Störungen der Sexualfunktion beim Mann

Bei körperlich gesunden Männern besteht bei ca. 30% eine Störung der Sexualfunktion. Bei Männern mit Typ 2 Diabetes sind über 50% betroffen. Die Störung der Sexualfunktion bei Männern ist meist bedingt durch eine Erektionsstörung oder „Erektile Dysfunktion“. Eine Erektionsstörung bzw. „erektilen Dysfunktion“ bedeutet, dass der Penis nicht hart genug wird oder er erschlafft schnell wieder, sodass weder der Verkehr mit dem Partner, noch eine Selbstbefriedigung möglich ist. Es handelt sich dabei um die dritthäufigste Komplikation bei Diabetes und wird häufig als starke Beeinträchtigung der Lebensqualität empfunden.

Ursachen für Störungen der Sexualfunktion beim Mann

Ein komplexes Zusammenspiel zwischen Hirn, Nervenfasern und Blutgefäßen sorgt dafür, dass eine Erektion entsteht. Manchmal sind diese Funktionsbereiche gemeinsam betroffen, häufig aber auch nur ein Teilbereich. Allein psychische und Partnerschaftskonflikte oder auch Versagensängste können dazu führen, dass es im Bett schwierig wird, obwohl dem Geschlechtsverkehr aus körperlicher Sicht nichts entgegensteht. Hier kann ein therapeutisches Gespräch mit dem Arzt oder einem Psychologen helfen, um die Angst zu nehmen und das Selbstbewusstsein zu stärken. Andererseits können hohe Blutzuckerwerte die Nerven und die Gefäße schädigen. Daher ist es wichtig, dass Sie regelmäßig Ihre Blutzuckerwerte kontrollieren und auf eine gute Einstellung Ihrer Blutzuckerwerte achten. Wenn die Blutzuckerwerte nur wenige Monate erhöht sind, kann sich auch eine Erektionsstörung durch eine längerfristige Normalisierung der Blutzuckerwerte wieder bessern. Wenn jedoch die Blutzuckerwerte längerfristig erhöht sind, werden Nerven und Blutgefäße im Penis dauerhaft geschädigt, mit der Folge bleibender Erektionsstörungen. Weitere Risikofaktoren wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen, erhöhte Blutfettwerte (Cholesterin) oder Rauchen schädigen die Blutgefäße zusätzlich und erhöhen die Wahrscheinlichkeit für Erektionsprobleme.

Eine Erektion ist gar nicht so einfach

Damit „Er“ erregt ist, muss in der Psyche und im Körper einiges passieren. Die Erregung beginnt immer im Kopf, nämlich mit der Wahrnehmung eines erotischen Reizes. Solche Reize sind ganz individuell – manche Männer reagieren besonders auf einen attraktiven Anblick, andere auf eine Berührung, Geräusche, Musik oder eine Fantasie.

Der weite Weg über Nervenbahnen und Blutgefäße

Über Nervenimpulse wird die Erregung vom Gehirn über untergeordnete Leitzentren des Rückenmarks zum Penis geleitet. Hier erweitern sich die Blutgefäße und die Schwellkörper des Penis. Die Schwellkörper ähneln einem Schwamm. Sie können also in kurzer Zeit viel Flüssigkeit aufnehmen. Steigt der Blutfluss weiter an, nimmt der Druck in den Schwellkörpern zu. Die bindegewebige Hülle, die die Schwellkörper umgibt, ist nur begrenzt dehnungsfähig. Dadurch werden die Venen, durch die das Blut aus dem Schwellkörper abfließt, zwischen dem Schwellkörper und der Hülle zusammengedrückt und das Blut kann schlechter abfließen. Das bedeutet: Es fließt mehr Blut in den Penis hinein, als wieder herausfließt. Dadurch schwillt der Penis an und richtet sich auf. Es kommt zur Erektion. Der Erektionsvorgang ist also ein Wechselspiel zwischen Erweiterung und Verengung von Blutgefäßen und Schwellkörpern bzw. ein Wechselspiel zwischen Bluteinstrom und Blutabfluss, der vom Nervensystem gesteuert wird. Der Erektionsvorgang kann daher an mehreren Stellen gestört sein.

