News-Archiv: 2005

Nationaler Ethikrat

(2005)

Nationaler Ethikrat legt Stellungnahme zur Patientenverfügung vor

Berlin (ots) – Nach mehrmonatigen intensiven Beratungen veröffentlicht der Nationale Ethikrat seine Stellungnahme zur Patientenverfügung.

Die Empfehlungen zur Patientenverfügung sind Teil einer umfassenden Stellungnahme zu ethischen, rechtlichen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen sowie der Realität der Sterbebegleitung, die der Nationale Ethikrat gegenwärtig erarbeitet. Der Ethikrat betont, dass mit der Diskussion über Reichweite und Verbindlichkeit von Patientenverfügungen das Verbot der aktiven Sterbehilfe nicht infrage gestellt wird. Eine entscheidungsfähige Person muss für den Fall ihrer eigenen späteren Entscheidungsunfähigkeit das Recht haben, in einer Patientenverfügung Festlegungen für oder gegen eine medizinische Behandlung zu treffen. Voraussetzungen und Reichweite einer Patientenverfügung sollten im Interesse der Rechtssicherheit gesetzlich geregelt werden. Parallel dazu sollten die Kompetenzen von Betreuern und Bevollmächtigten präzisiert werden.

Der Gesetzgeber sollte die Schriftform oder eine vergleichbar verlässliche Dokumentation zur Voraussetzung der Gültigkeit einer Patientenverfügung erklären. Der Gesetzgeber sollte außerdem klarstellen, dass Anzeichen von Lebenswillen eines Entscheidungsunfähigen die Bindungswirkung einer behandlungsablehnenden Patientenverfügung mit nur wenigen Ausnahmen aufheben.

Nach mehrheitlicher Auffassung der Mitglieder des Ethikrates soll der Gesetzgeber klarstellen, dass eine Patientenverfügung für den Arzt und das Pflegepersonal verbindlich ist und dass Reichweite und Verbindlichkeit der Patientenverfügung nicht auf bestimmte Phasen der Erkrankung beschränkt werden sollten.

Die Stellungnahme „Patientenverfügung. Ein Instrument der Selbstbestimmung“ ist online verfügbar unter http://www.ethikrat.org/stellungnahmen/stellungnahmen.html

Blutzuckerteststreifen weiter von Zuzahlungen befreit

(2005)
Blutzuckerteststreifen weiter von Zuzahlungen befreit
Welche Kosten bekommen Diabetiker von Krankenkassen erstattet?
Durch die Gesundheitsreform hat sich für Diabetiker nichts geändert. Das heißt, in aller Regel gelten sie weiterhin als chronisch krank, und sie bekommen nach wie vor die ihnen zustehende Zahl von Blutzuckerteststreifen verordnet.

Messen des Blutzuckers mit Blutzucker-Messgerät und Blutzucker-Teststreifen Auf Spritzen, Kanülen und Teststreifen zahlt man nach den derzeitigen Regeln auch künftig keine Rezeptgebühr, schreibt die „Neue Apotheken Jllustrierte“ in ihrer aktuellen Ausgabe vom 1. Februar.
So viele Teststreifen zahlt die Krankenkasse pro Quartal:

  • Typ 2 Diabetiker, die mit Tabletten und Diät behandelt werden, erhalten maximal 50 Teststreifen.
  • Insulinpflichtige Zuckerkranke bekommen maximal 200 Stück erstattet.
  • Patienten, die im Rahmen einer intensivierten konventionellen Therapie (ICT) den Insulinbedarf selbstständig anpassen, erhalten 400 Streifen.
  • Typ 1 Diabetiker, die mit konventioneller Insulintherapie behandelt werden, erhalten maximal 200 Stück und jene mit ICT oder Insulinpumpe bis zu 600 Stück pro Quartal.

Die „Neue Apotheken Jllustrierte“ liegt in vielen Apotheken aus und wird kostenlos an Kunden abgegeben.

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Hypoglykämie-Gegenregulation

(2005)

Hypoglykämie-Gegenregulation

Kein Kampf der Geschlechter

Priv.-Doz. Dr. med. Bernd Schultes fahndet mit seinem Forscherteam am Campus Lübeck des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein nach geschlechtsspezifischen Unterschieden bei Typ-2-Diabetikern.

