Kategorie-Archiv: Diabetes und Sexualität

Behandlungsmöglichkeiten von Sexualstörungen beim Mann

In Deutschland sind derzeit mehrere Präparate zu erhalten. Es handelt sich um Sildenafil mit dem Handelsnamen Viagra , Tadalafil, Handelsnahme Cialis und Vardenafil. Handelsname Levitra. Sildenafil und Tadalafil sind als preisgünstige „Generika“ (wirkstoffgleiche Kopien) zu erhalten. Der Wirkungseintritt und die Wirkdauer der Präparate sind unterschiedlich. So ist die Zeitspanne bis zum Wirkungseintritt nach der Einnahme von Levitra 25 bis 60 Minuten, nach Einnahme von Cialis ca. 30 Minuten, nach Einnahme von Viagra ca. 60 Minuten. Viagra und Levitra wirken ca. 4-6 Stunden, die Wirkdauer von Cialis beträgt ca. 24 Sunden. Die Präparate sind rezeptpflichtig, und werden in der Regel nicht von der Kasse übernommen. Mit der erwünschten Wirkung darf in ca. 50% gerechnet werden. Als Nebenwirkung kann es zu Kopfschmerzen, Hitzegefühl und Sodbrennen kommen. Bestimmte Patienten dürfen diese Präparate nicht anwenden. Kontraindiziert sind sie z.B. Patienten mit Angina pectoris bzw. fortschreitender koronarer Herzkrankheit. Auch dürfen die Präparate nicht zusammen eingenommen werden mit Nitropräparaten, wie Nitrolingual-Spray, Isosorbiddninitrat (ISDN), Isosorbidmonotinitrat (ISMN) oder Molsidomin. Wir empfehlen Ihnen deshalb mit Ihrem Arzt darüber sprechen. Neben diesen Medikamenten gibt es einen riesigen Versandmarkt im Internet mit unzähligen Präparaten, die potenzsteigernd wirken sollen. Diese Präparate helfen meist mehr der finanziellen Potenz des Herstellers und der Händler und weniger denjenigen die Hilfe suchen.

Was versteht man unter Störung der Sexualfunktion?

Störung der Sexualfunktion bedeutet: „Verlust der Fähigkeit auf sexuelle Stimulation eine entsprechende Reaktion zu erzielen und aufrechtzuerhalten, um einen erfüllten Orgasmus zu erleben“. Diese Definition gilt für Männer und Frauen. Sie beinhaltet Libidoverlust (Verlust des sexuellen Begehrens), kann aber auch bedeuten fehlender Orgasmus oder erektile Dysfunktion (der Penis wird nicht hart genug). Die Libido ist nicht bei allen Menschen gleich ausgeprägt. Deshalb muss unterschieden werden, ob es sich um einen krankheitsbedingten Libidoverlust handelt oder um eine natürliche Variante mit reduzierter Libido. Auch in bestimmten Lebensphasen kann es vorübergehend zu einer reduzierten Libido kommen.

Die Ursachen sind vielfältig

Die Zahlen für die Häufigkeit von Sexualstörungen bei Männern und Frauen mit Diabetes sind sehr unterschiedlich. Dies liegt daran, dass bei verschiedenen statistischen Auswertungen nicht alle Faktoren berücksichtigt werden können, die mit Störungen der Sexualfunktion in Zusammenhang stehen. Dazu gehören z.B. die Diabetesdauer, die Diabeteseinstellung, mögliche Folgekrankheiten, oder auch bestimmte Medikamente. Hinzu kommen Faktoren die generell entweder primär oder zusätzlich zu einer Störung der Sexualfunktion führen. So haben die psychische Verfassung und nicht zuletzt die Harmonie in der Beziehung eine wesentliche Bedeutung. Belastend wirken Sorgen um die Gesundheit, so auch die Angst vor diabetischen Folgekrankheiten, aber auch die Sorge um den Arbeitsplatz oder anhaltender beruflicher Stress. Oft fällt es schwer, die Anforderungen an sich selbst und die Erwartungen anderer richtig einzuschätzen. Dies betrifft die Leistungsfähigkeit im Beruf genauso in der Sexualität. Menschen die dazu neigen, sich selbst zu überfordern, fühlen sich schließlich als doppelte Versager – im Beruf und im Bett. An psychische oder soziale Ursachen muss auch bei Kinderwunsch und ausbleibender Schwangerschaft gedacht werden. Deshalb soll an dieser Stelle nochmals Mut gemacht werden, ein vertrauliches Gespräch mit dem Arzt zu suchen.

