Kategorie-Archiv: Therapie Typ 1

Doppeldiabetes – Ein Zwilling?

Die Erkrankungen Diabetes mellitus Typ 1 und Typ 2 sind zwei völlig unterschiedliche Krankheiten mit unterschiedlichen Ursachen. Bei Typ 1 Diabetes steht die Zerstörung der Betazelle im Vordergrund und beim Typ 2 Diabetes die Insulinresistenz, deren Ursache meist in genetischen Faktoren, Bewegungsmangel, Übergewicht und weiteren Faktoren des metabolischen Syndroms liegt.

Ein Typ 2 Diabetes schließt einen Typ 1 Diabetes nicht aus und umgekehrt.

Der Typ 2 Diabetes kommt bei ca. 6 – 8% der Gesamtbevölkerung in Europa vor. Somit müsste auch bei 6 -8% aller Typ 1 Diabetiker logischerweise ein Typ 2 Diabetes vorkommen können. Es gibt keine Faktoren, die bei Vorhandensein eines Typ 1 Diabetes vor einem Typ 2 schützen oder einen Typ 2 ausschließen. In der medizinischen Literatur ist der Begriff „Doppeldiabetes“ bekannt – er meint das Vorhandensein eines Typ 2 Diabetes mit Insulinresistenz bei Typ 1 Diabetikern. Der Begriff hat jedoch in die internationale Klassifikation des Diabetes und in die Leitlinien bisher noch keinen Einzug gefunden, da für dieses relativ seltene Erscheinungsbild keine großen Studien über Diagnose und Managementoptionen vorliegen.

„Doppeldiabetes“ ist nicht selten

Erstmalig beschrieben wurde der Doppeldiabetes 1991 von den Doktores Bergis und Teupe aus der Diabetesklinik Bad Mergentheim. In der täglichen Arbeit der Diabetologen zeigt sich immer wieder, dass Patienten mit Diabetes mellitus Typ 1 und Übergewicht deutlich instabilere Blutzuckerwerte haben und einen deutlich höheren Insulinbedarf aufweisen.

Das metabolische Syndrom gilt als Ausdruck einer ausgeprägten Insulinresistenz und ist gekennzeichnet durch Störung der Glucosetoleranz, Fettstoffwechselstörung, Bluthochdruck, Übergewicht mit einem BMI von über 30 kg/m² und einer vermehrten zentralen Adipositas, gemessen an dem Bauchumfang von mehr als 102 cm bei Männern und mehr als 88 cm bei Frauen.

Das metabolische Syndrom gilt gemeinhin als Vorstufe für einen Typ 2 Diabetes.

In großen Studien zur Therapie des Typ 1 Diabetes wurde auch untersucht, wie häufig ein metabolisches Syndrom nach o.g. Kriterien bei den untersuchten Typ 1-Diabetikern vorkam. Die Häufigkeit wurde in den Studien zwischen 20 und 40% angegeben. Ein eindeutiger Zusammenhang zwischen der Häufigkeit und dem Ausmaß von Übergewicht wurde gesehen.

Die Erfahrung vieler Diabetologen zeigt, dass eine effektive Behandlung der Insulinresistenz bei Typ 1 Diabetikern, bei denen eine Insulinresistenz vermutet wurde, zu einer wesentlichen Stoffwechselstabilisierung geführt hat.

Die detektivische Diagnose des „Doppeldiabetes“

Die Insulinresistenzmessung beim Typ 1 Diabetes ist erschwert dadurch, dass keine eigene Insulinproduktion vorliegt und eine erhöhte Insulinproduktion nicht hierzu herangezogen werden kann. Es gibt eine Formel, die die geschätzte Glucoseverwertungsrate als Maß der Insulinresistenz berechnet.

Die Estimated Glucose Dispoasal Rate = EGDR = 24,31 –(12,22 x WH)-3,29 x HT)-0,57 x HbA1c.

In dieser Formel bedeutet WH = Verhältnis von Bauchumfang zu Hüftumfang.