Schwere Hypoglykämien treten relativ gesehen bei Patienten mit Typ-2-Diabetes deutlich seltener auf als bei Patienten mit Typ-1-Diabetes. Viele Experten gehen allerdings davon aus, dass es mit den zunehmenden Anstrengungen, die Stoffwechseleinstellung bei Typ-2-Diabetespatienten zu verbessern, auch zu einem gehäuften Auftreten von schweren Hypoglykämien bei diesen Patienten kommen wird und somit das Problem der Unterzuckerungen auch bei der Therapie des Typ-2-Diabetes an Bedeutung gewinnt.

Die Determinanten der physiologischen Reaktionen auf eine Hypoglykämie sind bei Typ-2-Diabetikern bislang weit weniger genau untersucht worden als bei den meist jüngeren Typ-1-Diabetikern oder auch bei gesunden Probanden. Bei beiden letztgenannten Personengruppen sind deutliche Geschlechtsunterschiede in der hormonellen Hypoglykämie-Gegenregulation wiederholt beschrieben worden, wobei Frauen konsistent eine geringer ausgeprägte Gegenregulation im Vergleich zu Männern aufweisen. Vor diesem Hintergrund untersuchten wir, ob ähnliche Unterschiede zwischen den Geschlechtern auch bei Patienten mit Typ-2-Diabetes feststellbar sind.

Insgesamt wurden jeweils 15 Frauen und 15 Männer mit Typ-2-Diabetes während einer experimentell induzierten, standardisierten Hypoglykämie (50 mg/dl über 30 Minuten) untersucht. Die Gruppen der weiblichen und männlichen Probanden wurden so zusammengestellt, dass sie in Bezug auf ihr mittleres Alter (61 versus 62 Jahre), ihre Diabetesdauer (9,1 versus 9,0 Jahre), ihre Stoffwechselkontrolle (Hb1c 7,7 versus 7,6 Prozent) und ihre Diabetestherapie (Insulintherapie bei jeweils sieben Patienten in jeder Gruppe) gut vergleichbar waren.

Jeweils vor sowie während der standardisierten Hypoglykämie wurde in regelmäßigen Abständen Blut zur Bestimmung der Gegenregulationshormone entnommen und die Intensität der Wahrnehmung Hypoglykämie-typischer Symptome systematisch erfragt. Zur Erfassung der aktuellen neurokognitiven Leistungsfähigkeit wurde ein Kurzzeitgedächtnistest (Wortwiedergabetest) durchgeführt sowie die Reaktionszeiten während eines akustischen Aufmerksamkeitstests gemessen. Beide neurokognitive Testverfahren hatten sich in vorausgehenden Untersuchungen unserer Arbeitsgruppe als sehr sensitiv in Bezug auf die Effekte von Hypoglykämien erwiesen.

Vergleichbare hormonelle, subjektive und neurokognitive Reaktionen

Während der Hypoglykämie kam es zu einem deutlichen Anstieg der Konzentration aller Gegenregulationshormone (Adrenalin, Noradrenalin, ACTH, Kortisol und Wachstumshormon) mit Ausnahme von Glukagon, welches diskret abfiel. Die Konzentrationsanstiege der einzelnen Hormone unterschieden sich jedoch nicht zwischen den männlichen und weiblichen Probanden.

Gleichzeitig kam es während der Hypoglykämie zu einem Anstieg der Wahrnehmung von Hypoglykämie-typischen Symptomen sowie zu einer Verminderung der gemessenen neurokognitiven Leistungen. Wie bei den Gegenregulationshormonen fand sich jedoch auch in diesen Parametern kein Unterschied zwischen den beiden Geschlechtern. Zusammengefasst zeigten die männlichen und weiblichen Patienten mit Typ-2-Diabetes in unserer Studie vergleichbare hormonelle, subjektive und neurokognitive Reaktionen auf die standardisierte Hypoglykämie.

