News-Archiv: 2005

Süßstoffe: Süß und trotzdem abnehmen

(2005)

Süßstoffe: Süß und trotzdem abnehmen

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Viele Menschen verzichten nur ungern auf „süße Leckereien“, obwohl diese kalorienreich sind und der schlanken Linie nicht unbedingt zu gute kommen.

Hier bieten Süßstoffe eine hervorragende und kalorienfreie Alternative für das süße Geschmackserlebnis, berichtet Diplom-Oecotrophologin Ann-Margret Heyenga von der Gesellschaft für Ernährungsmedizin und Diätetik e.V. in Aachen.
Süßstoffe sind in haushaltsüblichen Mengen grundsätzlich ungefährlich. Sie gehören zu den Lebensmittelzusatzstoffen und müssen daher vor ihrer Verwendung auf ihre gesundheitliche Unbedenklichkeit geprüft werden. Durch ihre hohe Süßkraft bei gleichzeitiger Kalorienfreiheit bieten Süßstoffe einen entscheidenden Vorteil gegenüber dem Haushaltszucker. Darüber hinaus haben Süßstoffe nachweislich keinen Einfluss auf den Appetit, verändern nach ihrem Verzehr weder Insulin- und Blutzuckerspiegel und können von Mundbakterien nicht zu zahnschädigenden Säuren vergoren werden.
Im Handel werden Süßstoffe in Form von Tabletten, Flüssigsüße und Streusüße angeboten, wobei eine Süßstofftablette einem Teelöffel Zucker und ein Teelöffel Flüssigsüße vier gehäuften Esslöffeln Zucker entspricht. Wer zum Beispiel 100 Gramm Zucker durch Süßstoff ersetzt, spart schon 400 Kilokalorien ein.
Auch die sogenannten Light-Getränke ermöglichen den süßen Genuss, ohne dass der Abnehmwillige zusätzliche Kalorien aufnimmt, denn der Hauptverursacher von Übergewicht ist die überhöhte Energiezufuhr, die oft auf zuckerhaltige Softdrinks zurückzuführen ist.
Somit können Süßstoffe beim Abnehmen durch Kalorieneinsparung und dem Einsatz als Geschmacksmittel helfen. Man darf jedoch nicht vergessen, dass für eine dauerhafte Gewichtsreduktion eine Lebensumstellung erforderlich ist, betont Ann-Margret Heyenga.
Zur Anwendung eignen sich Süßstofftabletten für alle heißen Flüssigkeiten, Flüssigsüße für kalte Getränke, kalte Milchspeisen, Müsli, Obstsalat, Marmeladen, Dressings oder Marinaden. Streusüßen eignen sich sehr gut zum Bestreuen von Waffeln oder Desserts, aber auch zum kaloriensparenden Backen, so Ann-Margret Heyenga abschließend.
Tabelle: Süßstoffe und ihre Eigenschaften

Süßstoff Süßkraft Besonderheit Verwendung
Acesulfam ca. 200 Mal so hohe Süßkraft wie Haushaltszucker Wird ausschließlich als Kaliumsalz verwendet (Acesulfam-K). Kalorienreduzierte oder ohne Zuckerzusatz hergestellte aromatisierte Getränke auf Milch- oder Wasserbasis, Speiseeis oder Obstkonserven.
Aspartam ca. 200 Mal so hohe Süßkraft wie Haushaltszucker Besteht aus den Aminosäuren Asparaginsäure und Phenylalanin. Auch bei höheren Konzentrationen im Lebensmittel geschmacksstabil; hitzeinstabil. Achtung: Lebensmittel mit Aspartam müssen den Hinweis „mit Phenylalanin“ oder „enthält eine Phenylalaninquelle“ enthalten! Häufig mit Cyclamat kombiniert. Tägliche Zufuhr sollte 40 mg/kg KG nicht überschreiten.
Aspartam-Acesulfamsalz ca. 350 Mal so hohe Süßkraft wie Haushaltszucker Wird durch Erhitzen von Aspartam und Acesulfam-K im Verhältnis von etwa 2:1 in saurer Lösung gewonnen und danach auskristallisiert. Instantprodukte wie Desserts, Getränkepulver und Tafelsüße, nichtalkoholische Getränke auf Wasser-, Milch- oder Fruchtsaftbasis.
Cyclamat 40 Mal so hohe Süßkraft wie Haushaltszucker Lange lagerfähig und hitzestabil. Eignet sich daher gut zum Kochen und Backen. Häufig mit Saccharin kombiniert. Kalorienreduzierte Getränke, Desserts auf Basis von Eiern, Gebäck und Süßigkeiten ohne Zuckerzusatz.
Neohesperidin DC ca. 600 Mal so hohe Süßkraft wie Haushaltszucker Wird aus Flavonoiden von Bitterorangen hergestellt. Hat einen mentholhaltigen Beigeschmack und wird daher häufig mit Aromen oder anderen Süßstoffen kombiniert. Kalorienreduzierte Getränke auf Wasserbasis, Snacks und Knabbererzeugnisse.
Saccharin ca. 400 Mal so hohe Süßkraft wie Haushaltszucker Der erste industriell hergestellte Süßstoff. Hitze- und gefrierbeständig und bewahrt selbst in wässrigen und säurehaltigen Produkten lange seine Süßkraft. Wird hauptsächlich Lightprodukten und Diabetikerlebensmitteln zugesetzt.
Sucralose ca. 500 bis 600 Mal so hohe Süßkraft wie Haushaltszucker Wird aus Saccharose durch Chlorierung hergestellt. Lässt sich gut mit Zucker mischen und kann daher auch für Produkte mit verringertem Zuckergehalt verwendet werden. Nicht-alkoholische Getränke auf Wasser-, Milch- und Fruchtsaftbasis, Dessertspeisen und verschiedene Süßwaren wie Kaugummis ohne Zuckerzusatz
Thaumatin 2500 Mal so hohe Süßkraft wie Haushaltszucker Natürlicher Süßstoff, der aus der westafrikanischen Staude Thaumatococcus danielli gewonnen wird. Wird oft mit anderen Süßstoffen kombiniert und liefert 4 kcal/g; hitzestabil. Wegen der starken Süßkraft nur in sehr kleinen Mengen verwendbar.

