Der Testosteronmangel des älteren Mannes

Ab Mitte des vierten Lebensjahrzehnts bekommen auch Männer allgemeine Störungen in Form von Hitzewallungen, Schlafstörungen, Müdigkeit, Nervosität und depressive Verstimmung. Die Libido und sexuelle Aktivitäten nehmen ab: im Vergleich zu 30-jährigen Männern sinkt sie ab 50 Jahre auf die Hälfte und ab 75 Jahre auf 20 %. Der Testosteronmangel führt weiterhin zu Verlust von Muskelmasse, Knochenmineraldichte und die physische Leistungsfähigkeit wird reduziert. Altersbedingter Hypogonadismus oder PADAM scheinen die wissenschaftlich korrektesten Bezeichnungen zu sein. Für den altersbedingten Hypogonadismus (Testosteronmangel) werden verschiedene Bezeichnungen verwendet:

  • Andropause, Andropenie
  • Klimakterium virile
  • Wechseljahre des Mannes
  • Partielles Androgen Defizit des alternden Mannes = PADAM
  • altersbedingter Testosteronmangel

Die Hormonveränderungen beim Mann entwickeln sich langsam

Die mittleren Testosteron-Serum-Spiegel sinken zwischen dem 40. und 70. Lebensjahr jedes Jahr um ca. 1%.

  • Abfall des Gesamttestosterons um ca. 0,4% pro Jahr
  • Abfall des freien Testosterons um ca. 1,2% pro Jahr
  • SHBG (sexualhormonbindendes Globulin) steigt um 1,2% pro Jahr
Daraus folgt eine Abnahme des biologisch wirksamen Testosterons um 30%. (Massachusetts Male Aging Study an 1709 Männern, Gray et al., J.Clin.Endocr. Metab. 73:1016,1991)

Die typischen klinischen Beschwerden eines älteren Mannes mit Testosteronmangel sind:

  • Osteoporose mit typischen Knochenschmerzen
  • Abnahme der Muskelkraft: Reduktion von Muskelmasse mit nachlassender Muskelkraft
  • Zunahme der Fettmasse: Fettablagerungen in der Bauchregion
  • Antriebsarmut/depressive Verstimmungen
  • Nachlassende kognitive Funktionen
  • Libidoverlust: Nachlassen sexueller Phantasien, vermindertes sexuelles Interesse
  • Erektile Dysfunktion: Bei ca. 20% der Patienten sind mitunter erniedrigte Testosteronwerte hierfür ein Grund, bei 3% ausschließlich.
  • Anämie: Abnahme der Gesamterythrozytenzahl und des Hämoglobins, Müdigkeit und Leistungsinsuffizienz sind die Folge

Diagnose: Testosteronmangel

Entsprechend dem Konsensuspapier 2000 der Deutschen Gesellschaft für Andrologie, der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft, der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie und der Deutschen Gesellschaft für Urologie wird die Diagnose eines behandlungsbedürftigen Testosteronmangels gestellt, wenn mindestens zwei Symptome vorliegen und das Gesamttestosteron kleiner 3ng/ml beträgt.

Symptomatik:

  • Störungen der sexuellen Funktion
  • Veränderungen des Bodyimage (Fettverteilung, Muskelaufbau)
  • Beschwerden aufgrund einer Osteoporose
  • Vegetativ-vasomotorisch (Hitzewallungen, Schwitzen)
  • Psychosomatisch (depressive Verstimmung)

Behandlungsmöglichkeiten bei Testosteronmangel

Bei einem diagnostizierten Mangel kann Testosteron im Rahmen einer Ersatztherapie gespritzt oder als Gel aufgetragen werden. Intramuskuläre Anwendung:

  • Testoviron® (Testosteron-Enanthat) – kurze Halbwertszeit
  • Hauptnachteil: schnell supraphysiologisch hohe Testosteronserumkonzentrationen. Danach fallen die Spiegel allmählich ab „Sägezahnprofil“

  • Nebido® (Testosterone Undecanoate) – lange Wirkdauer Applikationsintervall alle drei Monate
  • Testosterongele: Androtop®, Axiron®, Testogel®, Tostran® – tägliche Anwendung auf der Haut
Geeignete Hautstellen sind Oberarme, Bauch , Oberschenkelinnenseite und Achselhöhlen (Axiron). Möglichkeit der Testosteron-Übertragung auf andere Personen Nach der Auftragung müssen die Hände gewaschen und die Auftragungsstellen mit Kleidung geschützt werden.