Auf den ersten Blick steht dieses Ergebnis in einem gewissen Gegensatz zu vorausgehenden Befunden bei Patienten mit Typ-1-Diabetes und gesunden Probanden. Es sollte jedoch betont werden, dass unser Untersuchungskollektiv deutlich älter war, als die Probandenkollektive in diesen vorausgehenden Studien und dass alle unsere weiblichen Probandinnen postmenopausal waren.
Letzteres scheint insbesondere vor dem Hintergrund der kürzlich von einer amerikanischen Arbeitsgruppe um Stephen Davis veröffentlichten Studienergebnisse von besonderer Bedeutung. Diese zeigen, dass der Geschlechtsunterschied in der hormonellen Hypoglykämie-Gegenregulation zum großen Teil auf die Wirkung von Östrogenen zurückzuführen ist.

Aufgrund ihres postmenopausalen Status waren die Östrogenspiegel bei allen unseren Probandinnen recht niedrig (< 28 pg/ml), so dass es gut möglich scheint, dass der fehlende Geschlechtsunterschied bei unserem Probandenkollektiv hierauf zurückzuführen ist. Aufgrund unserer Studienergebnisse lässt sich somit festhalten, dass das Geschlecht bei älteren Patienten mit Typ-2-Diabetes keine wesentliche Determinante für die physiologischen und neurokognitiven Reaktionen auf eine Hypoglykämie darstellt.

Sporthandbuch sorgt für Bewegung

(2005)

Der Ratgeber gibt auch Auskunft darüber, welche Sportarten für Menschen mit Diabetes besonders geeignet sind: angefangen vom Ausdauersport, über Krafttraining bis hin zu verschiedenen Ballsportarten. Sowohl Menschen mit Typ 1- als auch mit Typ 2-Diabetes erhalten speziell auf ihren Diabetestyp abgestimmte Empfehlungen für sportliche Aktivitäten. Das OneTouch®-Sporthandbuch ist kostenlos über das Kampagnen-Faltblatt „Besser messen – Aktiver leben“ erhältlich. Interessierte können das Faltblatt anfordern beim Aktionsbüro „Besser messen – Aktiver leben“, c/o Circle Comm GmbH, Ober-Ramstädter-Straße 96, 64367 Mühltal, Telefon: 06151-360 87 96, Fax: 06151-360 87 99. Diesen Service sowie aktuelle Informationen zur Kampagne und den Kooperationspartnern bietet auch die Kampagnen-Homepage im Internet www.bessermessen-aktiverleben.de.

Erforschung der Ursachen des Typ 1 Diabetes

(2005)

Münchener Institut beteiligt sich an neuer internationaler Studie zur Erforschung der Ursachen des Typ 1 Diabetes

Als einziges deutsches Forschungszentrum nimmt das Institut für Diabetesforschung neben fünf weiteren Studienzentren in Finnland, Schweden und den USA an einer der größten internationalen Studien zu den Ursachen des Typ 1 Diabetes teil. Ziel dieser neuen Studie ist es, Umweltfaktoren aufzudecken, die bei der Entstehung dieser Form der Zuckerkrankheit neben genetischen Merkmalen eine Rolle spielen.

Die Studie, die entsprechend ihrer Zielsetzung den Titel „The Environmental Determinants of Diabetes in the Young“, kurz TEDDY, trägt, soll die Forschung ein wichtiges Stück voranbringen. „Typ 1 Diabetes, auch „jugendlicher“ Diabetes genannt, gilt beim Menschen als vorhersehbar. Im Tiermodell konnte er bereits verhindert werden“, so die Leiterin des deutschen Forschungsteams in München, Prof. Dr. Anette-G. Ziegler. „Unser Ziel ist es, Typ 1 Diabetes möglichst bald auch beim Menschen verhindern zu können.

„Zu diesem Zweck werden von über 7000 Kindern weltweit Daten zu Ernährung, Infektionen und besonderen psychischen Belastungen in der Kindheit gesammelt und ausgewertet. Die auf 15 Jahre angelegte Studie schließt Kinder mit bestimmten Vererbungsmerkmalen ein, die aufgrund dieser Merkmale, der HLA-Genotypen, ein erhöhtes genetisches Risiko für Typ 1 Diabetes aufweisen. Anhand der über die Studienkinder gesammelten Daten wird untersucht, welche Umweltfaktoren dazu führen, dass manche dieser Kinder bereits in den ersten
Lebensjahren einen Typ 1 Diabetes entwickeln, andere dagegen viel später oder gar nicht.

