Obicetrapib: CETP-Inhibitor der nächsten Generation
Obicetrapib ist ein oraler, hochselektiver CETP-Inhibitor der nächsten Generation, der zur Senkung des LDL-Cholesterins und zur Vorbeugung kardiovaskulärer Ereignisse entwickelt wurde.CETP steht für “Cholesteryl Ester Transfer Protein”. Man kann sich CETP vereinfacht als ein Transport- oder Umladeprotein im Blut vorstellen.
Was macht CETP normalerweise?
CETP transportiert Cholesterinester aus dem „guten“ HDL zu LDL und VLDL. Im Austausch werden Triglyzeride von LDL/VLDL auf HDL übertragen. Dadurch verliert HDL einen Teil seines Cholesterins, während LDL und VLDL zusätzliches Cholesterin erhalten.Was geschieht bei einer CETP-Hemmung?
Obicetrapib blockiert dieses Umladen:
1. HDL behält sein Cholesterin
Da HDL weniger Cholesterinester an LDL und VLDL abgibt, verbleibt mehr Cholesterin im HDL-Partikel. Der gemessene HDL-C-Wert steigt.
2. LDL erhält weniger Cholesterin
LDL und VLDL werden nicht mehr in gleichem Umfang mit Cholesterin aus HDL beladen. Dadurch enthalten die apoB-haltigen Lipoproteine insgesamt weniger Cholesterin – der gemessene LDL-C-Wert sinkt.
3. LDL-Partikel werden schneller aus dem Blut entfernt
Eine starke CETP-Hemmung verändert außerdem die Zusammensetzung der LDL-Partikel. Untersuchungen mit einem anderen potenten CETP-Hemmer zeigten, dass diese veränderten LDL-Partikel schneller von der Leber aus dem Blut entfernt werden. Dadurch sinkt nicht nur das Cholesterin innerhalb der LDL-Partikel, sondern auch die Menge an ApoB beziehungsweise die Zahl der atherogenen Partikel. Dieser Mechanismus wird als Klasseneffekt potenter CETP-Hemmer angesehen.

Zur Vereinfachung:
Ohne Hemmung: CETP lädt Cholesterin von HDL auf LDL um.
Mit Obicetrapib: HDL behält mehr Cholesterin, LDL erhält weniger davon und wird schneller abgebaut.
Das Ergebnis lautet daher: HDL-C steigt – LDL-C, non-HDL-C und ApoB sinken.
Für die mögliche Vorbeugung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen ist wahrscheinlich vor allem die Senkung von LDL-C und ApoB bedeutsam – nicht allein der Anstieg des HDL-C. In einer großen randomisierten Studie senkte Obicetrapib das LDL-C deutlich zusätzlich zu einer bereits bestehenden lipidsenkenden Behandlung.
Einnahme und Dosierung von Obicetrapib
Stand 30. Juli 2026: Obicetrapib hat unter dem Handelsnamen Ubeslo® am 23. Juli 2026 eine positive Empfehlung des europäischen CHMP erhalten. Die endgültige Zulassung durch die Europäische Kommission und die deutsche Markteinführung stehen aber noch aus. Eine endgültige deutsche Fach- und Gebrauchsinformation liegt daher noch nicht vor.Die vorgesehene Dosierung lautet: 10 mg Obicetrapib einmal täglich als Tablette.
In den klinischen Studien wurde die Tablette einmal täglich ungefähr zur gleichen Zeit, mit Wasser und unabhängig von einer Mahlzeit eingenommen.
Obicetrapib wird in der Regel zusätzlich zu einer bereits bestehenden cholesterinsenkenden Therapie eingesetzt, wenn das LDL-Cholesterin damit nicht ausreichend gesenkt wird.
Wichtigste mögliche Nebenwirkungen von Obicetrapib
Die EMA nennt als häufigste Nebenwirkungen:- Bluthochdruck
- Schwindel
- Kopfschmerzen
- Durchfall
- Bauchschmerzen
Einordnung der Sicherheit:
In den großen Phase-III-Studien waren Nebenwirkungen insgesamt etwa gleich häufig wie unter Placebo. In der BROADWAY-Studie berichteten 59,7 % der mit Obicetrapib behandelten und 60,8 % der mit Placebo behandelten Teilnehmer irgendein unerwünschtes Ereignis. Auffällige Erhöhungen von Leber- oder Muskelenzymen waren selten.
Eine zusammengefasste Phase-III-Auswertung zeigte außerdem:
- keine klinisch bedeutsame Erhöhung des Blutdrucks gegenüber Placebo,
- keine Zunahme von Leber- oder Muskelschäden,
- keine Verschlechterung der Nierenfunktion,
- Therapieabbrüche wegen Nebenwirkungen bei 4,1 % unter Obicetrapib gegenüber 5,3 % unter Placebo.
Wichtig: Die endgültigen Angaben zu Gegenanzeigen, Wechselwirkungen, Schwangerschaft, Leber- und Niereninsuffizienz können sich erst aus der nach der EU-Zulassung veröffentlichten Fachinformation ergeben. Bis zum 30. Juli 2026 gibt es noch keine abgeschlossene große kardiovaskuläre Endpunktstudie, die beweist, dass Obicetrapib Herzinfarkte, Schlaganfälle oder kardiovaskuläre Todesfälle verhindert.
Quellen:
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Kategorisiert in: Fettstoffwechselstörungen
Dieser Artikel wurde verfasst von Prof. Dr. Klaus Kusterer







