© DOC RABE Media - fotolia.com

Studie deckt auf: Prädiabetes wird oft nicht erkannt

Die Diagnose Diabetes wird häufig erst gestellt, wenn Folgeschäden wie Herzinfarkt oder Schlaganfall eingetreten sind. Für die Erkennung von Vorstufen (Prädiabetes) wären effektive Tests notwendig. Englische Forscher haben die gängigen Testmethoden unter die Lupe genommen. Nach ihrer Analyse sind zumindest zwei wenig effektiv.

Erhöhte Blutzuckerwerte (Prädiabetes) stehen am Anfang

Hohe Blutzuckerspiegel bei Typ-2-Diabetes sind stille Killer. Sie schädigen die Gefäße und sind für Folgeschäden an den Organen verantwortlich. Augen, Nieren, Füße und das gesamt Herz-Kreislauf-System können betroffen sein. „Leider“ tun hohe Blutzuckerwerte nicht weh und werden deshalb oft zu spät erkannt. Häufig wird die Diagnose Typ-2-Diabetes erst in der Notaufnahme gestellt – wenn die Gefäßschäden schon weit vorangeschritten und für einen Herzinfarkt oder Schlaganfall verantwortlich sind. Dabei kommt der Diabetes nicht aus heiterem Himmel, sondern entwickelt sich über Vorstufen (Prädiabetes). In diesem Stadium ließe sich die Manifestation des Typ-2-Diabetes bei vielen Betroffenen noch verhindern. Doch um ihn zu erkennen fehlen effektive Tests.

Nüchternblutzucker deckt Prädiabetes meist nicht auf

Zur Diagnose eines (Prä)diabetes gibt es seit Jahren drei Tests: Die Messung des Nüchternblutzuckers, die Messung des HbA1c-Wertes und den Oralen Glucosetoleranztest (OGTT) (mehr dazu lesen Sie hier: Wie wird die Diagnose Diabetes gestellt?) Letzterer wird angewandt, wenn der Verdacht auf Typ-2-Diabetes bereits im Raum steht. Eine englische Forschergruppe aus London und Oxford hat in einer großen Datenanalyse die Effektivität der Messungen unter die Lupe genommen. Das Ergebnis: Mangelhaft. Durch die Messung des Nüchternblutzuckers werden zwar 94 % der tatsächlichen gesunden Menschen als gesund erkannt, so das Ergebnis der Analyse. Aber nur bei jedem vierten untersuchten Patienten deckt die Testmethode ein erhöhtes Diabetesrisiko auf. Der Grund: Menschen mit Prädiabetes können im Test niedrige Nüchternblutzuckerwerte zeigen und so fälschlicherweise als gesund eingestuft werden.

HbA1c-Wert eher zur Verlaufskontrolle geeignet

Auch die Messung des Langzeitblutzucker-Wertes (HbA1c) scheint nur wenig geeignet, einen Prädiabetes zu erkennen, haben die Forscher herausgefunden. Trotzdem sei sie wichtig – zur Verlaufskontrolle bei einem bestehenden Diabetes. Bleibt der Orale Glucosetoleranttest (OGTT). Solange keine neuen Testmethoden zur Verfügung stehen, wird er – zusammen mit der Messung des Nüchternblutzuckers – zur Diagnose herangezogen. Dies sei, so die Forscher, vor allem nach einem Schwangerschaftsdiabetes wichtig.

Wer hat ein erhöhtes Risiko für einen Prädiabetes?

Dies sind z.B. Frauen mit einem Schwangerschaftsdiabetes, der für gewöhnlich nach der Schwangerschaft wieder verschwindet. In den Jahren danach haben diese Frauen ein siebenfach erhöhtes Risiko, langfristig an Typ-2-Diabetes zu erkranken. Sie müssen deshalb regelmäßig untersucht werden. Ebenfalls gefährdet für Prädiabetes sind Menschen, in deren Familie Eltern bereits an Typ-2-Diabetes erkrankt sind. Denn bei Typ-2-Diabetes ist das Risiko der Vererbung deutlich erhöht. Wenn Übergewicht bzw. das Metabolische Syndrom hinzu kommen, steigt das Risiko für Diabetes deutlich an.

Bis neue Testmethoden verfügbar sind, bleibt deshalb nur: Aufmerksam sein und die Nüchternblutzuckerwerte beim Arzt regelmäßig kontrollieren lassen. Und natürlich: Durch gesunde Ernährung und viel Bewegung dem Diabetes vorbeugen.

Quelle: Diabetesinformationsdienst München. Den gesamten Beitrag lesen Sie hier.

Haben Sie ein erhöhtes Diabetesrisiko? Hier können Sie einen einfachen Test (Fragebogen) machen. 

Mehr über Typ-2-Diabetes lesen Sie in unserer Rubrik Wissen.

*Barry, E. et al.: Efficacy and effectiveness of screen and treat policies in prevention of type 2 diabetes: systematic review and meta-analysis of screening tests and interventions. In: BMJ, 2017, Jan 4; 356:i6538. doi: 10.1136/bmj.i6538.