Typ 1 Diabetes ist die häufigste chronische Erkrankung im Kindesalter. Sie entsteht durch eine Störung des körpereigenen Immunsystems: Betroffene entwickeln Antikörper gegen die Zellen ihrer Bauchspeicheldrüse, die das Hormon Insulin herstellen und damit den Blutzucker regulieren.

Die bisherige Forschung hat immer wieder Hinweise darauf erbracht, dass Umweltfaktoren eine bedeutende Rolle bei der Entstehung dieser Autoimmunreaktion und damit von Typ 1 Diabetes spielen. Seit Beginn der 90er Jahre steigen in der Bundesrepublik die Erkrankungszahlen bei Kindern unter 15 Jahren jährlich um über 3%. Für die große Bedeutung von Umweltfaktoren spricht zudem, dass 90% der Neuerkrankungen in Familien ohne familiäre Belastung auftreten. Von eineiigen Zwillingspaaren, die identische Vererbungsmerkmale haben, erkranken nur in circa einem Drittel der Fälle beide Geschwister an Typ 1 Diabetes. Dabei scheinen vor allem die Umweltbedingungen in der frühen Kindheit ausschlaggebend zu sein: bei den meisten Kindern mit genetischer Belastung, die eine Autoimmunreaktion entwickeln, tritt diese bereits in den ersten beiden Lebensjahren auf.

Durch ein einheitliches Forschungsprogramm und standardisierte Methoden in allen Zentren soll die TEDDY Studie zusätzlich untersuchen, wie es zu der unterschiedlichen Häufigkeit von Typ 1 Diabetes in den teilnehmenden Ländern kommt. In Skandinavien tritt die Krankheit deutlich häufiger auf als in den USA, im übrigen Europa dagegen seltener. Dies kann durch die unterschiedliche Häufigkeit bestimmter Genotypen in den Bevölkerungen oder durch unterschiedliche Umwelteinflüsse in den Teilnehmerländern bedingt sein.

Das deutsche Studienteam am Institut für Diabetesforschung wird im Rahmen der TEDDY Studie etwa 640 Kinder untersuchen, die im Laufe der nächsten vier Jahre teils aus der Allgemeinbevölkerung rekrutiert werden, teils aus Familien, in denen Typ 1 Diabetes bereits aufgetreten ist. Der Studie, die von der amerikanischen Gesundheitsbehörde NIH finanziert wird, gingen am Institut für Diabetesforschung bereits andere Untersuchungen voraus. Die BABYDIAB Studie etwa erbrachte Hinweise darauf, dass eine zu frühe Gabe von glutenhaltiger Getreidekost in der frühkindlichen Ernährung das Risiko für Typ 1 Diabetes erhöht. Seit 2001 läuft die Interventionsstudie BABYDIÄT, die eine modifizierte Ernährung für genetisch belastete Säuglinge anbietet, um ihr Typ 1 Diabetesrisiko zu senken.

Informationen zur Studie erhalten Sie unter der gebührenfreien Telefonnummer 0800 – 33 83 33 9 bzw. 0800 – 33 – TEDDY oder per E-Mail unter Teddy.Germany@lrz.uni-muenchen.de. Oder Sie wenden Sich an das Institut für Diabetesforschung, Prof. Dr. Ziegler, Kölner Platz 1, 80804 München.

Nicht machtlos gegen Diabetesfolgen

(2005)

Nicht machtlos gegen Diabetesfolgen – Welt-Diabetestag:
Einfache Tests verhindern teure Folgeerkrankungen

Nierenversagen, Erblindung, Durchblutungsstörungen mit Amputationen – all diese schweren Erkrankungen haben eine Ursache. Diabetes mellitus.
Nehmen die Betroffenen die Zuckerkrankheit nicht ernst, kontrollieren sie nicht regelmäßig und gewissenhaft ihren Blutzuckerspiegel, dann wird die ohnedies schwere Krankheit zum Schicksalsschlag. Der lässt sich jedoch verhindern: Durch Vorbeugung, Früherkennung und gewissenhafte Blutzuckerkontrollen. Dazu rät das Infozentrum für Prävention und Früherkennung (IPF) zum diesjährigen Welt-Diabetestag (14.11.).