Tipp zum Jahr des gesunden Abnehmens:

Light-Produkte sind bei der Gewichtsreduktion ideal. Sie enthalten mindestens 30 Prozent weniger Kalorien als vergleichbare Erzeugnisse und sind lebensmittelrechtlich abgesichert. Trotzdem sollten Sie darauf achten, dass Sie die eingesparte Energiemenge nicht wieder durch eine doppelte Verzehrsmenge ausgleichen bzw. aufnehmen.

Weltweite Richtlinie für Management des Typ-2-Diabetes

(2005)

Weltweite Richtlinie für Management des Typ-2-Diabetes

Internationale Diabetes-Föderation präsentiert erste weltweite Richtlinie für Management des Typ-2-Diabetes

Athen, Griechenland (ots/PRNewswire) – Weltweite Richtlinie setzt neue Maßstäbe für Diabetes-Behandlung zur Verringerung lebensbedrohlicher Komplikationen.
Die Internationale Diabetes-Föderation (IDF) präsentierte heute im Rahmen des Kongresses der European Association for the Study of Diabetes (EASD) die erste evidenzbasierte weltweite Richtlinie für Typ-2-Diabetes.
Die Richtlinie fordert eine weltweit aggressivere Vorgehensweise beim Management des Typ-2-Diabetes und setzt neue Maßstäbe bei der Diabetes-Behandlung zur Verringerung der lebensbedrohlichen Komplikationen.
Die Richtlinie wurde von führenden Diabetes-Experten aller IDF-Regionen, darunter Vertreter von Ländern mit sehr unterschiedlicher wirtschaftlicher Entwicklung, erstellt.
Der Typ-2-Diabetes nimmt weltweit epidemische Ausmaße an. Allein Europa zählt mehr als 25 Mio. Diabetes-Patienten. (1)
In den meisten Ländern ist Diabetes heute aufgrund seiner Auswirkung auf Herz-Gefäß-Erkrankungen eine der Haupttodesursachen: 70 – 80% der an Diabetes Erkrankten sterben an den Folgen einer Herz-Gefäß-Erkrankung. (2)
Diabetes ist eine der Hauptursachen für Erblindung, Nierenversagen sowie Amputation der unteren Gliedmaßen. Typ-2-Diabetes ist für 85 – 95% aller Diabetesfälle verantwortlich. (2)
Die Gesamtkosten für Diabetes-Behandlungen in Europa werden zwischen 28 Mrd. und 53 Mrd. EUR pro Jahr geschätzt. (1)
Wie Prof. Philip Home, Co-Vorsitzender der IDF-Arbeitsgruppe für klinische Richtlinien, erklärte: „Alle Schätzungen und Prognosen weisen darauf hin, dass die innerhalb der nächsten 25 Jahre wahrscheinlich erreichte Anzahl an Diabetes-Fällen als größte Epidemie der Menschheit angesehen werden kann. Die IDF hat erkannt, dass sofortige Maßnahmen erforderlich sind und wir durch gemeinsames evidenzbasiertes Vorgehen die Last des Typ-2-Diabetes erleichtern können, indem wir das Leben der Menschen verbessern und die Kosten für Gesundheitssysteme reduzieren. Wir müssen sicher stellen, dass alle an Typ-2-Diabetes erkrankten Menschen in Europa sowie der ganzen Welt Zugang zu kostengünstiger evidenzbasierter Gesundheitsversorgung haben und sofortiges Handeln fordern.“
Prof. Stephen Colagiuri, Co-Vorsitzender der IDF-Arbeitsgruppe für klinische Richtlinien, fügte dem hinzu: „Die Richtlinie ist weltweit anwendbar und auf Ressourcen- sowie Kosteneffizienz bedacht. Mit der Empfehlung dreier Behandlungsstandards (siehe redaktionelle Hinweise), die je nach Niveau der vorhandenen Gesundheitsressourcen in jedem Land angewandt werden können, übernimmt die Richtlinie einen neuen und innovativen Ansatz.“
Die weltweite Richtlinie empfiehlt Blutzuckerspiegel (HbA1c) unter 6,5%, um das Risiko eventueller Komplikationen zu verringern, und unterstützt dies mit klaren Empfehlungen zu Patientenerziehung, Selbstüberwachung des Zuckerspiegels durch den Patienten und aktiver Verwendung von Tabletten und Insulin zum Erzielen der Sollwerte.
Dies zeigt, dass zwei Drittel der an Diabetes erkrankten Menschen in Europa trotz des erwiesenen Nutzens der Blutzuckersenkung (hinsichtlich Verringerung des Risikos an Augen-, Herz, -Nieren oder Fußkomplikationen) (3) und der erwiesenen Tatsache, dass eine 1,0%-ige HbA1c-Reduktion mit einer 37%-igen Reduktion mikrovaskulärer Komplikationen (4) einhergeht, die Blutzucker-Sollwerte (5) derzeit nicht erreichen.