HT = Hypertonie (über 140/90 mmHg) vorhanden oder nicht: 0 oder 1.

HbA1c meint den Langzeitwert der Blutzuckereinstellung.

Ein Wert von weniger als 8,77 mg/KG x min zeigt eine 100%ige Sensitivität und 82%ige Spezifität für die Diagnose des metabolischen Syndroms bei Menschen mit Typ 1 Diabetes.

Die Therapie des „Doppeldiabetes“

Die wirksamsten Maßnahmen sind lebensstilverändernde Maßnahmen, die zu einer Gewichtsreduktion führen. An erster Stelle steht hier körperliche Aktivität, Sport, sowie eine modifizierte gesunde Ernährung im Sinne einer mediterranen Kost, eine fettreduzierte isokalorische Ernährung. Gewichtsabnahme ist immer hilfreich.

An medikamentösen Therapieoptionen sind die zur Therapie des Typ 2 Diabetes und somit auch der Insulinresistenz zugelassenen Medikamente alle nicht zugelassen zum Einsatz bei Typ 1 Diabetikern, da hierfür keine Zulassungsstudien vorliegen. Beschrieben sind positive Effekte von Metformin, Pioglitazon (Actos) und GLP1-Agonisten z.B. Victoza).

Stadien des Typ 1 Diabetes

Typ 1 Diabetes ist eine Autoimmunerkrankung, bei der die Betazellen der Bauchspeicheldrüse nach und nach zerstört werden, bis es zu einem totalen Insulinmangel kommt. Die Erkrankung beginnt nach neueren Erkenntnissen lange, bevor sie sich in Symptomen äußert. Charakeristisch sind Autoantikörper im Blut, die vor dem Ausbruch der Erkrankung gemessen werden können. Die Forschergruppe des Helmholtz Zentrums in München um Professor Anette-Gabriele Ziegler hat zusammen mit internationalen Wissenschaftlern ein Drei-Stadien-Modell entwickelt, mit dem sich Typ 1 Diabetes frühzeitig diagnostizieren lässt. Es wurde in der Zeitschrift Diabetes Care (2015) veröffentlicht*. Weiterlesen

Stammzellen-Therapie als Option

Zum Stand der Forschung: Klinischer Einsatz autologer, adulter Stammzellen bei Diabetes mellitus

Adulte Stammzellen sind ethisch unbedenklich und überwinden bei autologer Anwendung das Problem der allogenen Abstoßung. Im Gegensatz zu embryonalen Stammzellen, die aufgrund ihrer Tumorigenität sowie ihrer ethischen und gesetzlichen Limitationen noch nicht fur den Einsatz am Menschen zur Verfügung stehen, weisen erste klinische Studien mit adulten Knochenmarkszellen bei Diabetes-Patienten bereits Erfolge vor. Weiterlesen

Insulinpumpentherapie

Was sind Insulinpumpen, wie funktioniert die Behandlung

Therapieprinzip

Das Therapieprinzip mit der Insulinpumpe entspricht dem der intensivierten konventionellen Insulintherapie (ICT). Über eine Basalrate wird der Grundbedarf an Insulin abgedeckt und das für die Mahlzeiten erforderliche Insulin wird über einen Bolus per Knopfdruck abgerufen.

Basalrate

Die Basalrate kann je nach Bedarf angehoben oder abgesenkt werden. Somit kann einem veränderten Grundbedarf an Insulin, z.B. Verminderung durch sportliche Aktivität oder erhöhter Insulinbedarf durch akute Erkrankung Rechnung getragen werden.

Der Bolus bringts

Auch gibt es verschiedene Formen der Bolusabgabe, so gibt es bei nur langsam anflutenden Kohlenhydraten, z.B. in Kombination mit einer fettreichen Mahlzeit, einen sog. verzögerten Bolus, bei dem ein Teil des Bolusinsulines sofort und ein anderer Teil über einen definierten Zeitraum von z.B. zwei oder drei Stunden abgegeben wird.

