Insulin spritzen
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Neues Mahlzeiteninsulin für Diabetiker kommt

Der Insulinhersteller Novo Nordisk hat die Zulassung eines neuen Mahlzeiteninsulins durch die Europäische Kommission bekannt gegeben. Es wirkt noch schneller als Insulin Aspart und kann auch in der Insulinpumpe verwendet werden. Im ersten Halbjahr 2017 soll es auf den Markt kommen.

Neues „Turbo-Insulin“ als Weiterentwicklung von Insulin Aspart

Schnell wirkende Mahlzeiteninsuline können kurz oder sogar nach dem Essen gespritzt bzw. über die Insulinpumpe abgegeben werden. Der „Spritz-Ess-Abstand“, den viele Diabetiker von Normalinsulin kennen, fällt damit weg. Auch Blutzuckerkorrekturen sind kurzfristig möglich. Allerdings lässt der Wirkeintritt heutiger Mahlzeiteninsuline wohl noch Luft nach oben, wie ein neues schnelles Insulin zeigt, das der Insulinhersteller Novo Nordisk demnächst auf den Markt bringen will. Es ist eine Weiterentwicklung von Insulin Aspart (Handelsname „Fiasp“). Zwei Hilfsstoffe machen das neue Insulin zum „Turbo-Insulin“: Vitamin B3 (Niacinamid) als Stabilisator und L-Arginin (eine natürlich vorkommende Aminosäure) als Beschleuniger.

Wie schnell wirkt ein Insulin?

Um dies zu erklären, ist ein Blick ins Chemiebuch notwendig: Die Moleküle des Insulins liegen zunächst als Hexamere (Hexa = sechs) vor. Nach dem Spritzen des Insulins zerfallen sie nach und nach in Monomere, also einzelne Moleküle. Dieser chemische Prozess lässt sich beschleunigen, indem Bausteine des Insulins verändert werden. Dies war der Ansatz bei der Entwicklung des Analoginsulins, das deutlich schneller wirkt als Normalinsulin. Beim neu entwickelten Mahlzeiteninsulin von Novo Nordisk sorgt L-Arginin nun als Beschleuiger dafür, dass die Moleküle des Insulin Aspart schneller zerfallen und so eine schnellere Insulinantwort nach dem Essen möglich wird.

Was bringt ein noch schnelleres Mahlzeiteninsulin?

„Fiasp“ wird bis zu zwei Minuten vor oder bis zu 20 Minuten nach Beginn der Mahlzeit gespritzt und kann auch über eine Insulinpumpe verabreicht werden. Das neue Mahlzeiteninsulin kann eine Verbesserung der Stoffwechseleinstellung bewirken, wie das Studienprogramm „onset“ bei Typ-1-und Typ-2-Diabetikern gezeigt hat. Bei den Studienteilnehmern zeigte sich ein geringerer Blutzuckeranstieg nach der Mahlzeit. Der Hba1c-Wert verbesserte sich, ohne dass die Anzahl der Unterzuckerungen zunahm.*

Das neue Mahlzeiteninsulin soll nach Angaben des Herstellers Novo Nordisk im ersten Halbjahr 2017 auf den Markt kommen.

* Russell-Jones D et al. Diabetes 2016;65(Suppl. 1):A77; Poster präsentiert auf dem 76. ADA, Juni 2016

* Bowering K et al. Diabetes 2016;65(Suppl. 1):A63; Poster präsentiert auf dem 76. ADA, Juni 2016