Wie die Blutzuckersenkung wirken sich auch Blutdruck- und Blutfettsenkung bei Diabetes-Patienten nachweislich enorm positiv aus. Entsprechende Empfehlungen zur Überwachung und Behandlung dieser Modalitäten sind ebenfalls enthalten.
Die weltweite Richtlinie nennt auch kostengünstige Methoden zur Erkennung von Problemen an Augen, Nieren und Füßen, falls Präventivmaßnahmen nicht erfolgreich waren; frühzeitige und bewährte Behandlungen können dann begonnen werden.
Eugene Hughes, Vorsitzender von Primary Care Diabetes Europe, dazu: „Das neue HbA1c-Ziel von 6,5% der IDF setzt einen bahnbrechenden Standard für die Blutzuckerkontrolle, den wir unbedingt erreichen möchten. Wir müssen die Gelegenheit nützen, die uns diese Richtlinie bietet, um all unseren Patienten in ganz Europa besten Behandlungsstandard zu bieten. Mit der richtigen Implementierung der Richtlinie haben wir die Chance, an Diabetes erkrankten Menschen ein besseres Leben zu bieten, indem Komplikationen verringert werden und eine wesentliche Reduktion zukünftiger Behandlungskosten erzielt wird, die unkontrolliert unser Gesundheitsbudget verschlingen.“
Die Internationale Diabetes-Föderation (IDF) ist ein Dachverband aus 190 Mitgliedsverbänden in 150 Ländern und vertritt Millionen an Diabetes erkrankte Menschen, deren Familien und medizinische Versorger. Mission der IDF ist, die Behandlung, Vorbeugung und Heilung von Diabetes weltweit voranzutreiben. Dies soll anhand erzieherischer Maßnahmen für Diabetes-Patienten und medizinische Fachleute, öffentlicher Bewusstseinskampagnen sowie Förderung eines freien Diabetes-Wissensaustausches erreicht werden.
Die weltweite Richtlinie für Typ-2-Diabetes gibt Empfehlungen zu drei Behandlungsstufen ab:
Behandlungsstufen:

  • Die Standardbehandlung ist eine evidenzbasierte Behandlung, die in den meisten Ländern mit einem gut entwickelten Dienstleistungsfundament und staatlichen Gesundheitsfinanzierungssystemen kostengünstig ist.
  • Die Mindestbehandlung versucht, die Hauptziele des Diabetes-Managements zu erreichen, hat jedoch im medizinischen Umfeld nur äußerst beschränkte Ressourcen zu Verfügung.
  • Die Vollbehandlung umfasst das komplette Sortiment an modernster medizinischer Technologie, die Diabetes-Patienten geboten werden kann, um bestmögliche Ergebnisse zu erzielen.

Die weltweite Richtlinie kann über die IDF-Website shop.idf.org/catalog/ bestellt werden und ist am IDF-Stand beim Kongress der European Association for the Study of Diabetes (EASD) in Athen erhältlich.
Literaturnachweis:

  1. Diabetes-Atlas, 2. Auflage, Internationale Diabetes-Föderation 2003
  2. www.eatlas.idf.org/Complications/ Letzter Zugriff 1. September 2005
  3. UKPDS Study Group. Lancet 1998; 652: 837-853
  4. Stratton IM et al. BMJ 2000; 321: 405-412
  5. Liebl L, Mata M, Eschwege E. Evaluation of risk factors for the development of complications in type II diabetes in Europe. Diabetologia 2002; 45: S23-2

Nicht jeden Tag wirken Arzneimittel gleich gut

(2005) Diabetes News Nicht jeden Tag wirken Arzneimittel pm 050421

Nicht jeden Tag wirken Arzneimittel gleich gut

Der Blutzucker hat seinen eigenen Willen – so scheint es Diabetikern an Tagen, an denen sie sich bemühen und dennoch keine vernünftige Einstellung zustande bringen.

Tatsächlich reagiert der Körper auf Arzneimittel gegen hohe Zuckerwerte unterschiedlich, berichtet die »Neue Apotheken Jllustrierte« in ihrer aktuellen Ausgabe vom 15. April und beschreibt, unter welchen Umständen häufigere Blutzuckermessungen erforderlich sind. Wer feiert und dabei Alkohol trinkt, sollte zwischendurch häufig testen, um den raschen Abfall des Blutzuckers zu erkennen. Zudem unbedingt vor dem Schlafengehen messen, bei Werten unter 160 Milligramm pro Deziliter noch ein bis zwei BE Brot, Müsli, Nudeln oder Reis essen. Diese Regeln gelten für Diabetiker, die Insulin spritzen und für diejenigen, die Tabletten einnehmen, die der Bauchspeicheldrüse vermehrt Insulin entlocken.

Wer krank ist, dessen Körper produziert eine große Menge an Stresshormonen wie Adrenalin und Cortisol. Diese Hormone hemmen die Wirkung von Insulin und erhöhen unter anderem deshalb die Blutzuckerwerte. Der Test-Tipp: Messen Sie während eines Infekts und auch noch einige Tage danach deutlich häufiger als sonst. Typ-2-Diabetiker, die keine Teststreifen verordnet bekommen, sollten ihren Arzt bitten, den Blutzucker zu testen. Es gibt Fälle, in denen diese sonst mit Tabletten gut eingestellten Patienten kurzfristig Insulin brauchen. Wer Insulin spritzt, muss bei hohen Werten im Rahmen von Krankheiten nach Rücksprache mit dem Arzt die Insulindosis steigern.

Außerdem lesen Sie in diesem Heft: Der Bauch: Helicobacter pylori – die clevere Taktik des Magenkeimes +++ Was das Herz aktiv macht +++ Die Augen: Gereizte Bindehaut – ein Symptom, viele Ursachen.

