Doppeldiabetes – Ein Zwilling?

Die Erkrankungen Diabetes mellitus Typ 1 und Typ 2 sind zwei völlig unterschiedliche Krankheiten mit unterschiedlichen Ursachen. Bei Typ 1 Diabetes steht die Zerstörung der Betazelle im Vordergrund und beim Typ 2 Diabetes die Insulinresistenz, deren Ursache meist in genetischen Faktoren, Bewegungsmangel, Übergewicht und weiteren Faktoren des metabolischen Syndroms liegt.

Ein Typ 2 Diabetes schließt einen Typ 1 Diabetes nicht aus und umgekehrt.

Der Typ 2 Diabetes kommt bei ca. 6 – 8% der Gesamtbevölkerung in Europa vor. Somit müsste auch bei 6 -8% aller Typ 1 Diabetiker logischerweise ein Typ 2 Diabetes vorkommen können. Es gibt keine Faktoren, die bei Vorhandensein eines Typ 1 Diabetes vor einem Typ 2 schützen oder einen Typ 2 ausschließen. In der medizinischen Literatur ist der Begriff „Doppeldiabetes“ bekannt – er meint das Vorhandensein eines Typ 2 Diabetes mit Insulinresistenz bei Typ 1 Diabetikern. Der Begriff hat jedoch in die internationale Klassifikation des Diabetes und in die Leitlinien bisher noch keinen Einzug gefunden, da für dieses relativ seltene Erscheinungsbild keine großen Studien über Diagnose und Managementoptionen vorliegen.

„Doppeldiabetes“ ist nicht selten

Erstmalig beschrieben wurde der Doppeldiabetes 1991 von den Doktores Bergis und Teupe aus der Diabetesklinik Bad Mergentheim. In der täglichen Arbeit der Diabetologen zeigt sich immer wieder, dass Patienten mit Diabetes mellitus Typ 1 und Übergewicht deutlich instabilere Blutzuckerwerte haben und einen deutlich höheren Insulinbedarf aufweisen.

Das metabolische Syndrom gilt als Ausdruck einer ausgeprägten Insulinresistenz und ist gekennzeichnet durch Störung der Glucosetoleranz, Fettstoffwechselstörung, Bluthochdruck, Übergewicht mit einem BMI von über 30 kg/m² und einer vermehrten zentralen Adipositas, gemessen an dem Bauchumfang von mehr als 102 cm bei Männern und mehr als 88 cm bei Frauen.

Das metabolische Syndrom gilt gemeinhin als Vorstufe für einen Typ 2 Diabetes.

In großen Studien zur Therapie des Typ 1 Diabetes wurde auch untersucht, wie häufig ein metabolisches Syndrom nach o.g. Kriterien bei den untersuchten Typ 1-Diabetikern vorkam. Die Häufigkeit wurde in den Studien zwischen 20 und 40% angegeben. Ein eindeutiger Zusammenhang zwischen der Häufigkeit und dem Ausmaß von Übergewicht wurde gesehen.

Die Erfahrung vieler Diabetologen zeigt, dass eine effektive Behandlung der Insulinresistenz bei Typ 1 Diabetikern, bei denen eine Insulinresistenz vermutet wurde, zu einer wesentlichen Stoffwechselstabilisierung geführt hat.

Die detektivische Diagnose des „Doppeldiabetes“

Die Insulinresistenzmessung beim Typ 1 Diabetes ist erschwert dadurch, dass keine eigene Insulinproduktion vorliegt und eine erhöhte Insulinproduktion nicht hierzu herangezogen werden kann. Es gibt eine Formel, die die geschätzte Glucoseverwertungsrate als Maß der Insulinresistenz berechnet.

Die Estimated Glucose Dispoasal Rate = EGDR = 24,31 –(12,22 x WH)-3,29 x HT)-0,57 x HbA1c.

In dieser Formel bedeutet WH = Verhältnis von Bauchumfang zu Hüftumfang.

HT = Hypertonie (über 140/90 mmHg) vorhanden oder nicht: 0 oder 1.

HbA1c meint den Langzeitwert der Blutzuckereinstellung.

Ein Wert von weniger als 8,77 mg/KG x min zeigt eine 100%ige Sensitivität und 82%ige Spezifität für die Diagnose des metabolischen Syndroms bei Menschen mit Typ 1 Diabetes.

Die Therapie des „Doppeldiabetes“

Die wirksamsten Maßnahmen sind lebensstilverändernde Maßnahmen, die zu einer Gewichtsreduktion führen. An erster Stelle steht hier körperliche Aktivität, Sport, sowie eine modifizierte gesunde Ernährung im Sinne einer mediterranen Kost, eine fettreduzierte isokalorische Ernährung. Gewichtsabnahme ist immer hilfreich.

An medikamentösen Therapieoptionen sind die zur Therapie des Typ 2 Diabetes und somit auch der Insulinresistenz zugelassenen Medikamente alle nicht zugelassen zum Einsatz bei Typ 1 Diabetikern, da hierfür keine Zulassungsstudien vorliegen. Beschrieben sind positive Effekte von Metformin, Pioglitazon (Actos) und GLP1-Agonisten z.B. Victoza).