierte, zentrale Datenablage führe zu objektiven, nutzbringenden Auswertungen, schloss Simonin, der OGPD sei eine praktikable Weiterentwicklung seines papiernen Vorläufers. „Ein kleiner Schritt, aber er funktioniert“, machte er den Telemedizinern Hoffnung auf die Zukunft.

,

Fortbildungskolloqium für Diabetologen

(2005)

Fortbildungskolloqium für Diabetologen
Herausforderungen bei der Insulintherapie meistern

Wie begegne ich insulinunwilligen Patienten? Was muss ich bei der Insulintherapie von Kindern und Menschen mit Niereninsuffizienz beachten? Welche Therapie hat das geringste Hypoglykämierisiko?
Viele praxisrelevante Themen standen auf dem Programm des ersten Lilly-Kolloquiums 2005, das unter der Leitung von Dr. med. Rolf Renner aus München stattfand.

Der Preis für einen niedrigen HbA1c Wert ist häufig ein erhöhtes Hypoglykämierisiko. „Tritt eine Hypoglykämie häufiger als zweimal pro Woche auf, begünstigt dies die Entwicklung von Hypoglykämie-Wahrnehmungsstörungen“, so Dr. med. Hans-Joachim Lüddeke, Internist mit diabetologischer Schwerpunktpraxis in München. Eine Untersuchung von Lalli und Mitarbeitern verglich die Hypoglykämierate unter Humaninsulin mit dem kurzwirksamen Analoginsulin Insulin lispro. In dieser Studie zeigte sich, dass es pro Monat im Schnitt ca. sechs Hypoglykämien unter Humalog und 13 unter Humaninsulin bei einem HbA1c von 6,5% gab.
„Die verlängerte Wirkung von Humaninsulin birgt ein größeres Hypoglykämierisiko“, so Lüddeke.
Für den Umgang mit insulinunwilligen Patienten lieferte Lüddeke viele brauchbare Tipps. Er machte auf einen Kardinalfehler aufmerksam, der häufig begangen werde, wenn der Einstieg auf Insulin ansteht: Die Androhung von Insulin – als Strafe. Der Hausarzt sei nach mehreren Therapieversuchen überwiegend resigniert, über Insulin zu reden. Er kenne den Patienten, der immer wieder gesagt habe: „Probieren wir es noch mal – vielleicht mit einer anderen Tablette!“ Mit dem Erfolg kurzzeitig gebesserter, dann jedoch wieder schlechterer Blutzuckerwerte. Dabei ist die Tablettentherapie irgendwann ausgereizt. „Die dritte Tablettensorte als solche wirkt nicht mehr“, meinte Lüddeke.
Der Hausarzt spricht dann, was relativ häufig ist, die Drohung aus: „Wenn Sie nicht parieren, gibt es Insulin.“ „Eigentlich“, so Lüddeke, „tut dem Arzt der Patient Leid. Der Patient fürchtet sich vor dem Insulin und vor dem Diabetologen“, sagte Lüddeke. Er wisse nicht, warum er zum Diabetologen überwiesen wurde, habe es nach eigener Ansicht „immer ohne Insulin geschafft“ und spüre zudem nichts von seinem Diabetes, beschrieb Lüddeke die für viele Anwesende so bekannte Situation.
Vielfältige Ängste und Mythen rund ums Insulin
Der insulinunwillige Patient hat viele verschiedene Ängste, zum Beispiel die Angst davor, „nicht mehr zurück zu können“. Im Insulin sehen viele Patienten eine Art Schlusspunkt, das Ende einer flexiblen Lebensweise. Darüber hinaus fühlten sich viele Menschen mit Typ-2-Diabetes schuldig, denken, dass sie mit Insulin für ihre Essenssünden bestraft werden, oder haben Angst davor, von anderen bemitleidet zu werden. „Die Nadelangst ist nur ein Aspekt unter mehreren“, sagte Lüddeke. Das Stechen an sich spiele eine weniger zentrale Rolle, stelle jedoch einen autoaggressiven Moment dar, den man nicht herunterspielen dürfe.
