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Diabetes und Sexualität

Sexuelle Störungen treten bei Diabetespatienten im Vergleich zum Bevölkerungsdurchschnitt deutlich häufiger auf. Dafür gibt es mehrere Gründe. Neben einer Störung von Nervenfunktionen im Zusammenhang mit der Regulation der Durchblutung spielen auch seelische Probleme eine Rolle. Hinzukommen Nebwirkungen bestimmter Medikamente, wie z.B. blutdrucksenkende Mittel.

Sexuelle Störungen der Frau sind bisher weniger erforscht, als sexuelle Störungen des Mannes. Im Arztgespräch ergibt sich meist sehr bald, ob körperliche Ursachen oder seelische Ursachen im Vordergrund stehen und welche Untersuchungsmöglichkeiten bzw. Möglichkeiten der Behandlung es gibt. Diabetes und Partnerschaft stellt die Betroffenen immer wieder vor besondere Herausforderungen, dabei sollte das Thema Schwangerschaftsverhütung bzw. Planung einer Schwangerschaft mit dem Arzt rechtzeitig besprochen werden.

Die folgenden Ausführungen sollen Sie ermutigen, mit Ihrem Partner über das Thema Sexualität zu reden und bei weiterem Informationsbedarf über das was beide angeht mit dem Arzt Ihres Vertrauens (Hausarzt, Diabetologe, Gynäkologe, Urologe, Endokrinologe) zu sprechen.

Schwanger mit Typ-1-Diabetes

Idealerweise sollten Frauen mit Typ-1-Diabetes ihre Schwangerschaft planen, damit die Empfängnis bei normnaher Blutzuckereinstellung stattfinden kann, um das Risiko von Komplikationen möglichst niedrig zu halten. Zudem sollte die Schwangerschaft von einem Gynäkologen und Diabetologen interdisziplinär betreut werden. Dies schafft die besten Voraussetzungen, dass eine Typ-1-Diabetikerin ebenso ein gesundes Kind zur Welt bringen kann wie jede andere Frau auch.

Eine schlechte Stoffwechseleinstellung in der Frühschwangerschaft ist mit einem deutlich erhöhten Risiko von schweren Fehlbildungen des Kindes verbunden. Ein hoher HbA1c-Wert geht mit einer erhöhten Häufigkeit an Fehlgeburten einher. Man weiß, dass sich durch eine normnahe Blutzuckereinstellung vor der Empfängnis und in der Frühschwangerschaft die erhöhten Raten an Fehlbildungen und Fehlgeburten bei Diabetikerinnen fast vollständig vermeiden lassen. Deshalb müssen alle Frauen mit Diabetes, unabhängig von einer vorliegenden Schwangerschaft, über Schwangerschaft und Empfängnisverhütung informiert sein.

Während der gesamten Schwangerschaft ist eine möglichst normnahe Blutzuckereinstellung nötig, um die postpartale Morbidität  der Neugeborenen (Kranke Kinder z.B. mit Unterzuckerungen, zu große unreife Kinder, Kinder mit Lungenunreife) möglichst gering zu halten, dabei sind vereinzelte BZ-Werte bis 200 mg/dl bei sonst guter Stoffwechseleinstellung ohne Bedeutung.

Besondere Vorsicht ist bei Schwangeren mit systemischen Gefäßerkrankungen geboten. Hier ist das Geburtsgewicht signifikant niedriger gegenüber Diabetikerinnen ohne Gefäßerkrankung. Ein Glukosemangel im Rahmen einer Placentainsuffizienz wegen herabgesetzter Durchblutung der Gebärmutter kann für einen Insulinmangel des Kindes und einer pränatalen Dystrophie (Minderwachstum) verantwortlich sein.

Zielwerte und Behandlung

Als Zielwerte gelten Nüchtern-Blutzucker unter 90 mg/dl und 2 Stunden nach den Hauptmahlzeiten unter 130 mg/dl, der HbA1c-Wert sollte deutlich unter 6,0% liegen.

Bei Insulin-behandelten Diabetikerinnen ist dieses Ziel durch eine  intensivierte Insulintherapie oder eine Insulinpumpentherapie erreichbar.

Die Betreuung und Beratung muß deshalb vor der Empfängnis und während der gesamten Schwangerschaft in einer diabetologischen Schwerpunktpraxis oder Schwerpunktambulanz mit Erfahrung auf diesem Gebiet erfolgen. Nach Feststellung einer Schwangerschaft sollten über die ganze Schwangerschaft zwei- bis vierwöchentliche ambulante Kontrollen einschließlich HbA1c, Urin- und Blutdruckkontrolle erfolgen, sowie in jedem Drittel der Schwangerschaft eine Kontrolle des Augenhintergrundes. Die Zusammenarbeit des Diabetologen mit einem geburtshilflichen Zentrum ist unverzichtbar Die Entbindung sollte bei den geringsten Komplikationen in einem Perinatalzentrum der Maximalversorgung mit angeschlossener Kinderklinik und räumlich angeschlossener Kinder-intensivmedizinischer Versorgung geschehen.