Einige Pumpen bieten den sog. Bolusrechner, mit dem anhand der vorher einzugebenden Therapieregeln für einen gemessenen Blutzuckerwert und eine gewünschte Kohlenhydratzufuhrmenge ein Insulinbolusvorschlag errechnet wird. Dieser Bolusvorschlag berücksichtigt auch noch eventuell vorliegende Wirkdauer eines vorangegangenen Insulinbolus und verhindert somit wirkungsvoll Insulinüberdosierungen.

Diskretion dank Fernbedinung

Einige Insulinpumpen bieten die Möglichkeit einer Fernbedienung, um über ein kleines mobiles Gerät diskret die Insulinpumpe bedienen zu können. Bei einigen Insulinpumpen ist in dieses Fernbedienungsgerät auch ein Blutzuckermessgerät integriert.

Mit dem Computer sprechen

Sämtliche Insulinpumpen verfügen über ein intelligentes Datenmanagementsystem, das über Schnittstellen ermöglicht, Therapiedaten und Basalrate auf einem externen Computer auszulesen und auszuwerten.

Der Sensor schafft Durchblick

Einige Insulinpumpen sind mit einem Glucosesensor kombinierbar, so dass die Pumpe gleichzeitig als Empfangsgerät für den gelegten Glucosesensor dient. Diese Therapie heißt sensorunterstützte Pumpentherapie (SUP). Bei manchen Geräten kann im Falle einer Unterzuckerung dann auch die Basalrate automatisch über einen definierten Zeitraum gestoppt werden, um eine Vertiefung der Unterzuckerung durch unbeabsichtigte weitere Insulinzufuhr zu verhindern (z.B. nachts). Ansonsten ist jedoch eine Steuerung der Insulinpumpe über den Sensor nicht möglich, da die für die Insulinabgabe notwendigen Variablen, wie gewünschte Kohlenhydratmenge, körperliches Aktivitätsniveau und weitere, die Blutzuckereinstellungsqualität beeinflussende Faktoren die Pumpe keine Information hat.

Die sensorunterstützte Pumpentherapie bietet jedoch die Möglichkeit einer höheren Therapiesicherheit, da bei Überschreiten oder Unterschreiten voreingestellter Grenzwerte die Pumpe Alarm geben kann. Somit hat der Pumpenträger die Möglichkeit, eine Stoffwechselentgleisung früher zu erkennen und kann somit früher gegenregulieren. In der Folge resultiert eine stabilere Stoffwechseleinstellung. Die derzeitige Studienlage erlaubt jedoch noch nicht eindeutige Rückschlüsse über den Vorteil einer sensorunterstützten Pumpentherapie, deshalb wird dies sensorunterstützte Pumpentherapie noch nicht von den Krankenkassen im Regelfall übernommen. Nur auf speziellen Antrag genehmigen die Krankenkassen in seltenen Ausnahmefällen entweder über einen bestimmten Zeitraum, wie Schwangerschaft oder auf Dauer, wie z.B. bei Patienten mit Wahrnehmungsstörungen für Unterzuckerungen diese neue Therapieform.

Da einige Patienten diesen Vorteil der kontinuierlichen Glucosemessung schätzen, wird diese Therapieform zum Teil von Patienten auch selbst bezahlt, die Kosten liegen pro Jahr in einem Bereich zwischen 5- und 8.000 Euro Mehrkosten gegenüber der Insulinpumpentherapie alleine. Nicht eingerechnet ist dabei jedoch die Ersparnis durch weniger zu verbrauchende Teststreifen, da in der Regel nur eine Messung pro Tag erforderlich ist.

Die Patchpumpe klebt auf der Haut

Die sog. Insulinpatchpumpen bieten den Vorteil, dass die Pumpe und die Infusionsnadel eine Einheit bilden und somit der Insulinkatheter entfällt. Die Pumpe wird auf die Haut geklebt, an der Stelle, an der auch die Insulinabgabe über die Nadel erfolgt. Die Patchpumpe wird ausschließlich über eine Fernbedienung bedient. Der Vorteil einer Patchpumpe ist, dass sie handlicher ist, hauptsächlich bei Kindern kommen die Patchpumpen gerne zum Einsatz.

