News-Archiv: 2005

Jahrestagung der Deutschen Diabetes-Gesellschaft (DDG)

(2005)
Jahrestagung der Deutschen Diabetes-Gesellschaft (4. bis 7. Mai 2005)
Immer eine Reise wert: Berlin
Die 40. DDG-Jahrestagung wird von der Vision getragen, die Zunahme der Erkrankungen an Diabetes Typ 2 zu verhindern.

Die „grünste Metropole“ Deutschlands benötigt sicherlich keine Tagung, um als Reiseort attraktiv zu sein. Die sprichwörtliche „Berliner Luft“ verdankt ihre Frische hauptsächlich den vielen innerstädtischen Parks. Der Botanische Garten, der Zoologische Garten und der Tiergarten, Austragungsort des diesjährigen DDG-Laufs, sind nur die drei bekanntesten Beispiele. Zum runden Tagungsgeburtstag trifft sich die Fachwelt wieder in Berlin – die DDG-Jahrestagungen haben hier inzwischen eine gute und lange Tradition.
„Unsere Vision der Zukunft ist die Entwicklung effektiver, realisierbarer Strategien zur Prävention und Therapie des Typ 2 Diabetes mellitus“, erklärt Tagungspräsident Prof. Dr. med. Andreas F. H. Pfeiffer im Vorfeld der Veranstaltung. „Wir benötigen hierfür ein Spektrum von Ansätzen, die von der Änderung des Lebensstils und des individuellen Körperbildes über ein umfassendes Verständnis der Genetik bis zur Entwicklung innovativer Pharmakotherapie reichen. Der hierfür notwendigen Fortentwicklung auf allen Ebenen der medizinisch-therapeutischen Information und Intervention soll diese Jahrestagung gewidmet sein.“
Der Direktor der Abteilung für Endokrinologie, Diabetes und Ernährungsmedizin des Berliner Universitätsklinikums Benjamin Franklin und der Abteilung Klinische Ernährung des Deutschen Instituts für Ernährungsforschung in Potsdam betont angesichts der Zunahme von Adipositas und Diabetes Typ 2 die Notwendigkeit, neue Erkenntnisse rasch in Klinik und Praxis umzusetzen: „Das Nationale Diabetesprogramm, die Initiative der DDG gemeinsam mit der DDU, wird am Ende der Tagung unsere Aktionslinien als praktische Konsequenz darstellen.“

Vom 4. bis 7. Mai bietet die Fachgesellschaft Ärzten im Internationalen Congress Centrum Berlin (ICC) eine Plattform, um sich über die aktuellen Entwicklungen in Vorsorge und Therapie der Diabetes-Erkrankungen Typ 1 und Typ 2 zu informieren. In knapp 70 Vortragsveranstaltungen referieren Experten zu Schwerpunktthemen aus unterschiedlichen Bereichen: Dazu gehören beispielsweise „Prävention des Typ-2-Diabetes“, „Ernährung, Sport und Diabetes“ oder „Therapiestrategien“. Eine Veranstaltung zum Thema „Neues aus der Diabetologie – Innovative Entwicklungen der Diabetologie für Prävention und Therapie“ lädt Patienten und Angehörige zur Diskussion mit Experten ein und wird die Fachtagung beschließen. Eine Fachmesse mit rund 60 Ausstellern ergänzt die Informationsveranstaltungen. Es werden rund 7.000 Teilnehmer erwartet.
Auch für kulturelle Unterhaltung ist gesorgt: „Unser Rahmenprogramm wird am Gesellschaftsabend den Filmschwerpunkt von Babelsberg und Berlin aufgreifen und die Höhepunkte dieser Geschichte in Erinnerung rufen“, sagte Pfeiffer.
Außerdem bietet Berlin ein breites Spektrum attraktiver Unterhaltung, der unter anderem von moderner Fotografie in der Helmut-Newton-Stiftung über die Museumsinsel, die Neue Nationalgalerie, die Sammlung Berggruen bis zu den Ereignissen am Potsdamer Platz und am Prenzlauer Berg reicht.
Anmeldungen über:
K.I.T. GmbH, Association & Conference Management Group
Kurfürstendamm 71, 10709 Berlin
Tel.: (0 18 03) 47 00 02
Fax: (0 18 03) 47 00 03
Internet: www.ddg2005.de

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BABYDIÄT: Typ 1 Diabetes verhindern statt behandeln

(2005)
Typ 1 Diabetes verhindern statt behandeln
Münchener Wissenschaftler legen Zwischenbericht zu Diabetesstudie vor
Ein Eingriff in die frühkindliche Ernährung soll bei Kindern mit erhöhtem Diabetesrisiko verhindern, dass Antikörper gegen die Insulin produzierenden Zellen der Bauchspeicheldrüse gebildet werden und langfristig Typ 1 Diabetes entsteht. Dass die weltweit erste Studie mit dieser Zielsetzung durchführbar ist, belegt der Zwischenbericht, den das Institut für Diabetesforschung in München für seine BABYDIÄT-Studie vorlegt. Voraussetzung für den Erfolg ist, dass die Eltern mithelfen.

Dem Bericht zufolge haben 69 von bisher 79 in Frage kommenden Familien ihr Einverständnis zur Teilnahme an der Studie erklärt. Zuvor waren seit 2001 fast 700 Kinder aus Familien mit Typ 1 Diabetes auf ihr genetisches Risiko untersucht worden, um geeignete Teilnehmer zu finden. Denn nur etwa 11 % aller Kinder mit einem an Typ 1 Diabetes erkrankten Familienmitglied haben Hoch- und Höchstrisikogene, bestimmte so genannte HLA-Genotypen, und können in die Studie eingeschlossen werden.
Um wissenschaftlich verwertbare Daten zu erhalten, sind die Forscher auf die Mithilfe der Familien angewiesen. In 3-monatigen Abständen sollen die Eltern dem Institut Blut-, Stuhl- und Urinproben der Kinder zur Verfügung stellen und 3-Tages-Ernährungsprotokolle schreiben. Sie werden gebeten Erkrankungen, verabreichte Arzneimittel, sowie die Einführung neuer Lebensmittel in den Speiseplan der Kinder in Wochenprotokollen festzuhalten. Zusätzlich werden Fragen zu demographischen Faktoren und zur Familienanamnese gestellt. Vor allem aber soll, als Kernpunkt der Studie, eine Hälfte der Kinder 6 Monate lang, die andere Hälfte 12 Monate lang glutenfrei ernährt werden.
Aus vorausgegangenen Studien hatten sich Hinweise ergeben, dass sich bei Kindern das Diabetesrisiko im Allgemeinen erhöht, wenn sie vor dem 4. Lebensmonat getreidehaltige Nahrungsmittel gefüttert bekommen. Als Ursache dafür vermutet man das Protein Gluten, ein Eiweiß, das in vielen Getreidesorten vorkommt. Bei genetisch belasteten Kindern wurde der Risikoanstieg besonders deutlich.
Man geht davon aus, dass Ernährung und Darmreife bei der Entstehung von Typ 1 Diabetes eine wichtige Rolle spielen. Darum wird in der BABYDIÄT-Studie untersucht, ob man durch eine spätere Einführung von glutenhaltiger Kost eine Entstehung des Typ 1 Diabetes, bzw. der ihm vorausgehenden Autoimmunreaktion, verzögern oder sogar verhindern kann. Welche Faktoren neben der Ernährung den Angriff des Immunsystems auf die Zellen der Bauchspeicheldrüse begünstigen, wird anhand der Daten über die sonstigen Lebensumstände der Kinder untersucht.
Dem Bericht zufolge wurden von allen bisher verlangten Blutproben fast 90 % pünktlich abgegeben. „Das ist eine sehr gute Zahl“, meint die Ernährungswissenschaftlerin Sabine Marienfeld, die am Institut für Diabetesforschung die Familien der BABYDIÄT-Studie betreut. „Zu Beginn der Studie war keineswegs klar, ob die Eltern so gut mitarbeiten würden“.
Dass die Eltern die Blutentnahmen und das Sammeln der Proben sehr gut akzeptieren, bestätigt auch Prof. Dr. med. Anette-G. Ziegler. Die Teilnahmebereitschaft habe auch mit zunehmendem Alter der Kinder nicht abgenommen, berichtet die Studienleiterin.
Damit ist eine wesentliche Fragestellung der Studie bereits beantwortet: Sind Eltern zu einer Teilnahme bereit, obwohl ihr Kind nicht erkrankt ist, sondern nur Träger eines gewissen, wenn auch erhöhten Erkrankungsrisikos?