Effektives Risikomanagement

(2005)

Fluvastatin senkt kardiale Mortalität um 47%

Effektives Risikomanagement bei KHK-Patienten und Typ-2-Diabetikern
Hochrisikopatienten mit koronarer Herzkrankheit profitieren in hohem Maße von einer Fluvastatin-Therapie. Von zentraler Bedeutung ist hierbei die durch Studienergebnisse belegte signifikante Senkung der kardialen Mortalität. Zu den

therapiebedürftigen KHK-Hochrisikopatienten zählen laut der NCEP-Guidelines ATP III (2001) [1] Patienten mit Myokardinfarkt in der Anamnese, instabiler Angina pectoris, stabiler Angina pectoris und/oder nach Koronararterien-Eingriffen.
Eine weitere Hochrisikogruppe bilden Patienten mit Typ-2-Diabetes. Sie sind dafür prädestiniert, ausgeprägte atherosklerotische Gefäßveränderungen zu entwickeln und haben ein 4-fach höheres Risiko für eine KHK.
Fluvastatin (Cranoc(R)) schützt KHK-Patienten und andere Hochrisikopatienten effektiv vor kardialen Ereignissen. Die Ergebnisse einer Meta-Analyse von Ballantyne et al. (2004) aus den vier großen Fluvastatin-Studien LIPS, FLARE; LiSA, LCAS unter Einschluss von 3.525 Patienten ergaben folgende Risikoreduktionsraten [2]:

  • 47% Risikoreduktion für kardialen Tod
  • 34% Risikoreduktion für kardialen Tod/nicht-tödlichen Myokardinfarkt
  • 35% Senkung der Gesamtmortalität

Die signifikante Senkung der kardialen Mortalität zeigte sich bereits nach nur sechsmonatiger Fluvastatin-Therapie. Besonders bemerkenswert war die Senkung der Gesamtmortalität von 35% – dieser Nutzen konnte bisher durch keine andere Statin-Therapie erreicht werden.

Diabetiker profitieren besonders
In die LIPS-Endpunktstudie (Lescol Intervention Prevention Study) wurden nur Patienten eingeschlossen, die in der Anamnese eine PTCA aufwiesen. Der in der LIPS-Studie für koronar bedingte Morbidität und Mortalität festgelegte primäre Endpunkt MACE (major adverse cardiac events, definiert als kardialer Tod, nicht-tödlicher Myokardinfarkt oder Reintervention) bringt einen überzeugenden wissenschaftlichen Nachweis für die klinische Wirksamkeit von Fluvastatin.
Im Vergleich zu Placebo reduzierte die täglich Gabe von 80 mg Fluvastatin bei diesen KHK-Patienten das Risiko für größere kardiale Ereignisse signifikant um 22%. In der Subgruppe der Patienten mit Typ-2-Diabetes konnte sogar eine Risikoreduktion von 47% verzeichnet werden [3].
Zusätzlich zeigte LIPS, dass eine Therapie mit Fluvastatin schon in einer frühen Phase der KHK zu einer signifikanten Risikoreduktion führt. Die überzeugenden Ergebnisse der LIPS-Studie führten dazu, dass Fluvastatin im Jahr 2003 als bisher einziges Statin die Zulassung zur Sekundärprävention schwerwiegender kardialer Ereignisse nach Herzkatheter-Therapie erhielt. Heute gilt die Gabe eines CSE-Hemmers nach Koronarintervention als State of the Art in der KHK-Risikoreduktion.

KHK-Risikoreduktion mit ausgezeichneter Verträglichkeit

Fluvastatin wird als einziges Statin vor allem über CYP2C9 abgebaut und kann deshalb mit zahlreichen anderen Arzneistoffen verabreicht werden. Daten des Adverse Event Reporting System der FDA in den USA zeigen, dass bei der Gabe von Fluvastatin bisher kein einziger Fall einer tödlichen Rhabdomyolyse aufgetreten ist [3]. Es ist daher ideal bei Patienten mit multipler Medikation und in der Kombinationstherapie einsetzbar.
Die Empfehlung zur Behandlung mit Fluvastatin bei KHK-Patienten, anderen Risikopatienten und Typ-2-Diabetikern entspricht den Ergebnissen der aktuellen Studienlage zum hohen Risikoreduktionspotenzial und zur besonderen Wirksamkeit dieser Substanz.