Der Testosteronmangel des älteren Mannes

Ab Mitte des vierten Lebensjahrzehnts bekommen auch Männer allgemeine Störungen in Form von Hitzewallungen, Schlafstörungen, Müdigkeit, Nervosität und depressive Verstimmung. Die Libido und sexuelle Aktivitäten nehmen ab: im Vergleich zu 30-jährigen Männer sinkt sie ab 50 Jahre auf die Hälfte und ab 25 Jahre auf 20 %.

Der Testosteronmangel führt weiterhin zu Verlust von Muskelmasse, Knochenmineraldichte und die physische Leistungsfähigkeit wird reduziert.

Altersbedingter Hypogonadismus oder PADAM scheinen die wissenschaftlich korrektesten Bezeichnungen zu sein. Für den altersbedingten Hypogonadismus (Testosteronmangel) werden verschiedene Bezeichnungen verwendet:

  • Andropause, Andropenie
  • Klimakterium virile
  • Wechseljahre des Mannes
  • Partielles Androgen Defizit des alternden Mannes = PADAM
  • altersbedingter Testosteronmangel

Die Hormonveränderungen beim Mann entwickeln sich langsam

Die mittleren Testosteron-Serum-Spiegel sinken zwischen dem 40. und 70. Lebensjahr jedes Jahr um ca. 1%.

  • Abfall des Gesamttestosterons um ca. 0,4% pro Jahr
  • Abfall des freien Testosterons um ca. 1,2% pro Jahr
  • SHBG (sexualhormonbindendes Globulin) steigt um 1,2% pro Jahr

Daraus folgt eine Abnahme des biologisch wirksamen Testosterons um 30%.(Massachusetts Male Aging Study an 1709 Männern, Gray et al., J.Clin.Endocr. Metab. 73:1016,1991)

Die typischen klinischen Beschwerden eines älteren Mannes mit Testosteronmangel sind:

  • Osteoporose mit typischen Knochenschmerzen
  • Abnahme der Muskelkraft: Reduktion von Muskelmasse mit nachlassender Muskelkraft
  • Zunahme der Fettmasse: Fettablagerungen in der Bauchregion
  • Antriebsarmut/depressive Verstimmungen
  • Nachlassende kognitive Funktionen
  • Libidoverlust: Nachlassen sexueller Phantasien, vermindertes sexuelles Interesse
  • Erektile Dysfunktion: Bei ca. 20% der Patienten sind mitunter erniedrigte Testosteronwerte hierfür ein Grund, bei 3% ausschließlich.
  • Anämie: Abnahme der Gesamterythrozytenzahl und des Hämoglobins Þ Müdigkeit und Leistungsinsuffizienz sind die Folge

Diagnose: Testosteronmangel

Entsprechend dem Konsensuspapier 2000 der Deutschen Gesellschaft für Andrologie, der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft, der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie und der Deutschen Gesellschaft für Urologie wird die Diagnose eines behandlungsbedürftigen Testosteronmangels gestellt, wenn mindestens zwei Symptome vorliegen und das Gesamttestosteron kleiner 3ng/ml beträgt.

