Kategorie-Archiv: Wissen

Flash Glukose Monitoring mit FreeStyle Libre

Bild: Abbott Diabetes Care

Bild: Abbott Diabetes Care

FreeStyle Libre – Messen ohne Stich in den Finger

Die Flash Glucose Monitoring (FGM) Technologie von FreeStyle Libre gehört, wie die kontinuierliche Messung der Glukose (rtCGM), in die Rubrik der Nadelsensormessung. Ein Sensor wird ins Unterhautfettgewebe gebracht und kann dort 14 Tage verbleiben. Durch die Verwendung  einer Setzhilfe ist das Aufbringen schmerzlos. Das Pflaster ist wasserdicht und kann in der Sauna und beim Schwimmen getragen werden.

Glucosewerte werden „gescannt“

Anders als bei Systemen zur kontinuierlichen Glukosemessung (CGM) werden die Daten des Sensors nicht über Bluetooth oder Funk an einen Empfänger übertragen, sondern „gescannt“. Die Übertragung erfolgt mittels Nahfeldtechnologie. Mittels einer Wischbewegung des Gerätes im Abstand von wenigen Zentimetern über den Sensor werden der aktuelle Glukosewert und die Messergebnisse der letzten 8 Stunden an das Gerät übertragen. Eine Kalibrierung des Sensors ist nicht erforderlich. Die meisten rtCGM-Systemen müssen dagegen zweimal täglich durch eine parallele Blutzuckermessung kalibriert („geeicht“) werden.

Das FreeStyle Libre Lesegerät

Das Freestyle Libre Lesegerät verfügt über einen Touchscreen Monitor mit Hintergrundbeleuchtung, der auch im Dunkeln abgelesen werden kann. Angezeigt werden der aktuelle Glukosewert, ein Trendpfeil, ein Diagramm mit dem Glukoseverlauf über die letzten 8 Stunden, der Ladezustand der Batterie und der Restlaufzeit des Sensors. Das Gerät kann die übertragenen Daten des Sensors bis zu 3 Monate speichern.

FreeStyle Libre zeigt Trendpfeile an

Mit den Informationen, die das Gerät aus den gespeicherten Glukosewerten berechnet, wird eine Vorausschau des Glukoseverlaufes durch einen Pfeil angezeigt. Zeigt der Pfeil in eine horizontale Richtung, wird der Blutzucker stabil bleiben, zeigt er nach unten, wird eine Absenkung des Wertes erwartet. Die Richtung des Pfeils kann in unterschiedlichen Winkeln angezeigt werden. 45 Grad bedeuten eine langsame Veränderung, 90 Grad eine rapide Veränderung. Geht der Pfeil also nach dem Sport steil nach unten, muss trotz eines aktuell noch normalen Glukosewertes mit einer Unterzuckerung gerechnet werden. Trendpfeile sind nach Aussage vieler FreeStyle Libre Nutzer das wichtigste Tool des Gerätes.

Auswertung der Glukoseverläufe

Zusätzlich zu den Vorteilen, die eine kontinuierliche Messung im täglichen Gebrauch hat, bietet das FreeStyle Libre auch Möglichkeiten, die Glukoseverläufe auszuwerten. Wird die Nahfeldmessung mehrmals täglich durchgeführt, ergibt sich ein komplettes 24 Stunden Messprotokoll. Hier können Einzeltage ausgewertet oder eine Zusammenfassung der letzten 14 Tage dargestellt werden. Man erkennt Glukoseverläufe in der Nacht, Unterzuckerungen und starke Schwankungen nach den Mahlzeiten.

Was kostet FreeStyle Libre?

FreeStyle Libre ist nur über den Hersteller Abbott bestellt erhältlich, nicht über Apotheken und den Fach- und Versandhandel für Diabetesbedarf. Lesegerät und Sensor kosten beide je 59,90 Euro. Das bedeutet jährliche Kosten von ca. 1.500 Euro und damit ist das System unwesentlich teurer als Teststreifen für Diabetiker, die 5-6 Teststreifen pro Tag verbrauchen.

Welche Krankenkassen übernehmen FreeStyle Libre?

Einige Krankenkassen übernehmen freiwillig die Kosten für das Freestyle Libre Gerät und die Sensoren. Es besteht allerdings keine Verpflichtung, da der Beschluss des gemeinsamen Bundesausschusses vom 16.06.2016 sich nur auf Realtime-CGM-Systeme (rCGM) mit einer Alarmfunktion bezieht.

Aktuelle Informationen zu FreeStyle Libre, zum Beispiel zur Kostenübernahme durch die Krankenkassen, finden Sie regelmäßig in unseren Nachrichten zum Thema Selbstkontrolle.