Auch bei PAVK den Blutdruck streng eingestellen

(2005)

Auch bei PAVK sollte der Blutdruck streng eingestellt werden

Die periphere arterielle Verschlusskrankheit (PAVK) hat sich bei zumeist generalisiert auftretender Arteriosklerose als Risikoindikator für Herz- und Hirninfarkt erwiesen.
Eine im Vergleich zur koronaren und zerebralen Strombahn zurückhaltendere Behandlung erscheint daher nicht gerechtfertigt. Bei Diabetikern sind die zusätzliche spezifische Mikroangio- und Neuropathie zu beachten. Dies betonten PD Dr. Reinhardt Sternitzky von der Praxisklinik Herz und Gefäße, Dresden, und Prof. Dr. Sebastian M. Schellong vom Universitäts GefäßCentrum der Universitätsklinik Carl Gustav Carus Dresden auf dem 11. Dresdner Symposium Invasive Kardiologie Anfang Juli 2005.

Sternitzky hob hervor, dass kardiovaskuläre Todesursachen bei PAVK-Patienten auf 75 Prozent ansteigen gegenüber rund 50 Prozent in der Allgemeinbevölkerung. Damit gehören Patienten mit Claudicatio intermittens zu den Hochrisikopatienten für Herzinfarkt und Schlaganfall. Da in großen Outcome-Studien wie der HOT-Studie (Hypertension Optimal Treatment) eine 30prozentige Reduktion der kardiovaskulären Mortalität allein durch zielgerichtete Blutdrucksenkung erreicht werden konnte, sollte dies umso mehr für die besonders gefährdeten PAVK-Patienten gelten. Auch wenn eine schnelle Blutdrucksenkung zu vorrübergehenden Beschwerden führt – insbesondere bei kritischer Extremitätenischämie – , sollten normale Druckwerte von 130/80 mmHg angestrebt werden. Zum Ausschluss einer Nierenarteriensklerose sollten allerdings die Nierenfunktionsparameter regelmäßig kontrolliert werden.

Zu den idealen Antihypertensiva bei PAVK zählte Sternitzky ACE-Hemmer, AT1-Antagonisten und Kalziumantagonisten. Diuretika seien weniger geeignet, da sie humorale Systeme wie das Renin-Angiotensin-System stimulieren, negativ auf den Glukose- und Elektrolythaushalt wirken und die Fließfähigkeit des Blutes vermindern. Sie sollten eher niedrig dosiert in Kombination mit anderen Antihypertensiva zum Einsatz kommen, wobei eine Kombinationstherapie zum Erreichen des Zielblutdrucks ohnehin in mehr als drei Viertel aller Fälle notwendig werde.

Schellong verdeutlichte die besondere Problematik der PAVK bei Diabetikern. Unmittelbar nach Myokardinfarkt haben sie eine deutlich schlechtere Prognose als stoffwechselgesunde Patienten. Dieser Trend setzt sich auch in den drei folgenden Jahren fort. Für den häufig festzustellenden letalen Verlauf eines kardiovaskulären Ereignisses machte der Angiologe insbesondere die typischen gleichzeitigen Verschlüsse der Kollateralen verantwortlich.

Aber auch mikroangiopathische Besonderheiten des Diabetes mellitus seien bedeutsam. So steigt die kumulative Inzidenz einer KHK innerhalb von vier Jahren von unter zehn auf 40 Prozent, wenn eine Proteinurie vorliegt. Bei der diabetischen Mikroangiopathie stehen Hyperperfusion und Malnutrition des Gewebes im Vordergrund. Angiopathische Veränderungen und Ischämie sind deshalb nicht ursächlich für den progredienten Verlauf des diabetischen Fußsyndroms verantwortlich.Vielmehr führt die diabetische Neuropathie zu einem Sensibilitätsverlust und begünstigt Weichteil- und Knochenschäden, die nicht bemerkt werden. Die Ischämie behindert die Wundheilung nach vorangegangenen Läsionen. Deshalb, so Schellong, sollte eine Revaskularisierung beim diabetischen Fußsyndrom stets erst nach kontrollierter und definitiver Wundheilung erfolgen.

Herzpower mit Folsäure!

(2005)

Mit Folsäure erfolgreich gegen Herzinfarkt und Schlaganfall!

Eine Folsäurezufuhr von mindestens 400 Mikrogramm täglich stärkt Herz sowie Hirn und kann Herz-Kreislauf-Erkrankungen sowie Schlaganfall vorbeugen. Ein Großteil der deutschen Bevölkerung erreicht diese Menge mit der Nahrungsaufnahme nicht mehr und muss daher Folsäure einnehmen, klärt Diplom-Ingenieurin der Ernährungstechnik Elisabeth Warzecha von der Gesellschaft für Ernährungsmedizin und Diätetik e.V. in Aachen auf.
Folsäure, ein wasserlösliches B-Vitamin, schützt in der Schwangerschaft den Embryo vor Entwicklungsstörungen (Neuralrohrdefekt), regelt neben zahlreichen Stoffwechselreaktionen die Zellfunktionen sowie Zellentwicklung und ist entscheidend an der Blutbildung beteiligt. Folsäure ist ein Schlüsselvitamin für den Abbau der schwefelhaltigen Aminosäure Homocystein. Beim Ab- und Umbau der schwefelhaltigen Aminosäure Methionin entsteht Homocystein und bildet eine Zwischenstufe.
Die für diesen Umbauprozess katalysierenden Enzyme benötigen Folsäure, Vitamin B6 (Pyridoxin) und B12 (Cobalamin) als Cofaktoren. Ein Mangel dieser Vitamine stört den Prozess und Homocystein häuft sich in größeren Mengen an. Dieser erhöhte Homocysteinspiegel im Blutplasma vergrößert das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Schlaganfall nachweislich. Eine Supplementierung von 0,5 bis 5 Milligramm Folsäure, 1,2 Milligramm Vitamin B6 und 500 Mikrogramm B12 senkt den Homocysteinspiegel deutlich. Das bestätigt unter anderem die bei 533 Patienten durchgeführte, randomisierte, doppel-blinde und placebo-kontrollierte Herz-Studie des Universitätsspitals in Bern, Schweiz (1).
Die Teilnehmer bekamen während sechs Monaten entweder täglich ein Kombinationspräparat aus 1 Milligramm Folsäure, 10 Milligramm Vitamin B6 und 400 Mikrogramm Vitamin B12 oder ein Placebopräparat. Weniger Todesfälle und tödlich verlaufende Herzinfarkte bei den Probanden sind die wichtigsten Ergebnisse dieser Studie. Die im British Medical Journal veröffentlichte Meta-Analyse des Department of Cardiology in Southhampton, USA, bestätigt den krankmachenden Einfluss von Homocystein bei Herzerkrankungen, Beinvenenthrombose mit Lungenembolien und Schlaganfall (2).

