Diabetes und Partnerschaft

“Ist Diabetes ein Beziehungskiller?” In Umfragen wird das gelegentlich bestätigt. Doch das muss nicht sein. Häufig genannt wurden in der Befragung auch Angst vor Folgeschäden, schlechte Laune, dauernde Müdigkeit und Probleme bei Unterzuckerung sowie Einschränkungen beim Essen. Es wird deutlich, dass Diabetes nicht nur Auswirkungen auf das Leben des Betroffenen selbst hat, sondern auch auf die Menschen in seiner Umgebung – insbesondere natürlich auf den Partner.

Wird bei einem Menschen Diabetes diagnostiziert, kann das großen Einfluss auf die Partnerschaft und das gemeinsame Leben haben. Mit der richtigen Behandlung ist auch mit der Erkrankung ein fast normales Leben möglich und das sollte auch für die Partnerschaft gelten. Indem die krankheitsbedingten Probleme in offenen Gesprächen thematisiert und Hilfsangebote sowie Therapiemöglichkeiten wahrgenommen werden, können unnötige Konflikte, die die Partnerschaft belasten, vermieden werden.

Bei Diabetes: Unterstützung ja – Überbehütung nein

Das richtige Maß an Unterstützung des Partners kann dem Betroffenen das Leben mit Diabetes erleichtern. Es ist jedoch wichtig, dass die Unterstützung nicht in Überfürsorglichkeit umschlägt.

Es ist verständlich, dass der Partner sich vermehrt Sorgen um den Betroffenen macht. Dies sollte jedoch nicht dazu führen, dass man meint, aus Rücksichtnahme nicht darüber zu reden. Übervorsichtige Rücksichtnahme schadet der Beziehung langfristig mehr als dass sie nützt. Dass der Partner gerade kurz nach der Diagnose besonders besorgt ist und den Betroffenen vielleicht häufiger als normal anruft, um sicherzugehen, dass alles in Ordnung ist, ist verständlich. Die Angst, dass der Betroffene, z.B. beim Autofahren, Unterzucker bekommt, kann zu einem ständigen Begleiter werden. Es können jedoch Maßnahmen ergriffen werden, um diese Angst zu reduzieren, beispielsweise können feste Zeiten vereinbart werden, zu denen man telefoniert. Diese Absprachen sollte man in einem ruhigen Gespräch gemeinsam festlegen. Allerdings darf der Betroffene nicht das Gefühl haben, überwacht und überbehütet zu werden, denn dann kann es passieren, dass er sich gegen gut gemeinte Ratschläge wehrt, Hilfe ablehnt und sich zurückzieht.

Auf der anderen Seite ist es genauso wichtig, dass der Betroffene nicht in Abhängigkeit von seinem Partner gerät, weil er Teilbereiche der notwendigen Selbstbehandlung, wie etwa die geeignete Ernährung, an den Partner delegiert.

So wichtig die Unterstützung von anderen ist, sollte der Betroffene doch in erster Linie selbst für seine Behandlung zuständig sein.

Was beide angeht: Diabetes und Sexualität

Erektionsstörungen können dem Selbstbewusstsein einen schweren Schlag versetzen – man fühlt sich nicht mehr als “ganzer Mann”, kann seiner Partnerin nicht immer eine erfüllte Sexualität bieten. Die Folge ist oft ein kompletter Rückzug von der Sexualität, um es erst gar nicht zum Erektionsproblem kommen zu lassen.

Die Partnerin jedoch ist verunsichert, da sie von den Schwierigkeiten nichts weiß – sie vermutet beispielsweise, nicht mehr attraktiv genug zu sein. So führen Erektionsstörungen schnell zu Problemen in der Partnerschaft.

Das muss nicht sein! Überwinden Sie Ihre Hemmungen und suchen Sie das Gespräch mit Ihrer Partnerin. Denn auch sie leidet oftmals unter der Situation. Daher wird sie Ihnen dankbar für Ihre Ehrlichkeit sein und mit Ihnen gemeinsam Lösungen suchen. Und vergessen Sie nicht: Für Frauen hängt eine erfüllte Sexualität nicht unbedingt nur vom Geschlechtsverkehr ab!

Ärzte und Psychologen können bei sexuellen Problem helfen

Falls auch Ihre Partnerin Ihnen die Versagensängste nicht nehmen kann, lohnt sich ein Gespräch mit dem Arzt Ihres Vertrauens oder der Besuch bei einem Psychotherapeuten – entweder allein oder auch zu zweit.

Das Thema Geschlechtsverkehr geht beide Partner etwas an und genau deshalb sollten Sie Ihre Partnerin in Ihre Entscheidungen zur Behandlung miteinbeziehen. Sprechen Sie nicht nur zu Hause, sondern auch gemeinsam mit dem Arzt darüber, was Ihnen an der Therapie am wichtigsten ist. Denn nur so können Sie die für sich und Ihre Partnerin beste Lösung finden.

Verschiedene Ärzte eignen sich als Ansprechpartner zum Thema Erektionsstörungen – nicht nur Urologen, sondern selbstverständlich auch Hausärzte, Diabetologen, Internisten und Psychotherapeuten. Suchen Sie sich den Arzt aus, bei dem Sie sich am wohlsten fühlen und vertrauen Sie sich ihm an. Die Medizin bietet heute viele Möglichkeiten.