Die intensivierte-konventionelle-Insulintherapie (ICT)

Das Grundprinzip der intensivierten-konventionellen-Insulintherapie

Zu den Hauptmahlzeiten wird eine wechselnde Menge schnelles Insulin gespritzt – abhängig vom Blutzucker und von der Mahlzeit. Ein Basalinsulin deckt den Insulingrundbedarf, der unabhängig von den Mahlzeiten ist.

Vorteil ist die Anpassungsfähigkeit: Die Insulinbehandlung passt sich den Alltagsgegebenheiten an.

Nachteil ist der höhere Aufwand – in der Regel viermalige Blutzuckermessung und vier- bis fünfmal täglich Insulin.

Die intensivierte Insulintherapie ist heute Standard bei Typ-1-Diabetes. Hier erreicht sie eindeutig bessere Behandlungsergebnisse und eine verbesserte Lebensqualität. Die intensivierte Insulintherapie stellt die vorteilhafte Alternative zur konventionellen Therapie (CT) dar, die bei Patienten mit Diabetes mellitus Typ-1 nur noch in Ausnahmefällen durchgeführt wird.

Insulin: Therapiestrategie ICT

Schnelles Insulin zu Hauptmahlzeiten,
Verzögerungsinsulin zur Nacht

„Intensivierte konventionelle Insulintherapie“ = ICT

Moderne Therapie mit flexiblen Mahlzeiten und flexiblem Tagesablaufict Diabetes News

heute Standardtherapie!

Voraussetzung für eine erfolgreiche ICT: Die Diabetesschulung

Voraussetzung zur Durchführung einer ICT ist, dass der Patient geschult ist. Ohne eine ausführliche Schulung ist eine ICT zum Scheitern verurteilt. Für die Schulung stehen strukturierte, evaluierte Schulungsprogramme zur Verfügung. Die Schulungen werden in den diabetologischen Schwerpunktpraxen durchgeführt. Wer Insulin spritzt und nicht bereit ist, sich schulen zu lassen, läuft Gefahr, sich selbst zu gefährden.

Das Ding mit der Broteinheit (BE) / Kohlenhydrateinheit (KE)

Zur Durchführung einer ICT muss der Patient Broteinheiten (BE)/ Kohlenhydrateinheiten (KE) schätzen können. 1 BE entspricht 12 g Kohlenhydraten und 1 KE entspricht 10 g. Im allgemeinen wird der kleine Unterschied vernachlässigt und 1 BE mit 1 KE gleichgesetzt. Wir verwenden im folgenden die Einheit BE, welche gegen KE ausgetauscht werden kann. Dies wird in den Schulungen geübt. Darüber hinaus stehen auf dieser Internetseite verschiedene Tabellen mit Broteinheiten zur Verfügung. Es empfiehlt sich, am Anfang das Essen abzuwiegen, um einen sicheren Umgang mit den Broteinheiten zu erlernen. Später wird dies nicht mehr nötig sein. Bei den Broteinheiten handelt es sich immer um Schätzteinheiten, so dass gewisse Fehler immer auftreten.

Wie viel Insulin wird zum Essen gespritzt?

Die Insulinmenge, die zum Essen verabreicht wird, setzt sich zusammen aus der Menge des Insulins, das für die gegessenen Kohlenhydrate benötigt wird und der Menge des Insulins, das benötigt wird, um den Blutzuckerwert wieder auf den individuellen Zielwert zu senken.

Zusätzlich beeinflussen noch die geplante körperliche Aktivität, der Fett- und Eiweißgehalt der Ernährung sowie  Krankheiten, Medikamente wie Kortison oder der hormonelle Zyklus der Frau den Insulinbedarf. Dies muss bei der Berechnung des Bolus sowie der Basalinsulindosis berücksichtigt werden.