„In den Studienfamilien leidet jeweils ein Elternteil oder eines der Kinder an Typ 1 Diabetes, sie wissen daher genau wie wichtig es ist, die Entstehung der Krankheit zu verhindern“, so Prof. Dr. Ziegler. „Sie sind bereit durch ihren Einsatz mitzuhelfen, Kindern einen Typ 1 Diabetes und damit eine lebenslange Insulinbehandlung zu ersparen.“
Das Institut für Diabetesforschung sucht weitere Familien, die teilnehmen möchten. Wenn Sie ein Kind haben oder eines erwarten, und Sie, der andere Elternteil oder eines Ihrer Kinder an Typ 1 Diabetes leiden, können auch Sie helfen.
Nähere Informationen erhalten Sie beim
Institut für Diabetesforschung
Prof. Dr. Anette-G. Ziegler

Kölner Platz 1, 80804 München
Telefon 089 307931-14, Fax 089 30817-33
E-Mail: baby.diab@lrz.uni-muenchen.de

BABYDIÄT Studie – Hintergrundinformationen
BABYDIÄT versucht als weltweit erste Studie, bereits die Autoimmunreaktion zu verhindern, die einer Typ 1 Diabeteserkrankung vorausgeht.
Bei dieser Reaktion richtet sich das Immunsystem gegen Bestandteile der Insulin produzierenden Betazellen der Bauchspeicheldrüse. Das führt zur Entzündung und Zerstörung dieser Zellen und damit zu einer verringerten Insulinausscheidung. Bis ein Typ 1 Diabetes mit vermehrtem Durstgefühl, Gewichtsabnahme und erhöhten Blutzuckerwerten zu Tage tritt, sind bereits bis zu 80 % der Insulin produzierenden Betazellen zerstört. Die Autoimmunreaktion ist oft bereits Jahre vor Auftreten der ersten Symptome an bestimmten Antikörpern im Blut feststellbar.
Wenn die Rekrutierungszahlen in den nächsten Jahren erreicht werden, rechnen die Wissenschaftler mit ersten Ergebnissen etwa 2008.
Institut für Diabetesforschung
Das Institut für Diabetesforschung ist eine Einrichtung des bayerischen Staatsministeriums der Wissenschaft. Es wurde 1968 mit Unterstützung der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) ins Leben gerufen und wird von der Forschergruppe Diabetes e.V. auf dem Gelände des Krankenhauses München-Schwabing betrieben. Die Forschergruppe widmet sich Fragen der Entstehung und Verhinderung des Diabetes. Bisher wurden von den Mitarbeitern und Doktoranden über 1000 wissenschaftliche Original- und Übersichtsarbeiten publiziert.
Studienleiterin
Die BABYDIÄT Studie wird von Prof. Dr. med. Anette-G. Ziegler geleitet. Als Ärztin für Innere Medizin, Endokrinologie und Diabetologie ist sie Leitende Oberärztin am Städtischen Krankenhaus München-Schwabing und Leiterin der klinisch-experimentellen Abteilung des Instituts für Diabetesforschung.

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Von alten Weisheiten und neuen Therapien

(2005)
Von alten Weisheiten und neuen Therapien
Highlights der 40. Jahrestagung der Deutschen Diabetes-Gesellschaft (DDG)
Wie geht man dem Bauchspeck ans Leder? Hilft dabei Krafttraining so gut wie Ausdauertraining? Warum scheuen Diabetiker Insulin? Werden Frauen häufiger zuckerkrank? Was hat der Blutzucker mit der Stimmung zu tun? Macht Diabetes depressiv? Und, last not least: Welche neuen Therapien stehen ins Haus? Eine Auswahl spannender Themen des diesjährigen Diabeteskongresses in Berlin.
Auch diabetische Binsenweisheiten bleiben Weisheiten und müssen immer wieder betont werden: Mehr Bewegung, moderate Gewichtsabnahme (um 3 bis 6 kg) und gesunde Ernährung reduzieren um rund 60% das Risiko, an Diabetes und seinen Folgen wie Nieren-, Augen- und Nervenschäden zu erkranken, so Prof. A. Pfeiffer, Tagungspräsident des Jahreskongresses der Deutschen Diabetes-Gesellschaft. Für viele Menschen wäre es also sinnvoll, den eigenen Lebensstil überdenken. Ein Trost dabei ist, dass körperliche Aktivität und Abnehmen besonders gut bei besonders gefährdeten Patienten wirken: denjenigen mit Übergewicht (Body Mass Index über 25) und Fettsucht (Adipositas, BMI über 30). Wenn sie zusätzlich rund 600 Kilokalorien wöchentlich verbrauchen und sich ballaststoffreich ernähren, bessern sich sehr schnell ihre Insulinantwort und die Stoffwechsellage. Die Insulinresistenz geht quasi im selben Maß wie der Bauchumfang zurück.
Krafttraining so erfolgreich wie Ausdauersport
Aber was tun, wenn ein Ausdauertraining bei mehrfach erkrankten, alten oder stark übergewichtigen Diabetikern auf Akzeptanzprobleme stößt oder einfach nicht durchzuhalten ist? Bei diesen Patienten besteht eine sinnvolle Alternative in einem überwachten Krafttraining, berichtete Prof. Martin Halle, München. So senkt ein 4- bis 6-wöchiges Training moderater Intensität (40 bis 50% der maximalen Belastung) die Insulinresistenz um die Hälfte, senkt Blutzucker und Blutdruck, bessert die Stoffwechseleinstellung und die Blutfettwerte. Als Folge benötigten die untersuchten Patienten deutlich weniger Antidiabetika und erzielten einen Zuwachs an Kraft und Muskelmasse. Wird die Belastung auf 75 bis 80% gesteigert, bessern sich Laborwerte wie auch Muskelkraft noch weiter. „Prinzipiell unterscheiden sch die Verbesserungen nicht von denen durch ausdauerorientierte Belastung“, erklärte Prof. Halle. Die besten Ergebnisse für die Patienten lassen sich durch Kombination von Ausdauer- und Krafttraining erzielen.
Wer an Krafttraining interessiert ist, sollte sich zuvor von seinem Arzt untersuchen lassen und lieber unter sportmedizinischer Anweisung trainieren. Prof. Halle empfiehlt ein bestimmtes Training großer Muskelgruppen mit langsamen Bewegungen ohne isometrische Belastungen alle 2 bis 3 Tage.
Neue Marker für das Diabetesrisiko
Auf welchen Wegen der Sport metabolische Änderungen anregt, wurde in Berlin ebenfalls besprochen. Sowohl akutes Ausdauer- als auch Krafttraining setzen zunächst entzündungsfördernde Stoffe frei (z.B. CRP, Interleukine 1 und 6 und TNF-alpha). Diese Anzeiger eines erhöhtem Herz-Kreislauf- und Diabetesrisikos werden durch regelmäßiges Training gesenkt. Gegenstand aktueller Forschung ist auch das Fettgewebe. Als besonders stoffwechselaktiv gilt das innere (viszerale) Fett, das die Bauchorgane umhüllt. Dieses Fettgewebe produziert Hormone wie Leptin, das den Appetit und die Insulinausschüttung erhöht. Das jüngst von deutschen Forschern in der angesehenen Wissenschaftszeitschrift Lancet beschriebene Adiponectin hingegen normalisiert die Insulinempfindlichkeit und bremst schädliche Entzündungsprozesse. Mit Zunahme des Fettgewebes nimmt der Anteil der schädigenden Fettgewebshormone stärker zu als der des schützenden Adiponectin zu. Einen zu niedrigen Adiponectin-Blutwert betrachten die Wissenschaftler heute als neuen Marker des Diabetesrisikos. Es gibt erst wenige Ärzte bzw. Labore, die entsprechende Bestimmungen durchführen.
Warum scheuen viele Diabetiker Insulin?
Mit Insulin verbinden die meisten Menschen die Spritze – und die Angst davor. Dass das Spritzen und Pieksen nicht die einzigen Aversionen sind, die Diabetiker gegen Insulin haben, fanden Forscher aus Bad Mergentheim heraus. An der dortigen Diabetesakademie war man mit diversen Fragebögen dem Ausmaß und der Art der Befürchtungen hinsichtlich einer Insulintherapie auf der Spur. In deiner Gruppe von 202 ambulanten Typ-2-Diabetikern standen 90 der anstehenden Insulinbehandlung positiv gegenüber, 112 eher negativ. Dipl.-Psych. Dr. Bernhard Kulzer listete die Bedenken und Ängste der Insulin-Ablehner auf:

  1. Gewichtszunahme (50% der Befragten)
  2. Verschlechterung der Therapie (41%)
  3. Endgültigkeit der Entscheidung für das Insulin (41%)
  4. Angst vor der Spritze und vor Schmerzen (33%)
  5. Überforderung durch die Insulintherapie (29%)
  6. Unterzuckerungen (25%)

Im Vergleich zu den Diabetikern, die dem Insulin offener gegenüberstanden, waren die Insulin-Skeptiker

  • häufiger weiblich (56% vs. 44%)
  • länger an Diabetes erkrankt
  • hatten höheres Übergewicht
  • und hatten einen höheren HbA1c (8,8 vs. 6,3)

Die deutlich schlechtere Stoffwechseleinstellung deuteten die Forscher als Hinweis auf eine eigentlich längst fällige Insulintherapie. Außerdem fanden sie bei den insulinskeptischen Patienten höhere Fragebogenwerte für Ängstlichkeit und Depressivität.
Spiegelt die Stimmung den Blutzuckerwert?
Auf eine engen Zusammenhang von Stimmung und Blutzucker deutet auch eine weitere Studie hin: 39 Typ-1-Diabetiker notierten mehrmals täglich auf einer Skala Werte für schlechte Laune, Ärger und Anspannung bzw. Glück und Energiegeladenheit. Währenddessen erfasste ein Glukosesensor kontinuierlich den Blutzucker, ohne dass die Probanden diesen Wert kannten. Die Auswertung zeigte, dass sich schlechte Stimmung am häufigsten im hypoglykämischen (Unterzucker) und im ausgeprägt hyperglykämischen Bereich (starker Überzucker) breit machte, gute Stimmungswerte am häufigsten während guter Blutzuckereinstellung. Das Ergebnis könnte die bei Diabetikern häufiger vorzufindende Depressivität und Ängstlichkeit erklären, so C. Scheff, Würzburg.
Teufelskreis Depression und Diabetes
Depressionen können die Folge von Diabetes sein oder auch deren Ursache. Die empfundenen Einschränkungen in der Lebensqualität – ständige Blutzuckerkontrollen, Essregeln, Scheitern von Lebensstiländerungen usw. – können beim (Prä-)Diabetiker ebenso wie Stress eine Depression auslösen, so Dr. F. Regen. Die Patienten lassen dann ihre Behandlung „schleifen“, die Stoffwechseleinstellung wird schlechter, Phasen von Über- wie von Unterzuckerung nehmen zu, Diabetes oder Folgeerkrankungen stellen sich schneller ein.
Umgekehrt führen depressive Störungen bei zuvor Gesunden oft zu nachlässigem Lebensstil mit Rauchen, Übergewicht und Bewegungsmangel. Das wiederum erhöht das Risiko für die Zuckerkrankheit.
Der Teufelskreis wird von vielen Ärzten nicht erkannt, meint Dr. Regen. Aber auch der Diabetiker selbst und seine Angehörigen sollten Symptome wie Niedergeschlagenheit, Mutlosigkeit, Antriebslosigkeit ernst nehmen und sich nicht scheuen, den Arzt darauf anzusprechen. Dieser wiederum muss eine Depression konsequent therapieren. Dies ist medikamentös in vielen Fällen möglich. Allerdings sollten jene Antidepressiva gemieden werden, die Gewichtszunahme und Fettstoffwechselstörungen begünstigen, da auch auf diesem Wege Prädiabetes oder Diabetes angestoßen werden kann.
Sind Frauen durch Diabetes stärker gefährdet?
Viel Intensiver als früher wird heute an Geschlechtsunterschieden von Erkrankungen geforscht. Sofern diese Krankheiten nicht die Sexualorgane betreffen, gibt es hier erstaunlich wenig gesichertes Wissen. „Wir ahnen heute mehr als dass wir wissen, dass der Blutzucker und die Glukosetoleanz bei Männern und Frauen unterschiedlich reguliert werden“, formulierte Frau Prof. Regitz-Zagrosek von der Charité in Berlin.