Nicht zu unterschätzen sind nach Lüddekes Ansicht jedoch auch weitere Ängste und diverse Mythen, die bei den Patienten kursieren, wie zum Beispiel: „Einmal Insulin – immer Insulin“, „Viele Diabetiker brauchen nie Insulin“ und „Unterzuckerung mit Insulin ist viel gefährlicher als mit Tabletten“. „Das stimmt nicht“, sagte Lüddeke. „Am gefährlichsten bezüglich Komplikationen sind Tabletten mit lang anhaltenden Sulfonylharnstoffen, wie beispielsweise Glibenclamid, die bei einer Prädisposition im Rahmen einer Niereninsuffizienz sogar zu einer Hypoglykämieneigung von mehreren Tagen führen können.“ Ein besonders hartnäckig verbreiter Irrtum sei die Meinung vieler Menschen mit Diabetes, der oral behandelte Patient habe „nur einen leichten“ – der mit Insulin behandelte dagegen „einen schweren Diabetes“. Die Durchlöcherung dieses Denkschemas gehöre in jede Schulung, forderte Lüddeke, denn Diabetes sei auf jeder Stufe mit fortschreitender Laufzeit etwa gleich gefährlich.
Großes Lob nach erster Selbstinjektion
Lüddeke gab auch praktische Tipps für den Alltag: „Ängste lassen sich durch Informationen nur wenig beeinflussen, Informationen können Befürchtungen ausräumen, kaum aber tief sitzende Ängste.“ Lüddeke riet, sich nicht auf Verhandlungen mit dem Patienten einzulassen. Sehr wichtig sei es, den Patienten reden zu lassen, ihm intensiv und ungespielt zuzuhören, den Patienten ernst zu nehmen, etwas über sein Leben zu erfahren.
Wenn der Patient ausweiche, sei die direkte Frage angebracht: „Warum sind Sie hier?“ Der Arzt dürfe durchaus eigene Gefühle ausdrücken, um eine positive emotionale Basis herzustellen, beispielsweise durch Anteilnahme, Sorge und Hoffnung. „Sagen Sie Ihren Patienten: ’Ich mache mir Sorgen um Sie’, statt ’Man muss sich Sorgen um Sie machen’“, forderte Lüddeke. Eine realistische Darstellung der Situation, keine Drohung sei angebracht, um dann rasch zum Therapieversuch mit Insulin überzugehen. Dem Patienten müsse eine Perspektive gegeben werden. Beispielsweise so: „Mit Insulin werden Sie sich frischer fühlen“, oder: „Sie werden nachts nicht mehr aufstehen müssen.“ Wenige, dafür klare Botschaften, keine komplizierten Erklärungen seien gefragt. Nach der ersten Selbstinjektion sei ein großes Lob angebracht.
Insulintherapie bei diabetischer Nephropathie
Bei Nephropathie-Patienten kommen mehrere Faktoren zusammen, so Lüddeke, die dazu führten, dass diese Menschen als „instabile Patienten“ gelten: Auf der einen Seite führt die erhöhte Insulinresistenz zu einem erhöhten Insulinbedarf, auf der anderen Seite bewirken die um 30-40 Prozent verminderte Insulin-Clearance und die verminderte renale Glukoneogenese einen verringerten Insulinbedarf. Lüddeke plädierte in diesem Zusammenhang für kurzwirksame Analoginsuline, wie zum Beispiel Insulin lispro (Humalog®) denn „bei Nephropathie wirken alle Insuline länger.“ Lang wirksame Insuline könnten akkumulieren und die Hypoglykämierate erhöhen.
„Lassen Sie sich vom Kind zeigen, wie es spritzt!“