Symptomatik:

  • Störungen der sexuellen Funktion
  • Veränderungen des Bodyimage (Fettverteilung, Muskelaufbau)
  • Beschwerden aufgrund einer Osteoporose
  • Vegetativ-vasomotorisch (Hitzewallungen, Schwitzen)
  • Psychosomatisch (depressive Verstimmung)

Behandlungsmöglichkeiten bei Testosteronmangel

Bei einem diagnostizierten Mangel kann Testosteron im Rahmen einer Ersatztherapie gespritzt oder als Gel aufgetragen werden.

Intramuskuläre Anwendung:

  • Testoviron® (Testosteron-Enanthat) – kurze Halbwertszeit

Hauptnachteil: schnell supraphysiologisch hohe Testosteronserumkonzentrationen. Danach fallen die Spiegel allmählich ab Þ „Sägezahnprofil“

  • Nebido® (Testosterone Undecanoate) – lange Wirkdauer Applikationsintervall alle drei Monate
  • Testosterongele: Androtop®, Axiron®, Testogel®, Tostran® – tägliche Anwendung auf der Haut

Geeignete Hautstellen sind Oberarme, Bauch , Oberschenkelinnenseite und Achselhöhlen (Axiron). Möglichkeit der Testosteron-Übertragung auf andere Personen

Nach der Auftragung müssen die Hände gewaschen und die Auftragungsstellen mit Kleidung geschützt werden.

Therapieüberwachung der Testosterontherapie

Eine Testosterontherapie erfordert eine regelmäßige Therapieüberwachung und Erfolgskontrolle einer Testosteronsubstitution.

  • Anfangs vierteljährlich, später halbjährlich Untersuchung der Prostata mittels Palpation, PSA und/oder Ultraschall (TRUS).
  • Messung des Testosteronspiegels, Östradiols Prolaktin und der Gonadotropine LH und FSH.
  • Daneben sollten halbjährliche Blutwerte, Serumlipoproteine und Leberwerte überwacht werden.
  • Regelmäßige Kontrolle des roten Blutbildes

Mögliche Nebenwirkungen der Testosterontherapie

Testosteron besitzt eine hohe therapeutische Sicherheit. Jedoch müssen folgende Punkte beachtet werden:

Prostata: Die Entwicklung eines Prostatakarzinoms wird beschleunigt. Testosteron darf beim Männern mit Prostatakarzinom nicht angewendet werden. Ein Prostatakarzinom muss vor Behandlungsbeginn ausgeschlossen werden. Aber: Durch Testosteronsubstitution ergibt sich keine Risikoerhöhung für die Neubildung eines Prostatakarzinoms!

Brust: Schwellung der Brust (Gynäkomastie)

Schlafapnoe: Kann Atemstörungen während des Schlafes verstärken

Polyglobulie: Gesteigerte Erythropoese (Thromboserisiko erhöht)

Testosteronmangel und Diabetes

Patienten mit Diabetes mellitus Typ 2 haben häufig niedrige Testosteronspiegel.

Mangel an Testosteron

Bei niedrigen Testosteronspiegeln sollte entsprechend dem Regelkreis eine Meldung an den Hypothalamus erfolgen, damit eine vermehrte Ausschüttung von GnRH und LH, FSH erfolgt. Viele Patienten mit Diabetes Typ 2 haben eine Adipositas. Bei Adipositas sind die Gonadotropine LH und FSH trotz niedriger Testosteronspiegel ebenfalls niedrig. Dies bedeutet der Hoden wird nicht ausreichend stimuliert Testosteron zu produzieren. Dies führt zu einem fatalen Kreislauf, dass Muskelmasse abgebaut und Fett aufgebaut wird. Der Abbau der Muskelmasse verstärkt die Insulinresistenz.

Studienergebnisse zur Testosterontherapie

In einer englischen Studie* wurden 113 Patienten mit Diabetes mellitus Typ 2 mit Testosteron undeconat behandelt und mit 117 unbehandelten Kontrollen verglichen. Nach acht Jahren hatten die mit Testosteron behandelten Patienten ihr Gewicht um 18 % reduziert während die Vergleichsgruppe trotz Ernährungsberatung zugenommen hatte. Der HbA1c nahm um 2,5 % in der behandelten Gruppe ab. Im Vergleich zu einer Zunahme von 0,47 % in der Kontrollgruppe. Auch die Fettstoffwechselwerte wurden besser. Die Testosteronbehandlung hatte somit einen positiven Effekt auf die Parameter des metabolischen Syndroms.