Schon seit 20 Jahren ist bekannt, dass ein Diabetes bei Frauen stärker als bei Männern Folgeerkrankungen der Gefäße verursacht. Diabetische Frauen haben ein höheres Risiko für einen Herzinfarkt und sterben auch häufiger an einem akuten Infarkt als diabetische Männer. Unstrittig ist auch die Gefährdung durch das polycystische Ovarialsyndrom (PCOS), an dem ca. 5% der geschlechtsreifen Frauen leiden. Beim PCOS liegen Zyklusstörungen, erhöhte Blutspiegel der männlichen Hormone mit entsprechenden Folgen (Damenbaart Behaarung) und Veränderungen an den Eierstöcken vor (polyzystische Ovarien). Beim PCOS läuft in späteren Jahren auch der Stoffwechsel aus dem Ruder: Das metabolische Syndrom mit Übergewicht (Adipositas), Bluthochdruck (Arterielle Hypertonie), Fettstoffwechselstörungen, Diabetes und Arteriosklerose stellen sich bei diesen Frauen früher und häufiger ein als bei Gesunden.
Neue Therapien für Diabetiker
Exendin-4 : Ein neuer hormonartiger Wirkstoff, das Exendin-4 (Exenatide®), ist in den USA für die Behandlung von Typ-2-Diabetikern zugelassen worden. Der aus dem Speichel einer Eechse (Heloderma suspectum) gewonnene Stoff wirkt wie das menschliche Darmhormon GLP-1 (Glucagon-like-Peptide-1), berichtete Prof. Michael Nauck, Bad Lauterberg. GLP-1 gibt der Darm nach den Mahlzeiten ins Blut ab; es stimuliert die Insulinfreisetzung, unterdrückt die Wirkung des Insulin-Gegenspielers Glukagon, verzögert die Magenentleerung und damit den Einstrom der Nährstoffe ins Blut. GLP-1-soll zu früherem Sättigungsgefühl und vermindertem Appetit führen und damit das Abnehmen erleichtern. Ferner lässt es die beim Diabetiker „geschrumpften“ Insulin-produzierenden Zellen der Bauchspeicheldrüse wachsen. All diese Funktionen des natürlichen GLP-1 imitiert Exendin-4, weshalb die Forscher es als „Inkretin-Mimetikum“ bezeichnen. Besonderer Vorteil: Der Wirkstoff setzt Insulin nur als Reaktion auf Nahrungsaufnahme frei und löst keine Unterzuckerungen aus. Die Zulassung des Präparates wird in Europa in ca. zwei Jahren erwartet.
Inhalierbares Insulin: In etwa einem Jahr soll das erste inhalierbare Insulin auf den Markt kommen. Die Aufnahme als feinstes Pulver über die Lunge hat Vor- und Nachteile. Die Insulin-Wirksamkeit nach einem tiefen Atemzuges beträgt nur ein Zehntel bis ein Sechstel der Insulinspritze, d.h. es sind höhere Dosen an Insulin notwendig und die Therapie ist teurer. Die Wirkung setzt ebenso schnell ein wie sie wieder abfällt, d.h. die Therapie eignet sich nur als Bolus zum/nach dem Essen. Möglicherweise aber, so Prof. Nauck, fällt gerade Patienten mit großer Angst vor Spritzen der Einstieg in eine notwendige Insulinbehandlung mit dem einatembaren Insulin leichter. Doch auch ihnen bleibt das Pieksen nicht ganz erspart: Die ständige Blutzuckerkontrolle ist weiterhin notwendig.

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Streichung von Spezialnahrung gefährdet Versorgung

(2005)

Diabetes-Experten schlagen Alarm:
„Streichung von Spezialnahrung gefährdet Versorgung“

Hamburg (ots) – Die Streichung von Spezialnahrung gefährdet optimale Versorgung. Schwer kranke Diabetiker, die auf künstliche Ernährung angewiesen sind, müssen künftig mit einer schlechteren Versorgung rechnen.
Führende Ernährungs- und Diabetesexperten haben daher gestern (21.07.05) in Hamburg Alarm geschlagen. Die speziell auf die Bedürfnisse von Diabetikern angepasste Trink- und Sondennahrung soll dem Rotstift zum Opfer fallen und aus der Erstattung der Krankenkassen gestrichen werden.
Für Heinz Windisch, Präsident des Verbands der Krankenversicherten Deutschlands (VKVD), ist dies ein Skandal: „Es ist der untaugliche Versuch, auf dem Rücken einer kleinen Gruppe von Patienten, die sich nicht wehren kann, die finanziellen Probleme der gesetzlichen Krankenkassen zu lösen. Er wird schlimmstenfalls mit vermehrten Diabetes-Komplikationen, wie etwa Amputationen, erkauft.“ Dank dieser Spezialnahrung kämen die Diabetiker, die meist im Koma liegen oder wegen Schlaganfällen auf künstliche Ernährung angewiesen sind, mit deutlich weniger Insulin aus und hätten geringere Probleme mit zu hohen Blutfettwerten.
Hintergrund ist die geplante generelle Änderung der Erstattungsfähigkeit von Sondennahrung. Sie hatte bereits hohe Wellen geschlagen, als Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt entsprechende Vorschläge des zuständigen Gemeinsamen Bundesausschusses, in dem Krankenkassen und Ärztevertreter das Sagen haben, im Frühsommer ablehnte und eine Nachbesserung forderte. Dies hat der Gemeinsame Bundesausschuss in dieser Woche abgelehnt.
Professor Dr. Berthold Koletzko, der Präsident der Deutschen Gesellschaft für Ernährungsmedizin (DGEM), hält es für erforderlich, die Rolle von Spezialnahrungen für Diabetiker sorgfältig zu überprüfen. Künstliche Ernährung in der ambulanten Versorgung unterliege anderen Bedingungen als in der Klinik, wo eine engmaschige Kontrolle der Blutzuckerwerte und gegebenenfalls rasche Anpassung der Insulindosierung leichter möglich sei. Deshalb seien die Spezialnahrungen für Diabetiker besonders auch unter Praxisbedingungen der Heimversorgung zu bewerten.
Dr. Peter Mayr, der als niedergelassener Arzt und als Diabetologe DDG eine der jüngsten klinischen Studien mit enteraler Ernährung geleitet hat, unterstrich dies. Aus seiner Sicht ist Diabetes-Sondennahrung in der ambulanten Versorgung unverzichtbar. Nur so ließen sich ein halbwegs stabiler Blutzuckerwert erreichen und die Gefahr von lebensbedrohlichen Hypoglykämien sowie Folgekrankheiten vermeiden.
Der Bonner Ernährungswissenschaftler Professor Dr. Peter Stehle wies auf einen Widerspruch hin: Zum einen schreibe die Diätverordnung in Deutschland den Herstellern genau vor, welche Bestandteile Diabetesspezialnahrung haben müsse, andererseits halte der Gemeinsame Bundesausschuss solche Nahrung für überflüssig und verlange von den behandelnden Ärzten auf die Verordnung zu verzichten.
Die Experten warfen dem Gremium fehlenden Überblick über die aktuellen klinischen Studien zu diesem Thema vor. Mit seiner Haltung widerspreche es den Empfehlungen und Leitlinien maßgeblicher Fachgesellschaften.
Der Präsident des Verbands der Krankenversicherten Deutschlands forderte daher den Gemeinsamen Bundesausschuss und das Bundesgesundheitsministerium auf, Diabetes-Trink- und -Sondennahrung im Leistungskatalog der GKV zu erhalten. „Jede andere Entscheidung ist unethisch, unsolidarisch und widerspricht dem Stand der medizinischen Kenntnis.“

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Diabetische Neuropathie und diabetisches Fußsyndrom

(2005)
Diabetische Neuropathie und diabetisches Fußsyndrom
Ein krasser Anachronismus

