Mit sugarbeat Glukose messen
Bild: Nemaura Medical Inc

Neues Pflaster soll Glukose ohne Einstich messen

Können Diabetiker ihre Glukose bald über ein Pflaster messen – ganz ohne Einstich einer Nadel in die Haut? Das englische Unternehmen Nemaura Medical hat Mitte März 2016 mitgeteilt, dass es die CE-Kennzeichnung für ein solches Pflaster mit Namen sugarBEAT bekommen hat. Es wird einfach auf die Haut geklebt und „saugt“ die Glukose an.

Glukose kontinuierlich messen

Systeme zur kontinuierlichen Glukosemessung (CGM) gibt es bereits seit ca. 15 Jahren, und mit FreeStyle Libre von Abbott Diabetes Care ist kürzlich ein neues dazugekommen, das sich „Flash Glukose Monitoring“ nennt. Alle diese Systeme haben eines gemeinsam: Zur Messung bedarf es eines Sensors, dessen Kanüle im Fettgewebe liegt. Den „Pieks“ erspart man sich also nicht ganz, zumal CGM-Systeme auch regelmäßig eine Vergleichsmessung im Blut über herkömmliche Messsysteme brauchen. Das englische Unternehmen Nemaura Medical hat nun ein neues System vorgestellt, das komplett ohne „Pieks“ auskommt. Es heißt sugarBEAT und wird, laut Presseinformation von Nemaura vom 15. März 2016, im April 2016 die CE-Kennzeichnung und damit die Marktzulassung in Europa erhalten.

sugarBEAT misst Glucose über ein Pflaster

sugarbeat Syste zur Glukosemessung

Bild: Nemaura Medical Inc

Das System besteht aus drei Teilen:

1. einem zweischichtigen Patch (Pflaster) – im Bild rechts. Die untere Schicht klebt auf der Haut und wird täglich gewechselt. Mit jedem Wechsel wird eine Kalibration (Vergleichsmessung) über ein herkömmliches  Blutzucker-Messgerät notwendig. Die obere Schicht besteht aus einem wieder verwertbaren Sensor, der geschätzte zwei Jahre halten soll.

2. einem Lesegerät, das die Glukosewerte anzeigt.

3. einer App für das Smartphone bzw. die Smartwatch, welche die Daten auf Wunsch direkt an den Arzt senden kann.

Messung der Glucose über die Haut

Das Pad wird auf den Oberarm geklebt. Hier sendet es einen schwachen Strom in die Haut aus. Die Messung erfolgt transdermal, das heißt durch die Haut. sugarBeat bedient sich der „reversen Iontopherese“. Bei der Iontopherese werden Arzneimittel unter Verwendung eines schwachen elektrischen Gleichstroms unter die Haut gebracht. sugarBEAT geht den umgekehrten (Reverse) Weg. Hier werden die Glukosemoleküle mittels Iontopherese aus der Gewebsflüssigkeit (Interstitium) gelöst, steigen nach oben und werden vom Pad aufgenommen. Der Sensor im Pad rechnet die aufgenommen Moleküle mittels eines Algoritmus in einen Glukosewert um und sendet diesen Wert an das externe Gerät. Dieses wiederum übermittelt ihn via Bluetooth an die Smartphone App.

sugarBeat ab Ende 2016 in Europa erhältlich?

sugarBeat soll laut Aussage von Nemaura Medical kostengünstiger sein als ein CGM-System und Ende 2016 in den europäischen Markt eingeführt werden.

Neu ist dieses Messverfahren für Glukose übrigens nicht: Schon die  „GlucoWatch“ basierte seinerzeit auf der reversen Inotophorese. Sie wurde 2007 vom Markt genommen, weil die Akzeptanz durch die Patienten fehlte – als Nebenwirkung zeigten sich Hautreizungen und Rötungen. Man darf also gespannt sein, wie es mit sugarBEAT weitergeht.

Hier finden Sie die Pressemitteilung von Nemaura Medical in englischer Sprache.