Doppeldiabetes – Ein Zwilling?

Die Erkrankungen Diabetes mellitus Typ 1 und Typ 2 sind zwei völlig unterschiedliche Krankheiten mit unterschiedlichen Ursachen. Bei Typ 1 Diabetes steht die Zerstörung der Betazelle im Vordergrund und beim Typ 2 Diabetes die Insulinresistenz, deren Ursache meist in genetischen Faktoren, Bewegungsmangel, Übergewicht und weiteren Faktoren des metabolischen Syndroms liegt.

Ein Typ 2 Diabetes schließt einen Typ 1 Diabetes nicht aus und umgekehrt.

Der Typ 2 Diabetes kommt bei ca. 6 – 8% der Gesamtbevölkerung in Europa vor. Somit müsste auch bei 6 -8% aller Typ 1 Diabetiker logischerweise ein Typ 2 Diabetes vorkommen können. Es gibt keine Faktoren, die bei Vorhandensein eines Typ 1 Diabetes vor einem Typ 2 schützen oder einen Typ 2 ausschließen. In der medizinischen Literatur ist der Begriff „Doppeldiabetes“ bekannt – er meint das Vorhandensein eines Typ 2 Diabetes mit Insulinresistenz bei Typ 1 Diabetikern. Der Begriff hat jedoch in die internationale Klassifikation des Diabetes und in die Leitlinien bisher noch keinen Einzug gefunden, da für dieses relativ seltene Erscheinungsbild keine großen Studien über Diagnose und Managementoptionen vorliegen.

„Doppeldiabetes“ ist nicht selten

Erstmalig beschrieben wurde der Doppeldiabetes 1991 von den Doktores Bergis und Teupe aus der Diabetesklinik Bad Mergentheim. In der täglichen Arbeit der Diabetologen zeigt sich immer wieder, dass Patienten mit Diabetes mellitus Typ 1 und Übergewicht deutlich instabilere Blutzuckerwerte haben und einen deutlich höheren Insulinbedarf aufweisen.

Das metabolische Syndrom gilt als Ausdruck einer ausgeprägten Insulinresistenz und ist gekennzeichnet durch Störung der Glucosetoleranz, Fettstoffwechselstörung, Bluthochdruck, Übergewicht mit einem BMI von über 30 kg/m² und einer vermehrten zentralen Adipositas, gemessen an dem Bauchumfang von mehr als 102 cm bei Männern und mehr als 88 cm bei Frauen.

Das metabolische Syndrom gilt gemeinhin als Vorstufe für einen Typ 2 Diabetes.

In großen Studien zur Therapie des Typ 1 Diabetes wurde auch untersucht, wie häufig ein metabolisches Syndrom nach o.g. Kriterien bei den untersuchten Typ 1-Diabetikern vorkam. Die Häufigkeit wurde in den Studien zwischen 20 und 40% angegeben. Ein eindeutiger Zusammenhang zwischen der Häufigkeit und dem Ausmaß von Übergewicht wurde gesehen.

Die Erfahrung vieler Diabetologen zeigt, dass eine effektive Behandlung der Insulinresistenz bei Typ 1 Diabetikern, bei denen eine Insulinresistenz vermutet wurde, zu einer wesentlichen Stoffwechselstabilisierung geführt hat.

Die detektivische Diagnose des „Doppeldiabetes“

Die Insulinresistenzmessung beim Typ 1 Diabetes ist erschwert dadurch, dass keine eigene Insulinproduktion vorliegt und eine erhöhte Insulinproduktion nicht hierzu herangezogen werden kann. Es gibt eine Formel, die die geschätzte Glucoseverwertungsrate als Maß der Insulinresistenz berechnet.

Die Estimated Glucose Dispoasal Rate = EGDR = 24,31 –(12,22 x WH)-3,29 x HT)-0,57 x HbA1c.

In dieser Formel bedeutet WH = Verhältnis von Bauchumfang zu Hüftumfang.

HT = Hypertonie (über 140/90 mmHg) vorhanden oder nicht: 0 oder 1.

HbA1c meint den Langzeitwert der Blutzuckereinstellung.

Ein Wert von weniger als 8,77 mg/KG x min zeigt eine 100%ige Sensitivität und 82%ige Spezifität für die Diagnose des metabolischen Syndroms bei Menschen mit Typ 1 Diabetes.

Die Therapie des „Doppeldiabetes“

Die wirksamsten Maßnahmen sind lebensstilverändernde Maßnahmen, die zu einer Gewichtsreduktion führen. An erster Stelle steht hier körperliche Aktivität, Sport, sowie eine modifizierte gesunde Ernährung im Sinne einer mediterranen Kost, eine fettreduzierte isokalorische Ernährung. Gewichtsabnahme ist immer hilfreich.