Dr. med. Alexander Risse vom Klinischen Diabeteszentrum DDG, Dortmund, regt zu einem Dialog über die anthropologische Dimension diabetesbedingter Komplikationen an.
Keine Frage: Naturwissenschaftliche Medizin hat größte Verdienste. Allerdings überlegen heute viele Forscher, ob die Methode, Patienten in wissenschaftlichen Studien zu untersuchen, für praktische Ärzte sinnvoll ist. Denn Patienten in Studien müssen „Einschlusskriterien“ erfüllen, reale Ärzte behandeln Patienten mit „Ausschlusskriterien“. Die Fragestellung einer Studie muss trivial sein, Patienten weisen Problemstellungen auf, die sich trivialen Erklärungsmustern widersetzen. Der Transfer von Forschung in Praxis ist weiter unsystematisch.
Auslöser oder Ursache?
Beim diabetischen Fußsyndrom (DFS) und bei diabetischer Neuropathie (DNP) sind alle Behandlungs- und Prophylaxestrategien seit Jahrzehnten bekannt. Die Behandlungsergebnisse verbessern sich aber nicht: Die Zahl der Amputationen bleibt gleich. Besonders im chirurgischen Milieu ist der Begriff der diabetischen Mikroangiopathie – ein krasser Anachronismus – betoniert und dient als Argumentation der frühen hohen Amputation. Wer heute empfiehlt, Herzinfarkte mit Heparintropf zu Hause zu behandeln, macht sich lächerlich. Von Mikroangiopathie zu reden, daraus absurde Therapiekonsequenzen zu ziehen, ist flächendeckender Standard. Ein weiteres Phänomen: Patienten mit DFS und DNP warten zu lange, bis sie zu zum Arzt gehen, Ärzte warten zu lange, bis sie zum Diabetologen überweisen und die stationäre Einweisung erfolgt häufig wegen „Sepsis“, nicht wegen einer Fußläsion.

Offenbar wird die Behandlungspraxis von anderen Einflussgrößen bestimmt, als von den längst bekannten Ergebnissen der Forschung. Beim DFS wird die Neuropathie außerhalb der Diabetologie zu wenig diagnostiziert, Diabetologen unterschätzen ihre enorme anthropologische Bedeutung. Zwar gibt es (in seltenen Fällen) eine Durchblutungsstörung als Auslöser des DFS. Regelhaft ist aber die Neuropathie die Ursache einer Fußläsion. Nicht nur, weil die Warnfunktion des Schmerzes fehlt, sondern weil sich der Patient in seiner gesamten leiblichen Ökonomie, also seinem „In-der-Welt-Sein“ grundlegend ändert, ähnlich wie bei Syringomyelie, Tabes dorsalis oder Lepra. Durch die Polyneuropathie kommt es zu einer „inneren Amputation“: Wir können zwar die Füße noch sehen, die Patienten stehen aber nicht mehr „mit beiden Beinen im Leben“.
„Die Ärzte interessiert das nicht!“
Warum ist das so? Das, was uns alle betrifft, womit wir ohne nachzudenken umgehen, ist der „Leib“. Das, was wir vermessen und manipulieren können, ist der so genannte „Körper“: Wir sind eben „mit Leib und Seele dabei“, nicht mit Körper und Seele. Wir haben einen „Unterleib“ und nur einen Oberkörper – nicht umgekehrt, und es ist der Leib Christi, nicht dessen Körper, der die Religiösen unter uns beschäftigt. Auf der Ebene der Körpermaschine ist alles bekannt. Die Ebene des Leibes wird von der traditionellen Medizin („Papierdiabetologie“) ausgespart. Hier ist erheblicher Nachholbedarf anzumelden, welcher durch die unverändert hohen Amputationszahlen (30.000/Jahr in Deutschland) deutlich wird.
Was können wir tun?
In erster Näherung die Füße untersuchen und auf folgende Symptome achten: trockene Füße durch Verlust der Schweißsekretion als Zeichen der autonomen Neuropathie, Krallenzehen als Zeichen der motorischen Neuropathie, negativer Weinstein-Filament-Test als Zeichen der sensiblen Neuropathie. Finden Sie diese Symptome, fragen Sie die Patienten: „Können Sie mir bitte erzählen, was Sie in der Gegend ihrer Füße spüren?“ Dies könnte eine Antwort sein: „Dieses tote Gefühl!“ Der Patient beginnt zu weinen: „Dieses schmerzhafte Kribbeln.“ Die Ausführung endet weinend: „Schneiden Sie ihn ab!“ Eine zweite Antwortmöglichkeit könnte lauten: „Die Schmerzen sind ganz komisch. Das sind keine Schmerzen, das ist ein unangenehmes Kribbeln, von dem könnte ich verrückt werden. Das kommt immer nachts und sobald ich aufstehe, ist es weg. Ich ziehe mir schon Stützstrümpfe an, denn dann spüre ich meine Beine, die sind sonst gar nicht da. Der Druck ist dann angenehm, ja, weil ich die Beine spüre. Manchmal, wenn ich ins Bett gehe, stecke ich die Beine zwischen die Matratzen, das macht auch Druck, dann kann ich schlafen. Die Leute können das nicht verstehen, wenn ich ihnen von dem Kribbeln erzähle. Da hat mich übrigens auch noch kein Arzt nach gefragt, die interessiert das überhaupt nicht.“
Wenn uns Patienten diese Geschichten erzählen, können wir ahnen, welche tief greifenden Änderungen in ihnen vorgegangen sind, können gegebenenfalls schon verstehen, warum viele schon daran gedacht haben, sich umzubringen, können die enorme anthropologische Dimension des Problems erahnen, von dem uns die Papiermedizin bisher nichts zu berichten wusste.

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Retinopathia diabetica

(2005)

Retinopathia diabetica – Die Zusammenarbeit verbessern

Diabetes News Retinopathia diabetica pm050508Prof. Dr. med. Bernd Bertram ist seit Januar Generalsekretär der Initiativgruppe Früherkennung diabetischer Augenkrankheiten. Der in Aachen niedergelassene Augenarzt erklärt, wie häufig bei Diabetikern mit Retinopathie Kontrolluntersuchungen erfolgen sollten.

Diabetes News Retinopathia diabetica pm050508

Die Spätkomplikationen des Diabetes mellitus am Auge stellen in den westlichen Industrienationen eine der häufigsten Erblindungsursachen dar. Diabetiker haben ein zehn- bis 20-mal höheres Risiko zu erblinden als Nichtdiabetiker. In Deutschland ist jährlich mit rund 3.000 Neuerblindungen aufgrund der diabetischen Retinopathie und der diabetischen Makulopathie zu rechnen. Noch erheblich höher ist die Rate der Patienten mit einer diabetesbedingten Visusminderung, die zum Beispiel zum Verlust der Lesefähigkeit führt.

Eine Sehverschlechterung bei der diabetischen Retinopathie kann erstens verursacht werden durch eine proliferative diabetische Retinopathie mit Glaskörperblutung beziehungsweise Traktionsamotio retinae und zweitens durch eine diabetische Makulopathie. Für beide Formen der diabetischen Retinopathie steht mit der Laserkoagulation eine effektive und allgemein anerkannte Therapie zur Verfügung. Durch eine Laserkoagulation pathologischer Fundusveränderungen lässt sich gegenüber unbehandelten Patienten die Erblindungsrate um mehr als die Hälfte reduzieren. Andererseits kann bei eingetretener Visusminderung (zum Beispiel mit Verlust der Lesefähigkeit) meist keine Verbesserung mehr erzielt, sondern höchstens ein weiterer Abfall der Sehschärfe verhindert werden. Daraus ergibt sich sowohl für die proliferative Retinopathie als auch für die diabetische Makulopathie, dass der günstigste Zeitpunkt für eine Laserbehandlung vorliegt, wenn der Augenarzt bestimmte Netzhautveränderungen erkennt, bevor der Patient Ausfälle bemerkt hat.