Wie der BE-/KE- Faktor hilft, den Insulinbedarf abzudecken

Die Menge an Insulin, die für eine BE benötig werden, ist individuell unterschiedlich. Schlanke Menschen mit Diabetes mellitus Typ 1 werden in der Regel zwischen 0,5 und 1Einheit (E) pro Broteinheit benötigen. Dies wird als „BE-Faktor“ bezeichnet. Der BE-Faktor gibt an, wie viele Insulineinheiten für eine BE benötigt werden. Begonnen wird mit einem niedrigen BE-Faktor, um Unterzuckerungen zu vermeiden. Durch die langsame Steigerung wird der individuelle BE-Faktor gefunden.

Ein Beispiel: Wer zum Frühstück 4 BE isst und einen BE-Faktor von 0,5 hat, benötigt zwei Einheiten Insulin. Bei einem BE-Faktor von 2,0 sind es 8 Einheiten Insulin für 4 BE. Vor dem Spritzen muss der Blutzucker gemessen werden. Ist der Wert im Zielbereich, wird genau die Menge gespritzt, die man zur Abdeckung der BE benötigt. Ist der Wert deutlich über dem Zielbereich, müssen zusätzlich ein paar Einheiten Insulin addiert werden, um in den Zielbereich zu kommen (Korrektur).

MIt der Korrekturregel richtig Insulin berechnen

Hierzu muss man seine individuelle Korrekturregel kennen. Sie besagt, um wie viel mg/dl (mmol/l) eine Einheit Insulin den Blutzucker senkt. Bei vielen Patienten senkt eine Einheit Insulin (E) den Blutzucker um 30 mg/dl (1,6 mmol/l).

Ein Beispiel: Hat man einen Zielwert von 120 mg/dl (6,6 mmol/l) und eine Korrekturregel von 1 E (Einheit) pro 30 mg/dl (1 E/ 30 mg/dl) bzw. 1,6 mol/l (1 E/ 1,6 mmol/l), so wird man bei einem Blutzucker von 150 mg/dl (8,3 mmol/l) 1 E zusätzlich spritzen müssen, um wieder den Zielwert von 120 mg/dl (6,6 mmol/l) zu erreichen. Liegt der Blutzucker aktuell bei 210 mg/dl (11,6 mmol/l), werden 3 E Insulin zusätzlich benötigen, um wieder auf 120 mg/dl (6,6 mmol/l) zu kommen.

Die für die Mahlzeit zu verabreichende Insulinmenge berechnet sich damit aus:

BE x BE-Faktor plus Korrektur

Beispiel: Für 1 BE werden 1,5 Einheiten Insulin benötigt, das heißt der BE-Faktor ist 1,5. Der Blutzucker liegt aktuell bei 180 mg/dl (10,0 mmol/l). Der Zielwert ist 120 mg/dl (6,6 mmol/l). Das Abendessen hat geschätzte 4 BE.

Der BE-Faktor ist 1,5 ist und das Abendessen enthält 4 BE, also werden für die Mahlzeit 6 E Insulin (BE mal BE-Faktor gleich 4 × 1,5 = 6) benötigt. Da der Ausgangswert bei 80 mg/dl (10,0 mmol/l) und damit 60 mg/dl (3,3 mmol/l) über dem Zielwert liegt, muss noch zusätzlich eine Korrektur addiert werden: Sie beträgt 2 E Insulin (um den Blutzucker um 30 mg/dl (1,6 mmol/l) zu senken, wird 1 E Insulin benötigtfür 60 mg/dl also 2 E). Die Gesamtmenge des benötigten Insulins zur Mahlzeit sind somit 8 E.

Wie viel Basalinsulin wird benötigt?