Dr. med. Rolf Renner vom Endokrinologischen Zentrum in München widmete sich dem Thema „Insulintherapie bei Kindern und Jugendlichen“. Er betonte die Bedeutung der richtigen Spritzareale, denn bei Kindern wird aufgrund der besseren Durchblutung des subkutanen Gewebes Insulin rascher resorbiert. Deswegen ist die Wahl der Einstichstelle besonders ausschlaggebend. Dies gelte etwa bis zum 15. Lebensjahr und erfordere eine andere Therapiebasis, so Renner.
„Lassen Sie sich vom Kind zeigen, wie es spritzt“, riet Renner. Nur so könne man Fehler der Kinder erkennen, wie beispielsweise intramuskuläres statt subkutanes Spritzen im Oberschenkel oder das Spritzen am Oberschenkel statt am Bauch. Damit ließen sich häufig bislang unerklärliche Blutzuckerkurven interpretieren. Die Änderung des Injektionsareals und die Überprüfung der Injektionstechnik seien zudem einfache Maßnahmen, um die Einstellung der Kinder und Jugendlichen mit Diabetes zu verbessern. Ganz wichtig sei es auch, den Kindern klarzumachen, dass sie die Hautfalte loslassen müssen, bevor sie die Spritze wieder aus dem Gewebe herausziehen. Auch die Bedeutung der Lipohypertrophien hob Renner hervor. Das Spritzen an immer derselben Stelle „tut nicht mehr weh“ – das merken Kinder schnell. Man müsse ihnen klar machen, dass es nichts bringe, in hypertrophe Areale zu spritzen, so Renner.
Laut Renner ist bei Pädiatern ein Trend zur Intensivierung der Insulintherapie im Sinne einer flexibleren Behandlung klar ersichtlich. Im Hinblick auf die Pumpentherapie wies Renner darauf hin, dass der Basalratenbedarf bei präpubertären und pubertären Kindern zwischen 20:00 und 24:00 Uhr besonders ausgeprägt sei, da zu diesem Zeitpunkt Wachstumshormone ausgeschüttet werden. Das Verhältnis zwischen Basalinsulin und mahlzeitenbezogenem Insulin unterscheide sich grundsätzlich bei Kindern und Erwachsenen. Während das Verhältnis bei Erwachsenen und Jugendlichen ab 14 Jahren 1:1 beträgt, liegt der Basalratenanteil bei unter Sechsjährigen bei 25 Prozent, bei Sechs- bis Zehnjährigen bei 35 Prozent und bei Zehn- bis 14-Jährigen bei 40 Prozent. Renner schloss mit dem Fazit: „Kinder sind keine kleinen Erwachsenen!“
Kardioprotektive Wirkungen von Insulin
Dr. med. Stephanie Hagemann von der Ilmtalklinik in Pfaffenhofen gab einen umfassenden Überblick zum Thema „KHK – das frühe Risiko“. Sie referierte über die Ätiologie der Atheriosklerose, die man inzwischen als einen Entzündungsprozess erkannt hat, und erläuterte die Rolle des Insulins in dessen Verlauf. Hagemann stellte heraus, dass Menschen mit Diabetes und Personen im „prädiabetischen“ Stadium ein deutlich erhöhtes KHK-Risko haben. Insbesondere ein erhöhter postprandialer Blutzuckerwert habe einen direkten Einfluss auf die Entstehung der Artheriosklerose. „Eine an der Physiologie der Stoffwechselgesunden orientierte Blutzuckereinstellung gilt als wichtiges Therapieziel. Gute postprandiale Werte lassen sich mit kurzwirksamen Analoginsulinen erreichen“, erklärte Hagemann – beispielsweise mit Insulin lispro. Weniger bekannt waren bislang die komplizierten Signalkaskaden, über die Insulin seine antiatherogenen und antiinflammatorischen Effekte ausüben kann.