*Men F Saad, A Haider, G Doros, A Traish: Long-Term Treatment with Injectable Testosterone Undecanoate (TU) Improves Type and Mortality in Hypogonadal, ADA 2015)

Diabetes und Sexualität

Sexuelle Störungen treten bei Diabetespatienten im Vergleich zum Bevölkerungsdurchschnitt deutlich häufiger auf. Dafür gibt es mehrere Gründe. Neben einer Störung von Nervenfunktionen im Zusammenhang mit der Regulation der Durchblutung spielen auch seelische Probleme eine Rolle. Hinzukommen Nebwirkungen bestimmter Medikamente, wie z.B. blutdrucksenkende Mittel.

Sexuelle Störungen der Frau sind bisher weniger erforscht, als sexuelle Störungen des Mannes. Im Arztgespräch ergibt sich meist sehr bald, ob körperliche Ursachen oder seelische Ursachen im Vordergrund stehen und welche Untersuchungsmöglichkeiten bzw. Möglichkeiten der Behandlung es gibt. Diabetes und Partnerschaft stellt die Betroffenen immer wieder vor besondere Herausforderungen, dabei sollte das Thema Schwangerschaftsverhütung bzw. Planung einer Schwangerschaft mit dem Arzt rechtzeitig besprochen werden.

Die folgenden Ausführungen sollen Sie ermutigen, mit Ihrem Partner über das Thema Sexualität zu reden und bei weiterem Informationsbedarf über das was beide angeht mit dem Arzt Ihres Vertrauens (Hausarzt, Diabetologe, Gynäkologe, Urologe, Endokrinologe) zu sprechen.

Störungen der Sexualfunktion beim Mann

Bei körperlich gesunden Männern besteht bei ca. 30% eine Störung der Sexualfunktion. Bei Männern mit Typ 2 Diabetes sind über 50% betroffen. Die Störung der Sexualfunktion bei Männern ist meist bedingt durch eine Erektionsstörung oder „Erektile Dysfunktion“. Eine Erektionsstörung bzw. „erektilen Dysfunktion“ bedeutet, dass der Penis nicht hart genug wird oder er erschlafft schnell wieder, sodass weder der Verkehr mit dem Partner, noch eine Selbstbefriedigung möglich ist. Es handelt sich dabei um die dritthäufigste Komplikation bei Diabetes und wird häufig als starke Beeinträchtigung der Lebensqualität empfunden.

Ursachen für Störungen der Sexualfunktion beim Mann

Ein komplexes Zusammenspiel zwischen Hirn, Nervenfasern und Blutgefäßen sorgt dafür, dass eine Erektion entsteht. Manchmal sind diese Funktionsbereiche gemeinsam betroffen, häufig aber auch nur ein Teilbereich. Allein psychische und Partnerschaftskonflikte oder auch Versagensängste können dazu führen, dass es im Bett schwierig wird, obwohl dem Geschlechtsverkehr aus körperlicher Sicht nichts entgegensteht. Hier kann ein therapeutisches Gespräch mit dem Arzt oder einem Psychologen helfen, um die Angst zu nehmen und das Selbstbewusstsein zu stärken. Andererseits können hohe Blutzuckerwerte die Nerven und die Gefäße schädigen. Daher ist es wichtig, dass Sie regelmäßig Ihre Blutzuckerwerte kontrollieren und auf eine gute Einstellung Ihrer Blutzuckerwerte achten. Wenn die Blutzuckerwerte nur wenige Monate erhöht sind, kann sich auch eine Erektionsstörung durch eine längerfristige Normalisierung der Blutzuckerwerte wieder bessern. Wenn jedoch die Blutzuckerwerte längerfristig erhöht sind, werden Nerven und Blutgefäße im Penis dauerhaft geschädigt, mit der Folge bleibender Erektionsstörungen. Weitere Risikofaktoren wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen, erhöhte Blutfettwerte (Cholesterin) oder Rauchen schädigen die Blutgefäße zusätzlich und erhöhen die Wahrscheinlichkeit für Erektionsprobleme.

