Störungen der Sexualfunktion bei Frauen mit Diabetes

Entsprechend Angaben der wissenschaftlichen Literatur sind die Störungen der Sexualfunktion bei körperlich gesunden Frauen höher als bei körperlich gesunden Männern, sie liegen zwischen 25-60%. Bei Frauen mit Typ 2 Diabetes liegt die Häufigkeit bei ca. 40%, bei Frauen mit Typ 1 Diabetes bei ca. 70%.

Ursachen für Störungen der Sexualfunktion bei Frauen

Zunächst sollten, wie bei Störungen der Sexualfunktion des Mannes, psychische und Partnerschaftskonflikte ausgeschlossen werden. Die häufige organische Ursache ist der Mangel an Scheidenflüssigkeit (Lubrikationsstörung). Lubrikation bedeutet Feuchtwerden der Scheide, der Geschlechtsverkehr wird deshalb schmerzhaft. Im medizinischen Sprachgebrauch spricht man von „ Dyspareunie“. Bei mangelndem Feuchtwerden der Geschlechtsorgane kommt es beim Verkehr zu brennenden oder krampfartigen  Schmerzen im Genitalbereich, ein Orgasmus bleibt dabei meist aus. Neben Diabetes kann auch ein Östrogenmangel in den Wechseljahren zu einer reduzierten Bildung von Scheidenflüssigkeit führen. Bei Mangel an Scheidenflüssigkeit können Gleitgele hilfreich sein. In den Wechseljahren werden hormonhaltige (Estriol) Cremes oder – Zäpfchen angewandt. Dies sollten Sie zuvor mit dem Frauenarzt oder dem Hausarzt besprechen.

Libido während und nach den Wechseljahren

Während und nach den Wechseljahren entwickelt sich die Libido unterschiedlich. Bei einem Teil der Frauen nimmt die Lust auf den klassischen Geschlechtsverkehr ab. Manche dieser Frauen bevorzugen andere Formen sexueller Stimulierung und zeigen mehr Interesse am Austausch von Zärtlichkeiten mit dem Partner. Andere Frauen fühlen sich dagegen freier in ihrer Sexualität, es gibt keine Regelblutungen mehr, auch entfällt die Frage der Verhütung.

Weitere Ursachen für eine Störung der Sexualfunktion bei Frauen sind eine fehlende Erektion der Klitoris mit reduzierter Erregbarkeit und fehlender Orgasmus. Auch Scheiden-Infektionen können zu entsprechenden Störungen führen. Scheideninfektionen, z.B. durch Pilze, werden begünstigt durch Antibiotika. Auch bestimmte Diabetes-Medikamente, die bei Typ2 Diabetikern verordnet werden, können eine Scheideninfektion auslösen („SGLT 2 Hemmer“).

Neben Schmerzen beim Verkehr in Folge von Mangel an Feuchtigkeit in der Scheide gibt es unabhängig davon Missempfindungen im Bereich der Scheide mit Brennen, Schmerzen, Juckreiz ohne sichtbare Veränderungen. Dies wird als „Vulvodynie“ bezeichnet. Da bei diesen Beschwerden die üblichen Schmerzmittel kaum wirksam sind, helfen manchmal Antidepressiva (z.B. Amitriptylin) und Antikonvulsiva (Gabapentin, Pregabalin). Auch Gleitgele können versucht werden. Manchmal hilft auch Gymnastik für den Beckenboden. Um dies zu lernen sollte man speziell geschulte Physiotherapeuten oder Hebammen aufsuchen. Zunächst wird geübt, den Beckenboden wahrzunehmen und isoliert anzuspannen. Daraufhin erfolgen unter Anleitung gezielte Übungen zur Stärkung der Beckenbodenmuskulatur. In einer Studie wurde bestätigt, dass Beckenbodentraining eine positive Wirkung auf die Orgasmusfähigkeit der Frau hat.