Die Senkung des Homocysteinspiegels um 3 µmol pro Liter verringert das Risiko für Herzerkrankungen um 16 Prozent, für Beinvenenthrombosen um 25 Prozent und das Schlaganfallrisiko um 24 Prozent, fasst die Ernährungsexpertin Elisabeth Warzecha die Ergebnisse zusammen. Folsäure leitet sich, wegen der erstmaligen Isolierung aus Spinat in den 1940-er Jahren, von dem lateinischen Wort für Blatt folium ab. Das hitzeempfindliche Lebensvitamin ist in hohen Mengen in Blattgemüse, Leber, Weizenkeimen, Sojabohnen und Vollkorngetreide enthalten. Jedoch deckt auch eine ausgewogene Ernährungsweise den Mindestbedarf nicht, sodass schon aus prophylaktischen Gründen eine Folsäuresupplementierung von mindestens 400 Mikrogramm sinnvoll ist.

Trotz 30 Grad im Schatten:

(2005)

Trotz 30 Grad im Schatten:  Weniger Schwitzen, kein Körpergeruch

Deutschland stöhnt: Spätestens, wenn das Quecksilber die 30-Grad-Marke reißt, fließt der Schweiß in Strömen, sogar beim Nichtstun.

Buxtehude (ots) – Die unangenehmen Folgen sind überall dort zu spüren, wo viele Menschen auf Tuchfühlung zusammenkommen: Schweißgeruch. Ob morgens in Bus oder Straßenbahn, mittags in der Kantine oder abends in der Warteschlange an der Supermarktkasse: Dauernd müffelt es, manchmal so schlimm, dass einem der Atem stockt.

Das ist übel für alle, vor allem aber unangenehm für diejenigen, die die Gerüche verbreiten, zumal Duschgels, Deos oder Salben kaum helfen – bestenfalls wird der Schweißgeruch eine Zeitlang übertönt, in vielen Fällen führen die chemischen Duftkeulen aber zu Hautirritationen. Hinzu kommt: Starkes Schwitzen reizt nicht nur die Nase, schwitzende Haut scheuert sich schnell wund und juckt, schlimmstenfalls bilden sich Exzeme oder Entzündungen. Dabei gibt es ein uraltes Mittel, dass gegen Schwitzen und Schweißgeruch, Wundscheuern oder Exzeme hilft: Fasern aus Silber. Das wussten schon die alten Römer und nutzten das Edelmetall in Wundverbänden.

Doch soweit muss es nicht kommen: Heute gibt es Unterwäsche, Socken und Strümpfe mit fein versponnenen Silberfasern im Gewebe, die das Problem schon bei der Entstehung lösen. Die Silberwäsche der Marke Best4Body von JR-International aus dem niedersächsischen Buxtehude bei Hamburg ist antibakteriell und stoppt so binnen kürzester Zeit den Schweißgeruch. Das Silber begünstigt die Verdunstung der Feuchtigkeit und schafft ein trockenes Hautklima – das Schwitzen wird reduziert, gleichzeitig werden Hautreizungen durch Scheuern vermieden. Das Beste: Die Silberwäsche sieht ganz normal, sogar modisch aus und ist ohne Wirkungsverlust beliebig oft maschinenwaschbar, trocknertauglich und für jedermann erschwinglich: Unterhemden/-hosen kosten ab 49 Euro, Socken/Strümpfe ab 12 Euro.

Schwangerschaft und Typ-2-Diabetes mellitus

(2005) diabetes-news-dr-med-helmut-kleinwechter

Schwangerschaft und Typ-2-Diabetes mellitus – Eine neue Herausforderung

Dr. med. Helmut Kleinwechter aus Kiel, Sprecher der AG Diabetes und Schwangerschaft der DDG, lädt zur Unterstützung einer Studie über Schwangerschaften von Typ-2-Diabetikerinnen ein.

Über Diabetes und Schwangerschaft ist in den letzten Jahren viel berichtet worden. Die erfolgreiche Betreuung einer Schwangeren mit Typ-1 Diabetes mellitus gilt als Meisterprüfung jedes frisch gebackenen Diabetologen DDG, rechtzeitiges Screening und Diagnostik eines Gestationsdiabetes ist für Frauen- und Diabetesärzte zur Verpflichtung geworden. Und – man wird den Verdacht nicht los, dass sich hinter so manchem Gestationsdiabetes in Wirklichkeit ein unerkannter Typ-2-Diabetes mellitus verbirgt, der einfach wegklassifiziert wird.