Auch Medikamente können die Erektion beeinträchtigen

In vielen Fällen wirkt sich auch die Einnahme von Medikamenten negativ auf die Erektionsfähigkeit aus, z. B. Bluthochdruckmedikamente,  Antidepressiva oder Cimetidin. Manchmal gibt es entsprechende Medikamente, bei denen diese Nebenwirkungen eine geringere Rolle spielen. Setzen Sie Ihre Medikamente jedoch auf keinen Fall eigenmächtig ab – Ihr Arzt hatte einen guten Grund, sie Ihnen zu verschreiben.

 Wenn das Testosteron aus dem Gleichgewicht gerät

Auch der Hormonspiegel spielt eine entscheidende Rolle für eine erfüllte Sexualität. Viele Männer mit Diabetes produzieren weniger Testosteron, das wichtigste männliche Geschlechtshormon, dies kann ein Grund für Erektionsprobleme sein. Der Testosteronmangel und die damit einhergehenden Probleme können meist mit einer Hormontherapie behoben werden diese Therapiemöglichkeit sollten Sie mit dem Arzt Ihres Vertrauens besprechen.

Behandlungsmöglichkeiten von Sexualstörungen beim Mann

Tabletten zum Einnehmen:

In Deutschland sind derzeit mehrere Präparate mit unterschiedlichem Preis zu erhalten. Es handelt sich um Sildenafil bzw. Viagra,  Cialis (Talafil) und Levitra (Vardenafil). Am preisgünstigsten ist Sildenafil. Der Wirkungseintritt und die Wirkdauer der Präparate sind unterschiedlich. So ist die Zeitspanne bis zum Wirkungseintritt nach der Einnahme von Levitra 25 bis 60 Minuten, nach Einnahme von Cialis ca. 30 Minuten, nach Einnahme von Sildenafil bzw. Viagra ca. 60 Minuten. Sildenafil bzw. Viagra und Levitra wirken ca. 4-6 Stunden, die Wirkdauer von Cialis beträgt ca. 24 Sunden. Die Präparate sind rezeptpflichtig, und werden in der Regel nicht von der Kasse übernommen. Mit der erwünschten Wirkung darf in ca. 50% gerechnet werden. Als Nebenwirkung kann es zu Kopfschmerzen, Hitzegefühl und Sodbrennen kommen. Bestimmte Patienten dürfen diese Präparate nicht anwenden. Kontraindiziert sind sie z.B. Patienten mit Angina pectoris bzw. fortschreitender koronarer Herzkrankheit. Auch darf das Präparat nicht zusammen eingenommen werden mit Nitropräparaten, wie Nitrolingual-Spray, Isosorbiddninitrat (ISDN), Isosorbidmonotinitrat (ISMN) oder Molsidomin. Wir empfehlen Ihnen deshalb mit Ihrem Arzt darüber sprechen. Neben diesen Medikamenten gibt es einen riesigen Versandmarkt im Internet mit unzähligen Präparaten, die potenzsteigernd wirken sollen. Diese Präparate helfen meist mehr der finanziellen Potenz des Herstellers und der Händler und weniger denjenigen die Hilfe suchen.

Weitere Therapiemöglichkeiten bei Sexualstörungen

Vakuumpumpen und Penisring:

Die Vakuumpumpe ermöglicht ohne chemische Mittel eine Erektion. Um den Penis herum wird ein Unterdruck erzeugt. Dadurch weiten sich die Schwellkörper des Penis, mit der Folge, dass das Blut in die Schwellkörper des Penis strömt. Die Schwellkörper weiten sich und es kommt zu einer Erektion. Wirkungswahrscheinlichkeit 60-80% . Nebenwirkungen werden relativ selten beschrieben: Kleine Hautunterblutungen, lokale Schmerzen. Die Nutzung einer Vakuumpumpe sollte insbesondere dann auch in Erwägung gezogen werden, wenn Medikamente nicht gewünscht oder nicht vertragen werden.

Näheres zur Funktion der Vakuumpumpe
Der Penis wird in einen durchsichtigen Kunststoffzylinder geschoben, wo mit Hilfe eines eingebauten kleinen Motors über einen Unterdruck Blut in die Schwellkörper des Penis gesogen wird. Meist ist nach ca. 30 Sekunden der gewünschte Versteifungsgrad erreicht. Der Ansaugvorgang mit der Vakuumpumpe wird als nicht schmerzhaft angegeben. Direkt nach Entfernen der Pumpe wird ein Gummiring über die Peniswurzel gestreift, um zu verhindern, dass das Blut wieder zurückfließt. Einzelne Patienten berichten darüber, dass allein die Nutzung eines Gummirings, käuflich als „Penisring“, ohne Vakuumpumpe helfen kann. Nach dem Geschlechtsverkehr wird der Penisring entfernt, und der Penis kann wieder erschlaffen. Die Stauung sollte nicht länger als ½ Stunde erhalten bleiben. Die Anwendung der Vakuumpumpe ist sehr einfach und schnell zu erlernen.