Eine Erektion ist gar nicht so einfach

Damit „Er“ erregt ist, muss in der Psyche und im Körper einiges passieren. Die Erregung beginnt immer im Kopf, nämlich mit der Wahrnehmung eines erotischen Reizes. Solche Reize sind ganz individuell – manche Männer reagieren besonders auf einen attraktiven Anblick, andere auf eine Berührung, Geräusche, Musik oder eine Fantasie.

Der weite Weg über Nervenbahnen und Blutgefäße

Über Nervenimpulse wird die Erregung vom Gehirn über untergeordnete Leitzentren des Rückenmarks zum Penis geleitet. Hier erweitern sich die Blutgefäße und die Schwellkörper des Penis. Die Schwellkörper ähneln einem Schwamm. Sie können also in kurzer Zeit viel Flüssigkeit aufnehmen. Steigt der Blutfluss weiter an, nimmt der Druck in den Schwellkörpern zu. Die bindegewebige Hülle, die die Schwellkörper umgibt, ist nur begrenzt dehnungsfähig. Dadurch werden die Venen, durch die das Blut aus dem Schwellkörper abfließt, zwischen dem Schwellkörper und der Hülle zusammengedrückt und das Blut kann schlechter abfließen. Das bedeutet: Es fließt mehr Blut in den Penis hinein, als wieder herausfließt. Dadurch schwillt der Penis an und richtet sich auf. Es kommt zur Erektion. Der Erektionsvorgang ist also ein Wechselspiel zwischen Erweiterung und Verengung von Blutgefäßen und Schwellkörpern bzw. ein Wechselspiel zwischen Bluteinstrom und Blutabfluss, der vom Nervensystem gesteuert wird. Der Erektionsvorgang kann daher an mehreren Stellen gestört sein.

Auch Medikamente können die Erektion beeinträchtigen

In vielen Fällen wirkt sich auch die Einnahme von Medikamenten negativ auf die Erektionsfähigkeit aus, z. B. Bluthochdruckmedikamente,  Antidepressiva oder Cimetidin. Manchmal gibt es entsprechende Medikamente, bei denen diese Nebenwirkungen eine geringere Rolle spielen. Setzen Sie Ihre Medikamente jedoch auf keinen Fall eigenmächtig ab – Ihr Arzt hatte einen guten Grund, sie Ihnen zu verschreiben.

 Wenn das Testosteron aus dem Gleichgewicht gerät

Auch der Hormonspiegel spielt eine entscheidende Rolle für eine erfüllte Sexualität. Viele Männer mit Diabetes produzieren weniger Testosteron, das wichtigste männliche Geschlechtshormon, dies kann ein Grund für Erektionsprobleme sein. Der Testosteronmangel und die damit einhergehenden Probleme können meist mit einer Hormontherapie behoben werden diese Therapiemöglichkeit sollten Sie mit dem Arzt Ihres Vertrauens besprechen.

Behandlungsmöglichkeiten von Sexualstörungen beim Mann

Tabletten zum Einnehmen:

In Deutschland sind derzeit mehrere Präparate mit unterschiedlichem Preis zu erhalten. Es handelt sich um Sildenafil bzw. Viagra,  Cialis (Talafil) und Levitra (Vardenafil). Am preisgünstigsten ist Sildenafil. Der Wirkungseintritt und die Wirkdauer der Präparate sind unterschiedlich. So ist die Zeitspanne bis zum Wirkungseintritt nach der Einnahme von Levitra 25 bis 60 Minuten, nach Einnahme von Cialis ca. 30 Minuten, nach Einnahme von Sildenafil bzw. Viagra ca. 60 Minuten. Sildenafil bzw. Viagra und Levitra wirken ca. 4-6 Stunden, die Wirkdauer von Cialis beträgt ca. 24 Sunden. Die Präparate sind rezeptpflichtig, und werden in der Regel nicht von der Kasse übernommen. Mit der erwünschten Wirkung darf in ca. 50% gerechnet werden. Als Nebenwirkung kann es zu Kopfschmerzen, Hitzegefühl und Sodbrennen kommen. Bestimmte Patienten dürfen diese Präparate nicht anwenden. Kontraindiziert sind sie z.B. Patienten mit Angina pectoris bzw. fortschreitender koronarer Herzkrankheit. Auch darf das Präparat nicht zusammen eingenommen werden mit Nitropräparaten, wie Nitrolingual-Spray, Isosorbiddninitrat (ISDN), Isosorbidmonotinitrat (ISMN) oder Molsidomin. Wir empfehlen Ihnen deshalb mit Ihrem Arzt darüber sprechen. Neben diesen Medikamenten gibt es einen riesigen Versandmarkt im Internet mit unzähligen Präparaten, die potenzsteigernd wirken sollen. Diese Präparate helfen meist mehr der finanziellen Potenz des Herstellers und der Händler und weniger denjenigen die Hilfe suchen.

Weitere Therapiemöglichkeiten bei Sexualstörungen

Vakuumpumpen und Penisring:

Die Vakuumpumpe ermöglicht ohne chemische Mittel eine Erektion. Um den Penis herum wird ein Unterdruck erzeugt. Dadurch weiten sich die Schwellkörper des Penis, mit der Folge, dass das Blut in die Schwellkörper des Penis strömt. Die Schwellkörper weiten sich und es kommt zu einer Erektion. Wirkungswahrscheinlichkeit 60-80% . Nebenwirkungen werden relativ selten beschrieben: Kleine Hautunterblutungen, lokale Schmerzen. Die Nutzung einer Vakuumpumpe sollte insbesondere dann auch in Erwägung gezogen werden, wenn Medikamente nicht gewünscht oder nicht vertragen werden.

Näheres zur Funktion der Vakuumpumpe
Der Penis wird in einen durchsichtigen Kunststoffzylinder geschoben, wo mit Hilfe eines eingebauten kleinen Motors über einen Unterdruck Blut in die Schwellkörper des Penis gesogen wird. Meist ist nach ca. 30 Sekunden der gewünschte Versteifungsgrad erreicht. Der Ansaugvorgang mit der Vakuumpumpe wird als nicht schmerzhaft angegeben. Direkt nach Entfernen der Pumpe wird ein Gummiring über die Peniswurzel gestreift, um zu verhindern, dass das Blut wieder zurückfließt. Einzelne Patienten berichten darüber, dass allein die Nutzung eines Gummirings, käuflich als „Penisring“, ohne Vakuumpumpe helfen kann. Nach dem Geschlechtsverkehr wird der Penisring entfernt, und der Penis kann wieder erschlaffen. Die Stauung sollte nicht länger als ½ Stunde erhalten bleiben. Die Anwendung der Vakuumpumpe ist sehr einfach und schnell zu erlernen.

SKAT (Schwell-Körper-Autoinjektions-Therapie):