Die Insulintherapie wird als intensivierte Therapie oder Pumpentherapie durchgeführt nach den bekannten Prinzipien (siehe ICT). Die Blutzucker-Selbstkontrolle sollte jedoch häufiger erfolgen, nämlich vor jeder Mahlzeit, 1 ½ – 2 Stunden nach jeder Mahlzeit und abends vor dem Schlafengehen also mindestens 7-8 Mal täglich. Bei instabilem Verlauf muss auch bei manchen Patientinnen 1-2x/Woche nachts gegen 2 Uhr kontrolliert werden.

Schwangerschaftsverlauf

In der ersten Hälfte der Schwangerschaft sind die Blutzuckerwerte eher schwankend, Unterzuckerungen häufiger und der normale Blutzucker schwieriger zu erreichen als in der zweiten Hälfte. In der zweiten Hälfte der Schwangerschaft ist der Blutzucker in der Regel wesentlich stabiler als in der Nicht-Schwangerschaft und leichter einstellbar. Im ersten Drittel der Schwangerschaft ist der Insulinbedarf eher niedriger und nimmt erst wieder ab der 16. Schwangerschaftswoche zu, um dann bis zur 36. Schwangerschaftswoche anzusteigen. Im Laufe der Schwangerschaft steigt der Insulinbedarf um ca. 50 – 100% an.

Unterzuckerungen

Unterzuckerungen (Hypoglykämien) der Mutter sind nach derzeitiger Erkenntnis selbst bei schweren Hypoglycämien, die mit Bewußtseinsstörungen der Mutter einhergehen, für das Kind nicht gefährlich, wohingegen jeder erhöhte Zucker (Hyperglykämie), insbesondere jede ketonische Entgleisung, für die Gesundheit des Kindes von Nachteil sind. Durch die strengere Blutzuckereinstellung ist die Hypoglycämie-Wahrnehmungsschwelle bei Diabetikerinnen häufig niedriger, so dass Hypoglycämien zum Teil erst bei Blutzuckerwerten zwischen 30 und 40 mg/dl wahrgenommen werden. Manche Patientinnen entwickeln während der Schwangerschaft eine vollständige Wahrnehmungsstörung von Hypoglycämien, die sich nach Beendigung der Schwangerschaft jedoch wieder normalisiert.

Entbindung

Während der Entbindungsphase sinkt der Insulinbedarf deutlich ab, um dann ca. 3 Wochen nach Entbindung wieder den üblichen Ausgangswert vor der Schwangerschaft zu erreichen. Eine unter Umständen drastische Dosisreduktion des Insulins nach Entbindung muss durchgeführt werden, um häufige Unterzuckerungen zu vermeiden, teilweise ist in den ersten Tagen nach Entbindung überhaupt kein Insulin nötig.
Bei gut eingestellten Diabetikerinnen ohne zusätzliche Risiken ist in der Regel eine Spontanentbindung möglich. Ist das Kind jedoch zu groß oder ist zuviel Fruchtwasser vorhanden, ist eine vorzeitige Geburtseinleitung sinnvoll.

Stillzeit

Stillen hat einen blutzuckersenkenden Effekt für die Mutter, so dass in diesem Fall die Insulindosis abgestimmt werden muss. Es hat eine Wirkung ähnlich der körperlichen Aktivität.

Blutzucker-Selbstkontrolle

Diabetes mellitus ist eine Stoffwechselerkrankung, deren Ursache ein Defekt in der Blutzuckerregulation ist. Daraus resultieren hohe Blutzuckerwerte, die für die Entstehung der akuten und chronischen Komplikationen verantwortlich sind. Leider kann der Mensch die Höhe des Blutzuckerwertes nicht wahrnehmen. Erst bei sehr niedrigen oder sehr hohen Werten treten Symptome auf.

Aus diesem Grunde ist die Stoffwechselkontrolle ein wesentlicher Baustein der Diabetestherapie.

Wie funktionieren Blutzuckermessgeräte?

Blutzuckermessgeräte nutzen heute elektrochemische Verfahren wie die Ampero- oder Coulometrie. Sie funktionieren nach folgendem Prinzip: Wird der Blutstropfen auf den Teststreifen aufgebracht, gelangt er in ein Reaktionsfeld. Dort befindet sich ein Enzym, das mit Glukose reagiert. Bei dieser Reaktion werden negativ geladene Teilchen freigesetzt, sogenannte Elektronen. Das Reaktionsfeld ist mit einer Elektrode verbunden, an der die Elektronen nun einen schwachen Stromfluss erzeugen. Bei der Amperometrie ermittelt das Blutzucker-Messgerät die Stromstärke und errechnet aus diesen Daten den Glukosegehalt im Blut. Je mehr Glukose im Blut ist, desto höher der Stromfluss und damit die Blutzuckerwerte.

Wer sollte Blutzucker messen?

Auf Grund der Ergebnisse von wissenschaftlichen Studien wird die Blutzuckermessung empfohlen bei Menschen mit Diabetes, die Medikamente einnehmen, welche zu Unterzuckerungen führen können und deren Dosierung an den aktuellen Blutzuckerwert angepasst werden muss. Dies gilt beispielsweise für Typ 1 Diabetiker die Mahlzeiteninsulin spritzen. Sie testen den Blutzucker vor dem Essen und passen die Insulindosis an den aktuellen Blutzuckerwert und die Kohlenhydratportion an.

