Schulnoten für Pflegeheime

Internet-Bewertungsportal zieht erste, erfolgreiche Bilanz

„Schulnoten für Pflegeheime“, so lautete vor kurzem die Forderung des SPD-Gesundheitsexperten Karl Lauterbach. Diese Idee hatten bereits Mitte des Jahres 2007 der Sozialpädagoge Wolfgang Häberle und der Heimleiter Bernhard Stärck. Sie gingen mit einer Internetseite www.wohin-im-alter.de an die Öffentlichkeit und machten die Vergabe von Schulnoten für Pflegeheime über das Internet möglich.

  • Können die Heimbewohner ihren Tagesablauf selbst bestimmen?
  • Ist das Pflegepersonal freundlich und schmeckt das Essen?
  • Wie sind die Angebote zur Freizeitgestaltung?
  • Wie ist es um Sauberkeit und Hygiene bestellt?
  • Gibt es attraktive Freizeitangebote?

Diese und ähnliche Fragen können online mit Noten von 1 bis 6 versehen werden. Angehörige von Pflegeheimbewohnern, Besucher oder die Betroffenen selbst sind aufgefordert, sich als Jury an der Notenvergabe zu beteiligen. Unterstützt werden sie hierbei durch fachliche Tipps, die unter der Rubrik „Was ist ein gutes Haus“ erklären, worauf man bei der Bewertung eines Altenheimes besonders achten muss.

Turbulente Diskussionen durch Schulnoten für Pflegeheime

In Fachzeitschriften wie „Altenpflege“, „Altenheim“ oder „Dr. Mabuse“ wurden kontroverse Diskussionen geführt. Das österreichische Fachmagazin „Lazarus“ begrüßte das Projekt aus Deutschland als „interessanten Ansatz …“, der die Pflegekunden „… als mündige Konsumenten …“ wahrnimmt. Einige Heimbetreiber kritisierten, das System sei nicht objektiv genug, andere, wie der paritätische Wohlfahrtsverband Berlin, verschickten an ihre Pflegeeinrichtungen einen Aushang, in dem die Angehörigen der Bewohner zur Nutzung des Portals aufgerufen wurden.

Über 100 Heime wurden in den ersten Monaten „benotet“, berichtet der 46-jährige Häberle. „Zwar sind die Ergebnisse noch nicht repräsentativ, aber es zeichnen sich erste Tendenzen ab: 90 Prozent der bisherigen Bewertungen sind positiv. Häufig bedanken sich dort Angehörige von Heimbewohnern, für die gute Versorgung ihrer Verwandten. Die restlichen 10 Prozent sind bedenklich bis skandalös“, so Häberle weiter. „Sollte unser Angebot weiterhin gut ankommen, haben wir noch einige Ideen für die Zukunft: Erweiterung auf andere Wohnformen und ambulante Pflegedienste sowie die Einbeziehung des deutschsprachigen Auslandes sind durchaus denkbar“, ergänzt Stärck.