Therapieüberwachung der Testosterontherapie

Eine Testosterontherapie erfordert eine regelmäßige Therapieüberwachung und Erfolgskontrolle einer Testosteronsubstitution.

  • Anfangs vierteljährlich, später halbjährlich Untersuchung der Prostata mittels Palpation, PSA und/oder Ultraschall (TRUS).
  • Messung des Testosteronspiegels, Östradiols Prolaktin und der Gonadotropine LH und FSH.
  • Daneben sollten halbjährliche Blutwerte, Serumlipoproteine und Leberwerte überwacht werden.
  • Regelmäßige Kontrolle des roten Blutbildes

Mögliche Nebenwirkungen der Testosterontherapie

Testosteron besitzt eine hohe therapeutische Sicherheit. Jedoch müssen folgende Punkte beachtet werden:

Prostata: Die Entwicklung eines Prostatakarzinoms wird beschleunigt. Testosteron darf beim Männern mit Prostatakarzinom nicht angewendet werden. Ein Prostatakarzinom muss vor Behandlungsbeginn ausgeschlossen werden. Aber: Durch Testosteronsubstitution ergibt sich keine Risikoerhöhung für die Neubildung eines Prostatakarzinoms!

Brust: Schwellung der Brust (Gynäkomastie)

Schlafapnoe: Kann Atemstörungen während des Schlafes verstärken

Polyglobulie: Gesteigerte Erythropoese (Thromboserisiko erhöht)

Testosteronmangel und Diabetes

Patienten mit Diabetes mellitus Typ 2 haben häufig niedrige Testosteronspiegel. Mangel an Testosteron

Bei niedrigen Testosteronspiegeln sollte entsprechend dem Regelkreis eine Meldung an den Hypothalamus erfolgen, damit eine vermehrte Ausschüttung von GnRH und LH, FSH erfolgt. Viele Patienten mit Diabetes Typ 2 haben eine Adipositas. Bei Adipositas sind die Gonadotropine LH und FSH trotz niedriger Testosteronspiegel ebenfalls niedrig. Dies bedeutet der Hoden wird nicht ausreichend stimuliert Testosteron zu produzieren. Dies führt zu einem fatalen Kreislauf, dass Muskelmasse abgebaut und Fett aufgebaut wird. Der Abbau der Muskelmasse verstärkt die Insulinresistenz.

Studienergebnisse zur Testosterontherapie

In einer englischen Studie* wurden 113 Patienten mit Diabetes mellitus Typ 2 mit Testosteron undeconat behandelt und mit 117 unbehandelten Kontrollen verglichen. Nach acht Jahren hatten die mit Testosteron behandelten Patienten ihr Gewicht um 18 % reduziert während die Vergleichsgruppe trotz Ernährungsberatung zugenommen hatte. Der HbA1c nahm um 2,5 % in der behandelten Gruppe ab. Im Vergleich zu einer Zunahme von 0,47 % in der Kontrollgruppe. Auch die Fettstoffwechselwerte wurden besser. Die Testosteronbehandlung hatte somit einen positiven Effekt auf die Parameter des metabolischen Syndroms.

*Men F Saad, A Haider, G Doros, A Traish: Long-Term Treatment with Injectable Testosterone Undecanoate (TU) Improves Type and Mortality in Hypogonadal, ADA 2015)

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Dieser Artikel wurde verfasst von Heidi Buchmüller