Die Perinatalstatistiken der Bundesländer erfassen den präkonzeptionell bekannten Diabetes und den Gestationsdiabetes – präkonzeptionell findet aber keine Unterscheidung in Typ-1- oder Typ-2-Diabetes statt. Das ist gefährlich! Es gibt Erkenntnisse, dass in den entwickelten Ländern schon seit einigen Jahren mehr Frauen mit Typ-2-Diabetes Kinder bekommen als mit Typ-1-Diabetes, zu diesen Ländern zählen auch die USA und Australien. In den Industrienationen zeigt sich folgender Trend: Frauen legen zunehmend Schwangerschaft und Geburt an das Ende ihrer reproduktiven Phase, obwohl im vierten und fünften Lebensjahrzehnt die Fertilität ab- und die Aborthäufigkeit zunimmt. Frauen, die älter sind als 30 Jahre, wenn sie sich ein Kind wünschen, sind häufiger als jüngere übergewichtig oder adipös und haben eine Glukosetoleranzstörung oder bereits einen manifesten Typ-2-Diabetes. Auf diese Weise treffen späte Schwangerschaft und frühe diabetische Stoffwechsellage zusammen. Perinatale Mortalität bei Kindern von Typ-2-Diabetikerinnen gestiegen Frauen mit Typ-2-Diabetes erhalten Diät, orale Antidiabetika oder Insulin, Antihypertensiva, Lipidsenker. Zunehmend werden Migrantinnen mit höheren Diabeteshäufigkeiten in ihrer Ursprungsbevölkerung am neuen Wohnort in Kiel oder Gelsenkirchen schwanger, sie sprechen und verstehen kaum deutsch, sind verschüchtert und zurückhaltend. Andererseits wollen und sollen sie mehr als 1,4 Kinder im Durchschnitt haben als derzeit in Deutschland registriert. Von präkonzeptioneller Beratung, HbA1c-Absenkung, Folsäureeinnahme, diabetologischer Mitbetreuung haben sie nichts mitbekommen. Die adäquate Reaktion des Hausarztes oder Gynäkologen auf die Schwangerschaftsdiagnose ist – wie bei hiesig geborenen Schwangeren auch – eher zufällig, denn ohne Insulin heißt: „Das kann nicht so problematisch sein.“

Die Realität spricht dagegen. In einer Analyse von Tine Clausen, Elisabeth Mathiesen und Mitarbeitern aus Dänemark, die 2005 in „Diabetes Care“ veröffentlicht wurde, steht: „Perinatale Mortalität und große Fehlbildungen haben bei den Kindern von Frauen mit Typ-2-Diabetes über den beobachteten Zeitraum von 1982-1990 im Vergleich zu 1996-2001 zugenommen und das Schwangerschaftsergebnis war äußerst unbefriedigend. Die perinatale Mortalität war im Vergleich zu Frauen mit Typ-1-Diabetes oder Frauen in der Normalbevölkerung vier- bis neunfach gesteigert und die Rate an großen Fehlbildungen lag mit 6,75 Prozent mehr als doppelt so hoch. Der Anteil von Migrantinnen (Nicht-Kaukasierinnen) hatte mit der Zeit zugenommen.“

In Deutschland wird eine große Diabetes-Schwerpunktpraxis oder Poliklinik nicht mehr als ein bis drei Schwangere mit Typ-2-Diabetes pro Jahr sehen. Eine Herausforderung ist es deshalb für die nahe Zukunft, die Sensibilität für diese vergessenen Frauen schon bei (vermutetem) Kinderwunsch zu fördern, Erkenntnisse über die Resultate von Schwangerschaften bei Typ-2-Diabetes zu sammeln, die Behandlung und Betreuung über Leitlinien zu standardisieren und bedarfsweise an bestimmten Orten zu zentralisieren. Hierzu soll die Multicenterstudie „Diabetes mellitus Typ 2 und Schwangerschaft“ beitragen. Bitte nehmen Sie mit Ihren Schwangeren teil und melden sich schon jetzt unter www.dm2s.de an.

Weitere Informationen über

Dr. med. Helmut Kleinwechter
Sprecher der AG Diabetes und Schwangerschaft der DDG
Diabetes-Schwerpunktpraxis und Schulungszentrum
Alter Markt 11, 24103 Kiel
praxis.kleinwechter.demandt@t-online.de

Internationale Erhebung zeigt:

(2005)
Internationale Erhebung zeigt: Risikocheck Bauch- umfangsmessung wird in Arztpraxen noch wenig genutzt

Nur einem Viertel der Risikopatienten ist klar, dass zu viel Inneres Bauchfett ein erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen bedeutet.
Dies ist eines der Ergebnisse der Shape of the Nations Befragung, die auf der Pressekonferenz der Initiative „Bauchumfang ist Herzenssache“ anlässlich des Welt-Herz-Tages 2005 vorgestellt wurde. Die Daten wurden weltweit unter dem Motto „Shape of the Nations“ von sanofi-aventis unter der Schirmherrschaft der World Heart Federation (WHF) erhoben und belegen, dass selbst Ärzte das Risiko eines erhöhten Bauchumfanges unterschätzen.
Diese „Idealmaße“ kennen sicher die meisten Deutschen: „90 – 60 – 90“. Aber kennen die Deutschen auch den Bauchumfang, ab dem das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen erhöht ist? Messen die Deutschen ihren Bauchumfang und werden sie von ihren Ärzten über diese einfache Methode der Risikoeinschätzung aufgeklärt?
Diese Fragen waren Gegenstand der Erhebung, die – neben Deutschland – noch in 26 weiteren Ländern mit mehr als 16.000 Personen in den drei Gruppen Allgemeinbevölkerung, Risikopatienten und Hausärzten durchgeführt wurde.
Fehlendes Bewusstsein für Risiko
Die Ergebnisse sind ernüchternd: Über die Hälfte der Befragten der Allgemeinbevölkerung kann ihren Bauchumfang gar nicht angeben. Bei fast einem Fünftel (17% der Frauen, 18% der Männer) liegt der angegebene Bauchumfang im Bereich, der erhöhtes Herz-Kreislauf-Risiko bedeutet. Gerade einmal 37 Prozent können abschätzen, welche Gefahren für Herz und Kreislauf mit einem erhöhten Bauchumfang einhergehen. Noch immer steht die so oft unbeliebte Waage zur Beurteilung, ob „dick oder nicht und damit gesund oder nicht“ auf Platz Eins der Hitliste.
Obwohl zwei Drittel aller Ärzte einen erhöhten Bauchumfang als signifikanten Risikofaktor zur Entstehung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen ansehen, geben über die Hälfte (56 Prozent) an, den Bauchumfang niemals zu messen. In den deutschen Praxen wird sogar bei nur 12 Prozent der Patienten der Bauchumfang gemessen. Zieht man in Betracht, dass etwa 44 Prozent der Praxisbesucher zur Gruppe der Übergewichtigen oder Fettleibigen zählen – was sogar noch über dem europäischen Durchschnitt von 38 Prozent liegt – ist dies ein Ergebnis, das Anlass zur Sorge gibt.