(1) Grundy SM et al. JAMA 2001; 285 (19) : 248-2497
(2) Ballantyne CM et al. Cardivascular Drugs and Therapy 2004; (18) : 67-75
(3) Serruys et al. JAMA 2002; (287) : 3215-3222
(4) Staffa et al. N Engl J Med 2002; 346 (7) : 539-540

Weltdiabetestag 2005 – Im Blickpunkt: die Füße

(2005)

Weltdiabetestag 2005 – Im Blickpunkt: die Füße
„Füße zuerst – Amputationen verhindern!“ heißt es zum Weltdiabetestag 2005.
Jährlich am 14. November und um diesen Tag herum erinnern viele Veranstaltungen, Vortragsreihen und Aktionen an den Geburtstag von Frederick Banting, einen der Entdecker des Insulins, und an seine Bedeutung für die Behandlung des Diabetes mellitus. An dieser chronischen Stoffwechselstörung sind in Deutschland etwa 6,3 Millionen Menschen erkrankt.
Die Internationale Diabetesföderation (IDF) stellt an jedem Weltdiabetestag ein Problem in den Vordergrund, das mit dieser Erkrankung unmittelbar verbunden ist; 2005 sind es die Füße.
Der Grund: Die Füße von Diabetikern sind besonders gefährdet. Nervenstörungen können dazu beitragen, dass kleine, eigentlich unbedeutende Verletzungen zu schwerwiegenden Komplikationen und in vielen Fällen sogar zu Amputationen führen: In Deutschland geschieht dies etwa 30000 Mal pro Jahr und wäre meistens zu verhindern.

Die bundesweite Hauptveranstaltung zum Weltdiabetestag 2005 ist am 12. November in den beiden Rathäusern der bayerischen Landeshauptstadt München. Die Deutsche Diabetes-Union (DDU) lässt Experten zu Wort kommen, die das Thema von allen Seiten beleuchten und für alle verständlich darstellen.

Als Mitglied der DDU und größte Selbsthilfeorganisation für Diabetes thematisiert auch der Deutsche Diabetiker Bund (DDB) das Problem Füße in vielen Veranstaltungen. Einige Landesverbände arbeiten zum Weltdiabetestag mit Ärzten, Diabetesberatern, Podologen und Apothekern zusammen und bieten Informationen und Orientierung zur Vorsorge und Behandlung.
So hat zum Beispiel der DDB-Landesverband Rheinland-Pfalz vom 14. bis zum 18. November in zwölf medizinischen Zentren Aktionen und Angebote vorbereitet, in Schönebeck (Sachsen-Anhalt) steht ein Diabetikertag am 6. November unter dem Motto „Amputationen – nein, danke!“, und der Landesverband Berlin lädt für den 19. und 26. November zu Veranstaltungen ein. Auch sehr viele Apotheken in ganz Deutschland haben in der Woche vom 14. bis zum 19. November Angebote zum Thema „Füße zuerst – Amputationen verhindern!“

Kirsche: Die roten Fitmacher senken den Blutzucker!

(2005)

Diabetes News Kirsche: Die roten Fitmacher senken den Blutzucker! pm050530_0Ab Juni ist es wieder soweit: die Kirschsaison beginnt. Kirschen sind nicht nur ein idealer sommerleichter Snack, sondern enthalten auch viele wichtige Vitamine und Mineralstoffe. Darüber hinaus könnten Typ 2 Diabetiker von der blutzuckerregulierenden Wirkung der in Kirschen enthaltenen Polyphenole profitieren.

