Metabolische Dysfunktion – assoziierte steatotische Lebererkrankung (MASLD)
Metabolische Dysfunktion-assoziierte steatotische Lebererkrankung (MASLD) – eine häufige Begleiterkrankungen bei Diabetes mellitus Typ 2.Im April 2022 wurde die Leitlinie für nicht-alkoholische Fettlebererkrankung aktualisiert. Auf dieser Seite geben wir einen Überblick über die wichtigsten Empfehlungen aus dieser Leitlinie.
Im März 2024 veröffentlichte die „Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselerkrankungen“ eine Ergänzung zu dieser Leitlinie. Darin werden neue Namen für die beschriebenen Fettlebererkrankungen eingeführt, die im Folgenden verwendet werden.
Durch die neuen Bezeichnungen soll verdeutlicht werden, dass die Erkrankung meist im Zusammenhang mit Stoffwechselrisiken (z. B. Übergewicht, Diabetes, Bluthochdruck, Fettstoffwechselstörungen) steht. Der alte Begriff „nicht-alkoholisch” definierte die Krankheit über das, was sie nicht ist. Die neuen Namen betonen die Ursache (metabolische Dysfunktion) und helfen dabei, Risikogruppen besser zu erkennen.
Wichtigste Änderungen in der Ergänzung der Leitlinie:
1) Aus dem Hauptnamen NAFLD („Nicht-alkoholische Fettlebererkrankung“ wird MASLD („Metabolische Dysfunktion-assoziierte steatotische Lebererkrankung“
2) Aus der entzündliche Form NASH („Nicht-alkoholische Steatohepatitis“) wird MASH („Metabolische Dysfunktion-assoziierte Steatohepatitis“)
Die metabolische Dysfunktion-assoziierte Lebererkrankung (MASLD) ist eine der wichtigsten Begleiterkrankungen bei Patienten mit Diabetes mellitus Typ 2: Die Häufigkeit (Prävalenz) der MASLD in Deutschland wird auf 23 % geschätzt, d. h., fast jeder Vierte ist betroffen.
Die häufigste Ursache ist das Auftreten im Rahmen eines metabolischen Syndroms. Sie kann aber auch bei Normalgewichtigen und bei Kindern vorkommen. Es handelt sich um die häufigste Lebererkrankung.
Um die Konsequenzen für die Betroffenen zu verstehen, müssen zuerst die Definitionen verschiedenen Formen der Fettleber geklärt werden, da sie ein unterschiedliches Gefährdungspotenzial haben.
Definitionen und Häufigkeit (Prävalenz) der MASLD
Bei einer Fettleber (Steatosis hepatis) ist Fett in die Leberzellen eingelagert. Bei einer Fettleberhepatitis (Steatosis hepatitis) findet sich zusätzlich eine Entzündung mit einer Schädigung der Leberzellen. Die Metabolische Dysfunktion-assoziierte Steatohepatitis (MASH) kommt mit einer Häufigkeit von 4 % vor. Sie kann zu einer Leberfibrose bis hin zu einer Leberzirrhose sowie zum Leberzellkrebs (hepatozelluläres Karzinom) führen.Die Prognose für die Patientinnen und Patienten wird durch das Ausmaß der Leberfibrose bestimmt. Bei einer Leberfibrose wird zunehmend Lebergewebe durch Bindegewebe ersetzt. Frühe Stadien der Fibrose lassen sich am besten durch eine Leberpunktion feststellen. Andere Methoden wie Laborwerte, Bildgebung oder Elastographie sind weniger genau, dafür aber einfacher durchzuführen. Aus einer MASH kann sich eine Leberzirrhose entwickeln. Es gibt keine verlässlichen Daten darüber, wie häufig dies vorkommt.
Da viele Menschen gleichzeitig Alkohol trinken ist es schwierig, eine MASLD von einer alkoholischen Fettleber (ALD) abzugrenzen. Bei einem Konsum von mehr als 20 g Alkohol pro Tag bei Männern bzw. mehr als 10 g Alkohol pro Tag bei Frauen wird von einer ALD ausgegangen. Das heißt, dass ein Mann ab einem Konsum von einem halben Liter Bier oder einem Viertel Liter Wein täglich eine alkoholische Fettleber bekommt. Bei einer Frau ist es nur die Hälfte. Risikofaktoren Menschen mit Diabetes mellitus Typ 2 und Adipositas haben häufig eine MASLD. Das Risiko für eine MASLD nimmt mit dem Alter zu, wobei besonders Männer betroffen sind.
Wer sollte sich untersuchen lassen, ob eine MASLD vorliegt?