An medikamentösen Therapieoptionen sind die zur Therapie des Typ 2 Diabetes und somit auch der Insulinresistenz zugelassenen Medikamente alle nicht zugelassen zum Einsatz bei Typ 1 Diabetikern, da hierfür keine Zulassungsstudien vorliegen. Beschrieben sind positive Effekte von Metformin, Pioglitazon (Actos) und GLP1-Agonisten z.B. Victoza).

Diabetes und Soziales

Für die Berufswahl gibt es bei Menschen mit Diabetes mit ganz wenigen Ausnahmen (z.B. berufsbedingter Gebrauch von Schusswaffen) keine grundsätzlichen, sondern nur bedingte Einschränkungen. Dasselbe gilt für den Führerschein.

Die Anerkennung der Schwerbehinderung oder des Grades der Behinderung (GdB) orientieret sich entsprechend der seit 2010 geltenden Versorgungsmedizin-Verordnung am Therapieaufwand der Betroffenen und deren Benachteiligungen im Alltag.

Entsprechend müssen Empfänger von Sozialhilfe, wenn sie finanziellen Mehrbedarf geltend machen nachweisen, dass sie für „Ergänzungs-BEs“ zum Auffangen von Unterzuckerungen einen finanziellen Mehraufwand haben. Aber Vorsicht ! Therapiebedingte Einschnitte in der Lebensführung, z.B. häufige Hypoglykämien, können Rückschlüsse auf mögliche Einschränkungen für den Straßenverkehr erlauben und zu Problemen mit bereits abgeschlossenen oder geplanten Versicherungen führen.

Stadien des Typ 1 Diabetes

Typ 1 Diabetes ist eine Autoimmunerkrankung, bei der die Betazellen der Bauchspeicheldrüse nach und nach zerstört werden, bis es zu einem totalen Insulinmangel kommt. Die Erkrankung beginnt nach neueren Erkenntnissen lange, bevor sie sich in Symptomen äußert. Charakeristisch sind Autoantikörper im Blut, die vor dem Ausbruch der Erkrankung gemessen werden können. Die Forschergruppe des Helmholtz Zentrums in München um Professor Anette-Gabriele Ziegler hat zusammen mit internationalen Wissenschaftlern ein Drei-Stadien-Modell entwickelt, mit dem sich Typ 1 Diabetes frühzeitig diagnostizieren lässt. Es wurde in der Zeitschrift Diabetes Care (2015) veröffentlicht*. Weiterlesen

Diabetes und Bluthochdruck

Bluthochdruck ist die häufigste Krankheit in den Industrieländern. Unbehandelt ist er mitverantwortlich für Schädigungen der Nieren, des Gehirns und des Herzens. Herzinfarkte sind in Deutschland die Todesursache Nummer Eins.

Der Bluthochdruck verursacht über lange Zeit keine spürbaren Beschwerden. Nur gelegentlich kommt es zu Kopfschmerzen oder Müdigkeit. So wird der Bluthochdruck meistens nur zufällig entdeckt. Eine frühzeitige Erkennung und konsequente Behandlung des Bluthochdrucks sind jedoch sehr wichtig, um Folgeerkrankungen und Schäden an unseren Organen zu verhindern.

Diabetes und Sexualität

Sexuelle Störungen treten bei Diabetespatienten im Vergleich zum Bevölkerungsdurchschnitt deutlich häufiger auf. Dafür gibt es mehrere Gründe. Neben einer Störung von Nervenfunktionen im Zusammenhang mit der Regulation der Durchblutung spielen auch seelische Probleme eine Rolle. Hinzukommen Nebwirkungen bestimmter Medikamente, wie z.B. blutdrucksenkende Mittel.

Sexuelle Störungen der Frau sind bisher weniger erforscht, als sexuelle Störungen des Mannes. Im Arztgespräch ergibt sich meist sehr bald, ob körperliche Ursachen oder seelische Ursachen im Vordergrund stehen und welche Untersuchungsmöglichkeiten bzw. Möglichkeiten der Behandlung es gibt. Diabetes und Partnerschaft stellt die Betroffenen immer wieder vor besondere Herausforderungen, dabei sollte das Thema Schwangerschaftsverhütung bzw. Planung einer Schwangerschaft mit dem Arzt rechtzeitig besprochen werden.

Die folgenden Ausführungen sollen Sie ermutigen, mit Ihrem Partner über das Thema Sexualität zu reden und bei weiterem Informationsbedarf über das was beide angeht mit dem Arzt Ihres Vertrauens (Hausarzt, Diabetologe, Gynäkologe, Urologe, Endokrinologe) zu sprechen.