Dies berichtet die Diplom-Ingenieurin der Ernährungstechnik Elisabeth Warzecha von der Gesellschaft für Ernährungsmedizin und Diätetik e.V. in Aachen.
Wissenschaftler der Staatsuniversität von Michigan in East Lansing, USA, fanden in Laborversuchen heraus, dass Polyphenole (sekundäre Pflanzenstoffe) aus Kirschen die Insulinproduktion der Bauchspeicheldrüsenzellen anregen können (1).
Die Zellen, die die amerikanischen Forscher mit Polyphenolen behandelten, produzierten 50 Prozent mehr Insulin als die Zellen ohne Zusatz. Ob die Ergebnisse auch auf den Menschen anzuwenden sind, müssen weitere Untersuchungen zeigen. Weiterhin senken Kirschen den Plasma-Harnsäurespiegel, wie das renommierte Journal of Nutrition im Jahr 2003 berichtete (2).
So beugen Kirschen Gichtanfällen vor und sind idealer Bestandteil einer purinarmen Ernährungsweise. Bereits die alten Römer schätzten die zahlreichen gesundheitsfördernden Eigenschaften der Kirschen. Neben sekundären Pflanzenstoffen enthalten Kirschen Vitamin C und Folsäure, die Mineralstoffe Kalium, Kalzium, Magnesium, Eisen und Phosphor sowie Kieselsäure und Pektin. Die enthaltenen Mineralstoffe sind besonders für Kinder günstig, da sie den Knochen- und Zahnaufbau unterstützen.

Mit ihrem geringen Kaloriengehalt von 60 Kilokalorien pro 100 Gramm sind Kirschen zudem ein optimales Schlankobst. Die Hitzeeinwirkung bei der Verarbeitung von Kirschen zu Kuchen, Roter Grütze, Konfitüren oder Säften zerstört viele wertvolle Inhaltsstoffe der Kirsche. Elisabeth Warzecha empfiehlt daher, die Kirschen am besten frisch zu genießen. Wer einen empfindlichen Magen hat, sollte während und unmittelbar nach dem Kirschverzehr Vorsicht walten lassen bei der Flüssigkeitszufuhr, da das enthaltene Pektin Flüssigkeit bindet und im Magen quillt, was zu unangenehmen Bauchschmerzen und Blähungen führt, so Elisabeth Warzecha abschließend.
(1) Bolleddula Jayaprakasam et al: Insulin Secretion by Bioactive Anthocyanins and Anthocyanidins Present in Fruits, Journal of Agricultural and Food Chemistry 2005: 53 (1), 28-31
(2) Robert A. Jacob et al : Consumption of Cherries Lowers Plasma Urate in Healthy Women, Journal of Nutrition 2003: 133 (6), 1826-1829
Tipp zum Jahr des gesunden Abnehmens: Probieren Sie einmal folgenden Kirschkuchen:
300 g Mehl, 120 g Butter, 100 g Zucker, 2 Eigelb, 2 TL Backpulver, 2 EL fettarme Milch, 2 Gläser Sauerkirschen und 1 Päckchen Vanillepuddingpulver. Mehl und Backpulver sieben und vermischen. Zucker, Butter, Eigelb und Milch zugeben und einen Knetteig herstellen. Etwas vom Teig zur Seite legen. Restlichen Teig in eine gefettete Tortenform geben, dabei einen Rand hochziehen. Kirschen abtropfen lassen. 500 ml Kirschsaft mit dem Vanillepuddingpulver zu einer Masse aufkochen, zum Schluss die Kirschen zufügen und nochmals kurz erhitzen. Etwas abgekühlt auf den Teig geben. Den zurückgelegten Teig ausrollen und in Streifen schneiden. Die Torte damit gitterartig belegen und bei 200 ° C zirka 30 bis 40 Minuten backen.

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Festbeträge für Statine

(2005) diabetes-news-pm050126-g1

Festbeträge für Statine

Eine neue Wendemarke für die GKV?

Dr. med. Richard Daikeler vom BVND zeigt am Beispiel des Lipidsenkers Atorvastatin, warum das Sachleistungsprinzip der GKV für die Versicherten immer unattraktiver wird.
Die Debatte der umstrittenen Entscheidung zu Festbeträgen für Statine offenbart das Dilemma der Gesundheitspolitik. Intransparenz und Patientenferne der Entscheidungen nehmen weiter zu. Denn die Leistungsansprüche der Versicherten werden durch vermeintlich wissenschaftlich belegbare Ausschlüsse oder Erstattungsgrenzen abgesenkt, ohne dass Patienten durch Beitragssatzsenkungen entlastet werden. Besonders spürbar ist dies im Fall des Lipidsenkers Sortis® (Atorvastin), weil dadurch fast 1,5 Millionen GKV-Versicherte ab Januar 2005 unmittelbar betroffen sind.

