Weitere pharmakologische Ansätze zur Behandlung von Fettstoffwechselstörungen
Neben Medikamenten wie Stationen und Fibraten gibt es noch weitere Ansätze zur Senkung des Cholesterins, die hier erläutert werden.Nikotinsäure: Wirkung auf LDL, HDL und Triglyceride
Nikotinsäure senkt das LDL Cholesterin, Lp(a) und die Triglyceride und erhöht das HDL Cholesterin. Sie sind geeignet zur Therapie von primären Hypertriglyceridämien. Nikotinsäure kann eine Flushsymptomatik verursachen. Eine Flushsymptomatik äußert sich durch blau-rote Verfärbung von Gesicht und Hals und des Oberkörpers, die plötzlich auftritt und von den Patienten als sehr unangenehm empfunden wird. Häufig wird sie mit einer allergischen Reaktion verwechselt. Verantwortlich für die Flushsymptomatik ist die Freisetzung von Gewebshormonen (Prostaglandinen) in der Haut. Diese führen zu einer Gefäßerweiterungen in der Haut als Ursache für den Flush. Die Anfälle sind ungefährlich, jedoch beängstigend.
Anionenaustauscher
Gallensäuren werden in der Leber synthetisiert und in das Darmlumen abgegeben. Die meisten Gallensäuren werden wieder absorbiert (entero-hepatischer Kreislauf). Anionenaustauscher unterbrechen den enterohepatischen Kreislauf und führen zur Ausscheidung von Gallensäuren. Die Leber produziert vermehrt Gallensäuren aus Cholesterin. Der vermehrte Abbau von Cholesterin führt zu einem kompensatorischen Anstieg der LDL-Rezeptor Aktivität. Mehr LDL-C wird aus dem Kreislauf entfernt, was zu einem Absinken der LDL-C-Plasmaspiegel führt.
Colestyramin 4,0 g/Tag (1 Dosisbeutel)
Colesevelam 3,75 g/Tag (6 Tabletten)
Das Anionenaustauscherharz Colestyramin gehört zu den ältesten Mitteln zur Senkung von LDL. Colesevelam ist ein neuerer Gallensäurebinder, der ebenfalls bei Hypercholesterinämie als Monotherapie oder in Kombination mit einem Statin oder Ezetimib eingesetzt werden kann. Mit den Anionenaustauschern erreicht man eine LDL-C-Senkung von 18–25 %. Sie haben keinen Einfluss auf HDL-C, können jedoch bei einigen Patienten die Triglyceride erhöhen. Lange vor der Statintherapie konnte bereits in Studien der protektive arteriovaskuläre Effekt der Senkung von LDL-C durch die Anionenaustauscher demonstriert werden.
Die häufigsten Nebenwirkungen sind gastrointestinale Unverträglichkeiten wie Blähungen, Magenübersäuerung, Obstipation und Übelkeit. Die Anionenaustauscher interagieren gastrointestinal mit vielen anderen Medikamenten, sodass sie 4 Stunden vor oder 1 Stunde nach den anderen Medikamenten eingenommen werden sollten.
Omega-3- Fettsäuren
Omega -3- Fettsäuren senken die Triglyceride und werden daher in erster Linie bei primären Hypertriglyceridämie eingesetzt. Bei gemischten Hyperlipidämien können die Omega -3- Fettsäuren mit Statinen oder Fibraten zur Senkung der Triglyceride kombiniert werden. Bei Patienten, die bereits ein kardiovaskuläres Ereignis hatten, führte die Behandlung mit Omega-3-Fettsäuren zu einer Reduktion der kardiovaskulären Ereignisse. Die präventive Einnahme von Omega-3-Fettsäuren zur Verhinderung eines kardiovaskulären Ereignisses , durch Patienten, die noch nicht eine schwere kardiovaskuläre Erkrankung haben, brachte in der Orionstudie keine Verminderung von Tod, Herzinfarkt und Schlaganfall.
Kategorisiert in: Fettstoffwechselstörungen
Dieser Artikel wurde verfasst von Prof. Dr. Klaus Kusterer