Bei der SKAT spritzt man sich vor dem Geschlechtsverkehr ein erektionsauslösendes Medikament direkt in die Schwellkörper des Penis. Da die verwendeten Nadeln sehr dünn sind, ist diese Injektion nahezu schmerzfrei. Die Erektion sollte nicht länger als eine Stunde anhalten. Deshalb muss die Dosis individuell unter ärztlicher Aufsicht angepasst werden. Während der Anwendung sollte kein Alkohol getrunken werden. Wirkungs-Wahrscheinlichkeit 50-70%. Die Kontraindikationen sind ähnlich wie bei den oben genannten Tabletten (Sildenafil u.a.): Angina pectoris bzw. fortschreitende koronare Herzkrankheit, gleichzeitige Einnahme bestimmter Medikamenten gegen Angina pectoris (Nitrolingual-Spray, Isosorbiddninitrat (ISDN), Isosorbidmonotinitrat (ISMN) oder Molsidomin). Mögliche Nebenwirkungen sind: Kopfschmerzen, Schwindelgefühl, Gesichtsrötung, Schwellung der Nasenschleimhaut, Verdauungsstörungen und Störungen des Farbsehens. Bei zu hoher Dosis kann es zu einer schmerzhaften Dauererektion kommen. In diesem Fall muss umgehend ein Arzt, möglichst Urologe, aufgesucht werden, damit er ein Gegenmittel in den Schwellkörper einbringt. Die Nutzung von SKAT sollte deshalb unbedingt in Absprache mit dem Arzt erfolgen.

Das Medikament, welches gespritzt wird, enthält in erhöhter Konzentration Alprostadil. Diese Substanz wird synthetisch hergestellt und entspricht dem Prostaglandin E1. Es handelt sich dabei um eine Substanz, welche in niedriger Konzentration natürlich im Körper vorkommt. Die Injektion führt dazu, dass die Muskelzellen der Penisarterien erschlaffen und sich die Blutgefäße erweitern können, mit der Folge, dass Blut in die Schwellkörper strömt und eine Erektion zustande kommt.

„MUSE“ (Medikamentöses Urethralen System zur Erektion):

Bei der MUSE wird, wie bei SKAT die Substanz Alprostadil verwendet. Im Gegensatz zu SKAT erfolgen keine Injektionen, sondern Alprostadil wird mit einem feinen Stäbchen in die Harnröhre vorgeschoben. Dort wird es über die Schleimhaut aufgenommen und wirkt nach fünf bis zehn Minuten. Die gewünschte Erektion ist jedoch weniger sicher als bei SKAT.

Die möglichen Nebenwirkungen sind ähnlich wie bei der SKAT. Die Kontraindikationen sind dieselben. Wie bei SKAT kann es zu einer schmerzhaften anhaltenden Erektion kommen, bei der unverzüglich der Arzt aufgesucht werden sollte. Wenn Reste von Alprostadil von der Frau aufgenommen werden kann es zu einer Wehentätigkeit kommen. Deshalb sollte bei der Verwendung von MUSE beim Geschlechtsverkehr ein Kondom benutzt werden. SKAT und MUSE dürfen nicht angewendet werden, wenn ein Penisimplantat vorhanden ist.

Penisimplantate:

Wenn sämtliche oben aufgeführte Therapiemöglichkeiten erfolglos sind, kann ein chirurgischer Eingriff mit Einbringung eines Penisimplantats erwogen werden. Meist handelt es sich dabei um hydraulische, d.h. aufpumpbare Systeme. Sie bestehen aus einem Flüssigkeitsreservoir im Bauchraum, einem Pumpmechanismus und zwei in den Penis eingesetzten Schwellkörpern. Die Einlage des Penisimplantats erfolgt über einen Schnitt unterhalb des Penis und hinterlässt deshalb meist keine sichtbare Narbe. Wenn eine Erektion gewünscht wird, so erfolgt über den Pumpmechanismus die Füllung der Schwellkörper mithilfe einer Flüssigkeit. Durch Betätigung eines Ventils kann die Erektion wieder zum Abklingen gebracht werden.

 

 

Störungen der Sexualfunktion bei Frauen mit Diabetes

Entsprechend Angaben der wissenschaftlichen Literatur sind die Störungen der Sexualfunktion bei körperlich gesunden Frauen höher als bei körperlich gesunden Männern, sie liegen zwischen 25-60%. Bei Frauen mit Typ 2 Diabetes liegt die Häufigkeit bei ca. 40%, bei Frauen mit Typ 1 Diabetes bei ca. 70%.