Zum Hintergrund: Am 29. Oktober 2004 haben die Spitzenverbände der Krankenkassen für Statine einen Festbetrag beschlossen, der zum 1. Januar 2005 in Kraft getreten ist. Zuvor hat der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA) eine Gruppe gebildet, die alle verfügbaren Statine in einer „Jumbogruppe“ zusammenfasst. Durch diese Entscheidung wird suggeriert, dass diese Präparate untereinander gleichwertig austauschbar wären. Dies, obwohl der G-BA selbst wichtige Unterschiede zwischen Statinen in der Wirkstärke, der Schnelligkeit klinische Ereignisse wie Herzinfarkte zu vermeiden, festgestellt hat und vor einer beliebigen Austauschbarkeit sogar warnt.

Von therapeutischen Fortschritten ausgeschlossen

Nun muss der Patient die Differenz zwischen Festbetrag und Preis selbst zahlen – und zwar ohne Ausnahmen. Der Festbetrag nimmt keine Rücksicht auf Patienten, für die es keine vergleichbare Alternative zu Atorvastatin gibt, zum Beispiel Patienten mit akutem Koronarsyndrom. Er gilt auch für besonders gefährdete Patienten mit erblichen Fettstoffwechselerkrankungen und für Diabetiker mit weiteren Risikofaktoren für ein Herz-Kreislauf-Ereignis.
Die Festbetragsentscheidung für Sortis® stellt eine neue Wendemarke in der GKV dar. Denn sie legt offen, dass bei Festbeträgen wichtige Therapiealternativen nicht berücksichtigt werden. Schon im Vorfeld der Entscheidung haben führende Vertreter der Kardiologie und Lipidologie den Beschluss heftig kritisiert. Nach Publikation der neuesten Statin-Studien ist er wissenschaftlich kaum aufrechtzuerhalten.

Die Entscheidung macht deutlich, dass die GKV sich auf einem Irrweg befindet. Patienten werden von therapeutischen Fortschritten ausgeschlossen und der behandelnde Arzt steht in einem dauerhaften Konflikt: Durch die anfallende Zuzahlung wird ihm häufig die Möglichkeit genommen, den Besonderheiten des einzelnen Behandlungsfalles Rechnung zu tragen, auch wenn er es für medizinisch geboten hält.
Der Arzt muss dem Patienten nun erklären, dass es qualitativ unterschiedliche Alternativen gibt, und er muss den Patienten vor die Entscheidung stellen, entweder die Zuzahlung zu leisten oder Qualitätseinbußen der Therapie zu akzeptieren. Davon werden nur die sozialen Härtefälle freigestellt – durch Pfizer: Es war das Unternehmen selbst, das erklärte, Patienten, die die Belastungsgrenze von zwei Prozent erreicht haben, Sozialhilfeempfängern und Minderjährigen die geleistete Zuzahlung zurückzuerstatten.

Paradigmenwandel für jedermann sichtbar

Dies macht den Paradigmenwandel für jedermann sichtbar: Die Fürsorge der Solidargemeinschaft für den kranken Versicherten tritt in den Hintergrund. Der Vertragsarzt wird immer mehr zum Erfüllungsgehilfen der Krankenkassen, indem er die – nunmehr reduzierten – Leistungsansprüche des Versicherten gegen seine Krankenkasse umsetzt. Dabei wäre das Wesen der Krankenversicherung, die individuelle Krankenbehandlung des Patienten zu ermöglichen. Der Trend geht aber genau in die Gegenrichtung, zur Schematisierung der Medizin auf möglichst niedrigem Niveau.
Das bringt Ärzte zunehmend in Konflikte, denn ihre Tätigkeit steht unter dem Gebot des „salus aegroti suprema lex“ und dient in erster Linie dem Patienten. Der Sorgfaltsmaßstab, den Ärzte gemäß ihres Berufsrechtes anzuwenden haben, wird zu Lasten von Patient und Arzt bürokratisch ausgehöhlt. Dies kann kein Weg für die Zukunft sein. Denn damit wird das Sachleistungsprinzip der GKV für die Versicherten immer unattraktiver. Sie fragen sich zunehmend kritisch, warum und wofür sie – trotz aller Reformen – hohe Beiträge bezahlen und was sie in Zukunft als Leistung erwarten können.