Bei Typ 2 Diabetikern die mit blutzuckersenkenden Medikamenten wie Sulfonylharnstoffen oder Gliniden behandelt werden, kann in der Einstellungsphase eine Blutzuckermessung erforderlich sein. Ist die Einstellung dann stabil, werden Messungen nur in Ausnahmesituationen wie Krankheit, langen Autofahrten, Ernährungsumstellung oder sportlicher Aktivität empfohlen. Patienten mit Typ 2 Diabetes, die diätetisch eingestellt sind oder Medikamente wie Metformin, Gliptine oder SGLT 2 Hemmer, brauchen keine Messungen durchzuführen, da hier keine Unterzuckerungen auftreten können.
Das Thema Blutzuckerselbstkontrolle wird in Deutschland immer wieder diskutiert, weil die Teststreifen nach wie vor teuer sind und bei den Krankenkassen hohe Ausgaben verursachen. Eine Messung kostet ca. 50 Cent. Der für die Richtlinien von Medikamentenverordnungen zuständige gemeinsame Bundesausschuss hat im März 2011 beschlossen, dass bei nicht insulinpflichtigen Patienten mit Diabetes mellitus Typ 2 die Kosten nur noch in Ausnahmefällen und auch nur eingeschränkt übernommen werden. Demnach sollen nur bei instabiler Stoffwechsellage, bei Ersteinstellung oder bei Therapieumstellung mit hohem Hypoglykämierisiko pro Behandlungssituation maximal 50 Teststreifen pro Quartal verordnungsfähig bleiben.

Die Blutprobe: Kapillär, venös, Plasma?

Blut ist eine Flüssigkeit in der verschiedene Bestandteile vermischt sind. Die reine Flüssigkeit nennt man Plasma. Das Plasma besteht zu 90% aus Wasser, aus Proteinen, Salzen und Nährstoffen. Die Blutkörperchen (korpuskulärer Anteil des Blutes) haben einen Anteil von ca. 40-45% am Blutvolumen. Es handelt sich dabei um rote Blutkörperchen (Erythrozyten), weiße Blutkörperchen (Leukozyten) und Blutplättchen (Thrombozyten). Die Glukose wird im Plasma transportiert. Da die Messung aber meist mit Vollblut durchgeführt wird, wird das Blut „verdünnt“, d.h. der Blutzuckerwert ist niedriger, als er bei einer Messung aus dem Plasma wäre. Dieser Effekt beträgt ca. 11%. Modere Messgeräte sind plasmakalibriert, d.h. bei einer Messung aus Vollblut wird der Wert umgerechnet.

Mögliche Fehlerquellen beim Blutzuckermessen

Fehlmessungen bei der Blutzuckerselbstkontrolle werden meistens durch den Anwender selbst verursacht. Fehlerquellen sind Teststreifen, die nicht zum Gerät passen, eine falsche Kalibration des Gerätes, schmutzige Messgeräte, unsachgemäße Lagerung der Teststreifen und mangelnde Händehygiene. Patienten, die öfter messen und motiviert sind, erhalten bessere Ergebnisse als die, die seltener messen.
Um die Zuverlässigkeit der Blutzuckermessung zu verbessern, sollte das Messgerät immer in die Sprechstunde mitgebracht werden. Die Handhabung des Messgeräts kann hier überprüft, das Gerät selbst durch Referenzmessungen getestet werden. Zusätzlich empfiehlt es sich, das Messgerät elektronisch auszulesen. Oft finden sich Diskrepanzen zum Blutzuckertagebuch.

Messungen an alternativen Körperstellen

Üblicherweise wird die Blutprobe bei der Messung aus der Fingerbeere entnommen. Man spricht hier von mischkapillärem Blut, weil in den feinen Blutgefäßen ein Übergang von arteriellem in venöses Blut stattfindet. Seit 1998 sind Blutzuckermessgeräte auch für die Messung an anderen Körperstellen zugelassen. Dies wurde möglich, weil die erforderlichen Blutmengen sehr klein geworden sind. Manche Diabetiker greifen auf alternative Messstellen zurück, weil die Fingerbeeren schon vernarbt oder sehr schmerzempfindlich sind. Allerdings gibt es hier einige wichtige Regeln zu berücksichtigen. Bei stabiler Stoffwechsellage unterscheiden sich die Messergebnisse nicht. Bei raschen Veränderungen hinken die Werte der alternativen Messstellen allerdings hinterher, weil die besser durchblutete Fingerbeere die Veränderung schneller wiedergibt. Eine Messung bei einer fraglichen Unterzuckerung sollte also immer am Finger erfolgen. Das empfiehlt sich auch bei Messungen nach der Mahlzeit, weil die Werte hier rasch ansteigen können.