SKAT (Schwell-Körper-Autoinjektions-Therapie):

Bei der SKAT spritzt man sich vor dem Geschlechtsverkehr ein erektionsauslösendes Medikament direkt in die Schwellkörper des Penis. Da die verwendeten Nadeln sehr dünn sind, ist diese Injektion nahezu schmerzfrei. Die Erektion sollte nicht länger als eine Stunde anhalten. Deshalb muss die Dosis individuell unter ärztlicher Aufsicht angepasst werden. Während der Anwendung sollte kein Alkohol getrunken werden. Wirkungs-Wahrscheinlichkeit 50-70%. Die Kontraindikationen sind ähnlich wie bei den oben genannten Tabletten (Sildenafil u.a.): Angina pectoris bzw. fortschreitende koronare Herzkrankheit, gleichzeitige Einnahme bestimmter Medikamenten gegen Angina pectoris (Nitrolingual-Spray, Isosorbiddninitrat (ISDN), Isosorbidmonotinitrat (ISMN) oder Molsidomin). Mögliche Nebenwirkungen sind: Kopfschmerzen, Schwindelgefühl, Gesichtsrötung, Schwellung der Nasenschleimhaut, Verdauungsstörungen und Störungen des Farbsehens. Bei zu hoher Dosis kann es zu einer schmerzhaften Dauererektion kommen. In diesem Fall muss umgehend ein Arzt, möglichst Urologe, aufgesucht werden, damit er ein Gegenmittel in den Schwellkörper einbringt. Die Nutzung von SKAT sollte deshalb unbedingt in Absprache mit dem Arzt erfolgen.

Das Medikament, welches gespritzt wird, enthält in erhöhter Konzentration Alprostadil. Diese Substanz wird synthetisch hergestellt und entspricht dem Prostaglandin E1. Es handelt sich dabei um eine Substanz, welche in niedriger Konzentration natürlich im Körper vorkommt. Die Injektion führt dazu, dass die Muskelzellen der Penisarterien erschlaffen und sich die Blutgefäße erweitern können, mit der Folge, dass Blut in die Schwellkörper strömt und eine Erektion zustande kommt.

„MUSE“ (Medikamentöses Urethralen System zur Erektion):

Bei der MUSE wird, wie bei SKAT die Substanz Alprostadil verwendet. Im Gegensatz zu SKAT erfolgen keine Injektionen, sondern Alprostadil wird mit einem feinen Stäbchen in die Harnröhre vorgeschoben. Dort wird es über die Schleimhaut aufgenommen und wirkt nach fünf bis zehn Minuten. Die gewünschte Erektion ist jedoch weniger sicher als bei SKAT.

Die möglichen Nebenwirkungen sind ähnlich wie bei der SKAT. Die Kontraindikationen sind dieselben. Wie bei SKAT kann es zu einer schmerzhaften anhaltenden Erektion kommen, bei der unverzüglich der Arzt aufgesucht werden sollte. Wenn Reste von Alprostadil von der Frau aufgenommen werden kann es zu einer Wehentätigkeit kommen. Deshalb sollte bei der Verwendung von MUSE beim Geschlechtsverkehr ein Kondom benutzt werden. SKAT und MUSE dürfen nicht angewendet werden, wenn ein Penisimplantat vorhanden ist.

Penisimplantate:

Wenn sämtliche oben aufgeführte Therapiemöglichkeiten erfolglos sind, kann ein chirurgischer Eingriff mit Einbringung eines Penisimplantats erwogen werden. Meist handelt es sich dabei um hydraulische, d.h. aufpumpbare Systeme. Sie bestehen aus einem Flüssigkeitsreservoir im Bauchraum, einem Pumpmechanismus und zwei in den Penis eingesetzten Schwellkörpern. Die Einlage des Penisimplantats erfolgt über einen Schnitt unterhalb des Penis und hinterlässt deshalb meist keine sichtbare Narbe. Wenn eine Erektion gewünscht wird, so erfolgt über den Pumpmechanismus die Füllung der Schwellkörper mithilfe einer Flüssigkeit. Durch Betätigung eines Ventils kann die Erektion wieder zum Abklingen gebracht werden.