Ebenso alarmierend: Nur etwas mehr als die Hälfte der Ärzte (52 Prozent) gibt an, dass sie Patienten mit diagnostizierter abdominaler Adipositas auch behandeln würden, um das Risiko der Entstehung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu senken. Damit liegen die deutschen Ärzte deutlich unter dem europäischen Schnitt von 66 Prozent. In Frankreich und Italien würden 79 bzw. 82 Prozent aller Ärzte diese Patienten behandeln. Grund für die hier vergleichsweise niedrigen Prozentzahlen bei den deutschen Ärzten ist, dass weit über die Hälfte der deutschen Ärzte (59 Prozent) den Bauchumfang, ab dem mit einem erhöhten Risiko zur Entstehung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu rechnen ist, unterschätzt.1 Somit besteht die Gefahr, potenzielle Risikopatienten erst gar nicht zu erkennen und letztlich zu spät mit der Behandlung zu beginnen.
Weitere Informationen zur Shape of the Nations inkl. Quellenangaben und zur Initiative finden Sie unter www.Bauchumfang-ist-Herzenssache.de.

Gesucht: 40 Babys aus Familien mit Typ-1-Diabetes

(2005)

Gesucht: 40 Babys aus Familien mit Typ-1-Diabetes
Kann eine veränderte frühkindliche Ernährung Typ-1-Diabetes verhindern?

Kinder mit einem an Typ-1-Diabetes erkrankten Verwandten haben ein erhöhtes Risiko ebenfalls diese Form der Zuckerkrankheit zu bekommen. Eine besondere Ernährung im ersten Lebensjahr kann bei gefährdeten Kindern die Erkrankung aber möglicherweise verhindern. Dieses Ergebnis einer Langzeitstudie wird derzeit am Institut für Diabetesforschung in München im Rahmen der BABYDIÄT-Studie überprüft. Etwa 40 Neugeborene aus Familien mit Typ-1-Diabetes können noch an der aktuellen Präventionsmaßnahme teilnehmen.
In Deutschland erkranken derzeit im Jahr etwa 2000 Kinder an einem insulinpflichtigen Typ-1-Diabetes mellitus. Mit jedem Jahr steigt diese Zahl an. Als Ursache der chronischen Krankheit gelten neben besonderen Vererbungsmerkmalen auch Umweltfaktoren, wie zum Beispiel die frühkindliche Ernährung. In der bundesweit durchgeführten BABYDIÄT Studie wird daher Kindern mit einem erhöhten Typ-1-Diabetes-Risiko eine modifizierte Getreideernährung im ersten Lebensjahr angeboten, die die Erkrankung verhindern soll.
In vorangegangenen Studien hatte sich gezeigt, dass sich bei familiär vorbelasteten Kindern das Diabetesrisiko erhöhte, wenn sie besonders früh getreidehaltige Nahrungsmittel gefüttert bekamen. Bei Kindern mit zusätzlicher genetischer Belastung wurde der Risikoanstieg dabei besonders deutlich. „Alle damals untersuchten genetisch belasteten Kinder, die besonders frühzeitig Getreide gefüttert bekamen, sind bis heute an Typ-1-Diabetes erkrankt oder haben Antikörper entwickelt“, berichtet die Studienleiterin Prof. Anette-G. Ziegler. Die so genannten Inselautoantikörper, also Abwehrstoffe des Immunsystems gegen die Insulin produzierenden Zellen der Bauchspeicheldrüse, zeigen an, dass sich ein Typ-1-Diabetes zu entwickeln beginnt.
An der aktuellen Ernährungsintervention der BABYDIÄT-Studie nehmen schon über 100 Kinder teil. Um eine aussagefähige Teilnehmerzahl zu erreichen, werden noch etwa 40 Neugeborene gesucht, die jünger als drei Monate alt sein sollten. Neben der Bestimmung des individuellen Diabetes-Risikos ihres Kindes profitieren die teilnehmenden Eltern insbesondere von den regelmäßigen Antikörpertests, die zur Früherkennung – wie alle Untersuchungen kostenlos – bei den Studienkindern durchgeführt werden.
„Durch ihre Teilnahme helfen Eltern mit, Kindern einen Typ-1-Diabetes und damit eine lebenslange Insulinbehandlung in Zukunft zu ersparen“, so Prof. Ziegler. „Wenn Sie ein bis zu drei Monate altes Baby haben und Sie, der andere Elternteil oder eines Ihrer Kinder an Typ-1-Diabetes leidet, können auch Sie mitmachen.“

Nähere Informationen gibt es beim Institut für Diabetesforschung, Prof. Ziegler, Kölner Platz 1, 80804 München, Tel: 089 30793114, E-Mail: prevent.diabetes@lrz.uni-muenchen.de.