Dokumentation der Blutzuckerwerte

Die Voraussetzung für die Verordnung von Teststreifen auf Kosten der Krankenkasse, ist eine konsequente Dokumentation der Blutzuckerwerte. Dies war bisher nur mit Blutzuckertagebüchern möglich. Neben den Blutzuckerwerten müssen bei der intensivierten Insulintherapie (ICT) die KH-Einheiten und die Insulindosis aufgeschrieben werden. Nur die konsequente Dokumentation ermöglicht dem Patienten und dem Arzt eine Überwachung und Korrektur der Insulintherapie. Auch von Seiten der Krankenkassen können Tagebücher angefordert werden, wenn es um die Verordnung von Insulinpumpen und CGMS Geräten geht. Gerichte können Tagebücher auch anfordern, wenn es um die Frage geht, ob Unterzuckerungen öfter auftreten und damit die Verkehrstauglichkeit gefährdet ist.
Durch die Verwendung von elektronischen Helfern wie Messgeräten mit Speichern, KE-Rechnern, CGMS Geräten und Insulinpumpen können Blutzuckerwerte, Kohlenhydrate und Insulindosen auch im Computer eingelesen werden. Softwareprogramme bieten auch Hilfen bei der Analyse. Viele Schwerpunktpraxen lesen die Geräte routinemäßig ein. Voraussetzung ist natürlich, dass das Gerät nicht zu Hause vergessen wurde.

Blutzucker-Selbskontrolle bei Typ-1-Diabetes:

Die Ergebnisse der DCCT Studie und ihre follow up Studie haben gezeigt, dass eine intensivierte Insulintherapie die beste Behandlung darstellt, um mikro- und makrovaskuläre Folgeerkrankungen zu verhindern. Die Blutzuckerselbstkontrolle ist integraler Bestandteil der intensivierten Insulintherapie. Selbstkontrolle erlaubt die Anpassung von Dosis und zeitliche Ausrichtung der Insulingabe und der Kohlenhydratportion bei den Mahlzeiten. Gleichzeitig erlaubt die Blutzuckermessung rechtzeitiges Eingreifen bei sinkenden Blutzuckerwerten um Unterzuckerungen zu vermeiden.

Die Amerikanische Diabetesgesellschaft empfiehlt bei Typ 1 Diabetikern Messungen vor jeder Mahlzeit oder Zwischenmahlzeit, vor dem Schlafengehen, gelegentlich nach den Mahlzeiten und bei kritischen Situationen wie dem Autofahren. Üblicherweise sind mindestens 4 Messungen pro Tag erforderlich. Bei sportlich aktiven Menschen oder Ausnahmesituationen wie Schwangerschaft, Krankheit, Hypoglykämiewahrnehmungsstörungen u.a. werden weitere Messungen erforderlich. Sollen mehr als 500 Teststreifen pro Quartal verordnet werden, d.h. mehr als 6,5 Messungen pro Tag, muss der verordnende Arzt im deutschen Gesundheitswesen eine plausible Begründung gegenüber den Krankenkassen angeben. Trotzdem ist die konsequente Blutzuckerkontrolle für Typ 1 Diabetiker die Voraussetzung dafür, den HbA1c Wert in den Zielbereich zu bekommen.

 Blutzucker-Selbskontrolle bei Typ-2-Diabetes:

Die Effektivität von Blutzuckerselbstkontrollen zur Verbesserung der Blutzuckereinstellung bei Patienten mit Typ 2 Diabetes ist nicht eindeutig bewiesen. Mehrere wissenschaftliche Studien haben die Blutzuckerselbstkontrolle bewertet. Einige zeigten einen positiven Effekt auf die Einstellung, andere nicht. Auch Metaanalysen erbrachten keine eindeutige Erkenntnis. Einige zeigten keinen Vorteil, andere zeigten eine leichte Verbesserung des HbA1c Wertes um 0,2 – 0,3 Prozent. Am besten profitieren Patienten von der Blutzuckerselbstkontrolle, wenn sie zusätzlich geschult werden. Dann reduziert sich der HbA1c Wert um 0,5 Prozent.
Es gibt also keinen wissenschaftlichen Beweis, dass die Messungen beim Typ 2 Diabetiker die Lebensqualität verbessern oder Folgeerkrankungen vermindern. Es mag durchaus Typ 2 Diabetiker geben, die in Bezug auf die Vermeidung von Diätfehlern und die Verbesserung der Therapie von der Selbstmessung profitieren. Andererseits sind Teststreifen sehr teuer und in einer Studie aus Großbritannien konnte nachgewiesen werden, dass Blutzuckerselbstkontrollen ohne ausreichende Schulung nicht kosteneffizient sind.

In Deutschland sollen sich Ärzte bezüglich der Verordnung von Teststreifen an der Nationalen Versorgungsleitlinie Typ 2 – Diabetes orientieren. Bei der Frage der Indikationsstellung der Blutzuckermessung gelten folgende Indikationen. Gemessen werden soll