,

Ernährungstherapie beim Metabolischen Syndrom

(2005)

Ernährungstherapie beim Metabolischen Syndrom unter Alltagsbedingungen umsetzbar

Dr. med. Thomas Skurk vom Else-Kröner-Fresenius-Zentrum für Ernährungsmedizin in Freising-Weihenstephan plädiert dafür, gemeinsam mit dem Patienten Strategien zu entwickeln.

Das Metabolische Syndrom ist gekennzeichnet durch eine Kombination von Symptomen, der eine Adipositas zugrunde liegt. Angesichts der besonderen Bedeutung der Ernährung bei der Entstehung des Metabolischen Syndroms ist es naheliegend, dass die Ernährungstherapie eine zentrale Rolle in der Prävention und Behandlung dieses Symptomenkomplexes spielt. Ernährungsmedizinische Empfehlungen leiten sich aus der Kenntnis bestimmter Nahrungsfaktoren ab, die an der Entstehung einzelner Komponenten des Metabolischen Syndroms beteiligt sind. Die zentrale Komponente des Metabolischen Syndroms ist die Adipositas. Intensive Diskussionen gibt es derzeit darüber, welche Energieträger für den Anstieg der Adipositasprävalenz verantwortlich sind. Unabhängig davon zählt jedoch jede Kalorie – ob aus Fetten oder Kohlenhydraten. Wichtiger sind allgemeine Ratschläge zu vermehrter körperlicher Bewegung. Diese können unterstützt werden durch die Empfehlung, sich ballaststoffreich zu ernähren. Ballaststoffe führen zu einer raschen Sättigung und vermindern die Energiedichte der Nahrung. Der vermehrte Verzehr an gesättigtem Fett ist mit dem Risiko verbunden, eine gestörte Glukosetoleranz respektive einen Typ-2-Diabetes mellitus oder auch Fettstoffwechselstörungen zu entwickeln. Ein Ersatz gesättigter Fette durch ungesättigte ist hingegen mit einer Verbesserung der Glukosetoleranz und der Insulinsensitivität vergesellschaftet. Auch Gesamt- und LDL-Cholesterin können dadurch gesenkt werden. Heute wird empfohlen, die Aufnahme gesättigter Fette auf unter zehn Prozent beziehungsweise in Risikogruppen auf weniger als sieben Prozent der Gesamtenergiemenge zu begrenzen. Übergewicht begünstigt über verschiedene Mechanismen die Entwicklung eines Bluthochdrucks. Eine kochsalzreiche Ernährung bei salzsensitiven Menschen und eine niedrige Kaliumaufnahme sind weitere Risikofaktoren. Bekannt ist ferner, dass ein hoher Alkoholkonsum die Blutdruckwerte ansteigen lässt. Andererseits lässt sich durch eine reduzierte Fettaufnahme und einen hohen Quotienten aus ungesättigten zu gesättigten Fettsäuren der Blutdruck senken. Zusätzlich wurde für eine fettarme Kost in Kombination mit einem erhöhten Obst- und Gemüseverzehr eine blutdrucksenkende Wirkung beschrieben.

Wie lässt sich das Metabolische Syndrom verhindern?

Das wichtigste Ziel ernährungsmedizinischer Maßnahmen ist sicher die Senkung eines erhöhten Körpergewichts durch eine mäßig hypokalorische Kost. Eine verstärkte Zufuhr komplexer Kohlenhydrate und Ballaststoffe unterstützt diesen Prozess. Diese Maßnahmen sind vor allem in der Kombination mit einer Lebensstiländerung mit vermehrter körperlicher Aktivität sinnvoll.

Wie zahlreiche Studien zeigen, reicht bereits eine Senkung des Körpergewichts um fünf bis zehn Prozent, um eine deutliche Verbesserung aller Störungen zu erreichen. Es gibt jedoch eine Art Dosis-Wirkungs-Beziehung zwischen Ausmaß der Gewichtsreduktion und Besserung der metabolischen Störungen. Für die praktische Umsetzung muss eine Ernährungsberatung auf den Kenntnisstand des Patienten ausgerichtet und vor allem lebensmittelorientiert sein und auf die Portionsgrößen abheben. Das aktuelle Ernährungsverhalten des Patienten ist dabei Ausgang für jede Empfehlung. Es geht vor allem darum, gemeinsam mit dem Patienten eine Strategie zu entwickeln, unter Berücksichtigung der persönlichen Vorlieben und Möglichkeiten sich an die Prinzipien einer gesunden Ernährung anzunähern. Entscheidend bei den Empfehlungen ist stets, dass diese unter den Alltagsbedingungen des Patienten auch umsetzbar sind.