Rund 3.000 Neuerblindungen pro Jahr
Deshalb sind regelmäßige augenärztliche Untersuchungen der Netzhaut bei allen Diabetikern nötig, um den richtigen Zeitpunkt zur Lasertherapie zu erfassen. Ein effektives Screening kann nur erfolgreich sein, wenn die Zusammenarbeit zwischen Patienten, Hausarzt, Diabetologen und Augenarzt verbessert wird.

Gefordert werden von der Initiativgruppe Früherkennung diabetischer Augenkrankheiten folgende Kontrollintervalle für die Netzhautuntersuchungen: Bei allen Diabetikern mit guter Einstellung und ohne Zeichen der Retinopathie sollte jährlich die Netzhaut untersucht werden. Bei Vorliegen einer Retinopathie müssen die Kontrolluntersuchungen häufiger erfolgen (siehe Tabelle). Das gilt auch bei sehr schlechter Einstellung oder Schwangerschaft. Der große Wert dieser Kontrollintervalle ist durch umfangreiche epidemiologische und durch anerkannte volkswirtschaftliche Studien aus den USA belegt.

Die Retinopathiebeurteilung erfolgt in Mydriasis durch eine gründliche binokulare Untersuchung der Netzhaut an der Spaltlampe, zum Beispiel mit einer 78-Dioptrien-Lupe oder einem Kontaktglas. Wenn eine Retinopathie vorliegt, dokumentiert der Augenarzt die Fundusveränderungen genau und legt das Retinopathiestadium fest. Außerdem wird ein klinisch signifikantes diabetisches Makulaödem ausgeschlossen.

Der Augenarzt sollte den Befund, gegebenenfalls das weitere Procedere (beispielsweise Laserkoagulation) und das empfohlene Intervall bis zur nächsten Untersuchung schriftlich dem Hausarzt mitteilen. Die Initiativgruppe Früherkennung diabetischer Augenkrankheiten und die AG Diabetes und Auge der DDG haben dazu einen DIN-A4-Bogen veröffentlicht, dessen Anwendung den Augenärzten empfohlen wird. Der Hausarzt oder Diabetologe kann auch selbst dem Patienten diesen Bogen mit zum Augenarzt geben und darauf seine Information zur aktuellen Diabeteseinstellung (HbA1c-Wert) schreiben. Der Augenarzt sollte mindestens jährlich und zwischendurch bei Befundänderung einen ausgefüllten Bogen oder Bericht an den Hausarzt und gegebenenfalls den Diabetologen senden.

Besser messen – Aktiver leben

(2005)

Besser messen – Aktiver leben
Aufklärungskampagne für ein aktives Leben mit Diabetes
Mühltal (ots) – „Aktiv und selbstbestimmt leben mit Diabetes“ ist die Zielsetzung der bundesweiten Aufklärungskampagne „Besser messen – Aktiver leben“, für die am 4. Mai 2005 in Berlin der Startschuss fiel.

Die Kampagne ist eine gemeinsame Initiative verschiedener Diabetes-Organisationen und des Experten für Blutzuckermessgeräte LifeScan, Neckargemünd. Sie richtet sich vor allem an insulinbehandelte Menschen mit Diabetes.

Durch besseres, situationsangepasstes Blutzuckermessen und entsprechende Behandlung können Lebensqualität und Langzeitprognose im Leben mit Diabetes nachhaltig verbessert werden.

Ob Bewegung und Sport, Ernährung, Medikamente oder Reisen: Zahlreiche Faktoren beeinflussen den Blutzuckerspiegel. Für Menschen mit Diabetes ist es wichtig, diese Einflüsse zu kennen, richtig darauf zu reagieren und den Blutzuckerwert auch in kritischen Situationen im Auge zu behalten. Gezielte Selbstkontrolle hilft, belastende Symptome von Blutzuckerschwankungen zu vermeiden.

Wer seinen Blutzucker selbst testet, kann relevante Muster erkennen, Abweichungen prompt korrigieren und Sicherheit im Umgang mit der Erkrankung gewinnen. Trotzdem sind viele der 1,65 Millionen insulinbehandelten Menschen mit Diabetes in Deutschland verunsichert. Sie messen ihren Blutzucker im Alltag zu wenig angepasst an mögliche Aktivitäten und schränken sich in Ihrer Freizeit unnötig ein.

Die Kampagne „Besser messen – Aktiver leben“ will zu vermehrter körperlicher Bewegung motivieren: Dies verbessert das allgemeine Wohlbefinden und die Blutzuckerwerte. Deshalb engagiert sich auch die mehrfache Biathlon-Weltmeisterin Uschi Disl für die Kampagne: „Für mich ist es wichtig, mein Leben selbst zu gestalten und aktiv sein zu können, nicht nur sportlich. Deshalb möchte ich dazu beitragen, dass andere sich das auch zutrauen und lernen, wie es möglich ist, aktiver mit Diabetes zu leben.“
Ab Mitte Mai wird es in diabetologisch orientierten Arztpraxen, Apotheken und Selbsthilfegruppen Informationen zur Kampagne geben. Ein Faltblatt für Patienten gibt Tipps zur Selbstkontrolle und körperlicher Aktivität bei Diabetes.

Das Gebot der Stunde:

(2005)

Das Gebot der Stunde: Prävention des Diabetes mellitus

Der Handlungsbedarf ist klar, die Umsetzung schwierig: Experten diskutieren, welche Maßnahmen zur Eindämmung der Diabeteslawine beitragen können.

Prof. Pierre Lefèbvre, aktueller Präsident der International Diabetes Federation (IDF), kam mit drastischen Zahlen zum ersten International Congress on „Prediabetes“ and the Metabolic Syndrom nach Berlin: „Allein in Europa wird die Zahl der Menschen mit Prädiabetes mit 60 Millionen beziffert.“ Dabei sei Prädiabetes ein Zustand, der bislang kaum verstanden und entsprechend schlecht im klinischen Alltag erkannt werde.

Lefèbvre war Chairman eines Satelliten-Symposiums mit dem Titel „Prediabetes: The Challenge to Society“, zu dem die Merck Pharma GmbH sieben europäische Experten als Referenten eingeladen hatte.
Dazu gehörte auch Prof. Paul Valensi von der Universität Paris-Nord. Valensi stellte die Ergebnisse der französischen Multicenter-Querschnittsstudie „STEP by STEP“ vor, in der unter anderem die Prävalenz moderater Hyperglykämien untersucht wurde.

In diesem Survey waren 23.455 Personen integriert, bei denen der Hausarzt gemäß ANAES-Guideline mindestens einen mit Typ-2-Diabetes assoziierten Risikofaktor festgestellt hatte und mindestens eine Nüchternblutzuckermessung innerhalb der letzten drei Jahre erfolgt war. Von den 19.003 Personen, die schließlich die Einschlusskriterien erfüllten, wurden 10,75 Prozent als „unerkannte Diabetiker“ identifiziert.

