Auswirkungen des neuen EBM 2000 plus

Auswirkungen des neuen EBM 2000 plus:

Aus für Diabetesversorgung in Nordbaden? Diabetologen in Nordbaden bekommen ihre Leistung seit der Einführung des neuen EBM 2000 plus am 1. April nicht mehr bezahlt.
Die neuen, durch die Kassenärztliche Vereinigung Baden-Württemberg festgelegten Fallpunktzahlen für Endokrinologen und Internisten ohne Schwerpunkt in Nordbaden sind so niedrig angesetzt, dass eine kostendeckende Versorgung von Diabetespatienten durch uns nicht mehr möglich ist“, kritisiert Prof. Dr. med. Dr. rer. nat. Klaus Kusterer vom Vorstand des Bundesverbandes niedergelassener Diabetologen (BVND) und selbst Endokrinologe in Mannheim.
Die KV Baden-Württemberg hat mit als erste KV Fallpunktzahlen eingeführt. Es ist zu befürchten, dass in anderen KVen ähnliche Begrenzungen die Versorgung von Patienten mit Diabetes mellitus erschweren. Der neue EBM hat gute Ansätze um die dauernde Ausweitung der Leistungsvolumina zu begrenzen. Voraussetzung sind ein stabiler Punktwert und ein vernünftiges Punktzahlgrenzvolumen. Soweit die Theorie. Die Praxis unter anderem der Grenzvolumenbestimmung wird durch die KVen gestaltet und diese sieht für die Diabetologen in Nordbaden verheerend aus. 422 Punkte (6.-59. Lebensjahr) als Endokrinologe beziehungsweise 1.107 Punkte als Internist ohne Schwerpunkt gibt es pro Patient und Quartal – „bei einem angenommenen Punktwert von vier Cent entspricht dies 16,88 beziehungsweise 44 Euro – kostendeckendes Arbeiten ist so nicht mehr möglich“, warnt Kusterer.
Rechnet ein Endokrinologe die Ordinationsziffer und den Endokrinologiekomplex nach dem neuen EBM ab, bekommt er dafür eigentlich circa 650 Punkte. Infolge des niedrigen Grenzvolumens kommt es aber zu einem Abzug von 150 Punkten. Beratungen und sonstige notwendige Diagnostik können zwar abgerechnet werden, werden durch die Begrenzung der Fallpunktzahl jedoch nicht bezahlt. Sondervereinbarungen außer dem DMP gibt es in Nordbaden nicht. Fachärztliche Internisten ohne Schwerpunkt bekommen für dieselbe Arbeit im selben Bezirk immerhin mehr als das Doppelte. Jedoch auch mit 1.107 Punkten wird er nicht kostendeckend eine Diabetesbehandlung wie Insulineinstellung und so weiter durchführen können. „Damit ist eine Behandlung von Patienten mit Diabetes mellitus in Nordbaden durch eine Schwerpunktpraxis nicht mehr möglich“, kritisiert der BVND-Vertreter.

Die Forderungen des BVND: Die maximale Fallpunktzahl in Nordbaden für Patienten mit Diabetes mellitus muss kurzfristig erhöht werden, zum Beispiel durch die Erhöhung der Fallpunktzahl. „Längerfristig muss es das eigentliche Ziel sein, die Diabetologie in den EBM aufzunehmen. Die Diabetologen in Nordbaden zu knebeln kann zu einer Versorgungskatastrophe für den Patienten führen“, analysiert Kusterer.
In Schleswig-Holstein sind die Richtgrößenwerte verhandelt worden. Wie Stephan A. Schreiber vom BVND Schleswig-Holstein in einer ersten Berechnung mitteilte, kommen zwar die Hausärzte gemittelt auf rund 4,1 Cent, aber: „Auch wenn“, so Schreiber, „dies für heutige Verhältnisse ordentlich und im Bundesdurchschnitt auch recht hoch ist – unterm Strich wird es jedoch weniger als mit dem neuen EBM.“ Die Fachärzte lägen mit dem Wert etwas höher, seien aber in ihrem Volumen beschnitten. Ausführliche Informationen dazu in der nächsten Ausgabe von DiabetesNews.

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