Praktische Empfehlungen für Patienten mit Metabolischem Syndrom zur Lebensmittel- und Speisenauswahl

  • Mehrmals täglich Obst und Gemüse („5 am Tag“-Regel)
  • Vollkornprodukte gegenüber Weißmehlprodukten bevorzugen, letztere nur in kleinen Mengen
  • Weniger fettreiche Lebensmittel wie Sahne, Schokolade, Fast Food, fette Fertigprodukte
  • Pflanzenöle (Rapsöl, Olivenöl, Sonnenblumenöl) bevorzugen
  • Fisch: ein- bis zweimal pro Woche; fettreiche Fischsorten (Makrelen, Hering, Lachs) gelten aufgrund des hohen Gehalts an Omega-3-Fettsäuren als besonders günstig
  • Magere Fleischsorten in eher kleinen Portionen, größere Mengen von Wurstwaren und fettreichem Käse meiden
  • Zurückhaltung bei sehr salzhaltigen Fleisch- und Wurstwaren und salzreichen Konserven
  • Begrenzung alkoholischer Getränke (ein bis zwei kleine Gläser Wein oder Bier)

Verursachen Impfungen bei Kindern Diabetes?

(2005)

Verursachen Impfungen bei Kindern Diabetes?

Eindeutig: Die Impfspritze führt nicht zur Insulinspritze!

Diabetes tritt bei immer jüngeren Menschen auf. Daher lassen die Spekulationen nicht nach, dass Impfungen im Kindesalter etwas mit der Entwicklung von Zuckerkrankheit zu tun haben könnten. Eine groß angelegte Studie räumt jetzt mit dieser Vermutung auf.

In Dänemark werden Kinder nach ähnlichen Vorgaben wie bei uns geimpft: üblicherweise gegen Diphtherie, Tetanus, Hämophilus influenzae Typ b (HiB), Keuchhusten (Pertussis), Kinderlähmung (Polio), Masern, Mumps und Röteln.

Werden die Impflinge häufiger diabetisch als die Ungeimpften?

Dänische Epidemiologen verfolgten zu dieser spannenden Frage die Entwicklung aller in Dänemark zwischen 1990 bis 2000 geborenen Babys, für die genaue Angaben zu Impfung und späterer Diabetesentwicklung zur Verfügung standen – das waren 739000 Kinder, die über 4,7 Millionen Patientenjahre beobachtet wurden. Mit besonderen statistischen Methoden errechneten die Forscher das Risiko insbesondere für die Jahre zwei bis vier nach erfolgten Impfungen.

Keine Verbindung zwischen Impfungen und Diabetes

Unterm Strich fand man keine stichhaltigen Hinweise auf Häufungen von Diabetesfällen unter den geimpften Kindern im Vergleich zu nicht Geimpften. Auch bei erblich belasteten Kindern, die einen diabetisch erkrankten eineiigen Zwilling hatten, konnte die Entwicklung der Erkrankung nicht auf die Impfung zurückgeführt werden. Kinder, die eine Impfung gegen Hämophilus influenzae erhalten hatten, erkrankten mit einer Wahrscheinlichkeit von 0,91 an Diabetes, also seltener als nicht Geimpfte.

Weitere „Risikozahlen“ für einzelne Impfungen lauteten beispielsweise: 1,02 für Diphtherie, Tetanus und inaktivierte Poliovakzine; 0,96, wenn zusätzlich gegen Keuchhusten geimpft wurde (azellulärer Impfstoff); 1,06, wenn gegen Keuchhusten der Ganzkeim-Impfstoff eingesetzt wurde (der bei uns als Monovakzine nicht mehr im Handel ist). Auf 1,14 stieg das Risiko nach Masern-Mumps-Röteln-Impfung, auf 1,08 nach oraler Poliovakzine (die bei uns durch den sichereren Injektionsimpfstoff abgelöst wurde).