Ursachen für Störungen der Sexualfunktion bei Frauen

Zunächst sollten, wie bei Störungen der Sexualfunktion des Mannes, psychische und Partnerschaftskonflikte ausgeschlossen werden. Die häufige organische Ursache ist der Mangel an Scheidenflüssigkeit (Lubrikationsstörung). Lubrikation bedeutet Feuchtwerden der Scheide, der Geschlechtsverkehr wird deshalb schmerzhaft. Im medizinischen Sprachgebrauch spricht man von „ Dyspareunie“. Bei mangelndem Feuchtwerden der Geschlechtsorgane kommt es beim Verkehr zu brennenden oder krampfartigen  Schmerzen im Genitalbereich, ein Orgasmus bleibt dabei meist aus. Neben Diabetes kann auch ein Östrogenmangel in den Wechseljahren zu einer reduzierten Bildung von Scheidenflüssigkeit führen. Bei Mangel an Scheidenflüssigkeit können Gleitgele hilfreich sein. In den Wechseljahren werden hormonhaltige (Estriol) Cremes oder – Zäpfchen angewandt. Dies sollten Sie zuvor mit dem Frauenarzt oder dem Hausarzt besprechen.

Libido während und nach den Wechseljahren

Während und nach den Wechseljahren entwickelt sich die Libido unterschiedlich. Bei einem Teil der Frauen nimmt die Lust auf den klassischen Geschlechtsverkehr ab. Manche dieser Frauen bevorzugen andere Formen sexueller Stimulierung und zeigen mehr Interesse am Austausch von Zärtlichkeiten mit dem Partner. Andere Frauen fühlen sich dagegen freier in ihrer Sexualität, es gibt keine Regelblutungen mehr, auch entfällt die Frage der Verhütung.

Weitere Ursachen für eine Störung der Sexualfunktion bei Frauen sind eine fehlende Erektion der Klitoris mit reduzierter Erregbarkeit und fehlender Orgasmus. Auch Scheiden-Infektionen können zu entsprechenden Störungen führen. Scheideninfektionen, z.B. durch Pilze, werden begünstigt durch Antibiotika. Auch bestimmte Diabetes-Medikamente, die bei Typ2 Diabetikern verordnet werden, können eine Scheideninfektion auslösen („SGLT 2 Hemmer“).

Neben Schmerzen beim Verkehr in Folge von Mangel an Feuchtigkeit in der Scheide gibt es unabhängig davon Missempfindungen im Bereich der Scheide mit Brennen, Schmerzen, Juckreiz ohne sichtbare Veränderungen. Dies wird als „Vulvodynie“ bezeichnet. Da bei diesen Beschwerden die üblichen Schmerzmittel kaum wirksam sind, helfen manchmal Antidepressiva (z.B. Amitriptylin) und Antikonvulsiva (Gabapentin, Pregabalin). Auch Gleitgele können versucht werden. Manchmal hilft auch Gymnastik für den Beckenboden. Um dies zu lernen sollte man speziell geschulte Physiotherapeuten oder Hebammen aufsuchen. Zunächst wird geübt, den Beckenboden wahrzunehmen und isoliert anzuspannen. Daraufhin erfolgen unter Anleitung gezielte Übungen zur Stärkung der Beckenbodenmuskulatur. In einer Studie wurde bestätigt, dass Beckenbodentraining eine positive Wirkung auf die Orgasmusfähigkeit der Frau hat.

Diabetes und Partnerschaft

“Ist Diabetes ein Beziehungskiller?” In Umfragen wird das gelegentlich bestätigt. Doch das muss nicht sein. Häufig genannt wurden in der Befragung auch Angst vor Folgeschäden, schlechte Laune, dauernde Müdigkeit und Probleme bei Unterzuckerung sowie Einschränkungen beim Essen. Es wird deutlich, dass Diabetes nicht nur Auswirkungen auf das Leben des Betroffenen selbst hat, sondern auch auf die Menschen in seiner Umgebung – insbesondere natürlich auf den Partner.

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