Wer an Diabetes mellitus Typ 1 erkrankt ist, benötigt den ganzen Tag über Insulin. Da er selbst nichts produziert, muss dies von außen zugeführt werden. Selbst wenn er keine Mahlzeiten zu sich nimmt, wird er ohne eine gewisse Menge Basalinsulin entgleisen. Der Blutzucker wird kontinuierlich ansteigen, bis es zu einem hyperglykämischen Koma kommt. Daher muss der Insulin-Grundbedarf  möglichst über 24 Stunden mit einem Basalinsulin abgedeckt werden. Die Menge des Basalinsulins sollte so berechnet sein, dass auch ohne Mahlzeiten normale Blutzuckerwerte erreicht werden. Die benötigte Menge an Basalinsulin ist individuell unterschiedlich. Das Verhältnis von Bolusinsulin zu Basalinsulin beträgt ungefähr 50 %

An Basalinsulin stehen uns unterschiedliche Zubereitungen von Humaninsulin und Insulinanaloga zur Verfügung. Die häufigsten Humaninsuline sind so genannte NPH-Insuline. NPH ist eine Abkürzung für Neutral Protein Hagedorn. Dies wird dem Humaninsulin zugesetzt, um eine Verzögerungswirkung zu erreichen. Der Zusatz bewirkt, dass das Humaninsulin verzögert aus dem subkutanen Fettgewebe aufgenommen wird und dadurch langsamer in die Blutbahn gelangt. Die Wirkdauer ist von der Dosis abhängig und beträgt zwischen 6 und 10 Stunden. Die NPH-Insuline müssen daher zwei bis dreimal am Tag verabreicht werden, um eine Abdeckung mit Insulin über 24 Stunden zu gewährleisten. Außer NPH-Insulinen werden Insulinanaloga eingesetzt. Diese sind in ihrer Molekülstruktur so verändert, dass sie langsamer aus dem Unterhautfettgewebe aufgenommen werden. Dadurch erreicht man bei den Insulinen eine unterschiedliche Wirkdauer. Insulin Glargin hat eine Wirkdauer von mehr als 24 Stunden. Bei Insulin Detemir ist die Wirkdauer je nach Dosis bis zu 20 Stunden. Bei Insulin Detemir wird die Verzögerung nicht nur über die langsamere Aufnahme aus dem Unterhautfettgewebe erreicht, sondern auch dadurch, dass das Insulin im Blut an Eiweiße gebunden wird.

Der Nüchtern-Blutzucker – die Diva

Am Schwierigsten ist es, die Nüchternblutzuckerwerte gut einzustellen. Die Wirkdauer der NPH-Insuline ist in der Regel zu kurz. Die NPH-Insuline haben ein Wirkmaximum nach ungefähr 4 Stunden und fallen danach in ihrer Wirksamkeit ab. In den Morgenstunden steigt der Insulinbedarf an. Morgens werden Stresshormone wie Katecholamine, Cortisol und Wachstumshormon ausgeschüttet. Diese verstärken die Insulinresistenz. Daher ist am Morgen der Insulinbedarf  am größten. Ausgerechnet in dieser Zeit sind die Wirkspiegel der NPH-Insuline so weit abgefallen, dass die Nüchternblutzuckerwerte viel zu hoch sind. Mit Insulinanaloga ist der Insulinbedarf am Morgen besser gedeckt. Einige Patienten steigen jedoch ab 4:00 Uhr morgens mit den Blutzuckerwerten so stark an, dass auch mit Insulinanaloga gute Nüchternblutzuckerwerte nicht zu erreichen sind. Dieser Anstieg in den Morgenstunden wird „Dawn- Phänomen“ genannt. Bei einem ausgeprägten „Dawn-Phänomen“ kann man auch mit Insulinanaloga keine guten Nüchternblutzuckerwerte erreichen. Ein ausgeprägtes „Dawn-Phänom“ ist somit eine Indikation zum Einsatz einer Insulinpumpe, da hier die Abgabe des Basalinsulins von Stunde zu Stunde unterschiedlich eingestellt werden kann.

Die konventionelle Insulintherapie (CT) bei Typ-1-Diabetes

Prinzip

Lang wirksames Insulin oder intermediär wirksames Insulin oder Mischungen aus intermediär und schnell wirksamem Insulin werden in einem festen Mischverhältnis ein- bis zweimal täglich, in seltenen Ausnahmefällen bis zu dreimal täglich injiziert.

Für wen?