  • nur bei neu diagnostiziertem Diabetes, in Einstell- und Umstellphasen,
  • bei labiler Stoffwechselsituation mit häufigen Unterzuckerungen (dann vor allen Mahlzeiten bis zur Erreichung des gewählten Therapiezieles, danach Rückkehr zu Gelegenheitsmessungen),
  • bei Therapieeskalation vorübergehend nach Rückgang von einer Insulintherapie auf eine Behandlung mit oralen Antidiabetika,
  • bei zusätzlichen Erkrankungen oder Interventionen, z.B. schweren Infektionen, geplante Operationen, psychischen Erkrankungen mit unzuverlässiger Therapie,
  • wenn bei Sport/Bewegung unter plasmaglukosesenkenden Substanzen, die mit Hypoglykämien assoziiert sein können entsprechende Symptome auftreten.
  • bei krankheitsbedingten akuten Änderungen der Ernährung (z.B. Durchfall/Erbrechen)
  • therapiebedingt bei oralen Antidiabetika (OAD) mit Hypoglykämiegefahr (Sulfonylharnstoffe, Glinide), Insulintherapie und Notwendigkeit von Selbstanpassung der Insulindosis, intensivierte konventionelle Insulintherapie (vor allen Mahlzeiten, gelegentlich nachts), Insulinpumpentherapie (vor allen Mahlzeiten, gelegentlich nachts), Situationen mit besonderer Gefahren.

Geschichte der Blutzucker-Selbstkontrolle

Vor Einführung der Blutzuckermessung war die Urinzuckermessung die einzige Möglichkeit, Diabetes zu erkennen. Schon im 18. Jahrhundert wurden erste Messmethoden entwickelt. Es handelte sich dabei um chemische Messmethoden, bei denen der Urin mit Chemikalien versetzt wurde. Diese Methoden wurden verfeinert und vereinfacht und waren bis zur Entwicklung eines Teststreifens im Jahre 1950 die Standardmethode, um Diabetes feststellen zu können. Mit Einführung der Teststeifen konnte zumindest eingeschränkt die Diabetestherapie mitbegleitet werden. War kein Zucker im Urin, so war die Einstellung einigermaßen gut. Eine Ausscheidung von Zucker in den Urin findet erst statt, wenn der Blutzuckerwert über 180mg/dl (10 mmol/l) ansteigt.
Die Blutzuckermessung hat ihre Anfänge ungefähr im Jahre 1900, als mit Hilfe von Kolorimetern aus einem Viertelliter Blut mit Hilfe chemischer Reagenzien der Blutzuckerwert bestimmt werden konnte. Diese optischen Geräte wurden im Laufe der Jahre ständig weiterentwickelt, blieben aber auf Grund des komplizierten Vorgangs der Mischung mit Chemikalien, Erhitzung etc. für eine Kontrolle im Alltag ungeeignet. Das änderte sich, als im Jahre 1964 der erste Teststreifen auf den Markt kam. Mit Ablesegeräten konnte durch die neue Technologie innerhalb weniger Minuten und mit einem sehr großen Blutstropfen der Blutzucker bestimmt werden. Heute sind eine Vielzahl von Messgeräten am Markt, die mit sehr kleinen Blutmengen innerhalb weniger Sekunden zuverlässige Werte liefern.

Stammzellen-Therapie als Option

Zum Stand der Forschung: Klinischer Einsatz autologer, adulter Stammzellen bei Diabetes mellitus

Adulte Stammzellen sind ethisch unbedenklich und überwinden bei autologer Anwendung das Problem der allogenen Abstoßung. Im Gegensatz zu embryonalen Stammzellen, die aufgrund ihrer Tumorigenität sowie ihrer ethischen und gesetzlichen Limitationen noch nicht fur den Einsatz am Menschen zur Verfügung stehen, weisen erste klinische Studien mit adulten Knochenmarkszellen bei Diabetes-Patienten bereits Erfolge vor. Weiterlesen

Störungen der Sexualfunktion beim Mann

Bei körperlich gesunden Männern besteht bei ca. 30% eine Störung der Sexualfunktion. Bei Männern mit Typ 2 Diabetes sind über 50% betroffen. Die Störung der Sexualfunktion bei Männern ist meist bedingt durch eine Erektionsstörung oder „Erektile Dysfunktion“. Eine Erektionsstörung bzw. „erektilen Dysfunktion“ bedeutet, dass der Penis nicht hart genug wird oder er erschlafft schnell wieder, sodass weder der Verkehr mit dem Partner, noch eine Selbstbefriedigung möglich ist. Es handelt sich dabei um die dritthäufigste Komplikation bei Diabetes und wird häufig als starke Beeinträchtigung der Lebensqualität empfunden.

Ursachen für Störungen der Sexualfunktion beim Mann

Ein komplexes Zusammenspiel zwischen Hirn, Nervenfasern und Blutgefäßen sorgt dafür, dass eine Erektion entsteht. Manchmal sind diese Funktionsbereiche gemeinsam betroffen, häufig aber auch nur ein Teilbereich. Allein psychische und Partnerschaftskonflikte oder auch Versagensängste können dazu führen, dass es im Bett schwierig wird, obwohl dem Geschlechtsverkehr aus körperlicher Sicht nichts entgegensteht. Hier kann ein therapeutisches Gespräch mit dem Arzt oder einem Psychologen helfen, um die Angst zu nehmen und das Selbstbewusstsein zu stärken. Andererseits können hohe Blutzuckerwerte die Nerven und die Gefäße schädigen. Daher ist es wichtig, dass Sie regelmäßig Ihre Blutzuckerwerte kontrollieren und auf eine gute Einstellung Ihrer Blutzuckerwerte achten. Wenn die Blutzuckerwerte nur wenige Monate erhöht sind, kann sich auch eine Erektionsstörung durch eine längerfristige Normalisierung der Blutzuckerwerte wieder bessern. Wenn jedoch die Blutzuckerwerte längerfristig erhöht sind, werden Nerven und Blutgefäße im Penis dauerhaft geschädigt, mit der Folge bleibender Erektionsstörungen. Weitere Risikofaktoren wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen, erhöhte Blutfettwerte (Cholesterin) oder Rauchen schädigen die Blutgefäße zusätzlich und erhöhen die Wahrscheinlichkeit für Erektionsprobleme.

