Die Kosten des Diabetes mellitus (KoDiM)

Die Kosten des Diabetes mellitus (KoDiM)
Kostenexplosion durch Folgeerkrankungen

Die PMV-Forschungsgruppe der Universität zu Köln hat im Rahmen der KoDiM-Studie Daten einer Krankenkasse und einer Kassenärztlichen Vereinigung zur Kostenanalyse herangezogen.

Prof. Dr. med. Hans Hauner

In der Studie wurden für Deutschland die direkten und indirekten Kosten der Diabetiker und erstmalig auch des Diabetes mellitus selbst (Diabetes-Exzess-Kosten) analysiert. Die Datenbasis lieferte die Versichertenstichprobe AOK Hessen/KV Hessen, in die rund 350.000 durchgängig Versicherte eingeschlossen wurden. Das Besondere daran: „Die KoDiM-Daten geben erstmalig einen genaueren Aufschluss über die Kostenverteilung und erlauben damit eine Bewertung aktueller gesundheitspolitischer Ansätze sowie die Entwicklung nachhaltiger Strategien zur Verbesserung der Kostensituation im Gesundheitswesen“, erläuterte Ingrid Köster von der PMV-Forschungsgruppe bei der Präsentation der Untersuchungsergebnisse in Berlin.
Bestandsaufnahme und weitere Entwicklung
Diabetes mellitus trägt durch hohen Therapieaufwand, Arbeitsausfallzeiten und Frühberentungen maßgeblich zur Belastung des Gesundheitswesens sowie der Volkswirtschaft bei. Zurzeit geht man von rund sechs Millionen Bundesbürgern mit erkanntem Diabetes aus. Aufgrund der wachsenden Betroffenenzahl – die Deutsche Diabetes-Union geht von einer Steigerung von derzeit sechs auf zehn Millionen Patienten im Jahre 2010 aus – sowie der Abnahme des Manifestationsalters, ist mit einem weiteren Anstieg der Kosten zu rechnen. Laut KoDiM verursachten Diabetiker in Deutschland im Jahre 2001 insgesamt Kosten in Höhe von 59,8 Milliarden Euro. Davon entfielen 30,6 Milliarden Euro auf direkte Kosten im Bereich der Krankenversicherung (25,9 Milliarden Euro) und Pflegeversicherung (4,7 Milliarden Euro). Zudem wurde die Volkswirtschaft aufgrund von Krankschreibungen und Frühberentungen mit Kosten in Höhe von 29,2 Milliarden Euro belastet.
Die Diabetes-Exzess-Kosten – also die Kosten, die mit der Diabetes-Erkrankung selbst in Zusammenhang stehen – beliefen sich im Jahre 2001 auf insgesamt 22,3 Milliarden Euro. Davon entfielen 12,8 Milliarden Euro auf die Krankenversicherung, 1,8 Milliarden Euro auf die Pflegeversicherung und 7,7 Milliarden Euro auf indirekte Kosten durch Frühberentungen (6,6 Milliarden Euro) und Arbeitsausfallzeiten (1,1 Milliarden Euro). Bei einem erwarteten Anstieg auf zehn Millionen Diabetiker würden bereits im Jahre 2010 die jährlichen (direkten und indirekten) Diabetes-Exzess-Kosten auf über 37 Milliarden Euro ansteigen. „Dies kann nicht gänzlich ohne Auswirkungen auf die Krankenversicherungen und die Volkswirtschaft bleiben“, betonte der Direktor des Münchener Else Kröner-Fresenius-Zentrums, Prof. Dr. med. Hans Hauner. „Weiter steigende Lohnnebenkosten führen zudem zu negativen Folgen für den Arbeitsmarkt und die internationale Wettbewerbsfähigkeit von Deutschland.“

Strategien zur Kostenreduzierung
Für die Behandlung der Grunderkrankung Diabetes wird nur ein geringer Teil der Kosten aufgewandt, erläuterte Priv.-Doz. Dr. Liselotte von Ferber von der Universität Köln. „Etwa 80 Prozent der direkten Diabetes-Exzess-Kosten entstehen durch die mit Diabetes assoziierten Folgeerkrankungen. Dazu zählen einerseits die so genannten makrovaskulären Komplikationen wie zum Beispiel Herzinfarkt und Schlaganfall, sowie die mikrovaskulären Komplikationen wie Nieren- und Augenerkrankungen und das diabetische Fußsyndrom, die einen erheblich höheren Kosteneinfluss haben als bisher angenommen.“ Die Folgeerkrankungen des Diabetes tragen maßgeblich zur Belastung der Volkswirtschaft durch Krankschreibungen und Frühberentungen bei – was nicht sein müsste, denn, so Ferber: „Dieser Kostenblock könnte durch gute Behandlung der Grunderkrankung deutlich gesenkt werden.“
„Von der Logik her macht es keinen Sinn, die Daumenschrauben bei der Diabetesbehandlung anzusetzen, denn die direkten Kosten für die Krankenversorgung machen nur zwölf Prozent der Gesamtkosten aus“, meinte Hauner. Aber genau darüber werde immer diskutiert, anstatt das Problem im Kern anzugehen. Hauner sieht für Deutschland einen enormen gesundheitspolitischen Nachholbedarf und verwies auf die Präventionserfahrungen in einigen skandinavischen Ländern. Aufgrund des immer früheren Beginns der Erkrankung bedürfe es bereits im Schulalter einer intensiven Aufklärung über die Bedeutung einer ausgewogenen Ernährung und ausreichender Bewegung. Hauner erinnerte an das kürzlich gestartete Nationale Aktionsforum Diabetes mellitus.
Bei Patienten mit manifestem Diabetes mellitus gehe es primär darum, die Entstehung von teuren Folgeerkrankungen zu vermeiden. Diese entstehen durch eine schlechte Stoffwechseleinstellung. Eine stringente Therapie der Grunderkrankung kann die Blutzuckerwerte wieder in den Normalbereich zurückführen. Dies wird allerdings durch die zum Teil geringe Bereitschaft der Patienten zur aktiven Mitarbeit erschwert.
Daher gelte es, so Hauner, insbesondere die Compliance der Patienten, unter anderem durch edukative Maßnahmen, sowie die zielgerichtete Nutzung der verfügbaren medizinischen Interventionsmöglichkeiten zu verbessern.
,