Diese Therapieform kommt überwiegend für ältere Menschen mit einem regelmäßigen Tagesablauf in Frage. Sie wird bei Patienten mit Diabetes mellitus Typ 1 nur noch in Ausnahmefällen angewandt. Diese Therapieform ist überwiegend für Patienten gedacht, für die eine möglichst einfache Insulintherapie erforderlich ist. Die Gabe von festgelegten Insulindosen setzt ein festes Ernährungsschema voraus, um das Verhältnis Insulin, das den Blutzucker senkt, und zugeführter Kohlenhydrate (BE, KE), die den Blutzucker erhöhen, im Gleichgewicht zu halten.

Nicht für Menschen mit Typ 1 Diabetes

Bei Menschen mit Typ 1-Diabetes ist die konventionelle Insulintherapie verlassen worden, wegen des deutlich höheren Risikos von Unterzuckerungen im Vergleich zur bedarfsangepassten intensivierten Insulintherapie (ICT).

Selbstkontrolle bringt’s ans Licht

Auf jeden Fall müssen Patienten mit einer konventionellen Insulintherapie Blutzuckerselbstkontrollen durchführen. Blutzuckertagesprofile sollten in regelmäßigen, nicht jedoch täglichen Abständen durchgeführt werden. In der Regel reicht ein Tagesprofil einmal in der Woche aus.

Zwischenmahlzeiten glätten

Der Nachteil der konventionellen Insulintherapie ist das festgelegte Wirkungsprofil des injizierten Insulins.  Die Dosis wird nicht angepasst und das Verhältnis von schnell wirksamem zu langsam wirksamem Insulin ist fest vorgegeben. Die betroffenen Patienten müssen sich deshalb in ihrem Tagesablauf in Menge und Zeitpunkt ihrer Mahlzeiten an einen festen Ablauf halten.

Es gibt Mischungen mit schnell wirksamen Insulinanaloga. Das schnellwirksame Insulinanalog hat eine Wirkdauer von ungefähr 2-3 h und ein Wirkmaximum nach ungefähr 1 h. Da das Insulin nur zweimal am Tag eingesetzt wird, sind die Hauptmahlzeiten das Frühstück und das Abendessen. Bei Mischungen mit schnellen Insulinanaloga sind Zwischenmahlzeiten nicht erforderlich. Normales, humanes Insulin hat je nach Dosis eine Wirkdauer zwischen 4 und 6 h und ein Wirkmaximum bei ungefähr 2 h. Nach 2 h ist der überwiegende Teil der Kohlenhydrate bereits im Körper aufgenommen und verstoffwechselt. Die Insulinspiegel sind jedoch noch hoch. Zur Vermeidung von Unterzuckerungen müssen daher Kohlenhydrate zugeführt werden. Daher ist bei Mischungen mit normalen, humanem Insulin  die Einnahme regelmäßiger Zwischenmahlzeiten wegen der hohen Insulinspiegel zwischen den Mahlzeiten meist erforderlich.

Schulung

Schulung für Menschen mit Diabetes mellitus Typ 1

Folgende Schulungen werden für Patienten mit Diabetes mellitus Typ 1 derzeit angeboten:

Behandlungs- und Schulungsprogramm für Typ 1 Diabetiker (12 Kursstunden)

Struktur und Inhalte  

Das Programm umfasst zwölf Unterrichtseinheiten (Doppelstunden) in Kleingruppen bis zu vier Patienten. Folgende Schwerpunkte werden interaktiv erarbeitet:

  • Physiologie und Pathophysiologie des Diabetes; Insulin und Injektionstechnik, Hypoglykämie, Diätetik
  • Technik der Blutglukoseselbstkontrolle; Identifizierung von Kohlenhydraten; Therapie der Hypoglykämie inklusive Glukagon
  • Ätiologie des Diabetes; Quantifizierung blutglukosewirksamer Kohlenhydrate
  • Insulin-Dosisreduktion
  • Insulin-Dosiserhöhung, Hyperglykämie und Koma, Azeton-Selbstmessung
  • Körperliche Bewegung, Diätetik: Quantifizierung kompletter Gerichte; kaloriendefinierte Kost
  • HbA1c, Folgeschäden, Rauchen, Vorsorge- und Kontrolluntersuchungen
  • Besuch im Supermarkt
  • Insulinpumpe, Gravidität, Kontrazeption
  • Reisen, Wiederholung: Insulin-Dosisreduktion
  • Blutglukose-Korrektur, Repetition: Hyperglykämie; Koma, Insulin-Dosiserhöhung
  • Soziales, Repetition: Diätetik, Insulininjektion, Neuropathie und
  • Vorsorgeuntersuchung