Erfolgreiche Primärprävention gefordert
„Fünf alarmierende Entwicklungen erfordern, jetzt zu handeln“, mahnte Dr. med. Peter Schwarz von der TU Dresden. Dazu gehöre die weltweit drastisch steigende Prävalenz des Typ-2-Diabetes sowie der Risikofaktoren für dessen Entstehung, die Tatsache, dass immer mehr jüngere Menschen an Typ-2-Diabetes erkranken, die schwerwiegenden Komplikationen und die ausgesprochen kostenintensive Behandlung des Diabetes und seiner Komplikationen.

„In Anbetracht des fehlenden kurativen Ansatzes in der Behandlung des Diabetes bleibt zur Eindämmung der Diabetesepidemie sowie zur Verhinderung der schwerwiegenden, insbesondere kardiovaskulären Komplikationen nur die erfolgreiche Primärprävention des Diabetes“, meinte Schwarz. „Mehrere große internationale Studien (Da Quing, DPP, DPS, STOP-NIDDM, XENDOS) belegen mit hoher Evidenz, dass die Prävention des Diabetes mellitus mit einer Intervention bei Risikopersonen möglich und erfolgreich durchführbar ist.“

Basierend auf diesen Ergebnissen hat Schwarz das TUMAINI-Präventionsprogramm mitentwickelt (www.tumaini.info). Im Rahmen dieses Programms spielt auch die regelmäßige Begleitung durch einen persönlichen Lifestyle-Manager eine wichtige Rolle. Den müsse er sich nicht mehr suchen, kommentierte Lefèbvre sehr zur Erheiterung des Publikums, denn: „Meine Frau ist ein hervorragender Lifestyle-Manager.“

Compliance entscheidend
Für Prof. Dr. Philippe Lehert von der Universität Mons, Belgien, steht der Benefit von Lifestyle-Interventionen ebenfalls außer Frage, aber der Statistiker zeigte sich eher skeptisch, was den Erfolg von Lifestyle-Empfehlungen angeht. Lehert präsentierte Daten der Querschnittstudie HERAPI, die verschiedene Einflüsse auf das Verhalten (darunter sozio-ökonomischer Status, Risiko- und Selbstbewusstsein) von Risikopatienten untersuchte.

In die repräsentative Studie waren 663 (Typ-2-Diabetes-)Risikopatienten und 224 Typ-2-Diabetiker eingeschlossen. Die umfangreiche Analyse zeigte, dass sich lediglich 14 Prozent der Studienteilnehmer compliant zu einer Lifestyle-Änderung zeigten; 86 Prozent änderten ihr Verhalten während der zweijährigen Surveyperiode nicht. „Die Compliance erwies sich als sehr stabiler Faktor“, sagte Lehert. „Wer bereits vor zwei Jahren compliant war, ist es jetzt auch noch.“

Längst ist klar, dass das Diabetes-Problem sich nicht auf nationale Maßnahmen beschränken kann. EU-weit wurde der Handlungsbedarf allerdings lange unterschätzt: „Das Public Health-Mandat wurde erst sehr spät, im Rahmen der Masstricht-Verträge 1992, an die EU vergeben“, erklärte Wilfried Kamphausen vom DG „Health and Consumer Protection“ der EU-Kommission.

Dieses Mandat sei immer noch sehr limitiert, so Kamphausen, dabei könne die EU in den drei Bereichen Forschung, Monitoring und Prävention eine Hauptrolle spielen. Inzwischen wurde die so genannte „Diet, Physical Activity and Health – a European Platform for Action“ ins Leben gerufen. In diesem Zusammenhang kritisierte Kamphausen die derzeitige Agrarpolitik, die die Produktion von Fleisch und (vollfetter) Milch weiter stark fördere, den Anbau von Gemüse und Obst dagegen umso weniger.
Auch die Ernährungsindustrie muss nach Ansicht von Kamphausen mitziehen, ansonsten seien „regulative Maßnahmen“ seitens der EU erforderlich. Kamphausen nannte ein Beispiel: „Getränkeautomaten mit Softdrinks müssen aus den Schulen verschwinden und durch Mineralwasserspender ersetzt werden.“

Patientenschulungen für Diabetiker

(2005)

Eine qualitative Herausforderung: Die Patientenschulung ist Teil der Diabetestherapie

Dr. med. Marion Braun vom BVND fordert daher, dass jeder, der Patienten schult, sich den selben Qualitätsanforderungen stellen muss, die auch für die ärztliche Therapie gelten. Die Organisation und Durchführung von Patientenschulungen in Schulungsvereinen gehören auf den Qualitätsprüfstand – dies fordert der Bundesverband niedergelassener Diabetologen (BVND).

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„Schulungen sind Teil der Diabetestherapie. Jeder, der schult, muss sich denselben Qualitätsanforderungen stellen, die auch von der ärztlichen Therapie erwartet werden. Und in der Diabetologie liegt die Messlatte hoch. Der BVND warnt vor einer Qualitätslücke zwischen Schulung und Therapie“, formuliert Dr. med. Marion Braun, Vorstandsmitglied des BVND.

Eine mangelhafte, nicht an der ärztlichen Therapiestrategie ausgerichtete Schulung gefährdet den Behandlungserfolg. Der BVND sieht die größten Sollbruchstellen in der Qualität, wenn Schulungen nicht von dazu berechtigtem Personal – und dazu noch meist ohne ärztliche Aufsicht – durchgeführt werden.

„Die hessische Rahmenvereinbarung zum DMP Typ 2 sieht zum Beispiel vor, dass zu den Aufgaben des koordinierenden Hausarztes insbesondere die Durchführung von Schulungen gemäß §14 gehört, soweit die Schulungsberechtigung gegenüber den Krankenkassen nachgewiesen ist. Ist dies nicht der Fall, ist an einen anderen Vertragsarzt mit der entsprechenden Qualifikation zu überweisen“, beschreibt Braun den beispielhaften Vorgang.

Das heißt, der schulungsberechtigte Arzt im DMP Typ 2 sollte primär selbst schulen. Diese Qualitätsanforderungen gelten auch für Schulungsvereine und Schulungsgemeinschaften. Ein Delegationsverfahren an einen Schulungsverein, in dem eine Schulungskraft ohne ärztliche Kooperation die Patienten schult, ist hiermit ausgeschlossen.

Gefahren durch unqualizifierte Schulung

Der BVND macht auf mehrere Gefahren aufmerksam, die bei der Patientenschulung durch einen nicht schulungsberechtigten Arzt oder durch einen Schulungsverein ohne Leitung eines schulungsberechtigten Arztes entstehen können. Zum einen könnte die Qualität des Schulungsergebnisses gefährdet sein, wenn das Schulungspersonal und/ oder die ärztliche Aufsicht nicht die entsprechende Qualifikationen mit sich bringen, denn Erfahrungen des Personals führen zur Akzeptanz, welches die Basis für Vertrauen und Erfolg darstellt.
Darüber hinaus können die Patientenführung und die Koordination der Therapie gefährdet sein, wenn der Patient nicht einen schulungsberechtigten, -kompetenten und verantwortlichen ärztlichen Ansprechpartner hat: Kompetenz und Verantwortung über die Schulungsleistung müssen in einer schulungsberechtigten ärztlichen Hand zusammenlaufen, die einen direkten Kontakt zum Patienten pflegt. Abstimmungsprobleme und ärztliches Kompetenzgerangel gefährden das Schulungsergebnis.