Bei diesen Zahlen muss im Auge behalten werden, dass Impfungen nachgewiesenermaßen den Ausbruch der entsprechenden Krankheiten verhindern können, während das Risiko für eine Förderung von Stoffwechselstörungen auch bei einer Risikozahl größer 1 im Vergleich zum Schutz durch die Impfung praktisch bedeutungslos ist.

Die groß angelegt Studie kommt also zu dem Schluss, dass es kein Verbindung zwischen Impfungen und Typ-1-Diabetes bei Kindern gibt; das Nutzen-Risiko-Verhältnis spricht eindeutig dafür, alle Kinder impfen zu lassen.

Mehr Selbstvertrauen durch guten Sex

(2005)

Mehr Selbstvertrauen durch guten Sex – Pfizer startet neue
Aufklärungsinitiative "Mit Leib und Seele Mann"

Karlsruhe – "Mit Leib und Seele Mann" heißt die neue Pfizer-Aufklärungsinitiative zu Erektionsproblemen. Pfizer wendet sich dabei an alle Männer, die wegen ihrer Erektionsfähigkeit mit ihrem Sexualleben unzufrieden sind.
Die Basis für die neue Initiative bildet unter anderem eine aktuelle Umfrage unter 1.122 deutschen Männern. Sie zeigt, dass für 59% der Männer Erektionsprobleme eine persönliche Niederlage darstellen und 68% sich dann gar nur noch als halber Mann fühlen. Zwei Drittel der Männer sehen jedoch Erektionsprobleme nicht als Krankheit und 80% wünschen sich einen normalen Umgang mit diesem Thema.
"Oft ist es genau das Nicht-krank-sein-Wollen, das die Männer davon abhält, ihr Problem aktiv anzugehen", so Dr. Martin Burkart, Leiter Therapiegebiet Urologie bei Pfizer. "Die neue Pfizer-Initiative setzt genau hier an: Die offene, positive Ansprache thematisiert nicht primär Problem und Versagen, sondern soll eine Lösung aufzeigen und den Mann auf diese Weise dazu ermutigen, seine Hemmschwellen zu überwinden. Schließlich bekommt Man(n) etwas Wertvolles zurück: Eine erfüllte Sexualität kann sich erwiesenermaßen positiv auf das Selbstbewusstsein eines Mannes, seine Partnerschaft und letztlich seine Lebensqualität auswirken."
"In der Sexualität hängen Körper und Seele eng zusammen", bestätigt Prof. Dr. Udo Engelmann von der Universität Köln. "Die Erektionsfähigkeit steht für viele Männer im Zentrum ihrer Männlichkeit. Lässt sie nach, so kann dies das Selbstbewusstsein eines Mannes stark angreifen. Dabei nimmt jeder Mann das Problem unterschiedlich wahr – oft erzeugt schon eine geringe Erektionsschwäche einen hohen Leidensdruck, gegen den leider immer noch viel zu wenige Männer etwas unternehmen."
Dem will die neue Pfizer-Initiative durch verschiedene Aktivitäten entgegenwirken:
Ab 1. August 2005 startet sie bundesweit mit Anzeigen in Publikumsmedien und auf Taxidächern (fahrende Aufklärung) sowie mit Informationsbroschüren für Männer und Frauen. Außerdem informiert die Internetplattform www.mann-info.de sowie die in Arztpraxen ausliegende Wartezimmerzeitung "Mann Info" umfassend über Potenzprobleme. Weitere Aktivitäten im Rahmen der Initiative sind geplant.
Pfizer setzt damit seine langjährigen Aufklärungsaktivitäten rund um das Thema Männergesundheit und Erektionsstörungen fort.

,

Expertensuche
Geben Sie Ihre Postleitzahl oder Ihren Wohnort ein und legen Sie einen Umkreis für die Suche fest. Alternativ können Sie nach einem bestimmten Namen suchen.