Ein nicht invasives Screening sollte bei Menschen mit Diabetes mellitus Typ 2, metabolischem Syndrom, Adipositas oder einem Bluthochdruck durchgeführt werden. Die erste einfach durchzuführende bildgebende Untersuchung ist eine Ultraschalluntersuchung der Leber. Zusätzlich sollte der Fettleberindex bestimmt werden. Im Internet stehen hierfür einfache Rechner zur Verfügung. Ist der Ultraschall auffällig oder der Fettleber-Index größer als 60, erfolgt die Risikoeinteilung mit dem Fibrose-4-Score. Ergibt einer dieser Rechner ein niedriges Risiko und sind die Leberwerte unauffällig, reicht eine Kontrolluntersuchung nach drei Jahren aus. Ergibt sich ein mittleres Risiko und sind die Leberwerte sind unauffällig, sollten jährliche Kontrolluntersuchungen durchgeführt werden. Bei einem hohen Risiko wird eine weitere Abklärung durch einen Gastroenterologen/Hepatologen empfohlen. Das Gleiche gilt bei wiederholt erhöhten Leberwerten.Abklärung einer MASLD – was gehört dazu?
Die Abklärung einer MASLD beginnt mit einer einfachen Ultraschalluntersuchung der Leber. Dabei ist zu beachten, dass ein normaler Ultraschall eine MASLD nicht ausschließen kann. Außerdem ist es mit dem Ultraschall nicht möglich, zwischen einer MASLD und einer MASH zu unterscheiden. Ergänzt wird der Ultraschall durch eine Leber-Steifigkeitsmessung (Elastographie). Dabei wird die Verformbarkeit der Leber durch Druck, Vibration oder Ultraschallwellen gemessen. Zeigt die Elastographie einen Hinweis auf eine fortgeschrittene Lebererkrankung, sind eine kontinuierliche Überwachung des Patienten, eine Therapie und die Vorbeugung potenzieller Komplikationen wichtig. Bei Befunden in der Grauzone oder unsicheren Befunden bei fortgeschrittener Lebererkrankung kann auch eine Leberbiopsie notwendig werden.Nicht-medikamentöse Therapie der MASLD
Eine der wesentlichen Ursachen für die MASLD ist Übergewicht. Übergewichtige MASLD-Patienten sollten ihr Gewicht daher um mindestens 5 % reduzieren. Wenn die Abklärung bereits eine Fibrose ergeben hat, sollte eine Gewichtsreduktion um mindestens 10 % angestrebt werden. Patienten mit MASLD sollten ein moderates bis mittleres Sportprogramm mit drei Stunden pro Woche durchführen. Durch diese Maßnahmen lässt sich eine deutliche Verbesserung der MASLD erreichen. Patienten mit MASLD und moderatem Alkoholkonsum sollten ihren Konsum reduzieren. Liegt bereits eine Leberzirrhose vor, sollte komplett auf Alkohol und Nikotin verzichtet werden. Patienten mit MASLD sollten Kaffee trinken. Denn dadurch wird das Risiko, ein Leberzellkarzinom zu entwickeln, reduziert.Bei Adipositas Grad 2 bzw. 3 mit einem BMI von über 35 kg/m² bzw. 40 kg/m² wird eine bariatrische Operation empfohlen, sofern keine Kontraindikationen vorliegen und alle konservativen Maßnahmen ausgeschöpft wurden. Ausgenommen davon sind Patienten mit dekompensierter Leberzirrhose.
Medikamentöse Therapie der MASLD
Für frühe Stadien der MASLD gibt es keine speziell für MASLD zugelassenen Medikamente. Die Behandlung konzentriert sich auf die beschriebenen nicht-medikamentösen Maßnahmen, wie Gewichtsreduktion und Optimierung metabolischer Begleiterkrankungen, beispielsweise Diabetes, Adipositas und Fettstoffwechselstörungen.Bei bestehendem Diabetes Typ 2 oder Adipositas sind Wirkstoffe wie Metformin, Liraglutid, Dulaglutid oder Tirzepatid bei MASLD/MASH erforscht und zeigen positive Effekte auf die Leberhistologie Sie sind jedoch (Stand 2026) in Deutschland nicht speziell für MASLD/MASH zugelassen. Ihr Einsatz kann bei MASLD/MASH mit Diabetes oder Adipositas dennoch sinnvoll sein. Ausgenommen davon sind Patienten mit dekompensierter Leberzirrhose.
Bei adipösen Patienten ohne Diabetes wird aufgrund der positiven Effekte auf die MASH die Anwendung von GLP-1-Rezeptor-Agonisten oder von Orlistat, das zur Behandlung von Adipositas zugelassen ist, empfohlen. Eine Kostenübernahme durch die gesetzlichen Krankenkassen ist dann jedoch nicht möglich.
Bei MASH mit moderater oder fortgeschrittener Fibrose (aber ohne Zirrhose) sind (Stand August 2026) zwei Medikamente zugelassen:
1) Semaglutid (Zulassung April 2026)
2) Resmetirom (Zulassung August 2025, ein selektiver THR β-Agonist, der den Schilddrüsenhormon-Rezeptor β in der Leber stimuliert)
Beide Wirkstoffe sind als Ergänzung zu Diät und Bewegung zugelassen, nicht als alleinige Therapie. Patienten mit Fettstoffwechselstörung sollten zusätzlich mit Statinen behandelt werden.
Hier können Sie den aktuellen Stand der Leitlinien einsehen
Kategorisiert in: Wissen
Dieser Artikel wurde verfasst von Sebastian Zink