BABYDIÄT-Studie zur Verhinderung von Typ-1-Diabetes bei Kindern
– noch etwa 40 Kinder können teilnehmen

Das Institut für Diabetesforschung in München bietet Neugeborenen mit einem an Typ-1-Diabetes erkrankten erstgradig Verwandten die Teilnahme an einer kontrollierten Ernährungsumstellung im Rahmen der BABYDIÄT Studie an. Die veränderte Ernährung während des ersten Lebensjahres soll nach bisherigem Forschungsstand bei Kindern mit einem erhöhten Typ-1-Diabetes Risiko das Auftreten der Erkrankung möglicherweise verhindern.
Bereits über 100 Kinder nehmen an der Ernährungsumstellung teil, weitere 40 können noch mitmachen. Die BABYDIÄT-Studie wird von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) gefördert.Teilnehmen können bundesweit alle Neugeborenen, die nicht älter als 3 Monate sind und deren Vater, Mutter oder Geschwisterkind an Typ-1-Diabetes erkrankt ist.
Nähere Informationen gibt es beim Institut für Diabetesforschung, Prof. Ziegler, Kölner Platz 1, 80804 München, Tel: 089 30793114, E-Mail: prevent.diabetes@lrz.uni-muenchen.de.

Hintergrundinformationen
Typ-1-Diabetes bei Kindern
In den letzten Jahren kommt Typ-1-Diabetes nicht nur insgesamt häufiger vor, sondern tritt auch immer früher auf. So zeigen Studien, dass Kinder häufig schon in den ersten beiden Lebensjahren Inselautoantikörper, also Immunabwehrstoffe gegen Bestandteile der Insulin produzierenden Zellen ihrer Bauchspeicheldrüse entwickeln. Das kann bereits in frühester Kindheit zur Entzündung und Zerstörung dieser Zellen und zu Insulinmangel führen. Die Folge sind erste spürbare Symptome des Typ-1-Diabetes: starker Durst, verstärkter Harndrang und Gewichtsabnahme. Das zur Blutzuckerregulation notwendige Hormon Insulin muss mehrmals täglich gespritzt werden.
Ursachen für die Entstehung des Typ-1-Diabetes – Forschungsstand
Heute sind bestimmte Vererbungsmerkmale bekannt, die mit einem erhöhten Risiko für Typ-1-Diabetes verbunden sind und die anhand einer Blutprobe bestimmt werden können. Man geht jedoch davon aus, dass erst ein Zusammenspiel von genetischen und umweltbedingten Faktoren den Typ-1-Diabetes auslöst. Dabei scheinen insbesondere Faktoren, die in den ersten beiden Lebensjahren auf ein Kind einwirken, wesentlich zu sein. Neben verschiedenen Infektionserregern und psychosozialen Faktoren wie Stress kommen dafür vor allem Ernährungsfaktoren in Betracht.
Ein Zusammenhang zwischen der Stilldauer oder dem frühen Verzehr von Kuhmilch und der Entstehung des Typ-1-Diabetes wurde vermutet, konnte aber in neueren Studien nicht gesichert bestätigt werden.
Zwei voneinander unabhängige Studien konnten allerdings eine frühe Gabe von getreidehaltiger Beikost übereinstimmend als möglichen Auslöser von Typ-1-Diabetes ausmachen. Mit ersten Ergebnissen der BABYDIÄT-Studie hinsichtlich dieses Ernährungsfaktors rechnet man etwa 2008.

Vorgehensweise des IQWiG unter Kritik

(2005)

Deutscher Diabetiker Bund: „Für ein selbstbestimmtes Leben mit Diabetes“

Der Deutsche Diabetiker Bund (DDB) kritisiert die Vorgehensweise des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG).

Die größte deutsche Patientenorganisation für Diabetes hat bei der Bewertung von Medikamenten, Hilfsmitteln und Therapieformen zwar das Recht, eine Stellungnahme bzw. seine Erfahrungen abzugeben – aber bereits aus den Veröffentlichungen auf der Internetseite des IQWiG hinsichtlich der angewandten Methodik und den Meldungen, dass von über 1000 Studien lediglich 4 zur Entscheidung herangezogen werden, lassen befürchten, dass zum Thema Patientenrelevanz nicht der Bezug zum Lebensalltag der Betroffenen, sondern lediglich theoretische und ökonomische Aspekte die maßgebliche Rolle spielen werden.

„Wir können nicht erkennen“, so DDB-Bundesvorsitzender Manfred Wölfert, „dass unsere realitätsbezogene Betroffenenkompetenz beachtet wird. Es wird zwar gesagt, die Meinung der Patienten soll in die Empfehlung des Institutes einfließen, aber das ist nicht erkennbar!“ Chronisch Kranken, so Wölfert weiter, dürfe nicht ein zusätzliches Handicap auferlegt werden, indem sie ihr Leben strikt nach der Uhr und Küchenwaage gestalten müssen. Vor allem dann nicht, wenn es Möglichkeiten gibt, die ein hohes Maß an Flexibilität einräumen.

Das IQWiG bezweifelt den Sinn des Einsatzes der gut handhabbaren schnellwirksamen Analog-Insuline und stellt auch die Blutzuckerselbstkontrolle in Frage, obwohl nachgewiesen wurde, dass gerade dadurch die Stoffwechsellage positiv beeinflusst wird und kostenintensive Komplikationen des Diabetes verhindert werden können. Weitere moderne Medikationen liegen bereits auf dem Prüfstand des Institutes.

Dazu Manfred Wölfert:
diabetes-news-Vorgehensweise des IQWiG unter Kritik
„Der Verzicht auf zeitgemäße Mittel und Möglichkeiten bombardiert die Diabetiker zurück in die 70er/80er Jahre des vorigen Jahrhunderts. Obwohl das Institut das Wort »Wirtschaftlichkeit« an nachrangiger Stelle im Namen führt, scheint dieser Aspekt Vorrang und Hauptgewicht gegenüber der Qualität – und das heißt für den Patienten auch Lebensqualität – zu haben. Wir werden jedenfalls Einschnitte nicht unwidersprochen hinnehmen und uns weiterhin für ein selbstbestimmtes Leben der Diabetiker einsetzen.“