Eine Erektion ist gar nicht so einfach

Damit „Er“ erregt ist, muss in der Psyche und im Körper einiges passieren. Die Erregung beginnt immer im Kopf, nämlich mit der Wahrnehmung eines erotischen Reizes. Solche Reize sind ganz individuell – manche Männer reagieren besonders auf einen attraktiven Anblick, andere auf eine Berührung, Geräusche, Musik oder eine Fantasie.

Der weite Weg über Nervenbahnen und Blutgefäße

Über Nervenimpulse wird die Erregung vom Gehirn über untergeordnete Leitzentren des Rückenmarks zum Penis geleitet. Hier erweitern sich die Blutgefäße und die Schwellkörper des Penis. Die Schwellkörper ähneln einem Schwamm. Sie können also in kurzer Zeit viel Flüssigkeit aufnehmen. Steigt der Blutfluss weiter an, nimmt der Druck in den Schwellkörpern zu. Die bindegewebige Hülle, die die Schwellkörper umgibt, ist nur begrenzt dehnungsfähig. Dadurch werden die Venen, durch die das Blut aus dem Schwellkörper abfließt, zwischen dem Schwellkörper und der Hülle zusammengedrückt und das Blut kann schlechter abfließen. Das bedeutet: Es fließt mehr Blut in den Penis hinein, als wieder herausfließt. Dadurch schwillt der Penis an und richtet sich auf. Es kommt zur Erektion. Der Erektionsvorgang ist also ein Wechselspiel zwischen Erweiterung und Verengung von Blutgefäßen und Schwellkörpern bzw. ein Wechselspiel zwischen Bluteinstrom und Blutabfluss, der vom Nervensystem gesteuert wird. Der Erektionsvorgang kann daher an mehreren Stellen gestört sein.

Auch Medikamente können die Erektion beeinträchtigen

In vielen Fällen wirkt sich auch die Einnahme von Medikamenten negativ auf die Erektionsfähigkeit aus, z. B. Bluthochdruckmedikamente,  Antidepressiva oder Cimetidin. Manchmal gibt es entsprechende Medikamente, bei denen diese Nebenwirkungen eine geringere Rolle spielen. Setzen Sie Ihre Medikamente jedoch auf keinen Fall eigenmächtig ab – Ihr Arzt hatte einen guten Grund, sie Ihnen zu verschreiben.

 Wenn das Testosteron aus dem Gleichgewicht gerät

Auch der Hormonspiegel spielt eine entscheidende Rolle für eine erfüllte Sexualität. Viele Männer mit Diabetes produzieren weniger Testosteron, das wichtigste männliche Geschlechtshormon, dies kann ein Grund für Erektionsprobleme sein. Der Testosteronmangel und die damit einhergehenden Probleme können meist mit einer Hormontherapie behoben werden diese Therapiemöglichkeit sollten Sie mit dem Arzt Ihres Vertrauens besprechen.

Behandlungsmöglichkeiten von Sexualstörungen beim Mann

Tabletten zum Einnehmen:

In Deutschland sind derzeit mehrere Präparate mit unterschiedlichem Preis zu erhalten. Es handelt sich um Sildenafil bzw. Viagra,  Cialis (Talafil) und Levitra (Vardenafil). Am preisgünstigsten ist Sildenafil. Der Wirkungseintritt und die Wirkdauer der Präparate sind unterschiedlich. So ist die Zeitspanne bis zum Wirkungseintritt nach der Einnahme von Levitra 25 bis 60 Minuten, nach Einnahme von Cialis ca. 30 Minuten, nach Einnahme von Sildenafil bzw. Viagra ca. 60 Minuten. Sildenafil bzw. Viagra und Levitra wirken ca. 4-6 Stunden, die Wirkdauer von Cialis beträgt ca. 24 Sunden. Die Präparate sind rezeptpflichtig, und werden in der Regel nicht von der Kasse übernommen. Mit der erwünschten Wirkung darf in ca. 50% gerechnet werden. Als Nebenwirkung kann es zu Kopfschmerzen, Hitzegefühl und Sodbrennen kommen. Bestimmte Patienten dürfen diese Präparate nicht anwenden. Kontraindiziert sind sie z.B. Patienten mit Angina pectoris bzw. fortschreitender koronarer Herzkrankheit. Auch darf das Präparat nicht zusammen eingenommen werden mit Nitropräparaten, wie Nitrolingual-Spray, Isosorbiddninitrat (ISDN), Isosorbidmonotinitrat (ISMN) oder Molsidomin. Wir empfehlen Ihnen deshalb mit Ihrem Arzt darüber sprechen. Neben diesen Medikamenten gibt es einen riesigen Versandmarkt im Internet mit unzähligen Präparaten, die potenzsteigernd wirken sollen. Diese Präparate helfen meist mehr der finanziellen Potenz des Herstellers und der Händler und weniger denjenigen die Hilfe suchen.