Diabetes bei Kindern – ein Behandlungs- und Schulungsprogramm:

Autoren: Peter Hürter, H.-U. Jastram, B. Regling, M. Toeller, K. Lange, B. Weber, W. Burger, R. Haller

Seit mehr als 15 Jahren haben „Jan“ und seit 1997 auch „Laura“ vielen Kindern geholfen, sich mit ihrem Diabetes vertraut zu machen. Sie haben erklärt, was die Stoffwechselstörung für sie bedeutet, und sie haben ihnen und ihren Eltern gezeigt, wie sie mit Diabetes gut leben können. Das „Jan“- Buch wird in vielen Kinderkliniken zur Diabetesschulung von Kindern eingesetzt. Den Erfolg dieser Schulungen konnten die Diabetesteams so eindrucksvoll belegen, dass dieses Programm 2004 durch die Deutsche Diabetes Gesellschaft und das Bundesversicherungsamt zertifiziert wurde. So werden „Jan“ und „Laura“ auch in Zukunft im Rahmen des DMP Typ-1-Diabetes Kinder unterstützen, möglichst wenig eingeschränkt und fröhlich mit Diabetes zu leben. In diesen 15 Jahren hat sich die Diabetestherapie in vielen kleinen Schritten, insgesamt aber doch erheblich gewandelt.

„Jan“ und sein Autorenteam haben sich deshalb daran gemacht, die neuen Entwicklungen der Diabetologie für Kinder im Alter zwischen sechs und zwölf Jahren aufzubereiten. Die dritte vollständig überarbeitete und erweiterte Auflage von Diabetes bei Kindern: ein Behandlungs- und Schulungsprogramm liegt nun vor.

Darin berichtet Jan in fünf Kapiteln über die Grundlagen des Diabetes, die Ernährung, die Insulinbehandlung, über zu hohe oder zu niedrige Blutzuckerwerte und über Stoffwechselkontrollen. Inhaltlich hat sich dabei viel geändert: Blutzuckerselbstkontrollen haben die Harnzuckerkontrollen vollständig ersetzt; Blutzuckermessgeräte gehören ebenso zum Standard wie verschiedene Pens; die Bewertung und Berechnung von Süßigkeiten wird erklärt; eine flexiblere Insulintherapie ermöglicht eine variable Ernährung und Freizeitgestaltung; alltägliche Schwierigkeiten, wie z.B. das Einteilen von Süßigkeiten oder das Mogeln bei Selbstkontrollen werden in Texten und Übungsvorschlägen angesprochen.

In einem neuen sechsten Kapitel stellt Jan seine zwölfjährige Freundin „Laura“ vor. Sie lernt gerade Schritt für Schritt, wie sie gemeinsam mit ihren Eltern ihre Insulindosis berechnen kann. Damit wird eine erste Brücke zum Schulungsprogramm für Jugendliche mit Diabetes geschlagen.

Jedes der sechs Kapitel wird durch einen kleinen standardisierten Wissenstest abgeschlossen. Hier können Kinder und Teammitglieder den Schulungsverlauf und den Schulungserfolg ablesen. Eine ebenfalls überarbeitete und erweiterte Elternbroschüre bietet Müttern und Vätern Anregungen und Hilfen zur Gestaltung eines möglichst unbelasteten Familienlebens mit einem diabetischen Kind. Notfallhinweise, eine Kohlenhydrataustauschtabelle und ein Protokollheft runden das Programmpaket ab, das nun auch individuell für ein Kind beim Verlag Kirchheim bestellt werden kann.