Ein weiteres Problem liegt darin, dass Abstimmungsprobleme zwischen dem Schulungspersonal und dem ärztlichen Personal Anwendungsfehler bei der Therapie provozieren können, wenn die ärztlichen Maßnahmen und Therapiemodifikationen nicht mit den Schulungsmaßnahmen verzahnt werden. Daher müssen Schulungsleistungen auch durch einen schulungsberechtigten koordinierenden Arzt überwacht werden. Klare definierte Verantwortungsbereiche, Informationspflicht und Weisungsbindung des Schulungspersonals an den schulungsberechtigten Arzt sind notwendige Bestandteile einer Strukturqualität bei den Patientenschulungen.

Und es gibt noch eine weitere Gefahr: Bei einer Schulung ohne begleitende Berichterstattung ist der Schulungserfolg nicht nachweisbar und dem Patienten nicht vermittelbar. Nur eine gut organisierte Dokumentation durch das qualifizierte Schulungspersonal verbunden mit einer Bewertung im Schulungsteam und der Rückmeldung durch den Arzt an den Patienten kann diesen vom Schulungserfolg überzeugen. Aus den genannten Gründen hat der BVND einen Katalog mit Qualitätskriterien zusammengestellt, denen eine qualitätsgesicherte Schulung genügen sollte:

  • Ohne Schulungsarzt keine Schulung – vorzugsweise ein Diabetologe DDG; neben einer Schulungsberechtigung ist auch eine ausreichende Schulungserfahrung selbstverständlich.
  • Schulungspersonal mit guter Qualifikation wie Diabetesassistentin DDG, Diplom-Ökotrophologin
  • Qualitätssicherung mittels klarer Verantwortungsbereiche, regelmäßiger Berichterstattung über Therapieverlauf, Therapiemodifikation sowie Umsetzung der Schulungsinhalte

Orientierung am Interesse und Wohl des Patienten „Schulungen sind kein Selbstzweck

Sie haben sich kompromisslos am Interesse und am Wohl des Patienten zu orientieren. Schulungspersonal als quasi Handlungsreisende – heute mal hier und morgen mal dort – ohne Informationspflicht und Weisungsbindung an einen Diabetologen, Fehlen eines „generalbevollmächtigten“ schulungsberechtigten Arztes sowie Konstrukte mit kreativen Formen der Abrechnungstechnik sind untragbar. Patientenschulungen im DMP erfordern ebenso die Hypertonieschulung sowie die Gerinnungsschulung und Asthmaschulung. Hierfür sind sicherlich Schulungsvereine die beste Plattform, weitere Schulungsprogramme zu integrieren im Verbund mit ärztlicher Kompetenz und qualifiziertem Schulungspersonal. Die Qualität, die die Politik von den Ärzten einfordert, ist auch Maßstab für Schulungen“, erklärte Braun.

Prädiabetes: ein europäisches Problem

(2005)

Prädiabetes: ein europäisches Problem

London – Diabetes ist weltweit die vierthäufigste Todesursache. Da die Zahl der Prädiabetiker alleine in Europa auf über 60 Millionen Menschen geschätzt wird, ist davon auszugehen, dass die Diabetesgefahren in alarmierendem Umfang zunehmen werden, falls nicht umgehend angemessene Maßnahmen ergriffen werden. Um dieser Situation gerecht zu werden, sind in allen gesellschaftlichen Bereichen innovative Schritte erforderlich, die sowohl politische Maßnahmen als auch persönliche Verhaltensänderungen einschliessen müssen.

In der EU-Arbeitsgruppe Diabetes, die letzte Woche in Brüssel zusammentraf, hatten Mitglieder des europäischen Parlaments Gelegenheit, Maßnahmen der EU zur Verhütung, Behandlung und Verwaltung von Diabetes zu besprechen, die Teil einer europäischen Diabetesstrategie darstellen können. Die Europäische Union (EU) hat unter dem Namen „Diet, Physical Activity and Health – A European Platform for Action“ (Europäische Plattform für Ernährung, physische Betätigung und Gesundheit) ein neues Programm zur Verhütung von Prädiabetes und anderen chronischen Krankheitszuständen ins Leben gerufen. Diese Initiative wurde jüngst beim ersten internationalen Kongress für Prädiabetes und das Stoffwechsel-Syndrom in Umrissen ausgearbeitet. Laut Wilfried Kamphausen, dem zuständigen Verwaltungsbeauftragten in der Europäischen Kommission, vereinigt die neue Plattform europaweit alle wichtigen Beteiligten, die bereit sind, durch ihren verbindlichen und überprüfbaren Einsatz den derzeitigen Trend zur Fettleibigkeit zu stoppen und diesen wichtigen Faktor beim Entstehen von Prädiabetes zu entschärfen.

Die Plattform zielt darauf ab, freiwillige Aktionen im geschäftlichen, gesellschaftlichen und öffentlichen Leben innerhalb der EU zu fördern. Die Mitglieder der Plattform, zu denen wichtige EU-Vertreter in den Bereichen Ernährung, Handel, Gastronomie und Werbung sowie Vertreter von Verbraucherorganisationen und nichtstaatlichen Gesundheitsorganisationen gehören, haben sich dazu verpflichtet, gemeinsam an einer Lösung zu arbeiten und ihre Erfahrungen auszutauschen. Ausgehend von den Ergebnissen der finnischen Diabetesverhütungsstudie werden in Deutschland zurzeit Personen mit Prädiabetes ermittelt. Als Prädiabetes gilt ein Blutzuckergehalt, der zwar gegenüber normalen Werten erhöht ist, aber noch nicht als Diabetes diagnostiziert werden kann. Das Programm schließt langfristige Maßnahmen ein, die den Betroffenen bei der Verbesserung ihrer Lebens- und Essgewohnheiten helfen sollen. Es wird beabsichtigt, dieses Programm auf ganz Deutschland auszuweiten, um landesweit allen Personen mit erhöhtem Diabetesrisiko die gleiche Unterstützung anzubieten.

In Frankreich konnte in einer neuen Studie nachgewiesen werden, dass nicht diagnostizierter Diabetes weit verbreitet ist. Die Befragung von über 19.000 Personen hat gezeigt, dass ungefähr jeder zehnte Befragte von nicht diagnostiziertem Diabetes betroffen ist. Es besteht kein Zweifel, dass umfangreiche Maßnahmen erforderlich sind. Als Schritt in diese Richtung wurde von der International Diabetes Federation (Internationale Diabetesföderation, Region Europa) das Gluco-forum eingerichtet, dem europäische Diabetes-Experten angehören. Das Gluco-forum ist damit beauftragt, das öffentliche Bewusstsein für Prädiabetes und Typ-2-Diabetes zu vertiefen und auf diese Weise Millionen von diabetesgefährdeten Menschen in Europa zu helfen.
diabetes-news-Professor Pierre Lefebvre
Professor Pierre Lefebvre, der Präsident der IDF, äußerte sich folgendermaßen: „Bei unserer Arbeit müssen wir extrem hohe Hürden überwinden. Diese neuartigen Initiativen werden jedoch dazu führen, dass ein gesellschaftlich umfassender Ansatz für den Umgang mit den Schwierigkeiten und Problemen entwickelt werden kann, die derzeit Millionen daran hindern, ein gesundes und diabetesfreies Leben zu führen.“

Weitere Informationen sind auf der Gluco-forum-Website unter www.glucoforum.org erhältlich.