Weitere Therapiemöglichkeiten bei Sexualstörungen

Vakuumpumpen und Penisring:

Die Vakuumpumpe ermöglicht ohne chemische Mittel eine Erektion. Um den Penis herum wird ein Unterdruck erzeugt. Dadurch weiten sich die Schwellkörper des Penis, mit der Folge, dass das Blut in die Schwellkörper des Penis strömt. Die Schwellkörper weiten sich und es kommt zu einer Erektion. Wirkungswahrscheinlichkeit 60-80% . Nebenwirkungen werden relativ selten beschrieben: Kleine Hautunterblutungen, lokale Schmerzen. Die Nutzung einer Vakuumpumpe sollte insbesondere dann auch in Erwägung gezogen werden, wenn Medikamente nicht gewünscht oder nicht vertragen werden.

Näheres zur Funktion der Vakuumpumpe
Der Penis wird in einen durchsichtigen Kunststoffzylinder geschoben, wo mit Hilfe eines eingebauten kleinen Motors über einen Unterdruck Blut in die Schwellkörper des Penis gesogen wird. Meist ist nach ca. 30 Sekunden der gewünschte Versteifungsgrad erreicht. Der Ansaugvorgang mit der Vakuumpumpe wird als nicht schmerzhaft angegeben. Direkt nach Entfernen der Pumpe wird ein Gummiring über die Peniswurzel gestreift, um zu verhindern, dass das Blut wieder zurückfließt. Einzelne Patienten berichten darüber, dass allein die Nutzung eines Gummirings, käuflich als „Penisring“, ohne Vakuumpumpe helfen kann. Nach dem Geschlechtsverkehr wird der Penisring entfernt, und der Penis kann wieder erschlaffen. Die Stauung sollte nicht länger als ½ Stunde erhalten bleiben. Die Anwendung der Vakuumpumpe ist sehr einfach und schnell zu erlernen.

SKAT (Schwell-Körper-Autoinjektions-Therapie):

Bei der SKAT spritzt man sich vor dem Geschlechtsverkehr ein erektionsauslösendes Medikament direkt in die Schwellkörper des Penis. Da die verwendeten Nadeln sehr dünn sind, ist diese Injektion nahezu schmerzfrei. Die Erektion sollte nicht länger als eine Stunde anhalten. Deshalb muss die Dosis individuell unter ärztlicher Aufsicht angepasst werden. Während der Anwendung sollte kein Alkohol getrunken werden. Wirkungs-Wahrscheinlichkeit 50-70%. Die Kontraindikationen sind ähnlich wie bei den oben genannten Tabletten (Sildenafil u.a.): Angina pectoris bzw. fortschreitende koronare Herzkrankheit, gleichzeitige Einnahme bestimmter Medikamenten gegen Angina pectoris (Nitrolingual-Spray, Isosorbiddninitrat (ISDN), Isosorbidmonotinitrat (ISMN) oder Molsidomin). Mögliche Nebenwirkungen sind: Kopfschmerzen, Schwindelgefühl, Gesichtsrötung, Schwellung der Nasenschleimhaut, Verdauungsstörungen und Störungen des Farbsehens. Bei zu hoher Dosis kann es zu einer schmerzhaften Dauererektion kommen. In diesem Fall muss umgehend ein Arzt, möglichst Urologe, aufgesucht werden, damit er ein Gegenmittel in den Schwellkörper einbringt. Die Nutzung von SKAT sollte deshalb unbedingt in Absprache mit dem Arzt erfolgen.

Das Medikament, welches gespritzt wird, enthält in erhöhter Konzentration Alprostadil. Diese Substanz wird synthetisch hergestellt und entspricht dem Prostaglandin E1. Es handelt sich dabei um eine Substanz, welche in niedriger Konzentration natürlich im Körper vorkommt. Die Injektion führt dazu, dass die Muskelzellen der Penisarterien erschlaffen und sich die Blutgefäße erweitern können, mit der Folge, dass Blut in die Schwellkörper strömt und eine Erektion zustande kommt.

„MUSE“ (Medikamentöses Urethralen System zur Erektion):

Bei der MUSE wird, wie bei SKAT die Substanz Alprostadil verwendet. Im Gegensatz zu SKAT erfolgen keine Injektionen, sondern Alprostadil wird mit einem feinen Stäbchen in die Harnröhre vorgeschoben. Dort wird es über die Schleimhaut aufgenommen und wirkt nach fünf bis zehn Minuten. Die gewünschte Erektion ist jedoch weniger sicher als bei SKAT.

Die möglichen Nebenwirkungen sind ähnlich wie bei der SKAT. Die Kontraindikationen sind dieselben. Wie bei SKAT kann es zu einer schmerzhaften anhaltenden Erektion kommen, bei der unverzüglich der Arzt aufgesucht werden sollte. Wenn Reste von Alprostadil von der Frau aufgenommen werden kann es zu einer Wehentätigkeit kommen. Deshalb sollte bei der Verwendung von MUSE beim Geschlechtsverkehr ein Kondom benutzt werden. SKAT und MUSE dürfen nicht angewendet werden, wenn ein Penisimplantat vorhanden ist.

Penisimplantate:

Wenn sämtliche oben aufgeführte Therapiemöglichkeiten erfolglos sind, kann ein chirurgischer Eingriff mit Einbringung eines Penisimplantats erwogen werden. Meist handelt es sich dabei um hydraulische, d.h. aufpumpbare Systeme. Sie bestehen aus einem Flüssigkeitsreservoir im Bauchraum, einem Pumpmechanismus und zwei in den Penis eingesetzten Schwellkörpern. Die Einlage des Penisimplantats erfolgt über einen Schnitt unterhalb des Penis und hinterlässt deshalb meist keine sichtbare Narbe. Wenn eine Erektion gewünscht wird, so erfolgt über den Pumpmechanismus die Füllung der Schwellkörper mithilfe einer Flüssigkeit. Durch Betätigung eines Ventils kann die Erektion wieder zum Abklingen gebracht werden.

 

 

Störungen der Sexualfunktion bei Frauen mit Diabetes

Entsprechend Angaben der wissenschaftlichen Literatur sind die Störungen der Sexualfunktion bei körperlich gesunden Frauen höher als bei körperlich gesunden Männern, sie liegen zwischen 25-60%. Bei Frauen mit Typ 2 Diabetes liegt die Häufigkeit bei ca. 40%, bei Frauen mit Typ 1 Diabetes bei ca. 70%.

Ursachen für Störungen der Sexualfunktion bei Frauen

Zunächst sollten, wie bei Störungen der Sexualfunktion des Mannes, psychische und Partnerschaftskonflikte ausgeschlossen werden. Die häufige organische Ursache ist der Mangel an Scheidenflüssigkeit (Lubrikationsstörung). Lubrikation bedeutet Feuchtwerden der Scheide, der Geschlechtsverkehr wird deshalb schmerzhaft. Im medizinischen Sprachgebrauch spricht man von „ Dyspareunie“. Bei mangelndem Feuchtwerden der Geschlechtsorgane kommt es beim Verkehr zu brennenden oder krampfartigen  Schmerzen im Genitalbereich, ein Orgasmus bleibt dabei meist aus. Neben Diabetes kann auch ein Östrogenmangel in den Wechseljahren zu einer reduzierten Bildung von Scheidenflüssigkeit führen. Bei Mangel an Scheidenflüssigkeit können Gleitgele hilfreich sein. In den Wechseljahren werden hormonhaltige (Estriol) Cremes oder – Zäpfchen angewandt. Dies sollten Sie zuvor mit dem Frauenarzt oder dem Hausarzt besprechen.

Libido während und nach den Wechseljahren

Während und nach den Wechseljahren entwickelt sich die Libido unterschiedlich. Bei einem Teil der Frauen nimmt die Lust auf den klassischen Geschlechtsverkehr ab. Manche dieser Frauen bevorzugen andere Formen sexueller Stimulierung und zeigen mehr Interesse am Austausch von Zärtlichkeiten mit dem Partner. Andere Frauen fühlen sich dagegen freier in ihrer Sexualität, es gibt keine Regelblutungen mehr, auch entfällt die Frage der Verhütung.

Weitere Ursachen für eine Störung der Sexualfunktion bei Frauen sind eine fehlende Erektion der Klitoris mit reduzierter Erregbarkeit und fehlender Orgasmus. Auch Scheiden-Infektionen können zu entsprechenden Störungen führen. Scheideninfektionen, z.B. durch Pilze, werden begünstigt durch Antibiotika. Auch bestimmte Diabetes-Medikamente, die bei Typ2 Diabetikern verordnet werden, können eine Scheideninfektion auslösen („SGLT 2 Hemmer“).

Neben Schmerzen beim Verkehr in Folge von Mangel an Feuchtigkeit in der Scheide gibt es unabhängig davon Missempfindungen im Bereich der Scheide mit Brennen, Schmerzen, Juckreiz ohne sichtbare Veränderungen. Dies wird als „Vulvodynie“ bezeichnet. Da bei diesen Beschwerden die üblichen Schmerzmittel kaum wirksam sind, helfen manchmal Antidepressiva (z.B. Amitriptylin) und Antikonvulsiva (Gabapentin, Pregabalin). Auch Gleitgele können versucht werden. Manchmal hilft auch Gymnastik für den Beckenboden. Um dies zu lernen sollte man speziell geschulte Physiotherapeuten oder Hebammen aufsuchen. Zunächst wird geübt, den Beckenboden wahrzunehmen und isoliert anzuspannen. Daraufhin erfolgen unter Anleitung gezielte Übungen zur Stärkung der Beckenbodenmuskulatur. In einer Studie wurde bestätigt, dass Beckenbodentraining eine positive Wirkung auf die Orgasmusfähigkeit der Frau hat.